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Full text of "Archiv für lateinische lexicographie und grammatik mit einschluss des älteren mittellateins"

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ARCHIV 



FÜR 



LATEINISCHE LEXIKOGRAPHIE 



UND 



GRAMMATIK 



MIT KIN8CHLU88 1)K8 



ÄLTEREN MITTELLATEINS. 



ALS VOR ARBKIT ZU EINKM 

THESAURUS LINGUAE LATINAE 

MIT UNTERSTÜTZUNG 

DER K. BAYERISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 

HKRAl 80FOEBKN VON 

• • ■ 

EDUARD WÖLPPLDf, 

ORDXNTI.. PROKHSHOR DKR KI.A.SM. l*HIl,OI,0(>IK AN DKK l'NI VKRSITÄT MÜNCHEN. 



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VIERTER JAHRGANG. 




THIS ITEM HAS BEEN MICROFILMED BY 

STANFORD UNIVERSITY LIBRARIES 
REFORMATTING SECTION 1994. CONSULT 
SUL C ATALOG FOR LOCATION. 



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DRUCK UND VKRLAG VOM it. w. ........KR. 

1887. 



I . 



Inhalt. 

Seite 

Die Dissimilation der littera canina. Vom Herausgeber 1 

Genuswechsel der Deminutiva. Von A. Weitüiold 169 

Subbtautiva mit in privativnm. Vom Herausgeber 400 

Die Verba auf -illare. L II. Von A. Funck 68. 223 

Die Verba frequentativa und intensiva. Vom Herausgeber 197 

Die lateinischen Adverbia auf -iter. Von H. Osthoff 455 

Die Natur im Sprichwort. Von A. Otto 14 

Das Pflanzenreich im Sprichwort. Von A. Otto 189 

Essen und Trinken im Sprichwort. Von A. Otto 345 

Ober die Latiuität der Pert'grinatio ad loca sancta. Vom Herausgeber 259 

Zu Dracontius. Von Konr. Rofsberg 44 

Velum = Fahrzeug , Flofs. Von Heino Pfannenschmid 413 

Usque mit Accusativ. Vom Herausgeber 52 

Penes. I. II. Von P. Hirt 88. 389 

Uls, trans und ultra. I. II. Von Phil. Thielmann 247. 358 

Abdico bis abhibeo. Vom Herausgeber 101 

Abeo. Abeona. Von Jos. Menrad 467 

Abhinc. Von Heinr. Ploen 109 

Abborreo, abhorreaco, abhorride. Von Heinr. Ploen 277 

Abicio, abiectus, abiecte. Von Phil. TJiielmann 632 

Abiectio bis ablingo. Vom Herausgeber 288 

Ablatio. Abloco bis abnuto. Vom Herausgeber 562 

Vulgärlateinische Substrate romanischer Wörter. (M bis P.) Von 

G. Gröber 116. 422 



Miscellen. 

Alteste lateinische Inschrift. Vom Herausgeber 143 

Zwei neue Fragmente archaischer Poesie. Von Phil. Thielmann . . 600 

Zu Lucilius 710 B. Von J. M. Stowasser 616 

Zu Plinius epist. 1, 6, 14. Von O. Keller 139 

Firmicus Maternus. Von Karl Sitti 608 

Zu Au80nius. Von J. M. Stowasser 616 

Zur Peregrinatio ad loca sancta. Von Paulus Geyer 611 

Verbalformen vom Perfektstamme bei Claudian. Von Th. Birt . . . 589 

Zu Isidor. orig. 17, 3, 10. Von Dr. Schwarz 196 

Das lateinische Futurum ezactum. Von Franz Gramer 594 



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IV Verzeichnis der angezeigten Schriften. 

Seit« 

Verba auf -issare und -izare. Von A. Funck 317 

Composita auf fer und -ger. Von Fr. Stolz 316 

In privativum. Von Fr. Vogel 320 

Zur Entwicklung der Hendiadyoin. Vom Herausgeber 143 

Randglossen zu Archiv III 355 ff. Von Martin Hertz 137 

Abhastare {Hsgb.) 324. Accipiter {W. Brandes. H. Dressel) 141. 324. Acha- 

riter {Phil. TJiielmann) 600. Adductorium {Jul. Hauer) 141. 
Balan {Phil Thielmann) 601. 
Coluber (L. Havct) 142. Cornuficius {Hsgb.) 620. 
Dirigero litteras {Hsgb.) 100. Dumtaxat {Hsgb.) 325. 
Expedire (L. Havel) 246. 
OladiatoriciUH {Edm. Hauler) 323. 
Hispali (L. Havct) 142. 
Incoepisse (Edm. Hauler) 323. Inpensae, Mörtel {(). Secck) 421. Instar 

{Hsgb.) 357. lnteremo {K. E. Georges) 315. Iulicae, Bartflaum {A. Sonny) 

606. lulus {Ed. Labbert) 587. 
Lausa {Fr. Scholl) 258. Luxuriator {Edm. Hauler) 324. 
Magie {(). Keller) 316. Medianus {Konr. Hofmann) 43. Mtlo = Nilus 

{0. Keller) 140. Moscillus. muscillus {0. Keller) 139. Mulus, mulastcr 

{Hsgb.) 412. 
Natare {John Mayor) 531. 
Opus est {Hsgb.) 325. 
Peremo {K. E. Georges) 315. Perviam. pervium. {H. Blase) 322. Praedi- 

catrix {Edm. Hauler) 324. Promus ut {Hsgb.) 618. Prosodiacus (/. 31. 

Stotc asser) 617. 
(Jues {O. Keller) 139. 
Saeculum. eaecula (H. Nettlesliip) 598. Salaputtium {Phil. Thiclmann) 601. 

Scopero. scrobere (J. N. Ott) 616. Secus. setius {A. Zimmermann) 602. 

Subitare {Hsgb.) 586. 
Temere {Hsgb.) 51. Ex toto. in totum {Hsgb.) 144. 
Ullageris (/. N. Ott) 388. Ut quid (Hsgb.) 617. 
Vice versa {Hsgb.) 67. Viscera = membra {W. Brandes) 464. 

Sprechsaal 168. 343. 645 



Verzeichnis der angezeigten Schriften. 

Seite 

Ahlbeim, Aug. De Senecae rbetoris ubu dicendi 162 

Bourciez, Ed. De praepOBitione Ad casuali 330 

Brugmann, O. Über d. condicionale Ni 334 

Cocchia, E. Rassegna critica 629 

Cramer, Fr. De perfecta coniunetivi usu potent iali 165 

Darmesteter, J. La vie des mots 623 



Verzeichnis der angezeigten Schriften. V 

Seite 

De ecke, W. Die griechischen und lateinischen Nebensätze .... 624 

Dombart, Bernh. Commodiani carmina 641 

Dorsch, Josef. Assimilation in den Compositis 633 

Ellis, Rob. Philipps Glossary 149 

Felix, Hans. Quaest. grammat. in Velleium Paterc 164 

Fröhlich, Franz. Stilistisches zu Caesar 635 

Gamurrini, J. Franc. Hilarii tract. Peregrinatio ad loca sancta . 338 

Georges, K. E. Lexicon der latein. Wortformen 326 

Gradenwitz, Otto. Interpolationen in den Pandekten 644 

Grösst, loa. Quatenus Silius Ital. a Vergilio pendeat 638 

Hauler, Edm. Sallustfragmente 166 

Hildebrand- Fügner. Lexicon Livianum 627 

Hinze, Paul. De An particulae usu 332 

Hoerle, Ad. De caeuum usu Propertiano 336 

Holder, Alfr. Rufi Festi Avieni carmina 329 

Huemer, loh. Virgilii Maronis grammatici opera 167 

Jordan, H. Sallustii Catilina, lug., Histor 636 

Krebs- Schmalz. Antibarbarus 165. 330. 628 

Lange, 0. Zum Sprachgebrauche des Velleius 166 

Langen, P. Plautinische Studien 160 

Leo, Frid. Vindiciae Plautinae 632 

Madvig, J. Nie. Opuscula academica 629 

Martialis, Wörterverzeichnis 148 

Marty, Adam. De Quintiliani copia verborum 337 

Menge-Preufs. Lexicon Caesarianum 328. 627 

Merguet, H. Lexicon zu Cäsar 626 

Meusel, H. Lexicon Caesarianum 327 

Meyer, Wilh. Die latein. Sprache in den roman. Ländern .... 154 

Meyer, Paul. De Ciceronis in epist. ad Atticum sermone 634 

Mowat, J. L. G. Anecdota Oxoniensia 342 

Niemöller, G. De pronominibus ipse et idem 336 

Paucker, C. Supplem. lexicorum latinorum 326 

Paul, Hermann. Principien der Sprachgeschichte 621 

Piechotta, J. Anecdoton latinum 339 

Planer, H. De haud et haudquaquam negationibus 158 

Reiter, A. De Ammiani Marc, usu orationis obliquae 642 

Richard so n, G. M. De Dum particulae usu 332 

Riemann, 0. Syntaxe latine 151 

Imperatif en -to 153 

Ron ach, Herrn. Semasiologische Beiträge 327 

Roh de, Dietr. Adiectivum quo ordine apud Sallustium coniunetum 

sit cum substantivo 636 

Rozwadowski, Joa. Qua ratione historici Romani numeros qui accu- 

rate definiri non poterant expresserint 637 

Schmalz- Landgraf. Reisigs Vorlesungen 163. 631 

Seh man 8, Hans. Tacitus ein Nachahmer Vergils 640 

Scböndörffer, Otto. De Syntaxi Catonis 161 



VI Verzeichnis der Gelehrten u. 8. w. 

Seit«* 

Stowasscr, .T. M. Hisperica Famina 341 

Trump, Frid. Obs. ad genus dicendi Claudiani 643 

Walter, Friedr. Studien zu Tacitus und Curtius 639 

Winnefeld, Herrn. Sortis Sangallenses 340 

Wolf fliu, Ed. Das Wortspiel im Lateinischen (531 

Wrobel, Jac. De vocabulis nimis et nimium 633 

Zander, C. M. Quod et ld quod 157 



Verzeichnis der Gelehrten, 

welche Beitrage zu Band I. II. JH. IV geliefert haben. 

Appel, Erust, Dr. phil. Gymn.-Lehrer in Elberfeld. 

Bährens, Emil, Prof in Groningen. 

Bälgt, G., Dr. ]»liil. Bibliothek«- Sekretär in Erlangen. 

Bauer, Ludw«, Dr. phil. Studionlelirer in llegensburg. 

Beck, J. W., Dr. phil. Gymn.-Lehrer in Groningen. 

Birt, Theodor, Prof. iu Marburg. 

Blase, II., Dr. phil. Gymn. Lehrer in Darmstadt. 

Bftckel, Ernst, Prof. in Karlsruhe. 

Bonnet, Max, Prof. in Montpellier. 

Brandes, Willi., Dr. phil. Oberlehrer in Braunsehweig. 

Brandt, Sani., Prof. in Heidelberg. 

Brnns, lvo, Prof. in Kiel. 

BOcheler, Franz, Prof. in Bonn. 

Christ, Wilh. v., Prof. in München. 

Cramer, Franz, Dr. phil. Gymn.-Lehrer in Duisburg. 

Dehner, Sein, Dr. phil. Gymn.-Lehrer in Bonn. 

Heuerling, A., Rektor in Burghausen. 

Dombart, B., Rektor in Ausbach. 

Drager, A., Gymn.- Dir. iu Aurich. 

Draheim, H., Dr. phil. uud Gymn.-Prof. in Berlin. 

Dressel, H., Oberlehrer in Zwickau. 

Dziatzko, Karl, Dr. ])hil. Oberbibliothekar in Göttingen. 

Ellis, Robinson, Prof. in Oxford. 

Fleischer, Curt, Dr. phil. Gymn.-Prof. iu Meifsen. 

Förster, Wend., Prof. in Bonn. 

Frankfurter, S., Dr. phil. an der Universitäts-Bibliothek in Wien. 

Friedrich, 0., Dr. phil. Gymn.-Prof. in Potsdam. 

Ffirtner, Jos., Stndienlehrer in München. 

Funck, A., Dr. phil. Gymn.-Lehrer in Kiel. 



Verzeichnis der Gelehrten n. s. w. VII 

Georges, K. E., Dr. phil. Prof. in Gotha. 

Geyer, Paulas, Studienlehrer, z. Z. in Rom. 

Gitlbauer, Mich., Prof. in Wien. 

Götz, G., Prof. in Jena. 

Grober, €L, Prof. in Strasburg. 

Gutjahr-Probst, E. A., Oberlehrer in Leipzig- Reudnitz. 

Härder, Franz, Dr. phil. Gymn.- Lehrer in Berlin. 

Hartel, Wilh. ?., Prof. in Wien. 

Hart mann, Felix, Dr. phil. in Grofs- Lichterfelde. 

Hauer, Jul., Gymn.- Lehrer in Kremsmünster. 

Hauler, Edmund, Dr. phil. in Wien. 

Haufsleiter, Jon., Dr. phil. Studienlehrer in Erlangen. 

Haret, Louis, Prof. in Paris. 

Helmreich, G., Dr. phil. Studienlehrer in Augsburg. 

Hertz, Martin, Prof. in Breslau. 

Hirt, Paul, Dr. phil. Gymn. -Lehrer in Berlin. 

Hoffmann, Eman., Prof. in Wien. 

Hofmann, Konr., Prof. in München. 

Huemer, Job«, Dr. phil. im Unterrichtsministerium in Wien. 

f Jordan, Heinr., Prof. in Königsberg. 

Kalb, Wilh«, Dr. phil. Studienlehrer in Nürnberg. 

Keil, Heinr., Prof. in Halle. 

Keller, Otto, Prof. in Prag. 

Köhler, Albr., Dr. phil. Studienlehrer in Nürnberg. 

Korsch, Theodor, in Moskau. 

Krumbacher, K., Dr. phil. Priv.-Doc. in München. 

Kr lisch, Bruno, Dr. phil. am Kgl. Staats- Archiv in Berlin. 

KObler, Bernh., Dr. phil. Gymn.-Lehrer in Berlin. 

Landgraf, Gust., Dr. phil. Stadienlehrer in München. 
Langen, Peter, Prof. in Münster i. Westfalen. 
fLöwe, Gust., Dr. phil. in Göttingen. 
Ltibbert, Eduard, Prof. in Bonn. 

Mayboff, K., Gymn.-Direktor in Leipzig. 

Mayor, John E. B., Prof. in Cambridge. 

Meiser, Karl, Dr. phil. Gymn.- Prof. in München. 

Meltzer, Job., in Tübingen. 

Menrad, Jos., Dr. phil. Assistent am Luitpold-Gymn. in München. 

Miodonski, Adam, in München. 

Müller, Adolf, Dr. phil. Gymn.-Lehrer in Flensburg. 

Nauck, Carl, Gymn. -Dir. a. D. in Königsberg i./N. 

Nettleship, Henry, Prof. in Oxford. 

Nohl, H., Dr. phil. Gymn.-Lebrer m Berlin. 

Opitz, Theodor, Dr. phil. Gymn.-Lehrer in Dresden-Neustadt 
Osthoff, H., Prof. in Heidelberg. 



VW Verzeichnis der Gelehrten u. s. w. 

Ott, J. N., Eektor in Rottweil. 

Otto, A«, Dr. phil. Gymn.-Lehrer in Oppeln. 

Pauli, C, Dr. phil. Priv.-Doc. in Leipzig. 

Peiper, IL, Dr. phil. Gymn. -Prof. in Breslau. 

Petsehenig, M., Dr. phil. Gymn. Prof. in Graz. 

Piechotta, J., Dr. phil. Gymn. Lehrer in Leobschütz. 

Ploen, Heinr., Dr. phil. Lehrer am Lyceum in Strasburg i. Eis. 

Bibbeck, Otto, Prof. in Leipzig. 
Rohde, Erwin, Prof. in Heidelberg. 
Rossberg, Konr., Dr. phil. in Hildesheim. 

Schenkl, H«, Dr. phil. Gymn.-Prof. und Priv.-Doc. in Wien. 

Schenkl, K«, Prof. in Wieu. 

Schepss, Georg, Dr. phil. Studienlehrer in Würzburg. 

Schlee, Fr., Dr. phil. Gymn. -Lehrer in Berlin. 

Schmalz, J. H«, Gymn. -Dir. in Tauberbischofsheim. 

Schmaus, H., Dr. phil. Assistent am Gymn. in Dillingen a. D. 

Schmidt, Jon., Prof. in Giefsen. 

Schmitz, Wilh., Gymn. -Dir. in Köln. 

Schnorr y. Carolsfeld, H., Dr. phil. Sekretär an der Staatsbibl. in Mönchen. 

Scholl, Friedr., Prof. in Heidelberg. 

Scholl, Rad., Prof. in München. 

Schulthefs, Otto, Dr. phil. Gymn.- Lehrer in Frauenfeld. 

Schwarz, Dr. phil. Gymn.-Lehrer in Hirschberg i. SchL 

Seck, Franz, in Moskau. 

Seeck, 0., Prof. in Greifs wähl. 

Sittl, Karl, Dr. phil. Priv.-Doc. in München. 

Sonny, Adolf, Dr. phil. Docent an der Universität Kiew. 

Spengel, Andr., Dr. phil. Rektor in Passau. 

Stolz, Friedr., Dr. phil. Priv.-Doc. und Gymn.-Prof. in Innsbruck. 

Stowasser, J. M., Gymn.-Prof. in Wien. 

Stademnnd, Wilh., Prof. in Breslau. 

Such i er, Hermann, Prof. in Halle. 

Thielmann, Phil«, Dr. phil. Studienlehrer in Speier. 
Thorneysen, Rad., Prof. in Freiburg. 

Usener, Herrn., Prof. in Bonn. 

Yogel, Friedr., Dr. phil. Studienlehrer in Nürnberg. 

Wagener, C, Dr. phil. Gymn.-Lehrer in Bremen. 

Weber, Phil«, Dr. phil. Studienlehrer in Speier. 

Weinhold, A., Dr. phil. Gymn.-Prof. in Grimma. 

Weyman, Karl, Dr. phil. Assistent an der Staats- Bibl. in München. 

Wölfflin, Eduard, Prof. in München. 

Zimmermann, A., Dr. phil. am Marien- Gymn. in Posen. 
Zingerle, Anton, Prof. in Innsbruck. 



Die Dissimilation der littera canina. 

Wenn das Archiv für lateinische Lexikographie und Gram- 
matik sicher nicht gegründet worden ist um anderen philo- 
logischen Zeitschriften Konkurrenz zu machen, sondern um einem 
wissenschaftlichen Bedürfnisse entgegenzukommen, so mufsten 
demselben von Anfang an strenge Grenzen gezogen werden. So 
gut aber die Sprachvergleichung oder die Eonjekturalkritik , so 
weit sie nur längst bekannte Worte in die Texte einführt, aus- 
geschlossen werden mufste, so notwendig war es zum Bewußt- 
sein zu bringen, dafs das gewählte Spezialgebiet weit und reich 
genug sei auf lange Jahre Stoffe zu lohnenden Untersuchungen 
zu liefern. Indem das Spätlatein und das Mittellatein bis auf 
Karl den Grofsen in die sprachgeschichtliche Forschung eingefügt 
worden ist, sind wir gleichsam auf einen weiten Ocean geraten, 
auf dem man erst lernen mufs sich zurechtzufinden. Seien wir 
daher zufrieden, dafs unser Fahrzeug nicht nur keinen Schaden 
genommen hat, sondern dafs die ersten Probefahrten zur Kenntnis 
gewisser Strömungen und zur Unterscheidung weiterer und kür- 
zerer Wege geführt haben. Obschon indessen die Redaktion 
bemüht gewesen ist eine möglichst grofse Mannigfaltigkeit in die 
Aufsätze zu bringen, so sind doch nicht alle Disziplinen gleich- 
miifsig zur Vertretung gelangt, und es ist deshalb eine unab- 
weisbare Aufgabe die bisher vernachlässigten in unsern Kreis 
hereinzuziehen; wo aber die Zettel kein Material bieten, werden 
wir uns auf Anregungen beschränken müssen, und darin mögen 
die folgenden Zeilen, welche einem Kapitel der Lautlehre ge- 
widmet sind, ihre Entschuldigung finden. 

Es soll hier nicht über die Natur und Aussprache des R 
(littera canina bei Persius 1, 109) gesprochen werden, worüber 
es genüge auf Seelmanns Aussprache des Latein, S. 307 ff. zu 
verweisen, sondern nur im Nachgange zu Thielmanns schöner 
Bemerkung über meneris (Arch. III 539) über den bei Seelmann 

Archiv für lat. Lexikogr. IV. Heft 1. 1 



2 Ed. Wölfflin: 

S. 329 also formulierten Satz: „Zwei in direkt aufeinander fol- 
genden (dieses Moment vernachlässigt Bechtel in der unten an- 
zuführenden Dissertation) Silben stehende R vertragen sich schlecht, 
und die Sprache ist verschieden vorgegangen, diesen verwickelten 
Artikulationsmechanismus zu vereinfachen." Dafs es am nächsten 
lag der holprigen Form meretrix durch meletrix auszuweichen, 
hat Bücheier in Fleckeisens Jahrb. 105 (1872) 113 gezeigt, und 
Turpiliüs wie Afranius (136 Ribb.) haben beispielsweise so ge- 
schrieben, wie meltrice ital. dial. und meltriz altfrz. ist; menetrix 
aber konnte durch die Analogie von Genetrix und durch den 
Gebrauch von manere = concumbere begünstigt werden; ix er- 
weichte sich zu is wie in cacatris = cacatrix Inscr. Pomp.* 2125, 
und schliefslich trat an die Stelle von menetris das noch be- 
quemere meneris. Die These von Seelmann ist im ganzen gewifs 
richtig, wenn auch nicht mehr neu, und bei Bücheier (auf den 
Seelmann nicht verweist, so wenig als auf Corssen) bereits aus 
führlich begründet; die Tragweite erkennt man noch in den 
romanischen Sprachen, wenn beispielsweise die Franzosen *un lit 
de Procuste' sagen oder das Sieb (cribrum) frz. crible, die Hor- 
nisse (crabro) ital. calabrone heilst; auch die Hauptmittel zur 
Vermeidung der unangenehmen Nachbarschaft (1. Verwandlung 
des einen r in eine andere Liquida, 2. Trennung der beiden r- 
silben durch vokalische Epenthese, 3. Tilgung des einen der 
beiden r) hat Bücheier richtig angegeben. Einiges giebt auch 
Fritz Bechtel, Assimilation und Dissimilation der Zitterlaute, 
Göttingen 1876. S. 17 — 27; romanische Beispiele Diez, Gramm. 
I 3 222 — 224. Indessen dürften die Beispiele in gröfserer Reich 
haltigkeit beizubringen sein, und abgesehen davon, dafs die 
Schriftsprache die zwei r mehr, die Volkssprache weniger duldete, 
wird auch darauf zu achten sein, ob die r für sich allein oder 
in Verbindung mit einer Muta, ob sie in den zwei Anfangssilben 
oder in Mittel- und Schlufssilben stehen, ob das r echt oder aus 
8 entstanden sei. 

1. Gen. plur. auf -raram, -rorum. 

Da es leicht ist deüm auf fcäv zurückzuführen, so lag kein 
Bedürfnis vor zur Erklärung der Endung um für arum, oruni 
den Rhotacisuius beizuziehen; indessen bemerkte ich schon Philol. 
25, 133, es sei bei barbarüm zu erwägen, dafs die volle Form 
die littera canina dreimal enthalten hätte; eine Erklärung, die 
auch Bücheier (Grundrifs der lat. Declin. 1879. S. 86) für dieses 



Die Dissimilation der littera canina. 3 

Wort angenommen hat. Überliefert ist barbarüm bei Nepos Milt 
2, 1. Alcib. 7, 4; schwerlich bei Livius, da Kühnast S. 25 kein 
Beispiel anführt und barbarorum 6, 42, 7. 22, 22, 6. 31, 34, 8 
sicher steht; bei Phädrus 4, 7, 11; bei Tacitus Annal. 14, 39. 
15, 25, so dafs die dritte Auflage von Neues Formenlehre das 
bisher übergangene Beispiel wird erwähnen müssen. Da übrigens 
die Reden Ciceros nicht weniger als 11 Belege für barbarorum 
aufweisen (Merguet, Lex. I 394. 395) und einen für barbararum 
(imp. Pomp. 23), so ist augenscheinlich, dafs dem Redner die 
grammatische Regel mehr galt als die in der Umgangssprache 
geduldete und beliebte Erleichterung. Im Philolog. 33, 66 habe 
ich auch vorgeschlagen, das bei Semproniuä Asellio frg. 14 Pet. 
überlieferte triarum (quartum signum accedebat) in triariüm 
(statt triariorum) zu verändern, was nun Peter in der neuen 
Ausgabe in den Text gesetzt hat. Wird nun die Vermeidung 
der vollen drei r enthaltenden Genetivformen aus phonetischen 
Gründen begreiflich erscheinen, so wird man auch adversariüm 
bei Ter. Hec. prol. 2 und 14 sowie bei Pompeius Cic. Attic. 8, 
12, D, 2, obwohl die ein r enthaltenden Silben nicht unmittelbar 
aufeinander folgen, am einfachsten so erklären, ohne zu betonen, 
dafs die Römer nicht gerade Freunde sechssilbiger Wortformen 
waren. 

Schwieriger ist es allerdings zu bestimmen, wie weit aus 
der Vermeidung der littera canina diejenigen Genetivformen zu 
erklären seien, welche in der Kürzung nur noch ein r behalten, 
wie virüm (konstant duumvirum, triumvirum), fabrüm, inferum, 
posterum, procum, patricium (aus Servius' Klassenordnung, Festus 
p. 249 M.); aber auch wenn man praefectus fabrum als eine 
archaische hergebrachte Formel entschuldigt, müfste man doch 
zuerst erklären, warum man in der vorklassischen Prosa fabrum 
und nicht fabrorum sagte. Bei den Komposita auf fer und ger 
mag der Gen. plur. mit Rücksicht auf die Länge der Wortformen 
beschnitten worden sein, obschon auch diese Annahme nicht 
gerade notwendig ist Liberum hat Cicero in den älteren Reden 
bis zur Prätur, in den folgenden nur liberorum, nach Merguet 
IH 46 f., worin wir nur eine Bestätigung des Satzes finden, dafs 
der strenge Prosastil und die Schulmeisterregel mehr den For- 
derungen einer vermeintlichen Korrektheit nachgab, während die 
Konversation sich Erleichterungen gestattete. Im Gegensatze zu 

dem dem sermo familiaris angehörigen Worte liberi hat über 

l* 



4 Ed. Wölfflin: 

das Buch, ein Begriff der Gelehrtensprache, den Gen. plur. nicht 
auf um gebildet Dafs das bei Neulateinern häufige plero- 
rumque vermieden werden mufs, ist aus dem Antibarbarus be- 
kannt; man sage plurimorum oder drehe die Konstruktion anders. 
Der Ausdruck Vitruvs I 1, 11 scientia plerarumque litterarum 
ist nur ein Beweis seiner mangelhaften grammatischen Bildung. 
Sacrum, welches bei Neue fehlt, gebraucht Martial 1, praef. und 
10, 41, 7 neben sacrorum 3, 24, 11. 

Somit glauben wir wenigstens an eine Neigung den beiden 
r aus dem Wege zu gehen, wenn auch dieselbe nie in dem Grade 
erstarkt und durchgedrungen ist, dafs die Formen mit doppeltem 
r verpönt gewesen wären. Allerdings scheint Pompeius die Sache 
so aufgefafst zu haben, wenn er Gr. lat. V 111, 11 Keil schreibt: 
legistis in Cicerone ut usque alteram r litteram non declinis, 
und je weniger Wert wir auf eine eigene Beobachtung des 
Grammatikers legen würden, desto bedeutsamer wird eine Notiz, 
die er offenbar aus älterer Quelle geschöpft hat. Wenn aber der 
Schriftsteller die Wahl hatte, liberum oder liberorum zu schreiben, 
so wurde die Doppelform für den Dichter ein Mittel seinen Vers 
leichter zu bauen. Während Plautus Capt. 889 in trochäischen 
Septenaren vier r in den Kauf nahm (liberorum quaerundoruni 
causa), finden wir bei Ennius sowohl liberum quaesundum causa 
als auch liberorum quaesendum (quaesundum) gratia, wie bei 
Gellius 4, 3, 2 liberum quaerundum gratia. 

Bei den a-stäinmen spielt das r eine weniger wichtige Rolle, 
aufser bei amphorum, welches = afitpogav sein wird; die Vor- 
schrift bei Pompeius bezieht sich übrigens eben sowohl auf die 
erste Deklination als auf die zweite. 

2. Komparative auf -rior. 

Auf die Steigerung der Adjektiva auf arus, erus, irus, orus, 
urus ist bisher nicht geachtet worden, und möglich, dafs sie es 
nicht verdienen; eine feste Übung wie bei praefectus fabrüm 
oder triumvirum hat sich hier nicht gebildet, aber vielleicht auch 
nicht bilden können, weil die Komparative in den Formeln des 
Kurialstiles nur eine untergeordnete Bedeutung haben. Es kommt 
dazu, dafs bei Formen wie purior die beiden r zwar zwei un- 
mittelbar aufeinander folgenden Silben angehören, aber doch, auf 
Anlaut und Auslaut verteilt, zwei Vokale zwischen sich haben, 
wodurch das den Körnern Anstöfsige wesentlich gemildert wurde. 
Formen mit dreifachem r sind allerdings sichtlich vermieden 



Die Di88imilatioD der littera caniua. 5 

worden; denn Plaut. Most. 394 Lor. ist pro prior als korrupt 
anerkannt; Sen. contr. 10, 33, 19 haben Madvig und Kiesling 
verbo magis proprio usus verbessert, wie schon Neue vermutete; 
German. Arat. 4, 2 schreibt Bährens mit dem alten codex Pa- 
risinus: vitavit fiammas proprio bene lucidus ore; und so mag 
proprioribus einem Merobaudes (Carm. 5, 27) überlassen bleiben. 
Rarior vermag ich im Augenblicke nicht aus Cicero zu belegen, 
wenn auch Seneca rariores geschrieben hat. 

Barbariora hat Ovid. Pont 3, 2, 78 als anai, etg. ge- 
schrieben, man braucht nicht zu sagen, inkorrekt, aber doch in 
einer Zeit, als dem Verbannten der sermo urbanus nicht mehr 
an das Ohr schlug. Vgl. Trist. 3, 14, 49. 

Über Komparative mit zwei r läfst sich etwa Folgendes 
sagen. Gnarior kennt die Latinität vor Augustin nicht, sondern 
als Ersatz tritt peritior ein, dessen beide r doch durch eine 
Silbe getrennt sind. Perus weicht dem Komparativ aus (Neue 
II 2 131) zu Gunsten von ferocior; serior hat Martial 5, 6, 3 
und verior ist allbekannt, wenn auch die Umschreibung mit magis 
nicht minder selten. Dirior lesen wir bei Tertullian, während es 
bei Cicero divin. 2, 36 durch die besseren codd. nicht unterstützt 
wird; statt miriora sagt Plaut. Amph. 1107 magis mira, Mil. 
539 magis miris modis statt mirioribus modis. Auch der Kom- 
parativ von decorus versagt bei Quintilian und Tacitus, die (8, 
3, 10. 11, 3, 156. Agr. 44) auf decentior greifen, etwa wie 
sanctior für sacrior in die Lücke treten mufs. Endlich stellt 
Quintilian 10, 1, 94 nebeneinander tersior ac purus magis 
Horatius. Vgl. d. Vf. Comparation S. 32. 

Dabei soll nicht bestritten werden, dafs sich diesen Beispielen 
leicht andere gegenüberstellen lassen, welche das Gegenteil be- 
weisen können. An avarior haben weder Plautus noch Cicero 
Anstofs genommen, und des letzteren Wortspiel 'omnia prae- 
clara rara' (Lael. 79) beweist zur Genüge, dafs er gegen den 
knurrigen Laut abgehärtet war. Allein selbst Dutzende solcher 
Stellen vermochten nicht die Gewifsheit zu geben, dafs keine 
Strömung gegen die Wiederholung des r bestanden habe. Wurde 
es aber einmal üblich magis mirus zu sagen, so blieb man bei 
der Umschreibung auch da, wo sie nicht nötig war, im Neutrum, 
magis mirumst, u. ä. Unter allen Umständen kann diese 'Frage' 
nicht für sich allein, sondern nur im Zusammenhange mit den Be- 
obachtungen auf andern Gebieten der Sprache entschieden werden. 



6 Ed. Wölfflin: 

Die Form pluriores, welche in dem französischen plusieurs 
erhalten ist, hat das Spätlatein ertragen; wenigstens finden sich 
keine Varianten bei Hilarius epist. ad Philem. 4 pluriori pro- 
secutioni explicata; Vict. Vit, 3, 32 pluriores tortores; Fulgent. 
uiyth. praef. 1 pluriora laniola; Facundus Hermauensis in ReifFer- 
scheids Bibl. patr. I 54 quanto plurioribus offuerunt. 

3. Konjugation. 

Wenn wir die auf r auslautenden Verbalstamme und die 
Endungen re, ri, rem, ris ins Auge fassen, so fällt unser Blick 
zuerst auf fero, welches die Formen mit doppeltem r wie ferere, 
fererem durch Synkope beseitigt Denn vor rr genierten sich 
die Römer so wenig als die Griechen, während im Sanskrit 
geradezu umgekehrt r im Anlaute unmittelbar aufeinanderfol- 
gender Silben geduldet, rr dagegen vermieden wird. Gero wird 
im Lateinischen anders behandelt; weil hier das r erst aus s 
hervorgegangen ist uud zwar in einer Zeit, als fero seine Bildung 
beendigt hatte, und weil zwischen den beiden s (gesese) der 
Bindevokal bleiben mufste, um den Übergang in r zu ermöglichen. 
Tero, terere mit ursprünglichem r ist somit der Analogie von 
gero gefolgt, ebenso sero, knüpfe. 

Für Formen wie laborare, merere, currere und die Desi- 
derativa auf -urire gab es freilich kein Entrinnen, und so mufs 
sich das Ohr an dieselben gewöhnt haben. Cicero schrieb sogar 
in einem sorgfaltig stilisierten Briefe an Pompeius (Epist. 5, 7, 3) 
c quod vererere*. 

Dagegen wäre es wenigstens möglich, dafs die Abneigung 
der Römer gegen r in aufeinander folgenden Silben den Abfall 
der vollen Infinitivendung in ainarier, moverier, audirier be- 
günstigt hätte. Auch wüfsten wir die Beobachtung, dafs der 
Genetiv plural. der Partie, fut. act. in der klassischen Prosa (mit 
Ausnahme von futurus) und auch in der augusteischen Poesie 
(mit Ausnahme von Ovid met. 15, 835 venturorumque nepotum) 
nicht vorkomme, kaum einfacher zu erklären. Raph. Kühner, 
ausführl. Gramm. § 188, Anm. 8 giebt keinen Grund an, und 
Alfr. Sommer, de usu partic. fut. act. 1881. p. 30 nennt die 
Form vermieden, quippe cum aliquid absoni habeat. Die silberne 
Prosa, namentlich Seneka, hat sie von den Dichtern angenommen. 

Vollends ist eine Perfektreduplikation wie rerupi oder ru- 
rupi (nach Analogie von tutudi) geradezu undenkbar; haben ja 
nicht einmal die Griechen die mit q anlautenden Verba der 



Die Dissimilation der littera canioa. 7 

regelmäßigen Reduplikation unterzogen, sondern lieber mit Sq- 
Qwya, £qq<oii(u (statt ^BQoya) zu einer Metathesis gegriffen. 

4. Wortbildung. Ableitung. 

Die Perfektreduplikation führt uns von selbst hinüber zu 
der Wortbildung. Griechische Lehnwörter wie tartarus, purpura, 
carcer (siculisch xapxapov), barbarus kommen natürlich hier nicht 
in Betracht; in lateinischem Gewände wurde das letztere Fremd- 
wort zu balbus (vgl. dial. Balbierer = Barbier), wie dem grie- 
chischen yagyaQBcov das lateinische gurgulio (Kehle, Gurgel) ent- 
spricht. Vergleichungsweise mag hier an balatro erinnert werden, 
welches Acro ad Hör. Sat. 1, 2, 2 schwerlich richtig a balatu 
ableitet, während die Erklärung mit aöarcog in Glossaren offenbar 
auf barathrum deutet. Näheres findet der Leser in dem Pro- 
gramm von Dr. Carl Jacoby 'Die Reduplikation im Lateinischen', 
Danzig 1878. Ebensowenig verfolgen wir die Wörter, in denen 
das doppelte r stehen geblieben ist, wie murmur (fioQfivQco!), 
furfur, turtur, sondern beschränken uns zunächst auf die Schwä- 
chung der Reduplikation, wie sie uns in susurrus entgegentritt, 
indem, wie das ähnliche murmur wahrscheinlich macht, das r der 
Anfangssilbe in die zweite übergetreten ist. Vergleichen läfst 
sich der von Jacoby übergangene Name Cicirrus (= Circirus) bei 
Uor. Sat. 1, 5, 52, den man mit Kikeriki oder Kampfhahn über- 
setzt; vgl. xiTUQQog = äkexTQveiv bei Hesychius. Marmar = 
Mars ist noch in dem Arvalliede erhalten, in jüngeren Ableitungen 
dagegen ist das erste r aufgegeben, z B. in Mamertini, Mamu- 
rius. Der sabinische Flufsname Farfarus (Ovid met. 14, 330) 
verlor in der römischen Form Fabaris (Verg. Aen. 7, 715) das 
erste r; und im Vulgärlatein sagte mau mamor statt marmor, 
was freilich Pompeius Gramm, lat. V 283, 15 als Barbarismus ver- 
wirft. 

Eine andere Abhilfe gewährt die Verwandlung des einen r 
in eine Liquida, 1 oder n (vgl. gurgulio); und ein solches Bei- 
spiel böte uns Cancer (Gitter), wenn man das Wort als Neben- 
form von carcer zu betrachten sich entschliefsen kann, wozu frei- 
lich Gurtius, Vaniöek, Fick und Breal keine Lust zeigen, während 
Zehetmayr (vergl. Wörterbuch 1879) es nahe legt. Festus (Paulus) 
p. 46, 2 sagt nämlich: cancri dicebantur ab antiquis, qui nunc 
per diminutionem cancelli. 

Ob Seelmann S. 329 mit Recht auf Perperna, Perpenna hin- 
gewiesen, kann bestritten werden. Der Ausgang des Wortes an 



8 Ed. Wölfflin: 

sich (taberna, lucerna) hätte kaum zu einer Assimilation geführt; 
aber dafs die Römer zuerst Perpenna gesagt hätten, bleibt eine 
blofse Annahme; vermutlich hat schon der etruskische Name per- 
cenna (aus percedna) gelautet, wozu perperna, perpenna eine etwa 
umbrische Nebenform sein dürfte. Perperna ein Ziegel von Chiusi. 
Ganiurr. Append. zu Fabr. N. 415. 

Neben f lagrare brennen (<pXdyc>) giebt es ein (nach R. Ellis, 
Exeurs zu Catull p. 344 = p. 346 edit. II lautlich identisches) 
Verbum fragrare stark riechen, welches dem Kehlkopfe des ge- 
meinen Mannes weniger bequem lag. Hätte man sich nun auf 
die Dissimilation fraglare riechen geeinigt, so wäre es ohne 
Unglück abgelaufen; allein da in der Volkssprache 1 und r oft 
ihre Plätze wechselten, wie in lerigio für religio, leriquiae, co- 
lurnus corulnus, clustrum (Arch. I 111), ullageris (Arch. III 176), 
grolia (neapolitanisch für gloria), so konnte es kaum ausbleiben, 
dafs man auch flagrare für riechen sagte, wie telebra für terebra 
nach Probi append. Gr. lat. IV 201, 19 K., oder wie die Stadt 
Cararis auch Caralis und üalaris hiefs. Nun ging es, wie wenn 
zwei Spaziergänger einander ausweichen wollen und nach derselben 
Seite ausbiegen; flagro brennen, in seiner Existenz bedroht, zeigte 
sich bereit den verlassenen Platz von fraglo einzunehmen, und 
diese babylonische Verwirrung nahm so sehr zu, dafs Grammatiker 
wie Nonius p. 438 einzuschreiten für nötig hielten. Vorsichtige 
Leute wufsten nichts Besseres zu thun als sich des Wortes ganz 
oder so viel als möglich zu enthalten; wie denn beispielsweise 
in der Vulgata flagro nur an einer Stelle, Nuin. 1, 4 vorkommt, 
ardere weit über 50mal. Vgl. Bücheier in den Jahrb. f. Philol. 
105, 111. 

Hier soll nur ein Punkt der verwickelten Kontroverse fest- 
gestellt werden, nämlich, dafs flagrare brennen in der Litteratur 
bis auf die Afrikaner das Feld behauptete. Für die klassische 
Periode sieht man dies aus den Allitterationen Cic. Verrin. 4, 71 
flagitiis flagrabunt, 4, 74 flagrantem usus flectet. Auch Tacitus 
kann nur konsequent flagrare geschrieben haben, obwohl an 2 
(von 32) Stellen, hist. 2, 31. 46 der cod. Medic. II fraglare bietet. 
Von Fronto an dagegen zeigen die mafsgebenden Handschriften 
eine solche Bevorzugung der Metathesis, dafs wir notwendig auch 
an eine veränderte Taktik der Schriftsteller glauben müssen. Bei 
Fronto selbst war man so billig, fraglare im Texte stehen zu 
lassen, p. 27 (Marcus) desiderio fraglantissimo (= ardentissimo) 



Die Dissimilation der littera canina. 9 

50 (Fr.) epistulas fragl anter compositas, p. 5 und 34; allein bei 
andern Autoren war man so unvorsichtig zu ändern. Florus 3, 
5, 3 überliefert cod. Nazarianus Europae cupiditate fraglabat, 
und 2, 18, 7 firaclans (wie ich nach eigener Kollation verbessere) 
ignominia, d. h. es war im archetypus fraclans geschrieben; und 
ein über r korrigiertes 1 (welches der Abschreiber als i las) sollte 
einer Korrektur flagrans dienen. Bei Gellius sind die hand- 
schriftlichen Zeugnisse für fraglo zu schwach und wenig zahlreich, 
und über Tertullian dürfen wir uns zur Zeit kein Urteil erlauben, 
obschon beispielsweise apol. 46 der cod. Erlang, so liest. Bei 
Apuleius met. 4, 17 steht im Florent. fraglantia solis (editt. fla- 
grantia; doch 4, 14 cod. richtig aestiva flagrantia), 4, 31 amore 
fraglantissimo (editt. flagrantissinio), 5, 9 invidiae feile fraglantis 
(ed. flagrantes), 6, 12 solis fraglantia (ed. flagrantia), und in der 
Bedeutung 'duften' in demselben Florent. Metam. 2, 8 cinnama 
fraglans (edit. fragrans), 4, 2 caliculos fraglantis (ed. fragrantes). 
Vgl. noch 3, 9. 8, 22. Arnobius erscheint uns anfänglich als 
Klassiker, da 2, 1 ardoribus avaritiae flagrans, 2, 17 aestatis fla- 
granti as ; 3, 30 aethera flagrantem vi flammea die Editoren im 
Codex Parisinus finden, was sie wünschen; allein der Schein trügt, 
und 4, 22 bewahrt die handschriftliche Überlieferung einen sol 
fragrantissimus (ed. flagrantissimus), 5, 1 liquoribus odoratis fla- 
-grantia (edit. fragrantia) pocula, 5, 6 sitiendi fraglantiam (edit. 
flagrantiam). Das bedeutet wohl, dafs der Text in den ersten 
Büchern korrigiert ist, in den letzten dagegen den Abfall des 
Autors von der klassischen Norm zeigt. Dies wird durch Cyprian 
bestätigt, dessen gute Überlieferung (cod. Seguierianus, Wirce- 
burg. etc.) oft die vulgäre Metathesis verbürgt, pg. 12, 2 H. fra- 
glant delicta (Hart, flagrant), 353, 2 aestate fraglantia (Hart, fla- 
grantia) und öfter; append. Cypr. p. 20, 18 in fraglantia (var. 
flagrantia), 135, 21 amore fraglant (edit. flagrant). Wir dürfen 
somit aus dieser flüchtigen Rekognoscierung die Lehre ziehen, 
dafs wir die Texte von Fronto an nicht mehr nach Zumpt ab- 
korrigieren dürfen, und zugleich fallt ein Licht auf die Stellung 
des (Afrikaners) Florus. Für Augustin, den man in der Reihe 
der Afrikaner genannt zu sehen wünschen wird, ist es unmöglich, 
etwas Bestimmtes zu sagen: civ. dei 11, 23 hat der Veronensis 
(nach gefalliger Mitteilung von Prof. Eman. Hofmann in Wien) 
amore fraglantem, dagegen 12, 21 amore flagramus. Für den 
klassischen Gebrauch kann auch civ. d. 14, 8 die Allitteration 



10 Ed. Wölfflin: 

flagitiosus . . . flagrans geltend gemacht werden. Für Claudianus 
Mamertinus vgl. Engelbrecht, Sprache des C. M. 1885. 92 ff. 
(= Sitz.-Ber. d. Wiener Akad. 110, 512 ff.). In einem Gedichte 
des Paschasius Radbertus (Poetae aevi Carolini, vol. III. 1886. 
p. 48, vers. 82) steht flagrem (dufte) neben flavescam, womit die 
Änderung von Mabillon fragrem widerlegt ist. (Von flagellum 
bildet das Italiänische fragellare, peitschen.) 

Das von ferveo nicht wohl zu trennende febris hat das r 
der ersten Silbe eingebüfst, nach Pott, etyin. Forsch. II 550. 
Corssen, Krit. Beitr. z. lat. Formenlehre S. 204. 394. Krit Nach- 
träge 191. Nur kann die Etymologie keinen Anspruch auf Neu- 
heit machen, da schon Nonius p. 46 das Wort natürlich nicht 
*a feritate', sondern nach codex Harleianus c a fervitate' abgeleitet 
hatte, worin jedenfalls eine Ableitung von ferveo steckt, nach 
L. Havet Arch. I 318 ferviditas. 

Um aber auf die Ableitungssuffixa überzulenken, so beginnen 
wir am besten mit aris, alis, welche, wie längst bekannt und 
schon von Plinius (bei Charisius I 135, 13 K. vgl. Priscian 4, 27) 
erkannt, verwendet werden, je nachdem in dem Stamm worte ein 
1 oder r vorkommt, z. B. vulgaris, militaris, consularis, singularis; 
ruralis, floralis, muralis, pluralis. Nach dieser Kegel ist gebildet 
intralia, die Eingeweide, franz. les entrailles. Vgl. L. Havet, Mem. 
de la Society de linguistique, VI 27 f. (1885). Selbst die grie- 
chische Sprache zeigt gelegentlich die Neigung p, q durch p, A 
zu beseitigen, wie in yaQyakdmv neben yccgyccgemv, orgdXeog neben 
6tq7]qos. Dafs der Siebmacher (xoöxlvotcoios) nach Glossen cri- 
brarius hiefs, ist daraus zu erklären, dafs arius festes Suffix 
zur Bezeichnung der verschiedeusten Gewerbe geworden war. 
Von Ceres, Cereris bekam man entweder Cereralia oder mit Dis- 
similation Cerelalia; da übrigens auch an zwei 1 im Anfange 
zweier aufeinander folgender Silben Anstofs genommen wurde 
(caeruleus = caeluleus; Parilia = Palilia^ keine Perfektredupli- 
kation wie Xikouta), so warf man r lieber aus und sagte Cerealia. 
Auffallend ist die archaische Bildung gnaruris = gnarus, wo- 
von bekanntlich gnarurare, narrare. 

Das gleiche Verhältnis besteht zwischen er um und dum: 
simulacrum, lavacrum, fulcrum; periclum, oraclum. Es ist mir 
daher nicht klar, warum Corssen, Krit. Beitr. 345 ff. eulum als 
Normalform des Suffixes ansetzt und S. 348 von einer Verkür- 
zung zu clum, namentlich in der archaischen Latinitäl spricht. 



Die Dissimilation der littera canina. 11 

Sollte nicht vielmehr clum die ursprüngliche Form sein und culum 
unter Einflufs der Deniinutiva auf ulus, uluin entstanden? Im 
Umbrischen ist ja das Suffix auch einsilbig. Es läfst sich damit 
-brum (Ausnahme cerebrum, doch cerebellum für cerebrellum, ital. 
cervello, frz. cerveau) und -bulum vergleichen. 

Die mit -or und -ura gebildeten Ableitungen hat die Schrift- 
sprache mit Erfolg geschützt, z. B. orator, oratorius; Cursor, cur- 
sorius; fractura (Cato). Dafs der römische Familienname Plae- 
torius = Praetorius sein solle, wie Corssen glaubt, ist nicht 
wahrscheinlich. Sollte nQiötig den lateinischen Feminina auf rix 
ähnlich gemacht werden, so wäre man auf pristrix gekommen, 
begnügte sich aber mit der Metathesis pistrix. 

Bei crebresco (von creber) sind die beiden r berechtigt, 
aber das zweite in gewissen Formen (percrebui) gefallen, worüber 
Bücheier genaue Nachweisungen giebt; bei rubesco dagegen ist 
kein r ausgefallen, da das Inchoativum sich nicht an ruber an- 
lehnt, sondern an den in rubigo erhaltenen Stamm. 

5. Zusammensetzung. 

Impraesentiarum hat Corssen, Ausspr. II 869 = in prae- 
sentia harum (nämlich rerum) erklärt und die Zustimmung von 
Eberhard in der Berliner Zeitschr. f. Gymn. 1873. 846 gefunden 5 
allein es erscheint viel ratsamer zu der alten Erklärung in prae- 
sentia rerum zurückzukehren. Hand Turs. 3, 234 ff. Denn so- 
bald die Worte in eines zusammenflössen, unterlag das ohnehin 
schon langgestreckte Kompositum den Gesetzen, die wir in Sti- 
pendium = stipipendium, gratulari = gratitulari, venificium = 
venenificium, calamitosus = calamitatosus, cordolium = cordidolium 
wirksam finden, Nun wurde aber rerum auch sonst in der Kon- 
versationssprache ohne zwingende Notwendigkeit in Formeln wie 
dulcissime rerum, quid rerum geritis angehängt, auch in ita 
rerum (Tertull. adv. Valent. 14), welchem tunc locorum (Tert. de 
pallio 4), postea loci u. a. verglichen werden mag. Tert. Scorp. 
1 lesen wir sogar nunc praesentia rerum, und Schol. Bob. Cic. 
284, 32 Or. das volle in praesentia rerum (cod. in praesentiarum 
rerum). Die Verkürzung ist somit nicht nur wegen der littera 
canina erfolgt, sondern mit dem gleichen Rechte wie in den oben 
genannten Zusammensetzungen, und so gut wie in horrifer = 
horrorifer. 

Am nächsten aber liegt es, auf die Partikelzusammensetzung 
zu achten und zwar auf Präpositionen wie per, prae, pro. Daijs 



12 Ed. Wölfflin: 

peiero aus per und iuro zusammengesetzt sei, sollte beute nicht 
mehr bestritten werden, da man weifs, dafs Ableitungen von 
Komparativen wie minorare, peiorare, certiorare erst in der afri- 
kanischen Latinität auftauchen; auch waren die am Buchstaben 
streng festhaltenden Römer am allerwenigsten das Volk, um einen 
Meineid als eine Verschlimmerung zu bezeichnen. Peregrinus 
wurde im Volksmunde zu pelegrinus (die inschriftlichen Belege 
bei Seelmann), pellegrino, pelerin, Pilgrim. Praestigiae (franz. 
prestige) ist in der klassischen Litteratur anerkannt gewesen, ob- 
wohl es eigentlich praestrigiae heifsen sollte, nach dem bekannten 
Verse des Caecilius Statius, com. 209 Rib. Praestrigias praestrin- 
xit commoditas patris. Sollte damit nicht zusammenhängen, 
dafs man in der Verbalkomposition so oft prae = praeter gesetzt 
hat, z. B. praegredi castra, Livius 35, 30, 11 am Lager vorüber 
marschieren, während doch niemand iu für inter zu setzen ge- 
wagt hat? 

Prorigere hat die Sprache nicht geduldet, sondern zu por- 
rigere (Intensivuin porrixare bei Apuleius) umgewandelt, wie 
auch prurigo, inis (prorigo) eine Nebenform porrigo, iuis erhielt. 
Bücheler a. a. 0. 117 f. Es war schon aus diesem lautlichen 
Grunde bedenklich, den Namen des Gestütknechtes proriga 
(auch peroriga) bei Varro und Plinius verteidigen zu wollen; 
doch ist die Form nun durch Keil i Arch. I 290) beseitigt. Man 
konnte sich auf diese Weise auch expergiscor = exporgiscor 
(erwachen = anlangen die Glieder zu strecken) erklären, wenn 
die Form exporgiscor sich nachweisen liefse; doch kommt man 
auch mit pergo (per, rego) aus. 

Ar hält sich unbeanstandet in arvorsuni; darum sagt man 
aber nicht etwa arcredo, arcresco, arprobo, artribuo. 

Beharrlichen Widerstand hat aber die Sprache der Kompo- 
sition von re und mit r beginnenden Verben entgegengesetzt: 
von *rerigo oder *reripio oder *rerumpo findet sich nirgends 
eine Spur, obwohl (prorigo^ porrigo, proripio, prorumpo, welche 
das Gegenteil bedeuten, ganz gewöhnlich sind; es bestätigt dies 
unsere zu *rerupi gemachte Bemerkung, dafs r im Anlaute zweier 
Anfangssilbeu den Römern am wenigsten sympathisch war; da- 
gegen wurden die beiden r hingenommen, wo sie der Stammsilbe 
angehörten, wie in rar-o, rar-a, ror-em, rur-o (Landwirtschaft 
treiben), ebenso einem refringo, regredior, resurgo, refornio keine 
Schwierigkeiten in den Weg gelegt. 



Ed. Wölfflin: Die Dissimilation der littera canina. 13 

Schon Bücheier hat richtig bemerkt, dafs der Trieb zur Dis- 
similation zweier r (beziehungsweise Auswerfung des einen) in 
der Volkssprache wurzelte, dafs aber die Schriftsprache dieser 
Bewegung einen Damm entgegensetzte, indem sie die bereits voll- 
zogenen Umwandlungen zwar annahm, aber den status quo ge- 
wahrt wissen wollte; schon in der allerersten Kaiserzeit versuchte 
die Volkssprache proprius auf propius zu vereinfachen (Corp. 
inscr. lat. 9, 2827) ohne durchzudringen; manches haben erst die 
romanischen Sprachen nachgeholt. So finden wir im Italienischen*) 
albero, Baum = arbero, wie alfrergo = althochd. heriberga (Diez 
etym. W. I 13), schon im cod. Bamberg. E. III 14 der um- 
gearbeiteten Epit. Caes. (Galba): intrante in aliperga; reclutare 
rekrutieren (von recrescere), conquidere neben franz. conquerir, 
Liperata statt Riparata (vita Benven. Gellini, ed. Sonzogno, p. 7), 
prete neben franz. pretre (presbyter); altfranz. aubre, maubre 
(Baum, Marmor), penre = prenre nehmen, fortelesce, serouge neben 
serorge (sororius, Schwager; vergleiche damit die lateinische Form 
consobrinus = consororinus) , belfroi neben berfroi (= bergfrit, 
Wachtturm), trai'te neben neufranz. traitre; franz. proue = prora, 
rancune (altfrz. rancure, latein. rancor), Treves Trier u. s. w. An 
die Stelle von soror ist im Ital. das Deminutiv sorella getreten, 
und das Französische ist ausnahmsweise nicht von dem Accus, 
sorörem ausgegangen (woraus etwa sereur geworden wäre), son- 
dern von dem Nomin. söror. Bücheier gedenkt seinen so lehr- 
reichen Aufsatz gelegentlich in neuer, vermehrter und verbesserter 
Gestalt vorzulegen. Wenn auch vorstehende Zeilen nur als ein 
Beitrag zur Lösung der Aufgabe zu betrachten sind, so enthalten 
sie doch wohl das eine und andere, um dazu anzuregen das 
gleiche oder abweichende Verhalten und Verfahren anderer Sprachen 
schärfer zu beobachten; vor allem aber werden wir darauf zu achten 
haben, in vulgären oder spätlateinischen Texten die handschrift- 
lich überlieferten dissimilierten Formen herzustellen, auch wenn 
sie mit der Latinität Ciceros im Widerspruch stehen. 

München. Eduard Wölfflin. 



*) Anormal: cristero Klistier, scramare = exclamare. 



Die Natur im Sprichwort. 

Iu einer grofsen, man kann wohl sagen, der gröfsten Zahl 
von Sprichwörtern lebt trotz ihrer rein praktischen Tendenz 
ein echt poetischer Geist. Indem nämlich das Sprichwort sich 
nicht begnügt, einen allgemeinen Gedanken in der abstrakten, 
anverbrämten Form auszudrücken, sondern ihn unter dem Ge- 
wände der Analogie verhüllt und ihn anschliefst an einzelne kon- 
krete Vorgänge im Natur- und Menschenleben, schlägt es im 
Grunde dieselbe Bahn ein, wie die Poesie. Von dieser Seite be- 
trachtet erscheint uns das Sprichwort nicht blofs als „die Weis- 
heit der Gasse", sondern zugleich als das poetische Element der 
Volkssprache. Wohl nirgends zeigt sich dies deutlicher, als in 
denjenigen sprichwörtlichen Sentenzen und Wendungen, welche 
sich auf die allgemeinen Formen und Erscheinungen im Leben 
der uns umgebenden Natur beziehen. Haben doch auch von 
jeher sich die Dichter bemüht, die subjektiven Stimmungen der 
Seele mit der Aufsenwelt durch Vergleiche und Metaphern in 
Zusammenhang zu setzen und dadurch zu objektivieren. Und 
gerade die Dichter sind es auch, welche von den hierher gehörigen 
Sprichwörtern gerne und oft Gebrauch machen. Für uns ent- 
steht aber dadurch eine Schwierigkeit insofern, als sich nicht 
überall mit Sicherheit bestimmen läfst, wo der blofs dichterische 
Sprachgebrauch oder das Eigentum des einzelnen Dichters auf- 
hört und das allgemein übliche Sprichwort beginnt. 

Sowohl die Poesie, als die Redeweise des Volkes zerlegt 
sich abstrakte Begriffe, wie Welt, Erde, Zeit, in die konkreten 
Bestandteile Himmel und Erde, Land und Meer, Tag und Nacht u. a. 
Als sprichwörtlich \verden solche Verbindungen erst empfunden 
in gewissen Redensarten, wie wenn terra marique quaeritare 
gesagt wird anstatt omnibus locis: Plaut. Poenul. prol. 105 Filias 
pater mari terraque usquequaque quaeritat. Cic. ad famil. V 9 2 
Ego tarnen terra marique ut conquireretur praemandavi. Sali. 



A. Otto: Die Natur im Sprichwort. 15 

Catil. 13 vescendi causa terra marique omnia exquirere. Vgl. Plaut 
Pseud. 317 Aut terra aut mari alicunde aliqua evolvam id argentum 
tibi. Von dem, der in der Aufregung und im Zorn lauten Lärm 
schlägt und sich wie wütend gebärdet, hiefs es caelum et terras 
miscet (confundit), wobei offenbar der Gedanke an das wild em- 
pörte Meer vorschwebte (Verg. Aen. 1 133. V 790. Beide Stellen 
sind nicht sprichwörtlich!): Liv. IV 3, 6 Quid tandem est, cur 
caelum et terras misceant? Juven. 2 ; 25 Quis caelum terris non 
misceat et mare caelo? 6, 283 clames licet et mare caelo Con- 
fundas.*) So schon die Griechen: yrj ovQavbv öwdmeiv xal yij 
&dAaööav avayuyvvvai. Diogen. II 19. Append. prov. 1 69. Lucian. 
Prometh. 9. — Dieselbe Verbindung begegnet uns bei Plaut Pers. 
604 A terra ad caelum quidlibet (licet percontari) und bei 
Petron 44 narratis quod nee ad caelum nee ad terram pertinet, 
was gar nicht zur Sache gehört Der griechische Ursprung der 
letzteren Phrase erhellt aus Lucian Pseudomart. 54 oxtei pot xqtj- 
öfiovg STte^itpsv ovte yrjg, (paöiv, ovxs ovQavov ayttofiiuovg. — 
Eine ganz abweichende Anschauung liegt zu Grunde bei Tertull. 
de speetac. 25 Quäle est enim de ecclesia dei in diaboli ecclesiam 
tendere, de caelo, quod aiunt, in caenum, vom Himmel zur Hölle* 
adv. Marc. IV 7 de caelo statim ad synagogam, ut dici solet**). 
An die weite Ausdehnung des Himmels erinnert Petron 45 
ubique medius caelus est, die Welt ist immer die gleiche***), und 
der Ausdruck toto caelo errare, um das ganze Firmament irre 
gehen d. h. gänzlich auf dem Holzwege sein (vgl. unser „himmel- 
weit verschieden"): Macrob. sat III 12, 10 venit in mentem toto, 
ut aiunt, caelo errasse Vergilium. Augustin de gen. ad litt. I 19, 39 
(Migne XXXIV 261) ita delirare, ut, quem ad modum dicitur, 
toto caelo errare conspiciens risum tenere vix possit. c. Faust 20, 6 
(42, 371 M.) toto caelo, ut dicitur, erratis. Vgl. Aristoph. Ran. 1136 
svfrvg yaQ ^fta'^rcqrei/ ovqccvlov oöov. — Das Schlimmste, was 
den Menschen begegnen könnte, wäre der Einsturz des Himmels: 

*) Vgl. Vellei. 2, 2, 3 (von Tib. Gracchus) summa imis miseuit, und 
Sali. Gat 2, 3 omnia miscere. Die Red. 

**) Auf ein älteres Vorbild der allitterierenden Verbindung von caelum 
und caenum weist E. Wölfflin hin (die allitt. Verb, der lat. Sprache S. 31): 
Livius Drusus hatte gesagt, er hinterlasse nichts, nisi quis aut caenum di- 
videre vellet aut caelum (Flor. III 17, 6. de vir. illustr. 66.) 

***) Vgl. „Der Himmel ist uns überall gleich nahe" (Düringsfeld , die 
Sprichw. d. germ. u. roman. Spr. I 732), und Anazagoras bei Cic. Tusc. 1, 
104 undique ad inferos tautundem viae est 



16 A. Otto: 

Varro bei Non. p. 434, 24 Tanta porro invasit cupiditas honorum 
plerisque, ut vel caelum ruere, modo magistratum adipiscantur, 
exoptent. Hör. carm. III 3, 7 Si fractus illabatur orbis Impavidum 
ferient ruiuae. Senec Quaest nat. VI 32, 4 securus adspiciet 
fulminantis caeli trucem atque horridam facieni, frangatur licet 
caelum ff. Vgl. Probus zu Verg. Ecl. VI 31 Afranius etiam in 
Augure: Mare, caelum, terram ruere ac tremere diceres (Ribb. 
fr. com 8 , p. 166). Aber nur der übermäfsig Zaghafte sagt quid, 
si nunc caelum ruat? (Ter. Heaut. 719 redeo ad illos qui aiunt 
q. s. n. c. r. und dazu Donat.) Vgl. Theogn. 869 "Ev poi ixsiza 
Ttiooi (idyag ovQctvog svQvg vnsQftev ga'Axiog, äv&Qcixa>v detfuc 
Xaiuuyevi&v. Auch einige deutsche Sprichworter sehen den 
Einsturz des Himmels vor, z. B. Wenn der Himmel einfiele, 
wären alle Spatzen gefangen.*) 

Zahllos sind die Sterne am Himmel. Ov. trist. I 5,46 quot 
in aethere sidera lucent. Rutil. Naniat. Itin. I 94 Ut si quis 
Stellas .pernumerare velit. Catull. 7, 7 aut quam sidera multa, 
cum tacet nox. Vgl. Callim. hymn. IV 175. Müssigganger ver- 
treiben sich die Zeit damit, dafs sie die Sterne zahlen: Petron 62 
Sedeo cantabundus et Stellas numero. Auch die Griechen sagten 
aötigag apröfiffg Diogen. I 15 (Paroemiogr. gr. II p. 4). Unser 
Vergleich „schon wie ein Stern" findet sich schon bei Hom. II. 
VI 401 ivaUyxiov aötsQt xaXä und danach bei Hör. carm. III 
9, 21 quamquam sidere pulchrior Ille est — Zu den Sternen 
versetzt, d. h. unsterblich zu werden, ist das Streben aller der- 
jenigen, die Ruhm suchen (vgl. ad caelum, ad astra efferre). In 
diesem Sinne sagt Verg. Aen. IX 641 sie itur ad astra, was später 
zu einem geflügelten Worte geworden zu sein scheint: Senec. ep. 
48, 7 Sic itur ad astra? 73, 13 Credamus itaque Sextio mon- 
stranti pulcherrimum iter et clamanti: Hac itur ad astra.**) Vgl. 
Hör. Carm. I, 1, 36. 

Der Mond scheint ins Sprichwort der Römer überhaupt 
nicht Eingang gefunden zu haben; eine um so gröfsere Rolle 
spielt die Sonne, das hellstrahlende und wärmende Gestirn des 



*) Zu der Redensart pugnare cum diis (Archiv III 207) Bei nachtrag- 
lich noch hinzugefügt Salvian gnb. dei VI 4, 24 quasi caelum oppugnamus. 
**) Zum Gedanken vgl. Ov. trist. IV 3, 74 ardua per praeeeps gloria 
vadit iter. Pseudo-Sall. de re publ. II 7, 9 ad virtutem via ardua est. 
Cyprian de hab. virg. 21 Non est ad magna facilis ascensus. „Der Weg 
zum Himmel führt durch Kreuzdorn. " 



Die Natur im Sprichwort. 17 

Tages. Dafs die Sonne vom Himmel fallen könnte, erscheint 
ebenso undenkbar, wie der Einsturz des Himmels selbst: Gic. ad 
Att IX 10, 3 8ol excidisse mihi e mundo videtur, ich hätte eher 
alles für möglich gehalten. — Unser „es ist noch nicht aller 
Tage Abend" steht bei Livius XXXIX 27, 9 nondum omnium di- 
erum sol occidit. — Die Sonne sieht alles (darum heifst es bei 
Plautus Stich. 110 von einem trefflichen Menschen meliorem neque 
tu reperies, neque sol videt, einen Besseren bescheint die Sonne 
nicht) und leuchtet allen ohne Unterschied: Petron 100 sol Om- 
nibus lucet*), die Natur verteilt allen ihre Gaben. Gleich- 
wohl giebt es nach einem dem alten Cato in den Mund gelegten 
Worte Leute, die, weil sie die Nacht zum Tage machen (Liv. 
XXXI 41, 10 per somnum vinumque dies noctibus aequarent. 
Verg. Aen. IX 337), noch nie den Aufgang oder Untergang der 
Sonne erblickt haben: Cic. de fin. II 8, 23 qui solem, ut aiunt, nee 
oeeidentem umquam viderint, nee orientein. Colum. praef. I 16 
dies ludo vel somno consumimus ac nosmet ipsos dueimus for- 
tunatos, quod nee orientem solem vidimus, nee oeeidentem. Senec. 
ep. 122,2 Sunt quidam in eadem urbe antipodes, qui ut M. Cato 
ait, nee orientem umquam solem viderunt, nee oeeidentem. Die 
griechische Quelle findet sich bei Athen. XII p. 520 A od'Bv xal 
Qrjd'ijvai ort tbv ßovkofievov iv UvßccQSt pi} tcqo fioLQCcg aito&a- 
velv ovte dvofievov ovte avi6%ovta tbv fjXiov bgäv öet. Vgl. 
VI p. 273 C. Wieder andere tappen bei hellem Tage im Dunklen, 
sind mit sehenden Augen blind: Quintil. I 2, 19 cum proferenda 
sunt studia, caligat in sole. Prudent. in Symmach. I 577 spien - 
dentemque die medio non cernere solem. Es giebt sogar solche, 
die so leichtgläubig und dumm sind, dafs sie sich bei Tage ein- 
reden lassen, es sei Nacht: Titin. bei Non. p. 277, 16 qui illuni 
sat sciat Delicere et noctem facere possit de die. Plaut. Bacch. 
699 Si tu illum solem esse dixeris Se illam lunam credere esse, 
et noctem qui nunc est dies. Petron. 37 mero meridie si dixerit 
illi tenebras esse, credet. Vgl. Boeth. consol. phil. III 10 v. 17 
Hanc quisquis poterit notare lucem Gandidos Phoebi radios ne- 
gabit und Cic. Att. I 1, 1 Catilina, si iudicatum erit meridie non 
lucere, certus erit competitor d. h. niemals. — Vergebliche und 
thörichte Mühe ist es, bei lichtem Tage der Sonne, die doch 



*) Zum Gedanken vgl. Ovid. Metam. I 136. VI 360. Symmachos ep. 
XI 1. Wir behaupten das Gleiche von der Luft. 

Archiv für lat. Lexikogr. IV. Heft 1. 2 



18 A. Otto: 

selbst hell genug ißt, in die Augen zu leuchten, rjM<p <päg 6a- 
vsl£siv (Apost. VIII 51): Cic. de fin. IV 12, 29 ut in sole, quod a 
te dicebatur, lucernam adhibere nihil interest. Quintil. V 12, 8 in 
rebus vero apertis argumentari tarn sit stultum, quam in clarissi- 
mum solem mortale lumen inferre. Arnob. I 27 et snb sole cla- 
rissimo cum lucernis et facibus permigrare vastitatem. Symmach. 
ep. III 48 ut si in sole positis facem praeferas et accensu lu- 
minum claritudinem diei gestias adiuvare. Ennod. p. 39, 7 Vog. 
quasi lychnis contra solis radios pugnaturi. p. 40, 15 sol facibus 
non iuvatur. p. 52, 22. 73, 14 Supervacuis ad beneficia laborat 
impendiis, qui solem certat facibus adiuvare. Vgl. noch kv%vov 
iv fisörj^ßQLcc anxBiv Diogen. III 12 und Senec. de vit. beat. 27, 1. — 
Doch heifst es mit scherzhafter Übertreibung bei Plaut. Menaechm. 
180 solem vides Satin ut occaecatust prae huius hominis can- 
doribus?, und mit ähnlicher Übertreibung nennen die Römer das, 
was sonnenklar ist, luce clarius: Cic. Catil. I 3, 6 Luce sunt cla- 
riora nobis tua consilia omnia. pro Mil. 2, 6 clariores hac luce. 
pro Cael. 9, 22 signis omni luce clarioribus. de fin. I 21, 71 ea, 
quae dixi, sole ipso inlustriora et clariora sunt. Tuscul. I 37, 90 
quod est luce clarius. de divin. I 3, 6 solis luce — clarius. Arnob. 
I 147 sole ipso est clarius. I 54 quod nisi aperta res esset et luce 
ipsa, quem ad modum dicitur, clarior. Tertull. adv. Marc. IV 1 
et luce ipsa clarius. de resurr. carn. 20 quaeque luce clarius 
praedicarentur. Hieron. adv. Ioann. Hieros. 10 p. 417 sole clarius. 
Augustin. Patrol. XLTI col. 105. 735. 750. 782. 

Wie man das Deutliche und Bestimmte mit der Helle der 
Sonne vergleicht, so im Gegensatze dazu das Dunkle und Un- 
gewisse mit dem Nebel. (Vgl. Hör. carm. 111 15, 6 Et stellis 
nebulam spargere candidis.) So braucht man per nebulam videre 
von ungenauer Wahrnehmung (im eigentlichen, wie im über- 
tragenen Sinne): Plaut. Pseud. 403 quae quasi Per nebulam nos- 
met scimus atque audivimus. Capt. 1023 quom mecum cogito, — 
Quasi per nebulam Hegionem meum fratrem vocarier. Für nebula 
setzte man später geradezu caligo: Cic. de fin. V 15, 43 vis naturue 
quasi per caliginem cernitur. Philipp. XII 2, 3 Quod videbam 
equidem, sed quasi per caliginem. Petron9 Quasi per caliginem vidi 
Gitonem. Plin. ep. V 8, 8 adhuc tarnen per caligineui video, wie 
im Traum. In diesem Sinne ist auch zu verstehen Macrob. Comm. 
in soiun. Scip. I 3, 7 inter vigiliam et adultam quietem in quadani, 
ut aiunt, prima sonini nebula adhuc se vigilare aestimans. Daher 



Die Natur im Sprichwort. 19 

sind Nebel und Wolken zugleich ein Bild des Wesenlosen, Eitlen, 
Trugerischen: Plaut. Poen. I 2, 62 Cuius ego nebulae cyatho septem 
noctes non emam. Hör. a. p. 230 dum vi tat humum, nubes 
et inania captat. Vgl. Pers. 5, 7. (Gell. n. a. VIII 10 lemm. 
nebulae quaestionum verfängliche Fragen.) Plaut. Epid. III, 4, 40 
Quas tu mihi tenebras cudis? welche heimliche Listen ersinnst 
du? Einen Menschen, der anderen „blauen Dunst vormacht", 
nennen die Römer einen nebulo. — Als Gegensatz zu etwas Hartem 
und Rauhem findet sich nebula bei Plaut. Cas. IV 4, 21 Nebula 
haud est mollis atque cutis huius est. — 

Auch Luft und Wind bilden einen Kontrast zu Festem und 
Sicherem. Wer auf Hoffnung jagt, fangt Nebel oder baut Luft- 
schlösser: Augustin. serm. 8, prooem. (MigneXXXVlII 67) ne sub- 
tracto fundamento in aere aedificare videamur. ibid. col. 30 ne sub- 
tracto fundamento rei gestae quasi in aere quaeratis aedificare. 
Arnob. II 62 spe — aeria blandiatur. Gleichbedeutend ist ventos 
pascere bei Augustin. c. Faust 15, 6 (42, 309 M.). Wer vom Winde 
leben will, mufs sehr geringe Bedürfnisse haben: Cod. Just. V 
50, 2 Nee ferendus est iuvenis, qui . . . sumtus recuset, quasi 
vento vixerit. Thöricht ist es, wider die Winde zu streiten d. h. 
mit wesenlosen Gegnern zu kämpfen, gegen die man nichts aus- 
richten kann: Petron. 83 dum cum ventis litigo. Augustin. de ag. 
Christ. V 5 (Migne XL 294) ne putent stulti adversus aerem nos 
debere certare. Hieron. adv. Rufin. I 15 p. 47 1 stultum est pugnis 
aerem verberare. Claud. Mamert. III 16 p. 187, 19 Eng. in auras 
tela iacere et sine hoste pugnare.*) Und ebenso verkehrt, weil 
unmöglich, ist es, in der Luft zu pflügen, oder zu fischen: Ov. 
trist. I 8, 3 Caelum findetur aratro. Plaut. Asin. 99 Jubeas me 
— piscari in aere. Ov. ex Pont. II 6, 37 remo tarnen utor in 
aura. Griechische Analogieen sind avfyovg yeagyetg Zenob. I 99. 
öiKtvGi avspov ftriQ&g Zenob. III 13. aiftiga vr\vh\kov igsööetg 
Diogen. Vindob. I 15. -Vgl. Düringsfeld Sprichw. der german. 
und roman. Sprachen II 379 f. — Luft und Wind sind leicht ver- 
änderlich, man darf ihnen nicht trauen. „Menschen und Wind 



*) Bei Verg. Aen. V 446 Entellus vires in ventum effudit ist zwar die 
wörtliche Auffassung möglich, doch hat wohl zugleich die sprichwörtliche 
Phrase dem Dichter vorgeschwebt. Das Gleiche gilt von Catull 64, 111 
Nequiquam van iß iaetantem cornua ventis, wozu das griechische Vorbild bei 
Cic. ad Att. VIII 5, 1 erhalten ist: noXXa pdvriv %eqdtaaiv ig rjSQCt ih>p>j- 
vavta. Vgl. Ov. Metam. VII 775 vanos exercet in aera morsus. 



20 A. Otto: 

ändern geschwind": Prop. II 9, 33 Non sie incerto mutantur fla- 
mine Syrtes. (II 5, 1 1 f.) Ov. ex Pont. IV 3 ; 33 aurä incertior. 
Calpurn. ecl. 3, 10 mobilior ventis femina.*) Zugleich sind die 
Winde auch das schnellste Element (vgl. unser „schnell wie der 
Wind"): Plaut. Bacch. 290 neque aves, neque venti citius. Verg. 
Aen. V 242 Noto citius. VIII 223 Fugit ilicet ocior Euro. XII 84 
Qui candore nives anteirent, cursibus auras. XII 733 Fugit ocior 
Euro. Hör. carm. II 16, 23 Ocior cervis et agente nimbos Ocior 
Euro. Stat. Theb. VI 521 volat ocior Euro. Sil. Ital. II 173 ocior 
Euro. Nemes. ecl. 4, 14 rapidis fugacior Euris. Claudian. I 100 
rapido velocior Euro. — Worte, die in den Wind gesprochen 
werden, sind vergebens gesprochen: Lucr. IV 931 tu fac ; ne ventis 
verba profundain. Ainm. Marc. XV 5, 8 ventis tarnen loquebatur 
incassum. Suidas: av€(iG> öiaXiyetg. Paul, ad Cor. I 14, 9. Darum 
ist es die stehende Klage der Dichter, dafs die Winde ihre 
Bitten und Schwüre verwehen könnten oder verweht haben: 
Catull 64, 142 quae euneta aerii discerpunt irrita venti. 74, 52 
inrita ventosae linquens promissa procellae. 65, 17 tua dieta 
vagis nequiquam credita ventis. Verg. Aen. X 652 nee ferre videt 
sua gaudia ventos, und dazu Servius, XI 795 (voti) partem vo- 
lucris discerpit in auras. 798 in notos vocem vertere procellae. 
Tibull. I 5, 35 quae nunc Eurusque Notusque Jactat odoratos 
vota per Armenios. III 4, 9 et iubeat tepidas inrita ferre notos. 
Prop. I 16, 34 At mea nocturno verba cadunt zephyro. Ov. am. 
I 6, 42 Verba dat in ventos aure repulsa tua. I 4, 11 nee euris 
Da mea, nee tepidis verba ferenda notis. 8, 106 tulerint voces 
ventus et aura meas. II 8, 19 periuria ferre per auras. ep. 2, 25 
ventis et verba et vela dedistf (= me fefelliati). Culex 383 Et 
mea diffusas rapientur dieta per auras. Claudian. XXXVI 133 
procul irrita venti dieta ferunt. Voran gehen auch hier wieder 
die Griechen: Eurip. Troad. 419 avifiotg <peQe6&cu didtofti. Theoer. 
Id. XXIX 35 AI dl tavra cpEQSiv avipoiöiv imtQsnsig. Doch 
fügen die Römer zu den Winden noch die Wolken: Catull. 30, 9 
tua dieta faetaque Ventos irrita ferre ac uebulas aerias sinis. 
Verg. Aen. IX 312 sed aurae Omnia discerpant et nubibus 
irrita donant. Tibull. (Lygdamus) III 6, 27 venti temeraria vota 
Aeriae et nubes diripienda ferant. Wind und Wellen erscheinen 



*) Ov. ep. 17 (18) 185 Cumque niinaa iirmum nil sit, quam ventus 
et unda In ventis et aqua spes mea semper erit? 



Die Natur im Sprichwort. 21 

Yerbunden bei Tibull. I 4, 21 Veneris periuria venti Inrita per 
terras et freta longa ferunt. Prop. II 28, 8 Quidquid iurarunt, 
ventus et unda rapit. Ov. am. II 16, 46 ventus et unda ferant. 
trist. I 8, 3J5 Cunctane in aequoreos abierunt.irrita ventos, Cunc- 
tane Lethaeis mersa feruntur aquis? Ahnlich wie Tibull läfst 
auch Ovid die Winde das Gesprochene ins Meer tragen: a. a. I 
388 dicta per mare ventus agit. am. I 8, 19 Tu dea, tu iubeas 
animi periuria puri Carpathium tepidas per mare ferre notos, und 
ebenso schon Theoer. Id. XXII 167 rä {feig vyQOv ä%sxo xv(ia 
nvoLTi ijjovd avsfioio. Von Traurigkeit und Furcht spricht den- 
selben Gedanken aus Horaz carm. 1 26, 1 tristitiam et metus Tradam 
protervis in mare Creticum Portare ventis. Und gleichbedeutend 
ist der Wunsch, es möge etwas sich in Luft, Staub oder Wasser 
verwandeln: Prop. II 16, 45 Haec videam rapidas in vanum ferre 
procellas, Quae tibi terra velim, quae tibi fiat aqua. Ov. ep. 1, 79 
hoc crimen tenues vanescat in auras. (Tibull. IV 4, 8 In pelagus 
rapidis evehat amnis aquis. Catull. 66, 85 Ulius a mala dona 
levis bibat irrita pulvis.) 

Sturm und Regen ist für die Phantasie ein Bild des Unglücks, 
der Heimsuchungen. Aber auf Regen folgt Sonnenschein, post 
uubila Phoebus. Dieser Gedanke kehrt schon bei den Römern 
öfter wieder: Tibull. III 6, 32 Venit post multos una sereua dies. 
Prop. II 28, 32 Et deus et durus vertitur ipse dies. Ov. trist. II 
142 Nube solet pulsa candidus ire dies. fast. I 495. Senec. ep. 
107, 8 Nubilo serena succedunt. Hör. carm. II 9, 1 Non semper 
imbres nubibus hispidos Manant in agros ff. (vgl. II 10, 19 neque 
semper arcum tendit Apollo). — Vom strömenden Regen sagte 
man im Volke urceatim pluit (Petron. 44), es regnet wie mit 
Kannen, und eine leicht erreichbare Sache vergleicht Plautus 
mit dem fallenden Regen: Capt. 336 Tarn hoc quidem tibi in 
proelivi est, quam imber est, quando pluit. — Ein blofser Tropus 
ist wohl der Vergleich einer zahlreichen Menge mit den Hagel- 
körnern (vgl. unser „hageldicht"): Auct. bell. Afr. 47, 1 cum saxea 
grandine. Sil. Ital. II 38 resonant saxorum grandine turres. IX 
578. Amm. Marcell. XIX 1 , 8 ritu grandinis — convolantibus 
telis. Prudeni cathein. V 98 gelida grandine densius. — Wie der 
Blitz am liebsten die höchsten Gegenstände trifft, so sind grade 
die Höchstgestellten dem Falle am nächsten: Hör. carm. II 10, 11 
Feriuntque summos Fulgura montes. Senec. Agam. 96 feriunt 
celsos fulmina colles. Hippol. 1132. Claudian in Ruf. I 22. Am 



22 A. Otto: 

meisten sind sie dem Neide und der Mifsgunst ausgesetzt: 
LucrezVll31 invidia quoniauj, ceu fuloiine, summa vaporani. 
Liv. VIII 32, 7 etiam invidiam, tamquam ignein, summa petere. 
Ov. rem. am. 369 Summa petit Livor — Summa petunt dextra 
fulmina missa Iovis. Der Gedanke findet sich schon bei Hero- 
dot VIII 10 OQag rä vitBQi%ovxa £cia Gig xsQawol 6 &£og. 

Was ohne Bestand ist, zergeht wie Eis und Schnee au der 
Sonne: Ov. a. a. I 374 Ut fragilis glacies interit ira morä. Plaut. 
Stich. 648 quasi nix tabescit dies*). Ähnlich ist Ov. ep. 13, 52 
more nivis lacrimae sole madentis eunt. — Das glänzende Weifs 
des Schnees beziehen die Dichter mit Vorliebe auf die weibliche 
Schönheit: Catull. 80, 2 candidiora nive. Ov. Metam. VIII 373. 
ex Pont. II 5, 38. ep. 15 (16) 249. Mart. 1 115, 3. II 29, 4. IV 42, 5. 
V 37, 6. VII 32, 2. XII 82. 7. Senec. de beu. VII 24, 1. El. ad Maecen. 
1,62. schol. luven. VI 155. Claudian XXXI 126. Auson. parent. 
5, 6. Schon Homer nennt die weifsen Rosse des Rhesus Xevxo- 
tcQa %iovog (II. X 437. nachgeahmt von Verg. Aen. XII 84). 

Das Wasser selbst in seinen mannigfachen Erscheinungs- 
formen und Verwendungen liefert dem Sprichwort einen überaus 
reichhaltigen Stoff. Ein Wasser ist dem anderen gleich: Plaut. 
Menaechm. 1089 Neque aqua aquae, neque lacte lactis — us- 
quam similist. mil. glor. 551 Nam ex uno puteo similior num- 
quam potis Aqua aquae sumi, quam haec est atque ista ho- 
spita. — Was man ins Wasser schreibt (wir sagen: in den 
Rauch, in den Schornstein), giebt man als verloren preis: 
Catull. 70, 4 sed mulier cupido quod dicit amauti, In vento et 
rapida scribere oportet aqua. Soph. fr. 741 N oqxov dVy© ywai- 
xog elg vö&q yQccqxo. Allgemein elg vöcoq ygayetv Diogeu. V 83. 
Macar. V 50. Apost, VI 56. Vgl. Augustin de civ. dei XIX 23, 1 
Forte magis poteris in aqua impressis litteris scribere, aut — 
per aera ut avis volare, quam etc. (aus griechischer Quelle). Ver- 
gebliche Mühe wäre es auch, Wasser mit einem Siebe schöpfen 
zu wollen (Ambros. de Noe et arca c. 22, 80 [Migne col. 419J 
tamquam in proverbio, si quis reti subtili haurire cupiat aquam, 
sie qui malitiam ex pectoribus hominum conatur auferre. Vgl. 
Archiv III 224), oder im Wasser einen Bau aufzuführen: Cic. de 
fin. II 22, 72 quarum omnium (virtutum) fundamenta vos tain- 



?) Ebenso vom Wachs Ov. ex Pont. I 2, 68 Ignibus admotis ut nova 
cera aolet. 



Die Natur im Sprichwort. 23 

quam in aqua ponitis. — Die leicht platzende Wasserblase gilt 
als Sinnbild der Vergänglichkeit und Kürze des menschlichen 
Lebens: Varro r. r. I 11 Cogitans esse properanduni, quod, ut 
dicitur, si est homo bulla, eo uiagis senex. Petron. 42 nos nou 
pluris sumus, quam bullae. schol. Pers. IT 10 ex quo etiam pro- 
verbialiter dicitur, homo bulla est. Der Vergleich wird durch- 
geführt von Lucian Charon 19. — Und doch ist selbst ein Tropfen 
imstande durch wiederholten Fall den härtesten Stein zu durch- 
löchern, steter Tropfen höhlt den Stein: Lucr. IV 1286 Nonne 
vides etiam guttas in saxa cadentis Umoris longo in spatio per- 
tundere saxa? I 314 stilicidi casus lapidem cavat. Tibull. I 
4, 18 Longa dies molli saxa peredit aqua. Prop. II 25, 15 teritur 
rubigine mucro Ferreus et parvo saepe liquore silex. IV 5, 19 
ceu blanda pererret Saxosamrjue terat sedula gutta viam, doch 
ist hier die Lesart zweifelhaft. Ov. a. a. I I 476 Dura taineu 
molli saxa cavantur aqua, ex Pont. I 1 , 70 Aequorei scopulos et 
cavat unda salis. II 7, 40 Percussa crebro saxa cavantur aquis. 
IV 10, 5 Gutta cavat lapidem, consumitur anulus usu. 'Pavlg iv- 
deXs%ov6a xoikaCvei itizQav Apost. XV 19. — Zur Bezeichnung 
eiuer ganz geringen Menge dient der Tropfen sowohl im eigent- 
lichen, wie im tropischen Sinne: Plaut. Cas. II 3, 31 Si ego in os 
hodie vini guttam indidi. Most. 508 gut tarn haut habeo sanguinis 
(vor Schreck). Pseud. 3970 Quoi neque parata est gutta certi 
consilii. Lucr. IV 1053 gutta dulcedinis stillavit in cor. — Wasser 
und Feuer vertragen sich nicht mit einander, es ist undenkbar, 
dafs beide Elemente sich vermischen könnten: Cic. Phil. XIII 
21, 49 prius undis flamma (seil, miscebitur) ut ait poeta nescio 
quis (Ribb. Frgm. trag. 2 258). Augustus bei Dio Cass. 55, 13 
&a6öov nvQ vSan (iix&riöEG&ai. Ov. trist I 8, 4 Unda dabit 
flammas et dabit ignis aquas. Gleichwohl sind Wasser und 
Feuer im Leben die unentbehrlichsten Dinge (vgl. die Formel 
aqua et igni interdicere): Cic. de amic. 6, 22 itaque non aqua, 
non igni, ut aiunt, pluribus locis utiuiur, quam amicitia, die 
Freundschaft brauchen wir wie das tägliche Brot*). Doch giebt 
es auch Wasserfeinde, die sich davor fürchten und in acht 
nehmen, wie vor einem bösen Hunde: Petron. 42 aqua dentes 
habet**), während wiederum es den Geizhals reut, selbst das 

*) Auch der ganze Gedanke ist sprichwörtlich. Vgl. das griechische 
Ttdvvoov ifiiGta cpiUa (Paroemiogr. gr. II p. 766). 

**) So verstehe ich dem Zusammenhange entsprechend diesen sehr 



24 A. Otto: 

Badewasser wegzugiefsen: Plaut. Aulul. II 4, 29 aquam hercle 
plorat, cum lavat, profundere. — Durch Benetzen mit Wasser 
werden Ohnmächtige wieder zum Bewufstsein zurückgebracht, 
davon heilst aquam aspergere alicui jemand nach einem ge- 
habten Schreck wieder aufrichten und trösten: Plaut. Bacch. 247 
Euax, aspersisti aquam. Epid. IV 1, 27 guttula Pectus ardens 
mihi aspersisti. CistelL II 3, 37 obsipat Aquulam. Ennius v. 
173 p. 28 Vahl. : aquast aspersa Latinis. Jedoch kann man wohl 
auch jemandem einen Schabernack anthun, indem man ihn heim- 
tückisch von hinten mit einem Strahl kalten Wassers übergiefsi. 
So bedeutet Plaut. CistelL I 1, 37 clam — Aquam frigidam sub- 
dole suffundunt das Gegenteil von blandiri (ähnlich unser m: 
vorne streicheln, hinten kratzen)*). Eine Parallele und zugleich 
Erklärung bietet Hör. sat. I 4, 87 E quibus unus amet quavis 
adspergere cunctos Praeter eum, qui praebet aquam, wo zu 
quavis ebenfalls aqua zu ergänzen ist. Die Bezeichnung des 
Gastgebers durch qui praebet aquam, ist aber wohl nur eine 
scherzhafte und zugleich durch aspergere veranlafste, nicht wie 
u. a. noch Georges will, eine sprichwörtliche. — Noch weniger 
sprichwörtlich, wenn auch vielfach darunter gerechnet, ist 
Plaut. Bacch. 105 dabitur opera, calet aqua, da die Aufforderung 
zum Baden an jener Stelle buchstäblich gemeint ist. — Sklaven- 
brot essen heifst servam aquam bibere: Ov. am. I 6, 26 Nee tibi 
perpetuo serva bibetur aqua! Das Gegenteil bei Petron. 71 cito 
aquam liberam gustabunt. — An die Wasseruhr hat man wohl 
zu denken bei der Redensart aqua haeret, ich kann nicht weiter, 
weifs mir keinen Rat: Cic. de off. III 33, 117 Dicit ille quidein 
multa multis locis, sed aqua haeret, ut aiunt. ad Qu. fr. II 6, 2 
In hac causa mihi aqua haeret. Ebenso haeret haec res Plaut. 
Pseud. 423. 985. Trin. 904. 

Das reinste und beste Wasser ist das der Quellen**). 
Leider dürsten zuweilen auch diese: Cic. ad Qu. fr. III 1, 11 Tibi 



verschieden gedeuteten Satz, dessen Färbung allerdings eine sprichwört- 
liche scheint. 

*) Zur Erklärung s. auch Pflügl das latein. Sprichwort bei Plautus 
und Terenz. S. 33. 

**) Ov. ex Pont. III 5, 18 Gratior ex ipso fönte bibentur aquae. An 
die übertragene Bedeutung von fons streift Hieron. adv. Rufin. I 15 p. 470 
neque enim fieri potest, ut do eodem fönte dulce amarunique processerit. 
III 1, p. 631 de uno fönte dulce amarumque procedit. 



Die Natur im Sprichwort. 25 

quod rogas, quoniam fontes iain sitiunt, siquid habebo spatii, 
scribam. ad Att. XII 5, 1 11011 ad dtr^coaav XQrjvrjv, sed ad IJec- 
Qtjvriv eum venisse. Dann mufs man zu dem sonst verachteten 
Wasser der Teiche und Tümpel seine Zuflucht nehmen: Hör. ep. 
13,11 Fastidire lacus et rivos ausus apertos. Prop. II 23, 2 
Tpsa petita lacu nunc mihi dulcis aqua est. Ahnlich Hieron. adv. 
Lucif. 23 p. 196 conatus est beatus Cyprianus contritos lacus 
fugere nee bibere de aqua aliena. Ganz verächtlich und wertlos 
ist ein vertrockneter Teich: Prop. II 14, 12 Dicebar sicco vilior 
esse lacu. Darum erheischt es die Klugheit, rechtzeitig für seine 
Bedürfnisse zu sorgen, und nicht erst den Brunnen zu graben, 
wenn der Durst auf der Zunge brennt: Plaut. Most. 380 miserum 
est opus Igitur demum fodere puteum, ubi sitis fauces tenet. 
Ob Plaut, mil. glor. 1150 haec res apud summum puteum agitur, 
die Sache steht an des Brunnens Rand, ist sehr gefährdet, 
wirklich, wie man allgemein annimmt, ein Sprichwort enthält, 
erscheint mir deshalb sehr fraglich, weil die Stelle einem des 
weiteren ausgeführten Vergleiche entnommen ist. Wozu aber 
diese Ausführlichkeit, wenn das Wort für sich verständlich ge- 
wesen wäre? — An den Philosophen, der die Welt um sich 
vergessend und den Blick auf das Überirdische gerichtet in 
einen Brunnen fiel (Archiv III S. 358), erinnert Hör. ep. II 2, 135 
posset qui rupem et puteum vitare patentem. — Dinge, die man 
in einen Brunnen, oder in einen Flufs wirft, sind verloren: 
Petron. 42 aeque est enim ac si in puteum conicias. Hör. sat. II 
3, 242 qui sanior ac si Illud in rapidum fluvium iaciatve cloa- 
cam? — Leute, die im Überflusse leben, ihn aber nicht zu ge- 
brauchen wissen, sind dem Tantalus vergleichbar, der mitten im 
Wasser stehend dürstete (Ov. am. n 2, 42): Prop. I 9, 16 in medio 
flumine quaeris aquas. Ov. trist. V 4, 10 nee pleno flumine 
cernit aquas. Metam. IX 761 mediis sitiemus in undis. Petron. 
fr. p. 879 Burm. 45 Buch, flumine vicino stultus sitit. (Vgl. unser 
Sprichwort: Am Flusse Brunnen graben.) — Der dumme Bauer, 
der über den Strom will, wartet, bis er abgelaufen sein werde: 
Hör. ep. I 2;, 42 Rusticus exspeetat, dum defluat amnis, was 
wohl aus einer Fabel stammt. Ebensowenig kommt zum Ziele, 
wer gegen den Strom schwimmt: Ovid. rem. am. 121 Stultus 
ab obliquo qui cum descendere possit, Pugnat in adversas ire 
natator aquas. luven. 4, 89 Ille igitur numquam direxit bracchia 
contra Torrentern. Senec. ep. 122, 19 contra illam (naturam) 



26 A. Otto: 

nitentibus non alia vita est, quam contra aquam reniigantibus. 
Fronto p. 113, 10 Nab. adverso, quod aiunt, flumine. Symmach. 
ep. III 43, 2 non tibi adverso nunc amne nitendum est. Augustin 
bei Hieron. ep. 110,3 Cur itaque conor contra fluininis tractum? 
Greg. Naz. epist. 63 (57) p. 819 D zb da ^ ßid&ö&cu $ovv xora- 
fiov xal r) naQoiftta naiSeveu — Dein Wasser zu trauen ist ge- 
fährlich, oft sind gerade die stillsten Wasser die tiefsten: Curt. 
VII 4, 13 altissima quaeque flumina ininimo sono labuntur. Cato 
dist. IV 32 Quod flunien placiduni est, forsan latet altius unda. 
Erst wenn man wieder festen Boden unter den Füfsen hat, ist 
man in Sicherheit: Plaut. Aulul. 803 Haec propemodum iam esse 
in vado salutis res videtur Rud. I 2, 81 At in vado est, iam 
facile enabit. Ter. Andr. 845 Res est in vado. 

„Alle Flüsse laufen ins Meer": Plaut. Cure. I 1, 86 Quisnam 
istic fluvius est, quem non reeipiat mare? Darum wird bei 
Plaut. Poen. III 3, 14 der Rat gegeben: Viam qui nescit, qua 
deveniat ad mare, Eum oportet amnem quaerere comitem sibi. 

— Die Wellen des Meeres sind zahllos, wie der Sand am 
Gestade: Verg. Georg. II 108 Nosse, quot Ionii veniant ad littera 
fluetus. Mark VI 34, 2 Oceani fluetus me numerare iubes. 
Kviiara (istQstg Macar. V 43. Theoer. Id. XVI 60. — Überflüssig 
und zwecklos wäre es, Wasser ins Meer, wie wir sagen, in die 
Spree oder in den Rhein zu tragen: Ov. trist. V 6, 43 in mare 
fundat aquas. am. II 10, 13 In freta collectas alta quid addis 
aquas? III 2, 34 in mare fundis aquas. Und nur der Thor jagt 
im Meere: Plaut. Asin. 100 venari autem reticulo in medio mari. 

— Ein sanftes Wesen gleicht dem ruhigen Spiegel des Meeres: 
Plaut, mil. glor. 664 leniorem dicis, quam mutum est mare. 
Most. 852 Tarn placida est, quam placida est aqua. Vgl. Stich. 
529. Poen. 1 2, 143. — Wie das Meer nur vom Winde auf- 
gewühlt wird, so geschieht im Leben nichts ohne eine bestimmte 
Veranlassung: Anthol. lat. 726, 7 (Baehr. Poet. lat. min. III p. 62) 
Atqui turbari sine ventis non solet aequor. Glücklicherweise 
verraucht der Zorn und die Leidenschaft oft so schnell, wie sie 
gekommen: Hieron. ep. 66, 9 cito turgens spuma dilabitur. Und 
zuweilen ist es nur ein Sturm im Glase Wasser, d. h. Kleinig- 
keiten halber: Cic. de leg. III 16, 36 excitavit enim fluetus in 
simpulo, ut dicitur. Denn die Welle ist leicht beweglich, ein 
Bild der schwankenden Volksmenge: Senec. Herc. für. 170 fluetu 
iuagis mobile vulgus. — Wenig glaubhaft erscheint mir die ge- 



Die Natur im Sprichwort. 27 

wohnliche Annahme, dafs Plaut. Cas. prol. 26 Alcedonia sunt 
circa forum, es herrscht Windstille auf dem Markte, wirklich 
einen sprichwörtlichen Ausdruck enthalte. Ich glaube, es ist ein 
einfacher Vergleich. 

Der Sand am Ufer des Meeres ist zahllos wie die Sterne und 
die Wellen des Meeres selbst (Genesis 22, 7): Verg. Georg. II 105 
Discere quam multae zephyro turbentur arenae. Hör. carm. I 
28, 1. Te maris et terrae numeroque carentis arenae Mensorem. 
Ov. a. a I 254 numero cedat arena meo. trist. IV 1, 55 Meque tot 
adversis cumulant, quot littus arenas — habet. Metam. XI 615 
qnot — eiectas littus arenas (gerit). trist. V 1, 31 quot flavus 
Thybris arenas. Calpurn. 2, 73 tenues citius numerabis arenas. 
Amm. Marcell. XIV 11, 34 arenarum uumerum idem iam desi- 
piens et montium pondera scrutari putabit. Boeth. consol. phil. 
II 2, v. 1 Si quant&s — Pontus arenas Aut quot stelliferis edita 
noctibus Caelo sidera fulgent. Häufig wird in gleicher An- 
wendung der Sand der libyschen Wüste genannt (Archiv III 
S. 378 f.). Auch die Griechen hatten die Redensart apiiov fie- 
TQetv (Zenob. I 80). Sand ans Meer zu tragen bezeichnet also 
eine ganz überflüssige Thätigkeit: Ov. trist. V 6, 43 His qui con- 
tentus non est, in littus arenas, In segetes spicas, in mare fundat 
aquas. Den Sand am Gestade zu stehlen ist leicht und gefahrlos: 
Ov. am. I 19, 45 Ille potest vacuo furari littore arenas. Wer das 
sandige und darum unfruchtbare Gestade des Meeres bepflügt 
und besät, arbeitet ohne Nutzen und Erfolg: Prop. II 11, 2 
Laudet qui sterili semina ponit humo. Ov. ep. 5, 115 quid 
arenae semina mandas? ep. 16 (17) 139 Quid bibulum curvo 
proscindere littus aratro Coner? trist. I 4, 48 Nee sinet ille tuos 
littus arare boves. ex Pont. IV 2, 16 Sed siecum sterili vomere 
littus aras. luven. 7, 48 tenuique in pulvere sulcos Duciraus et 
littus sterili versamus aratro. Auson. ep. 4, 4 Cultor arenarum, 
vates, cui littus arandum. Act. S. Sabiniani II 8 sed prorsus 
super arenam seminasti. Vgl. itstgag cnüqziv Apost. XIV 20. — 
Aus Sand ltifst sich kein Strick drehen, „Seil aus Sand, wie hält 
das Band?" Das Sprichwort ist griechisch: i\ &(iftov G%Qiviov 
xlexeig Greg. Cypr. III 46. Es wird angeführt von Columella X 
praef. 4: eadem tarn exigua sunt, ut, quod aiunt Graeci, ex 
incomprehensibili parvitate arenae funis effici non possit. Vgl. 
auch Irenaeus adv. haeres. I 8, 1 et quod solet dici, de arena 
resticulas nectere afleetantes. II 10, 1 de arena resticulas nee- 



28 A. Otto: 

tentes. — Nach Sueton (Calig. 53) nannte Caligula den Philo- 
sophen Seneca arenam sine calce, indem er auf dessen zerhackten 
und zusammenhangslosen Stil anspielte. Doch war dies vielleicht 
nur eine witzige Bemerkung des Kaisers. — Unsere Redensart 
„jemandem Sand in die Augen streuen" findet sich zuerst bei 
Gellius V 21, 1 easque (inauditiunculas) quasi pulverum ob 
oculos, cum adortus quemque fuerat, adspergebat. Vgl. Plin. 
nat. h. X 4, 17. Plut. Sert. 17. Einen Vorläufer hat sie jedoch 
schon bei Plautus mil. glor. 148 Glaucumam ob oculos obicienius, 
wir wollen ihm blauen Dunst vormachen. — Mit Bezug auf den 
Sand und Staub der Kennbahn sagt Horaz ep. I 1, 51 Cui spes, 
cui sit condicio dulcis sine pulvere palmae. Ebenso Amm. Marcell. 
XIX 11,7 sine ullo pulvere, ohne jede Mühe. (Vgl. Hieron. ep. 
14, 10 nemo athleta sine sudore coronatur.) Sine pulvere ist 
eine Übersetzung des griechischen ccxovltl: Plin. n. h. XXXV 11, 
139 citra pulveris iactum, quod vocant aconiti, vicit. 

Mit dem trockenen Sande kontrastiert der feuchte, schmutzige 
Schlamm. Wer in grofser Verlegenheit ist, sitzt in der Patsche, 
in der Tinte: Plaut. Aulul. 230 iaceam ego asinus in luto. Pers. 
535 Neque mihi haut imperito eveniet, tali ut in luto haeream. 
Hieron. ad Joann. Hieros. 22 p. 427 V. Dubios non in luto 
haerere pateris? Ennod. p. 20G, 28 Vog. nullius inscii niersa 
caeno haerere vestigia. 'Ev ßogßoQG) xdftqTai bei Mein. fr. 
comic. IV p. 653.*) Ähnlich Cic. de fin. V 28, 84 Veuit ad ex- 
tremum, haeret in salebra, sitzt fest. Nur mit gröfster An- 
strengung gelingt es, den Fufs aus dem Schlamm zu ziehen: 
Hör. sat. II 7, 27 et haeres Nequfquam cupiens evellere plautam. 
Plaut Bacch. 384 Ut gnatum ex lutulento caeno propere hinc 
eliciat foras. Hieron. adv. Lucif. 11 p. 189 V. aut pariter in 
luto haesitabimus aut pariter expediemur. Auch dies geht 
zurück auf griechische Vorbilder: alQsiv £%& Ttoda nrjkov Greg. 
Cypr. II 32. ix zov nrjkov Ttoda i%eig Zenobius III 62. Von 
dem, der bei dem Versuche, sich aus dem Sumpfe heraus- 
zuarbeiten, nur noch tiefer hineingerät, heifst es bei Terenz 
Phorm. 780 In eodem luto haesitas: vorsuram solves (du wirst 
die Schuld durch eine neue Anleihe bezahlen). Hieron. adv. 
Pelag. I 11 p. 703 V. in eodem luto haesitas. I 24 p. 721 V 
in eodem caeno volutaris. ep. 143, 2 in eodem luto haesitas. 



*) Vgl. Senec. ep. 57, 2 eodem die et luto et pulvere laboraviuius. 



Die Natur im Sprichwort. 29 

Mar. Mercat. col. 158 in eodeui luto haerendo versuram solvit. 
col. 917 In eodem luto versuram solvit. Die Terenzstelle, welche 
auch Lactant. Inst. VII 2, 3 citiert, lag offenbar allen vor. — 
Scheinbar ähnlich, aber der Bedeutung nach völlig verschieden 
ist Hieron. adv. Pelag. II 4 p. 745 V. e quibus et nos de eodem 
luto sumus. ep. 77, 6 de eodem nobiscum formatus est luto, er 
ist aus keinem besseren Stoffe geschaffen als wir, hat nichts vor 
uns voraus. Zu Grunde liegt hier das griechische i% ivbg %v\1.qv 
(Macar. III 44. Append. prov. II 68. Vgl. ix trjg avrrjg iIhcc&ov 
yayovc&g Append. prov. II 47), welches ausdrücklich mit der Pro- 
metheussage in Verbindung gebracht wird von Callimachus fr. 
133 Sehn, st 6* 6 flQo^rjd-evg "EnXaöe xal %r\Xov (ty 'j; irigov yiyo- 
vccg und luven. 14, 34 quibus arte benigna Et meliore luto finxit 
praecordia Titan. S. noch Claudian XX 496 Deteriore luto pravus 
quos edidit auetor. Vergleichen läfst sich auch Cic. in Pis. 25, 
59 quid cessat hie homullus ex argilla et luto fictus Epicureo, 
wozu jedoch der häufige Gebrauch von lutum als Schimpfwort 
noch näher liegt (luteus homo, ein Nichtsnutz bei Cic. in Verr. 
III 14, 35). So heilst es bei Plautus Poenul. I 1, 29 lenone isto 
Lyco Illius domi non lutum est lutulentius, und Lucil. 28, 25 
p. 79 M. (674 L) haut litteras doceas lutum. Nichts ist verächt- 
licher und billiger als ein Dr. . . Daher stammt auch die Redensart 
pro luto esse: Petron 44 Itaque illo tempore annona pro luto 
erat 51 aurum pro luto haberemus. 67 omnia pro luto haberemus. 
Plaut. Trucul. II 7, 5 Qui bona sua pro stercore habet. Auf 
dieselbe Anschauung gründet sich ein Ausspruch des Vergil bei 
Cassiod. Institut. I 540 Vergilius dum Ennium legeret, a quodam 
quid faceret inquisitus, respondit: aurum in stercore quaero, eine 
Antwort, die sich ohne Zweifel an eui bekanntes Sprichwort an- 
lehnte. Vgl. Hieron. ep. 107, 12 et grandis esse prudentiae 
aurum in luto quaerere. 98, 22 nee unguenta aurum et mar- 
garitas quaerunt in luto. Auch niedrige, verachtete Stellung 
wird durch caenum bezeichnet: Lucr. III Ipsi se in tenebris volvi 
caenoque queruntur. Liv. X 15, 9 orare, ut ex caeno plebeio 
consulatum extraheret. Salvian gub. dei VI 8, 43 quasi in caenum 
proieiantur. 

Die "festen Bestandteile des Erdkörpers sind Steine und 
Metalle. Ihre Härte und Unempfindlichkeit wird auch auf den 
Menschen übertragen; ein fühlloser Mensch ist hart wie Stein, 
oder trägt wenigstens ein Kieselherz im Busen: Prop. I 16, 29 



30 A. Otto: 

Sit licet et saxo patientior illa Sicauo. Ov. Metain. XIV 712 
Durior et — saxo. Senec. de benef. VIII 24, 1 His iniinobilior 
scopulis. Mart. IX, 45, 6 Durior ipse fuit (saxis). Sidon. Apoll, 
ep. 4, 23 nisi scopulis durior duras. VeDant. Fortun. carm. III 
1, 2 marmore durior. — Tibull. I 1, 64 neque in tenero stat 
tibi corda silex. Ov. am. I 11, 9 Nee silicum venae — in pectore. 
III, 6, 59 Ille habet et silices et vivuin in pectore ferrum. Metam. 
IX 614 Nee rigidas silices — in pectore — gerit. ep. 10, 109 
Illic tu silices — habes. trist. I 8, 4 Et tua sunt silicis circum 
praecordia venae. III 11, 4 Et dicam silices pectus habere tuum. 
Quintil. declam. 6, 19 Non erat illi ferreum pectus nee cor silice 
concretum. Hieron. Didym. de spir. sanet. 24 p. 130 Licet quis 
possit existere saxei, ut ita dicam, cordis. Solche Menschen 
können nicht von Menschen, sondern müssen von wilden Tieren 
oder Felsen abstammen: Cic. Tusc. III 6, 12 Non enim silice 
nati sunius. Ov. ep. 7, 37 Te lapis et montes progenuere. trist. 
III 11, 3 natus es e scopulis, nutritus lacte ferino. In der That 
giebt es Leute, die gegen alle Bitten und Beschworungen taub 
bleiben wie ein Fels im Meer: Verg. Aen. VI 470 Nee magis 
ineepto vultum sermone movetur, Quam si dura silex aut stet 
Marpesia cautes. Hör. epod. 17, 54 Non saxa undis surdiora 
navitis. carm. III 7, 21 nam scopulis surdior Icari. Sidon. Apoll, 
ep. 4, 23 nisi scopulis durior duras. Senec. Hippol. 580 f. Vgl. 
Eurip. Med. 28 wg dl itixqog r} ftakdöö iog xXvöov dxovsi. (aipaka 
kaXelg Apost. I 84. Mft<p kaketg Macar. V 61), obgleich das 
Flehen ihrer Mitmenschen so jammervoll ist, dafs es einen Stein 
erweichen konnte: Cic. de orat. 1 57, 260 lapides mehercule 
omnes flere ac lamentari coegisses. Ov. Metam. IX 303 moturaque 
duros Verba queror silices. Mehr erreichen gewöhnlich Lieb- 
kosungen und Schmeicheleien, denn illis (blanditiis) et silices et 
possunt cedere quercus Prop. I 9, 31. Ov. am. III 7, 57 Illa — 
potuit quercus Surdaque blanditiis saxa movere suis. Plaut. Poen. 
284 illa mulier lapidem silicem subigere, ut se amet, potest. — 
Die Unbeholfenheit eines ungeschickten Steinblocks, der liegen 
bleibt, wohin man ihn mit vieler Mühe gewälzt hat, eignet sich 
vortrefflich zur Bezeichnung eines Dummkopfes, mit welchem 
nichts anzufangen ist: Plaut, mil. glor. 1024 Nullum est hoc 
stolidius saxum. 236 Neque habet plus sapientiae quam lapis. 
Poen. I 2, 78 tu es lapide silice stultior. Mercat. 632 credidi 
homini docto rem mandare: lapidi mando maxumo. Most. 1073 



Die Natur im Sprichwort. 31 

Verba Uli non magis dare hodie quisquam ; quam lapidi potest. 
(Bacch. 1088.) Ter. Heautont. 831 I, quid stas, lapis? 917 Ni 
essem lapis. Hec. 214 quae nie omnino lapidem, non hoininem 
putas. Aristoph. Nub. 1202 ovxsg ACftoi. — Beneidenswert ist, 
wer so gute Zähne hat, dafs er damit Steine mahlen könnte: 
Catull. 23, 4 dentes vel silicem comesse possunt.*) Gewöhnliche 
Menschen beifsen sich daran die Zähne aus, ebenso wie man nur 
sich selbst schadet, wenn man mit der blofsen Hand auf einen 
Stein schlägt: Plaut. Curcul. 197 Noli, amabo, verberare lapidem, 
ne perdas manum. Tadelnswerte Un vorsieht verrät es, wenn man 
zweimal an denselben Stein stöfst, d. h. zweimal denselben Fehler 
macht: Cic. ad fami). X 20, 2 culpa enim illa, bis ad eundem, 
vulgari reprehensa proverbio est. Auson. ep. 11 praef. tu ut tua 
culpa ad eundem lapidem bis offenderes. Ov. trist. II 16 Saxa 
malnm refero rursus ad ieta pedem. Das Sprichwort ist griechisch : 
dlg nQog tbv avxbv al6%Qov itQOöxQOveiv Xlftov Zenob. III 29. 
In ähnlicher Weise sagt der, welcher zum zweiten Male in die 
gleiche gefährliche Lage gerät, ad unum scopulum iterum me 
fluetus ferunt: Plaut. Most. 677 nunc quid dicam, nescio: Iterum 
iam ad unum saxum me fluetus ferunt. fr. com. ine. bei Cic. de 
orat. III 41, 16 neque me patiar Iterum ad unum scopulum f et 
teluni classem Achivum offendere.*) Plaut. Mercat. 198 Verum 
video me (iterum) ad saxa ferri saevis fluetibus. Ov. ex Pont. 
IV 14, 21 ad veteres scopulos iterum devertor. — Von dem, der 
einem andern schöne Versprechungen macht, um ihn ins Garn 
zu locken, heifst es bei Plaut. Aulul. II 2, 18 Altera manu fert 
lapidem, panem ostentat altera. Ebenso Hieron. ep. 48, 13 panein, 
ut dicitur, ostendere, lapidem tenere. ep. 81, 1 altera manu la- 
pidem tenere, panem offerre altera. Seinen Ursprung hat das 
Sprichwort in der gegen Hunde angewandten List. Eine ver- 
wandte Redensart begegnet bei Plaut.Aulul.il 1,29 mihi misero 
cerebrum excutiunt Tua dieta, soror: lapides loqueris, deine 
Worte treffen mich wie harte Steine.**) — Zu den uralten Ge- 
brauchen, beim Abschlufs von Verträgen gehörte u. a., dafs der 



*) Sprichwörtlich ist vielleicht auch Afran. bei Non. p. 208, 1 silices 
cum findat gelus. 

**) Ribb. fr. com. p. 218 liest ad uneum statt ad unum, allein die 
Vnlgata wird geschützt durch die oben angeführte Flautusstelle. Für et 
telum liest Ribb. ut olim. 



32 A. Otto: 

pater patratus dem zu opfernden Schweine den Kopf mit einem 
Kieselsteine zerschmetterte (Liv. I 24). Aus diesem Brauche er- 
klärt sich das Sprichwort inter sacrum et saxum sto, ich bin 
in der äufsersten Gefahr, das Messer sitzt mir an der Kehle. 
Plaut. Capt. 616 Nunc ego omnino accidi: Nunc ego inter sa- 
crum saxumque sto, nee quid faciam, scio. Apul. Metam. IX 28 
plurimum ego duritia paupertatis intercedente, quod ait vetus 
proverbium, inter sacrum et saxum positus truciabar. — Ahnlich 
ist die Verbindung von saxum und crux: Cic. ad Att. XIV 16, 2 
quis enim audeat laedere proposita cruce aut saxo. XIV 15, 1 
Magnani avaftscoQYiöiv res habet: de saxo in crucem. Gemeint 
ist der Tod am Kreuze oder durch Herabstürzen vom (tarpeji- 
schen) Felsen. 

Noch sei hier der Bim stein genannt, dem infolge seiner 
Porosität ganz besonders die Fähigkeit, Wasser aufzusaugen, 
eigentümlich ist. Ein Geizhals wird mit einem Bimsteine ver- 
glichen: Plaut. Aulul. II 4, 18 Pumex non aeque est aridus, 
atque hie est senex. Wer nicht weinen kann, sagt pumieeos 
oculos habeo Plaut. Pseud. 75. Von einem dürren, hageren 
Mädchen heifst es Priap. 32, 7 Quae sueo caret est putusque 
pumex. Wenn jemand um etwas augegangen wird, was er selbst 
nicht hat, so erwidert er wohl tu aquam a pumice hercle postulas 
Qui ipsus sitiat (Plaut. Pers. 41). 

Dieselben Eigenschaften wie der Stein zeigt in Bezug '»uf 
seine Härte unter den Metallen das Eisen. Stein und Eisen 
sind häufig verbunden: Prop. I 16, 29 Sit licet et saxo patientior 
illa Sicano, Sit licet et ferro durior et chalybe. Ov. Metam. XIV 
712 Durior et ferro — Et saxo. ex Pont. IV 10, 3 Ecquos tu 
silices, ecquod — ferrum Duritiae confers — meae? Plin. ep. II 
3, 20 saxeus ferreusque es. — Cic. Lael. 13, 48 qui virtutem du- 
ram et quasi ferream esse quandam volunt. Senec. ep. VI 4, (56) 3 
te ferreum et surdum. — An Stelle des Kieselherzens tritt häufig 
ein Herz von Stahl und Eisen: Ov. Metam. IX 614 solidumve 
in pectore ferrum Aut adamante gerit. ex Pont. IV 12, 31 duro 
tibi pectora ferro esse vel invicto clausa adamante putem. Ov. 
ep. 10, 109 illic (in pectore) adamanta tulisti. trist. I 8, 42 Et 
rigidum ferri semina pectus habet. Pindar bei Athen. XIII 8 xsl- 



*) Der Zusammenhang zeigt, data die Vermutung Pflügls (das lat. 
Sprichw. bei Plant. 11. Ter. p. 35 Anm. 1), es sei lapidi (= surdo) loqueris 
zu schreiben, unbegründet ist. 



Die Natur im Sprichwort. 33 

vog i£ äSäfiavtog rft 6lSclqov Kt%ahisvxix.i \tiXuwav xaQÖiav. Das 
Bild selbst, aber nicht im tadelnden Sinne, schon bei Homer IL 
II 490 %dbttov de pot, %xoq iveirj. Harte, gefühllose Menschen 
tragen einen Eisenpanzer um die Brust: Tibull 1 1, 63 non tua sunt 
duro praecordia ferro Vincta. Hör. carm. I 3, 9 Uli robur et aes 
triplex Circa pectus erat. Nemes. Bucol. 4, 56 Quisquis amat pueros, 
ferro praecordia duret. Vgl. Ov. ep. 10, 107 Non poterant figi prae- 
cordia ferrea cornu. — Die gröfste Harte besitzt der Stahl. Auch 
wir kennen die Verbindung von Stahl und Eisen: Ov. ep. 2, 137 
Duritia ferrum ut superes adamantaque. — Petr. Chrysol. bei Migne 
LH 532 sed dives adamante durior. — Stai Silv. I 2, 69 nee enim 
ex adamante nati sumus. — Thränen und Bitten erweichen nicht 
blofs Steine, sondern auch Stahl: Ov. am. HI 7, 57 lila graves 
potuit quercus adamantaque durum — movere, art. am. I 659 
lacrimis adamanta movebis. — Stählerne Bande sind unzerreifsbar: 
Ov. trist. IV 8, 45 adamas licet alliget. Augustin de duab. anim. 
14, 23 adamantinis, ut dicitur, catenis conectere.*) Vgl. Prop. IV 
11, 4 Non exorato stant adamante viae. Apul. Metam. IX 18 
auro solent adamantinae etiam perfringi fores, „Gold geht durch 
alle Thflren."**) — Dem Roste widersteht das Eisen auf die Dauer 
ebensowenig, als mau es verhüten kann, dafs ein Ring sich durch 
bestandigen Gebrauch abnutze: Prop. II 25, 15 Teritur rubigine 
mucro. Ov. ex Pont. I 1, 71 Roditur ut scabra positum rubigine 
^Tum. Curt. VII 8, 15 ferrum rubigo consumit. Hieron. ep. 
98, 19 aes quoque ac ferrum rubigo consumit. — Lucr. I 312 
anulus in digito subtertenuatur habendo. Ov. a. a. I 473 Ferreus 
assiduo consumitur anulus usu. III 91 Conteritur ferrum silices 
tenuantur ab usu. ex Pont. IV 10, 5 consumitur anulus usu. 
cf. II 7, 43 assiduo vomer tenuatur ab usu. 

Wie für Eisen und Stahl die Härte, so ist für das Blei ge- 
rade seine Weichheit und Biegsamkeit charakteristisch. Waffen 
aus Blei sind in der Regel nicht gefährlich: Cic. ad Att. 1 16, 
2 Cum illum plumbeo gladio iugulatum iri tarnen diceret. de 
fin. IV 18, 48 plumbeum pugionem! eine stumpfe Waffe! 
Augustin c. Julian. I 4, 12 (Migne XLIV, 647) acies vitrea vel 
plumbei pugiones, unzutreffende Beweise. III 7, 16 iaetas plum- 

*) ähnlich ist das „eherne Joch" bei Hör. carm. I 33, 10 cui placet 
imparis Formas atque animos sub iuga aenea laevo mittere cum ioco. III 
9, 18 diduetosque iugo cogit aeneo. 

**) Vgl. Düringsfeld a. a. O. I S. 318. 

AtoUt für Ut. Lexikogr. IV. Heft 1. $ 



34 A. Otto: 

beos pugiones. Claud. Mamert. III 16 p. 187, 18 Eng. manu 
captum plumbeis pugionibus exarmare.*) 

Hinsichtlich des Wertes gilt das Blei als das wertloseste, 
das Gold als dai wertvollste Metall. Von einem Glückspilse 
heifst es bei Petron. 43 in mann illius plumbuin aurnm fiebat, 
wobei man wohl zunächst an die bekannte Midasfabel zu denken 
hat. Ein ausgezeichneter Mensch ist nicht mit Golde zu bezahlen: 
Plaut. Epid. III 3, 30 Non carust auro contra. Pseud. 688 ori- 
chalco contra non carum fuit. Man müTste ihn in Gold fassen, 
oder mit Gold aufwiegen: Plaut. Bacch. 640 Hunc hominem decet 
auro expendi; huic statua decet ex auro. 

Will jemand glänzende Versprechungen machen, so verheilst 
er ganze Berge von Gold: Ter. Phorm. 68 modo non montis 
auri pollicens. Pers. III 65 Et quid opus Cratero magnos pro- 
mptere montes. schol.: in proverbio est montes (promittere). 
Hieron. adv. Rufin. III 39 p. 565 V. cum montes aureos pol- 
licitus fueris. Ahnlich Sali. Catil. 23 maria montesque polli- 
ceri coepit. Wölfflin, Allitter. Verb. S. 34. Von Bergen Goldes ist 
auch sonst die Rede: Plaut, miJ. glor. 1065 praeter thensauros 
Tum argenti montis, non massas habet; Aetna est non aeque alta. 
Juven. XII 129 montibus aurum Exaequet. Plaut. Aulul. 701 
Pici divitiis, qui aureos montes colunt. Apul. apol. 20 nee mon- 
tibus auri satiabitur. Vgl. Archiv III S. 375 und Aristoph. 
Acharn. 82 x&%£&v — inl %Qv6(bv oqcqv. Überhaupt bezeichnen 
Berge das Massenhafte, so Plaut. Pseud. 188 montes maxumi 
fruraenti sunt strueti domi. Auch im schlimmen Sinne montes 
mali: Plaut. Epid. I 1, 78 In te irruunt montes mali. Mosl. 352 
Ita mali maeroris montem maxumum — modo conspicatus sum. 
Merc. 618 Montes tu quidem mali in me ardentis iam dudum 
iacis. — Einen steilen Berg zu erklimmen ist eine anstrengende 
Aufgabe: Senec. ep. 31, 4 Tanto melior surge et clivum istum 
uno, 8i potes, spiritu exsupera. Sil. Ital. IV 603 perque aspera 
duro Nititur ad laudem virtus interrita clivo. Ov. ep. 19, 41 
mille doli restant, clivo sudamus in imo, wir sind noch lange 
nicht über den Berg. Petron. 47 nee adhuc sciebamus nos in 
medio lautitiaium, quod ahmt, clivo laboraie. Vgl. die Redensart 
lassus taniquum caballus in clivo Petr. 134. Ov. rem. am. 394. 

Von dem, was auf den Erdboden fällt, versteht man ge- 



*) Von der Schwere Plaut. Poexral. III 6, 18 plumbeaa iras geront. 



Die Natur im Sprichwort. 35 

wohnlich die Redensart quod in solum venit = quod in buccam 
venit, was mir einfällt: Cic. de nat. deor. I 23, 65 quodcumque 
in solum venit, ut dicitur. ad fam. IX 26, 2 loquor, quod in 
solum, ut dicitur. Afran. (Ribb. fr. com. p. 146) bei Non. p. 124, 
18 quod in solum non venit caeco. Varro bei Non. p. 500, 11 
quod in solum mihi venerit, ponam. Mir däucht diese Deutung 
zu vage, ich mochte lieber solum in der auch sonst wieder- 
kehrenden Bedeutung von „Fufssohle" nehmen (z. B. Cic. Tusc. V 
32, 90. Varro r. r. II 9, 4 u. a.), also: was mir unter die Füfse 
kommt, worauf ich zufällig stofse. 

Wer in eine tiefe Grube, oder einen Abgrund fallt, ist ver- 
loren, aber nur der Unvorsichtige springt blindlings hinein: Hör. 
sat. II 3, 59 Hie fossa est ingens, hie rupes maxima: serva! a. 
p. 458 Si veluti merulis intentus deeidit aueeps In puteum fo- 
veamve. Apul. Metam. II 6 tantum a cautela Pamphiles abfui, 
ut etiam ultro gestirem in ipsum barathrum saltu concito prae- 
cipitare. II 25 somnus me in imum barathrum demergit.*) Und 
nur der Verzweifelte wünscht, die Erde möge sich aufthun und 
ihn verschlingen: Plaut. Bacch. 148 barathrum, ubi nunc es? 
ut ego te uöurpem lubens! Verg. Aen. IV 24 tellus optem prius 
ima dehiscat X 675 aut quae iam satis ima dehiscat Terra 
mihi? Ov. Metam. I 545 Tellus, ait, hisce. fast III 609 quos 
terrae quaerat hiatus? ep. 6, 144 Hiscere nempe tibi terra ro- 
gauda fuit. Petron. 81 ergo me non ruina terra potuit haurire? 
Senec. Phaedr. 1238 Dehisce tellus. Die Quelle ist Hom. II. IV 
182 %6xb pol %dvoi avQsla jftmv. XVII 416 dkk 9 avrov yala 
pikaiva naöi %dvoi. — Dem gewissenlosen Egoisten und Genufs- 
menschen, der nur für den Augenblick lebt, ist es gleichgiltig, 
ob die Welt nach seinem Tode aus den Fugen geht, er sagt ipov 
&avovrog yala fuj&qra» tcvqC (Append. prov. II 56. Suet. Nero 
38), apres nous le deluge. Das Sprichwort wird als ein grie- 
chisches angeführt von Cic. de fin. II 19, 64 Quoniamque illa 
vox inhumana et scelerata ducitur eorum, qui negant recusare, 
quominus ipsis mortuis terrarum omnium deflagratio consequatur, 
quod vulgari quodam versu graeco pronuntiari solet, und Senec. 



*) Man wirft auch nichts mutwillig hinein: flor. sat. II 3, 166 Quid enim 
differt, barathrone Dones, quidquid habes. Plant. Curcal. I 2, 28 effande 
hoc cito in barathrum (in den Schlund). Scherzhaft Hör. ep. I 15, 31 ba- 
rathrum macelli. 



36 A. Otto: 

de clem. II 2 cui Graecus versus similis est, qui se mortuo niis- 
ceri terram ignibus iubei 

Das angeführte Sprichwort führt uns zu dem vierten Ele- 
mente, dem Feuer. Zu den feststehenden Verbindungen gehören 
ferrum flammaque (vgl. E. Wölfflin, die allitt. Verb. d. lat. Spr. 
S. 55 f.) und ferrum ignisque von den äufsersten, schmerzhaftesten 
Mitteln: Prop. I 1, 27 Fortiter et ferrum saevos patiemur et 
ignes. 111 24, 1 non ferro, non igne coactus. Ov. am. I 14, 25 
Quam se praebuerunt ferro patienter et igni! ep.- 19 (20) 183 
ferrum patiuntur et ignes. rem. am. 229 ferrum patieris et ignes 
(Senec. ep. 7, 4 ferro et igni res geritur. Agam. 152 Et ferrum 
et ignis saepe medicinae loco est). Claudian. XX 14 ferro sa- 
nantur et igni. Hieron. ad Rufin. III 39 jivqI xal tftdifpG). Vgl. 
dat griechische xipviiv xal xdeiv. — Untrennbar zusammen ge- 
hören Feuer und Bauch, denn wo Rauch ist, da ist auch Feuer, 
und umgekehrt. Damit erklärt sich die allitterierende Verbin- 
dung fumus et flamma (vgl. E. Wölfflin a. a. 0. p. 60) und das 
Sprichwort flamma fumo est proxuma (Plaut. Gurcul. I 1, 53). 
Die gemeinhin in letzteres gelegte Bedeutung „Schon die Be- 
rührung steckt an" entspricht nur ungefähr dem Zusammenhange 
der Stelle, das Wort hatte sicherlich die weitere Bedeutung 
„das eine hängt mit dem andern zusammen, folgt aus dem andern", 
ein Gedanke, den noch ein anderes Sprichwort ausdrückt bei 
Fest. p. 309 M: Calidius in oratione in Qu. Gallium: Nonne vobis 
i(udices, scintillam) et fumus prosequi (et fumum flamma) vi- 
detur? nach 0. Müllers wahrscheinlicher Ergänzung. — Zu be- 
ilauern ist, wer die Asche meidet und in die Kohlen fällt, oder, 
wie die Griechen ebenfalls sagten, den Rauch flieht und dabei 
ins Feuer fällt: onodov <pevycov aig kvq iyminx^xa Macar. VII 77. 
xbv xaitvov tpsvyovxeg slg xo nvq ivineöov Macar. VIII 42. Von 
den Römern braucht das Sprichwort Amm. Marceil. XIV 11, 12 
prorsus ire tendebat de fumo, ut proverbium loquitur vetus, ad 
flammam. XVIII 1, 26 et iussus ad eius comitatum duci, de 
fumo, ut aiunt, in flammam occidit. — Indem aber der Rauch 
das Feuer verdüstert, bildet er zugleich einen Gegensatz zu dem- 
selben. Daher sagt Hör. a. p. 143 Non fumum ex fulgore, sed 
ex fumo dare luceui Cogitet. Der Rauch ist auch ein Bild des 
Haltlosen, Wesenlosen: Pers. V 20 dare pondus idonea (pagina) 
fumo d. h. inani. Jemanden mit leeren Versprechungen abspeisen, 
hinters Licht führen, heilst (per) fumum vendere: Mart. IV 5, 7 



Die Natur im Sprichwort 37 

Vendere nee vanos circum palatia famos. — Lamprid. Alex. Sever. 
23 qui de eo fumum vendiderat, in crucem tolli iussit. 36 famo 
punitur, qui vendidit fumum. Heliog. 10 omnia Heliogabali dieta 
et facta venderet fumis. Capitol. Ant. Pius 11 qui et ipsi nun- 
quam de eo — per fumum aliquid vendiderant Apul. Apol. 60 
homini rustico fumum vendidit. Was man in Rauch aufgehen 
lä&t, ist vernichtet: Hör. ep. I 15, 37 omne Verterat in fumum 
et cinerem, er hatte alles durchgebracht. Augustin. ep. 48, 24 
(Migne XXXIII 33) in favillam fumumque vaneseunt. 

Feuer wird mit Wasser gelöscht, indes genügt eine Hand 
voll Wasser noch nicht, um einen grofsen Brand auszulöschen: 
Amm. Marceil. XIX 5, 2 tantum proficientes, quantum in publico, 
ut aiunt, incendio aqua unius hominis manu adgesta. Auch ist 
es zu spät Wasser ins Feuer zu giefsen, wenn das Haus herunter- 
gebrannt ist: Quintil. declam. 12, 23 aquas infundere in cinerem.*) 
Gleichbedeutend ist Prop. II 14, 16 cineri nunc medicina datur 
von dem schon verbrannten Toten.**) Noch unbesonnener han- 
delt, wer anstatt die Flammen zu dämpfen, Öl ins Feuer giefst 
und sie noch mehr anfacht: Non. p. 22, 21 M. Tullius in Hor- 
tensio: Ad iuvenilem libidinem copia voluptatum gliscit ita, ut 
ignis oleo. Hör. sat. II 3, 321 Adde poemata nunc, hoc est, 
oleum adde Camino. Porphyr.: et usus est vulgari proverbio. 
Apul. Metam. IX 36 quod est oleum flammae, sulfur incendio, 
flagellum Furiae. Hieron. ep. 22, 8 Quid oleum flammae adici- 
mus? 77, 7 et quasi oleum flammae adieimus. 125, 11 ne — 
oleum igni adicias. Ttcrtt] xal iXaim xataößsvvvvcu (tcvq) Luc. 

*) Ein Brand wird auch durch das Einreifsen der benachbarten Hänser 
unterdrückt^ weshalb incendium ruinaextinguere als sprichwörtliche Redens- 
art angenommen wird, z. B. von Dietsch zu Sali. Catil. 31, 6. Wenn Ca- 
tilina beim Verlassen des Senates gesagt hätte : incendium meum ruina rei 
publicae eztinguam (die besten codd. resting. ohne rei p., Basil. exting.), 
wie J. Mähly vermutet, zur Kritik lat. Texte. 1886. S. 13, so hätte er sich 
gewifs nnr logisch auegedrückt; allein er hatte doch den Takt nicht aus- 
zusprechen, was zum Opfer fallen müsse. Zudem lautete der Ausspruch 
nach Cic. Mur. 51 incendium se non aqua, sed ruina restineturnm, nach Val. 
Max. 9, 11, 3 incendium, si aqua non potuero, ruina extinguam (Paris, Epit. 
reetinguam), nach Flor. 2, 12 (4, 1) 7 incendium Buum restineturum ruina. 
Da& re in zahlreichen Verbalzusammensetzungen nach unserer Auffassung 
entbehrt werden könnte, ist bekannt genug. Die Bed. 

*•) Bei Plant, mil. glor. 1000 sermo huius haud cinerem quaeritat — 
politus est hat man an den Gebranch der Asche als Putzpulver zu denken. 
Doch halte ich den Ausdruck nicht für sprichwörtlich. 



38 A. Otto: 

Timon. 44. — iXaCcp iivq ößevvveig Plut. Boiss. 22. Eine Leiden- 
schaft nährt und steigert die andere, wie ein Feuer ein zweites: 
Ov. a. a. I 244 Et Venus in vinis ignis in igne fuit ep. 15 
(16) 230 et ebrietas ignis in igne fuit (Anders Ov. am. III 2, 
34 In flammam flammas, in mare fundis aquas.) Nach dem 
Griechischen prj icvq ixl icvq Diogen. VI 71. Eine ähnliche 
Vorschrift ist die des Pythagoras hvq pa%aiQa nrj öxakevew 
reize nicht einen jähzornigen Menschen durch Schmähworte 
noch mehr (Porphyr, zu Hör. sat. II 3, 276. Athen. X 452. 
Diogen. Laert. VIII 18): Hör. sat II 3, 275 Adde cruorem Stul- 
titiae atque ignem gladio scrutare. Hieron. adv. Rufin. III 99 
p. 485 Ignem gladio ne fodias. — Am besten ist es, einen Brand 
überhaupt zu verhüten und selbst auf das kleinste Fünkchen zu 
achten, denn „aus einem kleinen Funken wird oft ein grofser 
Brand": Lucret V 609 et accidere ex una scintilla incendia passim. 
Hör. ep. I 18, 85 Et neglecta solent incendia sumere vires.*) 
Lucr. VI 3 (8) 11 Parva saepe scintilla contempta magnam exci- 
tavit incendium. Juven. XIV 244 ignem, cuius scintillas ipse de- 
disti, Flagrantem late et rapi entern cuncta videbis. Hieron. ep. 
127, 10 Cernentes haeretici de parva scintilla maxima saepe in- 
cendia concitari. ep. 129, 3 de scintillis incendia concitari. 148, 
23 ne ex nobis scintilla procedat, per quam adversus nos si- 
nistrae flammae flamma confletur. — Manches Feuer ist jedoch 
nur ein Strohfeuer, ein Symbol der schnell verrauchenden Leiden- 
schaft: Verg. Georg. III 99 ut quondam in stipulis magnus sine 
viribus ignis Incassum furit Ov. trist V 8, 20 Flammaque de 
stipula nostra brevisque fuit Hieron. ep. 54, 13 Sed tarnen cito 
ignis stipulae conquiescit. Gefahrlich bleibt auch das unter der 
Asche glimmende Feuer: Hör. carm. II 1, 8 et incedis per ignes 
Suppositos cineri doloso. Prop. I 5, 5 Et miser ignotos vestigia 
ferre per ignes. Ebenso schon die Griechen: Callim. ep. 46, 2 
tcvq vnb ty öitodijj. Eurip. Elect. 1182 dia itvQog ßaivsiv. — 
In die Gefahr mitten hinein begiebt man sich aber nur im 
äufsersten Notfalle: Cic. ad Att XVI 7, 2 ut in flammam ipsam 
venirem. XVI 15, 6 veniendum est igitur vel in ipsam flammam. 
— Niedrige, bettelhafte Gesinnung und Habsucht zeigt es, wenn 

*) Sprichwörtlich ist vielleicht auch der vorhergehende Vers Nam tua 
res agitur, paries cum proximus ardet Ein deutsches Sprichwort lautet: 
Es geht dich auch an, wenn des Nachbars Haus brennt Düriugsfeld a. a. 0. 
II S. 73. 



Die Natur im Sprichwort. 39 

jemand selbst aus dem Feuer das Essen herauszuholen bereit ist: 
Ter. Eun. 490 nam quid adsentari huic animum induxeris E 
flamma petere te eibum posse arbitror. Donat: Nam antiquum 
verbum est: Petere eibum e flamma. Welches Feuer dabei ge- 
meint sei, zeigt Catull 59, 2 vidistis ipso rapere de rogo cenam. 
(Plaut. Pseud. 361 Busti rape.) Vgl. Lucil. bei Non. p. 138, 21 
mordicus petere aurum e flamma expediat, e caeno eibum (26, 
61 M.). Gleichbedeutend ist Hör. ep. I 16, 63 qui liberior sit 
avarus In triviis fiium cum se demittit ob assem. Pers. V 111 
Inque tuto fixum possis transcendere nummum? Petron. 43 pa- 
ratus foit quadrantem de stercore mordicus tollere. — Feuer in 
den Mund zu nehmen ist freilich noch schwieriger, und doch ist 
es nach einem alten Worte des Ennius eher denkbar, als dafs 
jemand einen verständigen Einfall und guten Gedanken für sich 
behalte: Cic. de orai II 54, 222 flammam sapiens facilius ore 
in ardente opprimit, Quam bona dieta teneat (Vahl. p. 148. Ribb. 
fr. trg. p. 60). Symmach. ep. I 31 (25) 2 nam facilius est ar- 
dentes favillas ore comprimere, quam luculenti operis servare se- 
cretum. Hieron. adv. Rufin. III 31 et flammas ore coneeptas 
tenere non potes. Ennod. p. 240, 13 Vog. facilius est ignem in 
pyras animatum lingua comprimere, quam silentium inter op- 
tata servare. 

Was nach dem Feuer übrig bleibt, ist Asche oder Kohle: 
Ter. Ad. 849 tarn exeoctum reddam atque atram, quam carbo 
est. Die glücklichen Tage bezeichnet man symbolisch weifs, die 
unglücklichen schwarz (dies albus — ater): Hör. carm. I 36, 10 
Cressa ne careat pulchra dies nota. sat. II 246 Sanin creta an 
carbone notati? Pers. V 108 lila prius creta, mox haec carbone 
notasti? Plin. ep. IV 11, 30 diem — laetum notandumque mihi 
candidiore calculo. Symmach. ep. I 96 (90) albo calculo veter um 
more signabo. Wir: den Tag will ich mir im Kalender rot an- 
streichen. — Auf einen uralten Aberglauben bezieht sich Phaedr. 
V 6, 6 Garbonem, ut aiunt, pro thesauro invenimus von einem 
vereitelten Unternehmen und getauschter Hoffnung. Die Griechen 
sagten av&gaxeg 6 &rj6avQog Zenob. II 1. 

Zum Schlufs seien anhangsweise noch diejenigen Sprichwörter 
besprochen, die es mit den räumlichen und zeitlichen Verhältnissen 
im allgemeinen zu thun haben. Der Begriff des Graden und 
Krummen wird übertragen auf das moralisch Gute und Schlechte, 
das Richtige und Verkehrte: Hör. ep. II 2, 44 Scilicet ut vellem 



40 A. Otto: 

curvo dinoscere rectum. Pers. IV 12 rectum discernis, ubi inter 
curva subit. Anthol. lat. II 789, 6 curvo diducere rectum — 
Permitte. — Plin. ep. V 21, 6 invenimus, qui curva corrigeret 
(ironisch). Senec. apol. 8 Hie nobis curva corriget? Corp. Inscr. 
lat. I 1438 p. 264 Gorrigi vix tandem quod curvom est factum 
crede. Vgl. Sedul. p aschal, carm. IV 7 cui prona facultas ardua 
plauare et curva in direeta referre. (S. auch Archiv III p. 238 f.) 
— Auf dem Gegensatze zwischen Eckigem und Rundem beruht 
Petron. 43 facile est autem, ubi omnia quadrata currunt, wo alles 
Eckige läuft wie eine runde Kugel d. h. wo alles Schwierige und 
scheinbar Unmögliche sich von selbst macht (andere Erklärungen 
s. bei Burmann). 

Eine Variation des im Anfange erwähnten toto caelo errare 
findet sich bei Ter. Eun. 245 tota erras via, du bist ganz auf 
dem Holzwege. Das Gegenteil davon bietet Plaut. Asin. 54 reetam 
instas viam, du bist auf der rechten Fährte. Ahnlich lauten 
Plaut. Gas. II 8, 35 Nunc pol ego demum in reetam redii semi- 
tam, nnd Ter. Andr. 190 redeat iam in viam, wozu Donat be- 
merkt: proverbiale. Sonst ist semita verschieden von via: Plaut. 
Gas. 5, 39 seien s de via in semitam degrederis, du bringst dich 
selbst in Verlegenheit. Ebenso in dem bekannten Worte des 
Eunius bei Cic. de divin. I 58, 132 Qui sibi semitam non sapiunt, 
alteri monstrant viam. Auch die Verbindung der beiden Worte 
ist sprichwörtlich (wie in unserem: Weg und Steg): Fronto p. 213, 
16 Nab. fumum et pulverem, sine quis neque arae neque foci, 
nee viae, quod vulgo aiunt, nee semitae usurpantur. 

Die kleinste Zeiteinheit ist bei den Alten die Stunde: 
Hör. ep. I 1, 82 Idem eadem possunt horam durare probantes? 
Prop. I 6, 1 1 His ego non horam possum durare querellis. Arnob. 
II 74 ante horas, quemadmodum dicitur, paueulas. Vgl. in hora, 
ad horam (zur Minute). Ein Mann, der gleich in äfsig zu Ernst 
und Scherz aufgelegt ist, mit dem man ernste und heitere 
Stunden gern durchlebt, Keifst omnium horarum homo: Quintil. 
VI 3, 110 ut de Pollione Asinio seriis iocisque pariter aecommo- 
dato dictum est, esse eum omnium horarum. Suet. Tib. 42 
Codicillis quoque iueundissimis et omnium horarum professus. 
Vgl. Cic. de orat. II 67, 271 C. Publicium solitum dicere P. Mum- 
mium cuivis tempori hominem esse. — Von dem, der nur für 
den Augenblick bedacht ist, gilt die Redensart in horam vivit 
(Cic. Phil. V 9, 25). Noch gewöhnlicher ist in diem vivere, un- 



Die Natur im Sprichwort. 41 

bedachtsam in den Tag hineinleben: Cic. Phil. II 34, 87 non 
solum de die, sed etiam in diem vivere. Plin. ep.V 5, qui volupta- 
tibus dediti quasi in diem vivunt. Liv. XXII 39, 13. XL 8. 
XXVII 12, 4. Colum. III 3, 6. Hieron. ep. 7, 5. — Dies ist um 
so tadelnswerter, als niemand weif 8, was die Zukunft, nicht 
einmal was der Abend bringen wird: Liv. XLV 8,6 nee praesenti 
cedere fortunae, cum quid vesper ferat, incertuoi sit. Amm. 
Marc. XXVIII 1, 53 nescis, quid serus vesper vehat. Den gleichen 
Titel fährte eine der Satiren Varros (Gell. XIII 11, 1. Macrob. 
I 7, 12)*). Ein anderer, allem Anschein nach ebenfalls sprich- 
wörtlicher Titel war cras credo, hodie nihil, das glaube ich 
morgen, d. h. überhaupt nicht (Riese p. 113). Ebenso erscheint 
sprichwörtlich Petron. 45 quod hodie non est, cras erit. — 
Während wir die Sitte des Verschiebens tadeln, warnen die Alten 
umgekehrt vor Übereilung. Plaut Poen. II 1, 51 Res serias 
omnes eztollo ex hoc die in alium diem. Cornel. Nep. Pelop. 3, 2 
in crastinum, inquit, Archias differo res serias. Dafs aber eben 
ein solcher Grundsatz auch gefährlich werden kann, zeigt die 
historische Erzählung, mit welcher das Wort gewöhnlich in 
Zusammenhang gebracht wird (Cornel. Nep. a. a. 0. Plutarch 
Pelop. 10. Append. prov. II 58 iv aot xa öitovdata. [stg avgiov 
rä öitovdata Plutarch]). Doch sogar auch wir: Das will ich mir 
beschlafen. — In der That ist das Heute des Gestern Schüler 
(dies diem docet): Publil. Syr. 123 Discipulus est prioris poste- 
rior dies. — Nur zu oft will uns aber das Heute weniger gut 
erscheinen als das Gestern: Publil. Syr. 103 Cotidie est deterior 
posterior dies. Senec. Hippol. 773 horaque semper praeterita 
deterior subit. asl xa iisqvöi ßekxim Macar. I 31. Darum klagen 
wir über die schnelle Vergänglichkeit der Zeit, die nicht mehr 
wiederkehrt (Hör. epod. 17, 25 Urget diem nox et dies noctem. 
carm. II 18, 15 truditur dies die. Senec. ep. 24, 25 Diem nox 
premit, dies noctem. — Verg. Georg. III 284 sed fugit interea, 
fugit irreparabile tempus. Aen. X 467. Catal. 12, 10 hora mit. 
Pers. V 153 fugit hora. Colum. XI 1, 29 Praeterlabentis vero 
temporis fuga, quam sit irreparabilis, quis dubitet? Auson. epigr. 
13, 4 nee revocare potes, quae periere dies), die uns alles raubt: 
Verg. ecl. 9, 51 Omnia fert aetas. Ov. Metam. XV 234 Tempus 

*) Vgl. Cic. de fin. II 28, 92 non dico in aonum, sed ad vesperum. 
Der Wortlant ist ähnlich bei Verg. Georg. I 461 Denique quid vesper serus 
vehat — Sol tibi signa dabit. 



42 A. Otto: 

edax reram. Die Vergangenheit laust sich nicht zurück rufen, 
Geschehenes ist nicht ungeschehen zu machen: Cic. in Pis. 25, 59 
quoniam praeterita mutare non possumus. Hanmbal bei Liv. 
XXX 30, 7 sed praeterita magis reprehensi possunt, quam cor- 
rigi. — Für den Verständigen ergiebt sich daraus die Auf- 
forderung: Gehe sparsam um mit der Zeit und nütze die Zeit: 
Senec. ep. 88, 34 Adeo mihi praeceptum illud salutare excidit: 
Tempori parce? ep. 94, 28 Qualia sunt illa aut reddita oraculo 
aut similia: Tempori parce. — Hör. carm. I 11, 8 Carpe diem. 
Tibull. I 8, 47 dum primi floret tibi temporis aetas, Utere; non 
tardo labitur illa pede. Prop. IV 5, 60 Utere, ne quid cras libet 
ab ore dies. Ov. trist. IV 3, 83 Utere temporibus. fact. III 59 
Utendum est aetate. — Dem Thätigen wird die Zeit nicht lang: 
Senec. ep. 122, 3 nullus agenti dies longus est (sprichwortlich?). 
Bekanut war im Altertum der Ausspruch des Kaisers Titus: 
amici, diem perdidi (Suet. Tit. 8). Auson. ad Gratian. 16 Celebre 
fuit Titi Caesaris dictum, perdidisse se diem, quo nihil boni 
fecerat. Vgl. Claudian de rapt. Pros. 11 282 Amissum ne crede 
diem. Plin. ep. III 5, 16 Poteras, inquit, has horas non perdere. 
— Die Klugheit verlangt, dafs man sich in die Zeit schicke, 
ein Gedanke, den Cicero immer wieder betont: ad Att. XII 51, 2 
ut sunt tempora, quibus parere omnes itoliuxol praecipiunt. ad 
famil. X 3, 3 fuisse quoddam tempus, cum homines aestimarent 
te nimis servire temporibus (den Mantel nach dem Winde hängen!), 
ad Att. X 7, 1 et tempori servienduni est. ad famil. IV 9, 2 
Tempori cedere, i. e. necessitati parere semper sapientis est 
habitum. defin. III 22, 73 Quaeque sunt vetera praecepta sapien- 
tium, qui iubent tempori parere. ad famil. X 7, 2 Quid faciam? 
tempori servienduni est. Laur. Pison. 155 temporibus servire 
decet. Senec. Med. 175 tempori aptari decet. Vgl. Liv. XXXIII 
47 , 10 itaque cedere tempori et fortunae statuit. Caes. b. g. 
VII 89, 2 quoniam sit fortunae cedendum. KaiQm öovkevsiv 
Apost. IX 24 c. Vergleichen lafst sich der Ausspruch des Pittakus 
xcuqov yvci&i (Mant. prov. II 59). — Grofs ist die Macht der 
Zeit, sie lindert und heilt jeden Schmerz. Darum sagten die 
Griechen 6 xoivbg latQog de ftsgaitevöei, %Qovog Apost. XII 55 a 
und Xvicrig 8% Ttdörjg yCvst latQcg %Qovog Mant. prov. I 100. 
Und ebenso die Romer: Ter. Heaut. 421 aut illud falsum est, 
quod vulga audio Dici, diem adimere aegritudinem hominibus. 
Cic. ad fam. V 16, 5 diuturnitas mazimos luctus vetustate tollit. 



Die Natur im Sprichwort. 43 

VII 28, 3 sed etiam dies, qui stultis quoque mederi solet. IV 

5, 6 Nullus dolor est, quem non longinquitas temporis minuat 
ac molliat. ad Att. III 15, 2 dies autem non modo non levat 
luctem hone, sed etiam äuget, ad Att. XII 10. Ov. ex Pont. I 3, 15 
Tempore ducetur longo fortasse cicatrix. Seuec. ad Mai. 8, 1 
Dolorem longa consumit dies. Senec. ep. 63, 10. — Die Zeit 
bringt aber auch das verborgene Unrecht ans Licht (die Sonne 
bringt es an den Tag): Tertull. Apol. 7 Bene autem, quod omnia 
tempus revelat, testibus etiam vestris proverbiis et sententiis. 
Hör. ep. I 6, 24 Quidquid sub teria est, in apricum proferat aetas. 
Phaed. fab. VI 4, 24 Sed tempore ipso tarnen apparet veritas. 
"Aysi 8% xqoq q>äg xi\v a\r\%ziav %Qovog Apost. I 27 b. itdvt' ava- 
xccXvnxai %$6vog XQog <päg Apost. XIII 86 c. 

Beinahe sprichwörtlich kehrt bei Cicero der Ausruf o tem- 
pora, o mores wieder: Catil. I 1, 1. 11,31. de domo s. ad poutif. 
53, 137. in Verr. IV 25, 55. pro Deiot. 11. Vgl. Senec. rhet. suas. 

6, 3. Hieron. adv. Helvid. 16 p. 224 V*). 

Glogau. A. Otto. 



Medianus. 

Das Wort medianus (ital. mezzano, franz. moyen) findet sich 
auch im Germanischen und zwar in der Form meiden = Pferd, 
welches man gewöhnlich mit dem gotischen maithms = öcoqov 
identifiziert, in der Meinung, das Pferd habe seinen Namen davon, 
dafs es im Mittelalter Gegenstand von Geschenken war, z. B. an Spiel- 
leute. Allein meiden ist = medianus, womit (vgl. Ref. Zur Text- 
kritik der Nibelungen, Abhdl. der bayr. Akad. d. Wiss. 1872. S. 63.) 
dasjenige Pferd bezeichnet wird, welches den Mittelpreis hat zwischen 
dem Ritterrofs und dem Trofspferd. Das gotische maithms aber (und 
die ihm entsprechenden Wörter im Altnordischen, Angelsächsischen, 
Altsächsischen) entspricht dem lateinischen mutuum oder mutuus, 
und dieses ist entstanden aus moetns = sikul. (xotvog = %<xQig (So- 
phron. bei Hesychius), wie schon Varro 1. lat. 5, 179 erkannte. 

München. Conrad Hofmann. 



*) Die dem Pflanzenleben entnommenen Sprichwörter sind einem be- 
sonderen Artikel vorbehalten. 



Zu Dracoutius. 

I. Im Archiv III 150 und 284 [vgl. auch Arch. III 442] 
verbreitet sich M. Petschenig über den reflexiven Gebrauch 
von transitiven Verben bei Corippus. Sieben Transitiva sind 
es, welche jener afrikanische Dichter reflexiv (wofür ich die Be- 
zeichnung intransitiv vorziehe) anwendet: frangere,iungere, mergere, 
minuere, trahere, vertere, volvere. Dazu kommen noch zwei, mi- 
scere und spargere, deren reflexiver Gebrauch wenigstens wahr- 
scheinlich ist. 

Es ist interessant wahrzunehmen, wie ein etwa 50 Jahr älterer 
Landsmann des Corippus schon völlig in denselben Bahnen fahrt, 
wie dieser. Auch Dracontius, dessen Gedichte, wie R. Amann gezeigt 
hat und ich noch eingehender zeigen könnte, Corippus gekannt 
und nachgeahmt hat, verwendet eine Anzahl Transitiva in intransi- 
tiver (reflexiver, passiver) Weise, zum Teil dieselben wie Corippus. 
So steht, um mit letzteren zu beginnen, minuere («= minui) de 
deo I 736 et minuantur aquae luna minuente liquentes satisf. 238 
qua (luna) minuente polis est minor unda maris ibid. 239 f. 
Cynthia dum crescit, fontes et flumina crescunt, haec eadem 
minuunt, Cynthia dum minui t. Ferner mergere (= mergi) 
10,499 ne mundi machin a mergat Orest. 373 vidi ego mergentem 
fluctu sorbente carinam und so auch sicher de deo I 158, wo es 
jedoch nötig ist auf den Zusammenhang etwas näher einzugehen. 
Es ist dort die Rede von der am dritten Schöpfungstage erfolgten 
Scheidung zwischen Wasser und Trockenem. Dies wird von 
Vers 154 an folgendermaßen geschildert: 

Quam molles portant ceu fundamenta liquores, 

arida materies rapitur de corde fluenti 

nondum mater humus; cuius pars solvit arenas, 

in glaebas pars membra ligat, pars saxa tumescunt 

et cautes stat montis apex, pars flumina mergit, 

planities (codd. u. Ausg. planitie) pars tensa iacet e. q. s. 



Konrad Bofsberg: Zu Dracontius. 45 

Hier können V. 158 die Worte pars flumina mergit nur heifsen 
'ein Teil des Erdbodens versinkt in die Flüsse (als Sand, 
Schlamm u. s. w.)' Die intransitive Anwendung ist völlig klar, 
nur fraglich bleibt, ob man Drac zutrauen soll, dafs er den 
blofisen Accus. = in flumina setzte, oder nicht vielmehr mit ge- 
ringer Änderung, die durch die umgebenden Singulare noch 
erleichtert wird, entsprechend dem guten Sprachgebrauch flu- 
mine mergit schreiben soll. 

Ich komme zu iungere, welches sich dreimal intransitiv in 
dem Epithalamium (carm. 7) findet, aber dort von dem neusten 
Herausgeber in seiner Bedeutung verkannt ist. Die erste Stelle, 
in welcher iungere zweimal begegnet, ist Vers 33—36. Diese 
lese ich unter Aufnahme von Schenkls Konjektur Oreades und 
Naides für Oreadas, Naidas in engem Anschlufs an den 
cod. also: 

Bybliades Satyris iungant Nymphisque Hymenaeös 
et Dryade«, passim coeant per prata Napaeis, 
Oreades Faunis iungant et Naides omnes, 
et Bacchis copuletur*) Amor per castra Dionae 

und übersetze: 'die Mädchen von Byblos mögen sich den Satyrn 
und Hymenaeus den Nymphen gesellen, die Dryaden überall auf 
den Wiesen sich mit . den Napaeen vereinigen, die Oreadeu und 
Najaden insgesamt sich den Faunen gesellen, und Amor sich 
mit den Bacchantinnen verbinden im Heerlager der Venus'. 
Hymenaeus im Gefolge der Venus auch 10, 162. 263. 

Die andere Stelle, an welcher Baehrens wieder geändert und 
einen mir wenigstens unmöglich erscheinenden Sinn hinein- 
gebracht hat, findet sich V. 57. 58. Hier ist überliefert 

Tot bona proveniant sponsis, quot dextra parentum 
iungit amoriferis per festa iugalia palmis 

d. h. 'soviele Glücksgaben mögen dem Brautpaar aufspriefsen, 
als sich die Rechte der Eltern am Hochzeitsfeste mit glück- 

*) Beiläufig bemerke ich, dafs ich copuletur beibehalte und nicht 
mit v. Dubn und Baehrens copletur schreibe, da auch de deo I 407 über- 
liefert ist iterum copulate iugales und Orest. 785 für das überlieferte capu- 
labat wahrscheinlich herzustellen copulabat. Dafs eine Prosodie copulari 
im Spätlatein vorhanden war , beweist aufserdem eine Stelle des Licmtius 
bei Augustin. epist. 26 al. 39 arcet amor copulamque tenet communis honesti, 
sowie indirekt die konstante Kurzmessung der ersten Silbe bei Thiofrid. 
Tita Willibrordi metr. 2, 210. 468. 8, 874. 



46 Konrad Rofaberg. 

wünschenden Händen verbindet (d. h. in solche einschlägt).* 
Wie Baehrens sein amoriferas palmas verstanden wissen will, 
weifs ich nicht und verzichte deshalb auf vielleicht unberechtigte 
Vermutungen. 

Zwei transitive Verba in intransitivem Gebrauch dicht hinter 
einander, temperare und frangere, zeigt der Vers 8,330 

temperet invidia, frangat dolor, ira quiescat 

Unter den bisher genannten befinden sich vier, die in gleicher 
Verwendung auch bei Corippus vorkommen, nämlich minuere, 
iungere, mergere, frangere. Aufserdem ist intransitiv gebraucht 
serenare 10, 174 

et magis accessu pueri plaga maesta serenat; 

sodann begegnet crispare, welches 2, 86 satisf. 139 de deo III 
625 transitiv steht, in intransitivem Sinne 8, 352 lata procul 
venabula cernens venantis crispare manu. Hier änderten die ersten 
Herausgeber manu in manura, was nicht nötig erscheint, wenn 
man den intransitiven Gebrauch des part. crispans in 8, 412 dum 
(agni) cauda crispante tremuut und de deo I 238 (pisces) crispante 
freto proflabant naribus undas, der sich schon bei früheren Schrift- 
stellern findet, in Betracht zieht. Das Partie. Praes. scheint 
überhaupt diejenige Verbalform zu sein, welche für intransitive 
Auffassung am zugänglichsten war. Die oben angeführten Stellen 
enthalten mehrere Beispiele dieser Art. So tritt denn auch so- 
lid are, welches 10, 560 de deo I 233. 246. II 86 transitiv steht, 
ibid. I 152 in der Wendung (tellus) solidante globo per inane 
pependit intransitiv auf, wie auch ibid. I 26 quibus omnia con« 
stant nubibus et radiis solis pascentia anheli das Particip pascens, 
welches hier natürlich zu pasci, nicht zu pascere gehört. Hier 
dürfte zugleich eine Spur sichtbar werden, waium das Part. Praes. 
sich am meisten für die Annahme intransitiver Bedeutung eignete. 
Der Mangel eines Part. Praes. pass. gab Anlafs, einen Ersatz 
zu suchen; da nun aber die Deponent'a ihr Part. Praes. in aktiver 
Form bildeten, so war dieses eine Atfc neutrales Gebiet, auf 
welchem aktive und passive (= intransitive) Bedeutung zusammen- 
trafen. Daraus erklärt es sich, wenn schon Cicero anno veitente, 
Vergil u. a. solventibus annis gebrauchen. War erst einmal 
diese Brücke zwischen Aktiv und Passiv resp. Deponens bei 
einem Verbum geschlagen, so wird es erklärlich, wenn nun auch 
andere Formen nachdrangen. 



Zu Dracontiu8. 47 

Etwas anders kann die Sache zu liegen scheinen bei dem 
sechsmal in des Dracontins Gedichten intransitiv auftretenden 
rumpere. Ich gebe zunächst die Stellen: 5, 17 dum classica 
rumpunt 10, 223 corda calent oculique labant, suspiria rumpunt 
10, 579 rumperet ensiferis cum ferrea messis aristis 11, 4 cortice 
turgidulo rumpunt in palmite gemmae de deo I 631 ambrosio 
reduces rumpunt de cortice fructus (so die Lesart des besten 
cod., des VaL, wogegen die Ausgaben mit den schlechteren Hdschr. 
rumpuntur cortice bieten) ibid. 1 688 quod sermo creavit unus ubi- 
que deus, dum iussio rumperet una (so Arevalo nach cod. Vat). Dafs 
rumpere an allen diesen Stellen intransitive Bedeutung hat, ist 
nicht zweifelhaft Nun könnte man aber sagen, das Simplex rum- 
pere stehe hier in Vertretung seiner iutransitivenCompositaprorum- 
pere, erumpere. Der Grund, welcher mich abhält, dieser Auffassung 
zu huldigen, ist folgender. Rumpere mit einem Objekt, welches 
einen Ton bezeichnet, heilst 'hervorbrechen lassen', so z. B. Verg. 
Aen. 3, 246 rumpitque hanc pectore vocem ibid. 4, 553 rumpe- 
pat pectore questus Stat. Theb. 6, 136 und 11, 676 vocem de 
pectore rumpit Dracont. Orest. 522 gemitu suspiria rumpens; 
mit andersartigem Objekt Ovid. niet. 5, 257 fontis, quem prae- 
petis ungula rupifc. Zu diesem faktitiven 'hervorbrechen lassen' 
tritt dann reflexiv se rumpere oder passiv rumpi in der Be- 
deutung 'hervorbrechen'. So wiederum Verg. ge. 1, 445 f. densa 
inter nubila sese divorsi rumpunt radii ibid. 3, 428 amnes rum- 
puntur fontibus. Diesen Beispielen stellen sich nun die oben 
angeführten aus Dracontins so zur Seite, dafs statt des Pass. 
oder lief), das Activum gebraucht ist. Ich halte deshalb dafür, 
dafs wir auch bei diesem Verbum einen Übergang aus der transi- 
tiven in die reflexive Bedeutung anzusetzen haben. 

Ob man auch concludere in 7, 137 sed ne maesta canens 
concludat Carmen amoris intransitiv zu fassen hat, darf fraglich 
erscheinen, da sich allenfalls aus v. 139 os tacitum als Subjekt 
hinzudenken liefse. 

Als sichere Beispiele transitiver Verba in intransitiver Be- 
deutung ergeben sich demnach für Dracontius: crispare, frangere, 
iungere, mergere, m-nuere, rumpere, serenare, solidaie, temperare. 

II. Es ist bekannt, dafs sich das Hilfszeitwort esse in den 
romanischen Sprachen durch Formen von stare ergänzt, so im 
Part. Perf. ital. stato prov. estat franz. ete, entsprechend einem 
lateinischen status a um, ferner im Imperfekt des Französischen 



48 Konrad Rofaberg: 

(sonst jedoch keiner der romanischen Tochtersprachen) etait = 
stabat. Ist es aber wirklich lateinisches stare, welches diesen 
romanischen Formen zu Grunde liegt? Bedenklich bin ieh be- 
treffs dieser Annahme durch die Beobachtung geworden, dafs Dra- 
contius und Gorippus (vermutlich auch andere) nicht sowohl stare 
als vielmehr extare im Sinne von esse gebrauchen. Die Stellen 
siehe später. Nun können alle oben angeführten Bildungen eben- 
sowohl von extare, welches ja in spätlatein. Volkssprache zu 
e stare werden mufste (vgl. Gorssen Ausspr. 2 I 297), herkommen, 
wie vom Simplex stare. Denn ital. stato entspricht einem extatus 
ebenso, wie stendere dem lat. extendere (franz. etendre), stenuare 
dem lat. extenuare u. s. w. Bei den prov. und franz. Formen ist es 
von selbst klar, dafs das e im Anlaut ebensogut ein ursprüng- 
liches, wie das vor s impur. auftretende prosthetische sein kann. 
Es wäre deshalb eine Aufgabe der Romanisten von Fach diese 
Frage noch einmal in genauere Erwägung zu ziehen. Die Stellen, 
an denen extare bei den genannten spätlateinischen Dichtern 
in der abgeblafsten Bedeutung von esse vorkommt, sind folgende: 
Dracont. de deo II 696 placidissimus extas ibid. v. 731 solus 
enim dominus, dominum qui non habet, extat. satisf. 155 £ nonne 
dei praecepta iubent, ne sol cadat intrans irascente alio, sed pius 
extet homo? Orest. 67 vivis, an effigies et imago volatilis extas? 
Orest. 323 f. nam principis uxor cuiuscunque libet, licet extet 
pulcra pudica, in den kleineren Gedichten des Drac. 5, 90 audacia 
forsan pauperis horretur, ne clam temerarius extet 8, 182 vel 
amysticus extet uterque 10, 65 licet immemor extet relligionis 
amor. (In einigen dieser Beispiele, wie 5, 90 satisf. 156, nähert 
sich die Bedeutung der von fieri, während in den meisten deut- 
lich esse vertreten wird.) Ferner Coripp. Justin. 1, 136 par 
extans curis, solo diademate dispar ibid. 3, 378 monstraque, quae 
variis extant conflata metallis ibid. 4, 303 (Christus) una in na- 
turis extans persona duabus. 

Für Dracontius ist noch zu bemerken, dafs er auch con- 
stare in der Bedeutung von esse gebraucht, so 8, 10 quota 
portio patris omnis constat homo? ibid. v. 137 f. uni pia mater 
haberis, .... set multis impia constas 9, 180 sed quid dorsa viri 
palpant? iniuria constat magnanimi iuvenis. Dafs auch haberi, 
manere, adesse, inesse im Sinne von esse durch Drac. verwendet 
werden, sei hier beiläufig angemerkt. 

III. Bei dieser Gelegenheit will ich nicht unterlassen, einige 



Zu Dracontius. 49 

Worte über expectare bei Dracontius anzuschliefsen. Dies be- 
gegnet an mehreren Stellen unseres Dichters in der Bedeutung 
yon spectare, so 9, 21 desuper orbein expectant stellasque vagas 
[fraglich ist 9, 159], de deo I, 356 ac procul expectat (Adam) 
virides iumenta per agros [fraglich de deo II 742], de deo III 53 
divitis extincti tormenta expectat egestas (sc. Lazarus), Orest. 777 
werden die Götter aufgefordert expectate vices nato redhibente 
parenti. Der neuste Herausgeber der carmina profana, Baehrens, 
hat sich veranlafst gesehen, offenbar in der Annahme, dafs ex- 
pectare nicht 'schauen, anschauen 9 bedeuten könne, 9, 21 expec- 
tant in aspectant und Orest. 777 expectate vices in en spectate 
vic38 zu ändern. Mit Unrecht, wie ich behaupte. Einmal näm- 
lich stützt sich die Überlieferung an obigen Stellen gegenseitig, 
so dafs schon deshalb Änderung bedenklich erscheinen müfste; 
andrerseits aber ist es so leicht erklärlich, dafs expectare (ge- 
sprochen espectare) und spectare (in der Volkssprache mit Pros- 
these = espectare, ispectare) sich mischten, dafs der Gebrauch 
des Kompositums für das Simplex alles Auffällige verliert, ganz 
abgesehen davon, dafs schon in früher Zeit Beispiele von expec- 
tare fast = spectare sich nachweisen lassen (vgl. Arevalo zu 
Drac. de deo I 356, wo nur Ovid met. 14, 418 als irrtümlich zu 
streichen). . 

IV. Eine eigentümliche Spracherscheinung des Spätlateins, 
die u. a. bei Sedulius und Corippus hervortritt, hat auch an 
Dracontius einen Vertreter. Es ist dies der Gebrauch des Partie. 
Praes. in der Bedeutung eines Part. Perf. Nicht alles, was Huemer 
im Index zu Sedulius und Parts ch in dem zu Corippus zusammen- 
stellen, dürfte ganz zutreffend sein, da gewisse Stellen andere 
Auffassung gestatten. Ganz zweifellos liegt aber diese Zeit- 
verschiebung vor, wenn Sedul. carm. pasch. 2, 95. Coripp. Joh.3,73 
und 156 nascens im Sinne von natus steht, oder Sedul. c. p. 
3, 130 moriens virgo =mortua, Coripp. Joh. 8, 635 extemplo 
turbatae acies pereunte tyranno = occiso, mortuo. Auf der- 
artige unzweifelhafte Stellen bei der Auswahl der Beispiele aus 
Dracontius mich beschränkend sehe ich von Stellen wie Drac. 6, 21 
in praedam venere dei vincente Dione oder 10, 178 f. torvo man- 
dante tyranno ecce trahebatur ceu taurus pulcher Iason ab, da 
sich in diesen das Part. Praes. kausal fassen oder immer noch 
mit einer gewissen Leichtigkeit auf die Stufe der Vergangenheit 
rücken läfst. Wenn aber 8, 537 f. Helena vor der Entführung 

Archiv für Uk. Lexikoffr. IV. Heft 1. 4 



50 Eonrad Rofsberg: 

zu Paris sagt: conferet Atridi, quisquis me duxit amator, ut 
vivuin linquam non iam moriente marito, so steht hier deut- 
lieh moriente für mortuo. Ahnlich verhält es sich mit de deo 
I 661 f., wenn es dort von der Wiederverjüngung des Phönix 
heilst: et cinis extinetus gelida moriente favilla tollitur alta 
petens erecto crine vagatus. Nicht minder zwingend ist Orest. 
702 f., wo Cly taemestra, als sie die schmetternden Trompeten des 
nahenden Orestes hört, sagt: nullus, ad Argolicos moveat qui 
bella, remansit Hectore consumto, Troia pereunte sub armis. 
An dem Zeitpunkt, von dem hier die Rede ist, sind seit Aga- 
memnons Ermordung 7 Jahre und 8 Monat (vgl. v. 455), eine 
viel längere Zeit also seit Trojas Fall verflossen. Troia per- 
eunte ist demnach völlig gleichwertig mit Troia deleta. Ein 
viertes Beispiel findet sich Orest. 352 f. Dorylas libertus Atridis 
et pueri nutritor erat fugientis Orestis. Längst vorher v. 283 ff. 
ist von der Flucht des Orestes nach Athen erzählt worden, und 
Dorylas hat ihn nicht etwa auf der Flucht begleitet, sondern ist 
in Mycenae zurückgeblieben. Somit kann fugientis nur den 
Sinn des griech. <pevyovzog = ixjteitraxozog haben, wenngleich ich 
sehr bezweifle, dafs dieses griechische Analogon dem Dracontius 
vorgeschwebt habe. Endlich scheint mir auch Orest 764 hier 
Erwähnung zu verdienen. Clytaeinestra hat den Orestes gebeten, 
dafs auch sie von der Hand des Pylades durch dasselbe Schwert 
wie Aegisthus fallen dürfe, worauf sie v. 761 ff. von dem Sohne 
zur Antwort erhält: 

'Quod super ossa rogas moechi moribunda iacere', 
natus ait, 'melius reeides super ossa mariti; 
nee cruor amborum miscebitur ense minaci, 
criminibus ne (cod. B nee) fruetus eat morientis amoris 
765. aut operae pretium capiatis sorte malorum: 
supplicio sociante nefas discreta iacebis'. 

Ich kann hier nur verstehen: 'damit nicht die Verbrechen des 
toten Liebhabers noch belohnt werden oder ihr durch das (ge- 
meinsame) Todesgeschick gar einen Preis für eure That erlanget 9 . 
Ist diese Auffassung richtig, so steht auch an dieser Stelle 
morientis für mortui. 

Betrachten wir nun die angeführten Fälle etwas näher, so 
finden wir, dafs es sich überall um Verba mit intransitiver Be- 
deutung handelt, deren zwei wenigstens der Fähigkeit ein Part. 



Zu Dracontiue, 51 

Perf. zu bilden entbehren, fugere und perire. Bei diesen wird 
der Mangel einer verwendbaren Form Grund für die Zuhilfenahme 
des Part. Praes. gewesen zu sein. Von mortuus aber eignen sich 
nur wenige*) Formen für die Verwendung im Hexameter. So mag 
also bei diesem Worte das metrische Bedürfnis die stellvertretende 
Funktion des Part. Praes. erklären. Vielleicht kam diesem Um- 
stände aber noch eine Neigung der Volkssprache entgegen, die, 
an und für sich minder genau in allem, was Tempora und Modi 
anlangt, auch moriens für mortuus sagte. In derselben Weise 
würde dann auch nascens für natus in den aus Sedulius und Co- 
rippus angeführten Stellen aufzufassen sein. 

Hildesheim. Konrad Rofsberg. 



Temere 

wird von Forcellini-De Vit und Georges Handwörterb. 7 als Anapäst 
notiert, vielleicht nach Analogie von propere, wänrend Klotz sich mit 
der Bezeichnung temere begnügt. Allein abgesehen davon, dafs wir 
neben recte nur male* haben, ist properus bezeugt, temerus unbekannt, 
ferner propere als Anapäst sicher gestellt durch Lucr. 6, 148. 842**), 
temere nicht Umgekehrt haben sämtliche hexametrische Dichter, 
Ennius, Lucilius, Lucretius, Catull, Vergil, Lucan, Valerius Flaccus, 
Statins, Silius das Wort vor einen Vokal gestellt, wozu anders, als 
nm durch Elision eine lange Silbe zu bekommen? Schon daraus 
folgt, dafs man das Wort als Tribrachjs bezeichnen mufs, was durch 
die Vergleichung von Ennius fab. 406 M. = trag. 189 V. Dimitto, 
ut ne res temere tractent türbidas. und Turpil. 117 R. Heu me in- 
felicem. | Sänusne es, qui temere lamentare? nur bestätigt wird. 

Durch die Bestimmung der Quantität wird nun auch die Bil- 
dung des Adverbes klarer; denn es kann nur Neutrum von temeris 
sein, analog facile; faciliter und temeriter wurden als Proceleusmatici 
vermieden, obwohl celeriter in die Prosa Eingang fand. Plautus und 
Ennius sagten aber noch celere, wie Pomponius memore. 

München. Ed. WüJfflin. 



*) Eigentlich nur der Nomin. sing., da die Elision der Endung (z. B. 
mortuum amicum) gemieden wird. Ober veniens, decedens u. ä. bei Livius 
— ll&etv (rediens 24, 17, 7) vgl. E. Güthling De T. Livü oratione. II. De 
participiis. Liegnitz, 1872. S. 4. Die Red. 

**) (propere demersimua imbrem, propere dimittit in auras.) 

4* 



Usque mit Accusativ. 

Über die Präposition usque weifs man etwas weniger als 
über die meisten andern Präpositionen, weil Hands Tursellinus 
leider mit P abbricht; man ist also beispielsweise im Unklaren 
darüber, wie weit sich usque ad und usque in auf den lokalen . 
und temporalen Gebrauch verteilen lasse; nur ganz ungenügend 
aber 3ind wir über die Verbindung von usque mit dem Accusativ 
unterrichtet, so dafs die Herausgeber an zahlreichen Stellen 
schwanken, ob sie ad oder in einschieben sollen. Dieser dunkle 
Punkt möge in dem folgenden Aufsatze, welcher als Ausführung 
von Dräger, Uist. Syntax § 265 zu betrachten ist, zunächst auf- 
gehellt werden. 

1. Während bei Plautus usque mit Accusativ noch fehlt, 
finden wir zuerst bei Terenz Ad. 655 Virginem ut secum avehat? | 
Sic est. | Miletum u. obsecro? Natürlich ist es eine verkehrte 
Auffassung den Accusativ von usque regiert zu denken, da der 
Städtename auch ohne usque im Accusativ stehen würde. Ab 
Alpibus usque Romain contendit bedeutet mithin: er reiste von 
den Alpen nach Rom ohne die Reise zu unterbrechen, oder: er 
reiste in einem fort von den Alpen nach Rom, und dafs das Ziel 
erreicht wird, ergiebt sich eben aus der Versicherung, die Reise 
habe keinen Unterbruch erlitten. Usque kann in dem vorliegenden 
Beispiele ebenso gut auf ab Alpibus bezogen werden, nach Cic. 
Cluent. li)2 usque a mari supero Romam proficisci. In dieser 
Einschränkung auf Städtenamen hat Cicero den Gebrauch an- 
genommen, Verrin. 4, 108 u. Hennam profecti sunt (sie setzten 
die Reise bis Henna fort); Pison. 51 ut a Brundisio usque Romam 
agmen perpetuum totius Italiae viderit. Gerade hier zeigt sich 
deutlich, dafs mit usque ursprünglich nicht das erreichte Ziel, 
sondern eine ganze Bewegung vom Ausgangspunkte bis zum End- . 
punkte bezeichnet wird. Wenn sich aber in den Reden nur zwei 
Stellen finden und vier weitere in den Briefen (Epist. 12, 15, 5 



Ed. Wölfflin: Ueque mit Accueativ. '53 

in einem Briefe des Lentulus classem fugientem persecuti sunius 
usque Sidam; ad Quint. fr. 1, 1, 42 ut u. Romara significationes 
vocesque referantur; ad Attic. 5, 7, 16 profectus Tarsum u.; ad 
Att. 15, 29, 2 u. Puteolos venit, wo cod. Medic. hisque bietet), 
so kann man diesen Thatbestand nur dahin auslegen, dafs die 
Konstruktion in der kunstmäfsigen Prosa noch nicht als gültige 
Regel anerkannt gewesen sei; denn in der Rede pro Deiot. 19 
heifst es u. ad Nuniantiam misit. In der Stellung wollte Cicero 
nichts entscheiden, wenn er auch abweichend von Terenz die 
Partikel dem Accusativ lieber vorangestellt hat. Andere geogra- 
phische Bezeichnungen folgen den Städtenamen noch nicht, z. B. 
Verrin. 5, 50 u. ad Oceanuin mittere; ebenso Tusc. 1, 28. Die 
Beispiele von u. mit Städtenamen vollständig vorzuführen er- 
scheint zwecklos, nachdem die Verbindung durch Cicero in der 
Prosa Bürgerrecht erlangt hatte; aber sie blieb doch noch eine 
geraume Zeit ziemlich selten, und wir finden sie nur mit Verben 
der Bewegung, nicht mit Verben der Ortsruhe. Im ganzen ersten 
Jahrhundert nach Chr. begegnen uns, wenn wir einstweilen von 
dem Naturforscher Plinius absehen, nur folgende Beispiele: Hör. 
sat. 1, 6, 105 ire u. Taren tum; Nepos bei Plin. nat. h. 2, 169 
Gades u. pervectum; Val. Max. (Nepotian) 1, 1, ext. 9 Delphos 
u. pervenerat; 8, 2, 4 hat nur der Epitomator Julius Paris equo, 
cuius usus illi usque Ariciam commodatus fuerat, während Valerius 
usqne wegläfst. Sen. epist. 53, 1 etwas freier: solvi mari lan- 
guido; sed putavi tarn pauca milia a Parthenope tua u. Puteolos 
(auf der Fahrt von . . . nach) subripi posse. In der geogra- 
phischen Litteratur macht man sich freilich weniger Bedenken; 
denn Plinius giebt zahlreiche Belege und durchaus nicht immer 
mit Verben der Bewegung. 3, 16 Carthaginem u. procederent; 
3, 88 favilla Tauromenium u. pervenit; 4, 78 accolae sinus in 
mentione Thraciae dicti sunt Histropolin u.; 5, 25 fossa Thenam 
u. perducta; 5, 77 Zimyram u. porrigitur; 5, 87 ita fertur u. 
Suram locum; 6, 163 bei Angabe von Entfernungen Ptolomaida 
u.; 6, 175 Gadis u. navigandum; 10, 53 a Morinis u. Romam 
venire; 14, 61 a Baiano lacu Ostiara u. navigabilem (fossam); 
35, 167 ab Oropo Aulida u. quicquid attingitur mari. Voran- 
gegangen war schon Pomponius Mela 2, 3, 55 mare u. Ter- 
gestum . . Italicis gentibus cingitur, und Plin. 2, 169 Arabico 
sinu egressum Gades u. pervectum deckt sich sogar wörtlich mit 
Pomp. M. 3, 9, 90. Tacitus hat den Gebrauch erst in den Annalen 



54 Ed. Wölfflin: 

angenommen 2, 30 an habiturus fbret opes quis viam Appiam 
Brundisium u. pecunia operiret; 3, 5 Ticinum u. progressum; 
16, 19 Gumas u. progressns. Es folgte Plinius epist. 6, 25, 1 
Ocriculum u. commune iter peregisse; ad Traian. 17 A (28), 1 
navigationem u. Ephesum perpessns. Suet. Aug. 97 Beneventum 
u. prosequi; Tib. 7 Romam u. pervexit; Tib. 72 Misenum u. de- 
vectus; Vesp. 6 Aquileiaui u. perseveraveruiit. Fronto 101, 4N. 
feci compendium itineris Lorium u. etc. etc. Scaevola Dig. 45, 1, 
122, 1 pecuniam accepit u. Brentesium. Am häufigsten ist die 
Konstruktion bei den Script, tust. Aug., nämlich vita Marc. 8, 10 
Capuam u. prosecutus; 9, 4 Brundisium u. deduxit; Ver. 8, 1 redit 
Romam u.; Sever. 24, 1 Romam u. cum magna provincialium 
reverentia susceptum est (corpus); Car. 8, 1 Otesiphontem u. per- 
venit; trig. tyr. 15, 4 Otesifonta u. persecutus; 30, 6 Ctesifonta 
u. pervenit. Gord. 27, 6 Nisibin u. pervenimus et, si di faverint, 
Ctesifonta u. perveniemus. Man bemerke die Nachstellung der 
Präposition, die auch bei spätem Autoren, wie Cassiodor, ganz 
gewöhnlich ist. Dies dürfte genügen. 



2. Den Städtenamen folgten bald andere Ortsbezeichnungen. 
Zwar Livius 36, 21, 5 a Patris Corcyram usque Aetoliae atque 
Acarnaniae littora legit wird man eher an die Stadt als an die 
Insel denken; aber die Dichter gingen freier vor, Lucan 3, 295 
Quicquid ab occiduis Libye patet arida Mauris, Usque Paraetonias 
Eoa ad littora Syrtes, wo das Verbum auf der Grenze zwischen 
Bewegung und Ortsruhe steht; Valerius Flaccus 2, 29 undas 
Sicanium dedit u. fretum; Juvenal 10, 1 Omnibus in terris, quae 
sunt a Gadibus usque Auroram et Gangen. Aber auch hier folgt 
Plinius dem Lukan auf dem Fufse, während Pomponius Mela 
mit seinen zwei Beispielen bei den Städtenamen stehen geblieben 
war. Er schreibt nämlich 3, 5 primus sinus a Galpe Bruttium 
usque promunturium fiectitur; 3, 43 multoque amplior mensura 
fieret Lacinium u.; 3, 75 ab hac Cretam u. Siculum (mare ap- 
pellat Eratosthenes); 4, 91 ad conterminos deferre (sacra) atque 
ita Delum u.; 6, 177 a Syene . . . esse dicit u. Meroen; 6, 181 
haec sunt prodita u. Meroen; 6, 212 potet u. Arabiam et Rubri 
maris accolas; 6, 219 a Tanai u. Borysthenen; 12, 19 raram 
arborem Meroen u. esse; 18, 215 Chersonesum et continentia u. 
Atho montem. Es verdient Beachtung, dafs Tacitus und Sueton 
in diesem Gebrauche nicht mehr folgen; um so gröfser erscheint 



Usque mit Accusativ. 55 

daher die Kühnheit des Velleius, welcher, sogar den Dichtern 
voraneilend, 2, 6, 3 geschrieben hatte: civitatem extendere u. 
Alpis, ohne dafs man darum die Überlieferung beanstanden 
dürfte. 

Wenn nun Florus2, 2,1 nach codex Bamberg, ediert wird, 
cum ad fretum u. venisset, so hatte Opitz spicileg. 14 allen Grund 
dem poetisierenden Autor die im cod. Nazarianus erhaltene Lesart 
fretum usque zurückzugeben , obwohl sich kein zweites Beispiel 
bei Florus findet. Wichtiger wird hier die stufenweise Beob- 
achtung des Sprachgebrauches für Justin. 1, 1, 6 Rüdes adhuc 
ad resistendum populos terminos u. Libyae perdomuit; 1, 1, 6 
u. Aegyptum excessit; 5, 11, 11 virtute se u. terminos patriae 
defenderunt; 7, 1, 4 Imperium u. extremos Orientis terminos pro- 
latam; 11, 12, 10 offert maiorem partem regni u. Euphratem 
flumen; 41, 6, 8 Imperium u. flumen Euphraten protulit; 42, 2, 9 
Armenia a Cappadocia u. mare Caspium undecies centena milia 
passnnm patet Denn natürlich konnte Trogus Pompeius in der 
Zeit des August us dies nicht geschrieben haben, so dafs wir hier 
offenbar mit der Latinität des Epitomators rechnen müssen; 
dieser aber mufs allermindestens nach Tacitus und Sueton gesetzt 
werden, da die Historiographie der ersten Hälfte des 2. Jahrh. 
Dach Chr. nichts von ferne Ahnliches aufzuweisen hat. Selbst 
die scriptores hist. Aug. sind in dem lokalen Gebrauche nach 
dem Vorgänge von Tacitus und Sueton nicht über die Städte- 
namen hinausgegangen, und die Fanegyrici lat. geben nur ein 
solches Beispiel (10, 25 = 231, 27 Bahr, pulsus Veronam u. 
contendit ad praesidia maiora) und ein einziges eines Flufsnamens, 
8, 6 =» p. 185, 2 B. et usque (cod. A erasque) Ararim porrecta 
planities. Namentlich die heidnischen Schriftsteller sind in Er- 
innerung an ihre klassischen Muster nur ungern über die Städte- 
namen hinausgegangen; Ammian liefert sogar nur ein einziges, 
und zwar ein korrektes Beispiel 21, 16, 20 prosequi Constan- 
tinopolim u. Den Geographen Solinus wird man allerdings aus- 
nehmen müssen, da er zu sehr von Plinius beeinflufst ist: 1, 98 M. 
Elin u. transierunt; 19, 4 u. Dalierum flumen pervenire, deinde 
mare Caspium; 19, 5 u. Indos advehi; 23, 14 Cretain u. (est); 
56, 5 u. Aethiopum litora promovetur. Da nun die christliche 
Litteratur, wie wir gleich zeigen werden, die Zurückhaltung des 
Tacitns und Sueton nicht teilt, so wird man geneigt sein den 
Justin in der Christengemeinde zu suchen. 



56 Ed. Wölfflin: 

Gleich Tertullian hat die Fesseln gesprengt: de an. 46 a 
Molossis u. Macedoniam; lud. 7 ab India u. Aethiopiam habuit 
regni sui teruiinos. Es ist dies wohl daraus zu erklären, dafs 
die Itala griechisches sag und pi%Qi einfach mit usque übersetzt 
(daher auch usque mit Genetiv im cod. Lugdun. Numeri 4, 39 
u. L annofum; Ezech. 41, 17 cod. Wirceburg. u. exterioris), woraus 
man schliefsen mufs, die Volkssprache habe usque dem klassischen 
usque ad gleichgestellt. Man vergleiche Esther 1, 1 regnans ab 
India u. Aethiopiam; Esth. 13, 1 und 16, 1 eis qui in India u. 
Aethiopiam ... saliitem; Tob. 5, 8 est iter bidui ex Bathanis u. 
Rages; Acta apost. 11, 19 pertransierunt u. Phoenicen; Act. 20, 4 
(Laud.) comitabatur eum u. Asiam; Matth. 24, 27 (Veron.) fulgor 
paret u. occidentem (Vulgata u. in occidentem). Dadurch machte 
der Gebrauch solche Fortschritte, dafs zwar Arnobius, Cyprian 
und Lactanz noch sich desselben enthielten, Ambrosius und Hie- 
ronymus ihn wenigstens nicht geradezu verwarfen. Schon Hi- 
larius zu psalm. 119, 13 schrieb unbedenklich: cuius fines u. 
Medos proferuntur (Vulg. usque ad Medos; vgl. A. Zingerle, 
Studien zu Hilarius, Sitz.-Ber. d. Wiener Akad. d. Wiss. CVIII 
Bd. III S. 972); Ambrosius (II 2075 Mig.) ab ortu solis u. 
Arabiam protexitur (latitudo); epist. ad Rom. 15, 20 in cireuitu 
u. Illyricum; Hieron. de situ 909, B Mig. de Magdalo u. Syenen; 
comment. Jerem. proph. 3, 12 (col. 926 M.) Chaldaeam u.; in 
Ezech. lib. 14, 478 M. tendunt termini u. Jordanem; lib. in Abd. 
20. 21 (1114 D Mig.) u. Euphratem, und daher ist das so ge- 
brauchte usque ausnahmsweise auch in der (nicht revidierten) 
Vulgata stehen geblieben, wenn auch in der Regel u. nur vor 
Städtenamen, usque ad vor andern geographischen Bezeichnungen 
gebraucht ist. Augustin ist hierin Klassiker, da er nur Namen 
von Städten und Dörfern in den Accusativ setzt, z. B. Patrol. 
43, 409 M. produxit illos u. Bethaniam. 

Überblicken wir, wie weit etwa der Gebrauch im Spätlateiu 
sich entwickelt hat, so stehen den Städtenamen am nächsten die 
Völkernamen, weil sie oft zu Städtenamen geworden sind. 
Könnte usque Remos bei Cäsar nur auf das Volk bezogen 
werden, so wird man die Worte seit Ammian auf die Stadt 
Rheims deuten müssen, und so will Greg. Tur. hist. Franc. 4, 50 
dieselben verstanden wissen. Das Gleiche gilt von Namnetae 
(Nantes), Santones (Saintes). Sonst haben nur Dichter u. mit 
wirklichen Völkernamen verbunden; Avienus orb. descr. 970 Et 



Usque mit Accupativ. 57 

freta qua spumanft . . . Usque Arabas et longa Syriae confinia 
terrae; Paulin. Nolan. carm. 17, 17 ibis procul u. Arctoos Dacos, 
citiert bei Isidor orig. 9, 2, 90 und nochmals 17, 143 u. Dacos. 

Etwas häufiger finden wir die Ländernamen , bei Martianus 
Capella unter dem entschiedenen Einflüsse des Naturforschers 
Plinius, p. 213, 1 Eys. u. Thessaliam nach Plinius 4, 63; 227, 4 
ab Attica u. Italiam; 207, 10 u. Peloponnesum. Cassian conlat. 
6, 1 solitudo u. Arabiain (codd.; u. ad edit.) porrectae; Marcellin. 
(Patrol. 51, 939 A Mig.) u. Lycaoniam perrexerunt; Cassiod. 
complex. act. apost. 26 u. Phoenicen; Arnob. iun. (Patrol. 53, 
407 M.) deducet u. Idumaeam; Patric. (Patrol. 54, 810 M.) u. 
Gallias visitare fratres; Desiderius (Patrol. 87, 233 M.) u. Bri- 
tanniam fuisse. Am häufigsten natürlich begegnen uns Beispiele 
in der geographisch-historischen Litteratur, so im ltiner. Alex. 
26, 16 Volkm. Aegyptum u.; bei Aethicus 103 u. Italiae fines, 
109 u. Aethiopiam; in dem liber generationis bei Riese, Geogr. 
min. p. 166. 167 u. Indiam, Aethiopiam, Syriani; bei Greg. Tur. 
hist. Franc. 5, 33 timor u. Spaniam attigit. 

Gebirgsnamen stehen nur ausnahmsweise im Accus, nach 
usque: Orosius 7, 40, 3 Pyrenaeum u. und ebenso in der hist. 
misc. 13,29; ebendaselbst 23,28 u. Gaspias portas; bei Marcellin 
(Patrol. 51, 939Mig.) u. Thermopylas; bei Aethicus 67 u. Caucasi 
iagum, 101 u. Rifeos montes. 

Bei Flufsnamen (vgl. oben Plinius und Justin) dagegen ist 
der Gebrauch so häufig und sicher, dafs es unmethodisch ist, 
gegen die Handschriften ad einzusetzen, wenn der Flufsname mit 
ähnlichen Buchstaben beginnt. Von richtigem Gefühle geleitet 
hat daher Waitz bei Paulus Diac. hist. Langob. 2, 14 u. Adduam 
fluvium protelatur stehen gelassen, während Eyssenhardt in der 
Hist. misc. 21, 21 persecuti eos u. ad Danubium die Präposition 
einschaltete, willkürlich, da ja selbst Eutrop 6, 10 schreibt u. 
Danuvium penetravit. Auch Hieron. lib. in Abd. 20. 21 (Comment. 
zu den kleinen Propheten 1114 D Mig.) besann sich nicht u. 
Euphratem zu schreiben und Mart. Cap. p. 213, 1 sagt u. Rhenum 
nach Plinius. Prudent. peristeph. 10, 160 Almonis u. pervenitis 
rivulum. Eine vollständige Aufzählung der Beispiele aus der 
späteren Litteratur wäre hier nutzlos; nur möge hervorgehoben 
sein, dafs die Nachstellung (bzws. Zwischenstellung) der Präpo- 
sition schon verhältnismäfsig frühe durchdrang; vgl. Jul. Valer. 
3, 84, 218 Tanaim u. fluvium supervenimus; Feetus (Gtafos^ ?> 



58 Ed. Wölfflin: 

Danuviara u. perventum; Jordan 27, 19 Momm^! Danabium amnem 
il profectus. 

Oceanus, mare, fretum, lacus sind fast nur den Geo- 
graphen geläufig und abgesehen von Julius Valer. 3, 90, 225 
(mare u.) fallen die Belege in das fünfte Jahrhundert und noch 
später: Orosius 1, 2, 93 harenas iacentes u. oceanuin; 5, 15, 23 
Tigurinos u. Oceanum persecutus; Greg. Tur. hist Franc. 1, 10 u. 
ipsum mare venerunt; öfters bei Aethieus, z. B. 67 u. lacum. 32 
u. Euxinum maris sinum; bei dem Geogr. Ravennas 3, 12 u. 
fretum, 4, 46 u. supra scriptum (colfum). Geogr. min. 134, 25. 
138, 25 It. 

Man wird hier am besten anschließen, was, wenn auch etwas 
anders geformt, doch dem Gedanken nach in die obigen Rubriken 
einzureihen wäre: u. civitatem Greg. Tur. hist. Franc. 6, 31; u. 
Macho villam 4, 44; ut moenia Carthaginis u. venirem Paulinus 
Pellaeus 31 (Patrol. vol. 61 Mig.); u. Burgundionum terminum 
Greg. h. Franc. 2, 37: u. Burdegalensem terminum 9, 5; vadit u. 
fines Sinemurenses Pardessus diplom. 111* (anni 528); u. Animonis 
templum comment. Bern. Lucan. p. 146, 4 IL; u. Trinarchias aras 
Aethic. 67; u. Herculis stelas Geogr. min. 164, 19 R.; u. ipsum 
Lapideum campum Greg. hist. Franc. 4, 44; ut veharis u. felices 
oras Paulin. Nol. carm. 17, 192 und u. littora id. 23, 345; u. 
minorem Syrtem Geogr. min. 164, 18 R.; u. odoriferam terram 
Mart. Cap. p. 234, 14 E.; u. superius dictam patriam Geogr. Ray. 
2, 1 1 ; u. Cempsorum sata Avien ora marit. 301 ; u. terrae limitem 
Ambros. liymn. 1; eum u. torrentem Leo Magn. 426 A; u. viam 
Saxorum Diplom. 170* 7 Zeumer; scalam u. Geogr. min. 135, 29 R. 
Auch Itala Matth. 24, 27 sicut fulgur exit ab, Oriente et paret u. 
occidentem (Vulg. u. in occid.); u. vesperum (Westen) Geogr. 
min. 161, 22 R.; u. extremam partein caeli Itala Deuteron. 4, 32 
(Vulg. u. ad summum caeli); u. mundi terminum crescit, Paul. 
Patrol. 20, 727 Mig.; u. Hyrii summam Prise, perieg. 372 B. 
und Ahnliches kann hier noch erwähnt werden, um den Übergang 
zu einer folgenden Reihe (N. 3) zu vermitteln. 

Das Wichtigste, was hier schon gesagt werden mufs, ist 
aber, dafs Ortsbezeichnungen nach usque auf die Frage wohin? 
auch im Ablativ, oder im neuen romanischen Normalcasus auf- 
treten. Das Gefühl des Accusativ war durch die vielen Indecli- 
nabilia wie Bethlehem, Jerusalem, Dan, Bethel abgestumpft, die 
man sich mit u. zu verbinden gewöhnt hatte, und die dann auch 



Usque mit Accusativ. 59 

zu der Konstruktion u. mane, u. hodie, u. nunc führten. Dazu 
kam, dafs der griechische Genetiv nach iii%Qi mehr dem latei- 
nischen Ablativ als dem Accusativ entsprach. In der ersten De- 
klination freilich labt sich der Übergang weniger sicher beob- 
achten, weil die Endung am durch Abfallen des Nasallautes leicht 
in a übergehen konnte; indessen lassen sich schon in Bibelüber- 
setzungen vor Hieronymus deutliche Ablativformen nachweisen: 
1 Maccab. 11, 62 (cod. Sangall.) perambulavit regionem u. Da- 
masco (Vulg. Damascum); Act. apost 17, 15 (cod. Cantabrig.) 
perduxerunt eum u. Athenis (Vulg. Athenas). Diese Konstruktion 
konnte so gut überhand nehmen, als umgekehrt tenus mit usque 
verwechselt den Accusativ*) zu sich nahm, nach Arch. I 422 f.; 
Avien Aratea 247 mento | usque ist mithin nichts anderes als 
eine Konfusion mit mento tenus, Ammian 28, 2, 4, wie Jordan. 
46, HM. solo u. prostratae eine Vermischung mit solo tenus, 
Arch. I 418. Es ist daher beispielsweise bei Gregor. Tur. virt. 
Jul. 2 richtig hergestellt, cum u. Lugduno processissem, während 
Rainart schrieb Lugdunum und cod. Paris. 2205 u. ad Lugduno 
korrigierte. Gesta Franc. 41 u. fluvio penetravit, wie Jordan. 
3, HM. u. orbis terrae diluvio. Pardessus, diplom. 253 a (anni 
631) vadit u. memorato loco. Clotarius III (Patrol. 87, 1281 M.) 
u. Fraudehario. Childericus II (ibid. 1294. 1295) u. Sico-Campo 
mensurare, u. Rarobacco. Vorangegangen waren hierin die Iti- 
nerarien und die Geographen, und zwar bereits in der ersten Hälfte 
des vierten Jahrhunderts das Itinerarium Antonini. Bei Angabe 
der Entfernung zwischen zwei Orten heifst es Itin. Wessel. p. 90 
per maritima loca Tyndaride u.; 97 Drepanis u.; 302. 304 ab 
urbe Benevento u.; 385 Tullo u.; 464 Praetorio u. Daneben 
aber findet sich nicht nur der Accusativ, p. 559 a Mediolano 
Aquileiam u.; 567 Serdicam u.; 572 Nicomediam u.*, 575 Anchiram 
u.; 579 Tharson u., 584 Tyrum u.; sondern auch der Lokativ 
306. 308 ab urbe Adriae u. 

Was sollten inmitten dieser Strömung die späteren Gram- 
matiker thun? Charisius p. 230, 23 (= Cominian) giebt wohl- 
weislich als Musterbeispiel usque Romam, aber Diomedes 410, 6 
usque Galliam, Donat (Gr. lat. IV 365,21. 390, 12) u. Oceanum 
und ebenso Anecd. gramin. Helvet. p. 215, 25 Hagen, Probus 



*) Claudian. Mamert. de statu an. 1 , 26 (p. 95, 4 Eng.) obsequinm vocis 
aarem tenus meat. Acta Sanct. vita S. Attalae 1 LuxQvium teuxxa nwäV». 



60 Ed. Wölfflin: 

in*tit. artium (Gr. lat. IV 147, 14 K.; usque arcum, Asper (Anced. 
Hei? et. p. 58, 20 Hagen) u. mare and u. maria. Sie fugten sieb 
also, wenn auch [Sergius] Explan, in Donat, (Gr. lat. IV 562, 5) 
und Augustiu. gramm. p. 29 Web. lieber bei usque Romam stehen 
blieben. Noch andere wollten Oberhaupt u. nicht als Präposition 
gelten lassen nach Donat 1. c. 390, 15: u. praepositio plurimis 
non videtur, quia sine aliqua praepositione proferri recte non 
potest Vgl. auch Marius Plotius, Gr. lat. VI 429, 9. Den Ablativ 
oder Lokativ nach usque hat natürlich keiner anerkannt. 



3. Das Beispiel des Probus leitet uns zu einem weiteren 
Gebrauche, wornach mit usque nicht nur geographische Eigen- 
namen, sondern überhaupt örtliche Begriffe verbunden werden 
können. Wenn man denselben nicht als weitere Entwicklung der 
unter N. 2 geschilderten Konstruktion betrachten und daher erst 
im Spätlatein suchen wollte, so würde man bedeutend fehl gehen; 
denn in Wirklichkeit ist er viel älter. Es wird nichts helfen ihn 
bei Cato r. rust 49, 2 zu leugnen: ex radieibus bene exfodito, 
u. radices persequito, wenn auch Dräger die Stelle nicht aner- 
kennt; Curtius 8, 9, 21 corpora u. pedes carbaso velant wird 
allgemein zugestanden, und die Konjekturulkritiker haben es in 
Buhe gelassen; aufserdem schreibt Hedicke 4, 3, 26 mit Acidalius 
ubi loricam corpus usque (corpusque codd.) fervens harena 
penetraverai Bei Livius 44, 5, 6 conlapsus pons usque ad alterius 
initium pontis haben Weissenborn, Hertz und Madvig ad einge- 
schoben. Ist dies auch an dieser Stelle berechtigt, so mufs man 
sich doch in der späteren Litteratur vor Einschiebimg eines ad 
hüten, wo der Ausfall paläographisch weniger wahrscheinlich ist. 
Nach Celsus zu seh lief sen, den man bisher nicht beachtet hat, 
scheint in der Sprache der Arzte bei Bezeichnung von Körper- 
teilen usque im Sinne von u. ad gebraucht worden zu sein; 
5. 28, 3 (p. 207 Dar.) penetrando u. ossa corpus vorat; 7, 25 
(p. 305 D.) a pube u. circulum; zweifelhaft 5, 26 (p. 198) usque 
sanum (so die meisten codd.; u. eo sanum cod. Medic. I; u. ad 
s. Caesarius) corpus coneidere. Damit wird aber das Urteil über 
Quintilian 11, 3, 131 entschieden sein: illud non ferendum, 
quod quidam reieeta in unierum toga, cum dextra sinum usque 
ad lumbos reduxerunt, sinistra gestum facientes spatiantur et 
fabulantur; denn wenn auch sonst Quintilian usque nicht mit 
dem Accusativ verbunden hat, so ist die Phrase u. lumbos mit 



Usque mit Accusativ. 61 

der Gewohnheit der Arzte entschuldigt. Unter den Dichtern ist 
Statius am herzhaftesten vorgegangen und das Metrum schützt 
ihn besser als den Prosaiker; Theb. 2, 155 has meus u. domus 
Ye8Ügia fecit Apollo; Theb. 11, 89 horrendus ab astris Descendit 
Tos u. fragor. 

Von Bezeichnungen von Körperteilen sind aus dem Spät- 
latein anzureihen: Deuteron. 28, 28 (cod. Monac.) a vestigio 
pedum tuomm u. caput percutiet te (Vulg. blofs percutiat te 
amentia); Avien Arat. 1088 premit ophiuchum celsos u. umeros; 
Ammian 25, 4, 22 ab ipso capite u. unguium summitates; Mart 
Cap. p. 311, 3 ophiuchus a pedibus u. umeros; Greg. Tur. hist. 
Franc. 8, 14 u. labium impleta. Paulus [Diax.] dichtete intima 
iocineris penetrantes u. sagittas, Poet, aevi Carol. I p. 54 (17, 9), 
wofür bei Migne Patrol. 95, 1599 schon gegen das Metrum in- 
tima et ventris gedruckt ist. 

Die weitere Fortsetzung schliefst so eng an N. 2 an, dafs 
eine strenge Abgrenzung schwierig, wenn nicht gar unmöglich 
wäre: wir knüpfen daher die Beispiele an den Faden der Chrono- 
logie. Firm. Mat. math. 4, 20 u. solis partem. Mart. Cap. 
p. 43, 3 iL lunarem globum; 42, 29 u. solarem circulum de- 
meantes; 257, 10 u. abacum consecutus. Sedulius carm. paschal. 
5, 137 tartareum descenderit u. (descendit adusque Edit.) pro- 
fundum. Prud. perist. 13, 33 u. episcopale provehitur solium 
doctor. Oros. 1, 2, 100 a borea u. subsolanum. Greg. Tur. hist. 
Franc. 2, 16 in alto u. cameram pedes 50; 10, 15 u. basilicam 
deferunt; virt. Mart. 1, 2 columnae u. beatum templum delatae 
sunt. Leo Magn. serm. 17, 4. Patrol. 54, 514 C Mig. tertium u. 
raptus caelum. Hist. misc. 26, 41 exivit u. aquae ductum iuxta 
Heracleam. Vita S. Gaudentii 10 (Acta Sanct. Januar, vol. 
II 418) u. eius hospitium de venerat; Acta S. Thyrsi 3 (Januar 
II 824) culmen u. Patrol. 87, 1295 M usque viam mensurare; 
87, 1412 u. fines aedificare. Dies wird ausreichen, um einen 
Begriff von der Ausdehnung des Gebrauches zu geben. Selbst 
Grammatiker schlössen sich gegen denselben nicht ab, wie Dio- 
medes Gr. lat. I 505, 16 longiatur a dimetro u. pentametrum, 
eine Variation des üblicheren in tetrametrum longiare, ampliare 
I 505, 8. 22. 31. Pomp, comment. Gr. lat. V 111, 11 ut u. 
alteram R litteram non declinis. 

Eine neue Licenz hätte Ulpian in das Juristenlatein ein- 
geführt, wenn er nach Digest 37, 5, 5, 1 wirklich schiifcV. &*- 



62 Ed. Wölffiin: 

missem u. legata praestare. Dafe er aas der Sprache seiner 
Zeit zu schöpfen sich gestattete und der Tradition seiner Vor- 
gänger oft untreu wurde, ist ja bekannt genug und auch in der 
Miscelle dieses Heftes In tot um, ex toto nachgewiesen; da aber 
die genannte Stelle die einzige ist. so kann der Ausdruck auch 
den Kompilatoren zugeschoben werden. Gaius und die übrigen 
Juristen haben u. mit Accusativ nicht anerkannt, aufser mit 
Accusativ eines Stadtenamens. Scaevola Dig. 45. 1. 122, 1 peeu- 
niam accepit u. Brentesium. Die klassische Wendung findet sich 
bei Marcianus Dig. 20, 6. 8, 10 u. ad summam debiti solvatur; 
Ulp. Dig. 48, 10. 4 u. ad dodrantem: Ulp. Dig. 38, 6, 1, 9 tueri u. 
ad partem dimidiam. Vergleichen läfst sich Pseudo-Cypr. de 
laude martyrii 13 legis scriptum esse u. quadrantem nos ultimum 
reddere , und aus späterer Zeit Cod. lustin. 8, 53 (54) de donatio- 
nibus, 36,2 u. (Var. u. ad) trecentos solidos factae donatione*, 
und ebendaselbst 3 quingentos u. t Var. u. ad q.) solidos valere. 
Eine andere Freiheit zeigt die lateinische Lbersetzung des 
Oribasius, Synops. 1,6 evacuare u. una bemina, so cod. La 
gegen cod. Aa: u. ad unam eminam. Den korrekteren Parallel- 
ausdruck giebt hier Marcellus Emp. pg. 143. 148. 180 u. ad he- 
minam, 147 u. ad mensuram sextarii u. s. w. 



4. Schließlich bleibt der temporale Gebrauch zu erläutern 
übrig. Dafs man schon zu Ciceros Zeit bei Angabe des Datums 
kurzweg usque für u. ad gesetzt habe, zumal in dem freieren 
Briefstile, mochten wir nicht in Abrede stellen, da die beiden 
Stellen Cic. epist 16, 9, 1 Corcyrae fuimus usque a. d. XVI. K. 
Dec. und ad Att 3, 10, 1 acta quae essent usque a. d. VIII. KaL 
lun. sich gegenseitig schützen; die Herausgeber freilich glauben 
ad einschieben zu müssen. Auch Livius 25, 12, 1 haben die 
Udschr. nur usque ante diem V. Kai. Mai. und vor Wesenberg 
hatte niemand daran gedacht ad einzusetzen. Sueton hat die 
Präposition nicht nur im zweiten Gliede weggelassen Calig. 17 
consulatus quattuor gessit . . . tertium usque in Id. Ian., quartum 
u. septimum Idus easdem, sondern Claud. 34 sogar geschrieben: 
vesperani u. opperiri. Bei Palladius r. rust. 13, 1 giebt die 
Überlieferung noch kürzer: usque VII. Idus üecembris, wo man 
doch jedenfalls nicht ad und a. d. ausgefallen denken wird. 
Erchempertus hisi Langobard. Benevent. 40: a IV: Ydus Martii 



Usque mit Accusativ. 63 

usque VII. Ydus Madii. Dionysius Exig. Patr. 67, 518 A Mig. 
(epist de rat. pasch, ad Bonif.) a decimo quinto Kalendas Maii u. 
Nonas Aprilis; ibid. col. 25 D. Und damit ja kein Zweifel zurück- 
bleibe, können wir die Bedeweise auch inschriftlich bestätigen. 
Corp. inscr. latin. VI 2548 mil[itavit] usque die (= diem) qua ex- 
emptus est. Corp. XI N. f 295 in hoc loco stetit arca beati 
Apolenaris . . . a tempore transitus sui usque diae (= diem) qua 
translata est (Überführung a. 549 p. Chr.; Inschrift später.) 

Diese Ausdrucksweise mufs auch in der ärztlichen Sprache 
gang und gäbe gewesen sein, da Celsus nicht nur 4, 26 (p. 151) 
schreibt: vinum bibere aqua pluviatili mixtum, idque usque quin- 
tum diem facere, sondern auch 3, 5 (84, 36 D.) post cibuin u. 
somni tempus und 3, 22 (111, 10) utilius balneum est, etiam 
usque sudorem (doch 4, 5 und 4, 8 u. ad sud.); 7, 7, 15 (281, 25) 
id vitium mansurum est u. mortis diem. Ist dies einmal für die 
Zeit der julischen Kaiser festgestellt, so läfst sich auch Seneca 
clem. 1,7,1 verteidigen: expedit usque ultimam (ad ult. cod. 
Nasar. von 2. Hand; in ult. Madvig) perniciem verteidigen, 
während bei Sen. controv. 10, 3, 5 illa crudelis belli fortuna usque 
rö infimae plebis supplicia descendit die in dem codd. fehlende 
Präposition leicht ausfallen konnte. Bemerkenswert ist, dafg der 
in dem lokalen Gebrauche von usque fast mafslose Plinius kein 
Beispiel temporaler Anwendung aufweist 

In der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts und im dritten 
drang dieser Konversationstil mächtiger in die Litteratur ein. 
Nicht nur Apuleius schrieb metam. 4, 21 ut u. diluculum nemo 
fuerit ausus bestiam contingere, sondern Censorin scheut sich 
nicht die Redensart öfters anzuwenden, 14, 2 u. annum XV 
pueros dictos; ibid. qui erant u. XLV annos, iuvenis appellatos; 
ibid. inde u. finem vitae senes appellatos; 22, 9 Quintilem u. 
Decembrem. Dafs der Strom aus der Volkssprache kam, verbürgt 
die Itala: Exod. 9, 18 (Monac.) u. hodiernum diem; Levit. 25, 52 
(Lugd.) u. annum remissionis; Lev. 27, 6 (Lugd.) a mense uno 
n. annum quintum; Num. 11,20 (Lugd.) u. mensis dies mandu- 
cabitis; 2 Maccab. 14, 15 (Bobb.) u. saeculum statuit populum 
suum protegere: Matth. 27, 45 (Cantabrig.) tenebrae factae sunt 
u. nonam horam und ebenso Luc. 23, 44. Joh. 2, 10 (Rehdig.); 
Matth. 28, 15 (Rehdig.) u. hodiernum diem; Acta apost. 23, 1 
conversatus sum deo u. haue diem. Wie schon oben gezeigt 
wurde, übersetzt man sog und pi%Qi> einfach mit usque. H\eto- 



64 Ed. Wölfflim 

nynius korrigiert in der Vulgata: Exod. 9, 18 usque in praesens 
tempus; Lev. 25, 52 quod reliquum est annorum; 27, 6 u. ad 
aimum quintum; Nuin. 11, 20 u. ad menseni dierum; 2 Macc. 14, 
15 in aeternum; Matth. 27, 45 u. ad horani nonam; Act ap. 23, 1 
u. in bodiernum diem. Damit ist die Frage so entschieden, dafs, 
wer sich eines gewissen familiären Kolorites nicht schämte, mit 
usque ausreichte, während der Freund mustergültiger Diktion 
(z. B. Sidonius Apollinaris) der Präposition nicht entraten konute. 
Auch hier treffen wir den Justin im Widerspruch mit der 
klassischen Prosa des Trogus Pompeius, dagegen in Überein- 
stimmung mit dem kirchlichen Latein : 2, 5, 8 pax fuit u. tempora 
Ianthyri regis; 2, 7, 7 prope u. interitum armis dimicatum 
fuerat, womit die oben erwähnte Stelle aus Seneca de clem. zu- 
sammenzuhalten ist; 17, 3,21 qui regnum adultam (doch Itühl: 
in ad.) eius aetatem tuerentur; 33, 2, 6 Macedonia a Carano u. 
Persen (mit Jeep und Rühl) XXX reges habuit; 2, 4, 32 liest 
jetzt Kühl u. tempora Alexandri duraverunt (Jeep u. ad t.). 

Soll des Fortlebens dieser Ausdrucksweise im Spätlatein 
noch mit einigen Worten gedacht werden, so sind zunächst die 
Hauptvertreter medizinischer Litteratur zu dem klassischen 
Sprachgebrauche zurückgekehrt. Marcellus Empiricus, Sextus 
Placitus, Theodorus Priscianus, Cassius Felix; bei Gaelius Aure- 
lianus scheint sich nur ein Beispiel zu finden, acut. 2, 103 cibi 
abstinentia u. tertium diem; auch in dem Briefe des Hippocrates 
an Antiochus bei Marcellus pg. 18 heifst es u. veris aequinoctiuni, 
doch einige Zeilen weiter unten u. in autumni aequinoctium. 
Blofs die lateinische Übersetzung des Oribasius läfst die alte 
Freiheit wieder aufleben, und wenn auch an mehreren Stellen 
die Überlieferung unsicher ist, so wird aller Wahrscheinlichkeit 
nach ad von dem Abschreiber eher zugesetzt als getilgt worden 
sein. Sichere Stellen sind Synops. 3, 17 admisce u. dies decein 
malacas; 5, 17 ieiunium observans tota die u. saera (= seraui, 
soir); Eupor. 3, 72 da bibere per singulos dies u. dies XL; 4,34 
esse in auribus u. dies quinque; 4,46 sit sie u. dies novein. 
Auch der Ablativ kommt vor Synops. 9, 56 sanies passionem u. 
XL deducit diebus. 

Eine häufige Phrase der Arzte mufs usque (ad) peri- 
culum, bis zur Krisis, bis zum Tode, gewesen sein. Marcell. 
p. 99 (cap. 14) u. ad periculum laboranti; p. 17 commotio adus- 
que vesani eum furoris periculum trahet, und sie hat daher auch 



Ueque mit Accasativ. 65 

in der übrigen Prosa Eingang gefunden. Arnob. 1,3 terrarum 
yalidissimis motibus tremefactae u. ad periculum civitatis; 5, 2 
ut u. ad ebrietatis periculum veniretur. Hilar. in psalm. 118 (col. 
511 Mig.) ne u. animae periculum derelinquat. Mar. Vict. col. 
1217 B Mig. u. periculum laboravit. So läfst sich auch *Amnrian 
17, 4, 15 von der vielen unmöglich scheinenden Aufrichtung des 
Obeliskes in Rom verstehen: erectis u. periculum altis trabibu?, 
wo Eyssenhardt und Gardthausen nach Haupt ad perpendiculum 
schreiben; das Experiment wird mithin als ein lebensgefährliches 
bezeichnet. 

Hat kein Grammatiker ein Beispiel von u. in temporalem 
Sinne gegeben, so ist der Gebrauch auch bei den Historikern 
ungleich seltener als der örtliche. Aus den Script, hist. Aug. 
ist eine einzige Stelle anzuführen, Vopisc. Car. 3, 4 Severi dili- 
gentiam u. Alexandrum; Ampelius giebt zwei, 18, 15 u. septimum 
consulatum, 47, Überschr. u. Imperium Traiani; der Vf. de vir. 
illustr. eine, 67, 2 u. sextum consulatum. Bei Ammian 19,2,5 
liest Gardthausen unbeanstandet: a sole orto u. diei ultimum, 
allein er scheint seine Ansicht geändert zu haben, als er *29, 
5, 48 a sole orto u. ad diei extimum pugna protenta die Präpo- 
sition gegen die guten Handschriften einsetzte. Gleichzeitig 
übersetzte auch der sogen. Hegesippus 2, 13, 14 a reditu populi 
u. Antiochum Eupatorem (Vulg. u. ad). Iordan. 3, 11 lesen wir 
u. orbis terrae diluvio (= diluvium), 4, 6 u. nativitatem Abrahae, 
10,8 u. Tarquinium regem; bei Marcellin. (Patrol. 51, 920 A 
Mign.) u. hunc XIX imperii annum, so dafs auch die Origo 
gent. R. 1, 1 u. id tenipus, 8, 4 permansit u. Appium Claudium 
ganz gut in diese Zeit gesetzt werden könnte. Orosius erhebt 
sich als guter Stilist über andere Autoren des fünften Jahr- 
hunderts, indem er keine ähnliche Wendung in die Feder fliefsen 
liefs und auch die Historia miscella als Fortsetzung besserer 
Historiographie* ist frei von solchen; dagegen hat Gregor von 
Tours, vielleicht unter dem Einflüsse des Kirchenlateins, die 
Ausdrucksweise gebilligt und nicht selten verwendet: hist. Franc. 
1, 16 u. nativitatem Christi, 1, 48 a passione u. transitum Mar- 
tini, 2 praef. u. nostra tempora, 4, 34 u. vitae consummationem, 
5, 18 u. sacerdotalem audientiam („bis er ihn vor das Gericht 
der Bischöfe stellen konnte" Giesebrecht), 7, 6 u. praesens tempus, 
10, 13 u. passionem eius, 10, 31 u. Kalendas Octobris, u. deposi- 
tionein Martini; Glor. confess. 15 u. lucis adventum. 1n<ta**fe\t 

Archiv für Ut. hcxikogr. IV. Heft I. ft 



66 Ed. Wölfflin: 

begegnen wir auch hier dem Ablativ, den wir oben S. 58 er- 
läutert haben, so dafs die Stellen sich gegenseitig stützen: hist* 
Franc. 1,23 a captivitate Hierosolimae u. ad passionem Christi, 
id est u. Tiberi septimo decimo anno; 3, 13 castrum u. illa die 
defensatum, 7, 36 benignissime u. hoc tempore vixi, 8, 14 dum 
u. obscura nocte reteneremur, 8, 42 u. natales dominici tempore, 
10, 31 u. medio Februario und ebendaselbst beweiskraftig quae 
u. nostris temporibus perseverat Wir glaubten dies etwas aus- 
führlicher darlegen zu sollen, weil der Index der neuesten Aus- 
gabe kaum ausreichen würde um die sprachliche Erscheinuug 
allseitig zu beurteilen. Auch die Script, rer. Langobard. kennen 
die beiden Strukturen: Agnellus 122 u. horam nonam exspecta- 
biinus, Catal. reg. Langobard. p. 496, 7 Waitz (1878) ardere 
visa u. horam diei tertiam; dagegen ebendas. 510, A (zum 
Jahr 882) u. prope aurora, Agnellus 31 u. nostris temporibus 
perduravit. 

„ Die späteren Rechtsquellen zeigen uns das temporal ge- 
brauchte u. nicht selten, und wenn auch an einzelnen Stellen 
die Lesart nicht sicher steht, so läfst sich noch viel weniger der 
Sprachgebrauch durch Emendation beseitigen. Cod. Theodos. 11, 
20, 5 ex triennio u. quinquenium nach Haenel (Var. u. ad). 1 1, 
28, 3 u. indictioncm quintam, vielleicht u. in ind. 15, 1, 35 a 
primo cousulatu u. praesens tempus (cod. Aur. Lugd. u. ad). Lex 
Rom. Visig. 2, 15 u. continuum bienuii; 2,16 u. XXVIII annis; 
1, 9 u. vicesimum annum. Lex Rom. Utinensis 105, 9 u. XV 
aetates (= aetatis) annum cum venerit. Pardessus dipl. 376* 
(675 p. Chr.) u. tempore ipso perducere dignatus est. Forraulae 
68 8 Zeumer u. ipso placito; 195 29 u. annos tantos opera facere; 
229 13 37 u auno et die sanus. 

Die bessere Patristik, wie Ambrosius, Hieronymus, Augustin 
liefert keine Belege (Ausnahme: usque hoc tempus bei Hilarius 
de synod. 2.); die jüngere nur spärliche. Cassian collat. 5, 12 
u. nonam differre ieiunia; hist. coenob. 5, 5 u. occasum solis tole- 
ratur (nach den besten codd., u. ad Edit), 8, 9 ebenso. Arnob. 
iun. (Patrol. 53, 477 Mig.) operatur u. vesperum; Benedict von 
Nursia in der Regula 15 u. pentecosten, 18 u. dominicain, 48 u. 
horam quartam laborent und ähnl. Aurelianus (Patrol. 68, 404 A) 
u. inediam nocte in neben u. media nocte (ib. 396 B); Marculfus 
(Patrol. 87, 770. 777) u. annos tantos; Valerius (Patr. 87, 466) u. 
quartum diem non pluit; Donatus (Patr. 87, 296) u. octavo Ka- 



Usque mit Accusativ. 67 

lendas decidant. Isidor orig. 7, 11, 1 u. mortem pro veritate 
certaverunt; Paulus Diac. (Patr. 95, 1377 B) dies nuncupantur u. 
8abbatum. 

Die Poesie endlich kennt ein paar Phrasen, wie Paulin. 
Nol. 17, 338 bonus u. finem duc bonum cursuni; Paulin. Pell. 177 
u. duo daran s . . . decennia; Orientius 2, 364 a primi . . tempore 
mundi u. diem mundo qui modo finis erit. Aldhelm 1, 27 u. nona- 
genariam . . . vetustatis senectam. Noch ^lcuin Poet, aevi Carol. 
I p. 184 y. 683 beginnt den Hexameter mit u. diem mortis, ebenso 
I 192, v. 1020 und I 213, N. XVIII 14; I 290, v. 102 u. dies Sauli; 
I 291, v. 149 tempora baptistae decurrens u. Johannis. Die erstere 
Verbindung ist aus Inschriften bekannt und bereits oben S. 63 
nachgewiesen. Ahnlich schon Porphyr, zu Hör. Cann. 4, 7, 17 
vitae, quam hodiernum u. egisti. 

München. Ed. Wölfflin. 



Vice versa. 

Es ist im Rhein. Mus. 37, 119 f. nachgewiesen worden, dafs die 
gesamte lateinische Litteratur nur die Stellung versa vice kenne. 
Die moderne Wortstellung findet sich allerdings in dem Romane de 
Co n 8 tan t. et Hei. 44, womit aber gerade die späte Abfassungszeit 
dieses Buches erhärtet wird. Zum Beweise, wie konstant der Sprach- 
gebrauch war, mögen noch einige Belege für versa vice folgen: Sen. 
Herc. Oet. 470, vielleicht die älteste Stelle, da man bisher die Redens- 
art nicht über Justin hinauf verfolgt hat; Apul. flor. 20. Gellius 16, 
13, 7. Diomed. 433, 17 K. Sulpic. Sever. Mart. 2, 5. Ennod. p. 185, 
16 Vog. Justin, instit. 3, 19, 21. Wenn aber auch noch Schol. Beru. 
Verg. Edog. 6, 79. Schol. Bob. 366, 6 Or. Hist. misc. 14, 18. 26, 20 
dieser Wortstellung treu bleiben, so erkennt man erst recht, wie jung der 
Gonstantinroman sein mufs. Zudem bestätigen auch Parallelausdrucke 
wie mutua vice bei Columella, mutata vice, verso ordine in dem fälsch- 
lich dem Apuleius beigelegten dritten Buche de dogm. Plat die obige 
RegeL 

München. Eduard Wölfflin. 



Die Verba auf -illare. 

Die Verba, als deren gemeinsamer Auslaut -illare scho 
durch seinen Klang dem Ohre auffiel, einer zusammenfassendem. 
Erörterung zu unterziehen, schien besonders dadurch anziehend^ 
dafs man hoffen durfte die kleine Zahl wirklich deminutiver* 
Verben im Lateinischen vermehrt oder doch durch neue Belege 
bereichert zu sehen. Auch der allgemeinen Sprachwissenschaft 
konnte auf diese Weise ein erwünschter Zuwachs an Erkenntnis 
geboten werden; denn, wie schon Grimm D. Gr. III S. 664 be- 
merkte, wird in der Sprache überhaupt die Verminderung am 
seltensten an Verben zum Ausdruck gebracht. Natürlich, der 
Wunsch die sinnlich wahrnehmbare Verkleinerung äufserlich zum 
Ausdruck zu bringen machte sich zunächst bei greifbaren ein- 
zelnen Gegenständen geltend, welche bei einem Vergleich mit 
ihresgleichen dem Auge an Gestalt verkürzt erschienen. Auch 
das begreift sich leicht, dafs dergleichen sinnlich malende Be- 
zeichnungen sich dort am reichsten finden, wo die Sprache mehr 
der Wiedergabe von Sinneswahrnehmungen als dem Ausdruck 
abstrakter Gedanken dient. Daher zeigt sich, wie Grimm III 
688 f. erwähnt, in Volksmundarten besonders die Neigung auch 
deminutive Zeitwörter zu bilden. Auch für das Lateinische hat 
man längst beobachtet, dafs die Deminutiva bezeichnend für die 
Volkssprache waren und eben von dort aus — oft mit Einbufse 
an ihrer eigentlichen Bedeutung — ihren Weg in die romanischen 
Sprachen fanden (vgl. Wölfflin, Philologus 34, 153). Es läfst 
sich also auch für unsre Kenntnis des Vulgärlateins aus einer 
Besprechung deminutiver Verben Gewinn erwarten. Fafst man 
nun diesen Begriff in jener engsten Bedeutung, dafs ein Verbum 
deminutivum eine „Zerstückelung und Verkleinerung*' (Grimm) 
des Begriffes enthalte und beschränkt man sich dann noch auf 
die von Verbalstämmen unmittelbar abgeleiteten Wörter wie 



A. Funck: Die Vcrba auf -illare. 69 

»nscribillo u. dgl., so würde freilich der Stoff baldigst erschöpft 
in. Indes wäre man damit doch der sprachlichen Erscheinung 

keiner Weise gerecht geworden. Wieder ist es Grimm, der 
erst darauf aufmerksam gemacht hat, dafs jene „Zerstückelung" 
les Verbalbegriffes oft die Wiederholung der Handlung be- 
ute; andre Nebenbedeutungen, welche die ursprüngliche ver- 
nkelten, sind von Wölfflin a. a. 0. berührt. So kommt man 
zu, zunächst jedenfalls auch Wörter mit scheinbar abliegender 
deutung mit in den Kreis der Untersuchung hineinzuziehen, 
imm stellt dann auch diejenigen Verba neben die Deminutiva 
rbalen Stammes, welche das Suffix -il bereits aus dem Sub- 
intiv entlehnen. Gewifs mit Recht. Wenn neben chizil — 
izilön = titillus — titillare steht, wer will entscheiden, ob die 
«n Römer und Deutschen zuerst nur die Empfindung als 
>men oder die Thätigkeit der Nerven in einem Verbum zum 
jsdruck brachten? Jedenfalls war das Deminutivum auch ohne 
fserlich sichtbaren Vorgang für diese dem Lustgefühle ver- 
indte Empfindung wohl bezeichnend. Giebt man aber dies zu, 

wird es immer schwieriger, eine Grenze zu ziehen, und es 
eilt sich als das Richtigste heraus, den gleichen Auslaut zur 
ichtschnur für das in Betracht zu ziehende zu nehmen. Erst 
lf diese Weise ist es ja auch möglich, ein Urteil zu gewinnen, 
b wirklich das -illare so häufig erklang, dafs es zu Analogie- 
ildungen Anlafs geben konnte. Corssen Ausspr. u. Vokal. II 2 
28 f. hatte bereits Schwierigkeiten genug die Substantiva mit 
uffix -illo auf kürzere Suffixe zurückzuführen; es blieb ein Rest 
esonders von Vor- und Zunamen, für welchen er -illo als ein- 
eitliches Suffix ansetzte. Aber es möchte doch schwer sein, 
elbst für die von ihm als denominativa bezeichneten Verba wie 
orbillo, gracillo u. s. w. jedesmal ein wirklich vorhandenes 
fomen aufzutreiben; und so böte sich denn der Erklärung ein 
lochst willkommener Ausweg, wenn es gelänge, Verba auf -illare 
inerlei welchen Ursprungs in solcher Zahl nachzuweisen, dafs 
ie Häufigkeit der Belege die Annahme von Analogiebildungen 
ghtfertigte. 

Solche Zusammenstellungen sind aufser von Corssen bereits 
>n Schwabe (de deminutivis Graecis et Latinis. Gissae 1859 

26 sq.) , von Kessler (die lateinischen Deminutiva. Progr. v. 
ildburghausen 1869 S. 27 f.) und von Kühner (Ausführt. Gr. 

lat Spr. 1877. I 644 f.) in Angriff genommen, ohne Ab- 



70 A. Funck: 

schliefsendes zu bieten; doch wird sich im Laufe der folgenden 
Untersuchung öfter Gelegenheit finden auf diese Vorarbeiten 
zurückzugreifen. 

Ich beginne mit der Besprechung derjenigen Wörter, deren 
Schreibung uud Deutung durch ein daneben gebrauchliches 
Nomen auf -illa oder -illus, -illum gesichert ist, und den Vor- 
rang verdienen in jeder Gruppe die Verba, in welchen die 
deminutive Bedeutung des Suffixes erkennbar geblieben ist. 

A. Verba zu Nominalstämmen auf -illa. 

1. scintilla — scintillo „funkeln." Über den Ursprung vgl. 
Vaniöek, Etymolog. Wörterbuch II 1113 (Leipzig. 1877). Wie 
lebhaft sich dem Römer die Erscheinung des in kleinsten Teil- 
chen aufsprühenden Feuers darstellte, zugleich aber auch, wie 
die Kraft eines solchen Suffixes schwand, zeigt die Weiterbildung 
scintillula, die sogar bei Cicero de fin. V 43: virtutum quasi 
scintillulas in übertragenem Sinne vorkommt. Die eigentliche 
Bedeutung des Verbum scintillo mit ignis, flamma, lampas, 
facula, dies u. a. können wir verfolgen bis auf Aldhelm hinunter; 
dem oleum wird es schon bei Verg. Geo. I 392 beigelegt; calor 
scintillat (ex lapide molari) Aetna 405 ist das Vorbild zu calidi 
fervor amoris Galpurn. ecl. V 22; cupiditatis ardor Ambros. in 
ps. 118. serni. 18 § 22. Dafs die funkelnden Augen unsrer 
Romanhelden antik sind, kann man schon aus Plaut us Men. 830: 
ut oculi scintillant nide lernen; zornfunkelnd sind sie bei 
Persius III 117: ira scintillant oculi (daher bei Silius IX 562: 
scintillavit ira)\ bei Augustinus ist dieselbe Erscheinung ad 
fratr. in erem. 18 unter den Kennzeichen der invidi genannt: 
oculis scintillant ut sidera. Augustin gebrauchte das Wort 
aber öfter in bildlichem Sinne verschiedener Art: de subsi di). 1: 
ne forte scintillet in cordibus . . . ignis; contra Julian. V 11: 
sterilis scintillat accensio (sagt Julian von den impuberes); der 
Ausdruck ist gut gewählt, um das unstate Aufflackern der Leiden- 
schaft zu schildern, während bei Paulus Diac. Hom. de Sanctis 
1493 c (M. 95): pulcfire . . scintillavit hie ignis grade die lautere 
Flamme der Begeisterung gepriesen wird; ähnlich bei Aldhelm 
p. 14: scintillante superni ardoris facula inflammantur. Aber auch 
Augustinus gebraucht das Wort in edlerem Sinne conf. IV, 2: 
(Deus) vidisti . . in multo fumo scintillantem fidetn „die vom 
Rauch verdunkelte Flamme des Glaubens". Dieselbe Wendung 
kehrt in anderem Zusammenhang wieder bei Aldhelm p. 146 



Die Verba auf -illare. 71 

v. 386: scintillante fide dum fervent corda virorum, nämlich der 
Märtyrer auf dem Scheiterhaufen. — Fallen dann bei August. 
enarr. ps. 96 v. 3 = col. 1241 (M. 37) die verba scintillantia so 
gut wie die oculi flammantes unter die Kennzeichen des leiden- 
schaftlichen homo iniquus, so rühmt anderseits Sedulius in 
Eutych. p. 26, 30 H.: conditor . . linguarum nihil inrationabiliter . * . , 
sed omnia copiosa ratione scintillantia formavit — Die Stelle 
Augustin tract. in ev. Joh. 1, 8 (M. 35, 1383): quomodo ergo 
potuisti scintillare in illud kann wohl nur heifsen: „wie konntest 
du auf den erleuchteten Gedanken kommen ?" 

2) still a — stillo „träufeln" Vaniöek II 1138, vgl. Festus 
345, 3. Die Flüssigkeit stürzt nicht in raschem Strome und 
grofser Masse auf einmal herunter, sondern tröpfelt in kleinen 
Teilchen allmählich ab; hier sieht man vor Augen, wie nahe 
sich Zerstückelung der Thätigkeit und Wiederholung der Hand- 
lung berühren. Dafs das Zeitwort gleich unserm „träufeln" 
transitiv und intransitiv gebraucht wurde, dafs ferner nicht nur 
die guttae selbst, sondern auch die feuchten Gegenstände wie 
saxum, paenula u. a. stillant, ist nicht minder bekannt, wie dafs 
frühzeitig bildliche Verwendungen ausgeprägt wurden. Die Bei- 
spiele gehen von der ältesten Zeit (z. B. Lucr. VI 943) bis zur 
Historia miscella und Paulus Diaconus hinunter. Nur einiges 
Bemerkenswerte mag hier hervorgehoben werden, ohne dafs 
irgend auf Vollständigkeit Anspruch erhoben würde. Hieronymus 
IHM. XXIII 1430 C sagt einmal: ad deum stillat oculus nieiis; 
das wiederholt sich bei Gregorius Magn. libr. Moral. XIII 29: 
od Deum necesse est ut oculus stillet, und bei Paulus Diaconus 
H. d. S. 1515 b: ad te . . stillant oculi nostri. Die eigentümliche 
Wendung scheint aber auch dem modernen sermo ecclesiasticus 
nicht fremd zu sein; sie begegnet noch wieder in dem für die 
Anschauungen und cjie Redeweise des Buüsen-Rotheschen Kreises 
so bezeichnenden Liede des Malers Maydell (Rom, etwa 1825), 
welches Ludwig Richter in seiner Lebensbeschreibung S. 248 4 
mitteilt: „Nach Dir schau ich so früh als spat, Nach Dir die 
Augen thränen". — Schon Seneca ep. 40, 3 bezeichnet dann im 
Gegensatz zum Redeflusse eine stockende, gleichsam tropfenweise 
dem Ohr zukommende Sprache mit den Worten: aeque stillare 
älum nolo quam currere; und in gleichem Sinne spricht Calpur- 
flius ecl. 6, 23 von voces vix stillantes und dann noch Ennodius 
518, 7 (carm. I 5): torrida ieiuno vix stillant verba relatv, 



T2 A. Funck: 

(= CDXXI1I 7 Vogel); 424, 1: si in alveum magni fluminis 
stillantis-guttam fundis eloquii (= 1, 15 Vogel). Jene Neben- 
bedeutung des Langsamen scheint dann völlig erloschen Vulg. 
Hiob. 29, 22: super Mos stillabat eloquium meutn. Ezpeetabant 
mc sicut pluviam e. q. s. Hieronymus erklärt: sensum . . penetrabat 
doetrina eins; und ähnlich Arnos 7, 16: non prophetabis super 
Israel, et non stillabis super domum idoli. — Neues bringen 
auch sonst die geistlichen Schriftsteller. Wie schon der Tropfen 
Wassers die Lippen des Dürstenden erquickt (vgl. Greg. Magn. 
üb. Moral. XII n. 56; Ennodius 416, 20 (= 19, 9 V.); 452, 2 
(= 117, 7 V.), so labt die Gnade Gottes die lechzenden Seelen 
der Menschen: Patr. apost. Mart. Ign. IV 1: c quibus gratia 
spiritualis stillabat; Augustin ad fr. in eremo 19: stillabant 
spiracula gratiarum; so transitiv Vulg. II Macch. 8, 27: deus 
misericordiae initium still ans in eos. W 7 ir sprechen vom Strome 
der Zeit, der über uns dahinfliefst ; dem rastlos thätigen 
Augustin zerrannen die Minuten wie die Wassertropfen, daher 
klagt er epist. CX, 5: vix mihi gtdtae tetnporis stillantur. Ob 
man solche bildliche Verwendung des transitiven Simplex schon 
für die unsicher überlieferte Stelle Cic. ad Att. IX 7, 1: litterae 
quat mihi quiddam quasi animulae stillarunt } zugestehen soll, 
ist bezweifelt worden; Wesenberg schreibt instillarunt und 
kann sich auf Cic. Cato mai. XI 36 berufen : nisi tamquam lumini 
oleum instilles, exstinguuntur (nämlich die Seelenkräfte); auch 
das seltene restillo hat man schreiben wollen. Was Georges noch 
in diesem Sinne anführt, luven. III 122: cum facilem stillavit 
in aurem exiguum de naturae patriaeque veneno, limine summoveor t 
lilfst sich auch intransitiv mit exiguum als Subjekt fassen. Dafe 
der transitive Gebrauch des Wortes überhaupt alt ist, zeigen 
Stellen wie Horatius Ars p. 429: stillabit amicis ex oculis rorem; 
das Alter der bildlichen Verwendung des Intransitivs ist nicht 
vor der oben angeführten Seneea-Stelle (ep. 40, 3) bezeugt; der 
frühste Beleg für bildlichen Gebrauch des Transitivs ist wohl 
Hermae pastor 51, 9: desuper stillavit iustitiam suam: dennoch 
wäre es wohl nicht zu kühn, dem Ciceronianischen Briefstil 
eine sonst noch nicht nachgewiesene, aber doch sehr wohl 
mögliche Anwendung des Worts zuzutrauen, wenn nicht die 
Überlieferung auf ein längeres Wort wie instillarunt hinwiese 
(vgl. Orelli-Baiter u. Boot zu d. S.). — Die Stellen der Vulgata 
Arnos 9, 13 = Joel 3 ; 18: stillabunt montes dukedinem hatte 



Die Verba auf -illare. 73 

sich scIiod Tertullian etwas anders übertragen: adv. Marc. III 
5: montes legimus destillaturos dulcorem. — Auch das mag 
schliefslich nicht anerwähnt bleiben, dafs nach dem Vorbild von 
adv. Jovin. I 25 (M. 23, 244 A): ira Domini stillante super 
Jerusalem Hieronymus zu Naum I 6 col. 1236 D auch das 
indignatio eft'usa est ut ignis der Vulgata umschrieb mit furor 
eius in simüitudinem stillavit incendii (iörafcv). Hier ist jede 
Spur einstiger deminutiver Bedeutung geschwunden. 

Das Gesagte wird bereits genügen, um den ausgedehnten 
und mannigfaltigen Gebrauch von stillare zu erweisen. Ein 
Blick auf die zahlreichen Composita bestätigt die reich ent- 
wickelte Lebenskraft des Wortes. 

Für destillo schwankt die Schreibung zwischen de und di; 
Georges entscheidet sich für*de, mit Recht, da hier unzweifelhaft 
„herabträufeln" die eigentliche Bedeutung war. So bei Varro 
LL. V 22: sudando assum destillat calore (Müller: humorem); 
Yergil. Geo. III 281: lentum destillat ab inguine virus; bei Seneca 
n. q. II 12, 3: Anaxagoras ait illum ex aethere destillare; ähn- 
lich II 31, 1; III 21, 1; Lucan. 8, 777; in medizinischem Sinne 
Sen. ep. 78: ut ipse destillarem ad summatn maciem deductus 9 
nämlich vom Durchfall = destillatio; dann bei den Kirchen - 
Schriftstellern, besonders in der öfter wiederkehrenden Wendung: 
md destillat a Idbiis Hieron. ep. I 78. maus. XL, ähnlich Ambros. 
De Ca. et Abel. I c 5 p. 342 Z 15, Lucifer M. 13, 776 C nach dem 
Vorbilde des merkwürdigen transitiven Gebrauchs Vulg. Prov. 5, 3 
= Cant 4, 11: favus distülans labia. Wiederum auch von dem 
triefenden Gegenstand, schon bei Tibull. II 2,7: puro des t dient 
tempora nardo, dann bei Plinius n. h. XV § 82: ficus . . . anus . . 
destillant cumtnium lacrima — und gewifs noch öfter; z. B. Ambro- 
siuB de 18. et anima c. G p. 547 Z 23: manus meae destillaverunt 
Htyrrha] Augustinus de genesi ad lit. 3, 10, 15: aurae . . rore 
destillant, annot. in Job 24: saxa destillant; Hieronymus 
contra Joann. Hier. M. 23 col. 382 B: carne . . quae nunc prae 
dolore destillat (etwa sudore? wie bei Soran. II, 4: sudor 
destillat?) Unklar ist mir Hier, de nom. hebr. M. 23 col. 780, 
12: Jdkab: mago patre, sive distillans. Die Übertragung auf 
den stockenden Redeflufs hat auch hier wieder Ennodius 530, 
31 (carm. I 8): sum fateor, cttius destillent verba relatu, quae 
*aciem monstrent pauperis ingenü (XXVII 31, p. 31 V.). — Die 
transitive Bedeutung belegt Georges aus Caelius Aurel. und 



71 A. Funck: 

Apicius; es kommen dazu Fronto p. 88, 5: minimum cum vino 
destillatum gluttivi; Augustinus enarr. ps. II 1731: gutiam sibi 
destillari; in Joann. evang. tract. 21, 3: aliquid irrorare dignetur 
et destillare in sitim nostram; Gregorius Magnus homil. in Et. 
40 n. 5: distillari aquam in ore suo concupiscit; Hieron. ep. I 
78 mans. XXV: mel distillant läbia tua (siehe oben Gant. 4, 11). 
— Ist auch an letzteren Stellen nicht eben das einzelne Wort 
für sich bildlich gebraucht, so sieht man doch in diesem Zu- 
sammenhang den Ansatz zu übertragener Verwendung auch des 
transitiven Verbs. — Das aus destillo weitergebildete super- 
destillo scheint aus dem gelegentlichen Gebrauch bei den Me- 
dizinern nicht herausgetreten zu sein; zu dem Beleg aus CaeL 
Aurel. bei Georges kommt noch Orib. Syn. III 17 bis, Addit. 12. 
Nur transitiv ist das in eigentlicher wie übertragener Be- 
deutung oft gebrauchte instill o. Aufser bei den Medizinern 
(z B. Celsus 166, 17; 171, 25 und sehr oft; Seren. Sammon. 11, 
163, 1074) findet sich die erstere schon bei Cicero Cato m. 
c. 11, 36: nisi tamquam lumini oleum instilles (hier freilich mit 
Beziehung auf die Seele gesagt), Ovid. 19 Heroid. 153: merum 
instillat in igncs; Hör. II Sat. II 62; bei Ps.-Vergilius Mor. 113; 
Quintil. I 2, 28 vasetda augusti oris . . . instillatis conplentur; 
Cassianus Gonl. VIII 1, 1; Augustinus de genesi lib. impf. 14, 
47. 239, 7. Auf eine sprichwörtliche Wendung weist die Stelle 
bei Augustinus de cogn. ver. vit. 1 hin: quid tu tentas ligna silvis 
importare aut redundanti nuxri uridam instillare conaris? Überall 
steht als Objekt die eingetropfte Flüssigkeit; der beträufelte 
Gegenstand findet sich im Accusativ nur bei Cicero Tusc. II 25 
in der poetischen Übersetzung von Aeschylus Prom. sol.: guttat 
quae saxa adsidue instillant — Mindestens ebenso alt ist nun 
die bildliche Verwendung, zu welcher Stellen wie Val. Max. I 
6 ext. 3 das Vorbild abgeben mochten: apcs . . eloquentiae in- 
stillasse videntur alintenta. Modernen Erziehern mag es tröst- 
lich sein, zu erfahren, dafs auch die Fassungskraft der Alten 
nur erlaubte die Lehren der Weisheit und Tugend tropfenweise 
dem Geiste zukommen zu lassen. Von Horaz, welcher in der 
Ars poetica 335 f. auch über die Form der Lehren knappe und 
gute Vorschriften giebt (pmne supervacuum pleno de peetore manat), 
kennen wir auch zuerst das praeeepta instillare auriculis 
(I Epist. VIII 16). Wenn aber Seneca ben. VI 16, 6: praeeeptor 
aliqua instillavit ac tradidit schrieb, so ist Haases Vermutung 



Die Verba auf -illare. 75 

eu diaL IX 3, 3: gut virtutetn instillat animis (so auch Koch 
fttr instituat), auch sprachlich wohl begründet. Auch die Kirchen- 
schriftsteller behielten die bezeichnende Wendung: Hieron. ep. I 
73, 5: universa fidis auribus instillanda sunt; Anonymus 
(M. 18/19) 71 B: innocentiae singularis instillata doctrina. 

Um das langsame Eintropfein des Öls noch anschaulicher 
zu machen, bildet sich Apicius 3, 95 das Kompositum subinstillo. 
Die übrigen Zusammensetzungen sind spärlicher belegt. 
Man liest perstillo außer den bei Georges erwähnten Stellen 
der Yulgata prov. 19, 13 tecta perstillantia; eccl. 10, 18 
per still abit domus noch bei Hieron. epist. et verb. s. Pachom. 
HI 86, 88 C: per still at domus, im Sinne von „durchtropfen 
lassen", " während Augustinus de civ. Dei XXII 11 p. 586, 15 
nuUa eins per still ante parte von dem durch das cribrum durch- 
sickernden Wasser spricht. 

Das intransitive restill o „zurückträufeln" kennen wir nur 
aas Prudentius c. Symm. II 287: decoquat in massam fervens 
strictura securem rursus et ad proprium restillet vena tnetallum. 
Es hat demnach geringe Wahrscheinlichkeit fQr sich, das Wort 
schon an der oben besprochenen Stelle bei Cic. ad Att. IX 7, 1 
in den Text zu setzen. 

Transitiv ist das bisher den Wörterbüchern unbekannte 
«ubterstillo „unten anträufeln" Vegetius III 7: testes subter- 
ttillatis cauteriis urito. Es bildet den Gegensatz zu super- 
itillo, welches Georges aus Apicius IV 67 belegt; dasselbe 
steht Oribasius Syn. V 20: mel super stillatur; VII 46: detcrge 
«ton ragadas et superstillas (versio altera: detergis ante ragadas 
4 sie superponis). 

War in diesen Substantiven und Verben immerhin noch die 
deminutive Bedeutung ursprünglich bestimmt fühlbar, so ist sie in 
3) ancilla — ancillor mindestens sehr zurückgetreten. Mit 
Berufung auf ancus — anculus u. dgl. hat man das Substantiv um 
freilich als eine deminutive Weiterbildung erkannt, vgl. die Zu- 
sammenstellungen bei Vanicek I 3*, aber diese eigentliche Be- 
deutung wird kaum irgendwo greifbar nachzuweisen sein. Es 
war daher gewifs nicht überflüssig, noch ein Deminutivum des 
Deminutivum zu bilden, ancillula zu ancilla (vgl. Wölfflin Philol. 
34, 8. 154). In beide aber ging etwas von dem Affekt des 
Redenden über, der nur hier nicht, wie bei vielen ähnlichen 
weiblichen Geschlechts, freundlicher Art war, sondern das Kleine 



76 A. Funck: 

oft mit Geringschätzung behandelte. Daher nennt Sallustius 
z. B. den knechtischen Fufidius hisi fr. I 41, 21 eine ancilla 
turpis; und ehrerbietig ist es auch nicht eben, wenn Cic de or. 
I 55, 236 sagt: istam iuris scientiam tamquam ancillulam pedise- 
quamque adiunxisti; vgl. auch de fin. II 21, 69: iubebat eos . . secum 
ipsos cogitare pictam in tabula Voluptatem , . . praesto esse virtutes 
nt ancillulas e. q. s. Dieselbe Wahrnehmung wiederholt sich 
nun bei dem Verbum ancillor (vgl. famulus — famulor). Die 
Glossen beschäftigen sich öfter mit demselben: cod. EpinaL. 
ancillatur: adulatur; gloss. Abavus ancillari: humiliter servire; 
Philox. 16, 16: ancillor: xokaxsvo] Gloss. Vet. (angeführt bei 
Oehler ad Tertull. apol. 17 p. 183) tyyoiKoxevco ancillor, adsecto, 
adulor; ebenso Beda Gr. Lat. VII 263, 13: ancillor, blandior et 
adulor unum significant, quod est graecc xoXaxevct) et dativum 
trahunt, und wegen dieser Verbindung mit dem Dativ hat es 
auch bei Charisius 294, 6: ancillor magistro neben adsentio, und 
bei Diomedes 313, 22: ancillor amico neben adulor und blandior 
seine Stelle gefunden. Das Wort schien also schon den alten 
Gelehrten besonderer Erwähnung wert, und diesem Umstände 
verdanken wir auch die Erhaltung seiner ältesten Belege durch 
Nonius, welcher dem ancillantur pro serviunt p. 72, 1 f. eine 
Stelle aus Attius (Ribb. 442) beifügt: quam inuita ancillans, 
dich oboediens uiri, und eine zweite aus Titinius (ß. 72): verum 
enim dotibus delcniti nitro etiam uxoribus ancillantur. So werden 
also die Pantoffelhelden zum Range der ancillae herabgedrückt. 
An die oben erwähnte Cicerostelle, wo ancillula mit pedisequa 
verbunden war, erinnert Ps.-Cic. invect. in Sali. 4, 11: non enim 
itni privatim ancilla tu s sum neque me addixi. Plinius n. h. II 
99 (213) bezeichnet dann die Abhängigkeit der aestus maris 
von den Gestirnen, indem er sie ancillantes sideri avido nennt 
Einen Beleg zu dem humiliter servire der gl. Abav. giebt die 
Zusammenstellung mit subservio bei Apul. d. Plat. I 13 (G. 75, 11): 
cetera membra ancillari et subservire capiti (vgl. auch bei Arnob. 
adv. nat. VII 13: ancillatum seruuli pauibundis trepidationibus 
imitatus); der anderen Erklärung mit adulor aber steht am 
nächsten die Stelle aus dem Panegyricus Pacati Theodosii dictus 
paneg. lat. XII 2 (272, 21): tristis illa facundiae ancillantis 
necessitas. Auch den geistlichen Schriftstellern war das Wort 
nicht ganz fremd. Zu lob IV 9: vidi eos qui operantur iniqnir 
tatetn — flaute Deo perisse et spiritu irae eius esse consuntptos 



Die Verba auf -illare. 77 

heifst die Expositio interlin. Hieron. III M. XXIII 1413 D: 
operanies iniquitatem scimus ancillante iracundia deperisse; das 
bedeutet doch wohl „mit dienender Hilfe des göttlichen Zornes". 
Ob man zu dem ganz vereinzelten exancillata bei Tertull. 
apol. 17 p. 183 ein Deponens exancillor ansetzen soll, scheint 
mir nicht so ausgemacht; wie bisher angenommen ist. Die Stelle 
heilst: quae (sc. anima) licet carcere corporis pressa, licet institutioni- 
bus pravis circumscripta, licet libidinibus et concupiseentiis evigorata, 
licet falsis deis exancillata, cum tarnen resipiscit . . . et Sanitätern 
SHam patitur, deum nominal. Alle vorhergehenden Participia sind 
passivisch; Deponentia oder auch nur Intransitiva, in welchen, 
um einen Ausdruck von Georg Curtius zu gebrauchen, ex als 
Exponent der Zeitart, hier also der ganz vollendeten Handlung, 
gebraucht wäre, wufste ich mit Bestimmtheit nicht zu nennen 
(höchstens emorior?). Liegt es da nicht näher, an ein im An- 
schlufs an edomare gebildetes Transitivum exancillo „dienstbar 
machen" zu denken? 

4) Darf man cavilla — cavillor unter die deminutiven 
Worter rechnen? Die Etymologie, bietet hier keinen sicheren 
Anhalt. Georges bringt cavillus mit cavus zusammen und er- 
klärt „das leere, nichtige Gerede"; allein zu solcher Verwendung 
des Adjektivs fehlt bei ihm selbst ein sicher zutreffender Beleg; 
auch ist für die gewöhnliche Verwendung der Wörter das Hohle 
nicht besonders bezeichnend. Die noch von Schwabe a. a. 0. an- 
genommene Zurückführung auf calvSre, über welches Löwe Prodr. 366 
handelt, findet sich zwar schon bei Prise. VIII 76; allein selbst 
^"onn man gr. Ixxaykog für ixitkaykog und ähnliches für sicher 
halten wollte, wäre solcher Ausfall des 1 wegen des folgenden 11 
**x& Lateinischen, das doch ruhig calculus u. dgl. sagte, ganz un- 
e *""^riesen und hier um so weniger glaublich, als gerade das 1 in 
^Älumnia erhalten ist Es scheint, dafs dem Wortstamm nahe 
Verwandte auf lateinischem Boden überhaupt fehlen, und so 
^ixd man desto lieber auf Ficks Zusammenstellungen aus andern 
•tischen Sprachen eingehen (wiederholt bei Van. 1118), von denen 
Z^nd ^kutara neckisch, gr. %ava% xdßcc%' itavovQyog Suid. wohl 
*i^ nächstliegenden sind. Allen diesen Erklärungen ist das ge- 
meinsam, dafis cav- als Stamm -ill, als deminutives Suffix gefafst 
w ird, und in der That pafst das Deminutive zu der gewöhnlichen 
Bedeutung des cavillari, da der cavillator ja nicht durch grofse 
Schläge, sondern durch kleine Stiche den Gegner angreift. Aber 



7* A. Fcack: 

»elbst jene kürzeste Form des Substantivs ist weder häufig noch 
gUrichmalsig bezeugt. Cavilla liest man Plant. Aulul. 638 G.: 
anfer ca Hill am. bestätigt tob Osbernas p. 121, A. Hai Class. 
aact. VIII 121: da an bei Mart. Cap. IV § 423: quid cauilla 
taewusf: bei Placidus 27. 3: cauilla. cauillatio: mit dem ans 
Paulas ex Fest. 46, 10 bekannten cavülom patzte Apuleias met 
I 7 seine gesuchte Bede auf, doch ohne zur Sicherheit über das 
Wort zu gelangen: denn II 19 steht cavillus: ein paar Belege 
des Ablativ auf -o führt Georges ans Aar. Vict. epit an (9, 44; 
23. 6)i zu der Stelle aus Iolian ap. Aug. op. impf. c. IoL III 50: 
cacillo . . Müdere kommen noch ebda. Augustinus: quod verum 
audis, non rocabii catillum in einem Wortspiel mit cave illum~ 
III 149 Iulianus: cacillo tecum agL Weitere Stellen sind mir- 
nicht bekannt: dagegen kennt schon die alte Komödie das spateir- 
oft gebrauchte cavillatio, z. B. Plaut Stich. 226. — Das Verbann 
cavillor gab schon den alten Giossensammlern Anlab au Be — 
merkungen, von denen Oehler zu TertulL de res. carn. 21 die aa.d 
die aktivische Nebenform bezüglichen anführt: Maii Auctt. Clasa* 
tom. VIII p. 121: ,jst inde catillo. as #. contendere, unde caviUm.— 
tor* m cett. et iterum ibid. p. 145: r cavillare, contendere. disputan^ 
litigare. iurgare." Cf. Gloss. Isidori ap. Du Cangium s. v. cavil- 
lare. Ouoniasticon Graeco-Latin. ed. Vulcan. p. 22: .,caville>, 
Goyilofiai''. Soweit Oehler. Sichere Beispiele der aktiven Form 
oder auch des Passivs sind spärlich. Auch für jene Tertulliao- 
stelle: per quae promulgatio maiorum cavillatur, findet Oehler 
unter Berufung auf c. 35 (so, nicht 36): de mterpretatione corporis 
quaestio cavillatur, das Deponens glaublicher, wohl in der Be- 
deutung von aoyi&öd'ai. Das passive Participium steht aber 
unzweifelhaft bei Apuleius met. III 19: invicem cavillatus ißr 
quam; IX 28: hlanditie cavillatum ducebat Hier aber beruht 
die Voraussetzung eines aktiven cavillo nicht wie so oft (*$• 
Dräger, Hist. Syut. I 156 f.; nur auf dem Ptcp. Perf. Pass.; m«n 
liest ein wirkliches Aktivum bei Ven. Fortun. Vita Mart. II 241: 
cuius modo verba cavillant und bei Prise. VIII 76: ry calvo cd- 
villo 1 ' pro , } calvillo u . 

Die weitaus gebräuchlichste Bedeutung „sticheln, bespottein' 1 
laust sich nun teils an dem Verbum, teils an seinen Ableitungen 
wie cavillator, cavillatio, von frühester bis spätester Zeit durch 
die Litteratur verfolgen; noch Aldhelm sagt p. 76: infami elogü 
cavillantes; p. 95: ironia . . cavillabatur; und damit auch de* 



Die Verba auf -illare. 79 

klassische Zeuge nicht fehle, seien aus Cicero nur angeführt: ad 
Att. II 1, 5: cum ipso cavillor ac iocor; de or. III 31, 122: aut 
trriclentes oratorem cavillantur. Die Zusammenstellung mit iocor 
und irrideo ist zugleich bezeichnend für die Bedeutung. Der 
transitive Gebrauch herrscht bei weitem vor; die Verbindung 
mit cum reiht sich den anderen bei Dräger H. Synt. I 639 auf- 
geführten an, in denen „das reciproke Verhältnis ein trennendes 
oder feindliches ist". Ein weiteres Beispiel dafür ist Sueton 
Titos 8: cum populo . . cavillatus est; Georges führt noch Livius 
als Gewährsmann für diese Verbindung an und Cicero für in 
c AbL 

Schon die oben erwähnte Übersetzung v. 0og>t'£o/iai durch 
cavillor kann dann auf eine aodre Wendung der Bedeutung hin- 
weisen, welche längst an mehreren Stellen beobachtet ist. Sie 
vermittelt sich leicht mit jener bekannteren, wenn man als 
Grundbedeutung der cavillae „Reden, welche nicht ernst gemeint 
sind" ansetzt; sollen sie nur die Wahrheit verhüllen, so sind es 
e ben Sophismen; richten sie aber ihre Spitze verletzend gegen 
e inen anderen, so hat man die Stichelei. Wie nahe beides bei 
e ixiander liegt, zeigt z. B. die Stelle Sen. de ben. VII 4, 8: in- 
***merdbüia sunt, per quae cavillantur, cum pulcherrime, quid a 
«oftis dicatur, inteUegant; hier pafst sowohl „necken", als auch 
»in Sophismen sich ergehen". Ahnlich Iulian ap. August, contra 
h*l. I 85: tu utrum vis hie simpliciter confitere et cavillari desine 
(eemBo Hindere steht III 50). Vgl. cavillator Seneca epist. 102, 
20- und besonders ep. 111, wo als passendste Übersetzung für 
sophismata aus Cicero eben cavillationes genannt wird. Wo 
Cicero das Wort so gebrauchte, wissen wir nicht; Or. II 54 
Technet er die cavillationes unter die facetiae; aber Quintilians 
iuris cavillationes VII 4, 37 sogut wie seine verborum cavillatio 
X 7, 14 (vgl. auch VIII 6 ; 2) und die cavilla des Martianus Ca- 
pella IV 423 sind auf die Sophisten unter den Rechtsgelehrten 
und Dialektikern gemünzt Den Juristen schiebt sie auch Ulpian 
dig.50, 16, 177 zu: natura cavillationis . . . haec est, ut ab evidenter 
teis per brevissimas mutationes disputaHo ad ea } quae evidenter falsa 
*art> perducakir. 

Das Verbum gebrauchte wohl zuerst Livius III 20 in diesem 
°ume: cavillari tum tribunos; die Tribunen trieben hier wahr- 
fch keine facetiae; durch Ausflüchte, zu denen die Religion her- 
zten mufste, suchten sie die Heeresfolge zu verhindern: sed 



80 A. Fonck: 

nondum haec, quae nunc tenet saeculum, neglegentia deum venerat: 
nee interpretando sibi quisque iusiurandum et leges aplas faciebat — 
fährt der Geschiehtschreiber fort. — Ob der historische Schuster 
des Apelles bei Plin. nat. bist. 35, 10, 85 sich die Aufforderung, 
ne supra crepidam iudicaret, durch harmlosen Spott, oder durch 
peinliche Klügelei — cavillante circa crus — , zugezogen hatte, 
ist schwer zu sagen; da der Maler sonst vom Publikum viel hin- 
nahm, so weist des Plinius indignatum prospexissc vielleicht darauf 
hin, dafs der Schuster wirklich in anstößiger Weise genörgelt 
hatte. Völlig gesichert ist die Bedeutung „in sophistischer Weise 
behaupten" Plin. n. h. 11, 267: stridorem cum dentibits fieri ca- 
villantur; ferner Ulpian dig. 38, 17. 2 §44: si verba cavillatus 
imputaverit matri, cur e. q. s*) 

Ganz besondere Berücksichtigung verdient die Sprache Ter- 
tullians. Zwei Stellen de res. carn. 21 und 35 sind bereits oben 
erwähnt. Zu ihnen stellt sich de an im. 34: non fallens, non 
caviHabundus; aus dieser Berührung mit fall er e erklärte schon 
Salmasius die Stelle de pall. 2: fmtium venae cavillando 
sc. mutant durch fallunt in officio suo fluendi cbuUicndiquc eavür 
Tanten. Nun sagt aber Tertullian auch de coron. 11: omnibus 
modis caviUandum, ne quid adeersus deum committatur, und der 
offenbare Anklang an caveo, auf welchen Sinn und Konstruktion 
hier hindeuten, hat zu der gewifs falschen Ableitung des Wortes 
von caveo verleitet, welcher schon Müller zu Festus 45, 14 ent- 
gegentritt. Trotzdem mag Tertullian selbst hier an cavere gedacht 
haben, und der Sinn sein „zu verhüten suchen". Vielleicht pafst 
diese Bedeutung auch am ehsten de pudic. 10, wo vom Propheten 
Ionas in Bezug auf Ion. III 4: clamarit et dixit: Adhuc quadra- 
ginta dies et Ninive subvertetur gesagt wird: cavillaretur in prae- 
dicatiotiis officio) etwa „er warnte"? 

Das Kompositum in ca vi Hör wird in einer Glosse bei Mai 
Class. auet. VII 564 erklärt: incavillatur inderidetur (inridetur, 
deridetur Müller zu Festus 107, 16 s. v. incavillatio per despeo 
tum irrisio)) die Übersetzung führt zu einem aktiven incavillo. 
Das Deponens schreibt Hertz im Lemma Gellius V 5: cuius modi 
ioco incauillatus sit Antiochum regem Pocnus Hannibal. 

5) Zu dem aus Varro und auch sonst bekannten furcilla 

*) Wohl auch Hieron. ep. 98, 6: seetatores cavillantur et garriunt, 
Rowie ep. 38, 6: cavillentur vafriora licet, vgl. Sen. ep. 111, 2: cauilla- 
tiones . . quibm quisquis se tradidü, quaestiuneulas vafras nee t it. 



Die Verba auf -illare. 81 

(v. furca „Gäbelchen'') findet sich bei Plautus ein Verbum fur- 
cillo. Aus Varro R. R. I 8: süb eam (sc. viteni) . . subiciuntur 
e surculis furcillae wissen wir, dafs die Pfahle, deren man sich 
besonders in waldreichen Gegenden zur Stütze der Weinst'öcke 
bediente (vgL Hehn, Kulturpfl. u. Hausth.* S. 70), auch furcillae 
genannt wurden. Offenbar beruht auf dieser Beziehung Georges' 
Erklärung „stützen". Die Worte des Pseudolus v. 631. Vac tibi: 
tu inuentu's uero, meatn qui für etiles fidem. Quasi non mihi 
seseenta tanta soli soleant creäier, würden dann den bedenklichen 
Harpax in dieser Form trösten: „du bist freilich der erste, der 
meine Zuverlässigkeit erst noch stützen will/' Das ist nun aller- 
dings recht künstlich; Harpax stützt ja doch zunächst eigentlich 
nicht die Glaubwürdigkeit des Erzschelms, sondern erschüttert 
sie vielmehr durch seine Zweifel. Diese Bedeutung gewinnt 
Lorenz aus der Placidusglosse: adfurcillavi: subrui, labcfactavi, 
coneussi; den Ursprung des Wortes läfst er dahingestellt, während 
Georges affurcillo aus ad und furcilla zusammensetzt und daraus 
nicht, wie man bei seiner Deutung des furcillo erwarten mufs, 
den Sinn „anlehnen", sondern das Gegenteil, eben jene Erklärung 
des Placidus entwickelt. Das scheint mir unmöglich. Sollte aber 
nicht folgendes denkbar sein? Die furcillae dienten gar nicht 
blofe zur Stütze, sondern waren gelegentlich höchst unbequeme 
Angriffswaffen. Von den furcae weifs das jeder, seit Horaz den 
Vers: naturam expellas furca, tarnen usque recurret (ep. I 10, 24) 
niederschrieb. Die kleinen furcillae waren aber nicht harmloser 
(Müller z. Pestus 88, 17 s. v. furcilles: in . . terribilibus rebus 
sermo hominum ludere assolet); nicht nur schreibt von sich 
Cicero ad Att. 16, 2, 4: furcilla extrudimur; sondern bei Gatull 
105, 2 jagen die Musen den Eindringling — mentula — mit den 
furcillae von ihrem Berge: musae farcillis praeeipitem eiciunt Ist 
danach nun einem Plautus nicht wohl ein furcillo zuzutrauen im 
Sinne von „mit der Heugabel zu Leibe gehen, plump angreifen"? 
Die Weiterbildung mit ad würde dann entweder das Aggressive 
noch mehr hervorheben oder wie in addubito, in unserm an- 
stochern, angekränkelt und ähnlichen dadurch, dafs erst der Ansatz 
zu einer Wirkung bezeichnet wird, den Begriff des Simplex et- 
was abschwächen. Zu den Worten des Placidus pafst das viel- 
leicht noch besser. (Nachträglich sehe ich, dafs diese Deutung 
von furcillo bereits bei Forcellini mit angeführt ist: er sagt: alii: 
quasi furcillis abigere et reicere). 

Arohiv für tat. Lexikogr. IV. lieft 1. & 



82 A. Funck: 

B. Verba zu Nominalstämmen auf -illo. 

Es lassen sich hier zu einer kleinen Gruppe diejenigen 
Verba zusammenfassen, welche eine dem Auge oder Ohre auf- 
fallende lebhafte Bewegung schildern; das Deminutive erscheint 
darin insofern gewahrt, als nicht grofses Getöse, heftige Er- 
schütterungen, sondern kleinere Schwingungen zum Ausdruck ge- 
bracht werden. Wer dächte dabei nicht gleich an jenes oscillare, 
das durch franzosische Vermittelung auch uns zugekommen ist? 

l)oscillum — oscillo „schaukeln". Die Sammlungen haben 
für diese Wörter gar nichts Neues ergeben; ich begnüge mich 
daher mit kurzem Hinweis auf das Bekannte. Von den in neuerer 
Zeit angenommenen Etymologieen ist keine ganz gesichert. Georges 
geht bei dem Nomen von dem Verbum aus und setzt das selten 
und zum Teil unsicher belegte cillo (eilleo?) mit ob oder obs zu- 
sammen; so käme man etwa zu oscillo „sich entgegen bewegen" 
oscillum „das sich entgegen bewegende''; die Zusammensetzung 
mit ob ist freilich für die Schaukel und das Schaukeln nicht grade 
besonders zutreffend.*) Georges trennt von diesem oscillum das 
gleichlautende Deminutivum von os, und eben dieses bildet die 
Grundlage zu Corssens Deutung Kuhns Ztschr. XV, 156. Da 
nämlich beim Bacchusdienste kleine baumelnde Püppchen erwähnt 
werden, welche bei Vergil Georg. II, 389: oscilla ex alta suspen- 
dunt mollia pinu oscilla heifsen, so würde dann oscillum weiterhin 
jedes Baumelnde, Schaukelnde bezeichnen. Die Schwierigkeit 
dieser Erklärung liegt darin , dafs nicht zu erweisen sein wird^ 
ob das, was bei dem oscillum „Püppchen" ursprünglich dochw 
etwas Accidentielles war, nämlich die baumelnde Bewegung^-? 
bleibend und augenfällig genug war, um zur Hauptbedeutung zi 
werden. Die Belege für das Verbum sind folgende: Santra apu< 
Festum 194, 9 u. 10: oscillum Santra dici ait } quod oscillent 
id est inclinent, praeeipitisque afferantur. oscillantes, ait Conti* 
ficius, ab eo quod os caclare sint soliti personis propter vereeundiat 
qui eo generc lusus utebantur. — Schol. Bob. in Cic. pro Plane 9^ 
p. 256, 4: ipsis diebus ideo oscillare instituenmt, ut penduli^^ 
niachinis apitarentur. — Endlich im Passiv (oder Deponens?^ 
Mythogr. Lat. I, 19: oscilla dieta sunt ab co } quod in his oscil- 
larentur } id est moverentur ora. 

*) Schwabe: nonne „oscillo 14 ab „obscieo" derivandum? cf. „os-tendo 
= obs-tendo", citus, cito wird sich die Bedeutung ähnlich zurechtgelegt 
haben; ein obscieo scheint aber nirgends belegt. 



I 

l 



Die Verba auf -illare. 83 

2) Ob murmurillo hierher zu stellen ist, mag man be- 
iweifeln. Es YsSat sich ebensowohl unmittelbar von dem Yerbum 
nmrmuro herleiten, wie an das Deminutivum murmurillum an- 
knüpfen. Offenbar sind beide Deminutivbildungen Augenblicks- 
gebilde des komischen Dichters; das Substantivum liest man Plautus 
Rudens 1404: palam agc, nolo ego murmurillum neque susurrum 
fieri; das Yerbum führt Nonius 143, 2 aus demselben Schrift- 
steller an: quid murmurillas teeum et te discrucias? Bei For- 
cellini finde ich noch: „Onom. Gr. murmurillo vnoxov&oQifa." 

3) Aus der Anthologie gehören dann wenigstens dem äufseren 
Klange nach ein paar Wörter von Vogelstimmen hierher. Wie 
der grillus grillat 762, 62, so gracillat 762, 25 oder cacülat, wie 
andere lesen, die gallina; gallinae cacillant auch bei Aldhelm 
p. 303. Zu letzteren fehlen die Substantiva. Übrigens sind 
Worter mit einfachem 1 viel gebräuchlicher, um die Stimmen der 
Vogel zu bezeichnen, z. B. 762, 17; turdus trucilat; 762, 13: me- 
lius einssilcU; 733, 11: müvus iugilat. Wackernagel, Yariae voces 
anim. p. 23 ff. 

4) Mit dem bekannten Deminutivum catillus „Tellerchen" 
hingt höchst wahrscheinlich das seltene Verbum catillare zu- 
sammen. Papias erklärt es mit deglutire vel sonare ut cattdus; 
die erste Bedeutung pafst an der ältesten Stelle, wo es erhalten 
ist Plaut Casin. III 2, 22 ist, wie mir Prof. Goetz freundlichst 
Butteilt, statt des catülae. tum alter Ausgaben im Codex Vetus 
und Ambrosianus überliefert: cperam uxoris polliceor foras quem 
totillatum „zum schleckern, tellerlecken". Zur Bestätigung 
dient Fulgentius expos. serm. ant. XVII ed. Lersch: Quid sit 
totillare. Catillare dicitur per alienas domos infrontote girare. 
o cakdis tractum quod per omnes domos circumeant. Unde et pro- 
poiius. Ca tili ata geris uadimonia. publicum prosttbulum. et 
fkutus similiter ait. Quin tneam uxorem mittom catillatum. 
Die Deutung hängt augenscheinlich mit der gewifs unrichtigen 
Etymologie von catulus zusammen. Die unter dem Namen des 
Properz beigebrachte Stelle weist Lersch nach Form und Inhalt 
mit grofserer Wahrscheinlichkeit einem Komiker zu; an Plautus 
*u denken, will mir nach der Art, wie derselbe gleich nachher 
&eu eingeführt wird, nicht recht annehmbar scheinen. Verfasser 
*ie Erklärung der Stelle bleiben ungewifs. Soll man etwa 
cttillata im Sinne der unten genannten Festusstelle mit „ver- 

prafst" übersetzen und an einen oder eine denken, die Biirgschafts- 

6* 



84 A. Funck: 

geldcr verjubelt? patrimonia für vadiinonia würde dann freilich 
besser passen; devorare patrimomum kennt man aas Cicero. 
— Von dem deminutiven Ursprung des Worts ist noch ein 
Niederschlag in der despektierlichen Bedeutung des „leckern" zu 
spüren. Ist auch das Verbum selbst nur schwach bezeugt, so 
fehlt es ihm doch nicht an Ableitungen, welche die Verwandt- 
schaft auch mit den catillones (Löwe Prodr. 321) nicht verleugnen. 
Ich führe nur aus Georges wieder an: catillatio „Leckerei" Gloss. 
Labb.; dann bei Festus p. 44 übertragene catillatio grave oppro- 
brium Iwminibus generosis obiieiebatur, si qui provincias amicas po~ 
pult Romani exspoliassent, also „das Aussaugen". Zu der ebenda 
genannten Stelle aus Arnobius (M. 50, 1249) für catillamen: 
catillaminum inseeta de morc y kommt noch p. 880: catilla- 
menta, beides in Bezug auf Leckerbissen gesagt. 

Ist es bis hierhin doch noch gelungen, meistens eine deut- 
lichere oder schwache Spur der deminutiven Bedeutung auch iu 
den Verben zu entdecken, so ist darauf bei den folgenden wohl 
zu verzichten. 

5) Zu dem wohlbekannten bacillum führt Georges aus 
Notao Tiron. 115 ein bacillatur an von bacillo „prügeln". Es 
beruht hier auf einer einleuchtenden Verbesserung für vacillatur; 
vacillo ist in der That oft seinerseits mit b überliefert. 

6) sigillum — sigillo, frz. sceau — sceller. Von dem 
verschiedenen Bedeutungen des Substantivs ist in das Verbum. 
besonders die des Siegels übergegangen. Das Substantiv kennen, 
wir in diesem Sinne bereits aus Cicero Acad. II 20, 86: si in- 
cera centum sigilla Jioc anulo impressero; das Verbum ist erst aus* 
späterer Zeit bezeugt Die frühste Stelle in diesem Sinne ist* 
wohl Fulgentius myth. I praef. 8 M: intuemur arva, quibtis adkwr 
impressae bcllantium plantae muricatos (fptod aiunt) sigillaverunE 
gressus, hier die weitere Bedeutung „eindrücken". Sigillo „siegeln**" 
für das obsigno (seltener signo) der klassischen Zeit kann ich 
erst aus dem 6. Jahrhundert nachweisen; es steht überaus häufig 
in den Diplomata imperii bei Pertz, schon 5 17 a. 528; dann 7 2 a. 
546; 128 44 ca. 5(52; viel häufiger im folgenden Jahrhundert so- 
wohl hier z. B. 141 ^ a. 029, als auch bei Clodoveus (M. 87) 
602 A; Marculf form. 809 D u. öfter; Reg. Franc, dipl. ibid. 1307 B. 
1337 B; Reg. Langob. 1401 D, 1417 B. C; ferner bei Aldhelm 
p. 219, in den Formulae z. B. 318 3 * bei Zenmer ca. 826—30, 
und so konnte es denn iu die romanischen Sprachen hinüber- 



Die Verba auf -illare. 85 

wandern. Besonders häufig waren Wendungen wie sigillare 
praecepimus, iussimus, decrevimus. Einmal findet sich bei Marculf 
form. M. 87, 878 D dafür subsigillo (fehlt bei Georges). — 
Neben diesem Gebrauch stehen völlig vereinzelt aus älterer Zeit 
zwei andere Anwendungen: Apuleius met. II 19 erwähnt ein 
vttrun fahre sigillatum = sigillis (mit Bildern) ornatum; Ve- 
uantius Fortunatus aber wagt es, zu dem von ihm Y. Mart. IV 56 
in der Bedeutung „Kreuzeszeichen'' gebrauchten sigillum: fecit 
crucis ipse sigillum ein sigillare c. Acc. „das Kreuz vor jemand 
schlagen'' zu bilden: vita 8. MarcelL 10: draconcm sigillavit ille. 
Für dissigillo giebt es nur einen einzigen Beleg auf der 
Inschrift bei Brambach, Inscr. Rhen. 141: ni dissigilletis nive 
wtfetis opus; Bücheier, welcher die Stelle im Greifswalder Ind. 
lect. 1868/9 behandelt hat, erweist sowohl die Bedeutung „ent- 
riegeln" wie „des Bildes berauben" als möglich; in der ersteren 
Bedeutung ist bei Du Cange wenigstens dissigno aus Glossen 
belegt. 

Wenn es nun auch irrig wäre, zu den mehrfach überlieferten 
Adjektiven auf -atus wegen ihres Anklangs an Participia immer 
Verba auf -are zu erschliefsen, so mögen doch hier der Voll- 
ständigkeit wegen auch diese Formen erwähnt werden. Zu dem 
bekanntesten cap Hiatus (capillus) findet sich in späterer Zeit 
bei Audoenus (ca. 660) M. 87, 490 B ein circillatus wohl im 
Sixme von „gelockt": gerebat caesariem formosam et crinem quoque 
cvrcillaturn. Aus specillum „Spiegelchen" bildet Vopiscus Prob. 4, 
** «in specil latus „mit Spiegeln versehen" (Peter: specellatus), 
a ^fi papilla „Brustwarze" entsteht nicht nur papil latus „zitzen- 
föxniig" z. B. Anth. lat. 84, 3, sondern auch bei Plautus Mil. 1 180 
e 3tpapillato brachio, erklärt von Festus 79, 10: expapillato 
^"ac/kio, exerio; quod quum fit, papilla nudatur, Nonius 103, 2: ex- 
9<*pillato brachio: quasi usque ad papillam renudato. Plautus 
^filtte. Indes darf nicht verschwiegen werden, dafs die Über- 
lieferung an jener Plautusstelle wie in mehreren Glossen auf eine 
*ödere Form hinweist, zu der Placidus 41, 16: exf'abillauero 
xzeruero das Verbum bieten würde. Was hier das Richtige sei, 
hat auch Loewe prodr. 270 nicht zu entscheiden gewagt. 

Von fernerstehenden Bildungen verwandter Art seien hier 
*&r aus Georges pociUator (pociUum) „Mundschenk" und ptigillator 
(pHgülus) „Briefbote" angeführt, sowie von Verben lapiUisco (7a- 
päks) „steinhart werden" und pastillico (pastillus) „die Gestalt 



86 A. Funck: 

eines Kügelchens haben". Andres der Art findet man in den 
obengenannten Schriften, besonders bei Kessler Ste. 27 f. — Ferner 
will ich auch nicht unterlassen auf die Denominativa auf -ello 
zu Substantivis auf -ellum, -ellus, -ella hinzuweisen. So gehört 
zu cribellum „kleines Sieb" cribello nebst excribello „durchsieben", 
zu cxdtellus „Messerchen" cultelfo „messerförniig machen", zu fla- 
bellum „kleiner Fächer" flabello „fächeln" nebst conflabello „an- 
fachen" und inflabeUo „einhauchen", zu flageUum „Geifsel" das be- 
rüchtigte flagello „geifseln", zu novdlne „Weinschöfslinge" novelfo 
„neue Weinstöcke setzen", zu tesselüw „Mosaiksteinchen" tessdlo 
„mit Mosaik belegen". 

Von geringer Bedeutung sind die wenigen Verba zu Adjek- 
tiven auf -illus; deminutiver Ursprung ist nirgends deutlich er- 
wiesen. 

1) Von imbecillus gab es ein seltenes Verbum imbecillor 
„schwach sein". Georges belegt es aus Dosith. p. 60, 2 inbeciüor 
äöfravdi; Gloss. Labb. p. 29 a (unter äöfrevä); es kommt hinzu 
Gloss. Cyrill. p. 398: aa&evcb: Egroto, Lcmgueo, Morueo, Languesco, 
Inuccillor, Infirmor. 

2) Desto bekannter ist tranquillo zu tranquillus. Man 
liest es in eigentlichem Sinne bei Plinius n. h. II 234: omne sc. 
mare oleo tranquillari, ebenso vom Meere bei Augustin. de 
antichr.: faciet quoque multa signa . . mare turbari et subito tran- 
quillari; verwandt sind Soranus I 45: tranquillare nimietatem 
gcstatiommi; II 22: tranquillatae sunt febres; II 23: tranquil- 
lantur omnia. Wieder einmal ist die übertragene Bedeutung* 
älter bezeugt als die eigentliche; schon der Parasit Plaut. Capt. 106 
sagt: adulescens, quoius numquam uoltum tranquillaui gratiis^ 
wo die erregte Miene doch nur die Bewegung der Seele wieder- 
spiegelt, Cicero Topica 26, 98 verbindet es mit animos: ut auß=~ 
perturbentur animi aut franquillentur (vgl. Horaz epist. I 18, 
102: quid pure tranquillet) und diese Verbindung war noch im 
neunten Jahrhundert lebendig, Agobardus Am. epist. 2, II p. 151: 
gratia animum tuum tranquillat. Nepos Att. IV 5 läfst den 
Atticus tranquillatis rebus von Athen in das vorher von bürger- 
lichen Unruhen heimgesuchte Rom zurückwandern. Augustinus 
endlich ad fratr. in erem. 2 gebraucht es von dem der Welt ge- 
schenkten Frieden: quando sc. mali discordant, tum tnundus alir 
qualiter tranquillatur. Forcellini führt noch Augustin enarr. ps. 93, 
25 an und eine merkwürdige Stelle bei Hil^rius op. hist frgm. 



Die Verba auf -illare. 87 

III 25, wo das cessäbit mare a vobis der Vulgata Jou. I 12 ersetzt 
ist durch tranquillabit mare a vobis. Dieser intransitive Ge- 
brauch erinnert an dieselbe Verwendung von minuo z. B. Caes. 
B. Gr. III 12: minuente aestu. 

Mehr ist nicht gesammelt, doch ist vermutlich das Yerbum 
yoii manchen als nicht hergehörig unberücksichtigt gelassen. 

Zu dem aus ältester Zeit schon bekannten singillatim (vgl. 
Fleckeisen, 50 Art. aus e. Hilfsb. f. lat. Rechtschreibg.: singillatim 
besser bezeugt als singulatim), z. B. Plaut. Trin. 881: singillatim 
et pkeide percontabere, Cic. inv. I 30, 49: de unoquoque singil- 
latim dürfen wohl gleich an dieser Stelle die spärlichen Belege 
«nes singillo „vereinzeln, trennen" gestellt werden. Das Par- 
tizipium singillatus mit der Erklärung separatus kannte man 
schon aus Atto Polypticum bei Mai Gloss. nov. Lat. p. 64; aktive 
Formen sind erst aus der Earolingerzeit bezeugt: Poetae aevi 
Car. II 465, 1445; a te quid nunc me singillat sancta voluntas? 
467, 1557: hostem qui singillabit nocuos a sorte piorum. 

Um auch hier noch auf etwas wenigstens Naheliegendes zum 
Schlüsse hinzuweisen, sei daran erinnert, dafs zu dem Varronischen 
totullus bei demselben Sat. Men. 401 ein satullo (satullo goprago 
Onom. Lat Gr. bei Forcell.) kommt: carnes quibus satullem Cor- 
pora; während uns Festus 193 (a) 14 aus einem Komiker ob- 
satullo erhalten hat: obstrudent, obsatulent. Dies letztere, dem 
kein Adjektiv mit ob zur Seite steht, kann man auch gleich mit 
dem Terentianischen obsaturo zusammenbringen: Heaut 869: 
istius obsaturabere. 

Kiel. A. Funck. 



Penes.*) 

1 Penes (Probi de ult. syll. Gr. lat. IV 254, 13 K. p. dua- 
bus brevibus constat) proepositio cum acctisativo. Gloss. abavus 
penes: apud; ibid. p. arbitros: apud arbitros. Cyrill. p. 570, 43 
TtccQ 9 ifwl: penes me; ibid. 572, 11 itaQ* <p: p. quem; ibid. 594, 22 
itQog ipavxov: p. nie. Dosith. art. gramm. VII 413, 19 K. penes: 
ivtog. Festus (Paul.) 22, 9 M. Apud et penes in hoc differunt, 
quod alterum personam cum loco significat, alterum personam 
et dominium ac potestatem, quod trahitur a penitus. Isidor. differ. 
1, 57 (ed. Arevalo vol. V) p. possessionem significat Nequc sine 
casupotita advcrlii muntre fungitur (Probi instit. Gr. lat. IV 149, 25. 
Serg. explan, in Donat. IV 561, 20) nequc cum nominibus aut verbis 
componitur, id est, ut grammatici dicunt y casibus tantum servit, lo- 
qudis non item. Charis. 23G, 23. 237, 21. Diomed. 409, 1. Casui 
suo non ita adhaeret, ut duo verba unam orationis partem efficiant 
(Serv. in Donat. IV 442, 7. VII 413, 11), immo culco sui iuris est, 
ut non solum saepe nominibus, maximc pronomini relativo, post- 
ponatur } scd etiam longiore intewallo ab iis dirimatur. (Charis. 234^ 
16. Plaut. Aulul. 654 neque tui me quicquam invenisti penea.) 
Quas ob res Scaurus (Gr. lat. IV 562, 1) in enumerandis praepo- 
sitionibus cum accusaüvo coniunetis penes, utpote alienam ab anti- 
quiore vocabuhrum indogermanicorum gencre, ultimo loco collocavit 

2 Ab eadem radice haud dubie dueta sunt penus, penum f penu 
(Corp. inscr. lat. VI 10298 quidquid penus se venit. Collegium 
aquae 1; Corp. inscr. III 6441 defuneta penus colonia Sirmi = 
apud col.) penates, penitus, peneträre. Festus 250, 18 M. Penetrale 
sacrificium dicitur, quod interiore parte sacrari conficitur; unde 
et penetralia cuiusque dieuntur, et penes nos, quod in potestate 
nostra est. Cf. Mich, ßreal, Etymologies latincs. Memoires de la 
societe de linguistique. V. 1884. p. 431 sq. Itaque penes alqm esse 

*) Der ursprünglich deutsch geschriebene und anders disponierte Artikel 
wurde vor der Drucklegung im Einverständnisse mit dem geehrten Herrn 
Verfasser einer partiellen Umarbeitung unterzogen. Die Red. 



P. Hirt: Penes. 89 

dicUur, quod in inferiore parte aedium clausuni vel in sinn togae 
conditum est, item quod manu tenetur. Etsi igitur non necessario 
possidet, p. quem aliquid est, tarnen praepositio non solum loci signi- 
ficationi inservü, sed indicatur illud aul eius arbitrio permissum 
aut certe tutelae commissum esse. Plerumqtte coniungitur cum verbis 
esse aut habere aut synonymis, raro et maxime a scriptoribus aetatis 
aeneae cum verbis movendi. 

I. A. De pecunia aliisque rebus corporalibus. Plaut. 3 
Trin. 733 Honeste fieri ferme non potest, Ut eam perpetiar ire 
in matrimonium Sine (lote, quom eius rem p. me habeam donii 
(a patre ei commendatam Trin. 113); 1146 tbesaurum tuom Me 
esse penes; Aulu). 654 perscrutatus es Tuo arbitratu (pallium, 
tunicam, utramque manum), neque tui me quicquain invenisti 
penes; Capi 234 Quod sibi volunt, dum id inipetrant, Boni sunt, 
sed ubi iam p. sese habent, Ex bonis pessumi. Trucul. 858 vidi 
audivi quam p. est mea omnis res; 891 Manus vetat, priusquam 
p. sese habeat, quicquain credere. Ter. Adelph. 388 istaec iam 
p. tos psaltriast? Ellam intus, (i. c. non solum domi vestrac, 
sed in vestra quasi potestate, quia eius, qui conduxerat, voluntati 
parere debebat.) Claudius Quadrig. ap. Gell. 17, 2, 21 cum tantus 
arrabo (sexcenti obsides) p. Samnites esset. Cic. Verrin. 4, 67 
de ceteris operibus ex auro et genimis, quae sua p. illum essent; 
ibid. 3, 171 quod omnis frumenti copia p. istam esset redacta. 
Caes. civ. 1, 87 ut quod quisque eorum in bello amiserit ; quae 
aint p. milites suos, restituatur; 2, 20 quod p. eum est pecuniae; 
belL Alex. 70, 7 restitueret (Pharnaces) Romanis, quae p. eum 
essent. Sali. lug. 31, 9 p. eosdem et summam gloriam et maxi- 
mas divitias esse; 41, 7 p. eosdem aerarium promnciae magi- 
stratus; 31, 16 beneficia vestra p. optumos, non audacissumos 
forent. Propert. 4, 7, 57 di maris Aegaei Quos sunt p. aequora, 
venu. 

Livius 2, 24, 2 ut p. eosdem pericula belli, p. quos praemia 4 
essent. Curtius 8, 4. 22 eum, qui p. ipsum relinquebatur, tradit; 
3, 13, 3 quaecunque rex p. ipsum reliquisset. Petron. frgin. 12 
tot regum manubies p. fugitivum repertae. Quintil. 9, 3, 80 
neminem alteri posse dare in matrimonium, nisi p. quem sit 
Patrimonium. Statins Tbeb. 2, 430 te p. Inachiae dotalis 
regia dono Coniugis; 8, 308 (de Tellure) te p. et pecudum gens 
mitis et ira ferarum Et volucrum requies. Ps. Frontin. 4, 7, 22 
Pinarius praesidio Ennae praepositus claves portarum, quas p. 



90 P. Hirt: 

se habebat reposcentibus magistratibus Enneusium etc. Tac. hist. 

1, 76 provinciae . . . p. Othouem manebat (i. e. a partibus Othonis 
stabant); 2, 6 ne p. ceteros iniperii praemia, p. ipsos tantum ser- 
vitii necessitas esset; 4, 74 p. quos aurum et opes (Gallia et 
Germaniac, provinciae ditissimac)\ 5, 9 dum Assyrios p. et Persaß 
Oriens fuit; annal. 15, 54 praemia p. unum fere. De hoc usn 

' itide a tetnporibus Antoninorum cf. IL 

1 De rebus, quae moveri non posstint: Cod. Theodos. 10, 3, 5 

aedificia . . . p. municipes . . . collocata pcrmancant. Africanus 
Dig. 23, 3, 50 praef. ut fuiidus quasi sine causa p. inaritum esse 
coeperit, condicatur. Pompon. Dig. 36, 1, 74 (72) p. heredem fun- 
dum esse voluit testator. Paulus Dig. 39, 3, 9 sive remanserit 
(praedium) p. emptorem sive recesserit. Cod. lustin. 11, 59, 14 
rura p. eos, qui . . . excoluerunt, firmiter perdurabunt. Cf. ius 
fundi § 9. 

> B. Pencs deos hominesqtie dicuntur esse virtutes, quae iis in- 

sitae sunt et in animis eoruni insidcnt, quem usum tarn praeivit 
Plaut. Ainph. 653 Orania ad sunt bona, quem peuest virtus Sen. 
benef. 1, 3, 8 Chrysippus, p. quem subtile illud acumen est. Tac. 
Agr. 15 maiorem constantiam p. miseros esse; annal. 15,63 sit 
consi p. utrosque par. Cic. orat. 142 (eloquentia) eos ornat, 
p. quos est; nat. deor. 2, 79 quae (fides, mens) qui convenit p. 
deos esse negare? Heges. 5, 15, 88 p. paucos eminentia, p. plu- 
rimos mansuetudo. Zacchaeus Patrol. 20, 1141 B p. quem mi- 
sericordiae summa est. Coruif. 4, 5, 7 si putabit posse omnia 
(omnes virtutes oratoris) p. unum consistere . . . nee mirum quom 
ipse praeeeptor artis omnia p. unnm reperire non potuerit. Petr. 
Ckrysol. Patr. 52, 588 p. Deum pietas est Quintil. 12, 10, 36 
proprietas p. illos (Atticos) est certior, copia vincamus. Iul. 
Valer. 2, 30 (7) unum esse p. Graecos constabat, quod plus pru- 
dentia menti* quam valentia corporum posset. Laciant. instit. 

2, 13, 8 Hebraei, p. quos religio Dei resedit = epit. 43, 3. Petr. 
Chrysol. Patr. 52, 485 C ut audirent esse p. centurionem divini- 
tatis reverentiam, p. gentilem legis adtum, p. militem Stipen- 
dium gratiae, p. Komanum fidei doctrinam. Nazarii Paneg. X 15 
(p. 224, 23 B.) p. se sanetitatis famam stetisse. Chalcid. Tim. 
24 B p. quos venandi colendique ruris scientia; id. 22 C. August. 
epist. 102, 11 sc. p. ipsum (deum) est. Cassiod. Var. 164 (799 C 
Mig.) p. quem est scientiae magnitudo. Silius ltal. 6, 309 quem 
nunc p. est sollertia belli . . . cederet Hannibali. 



Penes. 91 

C. a) Penes deos est potestas earum rerum, quae eorum re- 6 
yimini subiectae sunt, p. homines aut p. perpetua aut in tcmpus tri- 
buta. Plaut. Trin. 820 Neptuno (gratias habeo) et fluctibus salsis, 
quos (cod. quoniam) p. fuit niei potestas. Cic. epist. 4, 7, 3 ei, 
p. quem est p. (Caesari); 9, 16, 3 de illo, quem p. est omnis p. 
Livius 8, 33, 17 populi, p. quem p. omnium rerum esset; 36, 11, 8 
Clytum praetorem, p. quem tum summa potestas erat; 37, 11), 5 
iis, p. quos p. fuerit. Val. Max. 7, 3, 2 p. eum summam urbis 
nostrae potestatem futuram respondit, qui ante omues matri os- 
culum dedisset. Sen. benef. 2, 29, 3 aliquis ea auimalia couparat 
nobis, quorum p. p. nos est? Tac. hist. 2, 39 vis ac p. p. Pro- 
eulum. 

Apul. d. Plat. 2, 27 alterum (genus) paucorum (civium), p. 7 
quos rerum est potestas; de mund. 27 (deum) maiestatem retinere, 
si ipse in alto residat altissimo, eas autem potestates p. omnes 
partes mundi orbisque dispendat, quae sint p. solem ac lunam 
cunctumque caelum. Paneg. habitus § 17. Lactant. instit. 2, 
7, 10 rerum p. p. unum est. Iulius Valer. 1, 46 (38) iiielinationis 
vis ac p. est p. superos. Vopisc. v. Taciti 1, 1 pontifices, p. quos 
scribendae historiae p. fuit. Hegesippus 2, 13 apud plerosque 
dignitas sola, p. paucos etiam ins potestatis fuit. August, de trin. 
12, 12 (Patr. 42, 1008 M.) illa mentis intentio, p. quam summa 
p. est membra in opus movendi. Oros. 6, 20, 2 summa rerum 
ac potestatum p. unum esse coepit. Petr. Clirysol. Patr. 52, 379 A 
p. quem (Christum) facti et efteetns permanet p.; 52, 414 A p. 
illum potestatem fuisse; 52, 402 D. 674 D hoino, p. te est p. ve- 
niae, in te est indulgentiae. Maxim. Taurin. Patr. 57, 698 C p. 
quem . . esse potestatem. Dionys. Exig. Patr. 67, 151 D p. ipsos erit 
p.; 67, 153 A p. episcopos erit p. Cassiod. psalt. Patr. 70, 90 B 
p. p. Deum. Codex Theodos. 8, 18 A p. p. patres maneat. Cod. 
lustin. 11, 63, 1 ius potestasque p. emphyteuticarios permaneant. 

ß) Simüiter imperia et iura. Cornif. 4, 34 imperium 8 
Graeciae fuit p. Athenienses. Cic. Verr. 5, 40 cum p. te praeto- 
rium imperium ac nomen esset; post. red. ad Quir. 21 diguitatem 
eins imperii, quod erat p. ipsos, vendiderunt; repbl. 1, 63 omne 
i. nostri p. singulos esse voluerunt. Nepos Them. 7, 2 p. quos 
(Lacedaemonios) summum erat i.; Eum. 11,3 Onoinarcho, p. quem 
summa imperii erat custodiae. Verg. § 15 decus. Livius 2, 2, 3 
L esse p. Collatinum; 3, 70, 1 summa imperii p. collegam erat; 
6, 37, 4 ubi i. p. illos (patres), p. se (plebem) auxilium tan tum 



92 P. Hirt: 

sit; 22, 45, 4 quod summa imperii p. Paulum fuerit; 27, 31, 10 
Cycliadas, p. euin summa imperii erat Cf. § 10. Seneca dial. 
4, 15, 5 imperia p. eos fuere populos, qui mitiore caelo utuntur. 
Val. Flac. 5, 14 quem (Tiphyn) cursus p. imperiumque carinoe. Tac 
an. G, 43 neque p. Arsaciden i., sed inane notnen apud imbellem 
externa mollitia, vim in Abdagesis domo. Tertull. apoL 24 i. sum- 
mae dominationis esse p. unura (deura), officia p. multos. lustin. 
1, 1 i. p. reges erat (= August civ. dei 4, 6); 41, 1, l Parthi, 
p. quos Orientis i- est. Aur. Vict. epit. Caes. 41, 1 imperii iura 
p. Constaiitinum deveticrc. Orosius 2, 13, 3 insigno imperii p. unum 
erat. Freculf. I 4, 10 p. unum esse i. 
9 y) Horat § 10. Livius 2, 29, 12 de tergo vitaque sua ius p. 

unum illum esse, cuius maiestatem violaverit. Sen. Phoen. 104 
i. vitae ac necis meae p. me est; id. Oedip. 249 tu (Phoebe), p. 
quem iura praecipitis poli. lustin. 39, 1, 9 nomen regis p. filium, 
ius p. matrem esset Pompon. Dig. 23, 3, 60 i. (fundi) remaneat p. 
maritum. Id. Dig. 1, 2, 2, 10 p. quos (consules) summum ius uti 
esset, lege rogatum est. Ulpian. Dig. 11,7,33 p. eum (heredem) 
iura sepulehrorum remaneant. Ambros. vol. III 949 Mig. ut p. su- 
perstitem ecclesiae iura permanercnt. Aur. Vict. epit. Caes. § 8. 
Cod. Theodos. 11,36,25 iure fuudi p. eum, qui appellaverit, con- 
stituto = cod. lustin. 7, 65, 5, 2. Cf. § 7. 
10 D. Ad idem genus pertinent: Tac. an. 6, 44 plurima aucto- 
ritas p. Abdagaesen erat. Chalcid. Tim. 42 D ne qua p. se re- 
siderct auctoritas: id. 42 E. Hör. art. poei 72 si volet usus, quem 
p. arbitrium est et ins et norma loquendi. Sen. benef. 1, 12, 1 
a. dandi p. nos est. Tac. Germ. 11 quorum p. plebem a. est; 
annal. 13, 56 ut a. p. Romanos maneret. Livius 6, 41,5 p. quos 
igitur sunt auspicia? nempe p. patres; 10, 8, 9 p. vos a. esse, 
auxilium § 8. Bened. Nurs. Reg. 55 haec consideratio p. ab- 
batem est. Cic. repbl. 2, 50 yeQovtag, quos p. summam consilii 
voluit esse (Lycurgus). Liv. 22, 25, 13 si p. se summa imperii con- 
siliique sit. Itiner. Alex. 4 aetas alterius p. te est, alterius vero 
consilium. August, civ. dei 10, 12 c. p. ipsum (deum) est; id. 
serm. Patr. 38, 534 M. de peccat. mer. 2, 18, 32 (Patr. 44, 170 M.)-, 
id. Patr. 42, 448 c. p. principem sit; id. Patr. 42, 445 ut p. Do- 
minum esset c. iubcndi, p. famulum obsequium. Freculf. 1, 3, 12 
c. p. senes esset. Symmach. relat. 25, 2 manenk p. Auxentiuin 
cura; Ennodius p. 213, 2 Vog. scis in te curam, p. deum per- 
fectionis esse substantiam. Lex Baiuwar. add. VI 3, 7 (Mon. Germ. 



Penea. 93 

Leg. III 475) viduarum inopum c. sit p. episcopum. Ovid. fast. 1, 119 
(de Iano) Me p. est unum vasti custodia mundi. Statius silv. 
1, 4, 16 quem p. intrepidae niitis c. Romae (cf § 8). Cod. lustin. 

9, 4, 1 cum p. quem officium custodiae est. 

August, civ. dei 7, 13 (Saturnus), p. quem sationum om-11 
nium dominatus est, qxtod idetn eodem capite Iovi quoquc 
vindicatur. Cf. Tertull. dominatio § 8. Ulpiau. Dig. 24, 1, 7, 8 
dominio p. se retnanente. Novell. Martiani 3, 1, 1 manentc p. suc- 
cessores eorum illibato dominio. Cod. Theodos. 11, 1, 14 = Cod. 
lustin. 11, 48, 4 p. quos fundorum dominia sunt. Cod. Theod. 

10, 17 — Cod. lustin. 10, 3, 5 = Frgm. Vatic. 37 (ubi Huschke 
perperam scripsit perpetui) ut perpetuo p. eos sint iure dominii, 
quibus res . . . fiscus addixerit. Isid. orig. 5, 25, 22 dominium 
(pignoris) p. debitorem est. Livius 3, 33, 8 fasces erant p. prae- 
fectum iuris; 9, 8, 2 Publius,p. quem f. erant. Festus 161* 31 
maiojrem consulem, p. quem f. sint. Cod. Theodos. 13, 10, 8 = 
C Iust. 11,47, 9 immunitates . . . p. fruentes . . redcant. Tac. 
Germ. 31 omnium p. hos initia puguarum. Hormisdae epist. 22, 2 
(Ep. pontif. ed. Thiel) p. quos causae plena esse posset instructio. 
Cic. leg. agr. 2, 52 p. Cn. Pompeium omne iudicium esse; id. 
de dorn. 130 p. quem (censorem) maiores i. esse voluerunt; id. 
Scaur. 1, 2 cum iudicia p. equestrem ordinem essent. Livius 
3, 53, 10 iudicia p. vos erunt; 23, 23,4 ne p. unum honiinem 
i. faerit; Liv.' perioch. 70, 2 equestri ordini, p. quem iudicia erant. 
Petar. Chrysol. Patr. 52, 627 B est p. Christum i. Rufin. bist, eccles. 
1, 17 iudicandi libertas p. accusatores erat. Livius 24, 4, 3 no- 
men regium p. puerum futurum; Tac. § 8. Iust. §9. obsequium 
§ 10. Censorin. de d. nat. 15, 5 officia p. te unum esse. Orientius 
1, 25 te p. o. nostri est et cordis et oris. Cf Tertull. § 8. Einhard. 
vit. Kar. 2 opes et potentia regni p. palatii praefectos tenebantur. 

Livius 34, 62, 13 p. eum possessionem fuisse, qui plus armis 12 
potuisset. Paulus toent. 1, 11, 2 p. possessorem p. rctnanct. Iulian. 
Dig. 41, 1, 37 pr. quam vis p. p. eum sit; 41, 5, 2, 2 naturalem p. 
p. eum fuisse. Cod. Theod. 10, 3, 3 p. eos imjem permanere pos- 
sessionem, quos etc.; ib. 11, 24, 6 pr. possessiones p. priores pos- 
sessores residebunt. Tac. an. 11, 28 quos p. potentia et formido. 
VaL Place. § 19. Tac. hist. 4, 2 praefectura praetorii p. Arrium 
Varum, summa potentiae in Primo Antonio. August, quaest. in 
heptat. 1,127 Nabuchodonosor, p. quem inveuitur primatus fuisse 
militiae. Cic Attic. 13, 19, 4 ut p. ipsum sit princiyatw^. 



94 P. Hirt: 

Solin. 11, 4 M. quorum (oppidorum) p. est p. Gortynani. August 
de trin. 3, 4, 9 (Patr. 42, 873 M.) si p. sapientes sit p. et regime* 
rerum humanarum. Cod. Iust. 11, 58(59) 11 p. eos proprietas 
possessionis intemcrata permaneat. Sen. ben. 4, 8, 2 ratio p. illum 
(Iovem) est. August de peccat mer. 2, 5, 6 p. ipsum (deum) est r. 
Liv. 3,33, 7 regimen totius magistratus p. Appium fuit; 4,8,2 p. 
eam (censuram) r. morum; 24, 4, 3 r. p. se virosque suos. Val. 
Max. 1, praef. te (Tiberium), p. quem hominum deorumque con- 
sensus maris ac terrae r. esse voluit. Tac. hist. 3, 5 principes, p. 
quos civitatis r.; anual. 1, 31 r. summae rei p. Germanicum; 15, 1 
Monobazus, p. quem Adiabenum r. August, supra s. principatus. 
Livius 29,31, 1 utrum p. Masinissam regnum esset Sen. epist 
90, 5 saeculo, quod aureum perhibent, p. sapientes fuisse regnum; 
üedip. 402 p. quem summa regnorum. nat. quaest. 6, 23, 3 Da- 
reum, p. quem tum maximum r. erat. lustin. 21, 1, 2 r. si p. 
unum reinansisset; 44, 4, 14 r. p. Geryoneni fuit Lact inst 2, 10,8 
regni sublimitas p. Saturnum fuit Oros. 2, 2, 6 partem regni p. 
se retinuerunt ühaldaei. Mythogr. Yatic. 1, 22 r. p. eum fataliter 
mansurum, qui arietem aurei velleris haberet = 2, 147. 
13 Uegcs. 2, 13,34 p. Alexandrum et regnum et sacerdotium 
mansit Tac. hist 2, 6 p. ipsos tantum servitii necessitas esset 
Plaut. Truc. 1, 1,4 Venus, quam p. amantum summa summarum 
rcdit. Cic. repbl. 1,42 eum p. unum est s. rerum, regem illum 
unum vocamus. Livius 35, 38, 1 p. quos tum s. rerum erat Vellei. 
2, 63 Lepido, cum s. virium p. eum foret Apul. mund. 30 unius 
ducis imperio tantus exercitus paret, quem praefecerit, p. quem 
est s. rerum. Sen. üed. 402 p. quos (pastores) constitü s. gregum. 
Petron. 55 s. carminis (i. e. summa inter poetas laus) p. Mopsum 
Thracem. Tac. an. 2,45 satis probatum, p. utros s. belli fiierit 
Jul. Val er. 3, 53, (20) Gandaules cum eius facinoris summam p. 
Antigonum collocaret. August civ. dei 7, 9 (ex Varrone) p. Ianum 
sunt prima, p. Iovem summa. Freculf. I 7, 15 s. rerum p. unum 
esse. Cf. § 5. 7. 8. 10. 12. Paulus Festi 5G, 5 clavis, cuius rei 
tutelam p. Portuuum esse putabant. Ulp. Dig. 24,4,3,5 t p. 
ceteros patronos est Livius 1, 43, 10 vis omnis p. primores civi- 
tatis esset Tac. hist 2, 39 vis ac potestas p. Proculum; 3,50 v. 
comiliorum p. Annium Bassum; 4, 39 v. p. Mucianum erat; 4, 55 
plurima v. p. Treveros ac Lingones. Cf. § 8. 18. Iul. Valer. 1, 
46 (38) inclinationis v. ac patestas est p. superos. Ulpian. Dig. 
33, 2, 9 beres, }>. quem usus fructus remanet 



Penes. 95 

E. Pariter laus, culpa, victoria, similia p. alqm esse 14 
dieuntur, quia quasi inhaerere putantur hominibus (cf. Ter. Hec. 
229 in te omnis haeret culpa; Cic. Verr. 3, 106), cum victoria 
etiam diccUur apud alqm esse, quippe quae eripi possit victori. 
a) Ter. Hec. 535 ego etiam illorum esse hanc eulpam credidi, 
quae te est p. Livius 4, 53, 5 eulpam p. Maeniuin fore; 5, 36, 10 
ne p. ipsos c. esset; 22, 44, 6 nullam p. se eulpam esse; 35, 33, 3 
p. Aetolos eulpam belli esse; 45, 10, 10 eulpam non p. populum, 
sed p. paueos concitores volgi esse. Sen. benef. 7, 18, 2 p. illum 
erit culpa, non p. me. Statius Theb. 11, 189 omnis c. malo- 
rum me p. Plin. ep. Trai. 30 (39), 2 p. eos c. est, qui etc. Quin- 
til. decl. mai. 9, 2 ne odii c. videatur p. patrem. Alfenus Dig. 
9, 2, 52, 1 eulpam p. eum, qui prior flagello percussit, residere. 
August, epist 154, 1 (Macedonius ad Augustinum) eulpam p. me 
remanere. Cod. Theodos. 6, 35, 10 eius officium, p. quod eulpam 
neglectae iussionis Jiaerere manifestum est. Codex Gregorian. 
14, 2, 1 (ed. Haenel) si p. te culpa fuit. — Tac. hist 1, 30 
prineipatus praemia, quorum libido ac voluptas p. ipsum sit, 
rvbor ac dedecus p. alios. Tac. an. 1, 44 p. eosdem saevitia 
facti et invidia erat. Salv. gub. dei 5, 8, 44 ut i. p. emptorem, 
inopia p. venditorem esse videatur. Tac. hist. 4, 81 patrati re- 
medii gloriam p. Caesarem, inriti ludibrium p. miseros fore. Li- 
vius 3, 42, 2 noxia p. milites. Quint. decl. min. 300 (p. 184, 15 R.) 
non semper erroris odium p. cognoscentes est. Val. Max. 9, 2 
praef. cum p. illam (crudelitatem) sit timeri, p. nos sit odisse. 
Plaut Poen. 1241 numquam . . . reperies tu istuc probrum p. 
nos. rubor, cf. stipra s. dedecus. 

ß) Verg. Aen. 12, 59 decus imperiumque Latiui Te (Tur- 15 
num) p. Livius 6, 25, 4 adversae pugnae in L. Furio eulpam, se- 
eundae d. omne p. M. Furium esse; 8, 38, 16 p. te equestre sit d.; 
9, 42, 4 belli d. p. alios est Val. Max. 2, 7, 7 XII fasces, p. quos 
summum d. erat Tac. hist. 3, 75 d. domus p. Sabinum erat 
Chalcid. comm. Tim. c. 225 p. quam est dignitas exemplaris. 
Cod. Theodos. 6, 26, 11 manente p. eos dignitatc; 7, 21, 3. Heges. 
§ 7. eminentia Heges. § 5. Sali, gloria § 3. Livius 3,68,3 
belli g. p. hostes est; 30, 24, 1 quia pacatae Italiae p. se g. 
esset; 44, 23, 6 civitatem, p. quam unam tum rei navalis g. esset. 
Stat. Theb. 5, 331 quem (tauruni) p. . . adultae g. gentis (i. c. 
aueti gregis). Constantinus epist. ad Porfyr. (p. 5 ed. Luc. Müller) 
cum p. primos faeundiae conditores g. tota resideret. Cf. §. 14, 16. 



96 P. Hirt: 

Tac. hist. 2, 39 honor imperii p. Titianum. Stat. silv. 2, 7, 5 
ipsi, quos p. est h. canendi. 

16 Cic. Brut 258 locutionem latinam, cuius p. quos laus ad- 
huc fuit, non fuit rationis. Livius 1 ; 57, 10 1. p. Lucretiam fuit; 
21, 46, 8 p. quem perfecti belli 1. est. Tac. an. 2, 52 p. alias 
familias imperatoria 1. fuerat. nomen cf. infra s. victoria. Sen. 
contr. 10, praef. 13 [p. Latronem gloria fuisset], p. Gallionem 
palma. Sen. benef. 5, 3, 3 p. neutrum erit p.; Epist. 83, 24 cum 
p. te p. fuerit. Itin. Alex. 9 laudis palmam p. regem fuisse. Liv. 
28, 41, 3 sicut p. C. Lutatium prioris Punici perpetrati belli ti- 
tulus fuit, ita p. te huius fuerit. Caes. b. Gall. 7, 21 p. eos 
(? Heller Piniol. 19, 496. Vielhaber Zeitschr. f. östr. Gymn. 1864. 
p. 39) summam victoriae constare. Livius 3, 24, 9 victoria p. 
tribunos fuit; 4, 50, 8 v. p. patres fuit; 8, 11, 7 victoriae nomen 
esse p. Romanos; 21, 52, 11 maior tarnen hostium [caedes, penes] 
Romanos farna victoriae fuit; 31, 49, 3 omnia praeter victoriam 
p. consulem esse; 42, 29, 9 si p. Romanos v. esset. lustin. 5, 4, 2 
v. p. Athenienses fuit; 41, 6, 6 v. p. Parthos fuit. 

17 F. Varia. Diomed. 336, 32 passiva est significatio, cum alio 
patiente p. alium sit administratio; 337, 7. aetas cf. § 10. 
Livius 28, 27, 11 causa atque origo omnis furoris p. auetores est 
luven. 14, 226 mentis c. malae tarnen est et origo p. te. Tac. an. 
4, 1 initium et c. p. Seianum; 4, 16 potissimam (causam) p. in- 
curiam virorum. Ghalcidius Tim. prooem. omnium bonorum con- 
mterc causam penes eam (virtutem). August, civ. dei 7, 9 hunc 
deum, p. quem sunt omnes causae. eultus legis § 5. August.de 
trin. 1, 3, 5 desideriuni nieum p. ipsum (deum) habeo. Cic. p. 
Mil. 60 hi centum dies p. aecusatorem cum fuissent. Append. ad 
Ambros. Patr. 17, 519 B quasi ecclesia p. ipsum sit. Paul. Dig. 31, 
1,4 p. eos hereditatis quaesitae emolumentum remanet. ctrror, 
cf. infra s. fremitas. Tac. hist. 2,47 p. me exemplum erit. August 
enchirid. 3 e. si est p. te. Stat. Theb. 3, 80 (de satellitibus duo- 
bus) hos regni ferrum p. Sali. lug. 17, 7 Fides eins rei p. 
auetores erit. Sen. quaest. nat 4, 3, 1 p. auetores f. erit; apo- 
col. 5 f. p. auetorem erit. Plin. nat. h. 17,93 f. p. auetores erit 
Vulg. epist. ad Roman. 14, 22 (Itala. Ambros. append. Patr. 17, 
180 A. Vincent, commonit. 22, 667 Patr. vol. 50) tu fidem habes? 
p. temet ipsum habe coram deo. Claudian. in Rufin. 1, 75 Me- 
gaera, quam p. insani fremitus animique profani error. 

18 Paneg. VI 15 (171, 27 B.) ut p. te habitus, p. illum pokstns 



Penea. 97 

esset imperii. Tac. an. 15, 14 iniagineui retinendi p. nos, r/m p. 
Parthos memorat. Paul. Digest. 46, 1, 67 iniuriam p. te manere 
quam ad alium transferri aequius est. Vulg. Proverb. 2, 1 man- 
data mea absconderis p. te. .Sidon. Apoll, epist. 4,21 materia 
sit p. pbysicos. Ambros. append. Patr. 17, 1001 B non remane- 
bit p. me memoria facti. Chalcid. Tim. 22 A sacerdotum, p. 
quos praecipua sit m. vetustatis. Gic. mens. § 5. Augustin. de 
trin. 12, 12, 27 ille quem p. primitus sunt omnium quae sunt 
inensurae, numeri et pondera. Caes. b. civ. 1, 76 p. quem quis- 
que sit Caesaris miles. Tac. hist. 2, 31 nulla ultra p. Yitellianos 
mora, quin certarent. Claudianus Mam. de statu an. 2,7 (p. 124,4 
Eng.) quod movetur p. scientem .. causas motus habet. Pane- 
gyr. Maxim, et Constant. 7 (p. 103,30 6.) ut p. te sint omnia, 
quasi ea sola optineas. origo § 17. Servius in Donat. Gr. lat 
IV 440, 25 quae res (participia ab inpersonalibus verbis) p. La- 
tinitatem non erit. 

Val. Flacc. 4, 16 arcano redolentem nectare rorem, Quem p. 19 
alta quies liquidique potentia somni. Nepos Attic. 8, 1 cum res 
publica p. Brutos videretur esse. Tac. Germ. 6 plus p. peditem 
roboris. Origo geni Rom. 8, 6 sacra p. Pinarios rcsedisse. 
Statius Theb. 10,631 (de Clio) saecula te p. Max. Taur. Patr. 
57, 266 C p. nos votorum sanctificatio. August civ. dei 7, 19 
p. Saturnum, non p. Caelum semen esse divinum; cf § 11, do- 
minatus. Plaut. Poen. 5, 4, 26 Iupiter, p. quem spes vitae sunt 
hominum omnium. Stipendium § 5. sublimitas § 12. Mar. 
Victor. Patr. 61, 1, 377 p. hos mundi substantia. Petr. chrys. 
Patr. 52, 569 B erat p. Ioannem venia. Max. Taur. Patr. 57, 
505 A peccatis dare veniam quia p. hominem non est Cf § 7. 
Claudianus Mameri stat. an. 1, 26 (p. 95, 4 Eng.) si loquentem 
te unus audierit, totuin verbum tuum p. te est, totum p. illum. 
Lact, instit. 4, 2,4 Iudaeos, p. quos (veritas) erat; 5, 21, 1 v. p # 
nos est. Solin. praef. 6 constantia veritatis p. eos est, quos se- 
cuti sumus. Cf fides § 17. (yoluntas) August, de geu. ad litt. 
11, 10 cur noluerit, p. ipsum (deum) est. Tac. voluptas, § 14. 

G. Penes se esse «= sua in potestate, sanae mentis vel coro- 20 
potetn esse mentis unus Horatius licentia poetica scripsit. Satir. 2, 
3, 273; Quid, si Picenis excerpens semina pomis Gaudes, si 
cameram percusti forte, p. te es? (Ter. Andr. 408. Petron. 129 apud 
se esse). (Continuabitur). 

Berolini. P. Hirt. 

Archir für Ut. Lexikogr. IV. Heft 1. 7 



98 Penes.. 



Erläuterungen. 

Über die Bildung von penes ist eine befriedigende Ansicht 
bisher nicht aufgestellt worden; Sanskrit und Griechisch helfen nichts, 
da die Partikel nicht zu den alten indogermanischen Präpositionen 
gehört, sondern auf italischem Boden gebildet und entwickelt zu sein 
scheint. Die Grundbedeutung ergiebt sich aus dem Zusammenhange 
mit penates, penetralia u. ä., und darum hat Dositheus das Wesen 
des Wortes besser mit ivzog gegeben als Cyrill mit itaqa. Wenn die 
Partikel ursprünglich mit Verbis der Bewegung verbunden worden 
wäre, so könnte man penus als älteste Form fassen und wie domum 
erklären (und Breal vergleicht auch mit p. mc das franz. chez inoi = 
„casam me u p. 432); allein dieser Erklärung widerstreitet der Sprach- 
gebrauch. Somit wird man richtiger penes als Locativ von penus, 
peneris mit abgefallenem Suffixe, als ursprüngliche Konstruktion alqd 
p. est oder habeo auffassen; denn nach Analogie von rare, ruri (auf 
dem Lande) kommen wir auf penere, peneri im Inneren, altlat 
penese, penesi, und die Endung fiel ab wie bei instar (Arcb.II 597), 
weil sie gewöhnlich vor einen Vokal zu stehen kam; der Accusativ 
trat erst später dazu nach Analogie von apud. 

Den nächsten Anlafs zu der Deutung =naga gab wohl der Umstand, 
dafs namentlich seit dem Ende des 2. Jahrhunderts nach Chr. penes 
in seiner Anwendung geradezu mit apud zusammenfiel; allein es darf 
daneben nicht übersehen werden, dafs es ebenso oft mit in wechselt, 
schon bei Livius 6, 25, 4 adversae pugnae in L. Furio culpam, se- 
cundae decus omne p. M. Furium esse; bei Tac. bist. 4, 2 praefectura 
praetorii p. Arrium Varum, summa potentiae in Primo Antonio; 
annal. 6, 43 p. Arsaciden imperium . . . vim in Abdagesis domo; 
ebenso bei Petrus Chrysologus und Ennodius. Und was heilst denn 
Plaut. Truc. 891 p. manum habere anders als in manu habere? 

Darum ist, quod p. me est, zwar nicht mein Eigentum (darin 
irrte Festus), aber doch bei mir in Verwahrung, so dafs ich dafür 
verantwortlich bin, wie z. B. Schlüssel, oder eine Geldsumme, und 
daher auch darüber zu verfügen habe im Sinne des Deponierenden, 
während apud einfach bezeichnen würde, dafs es im Hause liege, 
möglicher Weise olme unser Wissen. Bildlich kann man daher von 
Tugenden sagen, p. alqm sunt, weil sie nicht veränderlich und vorüber- 
gehend, sondern bleibend und unveräufserlich sind, ein Gebrauch, der 
schon bei Plautus bezeugt ist. 

Aus dem Gebrauche p. alqm = in manu alicuius entwickelte 
sich leicht der weitere, dafs Subjekt von p. alqm esse die Machtsphäre 
eines Einzelnen sein konnte. Zunächst bei den Göttern: denn ihre 
Macht ist keinem Wechsel unterworfen und ewig, und es ist be- 
zeichnend, dafs Plautus nur diese Anwendung kennt und die Partikel 
so von Juppiter, Neptun und Venus gebraucht. In diesem Sinne 



Penes. * 99 

konnte potestas auch p. regem sein unter der Voraussetzung, dafs 
er zeitlebens seinen Thron behaupten werde. Potestas p. consulem 
est war schon eine weitere Lockerung, da der Konsul nach Ablauf 
seines Amtsjahres seine Macht verliert; allein man hat an die Grund- 
bedeutung von p. nicht mehr gedacht, da es oft heifst, p. quem 
tum summa potestas (od. ähnl.) erat. Die nächsten Synonyma von 
potestas, imperium und ius, sind § 8. 9 aufgeführt, die zahllosen 
weitern § 10 — 14. 

Den oben genannten Tugenden reihen sich die Begriffe Ehre 
und Buhm samt den Gegensätzen ungezwungen an; aber es ist doch 
kein Zufall, dafs culpa, probrum (Plautus, Terenz) um ein Jahrhundert 
im Vorsprunge sind. Schuld und Schande haften dem Menschen für 
immer an, während die Auszeichnung leicht durch den umschlagenden 
Wind weggeblasen werden kann. Darum finden wir auch bei culpa 
statt des matten esse öfters haerere, residere, remanere, und der volle 
8inn von culpa est p. alqm wird glänzend durch die Parallele aus 
Terenz illustriert: in te omnis haeret culpa. Hatte Cicero zuerst 
gesagt laus est p. alqm, so bildete Vergil die Phrase decus est p. 
alqm, welche Livius, Valerius Maximus und Tacitus ihm abnahmen. 
Gefiel dem Livius victoria est p. alqm (Sali. Cat. 20 victoria in 
manu nobis est), so konnte er natürlich ebenso gut schreiben 8, 31, 2 
malle apud Samnites victoriam esse, gerade wie Nepos Phoc. 2, 4 
cum apud eum esset summum imperium für das nach § 8 übliche 
penes. Dafs schon Cäsar b. Gall. 7, 21 sollte geschrieben haben v. 
p. alqm constat, ist um so weniger wahrscheinlich, als das Verbum 
constare in dieser Verbindung Bedenken erregt. 

Unter den Varia mag bemerkt werden, dafs die echt lateinische 
Formel lautet: fides p. auctores erit, nicht sit, wie Neulateiner 
schreiben. 

Die Accusative sind in der Regel Personennamen oder personi- 
fizierte Begriffe. Civitas und Gortyna stehen für cives und Gortynii, 
fasces und fiscus für Konsul und Kaiser, censura für den Inhaber der 
Censur, crudelitas und incuria für grausame und sorglose Menschen; 
Staat (Tac. hist. 1, 57 non p. rem publicam fuisse = non servisse), 
Natur und Himmel (aeterna, caelum) werden persönlich gedacht, im 
Nektar wirkt eine göttliche Kraft (Val. Place. 4, 16); selbst die 
Sprache hat einen eigenen Willen nach Hör. poet. 72 und p. latini- 
tatem (non) est heifst, der Geist (ingenium) der Sprache erlaube et- 
was oder nicht. Sint haec p. Martini ditione (= ditionem, bei Greg. 
Tut.) ist nur eine Vermischung von p. Martinum und in ditione 
Martini. Dafs daher *[Serg.] explan, in Donat. Gr. lat. IV 561, 16 
als Musterbeispiel penes fidem gegeben haben sollte, klingt geradezu 
ungeheuerlich. Die Überlieferung per amicos, penes fidem, prope 
vicinos, bedarf der einfachen Umstellung: penes amicos, per fidem, 
prope vicinos. Zur Bestätigung vergleiche man die Beispiele der 
andern Grammatiker: Charis. 230, 7 p. te; 230, 20 p. hospilem; 234, 
16 p. illum; 236, 23 p. te. Diomed. 409, 30 p. plurimos. Serv. in 
Donat. Gr. lat. IV 442, 7 und Cledonius Gr. lat. V 76, 28 p. arbi- 

7* 



100 Penea. 

tros. Ja unser sogenannter Sergius citiert fünf Zeilen weiter unten 
(Gr. lat. IV 561, 21) apud deos, p. homines. Somit bleibt für p. 
fidem um so weniger ein Minimum von Wahrscheinlichkeit, als auch 
die mittelalterliche Grammatik (Anecd. Helvetica, ed. Hagen 58, 7. 
21. 215, 28) bei p. arbitros stehen geblieben ist Amicus tritt für 
aliquis ein Gramm, lat. VII 352, 7 ad amicum . . . p. illum; Serv. 
in Donat. IV 442, 7 apud amicum . . p. arbitros; die Verbindung p. 
amicos findet sich aber auch bei Apuleius flor. 17. 

Über die Verba u. a. Näheres zum zweiten Artikel. 

München. Eduard Wölfflin. 



übrigere litteras. 

In dem ersten Briefe des Seneca an den Apostel Paulus finden 
sich die Worte: litter is, quas ad aliquam civitatem seu caput pro- 
vinciae direxisti, mira exhortatione vitam moralem continentes, usque 
refecti sumus. Dafs der Brietschreiber nicht wufste, an wen der 
Brief gerichtet war, welcher ihn so sehr erbaute, ist an sich bedenk- 
lich genug-, dafs aber der Philosoph diese Worte nicht geschrieben 
haben konnte, verbürgt allein schon der Ausdruck dirigere litteras ad 
alqm., statt mittere. Freilich als mittere die Bedeutung des fran- 
zösischen mettre allmählich annahm, mufste die Sprache für einen 
Ersatz sorgen, und im 4. Jahrh. nach Chr. sagte man ganz gewöhn- 
lich dirigere epistulam, z. B. Hieronymus; vgl. H. Gölzer, Latinite de 
S. J6rome, p. 268. Die älteste Belegstelle wird wohl die des frgm. 
Muratorianum 40 sein (epistulae Pauli directe volentibus intellegere), 
welches an das Ende des 2. Jahrh. gesetzt zu werden pflegt und dessen, 
vulgäre Färbung allgemein anerkannt ist. 

Nach Servius zur Aen. 8, 168 soll aber schon der Sohn Ciceros 
so geschrieben haben: Cicero per epistolam culpat filium, dicens 
male eum dixisse 'direxi litteras duas', cum 'litterae', quotiens epi- 
stolam sigificant, numeri tantum pluralis siut. contra 'epistolas binas' 
non dicimus, sed ( duas 9 . Dieses Bruchstück eines Briefes ist indessen 
um nichts echter als der Brief Senecas, obschon es heute allgemein 
für echt genommen wird) z. B. von Neue, Formenlehre 11* 165. Der 
Inhalt ist nichtssagend genug für einen Fälscher, da es ja eine be- 
kannte Vorschrift der Grammatiker ist, binae quadrigae, tabulae su 
schreiben, nicht duae. Varro ling. lat. 10, 3, 67. Caper de verb. 
dub. p. 2247. Der Redner Cicero hätte gewifs nicht unterlassen 
können beizufügen, man sage nicht dirigere litteras, sondern mittere. 
So lange nicht bessere Beweise vorgebracht werden, müssen wir daher 
die Redensart dem Zeitalter Ciceros und Senecas absprechen. Über 
gefälschte Briefsammlungen aber wäre noch manches zu sagen. 

München. Ed. Wölfflin. 



Abdico — Abhibeo. 

Abdico, xi, ctum, c&re, aicayoQsvsw , aicsucetv, absagen. 
Secundum disciplinam aaguralem aves aliquid dbdicere dicebantur, 
cum id aut fieri non posse aut improspcrum fore ostendebant. 
Contrarium est addicere, qua de re cf. J. Marquardt, Römische 
Staatsverwaltung III (1878) 388. Charisius p. 256, 20 de im- 
perativi formatione abdico: ab die. Liber gloss. abdicit: repudiat, a 
se alienum facii Id. abdicit: avertit Gloss. abavus Abdixi: distiti. 
Gloss. Monac. 19439 Abdixi: distiti, negavi, abnui. Philox. 1, 
18 abdixit: anelnev^ ait't\^vr\6cLxo. Gloss. affatim, Gl. abavus el 
GL aa Abdixit: abnuit. 

Cic. divin. 1, 33 cum/ in quattuor partes vineam divisisset 

trisque partes aves abdixissent etc. Pomponius Dig. 1, 2, 2, 

24: Verginius cum animadvertisset Appium Claudium contra 

ins . . . vindicias filiae suae a se abdixisse et secundum eum, 

qui in servitutem ab eo suppositus petierat, dixisse . . . filiaui 

interfecit, i. e. abiudicasse vel denegasse, cui oppositum est vindicias 

dare Liv. 3, 56, 4. Tertull. adv. Marc. 4, 15 Totum quod ab 

homine captatur, abdixit creator. Ambros. de Jac. et vit. beat 

2, 10 de sene Martyrium patiente, cui confitenti impunitas 

fromittüur: Totius vitae laboris abdicam brevis viatico senectutis? 

Augustin. de visit. infirm. 2, 8 (Patrol. 40, 1158 Mig.) nemini 

unponendum est, quod aut impossibilitas ei abdicat aut tempus 

evauescens adimplere prohibeai Dracont. 8, 96 Hecuba mi 

genetrix, abdicor crimine nullo Parvus Alexander pastor nutritus 

^ Ida. Id. 9, 128, si sana est codicum scriptum: Prostratis dum 

Wa negas manesque (Bücheier ; mortesque Bährens; mor. esque 

wi) Abdlcas. [Falso editur ap. Cic. de orat. 2 ; 102 ubi plus 

toali quam boni reperio, id totum abdico atque eicio, quia cum 

tobe Abrincensi scribendum est abiudico.] 

Abdomen (abdümen Charisius p. 38, 9 a. XanccQa abduminis; 
ioon. de idiomatibus generum = Gr. lat. IV 582, 30 a. XanaQa; 



102 Abdomen. 

Gloss. Cyrill. 526, 19 kandga hoc abdunien; Gloss. Paris, in 
luven, ed. H. Keil. 187G. p. IV abdumine id est pinguedine), 
inis, neutr. dicitur pars ventris infra unibilicum. Gloss. Placidi 
4, 20 abdomen: pinguedo carnium. Philox. abdomen: AaicaQa, 
vitoyaGzQioV) vitoxoikiov. Lib. gloss. abdomen : graece [Xanaqa], 
pinguedo carnium. Alii nomen ab ab d endo formatum esse 
putant, quod a. bestiarum sit quasi abditum et kumo adversum, 
alii corruptum dicunt ex adipomen, H. Röusch annal. gymn. 
Austr. 1886. p. 589 sq. ex obdumen, ab obdueudo id est 
obdendo, Wanst, Vorstopfung von Fett. Cf. creduo interduo = 
credo interdo, et gloss. Philox. p. 145, 52: obde, ßvöov. 0. Weise 
in Bezzenberger, Beitr. z. Kuude der indogerm. Sprachen, V 
(1880) 78. Fick II 3 121. Mich. Breal, Dict. etym. lat. (1885) 2. 

I. De bestiis, praesertim de suibus et piscibus. Plant. 
Cure. 323 Pernam, [call um], abdomen, sumen, glandium. Plin. 
nat. hist. 8, 209 Hinc censoriarum legum paginae interdietaque 
cenis abdomina, glandia, testiculi, vulvae, sineipita verrina, ut 
tarnen Publi mimorum poetae cena, postquam servitutem exuerat» 
nulla memoretur sine abdomine, etiam vocabulo suminis ab eo 
imposito. Id. 11, 211 (Porcae) sumen optimum, si modo fetus 
non hauserit. antiqui abdomen vocabaut priusquam calleret, 
incientes oeeidere non adsueti. luven. 2, 86 Atque bonam 
tenerae placant abdomine porcae Et magno cratere deam. (Schol. 
vet. a. p. pinguedine aut intestinis.) Prudent. peristephan. 10, 
918 Reponit aras ... et tus Et ignem vividum in carbonibus 
Tauriua et exta vel suilla abdomina. Pompon. v. 180 Ribb. 
Tamquam frater mihi sis, medium abdomen tecum dividam 
(abdomericum cod. Bamberg., abdomen cum alii codd.) Valer. 
Max. 3, 5, 3 Mortis erubescendo genere consumptus est: avide 
enim abdomine devorato foedae intemperantiae spiritum reddidit 

Lucilius 1, 34 M. Ad cenam adducam et primum hisce 
abdomina thunni Advenientibu' priva dabo. Plin. nat. h. 9, 48 
(thynni) membratim caesi cervice et abdomine commeudantur. 
Auson. Mos. 105 de salmone: facturus fercula cenae ... cui 
prodiga nutat Alvus opimatoque fluens abdomine venter. Sidon. 
Apoll, epist 2, 2 (1) piscibus, qui carnes rubras albis abdomini- 
bus extendunt. 

IL De homiuibus. Celsus humani corporis partes interiores 
describens 4, 1 (p. 122, 37 D.): a quibus (iliis) ac pube abdomen 
sursum versus ad praecordia pervenit, ab exteriore parte evidenti 



Abecedaria. 103 

cute, ab interiore laevi membrana inclusum, quae omeuto iungi- 
tur; xsQizovtuov autem a Graecis nominatur; 7, 19 (p. 298, 10 ü.): 
ingaen incidendum sub imo ventre, qua cum abdomine tunicae 
inferioris committuntur. 7, 4 (267, 37). 7, 15 (292, 10). 7, 17 
(294, 16). 7, 18 (296, 18). 7, 19 (298, 33). 7, 26 (308, 23). 
8, 1 (326, 18). Posterioris aetatis medici Jwc vocabtdo abstinuisse 
et in eius locum aut peritonaeum aut ventreni exteriorem aut nescio 
quid aubstituisse videniur. luven. 4, 107 Montani quoque venter 
adest abdomine. Apul. d. Plat. 1, 13 cupidinem et appetitus 
postremam mentis portionem infernas abdominis partis tenere. 
Symmach. epist. 1, 2, 1 gratulor ostreis . . abdomen tibi esse 
satiatum. Mar. Victor, ad Justin. Man. 16 ipsorum abdominum 
mole praegravari. Sid. Apoll, epist. 3, 13 (3, 4 Bar.) in describendo 
homine gnathone: Tota haec ossium ramosa compago sub uno 
relut exundantis abdominis pelago latet 

a) De gula. *Ter. Eun. 460 abdomini (Bentl.; ex homine 
codd. cett editt.) hunc natum dicas? Cic Pis. 41 imitatus Teren- 
tiutn Ille gurges atque helluo, natus abdomini suo; ibid. 66 solet 
oculorum et aurium delectationi abdominis voluptates anteferre. 
Cic. Sest. 110 manebat insaturabile abdomen. Sen. benef. 7, 26, 4 
Alias libidine insanit, alius abdomini servit. 

b) Intelliguntur testiculi. Plaut Mil. 1398 quin iam dudum 
gestit moecho . . hoc abdomen adimere (cf. 1420 salvis testibus, 
1426 carebis testibus, 1416 intestatus). *Plautus Trucul. 629 
Abdomen seco (F. Scholl; abo domum Ego tecum B., ibo domum 
ego tecum ceteri codd.; abi domum Spengel; cf. Mil. glor. 1406. 
1408), ni, bellator, arbitrum aequom ceperis. 

c) De feminis. Donatus in Terent. Eunuch. 460 Abdomen 
in corpore feminarum patiens iniuriae coitus scortum dicitur. 
*Lucilius 30, 82 (971 Lachm.) Quae non spectandi studiosa, ab- 
domini' (Bährens; studio se ab hominis cod.; studio sed ab omiin' 
Lachm. Müller) taetri Impulsu ingressasi [NB. Protulimus omnes 
locos, qui in schedis amicorum perscripti erant.] 

Abecedaria^ ae. fem. (seil, ars), primorum elementorum 
institntio. Fnlgentius myth. 3, 10 In omnibus artibus sunt 
primae artis et sunt seeundae, ut in puerilibus litteris prima 
abecedaria, seeunda nota (notaria). — Abecedarium, ii, neutr. 
alphabetum. *Aethicus 5, 66 Eius abecedarii (ex coni. Avezacii; 
ab auetorio, abeturio codd.) insequentes caracteres notavimus. 
Aldhelm. p. 257 aenigma heptastichum primum inscribitur: de 



104 Abecedariiis — Aberro. 

elementis sive abecedario. — Abecedariiis, a, um, ad alpha- 
betum pertinens. August, retract. 1, 20 Volens causam Dona- 
tistarum ad vulgi notitiam pervenire et eorum quantum fieri per 
uos posset inhaerere memoriam, psalmuni qui eis cantaretur per 
latinas litteras feci, sed usque ad V litteram: talis autem 
abecedarios appellant. Id. enarr. p salin. Patrol. 37, 1596 M. quos 
abecedarios vocant psalmos. Gf. Archiv. I 375. 

[Ab$do, £re legitur apud Charisium p. 261, 32 K. Similiter 
quae ex eo veniunt, velut comedo abedo; item apud Diomedem 
p. 362, 21 quae ab eo derivantur, comedo ambedo abedo. Sed 
cum ambedo sit verbnm Plautinum, abedo nullis testimoniis firmatum, 
illuii Cluirisio rcstituendum; abedo Diomedis aut pro dittograpliia 
(var. lect.) aeeipiendum, aut, quod proposuit Keilius, in adedo 
corr'ujendum est.] 

Alrömo, ßre. Paulus Festi pg. 4, 18 M.: Abemito siguificat 
demito vel aufer to; emere enim antiqui dicebant pro aeeipere. 
Propter ordinem litterarttm (praecedit enim ambidens, sequiiur am- 
barvalis) Odofredus Müller olim scriptum fuisse ambemito conicciL 
Philox. 1, 30 (pg. 3, 29 ed. Götz) Abemit, aeeepit: ükaßsv. 

Abequito, are, cc<pui7tevco. Livius 24, 31, 10 Cum tanto 
clamore ad arma discursum est, ut praetoris inter tumultum 
pavidi abequitaverint Syracusas. Verbum novatum a Livio, fortasse 
ad exemplum verbi graeci stipra scripti; simile aita.% sIqtjiisvov legi- 
tur apud eundetn Livium 1, 34, 7 amigrant Romain. 

Aberratio, önis. fem. actus aberrandi (de quo cf. Aberro 
II I) a), mdlorum in tetnjnis oblivio. Cic. ad Attic. 12, 38, 3 
(709 ab u. c.) existiment me, sive ita levatus sim, ut auimum 
vaeuum ad res difficilis scribendas adferam, reprehendendum non 
esse, sive haue aberrationem a dolore delegerim maxxme . . . 
laudari me etiam oportere. Cic. epist. 15, 18, 1 (709 ab u. c.) 
verum aliam aberrationem a molestiis nullam habemus. — 
Uelasius epist. 43, 6 ob schismatum aberrationem (= ffta zijg 
7tccQaTQ07trjg täv 0%i6pMt<ov) cumulata est ultra ceteras ipsorum 
impietatis ruina. 

Aberro, -avi, -are. I. Proprie: a recto itiuere } a suo loco 
invitum declinare sive abirc. Philox. p. 1, 32 Aberro: äitonkavä. 
Cyrill. p. 390, 59 anonkavw^ai: aberro. 

A. De hominibus. Plaut. Men. prol. 31 puer inter homines 
[ibi] aberravit a patre. Livius 31, 37, 2 dispersi equites per 
agros aberrarunt. Petron. 97 puer in balneo aberravit . . . si 



Aberro. 105 

quis eum reddere aut common 8 trare voluerit, accipiet nummos 
mille. Julius Yaler. 2, 39 nee vagum quemquam a regione vel 
sedibus suis aberrasse quopiam probaturus sum. Veget. r. milit. 
2, 13. 2 [18] a contubernalibus suis. Mart. Gap. pg. 5, 9 Eyss. 
ab Apollini 8 congressibus. Mythogr. Vatic. 3, 11 ne a suo littore 
aberraret (Leander). 

6. Plin. nat. h. 11, 54 (de apibus) si qua aberravit. Ulpian. 
Digest. 47, 14, 1, 1 si quis bovem aberrantem vel equos in 
solitudine relictos abduxerit, non est abigeus, sed für potius = 
Mos. et Rom. leg. collat. 11, 8, 1. Augustin. de lib. arbitr. 
(1278 Mig.) a. equus. Porphyr, ad Hör. carm. 1, 23, 1 hinuu- 
lus, qui cervae matri aberravit. Maximus Taurin. Patrol. lat. 57, 
478 A lupos non longe ab eorum (leonum) venatibus aberrare. 
Pseudo-Cyprian. de dupl. mart. 21 relictis IC ovibus unani, 
quae a grege aberraverat, (Evang. Luc. 15, 4. 6 quae perierat). 
Hieron. epist. 2 a grege morbida aberrans ovis. August, sermon. 
Patr. 38, 288 M. ecclesiam quaerit ovis a grege aberrans. 
Ambrosius Patr. 17, 669 D = Max. Taur. Patr. 57, 560 M. cum 
una ovicula de centum ovibus aberrasset. Marius Merc. lib. 
Subnot. 155 ovem quaerit, quae aberravit. Romulus Nil. 18 
huc illuc aberrantes ranuneulas colligere. Livius 41, 13, 2 ab 
agresti tauro, qui pecore (a pecore?) aberrasset. 

C. De rebus. Mart. Cap. 8, p. 328, 26 E. (de stellis) 
licet Venus a Solis orbe plus quadraginta sex partibus aberrare 
non valeat. August, serm. Patr. 38, 223 M. aberraverunt 
(lapides pretiosi) ab ornamento mulieris; August, de lib. arb. 
Patr. 32, 1278 lapis non aberrans. Livius 37, 13, 1 aberrantis 
ex agmine na vis. Seneca nat. q. 3, 27 in maiora violentus 
aberrat (torrens); cf. Lactant. instit. 4, 4, 4 a deo si hi duo 
rivi (sapientia et religio) aberraverint. Petron. 67 aberrante 
tunica super genua; id. 126 vestigia pedum extra mensuram 
aberrantia. 

IL Translative. A. Imagine aliis quoque vocabulis expressa. 
Cic. offic. 1, 100 via, quae deducit ad convenientiam, quam si 
tquemur ducem, numquam aberrabimus. Seneca epist. 37, 4 
u&a ad hanc (sapientiam) fert via; non aberrabis. Lactant. inst. 
% 17, 13 viam si tenebit, non offendet; si aberraverit etc. 
Ambro8. Patr. 17, 1081 A revertere in viam, a cuius semitis 
»berraveras. Ammian. 22, 10, 3 ab aequitatis redo tramite 
fariare . . . a quo ille ne aberraret, tamquam scopulos cavebat 



106 Abcrro. 

abruptos. August doctr. christ 2, 23 a sensu auctoris devius 
aberrat interpres; Patr. 46, 905 M. Est via; modo ambulemus, 
ne aberreinus; enarr. psalm. 17, 46. Patr. 36, 153 ab Uineribus 
praeceptorum dei a.; 37, 1151. 38, 377. a-wa; Id. Patr. 42, 
207 M. a via veritatis, item alii Eccles. 

B. a) Addita re, a qua dberratur. Cornif. 4, 15 qui ab eo, 
quo profecti sunt, aberraverunt. Cic. Tusc. 1, 81; fin. 5, 83. 85 
a proposito; pet. cons. 49 a distributione. Sen. controv. 2, 1 
(9) 36 ad Othonem redeo, a quo longius aberravi. — Cic. Lig. 
19 a communi utilitate; de orat. 2, 160 a cuius inventis tibi 
ego videor non longe aberrare; Acad. 2, 140 a regula naturae; 
fin. 4, 40 non multum ab Herilli levitate aberrabimus. Infra D, 
a miseria. Sen. clem. 1, 8, 2 a. a fortuna tua non potes; benet 
6, 23, 2 (de diis) non libet ab optimis aberrare; epist. 104, 8 
quam bene cum quibusdam ageretur, si a se aberrarent. Plin. 
epist. 4, 28, 3 a similitudine artificem ne in melius quidem sinas 
aberrare. Apul. apol. 68 longe a vero aberrare. Firmicus math. 
3, 8 a recto vivendi ordine. Mart. Cap. 8, p. 327, 22 E. Stilbon 
ab eo (sole) nimquam ultra XXII partes poterit aberrare. 

b) Arnob. 1, 1 mundus aberravit a legibus. Lactantius 
(qui huic verbo multum favit) inst. 1, 6, 17 aberrantes a veritate 
falsis religionibus serviunt; 6, 11, 12 a vera iustitia; inst. 2, 
13, 12 a notitia dei; 3, 28, 1 dei agnitio et pius cultus, unde 
philosophi aberraverunt; 5, 22, 14 a disciplina; 7, 6, 9 a rerum 
summa; Epit. 33, 10 a ratione. Hilarius psalm. 118 a praeceptis. 
Zeno tract. 1, 3, 1 a veritate. Hieron. epist. 98, 9 ab aposto- 
lorum regulis; Vulg. I Tinioth. 1, 6 a caritate, conscientia bona, 
tide. Ambros. Patr. 17, 666 A a castris si quis aberraverit, ab 
spiritali Pharaone invaditur, quod imitatus est Max. Taurin. 
Patr. 57, 313 C. Ambros. Serm. Patr. 18, 114 A a meditatione 
praecepti. Augustinus passim: a veritate et a grege; Patr. 40, 
622 M. a creatore; civ. dei 9, 2 a vero deo; de spir. et an. 35 
a similitudine conditoris; enarr. psalm. Patr. 37, 1140 ab alis 
dei; civ. dei 8, 24 a cultu et religione; Patr. 34, 174 a fontibus; 
42, 209 ab evangelio; 42, 387 a fide. Dionys. Exig. Patr. 67, 
394 B ab eo quod decet. Gregor. Moral. 5, 83 a rectitudine; 
Id. Patr. 78, 117 A ab aequalitate. Mansi Goncil. I 604 B ab 
hac similitudine degener aberrat. Passio Bogatiani (Acta mart. 
322 ed. Manz.) a Judaeis. 

G. Addito ablativo quo significatur , quanam in re quis 



Aberro. 107 

faUaiur. Cic. ad Attic. 14, 22, 1 vereor ne nihil coniecturä 
aberrem; de orat. 3, 160 alio ducitur cogitatioiie neque tarnen 
aberrat; *nat. d. 1, 100 qui si aberrant coniecturä (Walker; a 
coni. codd.), video tarnen quid sequantur. Cf. etiam E } s. v. 
suspicio. Cic. har. resp. 23 si aedilis verbo aut simpuvio aber- 
ravit. Infra E, s. v. carmina praesagiis a. Paulus Diac. Patr. 
95, 1523 A Neapolitani paganis adhuc ritibus aberrautes. 

D. Absolute, a) De oratoribus et scriptoribus, qui a propo- 
sito abeunt Cf. sub B. Cicero fin. 5, 90 venio ad inconstantiae 
crimen, ut ne saepius dicas me aberrare. Sen. dial, 5, 19, 1 ad 
rem pertinet, quamquam aberrare alicui possimus videri et in 
devium exire. — Cic. ad Attic. 12, 38, 1 (ann. 709 ab u. c.) 
nihil equidem levor, sed tarnen aberro = malorum in tempus 
obliviscor. 12, 45 (709 ab u. c.) nullo alio modo a miseria quasi 
aberrare possum. Cf. s. v. aberratio. — Sen. ben. 5, 22, 4 uxor 
maritum aberrantem ad se reduxit. Id. epist. 81, 2 aberrent, 
ut aliquando haereant. Auson. epitaph. 1. 

b) Scriptoribus ecclesiasticis dicuntur maxime aberrare, qui a 
deo desciscunt. Cf. B. b). Lactant. inst. 3, 24, 10 cum semel 
aberraverint, constanter in stultitia perseverant; 6, 24, 9 quicunque 
aberraverit, referat pedem; Epit. 69, 5 hie Plato aberravit, hie 
perdidit veritatem. Hilar. Matth. 18, 6 C omne hominum genus 
aberravit. Hieron. in Jesai. 13, 49 qui aberraverat, qui deserto 
Creatore idolis serviebat; 3 lib. in Oseam 11, 3 percutit deus 
filios aberrantes comminatione; ibid. 11, 12 aberrante penitus 
Ephraim. Vulg. Eccles. 4, 22 si aberraverit homo, derelinquet 
«um sapientia. Augustin. Patr. 40, 578 ubi forte titubamus aut 
aberramus; 40, 681 tria sunt genera hominum, quae odit: 
remanentem, retro redeuntem, aberrantem; 46, 882 odit deus 
aberrantem. Polycarp. ad Philipp. 6, 1 aberrantia reducere. 

E. Ovid. remed. 662 admonitu Liber aberrat amor. Cic. 
Phü, 7, 1 animus aberrat a sententia. Augustus ap. Suet. 
Claud. 4 de Claudio mentis impote: ubi non aberravit eius animus. 
Augustinus Patr. 40, 322 M. tantum a veritate rerum non aberret 
uumns. Arnob. 7, 48 fatalia carmina multum veris aberravisse 
praesagiis. August, confess. 4, 13 (libri) aberraverunt a nobis 

t (** exciderunt nobis) nescio quomodo. Claud. epithal. de nupt. 
Hon. et Mariae 6 mens omnis aberrat in vultus, quos pinxit 
a mor. Cic. de orat. 2, 152 a quo non aberrat oratio tua; 
Tiwc. 3, 80 ab eo, quod erat a te propositum, aberraverit oratio :> 



108 Aberro — Abhibco. 

5, 66 redeat, unde aberravit oratio; offic. 1, 135 ut etiamsi 
aberrare ad alia coeperit, ad haec revocetur oratio; p. Gaec. 55 
iie ab eo, quod propositum est, longius aberret oratio. Sen. de 
ben. 4, 25, 3 ratio si ab exemplari suo non aberrat. Cic. PhiL 
12, 23 uum aberret a coniectura suspicio periculi mei. Petron. 
54 nee longe aberravit suspicio mea. Cic. fragni. ap. Non. 8. v, 
exsultare: timor si quando paululum aberravit, statim spe 
impunitatis insultat. Petron. 126 vestigia pedum extra men- 
suram aberrantia. — Cic. fin. 4, 53 a falsis principiia profeeta 
congruunt ipsa sibi et a proposito non aberrant. 

F. De tempore. Seneca nat. quaest 3, 16, 3 hiems num- 
quam aberravit; aestas suo tempore incaluit. Censorin. de die 
nat. 20, 8 adeo aberratum est, ut 6. Caesar pontifex maximus 
duos inenses intercalarios interponeret. 

6. Constructio. Lactant. inst. 4, 11, 1 aberrantes ad 
impios eultus deorum; 4, 14, 17 ad colenda figmenta; Epik 43, 
4 ad profanos ritus. Gallus confess. serm. Patr. 87, 17 A ad 
infidelitatis malum. — Augustin. Patr. 43, 152 M. circa 
veritatem; item Enarr. psalni. 92, 5 (Patr. 37, 1185). Marina 
Vict. Afer in epist. ad Galat. lib. II 83 (col. 1189 Mig.) circa 
evangelium. — Poetae aevi Carol. II 106, 30 D. ne ex hia 
aberres. — Irenaeus 5, 3, 1 in natura sua. Lact. inst. 6, 12, 
26 in ceteris propius aberraverunt Hieron. epist. 82, 7 scio 
istos in quibusdam ut homines aberrare. Augustin. c. acad. 
2, 6, 14 si in quoquam aberravero; Patr. 43, 115 M. in quo 
aberraverat, einendaret. Concilia I 746 D Mansi: nisi in reeta 
fide aberraverint. — August confess. 5, 13 per Manichaeas 
fallacias. Damianus epist. Patr. 87, 1261 D per devia et abrupt*. 
Paulus Diac. Patrol. 95, 1437 C. Mig. per diversa vitiorum 
flagitia. Aldhelm. p. 109 per devia. 

Abgrego, are. Paulus Fest. p. 23, 7 M. Abgregare est ab 
grege ducere. Gloss. Labb. abgrego: ccTtayeXd^o , dut%a>QC£(D. 

Abhibeo, öre, proeul habere. *Plautus Trin. 264 Br.: Mille 
modis amor ignorandust, proeul abhibendust (ex coni. Brixii; 
adkibendust Codices; abigendus Bergk; abdendust Ritschi) atque 
apstandust. 

E. W. 



Abhinc*) 

Abhinc adverbium compositum ex ab et hiuc significat 
. ex hoc tempore; II ex hoc loco. 

I. Abhinc temporale. 

A. refertur ad tempus praeteritum; 
1. iungitur cum casibus; 

a. significat temporis acti intervallum quo aliquid a praescnti 
tempore distat, et ita quidem, ut dies, menses, anni: 

in accus ativo casu cum numeris cardinalibus addantur, 
abhinc ante accusativum ponatur. Plaut. Bacch. 388 . . . hoc fac- 
tumst ferme abhinc biennium; Cas. prol. 39 . . . sed abhinc an- 
no« factumst sedecim; Stich. 137 qui abhinc iam abierunt trien- 
nium; Truc. 341 Quasi <ab>hinc (coni. Fleckeisen; 'quam si 
kinc* libn) ducentos annos fuerim mortuos. — Ter. Andr. 69 
mulier quaedam abhinc triennium commigravit huc; Hec. 822 
niemini abhinc mensis decem fere ad me confugere; Phorm. 1017 
▼inolentus fere abhinc annos quindecim mulierculam eam com- 
prassit — Turpil. 133 abhinc triennium. — Laberius 13 quem 
ego me abhinc menses duos ex Africa advenientem excepisse 
tibi narravi. — Cicero Rose. com. 37 repromittis tu abhinc 
triennium Roscio; Yerr. I 34 quaestor . . . fuisti abhinc annos 
quattnordeeim ; II 25 horum pater abhinc duo et uiginti annos 
wt mortuus; Balb. 16 si Pompeius abhinc annos quingentos fuis- 
wt; Phil. II 119 abhinc annos prope viginti hoc ipso in teinplo 
Wgayi. — Cic. Div. II 118 Demosthenes qui abhinc annos prope 
tecentos fuit, iam tum yiXt,it%C%uv Pythiam dicebat. — ep. Att 
Hl 17 me abhinc amplius (accus.) annis XXV spopondisse. — 
"* Hör. ep. II 1, 35 Scriptor abhinc annos centum qui deeidit 

*) Prol&ti sunt omnes loci, quibus abhinc oeenrrit; praeterea ex con- 
**tora Bcripnt Müllems apud Feetum 392, 10, Centeeimo et seeundo] et 
**ageBi[ino anno abhinc' et Cic. ep. Att. IX 8, 1 Wesenberg coniecit: 
*^Mqc mnltoB dies. Priore loco collocatio usui non conuenit. 



110 H. Ploen: 

ad Octavianum Augustuni data apud Suet. Aug. 69 Nunc coepi, 
an abhinc annos novcm? — Sulpicius Severus I 2, 1 Mundus a 
Deo constitutus est abhinc annos iam paene sex milia; II 9, 7 
abhinc annos . . DCCCLXXX et VIII: oinne tempus in Stilicho- 
neni consulem direxi; cf. II 30, 8. II 33, 1. II 39, 8. Apud cäeros 
scriptorcs desunt huius usus exempla, quare Gharisius p. 116,24K. 
ut rcterum locutionem „abhinc annos decem natus est" profert. 

b. in casu ablativo. 

«. jki/7*Vm/« abhinc ante ablatirum posita, cui adiunguntvr nu- 
meri eardinales rel adiectiva. 

aa. Plaut. Most. 494 Qui abhinc sexaginta annis occisus 
forot. — Cic. Verr. II 130*) offendit eum mensem, qui conseqoi- 
tur mensem comitialem, comitiis iam abhinc triginta diebus habi- 
tis (eonputatis diebus non ab eo tanpnrc } quo Cic. orationem habmt f 
.W ci tempore practerito, i. «\ a mense cemiitia subsequente). 

bb. K'dttn quo abhinc cum aecusativo sensu: Cicero pro 
Itoseio coinoedo 37: Quo tempore? Abhinc annis (annos Mai- 
vitfi quindeeim**^: . .. repromittis tu abhinc triennium? — 8mt 
liter Alfenus Dig. VI, 76: populum eundem hoc tempore putari, 
qui abhinc centum annis fuissent, ^ qui abhinc anno fuissemus. 
Cod. Tluodos. VII 11, 2 quos abhinc triennio . . . Tindictre 
eonstitorit: V1I1 7, 15 qui abhinc quinquennio ~ evolaverunt — 
Gellius 1 10. 2 serin one abhinc multis annis iam desito uteri«, 
iuter IVrfectos veteresque reterri debet? — Velleius Patercnlns 
riciens jwfiVii/cifii alJiinc usioyxuü aecusativo constanter postposüo, 
atque stptinif quidem addito adverbio ferme, neque solum in mi- 
Mtrit rotiukiis, ceiut 1 14. 7 at Cosam et Paestum abhinc anno« 
fenuo trocontos coloni missi sunt. ef. I 6, 2: I 8, 2; sed etiam, M 
uunkryS tuvuratissiine ejrät\jui:i*r &ripy*r. ut I 15, 2 Bononia de- 
ducia colonia abhinc annos feriue ducentos septendeeim tW II 12,1 
luirurthi» rv$ro abhinc annos forme centum triginta quattnor poti- 
tus est tC. Marius" ; 1 15, 3 et 4. (;". praetorta 112,5. 14,3. 
112. 2. 4.5. 10. I. 27,1 2>M. 36.1. 3S 2. 3S. 4. 90,2. 93,1. 
12>. 1. /i\:«v m«3 : ;si: l^-run; ü-pu <<; re esuicatttr. quod VeUetUS 
tnd< *; c -." ■» j?si .V l~iu:W. 'y;«y fis*»^*.«: iSp:»*.*. — Epist» Antonii 

* Hi'.r.::-.:* v r * ?«"*"•" - ; * j:; V r ^ -s ?'«"•-"■ y->i £■ !*• W- Müller probt- 

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A>hinc 111 

SM» locutn imitatus est Amm. Marc. 30, 4, 12 locuntur ~ iam 
l legea ignotas, cum Euandri matre abhinc saeculis obrutas 
litis. — Sidonius epist. IX 9 et quidem talis (sc. venisti), 
alem abhinc longo iain diu tempore desideria nostra praesto- 
>antur. 

ß. particula abhinc inter nomen numerale (i. e. ordinale) vd 
iectivum et ablativum posita: Epist. M. Aureli imperatoris ad 
ontonem (ed. Naber pag. 35, 12) anno abhinc tertio me com- 
jmini . . . devertere. — Gellius 14, 1, 20 centesimo usque ab- 
ic saeculo vel magis primo caeli atque mundi exordio — stel- 
> istae praemonstrare debuerint. — Oros. VII 43, 11 cum 
periore abhinc anno Gothorum nianus transire moliretur. His 
is ablativus non particula abhinc regitur, sed abhinc absolute ad- 
tom est ad tempus accuratius definiendum. 

2. abhinc absolute ponitur et sine casu cum uerbo iungitur. 
puleius apol. 1 dies abhinc quintus* an sextus est; apol. 55 
)hinc ferme biennium est, quuni — ista prae me tuli = abhinc 
rme biennium ista prae me tuli. Nov. The od. XXIII 1 § 1 intra 
iginta annos abhinc retro numerandos; Nov. Maj. VII 1 § 1 
ltra triginta abhinc retro annos. Sidon. ep. IV 4 cumque ab- 
ine retro iuvenes eramus, in pila — - saneta .... contentio. 

B. Abhinc particula refertur ad tempus futurum. 

a. iungitur cum ablativo casu et significat 

a. ex hoc tempore in futurum: Apul. flor. 16: uti — toto 
bhinc tempore laudes . . repraesentet. — Symm. ep. IV 59, 2 
los pretium proxima abhinc aestate mittemus. 

ß. ex illo tempore praeterito in futurum: Oros. III 22,6 
ttero abhinc anno Fabius Gurges consul male aduersum Sanini- 
es pugnavit (quem locum ex Orosio deprompsit Freculf I 4, 24); 
V4 } 5 sequenti abhinc anno. — Hilar. contra Constantinum 2 
Patrol. X 579, 1 Mig.) quinto ahhinc anno. •— Victor Caes. 
1, 15 abhinc consumpto fere biennio. 

b. abhinc absolute positum significat 

a. inde a puncto aliquo temporis praeteriti: Ter- 
oll. An. 38 nee quia iura ciuilia abhinc (= a XIV. anno) agen- 
is rebus attemperant; Val. 14 Euthymesis siue iam Achamoth, 
uod abhinc scriptum; 17 Abhinc Achamoth expedita tandem 
un proficit (quibus duobus locis Oehlerus abhinc de loco usur- 
<üm esse sine iusta causa putat). — Auson. Caes. tetr. 65 An- 
)nins abhine regimen capit. — Victor Caes. 13, 12 abhinc di- 



112 H. Ploen: 

uisa nomina Caesaruin atque Augusti; 24, 9 abhinc dum domi- 
nandi .... cupientiores sunt; 37, 5 abhinc ruilitaris potentia con- 
valuit — Pallad. r. r. IV 13 latent abhinc aetatis notae. — 
Ambro s. enarr. in ps. XXXVI col. 1047, 17 Mig. denique ab- 
hinc uidi in praeceptis sanctuni Prophetain assurgere; Ambros. 
(Patr. 17, 24 B Mig.): Iam abhinc proinoventur filii Israel de 
monte Sina et transeunt in sepulcra concupiscentiae; ef. Isidor. 
exp. in Num. 12, 15; Ambros. ibid. 652 6 In toto anno non 
dicitur ulla dies Septuagesima nisi ista: nee Sexagesima, nisi 
sequens: neque Quinquagesima nisi abhinc tertia, nee Quadra- 
gesima, nisi abhinc quarta Dominica. — Oros. III 16, 2 Cetera« 
urbes . . . uectigales fecit. Ulyrios et Thracas, translato mox 
abhinc bello, domuit. Inde profecturus ad Persicum bellum 
(= Freculf I 4, 22); 23, 68 cum iam abhinc Pyrrhi bella inci- 
piant; V 19, 2 equidem de Mithridatici belli spatio uarie tradi- 
tum est, utrum abhinc primum coeperit an tunc praeeipue 
exarserit; VII 27, 12 intra sex abhinc menses interfecti sunt tres 
sueeidui imperatores. — Script, rer. Langob. 473, 20 abhinc 
nulluni ei amplius euenit triumphum ; 475, 20 abhinc tandem red- 
iit Franciam. — Hilar. ep. 3, 7 (ep. pontif. ed. Thiel) A cuins 
(= Nini) etiam tempore gestarum rerum publici scriptores apud 
barbaros esse coeperunt. quapropter vir venerabilis praedictus 
Eusebius chronicorum abhinc (= a Nini tempore) exorsus est 
historiam. — Poetae aeui Carolini II 108 XV 1 nie homo 
coepit abhinc ~ ecclesiae mundare loca. 

ß. inde a praesenti tempore in futurum: Pacuuius ap. 
Charis. 195, 1 (trag. 21 K.) seque ad ludos iam inde a. exerceant 
— Tertull. Marc. III 5 causas . . adlego cognoscendas abhinc 
aduersariis nostris; IV 9 abhinc (aitb rot; vvv) enim eris homines 
capiens; IV 41 abhinc, iuquit, erit filius hominis sedens ad dex- 
terum uirtutis dei (cf. Ambros. enarr. ps. XL col. 1132, 25); Res. 
Carn. 42 abhinc enim definimus carnem resurrecturam ; Prax. 24 
sed abhinc nostis illum (an &qu). — Ambros. de parad. 5, 
302, 3 facilis abhinc praeeeptorum — series uideretur; de bono 
mortis 11 col. 590, 15 iufra, qui locus repetibar ab Angustino 
contra II ep. Pelag. IV 11, 31 ergo, iuquit, quia iusti hanc re- 
munerationem habent, ut uideant faciem dei ~; ab hinc induamus 
huiusmodi studium, ut . . . . — Paulin. Nolan. (Patr. 61, 641 B 
Mig.) Recolamus abhinc signata sacratis gesta patrum libris, ubi 
abhinc candem quam alias *iam 9 uim liabct. — Sidon. ep. IV 16 



Abhinc. 113 

iure abhinc uberi praeconio non carebis; IV Benedictua Sira- 
plicius, hactenus uestri, iamque abhinc nostri .... ordinis comes. 

— App. ad S. Leonem M. opp. Patr. 56, 418 B Mig. Ut abhinc 
quisquis decretonim temerator exstiterit, sciat se status sui opera- 
tum fuisse iacturam. — Aldhelm. translat. S. Petri. 26 ut ab- 
hinc in futurum . . permaneat. — Einhard. uita Caroli c. 18 
cuias animi dotes et summam ~ constantiam ~ iam abhinc di- 
cere exordiar. — Poet. aev. Garol. 1198,8 iniles — coepit abhinc 
qui sit exitus — (enarrabo). 

II. Abhinc locale. 

Localis particulae abhinc usus primum exemplum afferunt ex 
Lucretio III 953: aufer abhinc lacrimas, f barathre, et compesce 
querelas. Qui uersus nisi abhinc pro hinc accipias, aptum sensum 
non habet Nam ea quam Lachmannus proposuit collato loco Pacu- 
uiano notio *inde ab hoc tempore 9 abhorret a ceteris uerbis. Quam 
ob rem si uerba huius uersus recte tradita sunt, ut futuri temporis 
notionis apud Pacuuium, ita hie localis significationis exemplum 
deprehendimus ducentis annis ante eos, qui htinc usum latius propa- 
gauerunt. Cetera exempla in duo genera dividere liceat: 

a. exempla quae tradueunt ad localem notionem. In enumera- 
Hone a. legimus ap. Mam. Cland. 698 C primus über in sui 
primordio ~, post ~. Abhinc itidem ad erudienduin lectorem ~ 
praelibavit, ubi abhinc est = in posteriore libri parte, inferius. Contra 
res se habet 703 A 15 ubi addito aduerbio superius prior pars libri 
significatur: Abhinc superius etiam per philosophos aeeidentias 
Deo non obiieit, et hie per prophetas etiain uitiorum necessitates 
imponit; 756CExin~, abhinc ignium aetheriorum spatia; 759 B 
postque ~ transcende; ab hinc in tertium caelum. — Cassian. 
incarn. Chr. V 5 Quia anterioribus libris ueritatem hanc ~ pro- 
bauimus, nunc, ut libello abhinc proximo instituimus, eum ~ 
Deum praenuntiatum esse doceamus. — Dositheus Gramm, lat. 
VII 402, 21 K. trigena abhinc. - Myth. Vat. III 11, 17 B ad 
Venerem . . abhinc revertamur. — Causcdetn uero fere sensum 
particula abhinc habet apud Emporium in rhet. min. ed. Halm 
566, 11 quae autem abhinc bona etiam in posteros propagata 
conspicio (abhinc = ex hoc facinore bono, ex hac bona re). 

b. exempla usus proprie localis. Apuleius flor. 16 uti ^ 
toto abhinc orbe totoque abhinc tempore laudes . . repraesentei 

— Augustinus de civ. dei XXII 584, 28 Domb. Ac per hoc, in- 

Archir für Ut. Lexikogr. IV. Heft 1. % 



114 n. Ploen: 

quiunt, quoniani terra abbin c sursum uersus est priina, secunda 
aqua super terrain ~, non potest esse terrenum corpus in caelo. 
— Claud. Main. Migne 53, 755 A Estne aliquid quo ab hinc 
locorum uapiam progrediaris? — Patric. Migne 53, 824 D Mo- 
nachus et virgo, unus ab hinc et alia ab aliunde, in uno hospi- 
tio non commaneant. — Iordanes 82,8 Abhinc ergo Geta re- 
cessit ad propria. — Actliicus II 24 pag. 14, 12 Abhinc usque 
ultra Gades et Hercoleas coluninas; VI 101 pag. 76, 4 Ab hinc 
recessus maris post spatium urbis inclitac usque Rifeos montes. 
Script, rer. Langob. 478, 12 in Kon t anain Lucii, abhinc Pe- 
oleni. — Poet, aevi Carol. vol. II, pg. 206 V 3 Qui translatua 
ab hinc preeibus tarnen adstat houestis. 

Erläuterungen. 

Bei den klassischen und vorklassischen Schriftstellern waren die 
Partikeln hinc, dehinc und abhinc strenge von einander geschie- 
den; hinc wurde besonders in lokaler Bedeutung angewendet, dehinc 
und abbin« in temporaler. Und zwar bezog man dehinc auf Zu- 
künftiges, abhinc mit Ausnahme von Pac. trag. 21 und Lncr. III 953 
nur auf Vergangenes. 

Doch fand abhinc lange nicht bei allen Schriftstellern Billigung. 
Schon Cäsar und seino Anhänger verwarfon das Wort abhinc gänz- 
lich; wir finden üb überhaupt nur bei Plautus, Terenz, Pacu- 
vius, Lucrez, Cicero durch alle Worke zerstreut, dann je einmal 
in einem Brief des Antonius an Augustus und in den Episteln 
des Iloraz und zwanzigmal bei Volle ins Paterculus. Cusars 
Einflufs [der sich wohl über das Wort, wie übor igitur, vgl. Areh. 
III 5G0, in den Büchern do analogia ausgesprochen hatte, die ltc<L] 
siebte; die ganze grolVe Zahl der andern Schriftsteller des ersten 
«Jahrhunderts v. Chr. und der ersten 150 Jahre n. Chr. mieden es 
gänzlich, bis es die Schriftsteller seit der zweiten Hälfte des 2. Jahr- 
hunderts teils aus der archaischen (und klassischen) Litteratur, teils 
aus der Sprache des Volkes, in der es geblieben war, wieder her- 
vorholton. Aber Konstruktion und Bedeutung von abhinc war schon 
halb in Vergessenheit geraten. Dem Charisius ist die Konstruktion 
mit dem Accusativ schon eine veraltete; Sulpicius Severus aber 
kennt sie noch aus Velleius Paterculus, dem er in der Art der 
Jahresangaben, vom Konsulat des Stilicho an rückwärts rechnend, folgt» 

Besser als der Accusativ hatte sich der Ablativ bei abhinc 
gehalten. War schon in der klassischen Zeit ein Schwanken zu 
merken gewesen — Cic. Rose. com. 37 wird durch die Alfenusstellen 
geschützt — so scheint der Kampf zwischen Accusativ und Ablativ 
später noch zugenommen zu haben. Denn am Anfang des 2. Jahrb. 
n. Chr. bemerkt Caper zu Plaut. Most. 494 Sitroque casu recte 



Abhinc. 115 

licimus, quamui8 nt sordidum et vulgare quidam improbent' (Charis. 
96, 1 E). Für die Schriftsprache hat dann der Ablativ den Sieg 
lavon getragen; so wird abhinc auch einige Male zum abl. temporis 
linzugefügt, um die Zeit genauer als der Vergangenheit angehörig 
eu bezeichnen; vgl. IAbß. Nur wenige Male steht abhinc absolut 
in dieser Bedeutung. 

Doch neben dieser gewöhnlichen, von den guten Schriftstellern 
illein gebilligten Bedeutung scheint schon früh im Volksmunde die 
Futurale einhergegangen zu sein. Darauf läfst uns wenigstens die 
Pacuvius8telle schliefsen. Das zweite Beispiel findet sich jedoch erst 
300 Jahre später; von da an wird aber abhinc weit mehr im Hin- 
weis auf die Zukunft als auf die Vergangenheit angewandt und zwar 
auch mehrere Male neben einem Ablative. Dadurch sahen sich die 
Juristen, denen es vor allen andern auf Deutlichkeit des Ausdrucks 
ankam, veranlafst zu abhinc noch ein retro hinzuzufügen, wenn sie 
Nif die Vergangenheit verweisen wollten. 

Ob sich neben der temporalen Bedeutung auch schon in früher 
Zeit die lokale im Volksmunde ausgebildet hat, ist schwer zu sagen, 
da die Lucrezstelle vielleicht verderbt ist. An und für sich wider- 
strebt die Bildung dieser Partikel ja durchaus nicht dieser Bedeutung. 
Das erste sichere Beispiel finden wir aber erst bei Apuleius parallel 
neben einem temporalen Begriffe und weitere dann erst wieder am 
Ende des 4. Jahrhunderts. Vgl. Aug. Engelbrecht, Untersuch, über 
die Sprache des Claudianus Mamertus, S. 22 f. = Sitz.-Ber. d. Wien. 
Akad. 1886. CX. 442 f. 

Bei den Schriftstellern der untergehenden Latinität findet sich 
öfter die Partikel abhinc in zwei Worten geschrieben. Man darf 
vielleicht annehmen, dafs diese Schriftsteller keine klare Vorstellung 
mehr von der alten zusammengesetzten Partikel abhinc hatten. Viel- 
mehr setzten sie jetzt auf eigene Hand vor das Adverbium hinc, 
dessen Bedeutung ihnen auch entschwunden war, noch die Präposition 
ab, um die Richtung 'woher* auszudrücken. Daher kommt es auch, 
dafs abhinc besonders an den Stellen, wo es eine lokale Bedeutung 
hat, in zwei Worten geschrieben wird. 

Wenig im Einklang mit der Herleitung des Wortes abhinc steht 
« aber, wenn diese Partikel angewandt wird, um von einem Punkte 
der Vergangenheit an rückwärts oder vorwärts zu rechnen." Dies 
beruht auf einer Ungenauigkeit im Ausdruck, die man bei den 
sp&tern Schriftstellern ja auch sonst findet, die aber bei Plautus und 
Cicero höchst befremdend ist. Mit Recht dürfte man daher mit 
Halm Cic. Verr. II 130 für verderbt halten. 

Strafsburg i. Eis. Heinr. Ploen. 



ft* 



\ r \ilgriirlateiiiische Substrate romanischer 

Wörter. 

(Fortsetzung.) 

Minaciae nach: span. amenaza, port amea^a, cai menassa, pror. 
menassa, franz. inenace, (rat. sch-nianatscha), ital. minaccia, 

S. Georges, s. v., Diez, Et Wt I minaccia. War roma- 
nisch nicht bildbar. 

inin'sterium für minist erium nach: prov. mestier, franz. mutier, 
altfranz. mestier (daher port. inister), ital. meatiere. 

& Georges, s. v., Diez, Et. Wt. I mestiero. Bei George» 
s. ministro wird der Ausfall des i in frühröniischer Zeit be-" 
legt. Er ist vorromanisch, weil die Ausstofsung des n i 
der sekundären ^romanischen^ Verbindung -n*s nicht, und na 
bei lat. -ns stattfindet. Das bei Diez erwähnte altport me-*"" 
noster ist franzosisch, weil n geblieben, und ei nicht fttr e lin- 
der Tousilbe eingetreten ist. Auch das Altprov. und Altfrani*-» 
ttihrten menestier neben der Erbwortform, und das Franz. das 
gleichfalls erst mittelalterliche ministerialis als menestrel (daher 
port. menestrel\ das Prov. als menestral = span. menestraL 
Das span. menester Amt. luniürfnis, wird dem franz. menestier 
gleichzusetzen sein. Das ital. minestra Suppe kommt Ton mi- 
nestrare anrichten ^s. Die*, Ex. Wt. II* s. v.). — Wenn lat 
mir.us. amscr in der Gestalt mens im Prov., moins im Franzfo, 
als Vorsilbe verwendet wie in franz. mefV^prendre}, prov. mes- 
v prerar\ als nies- erscheint, so ha: die Tonlosigkeit der Silbe an 
der Ausstofsung des n Anteil. Dier. Gramm. II 434 belegt das 
Prür.x rues- sei: der.: i\ J.ihrh. Er im. wenn er es dort und 
Et, Wt. 1 ;v.is auch /.e:u l:a*. .zuschreibt, das es vielmehr 
::.:: frar.irsiscV.esi WTneru aus Frankreich bezog und nach 
solche« Wörtern neue bildete, Itsl wird minus durch meno 
^ertivter. woraus suis «ich: üseV.r gewonnen werden konnte. 

ruinuare su uv.uus. «v.uo.eru. ::Ä:h: >:.;:*.. «sengu-ar, port» mengo-ar, 



G. Gröber: Vulgärlatein. Substrate romanischer Wörter. 117 

cat. minv-ar, prov. (in Urkunden) minu-ar, altfranz. niinu-er 
(Godefroy), ital. menov-are. 

8. Diez, Et Wt. I menovare. Mit minutare verträgt sich 
weder Begriff noch Laut; -t- fallt nicht in Spanien, Südfrank- 
reich und Italien, im Franz. weit später aus, als minuare zu 
belegen ist (6. Jahrh., s. Du Cange, Diez, Et. Wi s. v.). Auch 
*minim-are *minum-are würden mit dem Hinweis auf ital. no- 
verare ans numerare, für das ital. menovare darum noch keine 
annehmbare Grundlage, weil numerare unter dem Einflüsse von 
nove = novem sein m mit v vertauscht hat; für die andern 
rom. Sprachen aber leisteten jene Substrate nichts. Übrigens 
hat sich das Ital. aus minimus = menomo: menomare, wie 
das franz. aus der gleichstehenden Steigerungsform: merme 
(wenigste): mermer (mindern) gebildet Wenn aber neben lat 
mejere: mejare, neben molere: molare (s. Georges) besteht, weil 
es ein Subst. mola gab und *meja (vgl. port. mija, span. mea) 
gegeben haben wird, so war zwischen minuSre und minuare 
nicht auch eine so günstige Vermittlung vorhanden. Es sei 
denn, dafs man den Umstand in Rechnung bringt, dafs minu-ere 
allein unter den Verben auf -uo in minu-s scheinbar sein Grund- 
wort zur Seite hatte, von dem aus zu minu-are überzugehen 
so lange nicht ausgeschlossen war, als minus sein u nicht (wie 
franz. prov.) aufgegeben. Das franz. dtminuer ist französiertes 
diminuere; zu hispan. -ngu -ngo in menguar mengoar vergleicht 
sich span. mangual = manuale. 
minutiare aus minutus, zerstückeln, nach: altspan. menuzar; 
prov. menuzar, altfranz. menuisier, rät manizar, ruin. märunt-esc, 
ital. minuzzare. 

S. Diez, Et. Wi I minuto. Zur Bildung vgl. Archiv I 235 
acutiare u. a. Lat. minutia ergab port. miu£a, ital. minugia 
(Darm, Diez II*), also eine Darstellung des -ti-, die der im 
Zeitwort widerstreitet; auch im Franz. hätte sich der Ausgang 
-cer statt -isier bei franz. Entstehung des Zeitworts aus einem 
Hauptwort *menuce = minutia eingestellt (vgl. placer aus 
place =» platea). 

mlscere (Marx 1) nach: span. mecer, port. mexer, ital. m^scere. 
S. Georges, s. v. Für 1 zeugt auch: 

mlsclare aus miscere, nach: cat. mesclar, prov. mesclar, franz. 
meler, altfranz. mesler, (rät. mischclar Karten mischen), ital. mi- 



_ _"!_• 



118 G. Gröber: 

S. Diez, Et. Wi I mischiare, Du Gange, 8. v. Span, mezclar, 
port. mesclar (vgl. Archiv III 528 niasc'lus) kamen aus Söd- 
frankreich; das Rät. sagt in allgemeinerem Sinne maschadar 
(von mascha Masche, Schlinge), das ital. i hat seinen Grund 
im Schwanken des Ital. zwischen e i in ähnlichen Wörtern, 
wie eschio ischio = aesculus (s. Arch. II 278), vischio veschio 
aus viscuin. — Von mescere führt kein Weg zu dem neben 
mischiare im Ital. üblichen mescolare; es ist aus der mittel- 
lateinischen Schriftsprache geflossen. 

misSllus nach: prov. niesej, altfranz. mes^l aussätzig (daher alt- 
span. misyllo). 

S. Georges, s. v., Diez, Et. Wt. II mesel. Nur runi. mi- 
selu in der latein. Bedeutung. 

niitiare aus mitis, daher ital. mezzare teigig werden, von Früch- 
ten, woher mezzo teigig, weich. 

Vgl. Diez, Et. Wi II*. Bildung wie grevi-are aus gravis 
u. a. s. Arch. II 441. Diez setzt für mezzo ein unbelegtes mi- 
tius aus mitis voraus, dessen betont. 1 sich nicht mit ital. § 
in mezzo verträgt. Als verkürztes Particip aus mezzare (ebenso 
svezzo = svezzato aus svezzare, entwohnen u. a.) für *nräzare 
versteht man e für i, wie etwa in mcraviglia (maraviglia) xssx 
nnrabilia, premizia und pr/mizia = primitia u. a. Das gleich- 
bedeutende ital. vizzo, das Diez II* s. v. mit vietus zusammen- 
hält (Beleg für eiusilb. -ie- bei Georges), ist durch *vizx»t' C) 
*vezzato *vezzare = lat. *v(i)et-iare mit dem lat. Adjektiv 
ebenfalls zu vermitteln. 

mit'lus = mitulus (turuAog) nach: span. a-meja Muschel (dafa eT 
port. a-meija), ital. nicchio. 

S. Georges, s. v., Diez, Et. Wt. I nicchio; vgl. Arch. I 
Das Ital. hält nur I vor -cchi- fest, nicht i (secchia = situl^' 
orecchio = auricula); das Span., das Ija (-Icula) und eja (-8cal^' 
vermischt (s. o. III 511 lentic'la) ist daher hier unmafsgebli***- 1 " 
Vgl. auch u. musc'lus. 

mittere (Marx l) nach: span. meter, port. metter, cat. metr'^^ 
prov. metre, franz. mettre, rät. metter, ital. mettere. 
Rom. e = lat. i. 

möbilis statt mobilis? nach: span. mueble, port. movel, g>&* 
moble, prov. moble, altfranz. mueble, franz. meuble. 

S. Foerster in Zeitschr. f. rom. Phil. III 561; vgl. die Pal 10 
der Einwirkung eines labialen Konsonanten auf o Arch. III 45?^* 



Vulgarlateinische Substrate romanischer Wörter. 11$) 

flövius. Nur Frankreich deutet mit ue auf 5. Das ital. mo- 
bile ist, nach rovere = robur, -evole = Ibilis, Tevere = Ti- 
berim beurteilt, Lehnwort, wie /torido = flöridus, npto = nötus 
u. a., und noch jünger in der Sprache als diavolo = diabolus, 
fatn>la — fabula, tavola — tabula (vgl. fola = fabtrla, tola = 
tabula, nebbia = nebula u. a.). Das span. inueble ist, da nur 
in der erst im MA. auftretenden Bedeutung „bewegliche Habe" 
(s. Du Cange) gebraucht, franz. Lehnwort. Das die lat. und 
mittellat Bedeutung vereinigende port. movel ist nach lau- 
davel *= laudabilis neben \ouvar = laudare, terrivel = terri- 
bilis u. a. auch dann noch zu den Bücherwörtern zu rechnen, 
wenn es mit o gesprochen wird (vgl. goZa = güla neben mo 
= mola, so = sola). Weil aber im Franz. neben möbilis 
movere besteht, das in mues muei = moves movet ue ent- 
wickelte, und die franz. Sprache den Diphthongen des Verbums 
auf das stammverwandte Eigenschaftswort übertragen konnte, 
wie sie ihn bei metmier für altfranz. mounier «= molinarius 
von il muei meut = mölit, bei roue aus roee = rota von rotier 
= rotare u. s. w. hergenommen hat, so ist ein vulgäres möbilis 
nicht zuzugeben und höchstens für das mittelalterliche Latein 
Galliens einzuräumen. 

a odiölum nicht mediolum Dotter, nach: prov. moiol, neuprov. 
mouiöu, franz. moyeu. 

S. Georges, s. v., vgL Diez, Et» Wt. 1I C moyeu. Nur in 
Gallien. Im Prov. entsteht o nicht aus e. Das Verhältnis von 
modiolus Nabe zu modiolum „Nabenfüllung" kehrt wieder bei 
vielen Wörtern mit dem Begriffe des Umschliefsens; vgl. myxa 
Dille und Docht, modius Hohlmafs und Füllung des modius, 
dtsch. Scheffel vom Mafs und Feldertrag. 

t clio-nem aus nioles molis? nach: sard. mullone Haufe, Grenz- 
stein, span. mojon, altport. moiom. 

Vgl. Diez, Et. Wt. Il b mojon. Von mole (span.) aus, konnten 
die drei Sprachen nicht zu ihren Formen gelangen. Eine ähn- 
liche Bildung ist aus piscis: piscio-nem = franz. poisson, s. u. 

* ciliare statt mollire von inollis, weichen, befeuchten, nach span. 
mojar (3. Sgl. Praes. moja, wie hoja = fölia), port. molhar, 
cat. mullar, prov. molhar, franz. mouiller. 

S. Diez, Et. Wt. I molle und o. mitiare. Das Ital. bildete 
selbst aus dem Eigenschaftswort molle: mollare. In den übrigen 
Sprachen, die 11 uner weicht im Adjektiv lassen (franz. mol mou, 



120 G. Gröber: 

prov. mol, cat moll, [»ort. molle, span. muelle), würde 11 auch 
in einem selbstgebildeten denominativen Zeitwort unverändert 
geblieben sein, 
in Ollis (Marx) nach: span. muelle, port molle, cat moll! prov. 
inol, fraflz. raol, rät. moll, rum. mtflle, ital. molle, friaul. muell. 

Rom. o ue = lat ö. 

* 

möntem mons (Marx inont-ein) nach: sard. monte, spau. monte, 
port. monte, cat. inunt, prov. mcnt (Donatus proenz.), franz. 
mont, rät. munt, rum. munte, ital. monte, sicil. niunti, friaul. 
mont u. s. w. 

S. Ar eh. II 426 font-em. Im Span, und Friaul. wäre aus 
Ö ue entstanden. 

m ordere (Marx), mörsus (Marx ö), nach sard. morsu Bissen, 
span. morder (3. Sgl. Praes. muerde) mueso, port. morder, cat 
mos Gebifs, prov. mordre mors (Donatus proenz.), franz. mordre 
mors, rät. morder morssa, ital. mordere morso, friaul. muardV 
s-muars. 

Allgemeinroman, o oder ue = lat. Ö. 

mürga mürca = amurga amurca, a^oQyrj, nach: span. morg^ 
cat. morca; ital. morchia, sicil. niurga, venet. morga. 

S. Georges s. v. amurca, Diez, Et Wt I morchia; rom. * 
= lat ü. Das Ital. hat nur Wörter auf -qrchia, -o. 

moria «= niüria, aX-pvQis, nach: (span. moje Kraftbrühe), neti 
prov. mouiro muro, franz. muire, rät muora müra Salzbrüll* 
rum. mura moare Krautsuppe, ital. moja. Verbunden mit s»' 
sal-inuera, port. sal-moura, cat. sal-morra, neuprov. sau-mie*" c 
franz. sau-mure, altfranz. uau-muyre, rum. sara-murä, ital. g&l 
moja, neugriech. öaX-^ovQa. 

S. Georges s. v. muria, Diez, Et. Wt. I moja. Für Ö zeu 
franz. ui und ital. o, nicht gegen ö port. ou (vgl. couro * 
cÖrium) und span. ue, (vgl. cuero = corium), wiewohl p<* 
Douro aus Dürius, lavadouro aus lavatörius und span. agu^ 
aus augurium, asmaduero aus aestimatörius hervorging (r 
auch Arch. I 545 ciconia); das span. sabueso Kläffer, po> 
sabujo Spürhund = ital. segugio, piemont sus, d. i. lat 
güsius (auch Swsa = Següsia, s. Georges, s. v.J, kommen, 
aus Italien übernommen, hier nicht in Betracht; das span. 
ist, wegen -ri- zu j, ebenfalls ital. Lehnwort Im Ital. behalt 
o und o ihre Qualität vor j (scrittojo = scriptörium; stoja « 
stÖrea). Nur bei unmittelbar auf o folgendem j ergiebt si- 



Viilgftrlateini8che Substrate romanischer Wörter. 121 

o im Ital. wie im Französ. (boja = ital. boja, altfranz. buie, 

walloD. boie; *troja = ital. troja Sau, franz. truie). Wegen 

ital. pioggia, franz. pluie = plövia für pluvies, ital. loja 

Schmutz = *allövia für illuvies (Caix, Studi di etimologia 

8. 32) b. Ar eh. II 425 flovius. Bei Pistoja = Pistorium ist die 

Art des o im Grundwort metrisch sicher gestellt. Der bei muria 

dem u vorangehende Labial genügt nach ital. moglie = mülier 

nicht um o für ü zu erklären. Bei foja Brunst, Geilheit, ist 

die herkömmliche Ableitung aus fiiria (s. Diez, El. Wt. Il a foja) 

durchaus zweifelhaft. Es ist zu fragen, ob das nichtoskanische 

Wort nicht etwa fÖvea in dem bei Tertullian vorkommenden 

Sinne (genitales feminae foveae; s. Georges, 8. v.) wiedergiebt, 

das zur abstrakten Bedeutung „Geilheit" ebenso gelangen 

konnte, wie franz. rut, ruit, Gebrüll brünstiger Tiere, Geilheit, 

*= lat. rugitus. 

örtem mors (Marx) nach: sard. morte, span. muerte, port. morte, 
cat. mort, prov. mort, franz. mort, rät. mort, rum. mörte, ital. 
morte. friaul. muert. 

Rom. o ue ö = lat. Ö. Ebenso bei 
örtus = mortuus nach: sard. mortu, span. muerto, port. morto, 
cat. mort, prov. mort, franz. mort, rät. mort, rum. mortu, ital. 
morto. 

Hiat-u ging nach Doppelkonsouanz stets verloren; vergl. 
Arch. I 249 battere, I 542 cardus. 
mörum pogov nach: span. mora, port amora, cat. mora, prov. 
mora, altfranz. meure, franz. mure, rät. mura, rum. murä, 
ital. moro. 

S. Georges s. v. Rom. o ueu=» lat. ö. Das ital. moro 
ist der gelehrte Name, der volksübliche gelso (Diez, Et. Wt. II a ). 
**Örvus für morbus nach: span. muermo Rotz, port. mormo, 
cat. vorm, prov. vorma; franz. morve und morfondu (morv + 
fbndre, ursprünglich vom Pferd), rät. mörf, bergam. morv ä 
stinken, sicil. morvu Rotz. 

S. zur Bedeutung Diez, Et. Wt I mormo; vgl. 11° gourme, 
Jtiorfondre. Über m aus v im Span. vgl. Michaelis, Rom. Wort- 
schöpfung S. 234. Auch ital. bedeutet morbo = morbus pest- 
artiger Geruch; der Begriff des weichen und weichlichen ver- 
bindet sich mit ital. morvido (morbio bei Bonvesin, morbio bei 
Ugu9on da Laodho); vgl. Diez, Et. Wt. ll a morbido, Ascoli 
icn Arch. glottologico YII 536 u. u. mueeidus. Morbus scheint 



122 G. Gröber: 

der einzige allgemeine Fall der Veränderung von lat. -rb- zu -rv- 
(bedingt durch anlautendes m). Sie ist Kegel im SiciL (z. B. 
varva = barba), hat statt bei rät. orva Stallsperre, bei orv orb 
= orbus (vgl. dazu franz. orv- et Blindschleiche, Dies, Et. Wt 
Anhg. I., orbo); im Franz. bei verve = rerfca (s. Foerster in 
Ztschr. f. rom. Phil. IV 381, Komania X 302) und verveine 
= verben*) im Portug. bei herva = herba, carväo ™ carbo- 
nem u. a. 

Mösa nach altfranz. Muese (Benoit de St. More), franz. Meuse. 
S. Georges s. v. Franz. ue = lat. Ö. 

mövita Bewegung, Aufbruch aus movere, nach: sard. movida, 
altspan. muebda, franz. meute, altfranz. muete, rät. mott Trieb, 
bergani. müida. 

S. Du Cange: movita und Arch. II 260 movi-cio = niotio; 
Diez, Et. Wt. II C meute. Derselben Art ist bibituin -a » span. 
beodo, franz. boite, ital. bibita; fallita s. Arch. II 282. Weitere 
Participialsubstantiva auf -itus, a s. bei Canello in Rivista di 
filologia romanza I Hfl*. 

m ücce us aus muecus nach: cat. moix traurig, prov. traurig, 
feucht, neuprov. mouis feucht, rom. Schweiz mouess, altfranz. 
mois (Benoit, Reinichronik) albern, mois-ir schimmeln, rat. 
niutch-egna Kotz, ital. moccio Kotz, Schleim, venet. niozzo, 
friaul. muess welk. 

S. Diez, Et. Wt. II* moccio, II C moisir. Zur Bildung vgl. 
luteus aus lutum. An Herlcitung der rom. Ausdrücke aus musteus 
zu denken verbietet die Bedeutung. Das gleichsinnige lat. muc- 
eidus genügt für das ital. moeeio (vgl. marcio = mareidus), aber 
nicht für das franz. mois (vgl. rance = raneidus) und die übrigen 
Sprachen. Ähnlichen Bedeutungswandel zeigt luridus, Arch. 
III 517. Das ital. mogio schläfrig, schwermütig, kommt vom 
franz. mois (vgl. cervogia — franz. cervoise; s. Arch. III 523 
unter niale-vatius und III 525 mansio-nem). Dem franz. (prov.) 
Zeitwort mois-ir würde zwar niüc-ere (vgl. nois-ir = nÖc-ere] 
nicht aber niüc-ere oder mücc-ere (vgl. luis-ir = luc-ere, dress-ei 
= *direeti-are, Arch. II 102) Genüge thun; es ist daher am 
mois gezogen. Daför spricht noch besonders, dafs es de-^, 
starken Abwandlung entbehrt, die bei ähnlichen Zeitwörterc^, 
wie placere tacere = plaisir taisir u. a. nicht verloren g< 
gangen ist. 

müccidus = mücidus nach: frauz. moiste feucht, schlaff (dahe 




Vulg&rlateiDische Substrate romanischer Wörter. 123 

limous. mousti feucht, engl, moist, span. mustio traurig, cat. 
inusti-ch schlaff, ital. moscio welk, lomb. moisc feucht, sicil. 
musciu), lothring. meuche, rät. musch feucht; (friaul. moscid 
teigig). 

S. Georges, s. v. mucidus; Diez, Et. Wt. I 217 moscio. 
Die Form des franz. Wortes ist nach ranci = rancidus und 
boiste = pyxida pyxis (s. Zeitschr. f. rom. Phil. III 269) zu be- 
urteilen; der rätischen steht marsch = marcidus, asch = aci- 
dus zur Seite; das friaul. moscid steht offenbar mit moscio in 
Zusammenhang. Die sinnliche Bedeutung blieb nur im Franz. 
und Rät Das span. mostio, das nach span. ranci-o = ranci- 
dua nicht Umwandlung von muccidus sein kann, wird mit 
franz. moisfe durch das limous. mousti vermittelt, woraus das 
Span, sich ein Eigenschaftswort zweier Endungen schuf. Ebenso 
entstand moscio im Ital. (kein andrer lat. Konsonant als s er- 
giebt ital. s), das *moistio den Wörtern auf -oscio zugesellte, 
wie das, dem franz. mo&te nach Form und Bedeutung noch 
näher gebliebene lomb. moisc sich an die auf -schio (vgl. ne- 
visc&io und nevislio Glatteis) anschlofs. Das Friaul. hat lisp 
im Sinne von mucidus, das Sicil. lippu für mucus. 
müccu8 statt mücus (Marx müccus), nach: sard. inuccu, span. 
moco, port. inonco monc-ar, cat. moch moc-ar, neuprov. mouc 
Lichtschnuppe, mouc-os rotzig, rom. Schweiz mokka Rotz, franz. 
mouch-er schnauzen, mouch-ure Lichtschnuppe, rät. moc mocca 
Rotz, Lichtschnuppe, rum. mucn, ital. moccolo Lichtschnuppe, 
piemont. moch, calabr. muoccu Rotz. 

S. Georges, s. v., Diez, Et. Wt. II a moccio, II moucher. 
Ausnahmslos liegt -ücc- zu Grunde, 
mügilare müglare nach: sard. muilare; ital. mugghiare (friaul. 
mugulä mugnulä). 

S. Georges, s. v., vgl. Diez, Et. Wt. I mugghiare; Du 
Gange mugulare. Das franz. meugler mugler brüllen hat nichts 
damit zo thun, ist vielmehr lautmalende Umgestaltung des 
gleichbedeutenden beugler bugler (Diez, Et. Wt II ). 
a Ö leere (Marx) nach: ital. möleere. 

S. Georges, s. v. Ebenso wegen rom. o: 
*Ülctrarium, nur rät. (tirol.) moltra. 

S. Georges, s. v. 
^tilgere (Marx) nach: sard. mulliri, span. (arag.) muir, port. 
tuungir, cat. munyir, prov. molser, franz. (picard.) moudre; 



124 G. Gröber: 

rät niulger, ruui. uiulge, ital. niungere; lomb. molg, piemont. 

1UOD86. 

S. Georges, s. v., Diez, Ei Wt. I mungere. Die Gruppe ng 
bewirkt, dafs im Ital. etc. u beibehalten ist; vgl. Arch« III 515 
lougus. Wo n an Stelle von 1 trat (Spanien; Ital. ), fand Anschluß* 
an die Zeitworter auf ngere statt, (span. ungir pungir, pori 
jungir ungir, ital. ungere pungere u. 8. w. — lat. ungere pungere 
jüngere.) 

müllus (Marx u) Meerbarbe, nach: franz. mul-et, ital. mullo. 

S. Georges, s. v., Diez, Et. Wt. I muggine. Rom. u, ü — 
lat. ü. 

muH us (Marx) nach: span. mucho, port muito, cat molt, pro?, 
niult, altfranz. molt, rum. multu, itaL molto. 

S. Georges, s. v., Diez, Et Wt IP mucho. Rom. o — lat. 
ü; im Span. Port, ist u für ü vor, zu *jt, (daher port. it 
span. ch) verwandeltem lt Regel (vgl. span. eseuchar, port 
eseuiar). Ebenso ü bei: 

mündare ^Marx) nach: sard. mundare, span. mondar, pori. mon- 
dar, prov. mondar, franz. monder, itaL mondare. 

müudus (Marx) nach: sard. mundu, span. mondo, port mundo, 
cat. mon, prov. mon, franz. monde, rat mund, itaL mondo. 

musca iMurx ü) nach: sard. musca, span. mosca, port mosca, 
cat. mosca, prov. mosca, franz. inouche, rat musca, rum. mu- 
sca. ital. mo^ca. 

inüscea aus musca nach: rat. (tirol.) moscia Bremse, ital. moscia 
kleine Fliege. 

Bildung wie bestia zu besta (Arch. I 1:50, 588, III 107), 
taurea und taura. Romanisch findet ein morphologischer Aus- 
tausch zwischen sc und sc nicht statt. 

mu seil! us bemoost, nach: rat. misch uiitsch, mQsch mQtsch 
schimmelig. 

8. Georges, s. v. Zur Wortgestalt vergl. rat. marsch = 
mareidus u. a. Die Bedeutung Moos und Schimmel vereinigen 
sich auch bei dem span. nioho is. u. inuscus). Zusammenhang 
mit müccidus ^s. o uud miliare ^s. o' ist, durch das rat fl 
neben i ausgeschlossen. 

musclus ^Marx u^ Muschel, nach: ^cau musclo. neuprov. muscle^^ 

aittYan*\ mousle m;;i>\\ trau.'. :uo:;lo. nu. uiuschla. dtaeh. MuscheV, 

5>. lieor^es. s. v.. v£i. l>;cr. Kt. Wt. 1 nicchio. Das fraix^ 

o uud sl ^vergl. Arch. 111 -7 masc ius verwehren eine 



Vulgärlateinische Substrate romanischer Wörter. 125 

leitung aus mltylus (s. o. mlt'lus). Der cat. und prov. Aus- 
druck gehört der Gelehrtensprache an. 
m08cus müsc'lus Moos (Marx ü) nach: sard. nuscu, span. musgo, 
port musgo. — Sonst: rät. mustl (tirol.), müschiel miskel 
meschel, mm. muschiu, ital. muschio. 

8. Georges, s. v., Diez, Et. Wt. I musco. Nicht sowohl 
die spanischen Formen mit u sichern lai ü, denn der volks- 
tümliche Ausdruck für die Sache ist in Spanien deutscher Her- 
kunft: moho (s. Diez, Et. Wt. I muffo), wie in Frankreich: 
franz. mousse, prov. moesa, cat molsa d. i. dtsch. moos (siehe 
Diez, Ei Wt II C mousse), das in der Suisse romande auch noch 
die Bedeutung Moor, mooriges Thal, festgehalten hat; als viel- 
mehr die ostromanischen, bes. die rät Worter, deren ü i nur 
lat. ü entsprechen kann, und denen keine anderen Ausdrücke zur 
Seite stehen. Altital. moscolo bildet hiergegen keine Instanz. 
Das Arch. II 262 belegte muss-ula Moos bezeugt das frühe Ein- 
dringen des deutschen Namens in Frankreich, zugleich aber 
auch die Möglichkeit eines Deminutivums wie musc-ulus, das 
übrigens auf die ostromanischen Sprachen beschränkt ist. In 
Sicilien lippu (von Xücog Fett) = Moos, Schleim, Kleber (vgl. 

aififltac-(eus) «-» pvöxafc Schnurrbart, nach: ital. mostaccio, njo- 
stachio, auch Maul, Gesicht Daher span. mostacho, franz. mou- 
stache, rät mustazz, rum. mustate. 

S. Diez, Et Wt. I mostaccio. Die Darstellung des v als o 
deutet auf ein vom römischen Volksmund fortgepflanztes Wort 
(8. Diez, Gram. I 168). Ein unvermittelter Zusammenhang 
zwischen dem rum. und dem Grundwort wird durch den Aus- 
gang -ate ausgeschlossen, der weder -acem noch -aceum ent- 
spricht; das rät. zeigt die nordital. Wiedergabe von -aceum; 
im franz. moustach ist s wie che gegen die Lautregeln; der 
Erbwortcharakter des span. Wortes kommt nicht in seiner Ge- 
stalt zum Ausdruck, und wird besonders zweifelhaft, weil Süd- 
frankreich, Catalonien und Portugal des Ausdrucks entbehren. 
mtUteia = mustella (Marx ü) nach: prov. mostela, altfranz. 
musteile moustoile moutele Wiesel, Schmerle, lothring. moteile, 
Schweiz motaila Schmerle; rät. musteila (ü nicht ü) neben 
misteila Wiesel; s. auch Arch. glott II 51. 

Rom. o = lat u; rora. ei oi = e; zum franz. Wort vgl. 
Thurot} Prononciation franc. I 405. 



12G ö. Gröber: 

müstio-nem mustio nach: ital. moscionc Mostfliege, Säufer. 

S. Georges, s. v., Diez, Et. Wt. II* moscione. Die erste 
Bedeutung steht sicher durch das Zeugnis Isidors 12, 8, 16. 
Für dieselbe würde Bildung aus ital. moscia -f- one ( 8 - °- 
muscea) anzunehmen unzulässig sein, weil der Nachdruck bei 
der Benennung auf dem Artbegriff liegt. Rom« o-»8. Ebenso: 

müstum (Marx) nach: span. mosto, port. mosto, cai most» pro?. 
most, franz. nioüt, rät. most, runi. mostu, ital. mosto. 

Mütica = Mytice Movtovxa nach: ital. Mqdica, sicil. Mudrica 
(nach gef. Mitteilung von Guastella). 

S. Georges, 8. v. Abgesehen von dem Vokal der vorletzten 
Silbe steht die griech. Schreibung der italien. Wortfonn naher 
als die lateinische und vermutlich ist das tonlose ou erst sici 
lianisch zu i durch Angleichung geworden. 

müt'lus? = mütilus nach: span. mocho (daher cat. motxo), port. 
mocho hörnerlos, abgestumpft, (rum. muchie mute Rücken [am 
Messer], Falz, Kerbe u. s. w.). 

S. Georges, s. v., Diez, Et. Wt. I mozzo. Da der Zusammen- 
hang des span. cach-orro mit lat. catulus, den Diez, Et. W^- 
Tl b s. v. andeutet, nicht sicher ist, und span. ch nur hinfc* 5 * 
, Konsonant aus t'l zu erwachsen scheint (s. Arch. II 144 astul*}> 
so ist trotz der genauen Übereinstimmung des span. und l»* - ' 
Wortes in der Bedeutung und den sonstigen Lauten die Ideiffc* - " 
tat beider nicht gewifs. Das bergam. niotfd, mail. m\\66 v 
trägt sich (nach vec'tf = vetulus) allerdings mit mut'lus; 
es deckt sich in der Verwendung mit ital. mozzo (mozz 
verstümmelt, abgestumpft, in welchen Bedeutungen auch n» 
rät. muotsch muott mott gebraucht werden, deren Anlaut mit 
(vgl. vegl = vetulus), so wenig verträglich ist, wie das zz d 



ital. mozzo. Das erst neufranz. mousse, neuprov. mos stumpf, — ~ "" 



abgestumpften Hörnern, könnte auf das ital. Wort zurückgeh^^ 
(vgl. franz. banqueroutte aus bancherotto und caresse aus i 
carezza), wäre hier nicht, wie im limous. mout und andre- 
scits im gredner. mul die spezielle Bedeutung von mutil 
(mit abgestumpften Hörnern) wieder vorhanden. Auch 
deutschem mutzen (Diez a. a. 0.) ist nur ein Teil der 
Wörter vereinbar (nicht z. B. mul, mout). Mit einem *muti 
(vgl. mut-icus) vertrüge sich nur mozzo mos und etwa mousst 
noch weniger Formen wären von murc-us (s. Georges s. v.) 




Vulgarlateiniscke Substrate romanischer Wörter. 127 

zu erklären. — Das mm. Wort ist seinen Bedeutungen nach 
aus mutilus schwer zu entwickeln. 

Die beliebte Ableitung *mut(i)l-o-nem im Sinne von 
Hammel (s. Diez, Et. Wt. I montone; Flechia im Arch. gloti 
II 340), die für span. moton, cat. moltö, prov. moltö, altfranz. 
molton, franz. mouton, picard. monton; ital. montone Widder 
venet. molton (Bonvesin molton), sicil. muntuni zu Grunde ge- 
legt wird, der aber bei Ducange seit dem 8. Jahrh. multo-nem 
gegenüber, und nur sehr spat belegtes mutilo-nem zur Seite steht, 
hat das Bedenken gegen sich, dafs die Endung -on-em in dem 
vorliegenden Sinne, weder lateinisch noch romanisch sich mit 
Eigenschaftswörtern, vielmehr nur mit Hauptwörtern vereinigt. 
Wo das erstere der Fall zu sein scheint (z. B. ital. bos-one 
Art Trompete aus buso leer, Loch), hat das Adjektiv zugleich 
substantivische Bedeutung, und diese ist bei mutilus so wenig 
nachzuweisen, wie die bei *niutilonem für mutilus voraus- 
gesetzte: kastriert. Es ist daher fraglich, ob nicht für 
mittellat. mult-o ein Grundwort fremder Herkunft mult- = 
Hammel (vgl. tirol. mot = Hammel) den Ausgangspunkt 
bildete. Seine Heimat würde das keltische Gebiet gewesen 
sein. Denn im Span., das den Hammel carnero nennt, ist 
moton, weil lautregelwidrig, franz. Lehnwort; auf denselben 
Ursprung weist im ital. montone Widder, Bock das n bin, 
wodurch volksetymologisch molton als der „Be Springer" (nach 
mont-are bespringen) gedeutet wurde (ebenso picardisch). 
tittum zu mutt-ire, nach: cat. mot Ausspruch, Wort, prov. 
mot (Donat. proenz.), altfranz. mot mot. 

S. Diez, Et. Wt. I motto; s. noch Georges, mutmut. Das 
span. und port. mote, Spruch, geben durch abgeleitete Bedeutung 
und ausl. -e für -o (vgl. span. brulote bigote aus franz. brülot 
bigot) ihre Herkunft aus dem Franz., das ital. motto, Spruch, 
lenselben Ursprung durch Bedeutung und o statt o zu erkennen. 
?tkr eine Wiederholung auf italienischem Boden der Verände- 
"u.Dg des p zu o, die sich in französischen Texten noch ver- 
folgen läfst und im Franz. vereinzelt dasteht, ist ein Grund 
licht zu ersehen. Das südital. muttu mutto zeigt u für ital. o, 
wie sicil. murra = ital. mora, murga = ital. mqrchia u. a. 
rxa Docht, im span. mecha Docht, Lunte (daher port. mecha; 
fcat. metxa Lunte), prov. mecha mecca, neuprov. auch netse, 
franz. meche mesche, (daher ital. miccia Lunte; calabr. micciu). 



128 G. Gröber: 

S. Georges, s. v., Ducange; Diez, Ei Wt. I. miccia. Die 
nur Lunte bedeutenden Wörter sind entlehnt. Docht heilst 
port. pavio, cat. bled ble, ital. stopp-ino; auch rät. (lum-elg), 
ruin. (mucu), sard. (zaffo) bestehen eigne Wörter. Die Volks- 
üblichkeit des griech.-lat. Namens scheint sich auf das Span, 
und Franz. zu beschränken; er genügt aber mit seinen Lauten 
weder span. mecha noch franz. meche, da z weder hier noch 
dort zu ch wird. Da aber das span. und franz. ch verschiedene 
Grundlagen haben, mufs span. mecha, für das auch arab. Ur- 
sprung ausgeschlossen ist, auf franz. meche oder dieses auf 
jenem beruhen. Unvereinbar sind ferner auch das prov. mecca 
(14. Jahrh.) mit dem franz. mesche, das allerdings erat eine 
spätere Zeit überliefert. Nicht ohne Gewalt wären die vor- 
handenen Formen aus *mesca *misca unter französ. Ver- 
mittelung herzuleiten, worin aber berechtigte Vertreter des, 
seiner Bedeutung und mittelalterlichen Verwendung wegen von 
den rom. Wörtern kaum zu trennenden myxa nicht wohl ge- 
sehen werden können. 

N. 

NamnStes statt Naninetes, nach: franz. Nantes. 
S. Georges, s. v., vgl. Arch. II 270 Isara. 

näpus nach: sard. napa napu, span. naho naba, port. nabo, cat 
nap, prov. nab-et, franz. nav-et nav-el, rum. napu, ital. napo. 
S. Georges, s. v., Diez, Et Wt. II nabot 

Narböna = Narbo, nach prov. Narbona, Narbouno, franz. Nar- 
bonne. 

S. Georges s. v. Narbo Narbona. 

nar-ina aus naris, nach: franz. narine, auch Mundarten. 

Vgl. Georges: narin-osus. Bildung wie *pector-ina Brust 
= franz. poitrine (s. u.), radic-ina (s. Georges). Die altfranz. 
Nebenform nar-ille, der ein *naricula entsprechen würde, hat 
in der latein. Überlieferung keinen Anhalt; sie versteht sich 
durch Einwirkung der franz. Ableitungen aus nasus: nasille 
nasiller u. dgl. Da eine franz. Bildung aus unbezeugtem franz. 
*ner für nar-em e in der Stammsilbe haben müfste, ausschliefs- 
lich aber narine sich iindet, so ist narina als eine Form des 
gallischen Lateins aufzufassen. — Das Grundwort bewahrte 
das Sard. (nare Nase), das Altprov. (nar), das Rum. (nare 
Nasenloch) und Ital. (nare). — In Spanien wird nasus durch 



Vulgarlateinische Substrate romanischer Wörter. 120 

nar-iz Nase, Geruch (span.), port nariz, cat. nar-iz, (auch ital. 
nar-ice Nasenloch, ruail. nar-is) vertreten, das, da dem Span. 
Port. Cat nar-is selbst abgeht, eine lateinische Ableitung nar- 
ice in nar-ix aus naris voraussetzt, für die (das in Spanien fort- 
erhaltene cervix das Vorbild abgeben konnte, da es nächst 
Nacken auch Schlund, Flaschenöffnung bezeichnet und sich so 
in gewissem Sinne in der Bedeutung mit naris berührt S. auch 
natica. 

narrare nur im sard. narrere = sagen; das allgemein rom. dicere 
wird im Sard. dadurch ersetzt. 

Vgl. Georges, 8. v. narrare am Ende. 

nassa nicht naxa, nach: sard. nassa, span. nasa, port. nassa 
neuprov. nasso, franz. nasse, nanse, rät nassa, ital. nassa 
Fischreufse. 

S. Georges, s. v.; naxa hätte im Port, neiso, frauz. naisse 
ergeben. 

natica aus natis, nach: sard. natica, span. nalga, port nadeca, 
prov. natja (nagga), altfranz. nache, franz. nage, ital. natica, 
friaul. nadie. 

S. Diez, Et. Wt I 8. v. Das Grundwort geht den rom. 
Sprachen ab. S. Ducange s. v., Hildebrand, Gloss. lat S. 216 
nates, Lowe, Prodrom. 409; Gloss. nom. S. 38. 58. 

nasturcium nur sard. martuzzu, span. mastuerzo, port mastruco; 
neuprov. nastoun, wallon. mastouche; sicil. mastrozzu, venet 
nastruzzo, piemont bistordd 

S. Georges, s. v., Diez, Et Wt. I nasturzio und Anhg. ma- 
stouche. In den andern Sprachen in gelehrter Form oder volks- 
etymologisch entstellt Rom. o = lat. u. Nur die mit dem Span, 
in Beziehung stehenden Sprachen zeigen m für n. 

natta für matta (Flechte, Decke; rom. auch Rahm u. s. w.) nach: 
span. nata, port nata, cat. nata Rahm; neuprov. natta Decke, 
franz. natte Flechte, Decke; ital. natta Flechte, lomb. natta 
schlechter Käse. 

S. Ducange natta; Diez, Et Wt.ll b nata, 11° natte; Zeitschr. 
f. rom. Phil. IV 563, V 564; VI 121 zur Bedeutung. Altfranz. 
noch matte Käse, daher mat-on geronnene Milch, daher cat. inatö. 
Das auf den drei Hauptgebieten der rom. Sprachen begegnende 
n in Verbindung mit der weitverbreiteten abgeleiteten Be- 
deutung des Wortes deutet auf frühzeitige Veränderung des 
Anlauts von matta hin. — Matta, Decke, besteht daneben 

Archiv für lat. Loxikogr. IV. Hüft 1. 



130 G. Gröber: 

französ., italien. und deutsch. — Erst romanisch dürfte nappa 
statt mappa, Vortuch, gesagt worden sein (s. Diez, Et Wt 11° 
nnppe). In Spanien wird es durch andere Ausdrücke ersetzt; 
ital. lautet es noch mappa Tischtuch, piemont. mapa; nur 
franz. nappe (neuprov. nappa) Tischtuch, jedoch wallon. 
inapp, — und freilich auch albanes. nappe-a Käsetuch. Das 
rat. nappa wird durch das deutsch-schweizerische Nappe mit 
dorn franz. nappe vermittelt. Ital. nappa Quaste, = lomb. mappa 
ist mit der latein. Bedeutung wohl zu vermitteln; ob aber nicht 
auch an napus (s. o.) gedacht werden darf, mit dem sich der 
Begriff eines kugeligen in Faden auslaufenden Korpers verbindet, 
bleibt zu erwägen. 

nanclerus und nauticarius Schiffführer, nach: 1) ital. nocchiere 
idaher sieil. muWtieri): 2) prov. nauchier (danach cat. nauxer, 
altspan. naucher nauchel>: franz. nocher. 

S. Georges s. vv. f Diez. Et. Wt. I nocchiere, Förster in 
Zeitsehr. f. rom. Phil. 111 566. Der eigentliche Ausdruck für 
den Begriff in den rom. Sprachen ist marinarius. Den rom. 
Mundarten fehlt das Wort. Auch ital. nocchiere (übrigens 
schon bei Pante N und franz. nocher 'erst seit 16. Jahrh. be- 
kannt \ sind nur poetische Benennungen, wahrend prov. nauchier 
iCarbonel de Marseille, li*. JahrlO volksüblich gewesen zu 
sein scheint ^prov. naucler nur in Übersetzung« werken). Da 
prov. franz. eh. ital. chi sich nie in demselben Gruudlaute be- 
iiegneu. erstres nur eh letzteres nur «Cons.- + ca entspricht, 
so liegen verschiedene Etyma zu Grande. Nauclerus schlug 
sich in Italien :\\ den Wortern auf -Srium twie monast^ro 
— inonasterir.irA Per I.ehnwortchararakter des span. cat 
Nomons Heer auf der Haiui: av.eh franz. nocher kann aus dem 
Süden stammen v*;!. prov. Aurenga. franz. Orange). 

uaviceüa nicht v.a.ueiia. r.a*h: :'ran.\ nacelle (daher neuprov. 
iisce'.'o. spar., r.acisa . i:a".. r..iv:oeI".a, ^ergani. naizella. 

>- Georges, s. v.. P-.s*.\ K:. W:. W nacelle. Da« einfache 
W^r: r.t*: trar.r.. lere v..i: — ■ :.iv:s -r^^-chte eine solche Ab- 
"e::*.:r.e r.u/.: l:v. V:-av:. w ; :>: „■. *.:v. l-rr^-i:^. a-i naueella zurück. 

r.eV .* -■ v.c : ■.:"*, :•*.::; >srl ..■;:;'.& . >:\sil sie&a. ^port. nevoa); 
ca:. y.ev.'.a M*r..:a:.. K.:;"> ;: **: .. yrov. sebl* neula. altfranz. 
v.sv:*-.*. :•;•;::>: v:*K:\ ri.: :.?.• ä. ?:::.. n«^ra . ital. nebbia. 

> v : ;vrci*s. * * . * v - **-' ^ ■ " r.^v^A. Das sardische 



Yulg&rlateinische Substrate romanischer Wörter. 131 

Wort stammt von dem gleichbedeutenden catalan. Portug. 
nevoa ist zu beurteilen wie niagoa (s. Arch. III 520; vgl. S. 508), 
wie artigo (artigo-o) neben artelho = articulus ; insua und ilha 
= insula, cfr'abo (diabo-o) = diabolus, tavoa = tabula; zum Teil 
gleichbedeutend ist cerrafäo. Das rum. Wort ist, nach staulu 
«= stabulum, fauru = faber beurteilt, entlehnt und zeigt wie 
ital. nugolo = novolo lat. nubilus (rum. nouru) ein noch zu er- 
klärendes g für -b-. 

neb'lus Hühnergeier, nach: (altspan. nebli Edelfalke, s. Baist, 
Don Manuel S. 114; pori nebri), altfranz. nieble; ital. nibbio, 
sicil. nigghiu, mail. nibbi, bologn. nebbi. 

Vgl. Diez, Et Wt. I» nibbio, Förster, Lyon. Yzopet S. 139. 
Zusammenhang mit miluus (*mivlus) ist wegen \ das nur für 
liibbio sich fügt, zweifelhaft. 

necare ertranken, nach: span. a-negar, cai a-negar, altprov. negar, 
franz. noyer, altfranz. neier, rät. nagar; rum. a in-neca ersticken, 
ital. an-negare; ven. negare. 

S. Georges, s. y., Diez, Et. Wt. I. In derselben Bedeutung 
bei Gregor von Tours. Wohl verkürztes e-neeare, das in den 
Formen mit a-, in- noch erhalten zu sein scheint. Das Präfix 
fehlt nur in Frankreich und im Rät 

nee und neque, nach: 1) sard. nen, span. ni, port. ne-m (wegen 
näo = non?), cat. ni, prov. ne ni, franz. ni, rat. ne, ital. ne; 
2) rum. nid. 

Neque nur rtfm. (vgl. rum. ci = quid). 

nec'unus keiner, nach: span. ninguno (port. nenhum), cat. ningun, , 
prov. negus, altfranz. negun, rät. naginn. 

Vgl. Diez, Et. Wt. I niuno. Die Verschmelzung ist vor- 
romanisch, nach der Darstellung des c als g. Die romanischen 
Bildungen mit nee, das schon in den ältesten rom. Texten ohne 
c auftritt (9. Jahrb.), zeigen keine Spur von c mehr: prov. 
ni-ent (ni -(- ent-em), altfranz. ne-ull (ne + ullus), ital. ni-uno 
(ni + uno). 

Nemausu8 = Nipavöog, nach: prov. Nemze, franz. Nim es. 

S. Georges, s. v. Die griechische Betonung liegt zu Grunde. 

nemo nur: sard. nemus, rum. nime und in ital. Mundarten nimo, 
nimmu (cors.). 

S. Georges s. v., Diez, Et Wt. II* nimo. 

n€pta und nSptia = neptis, nach: 1) sard. nepta, span. nieta 
(dazu nieto Enkel), port. neta (dazu neto Enkel), cat. net (msk.!); 



132 G. Gröber: 

prov. nepta und netsa, franz. niece, rät. niazza nezza, itaL nezza; 
calabr. niepita! 

S. Diez, Et. Wt. II C niece. Nepta z. B. CIL. X No. 7645 
(Sardinien); nepta CIL V 2208 (s. Index); vgl. Arch. glott 
ital. III 281 zu neptia. Nepta in den älteren Sprachen bis 
Proveuz., von da ausschließlich nepta. Das picard. en- nette 
stellt für uen-ette nin-ette Base, Kindchen (Corblet, Gloss. dn 
patois picard), gehört also nicht hierher, sondern zu ninna (s. u.). 

nSrvus nerviuru nach: sard. nerviu, span. neryio, niervo, port 
nervo, cat. nirvi, prov. nervi; franz. nerf, Genf nierfe, picard. 
uier, rät. nierv, rum. nevru, ital. nerbo, nervo. 

S. Georges, s. v., Di^z, Et. Wt. II b nervio; nervio bis zum 
Prov.; rom. ie = lat 6. 

nSscius (Marx) nach: span. nez-ucla, port nec-ear albern; cat. 
neci, prov. nesci; franz. nice niche, ital. ngscio n§sci. 

S. Georges s. v. In Spanien ist das Wort einheimisch, 
aber die Qualität des e ist fraglich; das cat. prov. nesci ist 
Lehnwort; dem Auslaut zufolge auch das franz. Wort, das ital. 
verrät sein Alter nicht. 

nespilum mespilum (Marx) nach: span. nespera, port. nespera, 
cat. nespla, prov. nesple, altfranz. nesple, franz. nefle, Mons 
neppe, picard. neple, rum. nespilä, ital. nespola, sicil. nespula, 
friaul. gnespul. 

S. Georges, s. v. mespilum, Diez, Et. Wt. I nespola. Die 
Nebenformen des französischen Nordens (wallon. mese mespe, 
picard. meille mesle, norm, meille) stehen unter dem Einflüsse 
des botanischen Namens um so eher, als die M. zu den Kultur- 
pflanzen zählt. 

ntmbus (Marx) nur ital. nembo, Kegengufs u. s. w. 

S. Georges, s. v.; port. nembo hat andere Bedeutuug nnd 
daher andre Grundlage. 

ninna nach sard. ninna Wiege, span. niiia Augapfel, nino Kind; 
port. fazer nina schlafen, niuha Wiege; cat. nina Pupille, Puppe; 
rät. ninar einwiegen, ital. ninna Kind, Wiegenlied u. 8. w., 
ninnar einwiegen. 

S. Diez, Et. Wt. I ninna. S. auch oben nepta. 

nitidus nach: (sard. nettu), (span. neto); port. nedeo feist, cat 
net, prov. nepte net, franz. net, rät. nett rein, neidi unbehaart, 
glatt, rum. netedu, ital. netto. 

S. Georges, s. v., Diez, Et. Wt. I netto. Die kurze Form 



Vulgftrlateinische Substrate romanischer Wörter. 133 

erscheint der Verbreitung nach als vorromanisch. Sard. uettu 
ist jedoch aus dem Ital. genommen; das span. Wort Gallien 
(vgl altspan.: pudio = putidus); das rät. neidi zeigt mit port 
nedeo (vgl. tivio = tepidus) und der rum. Form den Fortbestand 
des unverkürzten nitidus auf allen rom. Sprachgebieten an. Rät. 
net ist Lehnwort Nach ital. putto (putidus) gehört net aber 
nicht ausschliesslich Nordfrankreich an. Hiernach ist das Arch. I 
540 über nitidus Bemerkte zu berichtigen, wiewohl sich für 
die dortige Auffassung z. B. auch span. nov-io zu novus an- 
führen liefse. 

nivare schneien, nach: sard. nivare, span. nevar, port. nevar, 
prov. nevar; bologn. nVar. 

Läfst sich wohl aus nivatus folgern (s. Georges 8. v.); das 
rom. Partizip besagt ebenfalls „durch Schnee gekühlt". Aus 
ihren Formen für nix konnten die obigen rom. Sprachen aller- 
dings das Verbuiu selbst ziehen; aber sie bilden hier wiederum, 
abgesehen vom bologn. n'var, eine chronologische Reihe. Nach 
dem rat. Gebiet gelangte nivere (= neiver), in Rumänien 
blieb ningere (= a ninge); Frankreich und Italien haben uu- 
bezeugtes nivicare = ital. nevicare, franz. neiger übernommen; 
daher franz. neige Schnee (anders Diez, Et. Wt 11°), wie prov. 
liiva Schnee von nevare. Von neif noif = nivem konnte das 
Franz. nicht zu neiger selbst gelangen. 

nivem nix, im Sard. nie, span. nieve, port. neve, cat. neu, prov. 
n$u ni§u, altfranz. neif noif, rät. neiv, rum. ueä, ital. neve. 

S. Georges, s. v. Hier nur erwähnt wegen des span. ie 
för 1; 8. dazu Arch. III 512. Ebenso ist das prov. ni§u (rei- 
mend mit bri$u = brevem) zu verstehen. Das Ztschr. f. rom. 
Phil. IX 482 erwähnte nif dürfte sich ebenfalls an levare an- 
geschlossen haben. Das bergamask. nif versteht sich wie berga- 
mask. bif = bibere. 

nöbilis lautet sard. nobile, span. noble, port nobre, prov. noble, 
franz. noble, rät niebel nobel edelgeboren, edel, ital. nobile, 
sicil. nobbili u. s. f. 

S. Georges, s. v.; vgl. Förster in Zeitschr. f. rom. Phil. 
III 562. Die Behandlung des o im Franz., Rät, Ital. deutet 
nur scheinbar auf Umwandlung des lat. o vor Labial zu Q (vgl. 
Arch. II 425 flovius; o. S. 118 mobilis). Aber da bei Buch- 
wörtern derselbe Wandel sich beobachten läfst, und z. B. glö- 
ria vietöria, rät. gliergia, franz. victqire werden, bei sicil. 



134 G. Gröber: 

nobbili die Konsonantendoppelung das ital. Lehnwort kenntlich 
macht, und bei span. noble (vgl. inueble, o. S. 118) nicht von 
8 die Rede sein kann, so entfallt das Wort aus der Reihe der 
rom. Erbwörter. 

nöctem nöx (Marx) nach: sard. nocte, span. noche, port. noite, 
cat. nit, prov. nuech, franz. nuit ; rät. uoig, rum. uopte, ital. notte. 
S. Georges, s. v. Rom. o ue ui. = lat. Ö. 

nöctanter nur im Franz. nuitantre. 

8. Georges, s. v. Bei Diez, Et. Wt. II mit anderer Er- 
klärung. 

Nöla (Georges) Ncoka steht gegenüber ital. Nola, während ö in 
gleicher Stellung sonst als ital. o erscheint (sölus a = solo a). 

nön 1) im Sard. non, span. no, port. näo, cat. no, rum. nu. 
2) prov. non nein, no nicht; altfranz. non nein, neu ne nicht; 
ital. no nein, non nicht. 

S. Georges, s. v., Diez, Et. Wt. II ne. Die Fornienspal- 
tung ist nur gallisch und italisch, und die kurze und lange 
Form dienen gerade entgegengesetzten Zwecken; die Spaltung, 
für die, wie bei der Behandlung des Vokals, die proklitische 
Verwendung entscheidend war, ist daher erst romanisch. 

nönnus a, nach: sard. nonnu nonna Pate, -in, span. fiofio stein- 
alt, neuprov. nono Nonne, Großmutter, altfranz. nonne, -ain 
Nonne; ital. nonno Alter, nonna Grofsmutter, sicil. minnu a. 
Vater. 

S. Georges, s. v., Diez. Et. Wt. I nonno; und belegt von 
Schuchardt 11 117; abgesehen vom Sicil. besteht o = lat ö; 
vgl. oben muttum. 

noptia = nuptiae, nach: (cat. noces), prov. nossas, franz. noce, 
rät. noazza nozza, ital. nozze. 

S. Georges s. v., G. Paris in Romania X 397 f. Nur in 
Gallien und Italien. Novus, das man in einen etymologischen 
Zusammenhang mit nuptiae (vgl. neuvermählt = vermählt) 
brachte (vgl. nova nupta, Georges s. v. mibo), bewirkte die Um- 
bildung von ü zu 8 nicht nur (G. Paris, 1. c), sondern trat in 
Spanien und Südfrankreich auch an Stelle von nupta, -us in 
der Form nov-io (vgl. lat. Nov-ius) Neuvermählter, -e, port 
noivo a, cat. novi, prov. novi, dazu prov. novia Hochzeit. Nup- 
tiae verblieb nur Sardinien (nunsas), das, wie das Rum., aus 
nupta daneben die Form nuntas (rum. nuutä) gewann. 

nöra = nurus, nach: span. nuera, port. nora, cat nora, prov. 



Vnlgarlateiniscbe Substrato romauischer Wörter. 135 

nora (Donai proenz.), altfranz. nore, rum. norä noru, ital. nuora, 

mail. pceura, sicil. nora. 

S. Georges, s. v. nurus; Arch. III 262 nur-u-a (sie), Schuchardt, 

Vok. II 160, Diez, Et. Wi I nuora; Rom. ue uo o = lat. Ö. 
nöscere (Marx) nach: sard. conuo schere, span. conocer, poct. 

conhecer, cat coneixer, prov. cono isser, altfranz. conoistre, rät. 

au-canuscher, rum. a eunosee, ital. conoscere. 
S. Georges, s. v.; Rom. o = lat. ö. 
nötare und natare schwimmen, nach: 1) sard. nadare, span. 

nadar, port. nadar, prov. nadar; 2) altfranz. no-er, rät. nudar, 

rum. in-nota, ital. nuotare, bergairu nodä, mail. nodä (neapol. 

natare), albanes. nottieni. 

S. Georges natare, Diez, Et. Wt. I nuotare; Schuchardt, 

Vokal. I 175, III 89. Natare bis zum Provenzalischen (ein- 

sehliefslich neapol.); notare vom Französ. an. 
nÖster (Marx) nach: sard. nostru, span. nuestro, port. nosso, 

cat. nostre, prov. nostre, altfranz. nostre, rät. noss, rum. nostru 

noastra, ital. nostro, friaul. nestri. 

S. Georges, 8. v. Rom. o ue = lat. 8. Die portug. Form 

ist hervorgerufen durch Anlehnung an das Demonstrativuni 

esse a os as (ipse a, u. s. w.), wie ese a (ipse a) im Span, das 

volksübliche nues-o zu nuestro treten liefs. 
novac'la = novaculum, nach: span. navalha, port. navalha, cat. 

navaja Schermesser. 

S. Georges, s. v., Diez, Et. Wt. IP nur in Spanien. Ob damit 

altprov. nau, Beil zum Behauen, in Verbindung steht? 
liücem nux, nach: sard. nughe, span. nuez (nog-al), port noz 

(nog-ueira), cat. nou, prov. notz, franz. noix, rät. nusch, rum. 

nueu, ital. noce. 

Allgemeinrom. o, also lat ü. Vom Span, nog-al weicht 

nuez ab; vgl. Arch. II 426 font-em. Ursache dieser Ausweichung 

wird sein, dafs o und ue im Wortstamme wechseln, und, wie 

ruego bitte, rogar bitten, huego hogar Feuer, Herd, lwego logar 

Ort bestand, so auch nuez (statt noz) zu nö^-al (Nufsbaum) die 

berechtigte Form zu sein schien. 
Nüceria nicht Nüceria, nach ital. Nocera. 

S. Georges, s. v. Die rom. Form entspricht der Messuug 

bei Paulinus von Nola. 
nüc'la = nueula, nach ital. nocchia grüne Haselnufs, friaul. uole. 
S. Georges, s. v. Das einem ü sonst nicht entsprechende 



136 G. Gröber: Vulgftrl ateinischc Substrate roman. Wörter. 

o kehrt wieder im Ital. bei nodo Knoten, Knöchel, Knorren = 
nödus (gegenüber sard. nudu, span. nudo, port. no d. i. no-o, 
prov. notz, altfranz. neu, neufranz. noeud, rät. nuv) nnd bei dem 
gleichbedeutenden nocchio, das jedoch nicht = nodulus (s. 
Georges s. v.) ist, da d'l nicht zu cchi wird, noch auch von 
nucleus Kern (trotz Diez, Et. Wt. II*) hergeleitet werden kann, 
da die Bedeutungen sich nicht decken, (auch gnoeco Mehl- 
klofs wird unrichtig daher von Caix abgeleitet; 8. Diez, Et. 
Wt. II R Anhg.; vgl. damit das. II a gnoeco). Der nur ital. o-Laut 
bei nodo schreibt sich her vom gleichbedeutenden ital. nocca 
Knöchel (s. die Herleituug des Wortes bei Diez, Et. Wt II*) j 
als Deminutiv davon ist nocchio (vgl. dtsch. Knöch-el) aufzu- 
fassen; nocchia scheint in diesen Wortkreis infolge seiner Be- 
deutung hineingezogen worden zu sein. 

nügalis nicht nöga-, nach: prov. nualla Possen, altfranz. uuak 

S. Georges, s. v. Diez, Et Wt. II nualh; u ü entspricht 

lat. ü. Port, nuga und ital. nuga mögen Buchwörter sein. . 

null us (Marx) nach: (sard. nudda Null; span. nulo nichtig: ge- 
lehrt; ebenso port. nullo nichtig); cat. null, prov. nul, franx. 
nul, rat. nul (nicht nil), ital. nullo, sicil. nnddu. 

S. George 8, s. v. Wenn auch das franz. nul aus altfrant 
ne-ul kommen und rät. nul in Abzug zu bringen sein mag) 
auch span. nulo nach Form und Bedeutung zum Zeugnis nicht 
zuzulassen ist und sard. nudda in seiner Vereinzelung (nudd** 
fehlt) nicht Erbwort sein mag, so wird ü doch von der pro^ - 
ital. Form hinreichend gestützt. 

Nürsia nach: ital. Norcia. 

» 

S. Georges, s. v. Ital. o nicht = lat. ü. 
nütrire nütrix, nicht nütrire nütrix nach: sard. nudrire; (span. 
nutrir nutriz) nodriz-a; (port, nutrir nutriz); cat. nudrir notrir, 
nudriss-a; prov. noirir noiriss-a (auch noirim ■=» nütrimen); 
franz. nourrir nourric-e (nourrain = prov.); rät. nudrir, nuors-a 
nurs-a Schaf (vgl. Arch. glott. VII 541; Schuchardt im Lite- 
raturbl. f. gerni. u. rom. Phil. 1887 S. 20); runi. nütrire; ital. 
nodrire (nütrire), nodrice (nutrice). 

S. Georges, s. v. v.; Schuchardt Vokal. II 186. III 225. 
Die Erbwörterformen deuten auf ü. 

(Wird fortgesetzt.) 

tftral'sburg i. E. G. Gröber. 



Miscellen. 
Randglossen zn Archiv III 355 ff. 

Hochverehrter Herr Kollege! 

Ihre Aufforderung zu einer Miscelle für den vierten Jahrgang 
des Archivs traf bei mir fast gleichzeitig mit dem Doppelschlufs- 
hefte des dritten ein. In demselben zog mich namentlich der Auf- 
satz über die historischen und geographischen Sprichwörter von A. Otto 
tn und da sich mir bei der Durchlesung desselben ungesucht einige 
meinem nächsten Stadienkreise entspringende Bemerkungen ergaben, 
so will ich, um Ihrem freundlichen Wunsche einigermafsen zu genügen, 
Ihnen dieselben, wie ich sie nach der Reihenfolge der Seiten stans 
pede in uno aufgezeichnet habe, zu dem gedachten Behufe mitteilen. 
Ich hoffe, dafs sie Ihnen dazu geeignet erscheinen werden; nicht 
minder hoffe ich freundliche Aufnahme derselben auch von dem Ver- 
fasser jenes Aufsatzes, dessen treffliche Arbeiten ich mit dem warmen 
hteresse begleite, das ich ihm seit dem Beginn seiner Studienjahre 
unausgesetzt zugewandt habe. 

8. 366. Den Titel der varronischen Satire bei Non. S. 40, 1 M. 
wird man nach der Überlieferung *Idem Atti quod Tetti', nicht *Idem 
Atti quod Titi' schreiben, wie schon Gerlach sah; dasselbe ist auch 
hei Öellius III 16, 14 und entsprechend im vorhergehenden Paragraphen 
Attio idem quod Tettio ius esto' herzustellen; s. meine Anm. zu § 14, 
Wo sich auch sonst einiges zur Ergänzung der ähnlichen vom Vf. beige- 
brachten formelhaften Verbindungen römischer Geschlechtsnamen findet. 
8.367. .Zur pugna Osculana bei Pest. S. 197 M. konnte auf 
Mercklins Abhandlung darüber in einem Dorpater Programm von 
1854 und meine Anzeige desselben in den Jahrbüchern f. Philol. 
LXXI334ff. verwiesen werden, S. 373 zu Hör. epp. I 17 v. 36 und 
dem entsprechenden griechischen Sprichwort Ov navxog ccvöqbg ig 
J&fyvfrov fofr' o nXovg auf Osann Philolog. VI 671 if. 

8. 377. Der Vers aus. dem Quintus des Titinius bei Pest. 8. v. 
Obscum S. 189 M. ist überliefert: *Qui Obsce et Volsce fabulantur, 
*am Latine nesciunt' und steht so auch bei Ribbeck (fr. VII CRF* 
8.148; 'Opsce' L. Müller Q. Ennius S. 21 6 f.). 

8. 378. Dafs nicht nur Capua wegen seines Luxus, sondern 
flafe daselbst auch die salbenduftende Strafse Seplasia, in der die 
ln iguentarii ihren Sitz hatten, sprichwörtlich war, konnte bei den 
Ktaten aus Varro und Cicero, die unter Capua erscheinen und aus 
däten es sich ergiebt, wohl noch ausdrücklich bemerkt werden: vgl. 



138 M. Hertz - 0. Keller. 

noch aufser den sehr unvollständig bei Festus S. 317 M. erhaltenen 
Versen eines Komikers (ine. poet. Adelph. . . Ribbeck CRP* S. 112), in 
denen jedenfalls eine entsprechende, wenn auch dem Wortlaute nach 
nicht sicher wiederherzustellende Äufserong steckt, Cic. pro Sestio 
§ 19 alter (sc. L. Piso) capillo ita horrido, ut Capua . . Seplasiam 
sublaturus videretur, sowie die in dem citierten Paragraphen (§ 24) 
der Pisoniana vorhergehenden Worte: Seplasia mehercule, ut dici 
audiebam, te ut primum adspexit, Camp an um consulem repudiavit 
und das varronische vielumstrittene*) 'Postumi cui(?) Seplasia fetet'. 

El>endas. Wie das Oskische und Volskische, so durfte auch neben 
der Ruhmredigkeit der Pränestiner ihre Sprache hier berücksichtigt 
werden nach Plaut. Truc. v. 690 f. (III 2, 22 f.), wo Stratulax das von 
ihm statt 'arraboneni' gebrauchte 'rabonem' rechtfertigt mit "A' facio 
lucri, Vt Praenestinis *conea' (s. G. Loewe ASPhL II 474) pro 'ciconia' 
und Trin. v. 609 (III 1,8) 'Tarn modo 9 inquit Praenestinus' nebst der 
entsprechenden Stelle des sogen. Probus de ultimis syllabis OL IV 
263,9 und des Festus s. v. Tammodo S. 359 M. und den von Loewe 
a. a. 0. und von F. Schoell in den Anmerkungen zu den plautinischen 
Stellen angeführten Erörterungen. 

S. 380. Das auf den Tempel des Jupiter Ammon bezogene 
oraculum 'arietinum' bei G. 111 3, 7 und 8 inufs wohl der Überlieferung 
geinäfs aus Afrika als oraculum 'Arretinum' nach Italien und somit 
nach S. 381 versetzt werden; s. ramentor. Gellian. mant. S. IS fg. 
(opusc. Gell. S. 63 ff.); meine Vermutung in dem Verse des plau- 
tinischen oder pseudo - plautinischen Fretum § 7 zu schreiben 'Nunc 
illud est quom Arreti ludis niagnis responsum datur' ist von C. F. W. 
Müller plant. Prosodie S. 339, 1 und von E. Lübbert gramm. Studien 
II 214 gebilligt worden (Winter Plaut, fab. dep. fr. S. 36 giebt, so 
wie ich jetzt im Texte, nur die verderbte Überlieferung 'Nunc illud 
est quod responsum arretini ludis magis dicitur* ) ; sicher steht jeden* 
falls durch die Übereinstimmung mit 'oraculi Arretini' § 7 das, was 
hier dabei allein in Frage kommt. 

S. 383 bei der Erwähnung des honigspendenden sie i lisch en Hybla 
ist das Chat e Gell. X 170' in 'Colum. X 170' zu verwandeln**); 
eine Hinweisung auf Gellius hätte sich dagegen wohl als weiterer 
Zusatz zu der Besprechung des Alcinous S. 228 (in dem Aufsätze 
desselben Verfassers 'die Götter und Halbgötter im Sprichworte') 
S. 387 beifügen lassen: 'cedere, inquit (Antonius Iulianus), vobis debui, 
ut in tali asotia atquo nequitia AI ein um vinceretis', nach der 1848 
im Rhein. Mus. VI 634 f. (opusc. Gell. S. 202 f.) gegebenen Textes- 
besserung für das überlieferte 'arcinum' oder 'arcinnuin', die ich schon 
1853 in den Text aufgenommen habe und auch heute noch für 
richtig halte. 

Breslau. M. Hertz. 



*) S. Ricöe Varr. sat S. 199; Bflcheler Rh. Mub. XIX 476 f. und Petron 
S. 20(3 der Ausg. v. 1882; L. Müller Jahrb. f. Phil. XCV 509; L. Havet rev. 
de phil. n. s. VII 180. 

'*) Statt trist. V7,38 ebenda«. 1. V6,38; st. Mart.Vll26,4 1. 1X26,4. 



**> 



Misccilen. 139 

Zu Catos Fragmenten. 

I. Die Form ques. 

Sogleich das erste Fragment des I. Buchs der Origines ist durch 
eine sonderbare Konjektur verunstaltet. Si ques homines sunt quos 
delectat etc. giebt die Überlieferung, in schönster Übereinstimmung 
mit dem Senatus consultum de Bacchanalibus , wo ques als Nom. 
Plur. des Indefinitums auftritt und scharf unterschieden wird vom 
Relativum, wofür die Form qui existiert; Jordan setzt aus eigener 
Erfindung queis. Ich würde es als selbstverständlich angeuommen 
haben, dafs Jordan seine Ansicht seit dem Drucke jener Ausgabe 
(1860) zurückgenommen hat, wenn nicht in seinen „kritischen Bei- 
tragen zur Geschichte der lateinischen Sprache, Berl. 1879", wo doch 
manche Catostelle behandelt wird, über diese Stelle geschwiegen 
wäre. Nach Charisius p. 91 hat Cato auch quescumque als Nom. 
Plur. gebraucht; um so weniger ist es angezeigt, jenen wahrschein- 
lich richtigen Gebrauch der Form ques beim Indefinituni dem Cato 
durch eine Konjektur zu verkümmern. 

IL Moscillns oder muscillusV 

S. 88 führt Jordan aus Festus an: [Moscillis Cato] pro pravis 
moribus dixit. Ohne Zweifel ist zu schreiben muscillis Cato pro 
parvis muribus dixit. Das o, welches K. 0. Müller , Ursinus und 
Jordan festhalten, ist schwerlich zu rechtfertigen; Übrigens ist mos- 
cillis blofs bei Paulus, nicht bei Festus erhalten. Museulis und muri- 
bus hat schon Salmasius emendiert. Da die handschriftliche Tradition 
parvis, nicht pravis, bietet, so entfernt sich obige Herstellung kaum 
weiter von der Tradition als die Jordans. Ein Deminutivuni von mos 
aber kommt mir etwas monströs vor: wer spricht z. B. im Deutschen 
von Sittchen, Bräuchlein u. dgl.V Musculus verhält sich zu muscu- 
ks wie oscilium zu osculum, auricilla zu auricula, ancilli zu ancula, 
farcilla zu furcula, penicillus zu peniculus, anicilla zu anicula. Das 
angebliche muscellarium = Mausfalle in den gloss. Philoxen. („Mus- 
cellarium] viverrarium, yaXeayqa u gehört nicht hierher, weil natürlich 
nmstellarium gelesen werden mufs. 

Zu Plin. epist. I 5, 14. 

Subiunxit egregiam causam: 'scripsit' inquit *in epistula qua- 
dwn', quae apud Domitianum recitata est, 'Regulus omnium bipe- 
dum nequissimus'; quod quidem Modestus verissime scripserat. 

Es ist mir nicht bekannt, ob das Wortspiel in den Worton Re- 
gulas — neqaissimus schon genügend in das Licht gestellt worden 
»t Offenbar ist der Sinn: wie der kleine Zaunkönig (regulus) der 
geringst zu achtende unter allen Vögeln sei, so sei der Denunciant 
Regulas der verächtlichste, schlechteste, geringste unter allen Menschen. 

Der Zaunkönig, regulus, bekanntlich der kleinste unserer ein- 
heimischen Vögel, kommt in der römischen Litteratur, wie es scheint, 



140 0. Koller - W. Jiraudes. 

blofs ein einzigesmal vor, im cannen Je philomela V. 42; danach ist 
er aber gewifs ein Singvogel: 

Regulus atque merops et rubro pectore progne 
Consimili modulo zinzinulare sciunt. 

Die Handschriften haben zinzizulare und zinzilulare, und zwar ist die 
bessere Handschrift für das erstere, was ich deswegen in den Text 
setzen würde. Kiese liest zinzinulare. Dieser Singvogel regulus ist 
identisch mit dem congelin der heiligen Hildegard (ed. Migne p. 1307), 
und ebenso mit dem ßaoiXioxog oqvig oder ogvvyiov der Griechen, 
Artemidor ]>. 234 IL: 7a Öh (wvaixa xal rjSv<pa)va cpiXoXoyovg wrl 
(tovoixovg xal svgxovovg^ ä>g zeliSav xal ayÖwv xal ßaötlfaxog xal w 
ofioia. Nach dieser Stelle ist der ßaadiaxog ein kleiner Singvogel. 
Die Identität von regulus und ßaadiaxog scheint mir ans Hesych. 
p. 1323 Seh. hervorzugehen: 'PoßiXXogl ßaadiaxog oovig. Da mit dem 
durchaus singulären (toßdXog nichts anzufangen ist, wird man (xydXog 
lesen müssen. Dafs man ihn für listig und abgefeimt hielt, geht aus 
der äsopischen Fabel vom Adler und ßaadiaxog hervor, Plutarcb, 
mor. p. SOG E. Der Adler, der höher als alle andern Vogel ge- 
flogen war, sollte eben als König ausgerufen werden; da flog der 
Zaunkönig unter einer seiner »Schwingen hervor, setzte sich auf seinen 
Kopf uud erklärte sich für siegreich. Dieses hinterlistige Gebaren 
des Vogels in der Fabel stimmt vort reiflich mit der Anwendung auf 
den obigen Denunzianten. 



Melo = Nilus. 

Eine der rätselhaftesten Veränderungen, welche sich die archa- 
ischen Lateiner nn einem Lehnworte erlaubt habeu, ist die Form Melo 
ttir Nilus: Fest. p. 124 M. Servius zu Verg. georg. IV 291. Auso- 
nius epist. 4, 75. Der Übergang von anlautendem n in m ist für 
die gesainte Latinität etwas so einzig dastehendes, dafs man, wenn 
nicht zufallig drei Zeugen der Form vorhanden wären, versucht sein 
könnte, die Sache für einen Irrtum der Tradition zu erklären, ob- 
gleich wir durch Wörter wie coluber = axoXoTtsvSoa^ Melerpanta ■» 
Bcllerophontes , alea = aargayedda u. v. a. in diesem Stücke abge- 
härtet genug sein düriten. Ich vermute, dafs die Form von einem 
nicht in Rom geborenen bedeutenden archaischen Schriftsteller ge- 
wagt worden ist im Anschlüsse an die Sprache seiner Heimat, unA. 
dafs dieses jetzt nicht mehr festzustellende Idiom zufällig die gleiche 
Liebhaberei hatte wie das Ungarische, wo der Übergang eines aa — 
lautenden n in m nichts weniger als unerhört ist. ,,Er lacht" heifs* 
sowohl nie v et als nevet, und jedermann kennt aus der ungarisch 
Geographie die Verwandlung des heil. Nikolaus in Szent Miklos. [Vgl 
oben S. 120 natta, 132 nespilum.J 

Trag. 0. Keller. 



Miscellen. 141 



Accipiter „Jagdfalke 44 . 

Im Eucharisticos des Paulinus von Gella findet sich v. 145 unter 
anderen Dingen, welche das Ziel der jugendlichen Wünsche des Ver- 
fassers bildeten, neben einem vclox canis auch ein spcciosus accipiter. 
Es bedarf kaum noch des Hinweises auf Sidon. Ep. III, 3 und IV, 9 
(m equis, canilms, accipitribus institucndis), um zu erhärten, dafs hier 
nur der zahme Jagdfalke (acccptor in der lex Salica) gemeint sein 
kann. Soweit mir bekannt ist (vgl. namentlich Lindenschmit, Handb. 
der deutschen Altertumsk. I, 453 ff.), haben wir in dieser bislang von 
niemand berücksichtigten Stelle das älteste sichere Zeugnis für die 
Übung der Falkenjagd im Abendlande; denn wenn auch das Gedicht 
selbst nicht lange vor der vermutlichen Entstehungszeit der lex Salica 
verfafst ist, nämlich 456, so bezieht sich diese Äufserung doch auf 
eine weit frühere Zeit, auf die letzten Dezennien des 4. Jahrhunderts. 
Auf die Wichtigkeit derselben für die alte Streitfrage nach Heimat 
und — so zu sagen — Nationalität jener Jagdart habe ich an anderer 
Stelle hingewiesen. Hier möchte ich nur unter Hervorhebung des Um- 
Standes, dafs die Bedeutung „Jagdfalke" für accipiter in unsern Wörter- 
büchern überhaupt fehlt, die Frage aufwerfen, ob sich nicht vielleicht 
sonst noch, etwa bei Kirchenschriftstellern, wo man solche Notizen 
nicht zu suchen pflegt, gleichzeitige oder frühere Zeugnisse für Sache 
und Wort gefunden haben. 

Braunschweig. Wilhelm Brandes. 



Adductorium. 

Im Archiv II 468 übersetzt J. N. Ott das Wort adductorium 

mit „Zelt". Augustin Quaest. in Hept. II 177, 8 (Migne XXXIV 661) 

überliefert das Wort im Znsammenhang: „Et facies adductorium de 

hyacintho et purpura et cocco torto et bysso torta, opus variatoris. 

fit facies velamini quinque columnas . . ." Ebd. § 18 (p. 671) erklärt 

Augustin, der in der ganzen Stelle vom hl. Zelt (tabernaculum) 

handelt: Quod ostium ingresso occurrebat velum, quod ad ostium 

berat oppositum, in quinque columnis extentum, variatum illis quat- 

taor coloribus ; quod velum cum faciendum praeciperet, „adductorium" 

▼ocavit, eredo quod curreret ducendo et reducendo, cum operiret at- 

qite aperiret ingressum. Dieser Erklärung gemafs ist adductorium 

*l übersetzen „beweglicher Vorhang". 

Dafs adductorium einen Vorhang bezeichne, fordern die voll- 
ständigeren hebräischen , chaldäischen und griechischen Texte, mit 
«önen die Vulgata stimmt, welche an der betreffenden Stelle (Exod. 
*6» 36) liest: „Facies et tentorium in introitu tabernaculi de hya- 
clö iho ..." Die Übersetzung aus dem Chaldäischen lautet in der 
"*l>lia Complutensis: „Faciesque velum in ostio tabernaculi ex hya- 
c, **tho . . /' Auch die vollständigen Texte der Septuaginta haben: 



142 P. J- Hauer — Louis Havet 

Kcel Ttottiöeig iniGitctCrgov rjj ytvqct xr\g Gxijvfjg i£ vcrx/v&ov..., während 
die Übersetzung bei Augustin aus einer lückenhaften Handschrift ge- 
flossen ist, welche die Worte rjj &vqcc rrjg ax^vyjg nicht enthielt, wie 
sie ja auch beispielsweise in der Biblia Complutensiß fehlen. 

Es ist aber die Rede vom Vorhang, welcher den Eingang ans 
dem Vorhof dor Stiftshütte ins Heilige verhüllte und gleichsam als 
Thüre diente. Wir müssen ihn darum beweglich nennen gegen- 
über den Vorhängen, welche als Wände dienten. So heilst es z. B. 
bei Loch und Iteischl (Die hl. Schriften des a. und n. Testamentes, 
Rogens bürg 1851. Bd. 1. S. 112. Anmkg. d): „Die östliche Seite hatte 
links und rechts je 15 Ellen feststehende Vorhänge und in der Mitte 
20 Ellen bewegliche, die als Eingang dienten". Ähnlich standen 
die Dinge bei unserem Vorhang, nur dafs die feststehenden Vorhänge 
zu beiden Seiten fehlten. 

Diese Beweglichkeit dürfte im griechischen hticxaQx^ov und im 
lateinischen adduetorium ausgedrückt sein; das hebräische Wort ^CQ 
bedeutet aber blofs „Decke, Vorhang" (Fürst). Dieses Wort ist 
übrigens von der Septuaginta nur hier imoxaoiQov übersetzt worden; 
Exod. 27, IG und 40, 5 ist es xcr'Avppa Übersetzt, obwohl an der 
letzteren Stelle von dem nämlichen Vorhang die Rede ist. 

Kremsmünster. P. Julian Haner. 

Coluber. 

Ni Jans Curtius, Grundzüge r> , ni dans Georges, Handwb. 7 , ni dans 
F. <>. Weise, Die griech. Wörter im Latein, ni dans Saalfeld, Ten- 
suurus Italograeous, je ne vois catalogu«' 1 parmi les mots emprnntes 
coluher = xilvögog et son frminin colubra. Pourtant cette vieille 
ötymologie nie parait evidente. Colubra se trouve deja dans Plante, 
Stich. 321; l'emprunt est donc dune date oü % devait ötre transcrit 
par c et v par u. Le changement de dr en br s'explique peut-ötre 
par uu dfveloppement phonrtique regulier, analogne a celni qui fr 
changi' XiTQa en libra; on remarque que le groupe dr est tr&s rare 
en hitin (ipiadrus est röcent pour quatr-i xigdog a ete estropie en 
citrus); en tout cas un chaugement moins regulier aurait ses ana- 
logues dans les mots grecs estropüs Catamitus = Ja irufirjörig^ Cor- 
thago = KaQiaöwv, Coctib'f = KvKlajxeg (Mt-moires de la Soc. de 
ling. V 283). Le ohangement de/ en öl serait moins regulier que 
dans oliru = fW«, oar apros r ou // le persiste (cr/fr, scelus, gek* 
etc., ibid. 4(> n. 1); inais le vocalisme est ir regulier dans bien des 
mots emprunus, citrus, <l»t?iiwt = iktynov, aptustre = SuplaGzor- 
l'olubor i'st au plus lvcent üuhidrus comme le ntmpia d'Ennius e^ 
rhohijJmm. | Vgl. nben Seite 140. D. Ked.J 

Hispali. 

Pollion iVrivant a l kvron» Farn. X 32, 3, emploie Hispali comme 
adverbe de la question ubi*: lYsar, B. civ. II 20, 4 emploie Hispali** 



Mißcellen. 143 

pour la question quo, mais ponr la question ubi il met in üispali 
II 18, 1. Cette irregularito tient au desir de ne pas confondre 
l'expression locative avec le nominatif, qui etait Ilispali. Ce nomi- 
natif est intact dans les mss. de Pline, h. n. III 11, ä cöte de Cclti, 
Axati (cf. 8 Sexij Murgi, 10 Hiberri, Artigi, Vesci, Singili, Tucei 
vetuSj Ossiffi, IUiturgi, Isturgi, Sacili etc.). II 219 Pline dit Gadibus, 
mais Hispali oppido, c'est a dire qu'il ajoute le nom commun coinme 
Cesar ajoute la preposition. — Le nominatif HispeU semble assur6 
en poesie (Silius 3, 392). Dans Mola II 88 je ne suis pas sür qu'il 
ne faille pas Iire Hastigi, Hispalfi], Coräuha; on fera bien de ne 
pas admettre legerement le nominatif Hispalis. 

Paris. Louis Havet. 

Älteste lateinische Inschrift. 

In der Sitzung des deutschen archäologischen Institutes zu Rom 
wm 7. Jan. 1887 legte Dr. Hei big eine in einem Grabe bei Prae- 
neste gefundene goldene Fibula vor, welche folgende linksläufige In- 
schrift trägt: 

MANIOS : MED : FHE : FHAKED : NÜMA8I0I 

i h. Manius me fecit Numerio. In dem Nominativ ist der Name 
des Goldschmiedes, in dem Dativ der des Bestellers und Besitzers 
n erkennen. Das M ist fünfstrichig , das F durch zwei Zeichen 
F (Vau) und H ausgedrückt. Die Accusativform med erweist die 
Inschrift als lateinisch; das bisher aus dem Oskischen bekannte re- 
duplizierte Perfekt zerfällt in zwei graphisch getrennte Teile und 
geht auf D aus (statt T), wie im Oskischen. Die Dativendung Ol 
kennen wir aus Marios Yictorinus; S für R wie in Fusii und Valesii. 
Die Lesung und Erklärung wird Dr. phil. Ferdin. Dümmler verdankt. 
Dr. Heibig weist die Fibula dem sechsten Jahrhundert vor Chr. zu. 
(Nach der vorläufigen Mitteilung in der Wochenschrift f. klass. Philo- 
logie; Genaueres wird im Bulletino des römischen Institutes folgen. 
Vgl auch Bücheier im Rh. Mus. 1887. Heft 2.) 

Zur Entwicklung des Hendiadyoin. 

Die Figur, welche wir in Ciceros Prosa in vollster Blüte finden 
(Arch. m 584), hat aller Wahrscheinlichkeit nach in der archaischen 
Ißtinität sich in sehr bescheidenen Grenzen bewegt; denn manches 
*öist darauf hin, dafs die deutsche Ausdrucksweise wie 'bange Furcht, 
trtger Müfsiggang, geordnete Reihenfolge' u. ä. auch im Lateinischen 
gegolten habe, und erst als diese Variation der Figura etymologiea 
(ursprünglich bange Bangigkeit, müfsiger Müfsiggang, geordnete Ord- 
nung) mifsbeliebig geworden war, durch Bangigkeit und Furcht, Träg- 

*) Bell. Hisp. 36, 1 Lnsitani Hispali pugnare nullo tempore desiste- 
tait. Eed. 



144 Eil. Wölfflin. 

heit und Müssiggang u. Ä.. ersetzt worden sei. Denn gerade in Cicero« 
Jugendschriften findet sich noch die deutsche Wendung, de inyent 
2, 30 perfecta absolutio (ideale Vollkommenheit), wofür später per- 
fectio atque absolutio eintritt Brut. 137. de orat. 1, 130. Genau ent- 
sprechend pro Quinctio 07 usitata consuetudo, später usus et con- 
suetudo. Darnach gehurt frequentissima celebritate laetari in der Bede 
pro Caolio 47 zum älteren Stil, während der moderne Geschmack u 
frequontia et celebritas oder einer ähnlichen Auflösung drängte. Wir 
finden eine solche in der Rode pro Flacco 41: hie Dorylensis nuper 
cum eftorretur magna frequeutia consensuque vestro, da das über- 
liefe rte consensuque etwa in coneursuque zu ändern sein wird. Vgl 
Vorrin. V 10 quem de trihunuli citsiri iussit coneursu magno frequenti»- 
que conventus. p. Arch. 3 tanto conventu hominum ac frequeutia. 

Ex toto, in totum. 

Den griechischen Adverbialbildungen nuvrcog (ffovrfAftg, itavti- 
xaci), oXcog entspricht im Lateiui sehen nur das von omninus gebildete 
omnino, da von totus kein Adverbium abgeleitet wird, aufser im . 
Spätlatein totaliter von totalis. Von der Glosse oktag: toto, omnino 
darf hier fuglich abgesehen werden. 

Die erste Hü Ho bot die Präposition wie in: ex improviso, ex 
facili, in rot) (pavtoov* ex Tiavxog, und Ocid griff in drei Pentametern 
um so lieber zu diesem Mittel, als er omnino überhaupt nicht ge- 
brauchen mochte und lieber ex omni parte, z. B. fast. 5, 157. Bern. 
42, 358 sagte. Diese sind: 

Her. 15, 158 nee Venus ex toto | nostra fuisaet inera. 
Pont. 1, G, 28 non est ex toto | nulla relicta meae. 
Pont. 4, 8, 72 nee tarnen ex toto | deserere illa potes. 
Dafs die drei Sätze negativ >ind, fallt in die Augen, und da bekannt- 
lich omnino sich gern mit der Negation verbindet, so mufa man in 
der Umschreibung einen neuen Ersatz für omnino vermuten; ja die 
Vergleichung zweier Verse Vcrgils läfst darüber keinen Zweifel auf- 
kommen , 

Aen. 9, 248 non tarnen omnino Teucros delere parat is. 
4, 330 non equidem omnino capta ac deserta viderer. 
Denn nicht nur finden wir die Negation wieder an der Spitze des 
Verses und tarnen an zweiter Stelle, sondern an dritter omnino, um 
den zweiten und halben dritten Versfufs auszufüllen, genau wie bei 
Ovid ex toto. Auch bei Martini begegnen wir dem nämlichen Vers- 
anfange : 

10, G8, 12 non tarnen omnino, Laelia, Lais eris. 
12, 40, 5 nil tarnen omnino praestas mihi, etc. 
4, 06, 2 qua nihil omnino dulcius esse potest. 
Ähnlich auch bei Horaz sat. 2, 8, 04 Ut nihil omnino gustaremus, 
au gleicher Verstelle. 

Auch der Vergleich der Prosa mufs uns überzeugen, dafs Ovid 8 
ex VAo mit Negation und posse nur Variation des hergebrachten 



Misoellen, 145 

nnino ist: Cic. Verrin. 5, 103 nam omnino tolli posse non arbitra- 
ütor. Maren. 14 nihil o. dici potest. prov. cons. 45 o. non potuit. 
» dorn. 8 o. non posse. Philipp. 2, 53 cum o. nulla causa esse 
38sil Caesar bell civ. 1, 49 quo o. adire non poterat. Gall. 1, 32 
sque ullam o. vocem exprimere posset b. Alex. 6, 3 aqua bibi o. 
cm poterat; 19, 5 ut nulla o. scapha egredi posset. Sali. Jug. 99, 2 
sque o. facere quidquam poterant. 

Den Übergang ans der lokalen Auffassung in die modale er- 
annt man bei Proper z 4, 21, 6: 

Omnia sunt temptata mihi, quacumque fogari 
Possit: at ex omni me premit iste deus. 
ie Umschreibung behauptet im Verse genau den Platz von omnino; 
och übersetzt man Won überall fier\ 

Die neue Wendung Ovids ex toto hat Seneca rhetor in die 
rosa eingeführt, und zwar im ganzen mit den Modifikationen des 
chöpfers, mit der Negation und mit posse. contr. 1, 7, 5 quod ex 
>to emi non debet, duplo emit. 9, 5, 11 ex toto non potes. 9, 6, 13 
t t puellam ambulare non posse. 10, 1, 10 quidam ex t. nihil 
ixerunt. 1, 8, 8. 2, 2, 6 et [ex] toto dixit. Ungleich herzhafter 
ber ist Celsus ins Zeug gegangen, und zwar mit der neuen Unter- 
sheidung, dafs er omnino mit Negation beibehielt (7, 19. 10, 23. 
6, 14. 84, 18. 142, 6. 220, 11. 237, 36. 285, 7. 348, 11 Dar.), 
k toto aber in der Regel im positiven Satze gebrauchte, im Sinne 
08 bei ihm dafür fehlenden prorsus (welches p. 213, 36 Dar. nur 
jhiechte Konjektur Lindens für protinus ist). Demnach sind als 
.usnahmen zu betrachten p. 18, 35 non ex t. res condemnanda est; 
06, 13 ex t. ßibi temperare non possunt. Der positiven Beispiele 
ber sind so viele, dafs wir nur wenige hersetzen können: 22, 30 
x t. utilia sunt; 45, 36 ex t tutus est; 47, 4 ex t. tolli t; 76, 36 
xU cibo abstinere; 93, 21 ex t. reinittuntur febres; 95, 5 ter- 
iana ex t intermittit; 96, 16 aliud ex t. sequendum curationis genas; 
109, 28 donec ex t. convalescat. Vgl. 35, 4. 48, 19. 63, 3. 77, 25. 
J2, 2. 83, 1. 89, 2. 115, 16. 124, 3. 130, 31. 151, 20. 159, 7. 
219, 13. 221, 17. 239, 30. 267, 29. 330, 6. 

Von jetzt an hat die Phrase einen Freibrief durch die ganze 
Litfceratur. Immerhin griffen die Prosaiker nur schüchtern zu; Colu- 
mella 2, 21, 2 nach Celsus in der Bejahung ex t. indurescere; 5, 8, 6 
ereia ex t. repudianda est, ebenso Plin. nat. hist. 11, 54; Sen. de 
ira 2, 6 non ex t. liberare, epist. 75, 10 ex t. non petendis, nach 
dem Vorgange der Dichter in der Negation, ebenso Curtius 8, 23, 23 
fion ex t. dorn um suam aversari deos, wo Mützell die Redensart zu 
foa Gräcismen rechnet Vgl. Hand Tursell. 2, 653 ff. Dräger, histor. 
Syntax I 2 57 — 59. Bei einem solchen Punkte angelangt, darf der 
Grammatiker jeweilen abbrechen. 

Nur darf man darum nicht glauben, dafs ex toto die einzige 
"tägliche oder versuchte Umschreibung gewesen wäre. Celsus selbst, 
fa einflufereichste Patron derselben, schwankte anfänglich zwischen 
**toto und in totum. Im dritten Kapitel des ersten Buches schrieb 

Atchir fttr l»t. Lexikogr. IV. Heft 1. \t) 



146 Ed. Wölfflin: 

er p. 21, 34 aestate in totum abstinendum est, gerade wie 76, 36 
ex toto a cibo abstinere, nachher, so viel ich weife, nicht mehr. Er 
schwankte anfänglich, entschied sich dann aber. Die Auflösung wir 
an eich nicht viel schlechter als die andere; Columella, der Philo- 
soph Seneca, der Naturforscher Plinius und Quintilian haben 
ihr sogar den Vorzug gegeben; aber sie erinnerte an in Universum 
und es haben ihr daher nicht alle die gleiche Bedeutung beigelegt 
wie Celsus. Wenn Columella 3, 2, 31 sich nicht in Details einlassen 
will, sed illud in totum praecipere, quod et Celtras ait etc, so Mut 
er die Redensart = in Universum, wie auch 11, 2, 80 in t praeci- 
pimus; wenn er aber schreibt 12, 1, 4 munia, quae domi capes- 
suntur, non in totum muliebri officio relinquenda sunt, und 12, 1, 5 
nut in t. aut certe plurimum domi morari, so meint er, was wir mit 
* ausschliefslich ' bezeichnen. Dem ersten Gebrauche folgt Seneoa epist 
94, 31 utraque res praecipit, sed altera in totum, particulatim alten, 
und epist. 31, 5 in t. iam per maxima acta viro turpe est etiam- 
nunc deos f atigare, während epist 72, 6 animus semel in t. sanator 
die Umschreibung an die Stelle von omnino getreten ist. Vgl Cic 
Sest. 116 semel se ludis omnino commisit; Curidus 4, 10, 24 semel 

0. eam viderat, und so oft in Verbindung mit Zahlen «* alles zu- 
sammengerechnet. Plinius setzt es im Sinne von prorsus 25, 36 
temeraria in t. medicina, 31, 90 in t. di versa, 35, 4 in t exolevit; 
vgl. 2, 205. 10, 16. 16, 48 (?); ebenso Quintil. 3, 8, 68 diversum atqno 
in t. contrarium, 4, 1, 63 (a7to(STQo<p^v) quidam in t. a prooemio snb- 
movent, 4, 1, 72 in t. id necessarium negat; 7, 1, 31. 8, 6, 8. 9, 
2, 88; dagegen 9, 2, 98 nam in t. (= in Universum) iurare grati 
viro parum convenit et est a Seneca dictum eleganter etc. 

Unter den Juristen hat Ulpian die Redensart am häufigsten 
gebraucht, nämlich nach gefälliger Mitteilung von Dr. jur. GradenwiU 
in Berlin Über 30 mal, sowohl im Sinne von omnino als auch int 
Sinne von in Universum Es ist dies gewifs kein Lob für den Juristen, 
da * etwas unter allen Umständen verbieten' (grundsätzlich, absolut» 
omnino) und c etwas im allgemeinen verbieten' (mit Zulassung vor* 
Ausnahmen, in Universum) gewifs nicht einerlei ist. Vgl. Dig. 3, 1, 1 
und 3 in t. prohibere (= omnino), 3, 17 denegare. Leider finden« 
sich darunter Stellen, an denen selbst ein Jurist über die Auslegung 
schwanken kann. Papinian und Paulus, jener an 6, dieser am 
10 Stellen, scheinen es nur = in Universum verstanden zu haben* 
Die kleineren Juristen haben es selten und der Gebrauch schwankt, 
wenn auch die Bedeutung = omnino nur an einer Stelle bei Modestin, 
dem Schüler Ulpians, sichersteht. Gaius aber, der in der Form 
korrekteste, hat sich der Formel überhaupt enthalten. Ex toto fehlt 
bei den klassischen Juristen. 

Von den Kirchenvätern gebrauchen in totum schon Minucius 
Felix und Tertullian, der erste nur in Verbindung mit einer Ne- 
gation (24, 3 quaedam in t. nefas visere; 28, 3 nee audiendos in t. 
putabamus), im Sinne des klassischen omnino (wie bei Justin. 32, 

1, 9 non in t. dicens male consultum Achaeis); bei Sulpic. Sever. 



Miacellen. 147 

pend. epist. 2, 11 (si in t. non iures) findet sich sogar die band- 
lriftliche Variante (Glossem?) omnino. Viel freier bewegt sich 
rtullian, dessen Stellen man in Öhlers Index und bei Hesse, Das 
iratori'sche Fragment, 8. 276, Note 1 findet; auch Lactanz gebraucht 
ohne Bedenken im positiven wie im negativen Satze; de ira 21, 5 
b in i prohibet irasci erinnert die Verbindung an Ulpian. Die 
lege aus Cyprian hat Hartel im Index zusammengestellt und mit 
inino erklärt; darunter scheint in t. perire (596, 10. 637, 23) eine 
sonders beliebte Phrase gewesen zu sein. Die Vulgata zeigt omnino, 
d nichts von in totum oder ex toto. Sonst ist aus der profanen 
oea nicht sehr viel zu notieren; Liv. perioch. 28 praeclusis in t. 
itäbus, 29 victus in t. privatus est kann jedenfalls nicht von Livius 
ichrieben sein. 

Als charakteristisch darf aber noch erwähnt werden, dafs die 
ttlateinische Poesie in totum nach altem Muster in den zweiten 
Tsfufs stellt, Venantins Fortun. Carm. 6, 2, 110 Omnibus in to- 
n | factus es omne boaum; und noch klassischer mit Negation und 
m tarnen Vergils und Ovids Avitus poemata 2, 95: 

Non tarnen in totum periit, etc. 

Man könnte nun noch per omnia und in omnia als Auflö- 
tigen von omnino verfolgen, und würde dieselben wohl auch schon 
n Tiberiu8 an in der Prosa 6uchen dürfen; namentlich hat Velleius 
»e Formen begünstigt 2, 13. 35. 40. 69. 79. 97. ülpian giebt 
gar die stilistische Gleichung per omnia = in totum Dig. 1, 1, 6 
B civile est, quod neque in t. a naturali vel gentium recedit nee 
tr omnia ei servit, wie Virgil. grammat. p. 59, 29 H. nee in totum 
•odueta nee omnino correpta. Doch würde dies zu weit führen. 
tt allgemeinere Interesse liegt darin, dafs einzelne Adverbia schon 
Uke der Auflösung verfallen sind; begreift man aber in totum und 
•r omnia, so versteht man auch das französische partout — » ubi- 
ue; hier beabsichtigten wir die Anfänge, nicht die Ausläufer klar zu 
Bgen. 

München. Eduard Wölfflin. 



10< 



Litteratur 1886. 1887. 



Das „Wörterverzeichnis" zu Martial 



99 



[Bd. II S. 382—631 der Ausg. von L. Friedländer*) 1886] hat dem Bef. 
(Arch. III 564) einige Schwierigkeiten bereitet Daus der Bearbeiter 
im Gegensätze zu dem des ' Namenverzeichnisses' (S. 347 — 381), 
Carl Frobeen, sich nicht nennen wollte, thut nichts zur Sache; allein 
für den Lexikographen ist es nicht gleichgültig, was man unter 
„Wörterverzeichnis 41 zu verstehen habe. Da der Hsgb. darüber keine 
Auskunft giebt, so mufste Ref. dies herauszubringen suchen, und er 
konstatierte daher zunächst, dafs es kein Verzeichnis aller Wörter sei, 
indem beispielsweise cur, dum, inter, aber auch ecquis u. &• fehlen, 
während die Vf. der an gleicher Stelle besprochenen Indices zu Catoll 
und Tibull auch den Partikeln und Pronomina eine Stelle gönnen. 
Wäre nun durch eine Bemerkung abgegrenzt, was aufgenommen, 
was übergangen sei (Fr. nennt jetzt als übergangen: Wörter wie at- 
que, aut, et, etiam und dergl.), so würde sich der Lexikograph auf 
ein stilles Bedauern beschränken; da aber nichts gesagt ist, so weift 
man nie, ob der Schlafe ex silentio berechtigt sei oder nicht. Wenn 
numquid aufgenommen ist und ccquid fehlt, so wird man glauben, 
Martial habe es nicht gebraucht, und doch findet es sich VII 6,1 
und sonst. Oder wenn autem und vel aufgenommen sind, aut aber 
fehlt, so mufs man annehmen, der Dichter habe es vermieden., und 
doch hat er einfaches wie doppeltes aut sehr oft gebraucht. Man 
wird es dem Lexikographen nicht verübeln, wenn er durch solche 
Willkür verstimmt wird Sollte denn die deutsche Lexikographie 
von 1886 auf dem Standpunkte stehen, den namentlich die Franzosen 
im 18. Jahrh. eingenommen haben? Damit kann ich mich unmög- 
lich einverstanden erklären. Allermindestens hätte gesetzt werden 
sollen: aut epigr. 26,8. I praef. 17 etc. Die einzige Entschuldigung 
bot die Annahme, es sei dem * Wörterverzeichnisse ' der Index der 
Ausgabe in usum Delphini (1739) zu Grunde gelegt, in welchem z.B. 
aut fehlt, und Ref. glaubte diese dem Bearbeiter leihen zu dürfen, 
indem er eine * Revision' desselben annahm. Wenn H. Prof. Fr. uns 
nun belehrt, es seien zu don ersten 250 Citaten fünf neue hinzu- 
gekommen, so haben auch wir dies beobachtet, würden darin aber 
keinen Widerspruch mit dem Ausdrucke Revision* finden. 

Nach der Versicherung von H. Prof. Fr. haben Königsberger 

*) Herr Prof. L. Fr. fragte am 13. Dezb. au, ob eine Berichtigung im 
Archive Aufnahme fände, was 'bereitwilligst' für das nächste Heft IV 1 zu- 
gesichert wurde. Da er aber nicht so lange warten wollte, veröffentlichte 
er dieselbe in der Berliner pbilol. Wochenschrift vom 6. Febr. 1887, worauf 
bieinit umgehend Antwort erfolgt. 



Litteratur. 149 

Studenten das * Wörterverzeichnis neu zusammengestellt', und der 
ndex der Ansg. in nsnm Delpbini ist nnr zur Eontrole benutzt. Um so 
ehlimmer, dafs nun die Fehler mit Wissen begangen sind. Da wir 
ber doch veranlafst sind, das Wort zn ergreifen, so haben wir noch 
lehr zu sagen. Zum Behufe der Anzeige wurden an den ersten 
fodichten von lib. VII, nam. an 15 — 20 Stichproben vorgenommen. 
fobei ergaben sich: 

1) Citatfehler: summe ITI 7,5, lies VII 7,5; hilares III 8,1, lies 
m 8,1; poscit VII 10, 4 lies VII 10,14. 

2) Falsch eingereiht: unter sölum die Stelle VII 16, 1 

Aera domi non sunt, snperest hoc, Regule, sölum. 
/ulva VII 20, 1 1 unter volva. (Besser stände im Texte volva.) 

3) Es fehlen: colitur VII 15, 3. sölum VH 16, 1. muta VII 
18, 14. quater VII 20, 4. 

Wenn Ref. dies mit Stillschweigen überging, so glaubt er damit 
das nötige Mafs von Wohlwollen bewiesen zu haben. Endlich liegt 
uns noch etwas auf dem Herzen. Der Leser mufs die Stellen von 
onus unter una, von qnidam unter quaedam, von lux unter luce, von 
lego unter lecta, von loquor unter locuto, von volo unter velit 
rochen, ohne dafs er darüber aufgeklärt würde. Dies sieht schon 
dem Versteckenspielen ähnlich. Es ist nämlich der Grundsatz durch- 
geführt, die in der alphabetischen Reihenfolge ersten Formen als die 
lexikalischen Grundformen zu betrachten, didici für disco u. s. w. 
Wozu soll sich nun der Benutzer abquälen, diese Form herauszufinden? 
Und wenn nun didici oder lectus zufallig nicht vorkommt, so mufs 
man den Artikel unter disco und lego bringen, wodurch Ungleichheit 
und Verwirrung entsteht. Wir können vor der Neuerung nur 
dringend warnen. Der Herausgeber. 

Pbillipps Glosaary by R. Ellis. Beprinted from American Journal 
of Philology. vol. VI No. 4. vol. VII No. 3. 

Unter den Glossenhandschriften der Bibliothek von Thomas 
Phillipps in Cheltenham sind die älteren insofern die weniger inter- 
eoanten, als der Inhalt anderwärts und besser überliefert ist. Nicht 
ohne Interesse sind dagegen zwei jüngere Handschriften No. 2274 
and 4626, beide aus dem Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahr- 
hunderts, beide mit genau demselben glossographischen Inhalt, nur 
dafs die zweite von einer gleich alten Nachtragshand an mehreren 
Stellen vervollständigt worden ist. Eine im 1 7. Jahrhundert gemachte 
Abschrift des nämlichen Glossars liegt in Brüssel (No. 8421); sie 
ragt die Überschrift: Glossarius S. Mariae de Camberone. Da nun 
ieses Apographon mit No. 2274 auffallend übereinstimmt, da ferner 
erschiedene Handschriften der Cheltenhamer Bibliothek aus dem ge- 
innten Kloster herrühren, so ist zu vermuten, dafs die Brüsseler 
bschrift aus No. 2274 gemacht wurde, bevor der Codex seinen Weg 
ieh England fand. 

Über den Inhalt des cod. Cheltenham. No. 4626 hat R. Ellis 



150 Litteratur. 

nach sorgfältigen Excerpten an verschiedenen Orten dankenswerte 
Mitteilungen gemacht. Die erste Erwähnung findet sich im Journal 
of Philol. B. VIII p. 71; eine ausführlichere Besprechung steht ebenda 
B. XIV p. 81 ff. Einige Glossen aus sind im 2. Bande dieses 
Archivs p. 321 abgedruckt; Excerpte aus M N P R bieten die in 
der Überschrift genannten Hefte des amerikanischen Journal of Philo* 
logy. Dazu kommen noch zerstreute Einzelbemerkungen. 

Es wird natürlich Ellis nicht entgangen sein, dafs die Chelten- 
hamer Glossen sich in zahlreichen Fällen mit Osberns Panormia und 
Isidors Origines berühren: auf beides wurde von Minton Warren zu 
den Buchstaben M und N sowie von der Redaktion dieser Zeitschrift 
in einer Anmerkung ausdrücklich hingewiesen. Wichtiger wäre die 
von Ellis in den Vordergrund gerückte Beziehung zu Paulus-Festus, 
wenn Ellis recht hätte mit seiner Ansicht, dafs die Cheltenhamer 
Glossen dem Festus vielfach näher ständen als dem Paulus. Allein 
so gern ich mich auch mit Ellis im Einvernehmen wüfste, so ver- 
mag ich doch nach den seitherigen Mitteilungen, die ohne Zweifel 
das Wichtigste bieten, an eine solche engere Beziehung nicht iu 
glauben. Was Ellis für seine Ansicht vorgebracht hat, erscheint 
mir teils als unerheblich, teils ist mancherlei unberücksichtigt ge- 
blieben, wodurch die Sache in eine andere Beleuchtung gerückt wird. 
Wenn z. B. aus der leichten Diskrepanz bei Plancus auf Verwandt- 
schaft mit Festus geschlossen wird, so steht dem entgegen, dafs 
plancus sehr oft mit latus glossiert wird, dafs also der Zusatz sehr 
nahe lag. Wenn ferner bei Patagium die Worte ex purpura et auro 
variatum, die bei Paulus fehlen, auf Festus bezogen werden, so 
dürfte doch nicht zu vergessen sein, dafs grade dieser Zusatz sieh 
in den Scholien zu des Atto Polypticum findet, wie bereits De -Vit 
erwähnt. Durchschlagend wäre das Citat bei Sororiare, wenn es 
wirklich bei Paulus fehlte. Indessen hat Thewrewk von Ponor, dessen 
Paulus -Festus -Ausgabe zu meiner Freude rüstig fortschreitet und 
hoffentlich nicht lange mehr auf sich warten lassen wird, gezeigt, 
dafs dasselbe in andern Paulushandschriften, die Otfr. Müller nicht 
benutzt hat, ebenfalls vorhanden ist. Kurz wohin man den Blick 
richtet, bietet sich kein Argument, das wirklich Stand hielte. Wenn 
ich aber auch in dieser Hinsicht von Ellis abweiche, so will ich da- 
mit die Bedeutung des Glossars nicht bestreiten; dieselbe erstreckt 
sich jedoch, soweit ich urteilen kann, in erster Linie auf die Ge- 
schichte der glossographischen Tradition, worüber an andrer 
Stelle zu handeln sein wird. Hier sei nur so viel erwähnt, dafs wir 
es mit einer im ganzen jungen Überlieferung zu thun haben, deren 
Spuren sich namentlich bei Hugutio und Osbera verfolgen lassen. 

Jena. Georg Goetz. 

Du Cange-Favre: Glossarium mediae et inflmae latinitatia. 

Tomus septimus. R. S. Niort. 1886. 694 pg. 4°. 

Der den Normal um taug beträchtlich überschreitende siebente 
Band zeigt keine wesentlichen Unterschiede von seinen nächsten Vor- 



Litteratur. 151 

gftngern. Dafs Diefenbach, dem der erste Band beispielsweise die 
(von homo abgeleiteten!) nenen Artikel abhominabilis, abhominare, 
abhominatio, abhominatus, abhominosus verdankt, mit mebr Vorsicht 
benutzt ist, verdient nur Lob; die wirklich neuen aus Drucken und 
Handschriften gesogenen Artikel sind auf den ersten 50 Seiten: ra- 
canus, rachamator, racinus, rapabulum, ratum, ravauus, rausarius, 
reaptatura, rearripere, rebrunatura, recamatura, recaperator, recha- 
mator, recluseria, recogitatio (von Georges schon ans Augustin, Cas- 
sian, Donat nachgewiesen), recomparsatio. Diese neuen Wörter sind, 
im Gegensatze zu den alten Artikeln von Du Gange, entweder in fran- 
zösischer Sprache, oder auch gar nicht erklärt, z. B. „Ravanus: Da 
ei tres Bavanos medianos cum ipsorum foliis. BibL nat. Ms. lat. 
10272. p. 277." Dafs damit mittelgrofse Rüben gemeint sind (franz. 
rave), mufs der Leser selbst finden; aber „Recomparsatio: In recom- 
parsationem castri Balonis . . . reddidit et tradidit castrum castillionis" 
kann vielleicht weder der Leser noch der Herausgeber die Bedeutung 
mit Sicherheit bestimmen. Oder sollte recompensatio zu lesen sein? 
Ebenso wenig ist redlerius erklärt. Unter den neu hinzugekommenen 
Artikeln finden sich manche, die nur orthographische Varianten sind, 
z. B. relicare libros — = religare, relier. Alle diese Wörter, welche 
sieh für das gesamte Werk auf 2000 — 3000 belaufen dürften, sind 
(abgesehen von dem oben genannten Diefenbach) teils aus L. Qnicherat 
(Addenda lexicis latinis. Parisiis 1862) gezogen, teils von M. Frati, 
Bibliothekar in Bologna und AI. Pajot, ehemaligem Zögling der Ecole 
des Chartes geliefert. Refirmare, welches C. Wagener aus Festus 
breviar. cap. 14 entfernt (Arch. ICE 397), wird S. 79 mehrfach ans 
dem Mittellatein belegt, z. B. Altampetram refirmare vel castrum 
alibi • . . firmare. Dafs reformare an der genannten Stelle als in 
den lateinischen Wörterbüchern fehlend bezeichnet wird, beruht auf 
einem Irrtum; denn wenn das Wort auch der klassischen Prosa fremd 
ist, so hat es doch nach dem Vorgange von Ovid die silberne und 
spätere Latinität angenommen. Vgl. Georges s. v. 

0« Riemann: Syntaxe latine d'apres lea prinoipes de la gram- 
maire hiatorique. Paris. 1886. 496 p. 8°. 

Wäre das genannte Buch blofs Schulgrammatik, so wiire eine 
Anzeige durch das von uns bisher festgehaltene Programm ausge- 
schlossen; es ist aber nicht nur für die Oberklassen, sondern auch 
fftr die Studierenden auf der Universität bestimmt, und bietet daher 
nicht nur zahlreiche Vergleichnngen mit der griechischen Syntax, 
sondern es ist auch der Sprachgebrauch der klassischen Prosa mög- 
lichst von dem der Dichter getrennt; aufserdem wird, nach dem 
Vorgange von Schmalz, in der Prosa die streng korrekte Ausdrucks - 
weise von der familiären und vulgären unterschieden. Die Grund- 
lage, auf der die Darstellung des Vf. fufst, sind die bekannten 
Grammatiken von Dräger, Kühner, Gofsrau, Schultz, Zumpt, Madvig, 
Schmalz; die lateinischen Autoren sind in der Regel nach den 



152 Litteratur. 

neuesten Rezensionen citiert, nur mutete der Vf., der seine Vorrede 
am 23. Oktober 1886 in Interlaken schrieb, für Varro de lingua 
latina die 1885 erschienene Ausgabe von A. Spengel benutzen, und 
für Plautus Epidicus nicht die von Weise (1837), sondern die von 
G. Götz (1878). Dafs der Vf. p. VII zngesteht, es fehle noch eine 
wissenschaftliche lateinische Grammatik, wie das neuerdings auch ein 
deutscher Romanist unverblümt ausgesprochen hat, freut und schmerzt 
uns zugleich; denn eine so alte Wissenschaft wie die klassische Philo- 
logie hätte längst das Lehrgebäude aufrichten können, wenn mit 
dem Fleifse der Grammatiker die richtige Einsicht verbunden gewesen 
wäre; andrerseits ist es doch als ein Gewinn zu erachten, dafs die 
Mängel heute wenigstens erkannt sind. Diesem Notstande abzu- 
helfen, hatte die Redaktion dieser Zeitschrift wenigstens den guten 
Willen, und Riemann hat auch von dieser Seite Belehrung angenom- 
men, z. B. S. 323 über ut qui = Arch. II 144. In einem Punkte 
aber unterscheidet sich R. wie auch sein Vorgänger Antoine (Syntaxe 
de la langue latine. Paris 1886) von den deutschen Grammatikern, 
darin dafs sie die lateinischen Musterbeispiele, wenn auch nicht 
immer, glauben übersetzen zu müssen. 

Man wird in dem Buche verschiedene Beobachtungen finden, 
welche neu und dem Vf. eigentümlich sind; in der knappen Form 
der Mitteilung aber und durch ihre Zerstreutheit vermögen sie kaum 
auf den Fortgang der wissenschaftlichen Untersuchung einzuwirken; 
um so lieber verweisen wir hier im voraus auf die Revue de philo- 
logie, in welcher Vf. einige Punkte näher auszuführen gedenkt. 
(Über die Imperativformen auf -to Rev. de phil. X. 1886 für Plautus, 
Terenz und Cicero.) 

Auf Wunsch des Vf. ihm Beiträge zu einer verbesserten zweiten 
Auflage zu liefern, lassen wir noch ein paar Bemerkungen folgen. 
8. 81. Schon vor Ovid (hominum cunctos) hat Catull 66, 9 geschrieben 
cunctis deorum. — S. 98. Ob man dignus mit Genetiv der poetischen 
Sprache zuweisen dürfe, erscheint doch noch fraglich, da die Stelle 
Verg. Aen. 12, 649 wdignus avorum dazu kaum berechtigt. Vgl. 
Rhein. Mus. 37, 114. — S. 122 wird opus est aliqua re fälschlich 
erklärt j'ai a agir etc.; vielmehr opus (= opis) mihi est libris, mir 
ist mit Büchern geholfen, gedient. Vgl. auch Fr. Scholl, Arch. II 
207 f. und das analoge usus est. — S. 156. sui (statt sua) causa 
kann bei Cicero Verrin. nicht richtig sein, vgl. Arch. I 172. — 
Ebendas. tenus, jusque entspricht doch nur der Auffassung des Spät- 
lateins; denn Tauro t. regnare heifst nicht bis zum Taurus herrschen, 
sondern vom T. an. Vgl. Arch. 1415 ff. — S. 199. ne quis fecisse 
velit ist doch nicht identisch mit ne quis faciat, sondern = es möge 
sich niemand beikommen (einfallen) lassen — zu thun. — S. 212. 
Tnfin. histor.] Es war wohl zu sagen, dafs die Konstruktion in der 
Regel 2 oder mehr Infinitive voraussetzt, und dafs ein einziger In- 
finitiv nur dann steht, wenn die Handlung wiederholt gedacht wird, 
z. B. negitare = iterum iterumque negare. — S. 252. videre est, 
constructioii incorrecte; nach Serv. zu Verg. Aen. 8, 676 figura Graeca, 



Litteratur. 153 



wenn auch die beigefügten Worte: sicut graeco dicitur oqccv iveaxi 
Interpolation von Codex D sind. — 8. 75 ist das Beispiel ans Livius 
id remedium timori fuit nicht mit den partizipialen Dativen venien- 
tibus ab Epiro u. a. zusammenzustellen. 

O. Riemann: La question de l'imperatif latin en -to. (Revue 
de philol. X (1886.) 161—188. 8°. 

Nach dem Vorgange der alten lateinischen Grammatiker be- 
zeichnet man bekanntlich die Imperativformen auf -to als Jussivus oder 
Imper. futuri, während Schmalz (Synt. 258. § 36) glaubt, die Volks- 
sprache habe dieselben als die zudringlicheren verwendet. Riemann 
erkennt die Frage nicht als spruchreif, da ein vollständiges Ver- 
zeichnis der einschlägigen Stellen nicht vorliege, kommt aber auf 
Grund seines ans Plautus, Terenz, Ciceros Briefen und Reden ge- 
sammelten Materiales zu dem vorläufigen Ergebnis, dafs die gewöhn- 
liche Annahme sich bestätige, wenn auch mit einigen Modifikationen. 
Er wünscht andere zur Fortsetzung seiner Studie anzuregen, wobei 
u. a. auf die Sentenzenlitteratur (alteri semper ignoscito) und die 
Rezepte der Ärzte zu achten wäre. Offenbar haben verschiedene 
Einflüsse bei der Feststellung des Sprachgebrauches mitgewirkt: die 
einsilbigen Formen es und sei weichen den zweisilbigen esto und 
scito; Plautus mag metri causa oder nach dem (schon bei Terenz 
modifizierten) Usus seiner Zeit die Bildungen auf to bevorzugt haben, 
und die klassische Latinität hat im ganzen mehr die kurzen Formen, 
die auf tor gar nicht mehr, wie ja auch die Infinitive auf arier auf 
ari sanken; überdies mochte die Sprache (abgesehen von den Formeln 
der Gesetzessprache) amato nicht als zweite und als dritte Person' 
gelten lassen, sondern griff für die letztere, um Zweideutigkeit zu 
vermeiden, lieber auf den Konjunktiv. Vorschriften wie ne colito 
bei Plin. nat. hist. scheinen aus altern Schriftstellern de re rust. 
übernommen zu sein, da hier Cicero für ne colueris eintrat.. Un- 
erwiesen ist, dafs der Imper. auf -to besonders in koncessivem Sinne 
gebraucht wurde, da dies mindestens mit gleichem Rechte auch von 
den kürzeren Formen gilt. 

J. G. Schmalz und G. Landgraf: K. Reisigs Vorlesungen über 
lateinische Sprachwissenschaft. 10. und 11. Lief. Berlin 1887. 
Calvary. 8.577—768. 8°. 

Die vorliegende Doppellieferung, die Syntaris Casuum, die Prä- 
positionen und die Lehre vom Participium umfassend, ist von Studien- 
Lehrer Dr. G. Landgraf redigiert. Man mag über den Wert des 
früher Epoche machenden Buches Air unsere Zeit denken, wie man 
will: die Überarbeitung giebt uns die neuere Litteratur über lateinische 
Grammatik in einer Vollständigkeit, wie sie weder bei DrUgor noch 
sonst wo zu finden ist; den nützlichen Grundrifs von E. Hübner aber 
übertrifft sie nicht nur, weil seit der letzten Auflage desselben ein 
halbes Dutzend Jahre verstrichen sind, sondern auch, weil man durch 



154 Litteratur. 

Landgraf auch den Inhalt der genannten Schriften kennen lernt; die 
Cilate.aus alten Autoren aber sind so sorgfältig revidiert, dafSs man 
mir zur gröfsten Seltenheit einen Fehler finden wird. — Ob cxcettere 
in der That mit dem Dativ verbunden werde (S. 623), scheint doch 
noch fraglich, da die vermeintlichen Dative wie bei eminere eher 
Ablative sein dürften. Ein excellere gregi könnte man zwar etwa 
bei Dichtern voraussetzen; doch haben diese gerade das Verb in auf- 
fallender Weise zurückgesetzt oder ganz gemieden, und bei Georges 7 
oder Forcellini - De Vit findet man kein beweiskräftiges Beispiel. 

Wilhelm Meyer: Die lateinische Sprache in den romanischen 
Ländern. (Grundriß der roman. Philologie, hsgg. von 6. Gröber. 
2. Lief. Strafsburg 1886. 8. 351—382.) 

Nach ■ einer Einleitung über die Art und die Zeit der Verbrei- 
tung der römischen Sprache behandelt Verf. im Hauptteil die 'Ge- 
schichte der lateinischen Volkssprache', ein Abschnitt, den Romanisten 
und Latinisten mit gleicher Freude begrüfsen werden. Denn er fafst 
nicht nur zusammen, was bis jetzt über das Vulgärlatein von andern 
ermittelt worden, sondern er bringt zugleich eine grofse Anzahl Re- 
sultate, die M. eigenster Forschung verdankt; und überall tritt der 
weite Umfang seiner Kenntnisse zu Tage. Am ausführlichsten ist 
natürlich die Lautlehre und die Formenlehre dargestellt, da in dieser 
Richtung die Erforschung der romanischen Sprachen am weitesten 
fortgeschritten ist. Kürzer wird die Wortbildungslehre und die 
Syntax behandelt, wo zwar die Latinisten vielfach vorgearbeitet haben, 
die Kontrolluntersuchungen nach romanischer Seite hin aber noch 
grofsenteils fehlen. Unter der Fülle des Neuen findet sich natürlich 
manches, das zum Widerspruch auffordert, zumal der knappe Raum 
dem Verf. die Begründung seiner Aufstellungen versagte. Doch ist 
hier nicht der Ort auf Einzelheiten einzugehen; M. hat wohl hie 
und da allzu genau darstellen wollen, genauer, als das überlieferte 
Material sichere Schlüsse gestattet; vgl. z. B. die Vermischung und 
den Untergang der Casus § 42 ff. 

Während man früher den Beginn des Vulgärlateins zu spät 
datierte in die Zeit, da die Schriftsprache in Verfall gerfit, scheint 
man mir gegenwärtig in der anderen Richtung zu weit zu gehen, 
namentlich seit den bestechenden, aber nicht durchweg überzeugenden 
Ausführungen Gröbers Archiv I 213 ff. Der in manchen Beziehungen 
altertümlichste Dialekt, das Sardinisohe, geht, soviel ioh sehe, nicht 
sowohl direkt auf die präsumtive Volkssprache zur Zeit der Einver- 
leibung Sardiniens zurück, als ungefähr auf das Gemeinrömische zu 
Beginn unserer Zeitrechnung. Dafs die Schriftsprache etwa bis auf 
Cicero sich aufser in Syntax und Wortschatz auch in den Lauten 
und Formen von der römischen Volkssprache wesentlich unterschieden 
habe, ist unerwiesen und unwahrscheinlich. Ich halte daher z. B. 
die Deutung der romanischen Imperfekte auf -e#m, tarn als alter 
Formen der Vulgärsprache, die nur nirgends in die schriftlichen 



Litteratur. 155 

enkm&ler eingedrungen wären (Meyer § 36 nach Gröber), nicht so- 
ohl fnr eine Erklärung, als für einen bequemen Ausweg, schwer 
i erklärende Formen bei Seite zu schaffen oder doch in das Dunkel 
nr Urzeit zurückzuschieben. Ebensowenig kann ich mit Gröber an 
n Tulgftrlat Suffix -erius glauben, das seit alter Zeit neben dem 
ftriftlat -arius gestanden hätte (vgl. Meyer § 50). Wenn hier eine 
ermutung gestattet ist, so möchte ich roman. >$rius für lautgesetz- 
ch aus -(i)arius entstanden halten im Norden, im nordfranzösischen 
od francoprovenzalischen Gebiete, wo in sehr früher Zeit d nach y 
i (resp. ie) geworden ist. Es verdrängte daselbst -arius und er- 
tarte ganz Südfrankreich, drang auch in Italien vor, ohne aber hier 
ber den einheimischen Abkömmling von -arius völlig Meister zu 
erden. Ähnlich läfst sich die nördliche Form cer§sca neben dem 
ldlichen cerdsea 'Kirsche' erklären (§ 15), iudem das kymrische 
ehnwort ce'trios eine nördliche Grundform mit vertauschtem Suffix 
ceriäsia erschliefsen läfst. — Druckfehler — die nicht ganz fehlen — 
drrigieren sich von selbst. Auf Versehen beruht die angebliche 
[earang pfyus bei Ter. Maur. 168 in § 15, die I Plur. afrz. faismcs 
it. faimes) in § 33, der überhaupt wenig Überzeugendes bietet. 

Stehen wir nicht an den Inhalt dieses Abschnittes, von Einzel - 
eiten abgesehen, als vortrefflich und auch in seinen zweifelhaften 
'eilen als anregend zu bezeichnen, so möchten wir andrerseits gegen 
ie Form desselben energischen Einspruch erheben. Ref. ist wahrlich 
em Freund der Weitschweifigkeit Es giebt aber einen Grad von 
Kondensation, der dem Verständnis und der Übersicht gleichermafseu 
und ist; und diesen Grad scheint uns der Verf. an manchen Stellen 
rreicht zu haben. Das ist gerade in einem encyklopädischen Werke 
oppelt bedauerlich. Wird es schon demjenigen, der sich selber ge- 
auer mit den Problemen beschäftigt hat, nicht leicht sich in den 
lehr als knappen Notizen zurechtzufinden, so steht zu vermuten, dafs 
er Studierende oder auch der Latinist oder Romanist, der bis jetzt 
lesen Spezialfragen ferner gestanden, sich mit leisem Grauen von 
&m Gewirre von Formeln und Zeichen abwendet, was doch gewifs 
icht die Absicht des Verf. sein kann. M. hat als Entschuldigungs- 
rund den engbemessenen Raum; doch hätten ihm Verlag und Re- 
aktion doch wohl einen halben Bogen mehr bewilligt So ist zu be- 
drohten, dafs manche anregende Bemerkung, die zum fruchtbaren 
lameukorn für weitere Untersuchungen werden könnte, unbeachtet 
der unverstanden bei Seite liegen bleibt. 

Den Schlufs des inhaltreichen Abschnittes bildet ein guter Über- 
•lick über die Geschichte der lateinischen Schriftsprache in den 
omanischen Ländern. 

Jena. R. Thnrneysen. 

'r. Cramer: De perfeoti ooniunotivi ura potentdali apud prisoos 
soriptores latinos. Marburg. 1886. Diss. inaug. 87 pg. 8°. 

Der Konjuuktiv des Perfekts hat längst die Aufmerksamkeit der 
listorischen Grammatik auf sich gezogen. Schon das Vorhandensein 



156 Litteratur. 

von Doppclformen im Altlatein erregte das Interesse, man forschte 
nacb Entstehung und Bedeutung derselben, suchte eine Differenzierung 
von fecerlm und faxim und ähnlichen nebeneinander bestehenden 
Formen; ferner bemerkte man den aoristischen Gebrauch des Konj. 
Perf. in ne dixcris und dixerit quispiam, dann die allmähliche Er- 
weiterung der Gebrauchssphäre des Konj. Perf. im silb. Latein, &. B. 
ut sie dixerim, das Fehlen der ersten Person Pluralis im Altlatein, 
so daf8 z. B. dixerimus sich vor Cornificius nicht nachweisen lftfst 
u. a. mehr. Kontroversen konnten nicht ausbleiben, die wichtigste 
ist die über die Bedeutung des sigmatisch gebildeten Konj. Perf. s. B. 
faxim, negassim; leichter einigte man sich über Herleitung der For- 
men; denn dafs capso ein Konj. Aor., capsim ein Optr Aor. ist, dafg 
auch viderim = eidelrjv entspricht, dürfte wohl allgemein anerkannt 
sein. Bei dieser Sachlage ist es naheliegend, dafs der Konj. Perf. 
ein ergiebiges Feld für sprachliche Untersuchungen abgiebt und so 
hat denn auch Vf. sich vorgenommen, die eine Richtung im Ge- 
brauche des Konj. Perf., den Potentialis, hinsichtlich seines Gebrauchs 
im Altlatein näher zu beobachten; die Optative und prohibitive Ver- 
wendung der gleichen Verbalform wird nur gestreift, dagegen wirft 
die Untersuchung des vorklassischen Brauches auch Licht auf die 
kl. und nachkl. Diktion. 

Vf. stellt fest, dafs der Gebrauch des Potentialis sich ans der 
hypothetischen Satzfttgung entwickelt habe; dabei kommt er auf ähn- 
liche Gedanken, wie Wegener Grundfragen S. 188 f., wo Wunsch und 
Bedingung Zwillinge genannt werden; denu aus dem Nachsatze der 
hypothetischen Periode ist wohl in gleicher Weise der Potentialis 
hervorgegangen, wie aus dem Vordersatze der Optativus. Die That- 
sache, dafs der Potentialis im Altlatein selten vorkommt, verlangt 
eine Erklärung; diese giebt Vf. durch den Hinweis auf den nativns 
antiquissimi sermonis vigor, der noch nicht ea quae exploratissima 
erant modestiore qnadam iudicandi specie quasi obvolvere studebat; 
somit blieb der Cic. Zeit die besondere Ausbildung des Potentialis 
vorbehalten; eine Einwirkung der eleganten attischen Diktion sei 
dabei nicht zu verkennen. Bezüglich der Doppelformen faxim neben 
fecerim stellt sich Vf. vollständig auf den Standpunkt von Madvig 
und Lübbert (vgl. Archiv II 227); auch ihm gilt der Madvigsohe 
Satz, „dafs die sigmatischen Formen die Bedeutung der Vergangen- 
heit überhaupt nicht besessen haben". Im Gebrauche von dizerim, 
fecerim und den andern längeren Formen scheidet er zwischen per- 
fectum logicum und praeteritum historicura; der Potentialis des 
ersteren findet sich im Altlatein wohl nur im hypothetischen Satze 
und auch da selten; der Potentialis des letztern wird gleichfalls nicht 
häufig angetroffen und unterscheidet sich wesentlich in Anwendung 
und Bedeutung von der Übung der klassischen Zeit. Dieser Ab- 
schnitt wird von dem Vf. besonders ausführlich behandelt und mit 
zahlreichen Beispielen belegt. 

Die Abhandlung stützt sich in der Darlegung der einseinen 
Beobachtungen auf ein reiches, kritisch wohl gesichtetes Stellen« 



Litte ratur. 157 

naierial, ebenso sind dem Vf. die neusten Forschungen auf seinem 
Gebiete wohlbekannt. Das Latein ist, wie natürlich bei einer so 
spröden Materie, vielfach schwerfällig. 

Tauberbischofsheim. J. EL Schmalz. 

3. M. Zander: De relatione pronominal! ea, quae est per QVOD 
et ID QVOD. Lundae. typis Berlingianis. 1885. 54 pagg. 4°. 

Die Arbeit kommt mehr der Stilistik als der historischen Gram- 
natik zu gute. Gleichsam nur pflichtschuldigst, um einem herge- 
>rachten Brauche zu genügen, giebt Verf. eine geschichtliche Ein- 
eitung, wobei die prisci hinter der Klage über die exiguae reliquiae 
ler vorciceronianischen Litteratur zurücktreten, von der Kaiserzeit 
iber wird gelegentlich bemerkt: quod non scrutatus sum, nee enim 
keile talem rem animum advertas, nisi intenderis. Ober Varro ge- 
lenkt Verf. e alio tempore' zu handeln, für das bell. Hispan. und für 
2nrtius beruft er sich auf Äufserungen von Degenhardt und Vogel; 
lie Autoren der silbernen Latinität sind mehr nur gelegentlich heran- 
gezogen. Darnach besteht das Hauptmaterial der Untersuchung aus 
jueretius, Cicero, Cäsar, Sallust und Nepos, wenn auch für Cicero 
ast nur die Reden und das Leiicon von Merguet benutzt sind. Mit 
iülfe desselben und durch sorgfältige Prüfung der einzelnen Stellen 
tat aber Z. in verdienstlicher Weise festgestellt, dafs in einer grofsen 
Sahl von Fällen ausschliefslich quod gebraucht werden darf. Nach- 
Lem Verf. in Cap. 2 und 3 einige Fragen aus der Lehre von den 
Relativsätzen behandelt, kommt er in Cap. 4 (p. 20) zu seinem eigent- 
ichen Thema, und unterscheidet genau Stellung, Form uud Bedeu- 
ung des Belativums. 

Der Umstand, ob das Pronomen, resp. der Relativsatz am An- 
ang oder am Ende des Hauptsatzes stehe oder in denselben paren- 
hetisch eingeschoben sei, ist von grofser Bedeutung für die Form 
les Pronomens. Aus den Bemerkungen über die Formen ist hervor- 
nheben, dafs, wenn quod mit einer Konjunktion oder einem andern 
*ronomen verbunden ist, nie id steht, aufser Cic. in Verr. III 162: 
i quod tametsi. Bücksichtlich der Bedeutung wird sodann quod be- 
landelt in der transitio, in Wunsch-, Final- und Konsekutivsätzen, 
derauf restriktiv, adversativ, koncessiv (so auch in der praeteritio) 
ind schliefslich kausal, zwar hier als Begründung, warum man etwas 
rwähne, ferner als Bekräftigung einer Behauptung, als parenthetische 
:nrze Erläuterung einer unklaren oder unbekannten Sache, ferner, 
im etwas zu erwähnen, was eigentlich bekannt sein sollte, zur ge- 
tauern Angabe der Bedeutung des Beziehungswortes (explikativ oder 
pexegetisch), emphatisch bei Dingen von Bedeutung, als wiederholte 
Versicherung. Mit Recht bemerkt Vf., dafs man vielfach schwanken 
önne in der Zuweisung der Beispiele zur einen oder andern Klasse; 
och komme es ihm hauptsächlich darauf an zu zeigen, wo ü ber- 
aupt quod, yo id quod vorkommen könne. In geschickter Weise 
lacht er das dadurch klar, dafs er zuweilen zu Beginn jeder Unter- 



158 Litteratnr. 

abteilung an einer gröfsern Zahl von Beispielen zeigt, in welcher 
Weise sonst noch das betreffende modale Verhältnis mit dem Vor- 
hergehenden oder Folgenden verknüpft werde. Nicht zn oft aber 
kann betont werden, was auch Vf. nicht zu erwähnen versäumt, dafs 
diese Scheidungen nicht aus der variierenden Bedeutung des an sich 
indifferenten quod hervorgehen, sondern allein aus dem Inhalt des 
mit quod eingeleiteten Satzes in seiner Beziehung zum Hauptsätze. 

An Einzelheiten ans diesem Abschnitt wäre noch hervorzuheben 
das quod, welches, obgleich relativisch ans Vorhergehende anknüpfend, 
doch zn einer ganz neuen Sache überleitet (p. 46). Hier mufs häufig 
das Belativum als solches zurücktreten oder verdunkelt werden; das 
ist der Fall bei quod si } worin übrigens mit Recht Zander nicht 
mit Bergk, Ritschi und Munro den alten Abi. quöd, sondern einfach 
den Nom. oder Acc. quod sieht. — In Kürze wird p. 51 daran er- 
innert, dafs bei Cicero und seit ihm nicht selten quae res oder quam 
rem für quod erscheint (11 Beisp. in Ciceros Beden), namentlich 
aber dann, wenn quod mit Konjunktionen verbunden werden sollte. 

Zum Schlufs bietet Vf. (p. 51 — 54) einen nicht ungeschickt 
angelegten Überblick über die Resultate seiner Untersuchung, indem 
er summarisch die Fälle angiebt, wo nur quod vorkommt, und die* 
jenigen, wo quod und id quod promiscue gebraucht werden, immerhin 
so, dafs id quod bei Cicero nicht blofs absolut, sondern auch relativ 
viel häufiger ist als bei den andern gleichzeitigen Schriftstellern. 

So bleibt nur zu wünschen, dafs Vf. seine Untersuchungen auch 
über die andern Schriften Ciceros und über andere Zeiten als blofs 
die ciceronianische ausdehnen möge. 

Frauenfeld. Otto Schultheis. 

H. Planer: De haud et haudquaquam negationum apud serip* 
torea latinos natu Jenae 1886. 8°. 91 pp. (Inauguraldisser- 
tation.) 

Wenn je ein Philologe in der Lage war, tüchtige Vorarbeiten 
benützen zu können, so war es der Vf. der vorliegenden Schrift. Für 
Livius, den erklärten Liebhaber des Mädchens aus der Fremde — 
oder gelten nicht von der Partikel haud des Dichters Worte „Man 
wufste nicht, woher sie kam; doch schnell war ihre Spur verloren?" 
— lag die bekannte gründliche Arbeit von M. Müller (Progr. v. 
Stendal 1877), für die schwierigste Litteraturperiode, die archaische, 
die gediegene Abhandlung von F. Sigismund e de haud negationis 
apud priscos scriptores usu 9 (comment. philol. Jen. III p. 217 sqq. 
vgl. Archiv I, 306) vor, in welcher sowohl mit den antiken und 
modernen Etymologieen, als mit den vielfachen Bestrebungen einen 
Bedeutungsunterschied zwischen haud und non herauszuklügeln, hoffent- 
lich für immer aufgeräumt wurde. Doch bleibt dem Vf. das grofoe 
Verdienst, die Untersuchung auf die ganze Latinität ausgedehnt und 
das allmähliche Verschwinden des rätselhaften Wortes uns gewisser- 
mafsen, ad oculos demonstriert zu haben. Planer hat die sämtlichen 



Litteratur. 159 

Belege zusammengestellt, deren Verzeichnis den Hauptteil der Schrift 
(p. 29 bis Schlafs) bildet, während im ersten Teile nach einer kurzen, 
nichts Neues bietenden Einleitung (p. 1 — 5) nur die aus der Samm- 
lung eich ergebenden sprachgeschichtlichen Thatsachen verzeichnet 
werden. Von Livius und Vergilius, welch letzterer natürlich auch 
in der häufigen Anwendung von haud für die späteren Hexametriker 
maßgebend war, abgesehen, macht sich schon im goldenen Zeitalter 
der lateinischen Litteratur eine Beschränkung des Gebrauches von haud 
bemerkbar; die Elegiker verhalten sich ziemlich ablehnend, bei meh- 
reren Schriftstellern fehlt es schon in dieser Periode gänzlich. Von 
den Vertretern der silbernen Latinität halten fast ausßchliefslicb die 
mehr oder minder von Sallustius und Livius beeinflufsten Historiker 
am Gebrauche der Partikel fest; Tacitus, der sie nach Livius am 
häufigsten anwendet, enthält sich ihrer in seiner rhetorischen Jugend- 
schrift, womit ihr Fehlen bei seinem Freunde Plinius, sowie ihre 
ftufserst spärliche Anwendung in dem Werke des gemeinsamen Lehrers 
Quintilianus zusammengehalten werden mag. Der Naturforscher Pli- 
nius läfst sie nach auffallig häufigem Gebrauche in der ersten Hälfte 
der naturalis historia, in welcher er nach des Vfs. Ansicht ( propius 
ad rerum scriptores in genere dicendi accedit' (p. 15), fast gänzlich 
fallen. Der Philosoph Seneca hat sie, vielleicht nach dem Vorgange 
seines Vaters, in den Prosaschriften durchaus gemieden, ohne sich 
in seinen Tragödien der nämlichen Abstinenz zu befleifsigen. Von 
Fronto und Genossen an nimmt besonders die Verbindung von haud 
mit Verbiß immer mehr ab, — eine Ausnahme macht noch Julius 
Valerius — die abgesagten Feinde der Partikel werden immer zahl- 
reicher , sie verschwindet aus ganzen Litteraturgebieten, z. 'B. den 
Rechtsquellen, und fristet schließlich in festgewurzelten Wendungen, 
wie haud longe, haud procul, haud dubie und dgl. ein kümmerliches 
Dasein. Unselbständige Stilisten können ebensowenig, als die Dichter 
(s. o.) für die fortdauernde Lebensfähigkeit des Wortes Zeugnis ab- 
legen. — Auffallend ist, dafs der Vf. es nicht der Mühe wert ge- 
funden hat, derjenigen Gelehrten Erwähnung zu thun, welche in Unter- 
suchungen Aber den Sprachgebrauch einzelner Autoren auf das Vor- 
kommen, resp. Nichtvorkommen von haud geachtet haben, wie z. B. 
8ander, Brolen, Törneblath; vgl. Reisig: Vorl. üb. lat. Spr. neu bearb. 
von 8chmalz-Landgraf III, Anm. 405; für die Panegyriker: C. Burk- 
hard, obs. crit ad paneg. lat act. sem. Erl. III p. 167 adn. 5. Dafs 
Columella sich an Vergilius angeschlossen (p. 13 adn. 1), ist doch 
sehr unwahrscheinlich, wenn er in dem in gebundener Sprache ab- 
mieten 10. Buche e omnino ,haud' aspernatus est' (p. 17). Warum 
wird p. 14, wo das Fehlen der Partikel in Senecas Prosaschriften 
(konstatiert von Haase, Sen. op. III praef. p. XIII) erwähnt wird, 
nicht darauf hingewiesen, dafs der Vf. des Briefwechsels zwischen 
8eneca und Paulus schon durch die wiederholte Anwendung dieses 
Wortes sich als plumpen Fälscher verrät? (epist. 7; 11; 12); p. 23 
mufste gelegentlich des hl. Hieronymus auf den viermaligen Gebrauch 
von haud in der Vulgata aufmerksam gemacht werden: haud dubie 



160 Litteratur. 



t 



Levit. 13, 43; haud dubiura Esth. 15, 1; 1. Tim. 6, 7; h. procuL 
lud. 18, 17. — Die Disposition des] Index ist folgende: Adiectiva 
29 — 45), Pronomina (45-48), Adverbia (48—70), Substantiv» 
70 — 71; hier werden auch haud sine, haud cum und dgL unterge- 
bracht); Verba (71 — 82) und 'exempla, quae videntur a communi 
lege discrepare' (82 — 86; scheinbare Beziehung auf den ganzen Safe, 
Anwendung bei Gegensätzen und dgL); p. 86 sqq. werden in gleicher 
Ordnung die Belege für haudquaquam angeführt; vgl. p. 25 sqq. 
Vermifst habe ich ( haud immitis' Ov. met XIII, 740; 'haud invidus' 
steht bei Stat. Theb. VIII, 281, nicht III, 281; — Val. PL VIII 266 
wird richtiger c aut falsi . . . tauri' gelesen. — In die Hochzeit der 
Venus (sie!) mit der Philologie hätte der Vf. nicht einwilligen sollen 
(p. 54; 63)! 

München. Carl Weyman. 

P. Langen: Plautinische Studien. Berlin, Calvary u. Co. 1886. 
(Berliner Studien für class. Phü. u. Arch. V, 1). VI + 400 8. 

Die von Ritschi angeregte und in neuerer Zeit vielfach behandelte 
Frage nach den Veränderungen und Erweiterungen, welche die plau- 
tinischen Stücke im Laufe der Zeit durch die Praxis der Bühne er- 
litten haben, sucht Verf. in vorliegender Schrift ihrer Lösung einen 
Schritt näher zu führen. Mit Recht wird verlangt, dafs eine solche 
Untersuchung sich auf sämtliche Komödien zu erstrecken habe; 
ferner wird ausgeführt, dafs gewisse Mängel in Sprache und Kompo- 
sition, Breite des Ausdrucks, Widersprüche, Inkonsequenzen und 
psychologische Un Wahrscheinlichkeiten, eben weil sie feieb in allen 
Stücken finden, nicht den Diaskeuasten und Interpolatoren, sondern 
dem Dichter selbst zuzuschreiben sind: die allgemeinen Ausführungen 
darüber, welche Langen mit der ihm eigenen Besonnenheit besonders 
S. 89 f. giebt — man vergleiche auch das S. 336 über den Pönulus 
Gesagte — scheinen dem Ref. durchaus einleuchtend, wenn man 
auch über Einzelheiten immer verschiedener Meinung sein kann. Die 
einzelnen Komödien werden zunächst S. 1 — 88 auf Wiederholung des 
nämlichen Gedankens hin untersucht, dann S. 89 — 232 die sachlichen 
Mängel besprochen; der dritte Abschnitt S. 233 — 387 giebt eine 
eingehende Erörterung unechter oder als unecht verdächtigter Stellen: 
beachtenswert scheint namentlich der Versuch des Verf. (S. 344 f.), 
den echten und unechten Schlufs des Pönulus zu rekonstruieren. 
Hiebei kommt natürlich eine Reihe von Worten und Wendungen zur 
Sprache, bei welchen zu untersuchen ist, ob sie für plautinisch gelten 
können oder nicht: für die Leser des Archivs ist von besonderem 
Interesse die Auseinandersetzung S. 324 — 329 (im Inhaltsverzeichnis 
sind Z. 6 u. 7 die Zahlen 250 und 324 zu vertauschen), wo Langen 
die Unechtheit der ganzen Sceue Mil. III 1 (596 — 812) besonders 
mit sprachlichen Gründen zu erweisen sucht; hier wird u. a. der 
plautinische Gebrauch von obicere, optio, ludus, compendium, 
poscere, das bei Plautus nur mit persönlichem Subjekt vorkommt, 



Litteratur. 161 

erörtert; defendere kennt der Dichter nur in der Bedeutung 'ab- 
halten, verteidigen', partes gar nicht in der Bedeutung * Rolle', das 
Wort Studiosus und wahrscheinlich servilis (8. 341) überhaupt 
nicht. Freilich, ob odiorum Ilias (Mil. 743) wirklich für das Publi- 
kum des Plantus als unverständlich gelten mufs (S. 328), scheint 
mir zweifelhaft. Ebenso ist post am Schlufs einer Aufzählung (Mil. 
653 8. 326) kaum anstöfsig und braucht gar nicht mit Brix 'kurz 9 
erklärt zu werden. Dagegen nimmt sich Langen mit Recht in der 
Stelle AuL 76 ex tne ut unam faciam litteram Longam des unam 
an: dafs Piautas öfter onus wie unseren anbestimmten Artikel ge- 
braucht, hat schon Pareus mehrfach belegt und später Lorenz zu 
Most. 676. Ebenso wird Pseud. 92 sciens mit Recht verteidigt: es 
ist 'mit voller Absicht, mit klarem Bewufstsein', und Langen konnte 
noch die Formel si sciens fallo Ribb. trag. R. 2 p. 234 (Cic. fam. 
7, 1, 2) und die Stelle des Ctlcilius 69 — obwohl eines malus auc- 
tor Latinitatis — vergleichen: Machaera quin licitari adversum ahe- 
num coepisti sciens? wo wenigstens das letzte Wort ganz sicher ist. 
Die Untersuchung über quid est? das 8. 362 behandelt wird (vgl. 
Brix zu Capt. 576), führt Langen vielleicht einmal später in dem 
Sinne weiter, wie sie für Terenz Schlee im Archiv III 553—557 
gegeben hat: wenigstens bieten Amph. 735 die Handschriften Quid 
id est? Der Verf. hat selbst den Exkurs S. 388 f. über die Kon- 
struktion von utor, das bei Plantus über dreifsig mal das Nominal - 
objekt im Acc. hat und lange nicht so oft transitiv ist, als man bis 
dahin glaubte, seitdem auch auf die Komposita und fruor, fungor, 
potior ausgedehnt im Arch. III 329 — 336. 

Dafs eine genaue Statistik über das Auftreten und Verschwinden 
einzelner Worte und Wortkonstruktionen für eine methodische Kritik 
des so stark überarbeiteten Plautustextes von der grüfsten Wichtig- 
keit ist, liegt auf der Hand: möchte die Anregung, welche dazu auch 
das vorliegende Buch giebt, eine recht fruchtbare sein! B. 

Otto Schoendoerffer: De syntaxi Catonis. Diss. inaug. Regim. 
1885. 89 pg. 8°. 

Die Frage, wie weit Catos Schrift De re rustica als Original 
oder als durch spätere Überarbeitung entstellt zu betrachten sei, ist 
heute noch eine offene, da die Ansichten von Keil und Jordan sich 
widersprechen and eine ins einzelne eingehende Untersuchung nicht 
vorliegt Nachdem Reinh. Klotz aus den Citaten bei Varro, Plinius 
u. a. nachgewiesen hatte, dafs die Alten das Buch in der Gestalt 
lasen, in der wir es heute noch besitzen, müfste sich eine genauere 
Untersuchung sowohl auf den Wortschatz, als auch auf die Formen 
und die Syntax erstrecken. Der Vf. hat, von Jordan angeregt, nur 
den syntaktischen Teil behandelt, und zwar in dem Sinne, dafs er 
wohl einzelne Interpolationen anerkennt, eine durchgreifende Über- 
arbeitung und umfängliche Zusätze in Abrede stellt. 

Kann daher seine Antwort nur der dritte Teil der vollen Ant- 

Axohir für Ut. Lodkogr. IV. Heft 1. IV 



162 Litteratnr. 

wort sein, so mufs man noch hinzufügen, dafs auch diese Partial- 
lösung manches zu wünschen übrig läfct, da Vf. in der neueren 
Litteratur nicht genügend bewandert ist. So wird nicht nur von 
E. Hauler keine Notiz genommen, der Arch. I 582 die Echtheit der 
Schrift verteidigt, sondern in den syntaktischen Fragen geht Vi 
nicht tief genug. Eine Struktur wie: Quo modo oletum agri iugera 
CCXL instruere oporteat vilicum, vilicam . . . opilionem I summa 
homines XIII, kann man nur richtig beurteilen, wenn man sich er- 
innert, dafs auch in Koch- und andern Rezepten der Acousativ ge- 
wöhnlich ist, z. B. bei Apicius, bei dem man Reoipe ergänzen mag; 
dafs dann das Resultat der Addition mit dem Ablativ summa ange- 
geben werde, hätte Vf. nicht nur behaupten, sondern beweisen, und 
zugleich erwägen sollen, ob vielleicht vor summa ein Punkt zu setzen 
und summa mit ausgelassener Kopula als Subjekt zu fassen sei — 
Ein Analogon zu: ob struem obmovendam hat Vf. nur bei Sali, 
lug. 89 gefunden, kennt also weder Pacuv. ine. 86 lt., noch Sali 
lug. 102, 2 ob regnum tutandum, noch Cic. Rab. Post. IG die alte 
Formel: si quis ob rem iudicandam peeuniam aeeepisset. — Dafs ans 
inpraesentiarum nicht auf Interpolation geschlossen werden dürfe, 
wird S. 45 mit Recht bemerkt, aber weder etwas Neues zur Er- 
klärung der Form (vgl. oben S. 11), noch etwas zum Verständnis 
der Stelle beigebracht. 

Druck und Ausdruck sind nicht musterhaft, z. B. p. 23: num 
ablativum instrumentalem esse viri docti dubitant. 



Aug. Ahlheim: De Senecae rhetoris neu dicendi quaestiones 
seleotae. Diss. inaug. Giss. Darmstadini 188G. 54 pgg. 8°. 

Den Sprachgebrauch des Rhetors Seneca haben bisher mehrere 
Abhandinngen M. Sanders (Quaestiones in Sen. rhet. syntacticae. 
part. I. de particulis loci, temporis, comparationis, finis, oausae, con- 
cessionis. Greifs wald 1872. Der Sprachgebrauch des Rh. Sen. I 
Berlin 1877. II 1880) zum Gegenstande gehabt. Ahlheim verhält 
sich ergänzend zu Sander, ohne auch übrigens seinerseits die Unter- 
suchung zu Ende zu führen. Er behandelt nach Drägers Schema 
die Kapitel: Genetiv, Ablativ, Präpositionen, Participia, Gerundium 
und Gerundivum; Koordination statt Subordination. Da er anf histori- 
schem Standpunkt steht, versäumt er nicht, die grammatischen That- 
sachen in diesem Sinne zu beurteilen und sieht sich so mehrfach in 
der Lage, gegen die bisherige Konstatierung (namentlich bei Dräger) 
einen Gebrauch als zuerst bei Sen. rh. auftretend zu bezeichnen. 
Er hätte hiebei noch einen Schritt weiter gehen und Senecas und 
der von ihm, nach begründeter Annahme, wohl in ihrer Sprach- 
eigentümlichkeit wiedergegebenen Rhetoren Eigentum noch bestimmter 
scheiden sollen. Posttdare c. gen. z. B. (A. p. 10) wird man, da es 
sich nicht in den Worten Senecas, sondern nur des Latro, Vib. 
G alias u. s. w. zu finden scheint, als zuerst in der Praxis der Rhe- 
torenschule aufgetaucht bezeichnen dürfen. IncmUus c. gen. (A. p. 9) 



Litteratur. 163 

gehört dem YotienuB an, insatiäbilis c. gen. (A. p. 10) dagegen dem 
Seneca selbst, und es ist immerbin bemerkenswert, dafs gerade das 
letztere auch bei Seneca Sohn auftritt. Circa im übertragenen Sinn 
(p. 45) findet sich vornehmlich in Senecas eigenen Worten, ahnlich 
steht es mit citra (p. 45). — Von intra weifs A. nichts zu notieren: 
Erwähnung verdiente jedoch die Verbindung dieser Präposition mit 
persönlichen Begriffen Sen. contr. II. praef. 5. ante illuin (Blan- 
dum) intra Ubertinos praeeeptores pulcherrimae diseiplinae continebantur, 
f&r welche weder Hand, Tursell. noch Drager Parallelen bieten. Bei 
der Besprechung von a, ab durfte die Stelle Sen. contr. X. praef. 16. 
horum nomina non me a nimio favorc sed a certo posuisse iudicio 
eeietis, wo a kausal gebraucht ist, nicht übergangen werden, wenn 
schon dieser Gebrauch auch bei Livius nicht fehlt. Für propttr 
nimmt Vf. (p. 42) mit Grund auch finale Bedeutung in Anspruch-, 
daß Beispiel: Cestius. contr. II, 5 (13), 3: nupsit isti prqptcr libcros = 
bberorom quaerundorum causa ist beweisend. Der Versuch, suas. 
6, 1 7 die handschriftliche Lesart vlx attollentes lacrimis oculos homines 
intueri . . . membra potuerunt gegen die Gronovsche, von Kiessling 
und H. J. Müller aeeeptierte Konjektur (prae) lacrimis zu verteidigen, 
durch Hinweis einmal auf eine Reihe kausaler Ablative, namentlich 
aber auf die Thatsache, dafs im ganzen Seneca prae nicht vorkomme, 
ist zwar auf den ersten Blick ansprechend, der Beweis ist aber nicht 
stringent, da erstens von den erwähnten blofsen Abi. causae keiner 
eich als eine ausreichende Parallele betrachten läfst, zweitens die 
betr. Worte livianisch sind und am Mafstab livianischer Gewohn- 
heit gemessen prae wohl erwarten lassen (cf. Liv. 10,13,9 rix prae 
strepitu audita lex est. 9, 13, 1 prae clamore . . . nulla adhortatio 
andita est). — In dem Urteil, suas. 6, 9 (solus dcclamatoribus) sei nicht 
mit Kiessling zu ergänzen solus de decl., sondern mit H. J. Müller sol. 
t d., da sich bei Sen. sonst de = gen. pari, nicht finde, wird A. 
recht haben. — Die Stelle suas. 6, 1 1 sed maxime eum m Asiam et 
Macedoniam hortaius est in Cassi et in Bruti castra gehörte mehr 
unter die bei A. fehlende Rubrik „Ellipse", als unter „Präpositions- 
gebrauch 14 . Sander allerdings, der die Ellipse I 1 5 f. behandelt, hat 
das Beispiel nicht beigezogen. Dafs andrerseits das für die Tempus- 
praxis wichtige: Lacones nisi suecurritis, mundus captus est, (Senian. 
suas. 2, 18), bereits von Sander II S. 20 notiert war, noch dazu mit 
Hinweis auf das fast identische: nisi suecurritis, noverca vicit, ego 
victus suni (Argentarius contr. IX 6 [29], 4) scheint A. entgangen zu sein. 
Indem A. p. 51 über die Erscheinung: Koordination statt Kon- 
dicionalsatz' handelt, bespricht er die Stelle: suas. 6,7 repete age- 
dmn tot patrocinia, tot clientelas et maximum beneficiorum tuorum, 
ipeum: iam intelleges Ciceronem in mortem cogi posse, in preces 
non posse. Sander II 21 sucht ipsum zu baiton; A. schreibt nach 
Schulung und den Editoren rem publicam ipsam. Vielleicht ist mit 
Berücksichtigung von suas. 7, 2 quid consulatum salutarem urbi etc. 
suas. 6, 21 hoc certe publicum bencficium palam erat, illam miserrimi 
temporis servitutem a Catilina dilatam in Antotrium. 6, 26 redeunt 

U* 



164 Litteratur. 

animis ingentia con&ulis acta, eher zu lesen consulatum ipeum. Das 
Vorhergehende: patrocinia, clientelas läfst entschieden die Erwähnung 
einer Thätigkeit erwarten und die Apodosis speziell die einer ge- 
fahrvollen: Cic. or. in Catil. IV, § 2. 3 kann als Illustration dieser 
Stelle dienen. 

Nürnberg. Albrecht Köhler. 

Hans Felix: Quaestiones grammatioae in Veüeiom Pftteronlum* 

liallen8er Inauguraldissertation. 1886. 60 pg. 8°. 

Nach einer in gutem Latein geschriebenen Einleitung über die 
silberne Latinität gliedert der Vf. p. 12 seinen Stoff folgendermafsen: 
1. Das genus orationis des V. im allgemeinen; 2. Neubildungen; 
3. neue Bedeutungen der Wörter; 4. Syntax; 5. Gräcismen; 6. Ein- 
flufs der Vulgärsprache. 

Dafs er den schönen Aufsatz von Sauppe im schweizer. Museum 
von 1837 (nicht 1827) zur Grundlage genommen und die Prolego- 
mena von Kritz mit Vorsicht benützt hat, war ohne Zweifel wobi- 
ge than; dafs er die Arbeiten von Georges (Sohn), Lange und Fritsch 
nicht benützt hat, ist ein entschiedener Nachteil. Man sieht wohl, 
dafs Vf. seinen Stoff auf Grund eigener Lektüre selbst zusammengetragen 
hat, aber indem er nur die augusteischen Dichter und Livius mit 
seinem V. vergleicht, hat er dessen Stellung in der Geschichte der 
Sprache und Litteratur nicht vollkommen zu würdigen vermocht. So 
ahnt er nicht einmal den Zusammenhang des Vell. mit Sallust, der 
doch längst erkannt ist, und vindiciert daher claritudo und ähnliche 
Bildungen, inquies, multi mortales, cetera mit Adjektiv, longe mit 
Komparativ dem V., offenbar ohne eine Ahnung, dafs alles dieB 
schon dem Sallust geläufig ist. Es ist dies eine Gefahr, der junge 
Vf. oft erliegen, die nur einen einzelnen Autor bearbeiten, während 
sie doch gerade darauf achten sollten, das Individuum richtig in den 
grofsen historischen Zusammenhang einzureihen. So wird also auch 
elanguesco als Neubildung dem V. zugeteilt, obwohl nach Georges 
bereits Varro das Wort gebraucht hat; bei consummatio wird ver- 
gessen zu bemerken, dafs gleichzeitig (wenn nicht früher) auch Valerins 
Maximus das Verbalsubstantiv anwendet, und dafs consummare (Aren. 
II 355 f.) überhaupt eine Neubildung des Livius ist; zwei Decom* 
posita soll V. den Griechen nachgeahmt haben, nämlich repraesen- 
tare (welches kein Decompositum ist), und subrefectus, wo sub = 
paulum nicht als Präposition zählen darf. In dem Abschnitte De 
sermone plebeio werden einige Frequentativa = Simplicia aufgezählt, 
adventare, consultare, dictitare, pollicitari, vocitare, wobei weder des 
Vorganges von Sallust gedacht, noch untersucht wird, ob das Fre- 
quentativum wirklich bedeutungslos sei; indicare konnte aber in diese 
Rubrik nur setzen, wer mit List oder Gewalt möglichst viele Bei- 
spiele sammeln wollte; und eben so vag ist die Bemerkung über 
Verba activa und Deponentia, oder die über den Ablativ der Zeitdauer. 

Das Beste scheint uns der Nachweis des Einflusses der Dichter- 



Litteratur. 165 

Sprache und die Zusammenstellung der Neubildungen zu sein; der 
Vf. wttre aber gewifs leicht im stände gewesen, bei etwas gröfserer 
Anadauer eine zuverlässigere Arbeit zu liefern. 

» 
0. Lange: Zum Spraohgebrauche des Velleiua Paterculus. 
Gymnu-Progr. Stettin 1886. 26 S. 4°. 

Das vorliegende Programm bildet eine erwünschte Ergänzung 
zu dem früheren desselben Vfs. (Putbus 1878), in welchem die Syn- 
taris casuum behandelt ist; es umfafst die Syntaxis convenientiae, 
die Präpositionen, die Tempora und Modi inclus. Modi in Nebensätzen, 
Infinitiv, Participium, Gerundium und Gerundivum, und zum Schlüsse 
noch die koordinierenden Partikeln. Nach dem Vorgange ähnlicher 
Arbeiten ordnet es mehr nur das Material, welches bei einer neuen 
Auflage Dragers benützt werden könnte, während 66 den Einflufs 
Sallusts und der augusteischen Dichter wie Vergil (sine fine; ante 
omnes mit Nomen proprium vom Range) oder Ovid (saepe . . . saepe) 
nicht heraushebt; dagegen ist öfters auf die Redensarten hingewiesen , 
welche in der silbernen Prosa zuerst auftauchen, z. B. auf in con- 
fesso esse. In dem Abschnitte über die Participien wäre Franc. Helm 
De paiücipiorum usu Tacitino, Velleiano, Sallustiano (Lips. 1879) zu 
vergleichen gewesen. 

Ob Velleius neben dem kausalen ob auch propter in gleichem 
Sinne an der einen Stelle 2, 108, 2 gebraucht habe, ist nach Arch. 
I 163 doch zweifelhaft; 2, 11, 1 quantum hello optimus, tantum 
pace pessimus allerdings c eigentümlich ', aber nicht nur wegen der 
Superlative, welche, weil unregelmäfsig gebildet, zuerst auf die Stufe 
der Positive herabsinken, sondern auch wegen quantum und tan tu in, 
welche an die Stelle von quam und tarn traten. Da igitur konstant 
an der Spitze des Satzes steht, so mufs 2, 65, 2 tum igitur als 
eine schlechte Konjektur betrachtet werden. Wie kühn es vom Vf. 
war, 2, 6, 3 zu sagen: civitatem extendere usque Alpis, ist oben 
S. 55 gezeigt. 

Krebs-Schmalz: Antibarbarus der lateinischen Sprache. 6. Aufl. 
Vierte Lieferung. Basel 1887. S. 401-528. Lex.-8 Ü . 

Das rasch fortschreitende Werk ist mit dieser Lieferung bis 
Famosu8 gelangt.. Wenn auch das buchhändlerische Bedürfnis dem 
Hsgb. kaum genügende Mufse liefs, alles bis auf den Grund durch- 
zuackern, so ist doch von Lief. 5 an Sorge getragen, dafs sämtliche 
Citate revidiert werden; denn es stellt sich immer mehr heraus, dafs 
man sich auf die Angaben von Krebs und Allgayer nicht unbedingt 
verlassen kann. Da die Anlage des Buches längst bekannt und an- 
erkannt ist, so beschränken wir uns auf ein paar flüchtige Bemer- 
kungen. Epistolae ad diversos] Dieser Gebrauch wohl zuerst in der 
Überschrift der Scriptores historiae Augustae: Vitae diversorum prin- 
cipum et tyrannorum etc., dann epist. ad diversos Hieron. vir. ill 135, 
wie auch Alcimus Avitus drei Bücher epistularum ad diversos schrieb. 



166 Litteratur. 

Ausg. von Peiper, 1883. 8. 35 ff. — sine dubio] Es war hier vor 
dem unsterblichen 'sine nllo dubio' zu warnen, da das substanti- 
vierte Neutrum dubium kein Attribut ertragt. Vgl. sine ulla dubi- 
tatione. - — dumtaxat] Die Bedeutung scheint uns auch jetzt noch 
nicht genügend festgestellt, und eine Specialuntersuchung notwendig. 

— exadversuß] Bei Cicero; aber in einem freien Citate aus einem 
älteren Historiker. — Excellere mit dem Dativ]? Vgl. oben S, 154. 

— Externatur] Vgl. jetzt Archiv III 542 ff. 



E. Hau ler: Die Orlöaner Palimpsestfragmente xu Salluats 
Historien. Wioo. 1887. 

Die Wiener Studien IX 25 — 51 bringen uns die erste Gesamt- 
ausgabe der für uns unschätzbaren Überreste römischer Historio- 
graphie mit knappem Apparate, Prolegomena und angehängten Er- 
klärungen. Da über den Inhalt zu referieren nicht Aufgabe dieser 
Zeitschrift sein kann, über den sprachlichen Gewinn aber der Ent- 
decker selbst Bericht erstattet hat (Arch. III 535 — 539), so bleibt 
für diese Anzeige nicht mehr viel zu sagen. Manches, wie der ver- 
suchte nächtliche Überfall des römischen Lagers durch die Piraten, 
liest sich so glatt, dafs man von Zeit zu Zeit von dem Gedanken 
verfolgt wird, die Geschichte schon irgendwo gelesen zu haben; 
anderes dagegen hinterläfst den Eindruck, dafs Sallnsts Sprache von 
gewissen Härten nicht freizusprechen, oder der Text durch nochmalige 
Revision des Palimpsestes und durch Konjekturalkritik zu bessern sei. 
Dürfen wir auch auf diese zweite Möglichkeit noch einige Hoffnungen 
setzen, so müssen wir doch zu allererst Herrn Dr. Hau ler unsere 
vollste Anerkennung zollen für alles das, was er unter schwierigen 
Umständen geleistet hat. Er hat auch mittlerweile in Rom gefunden, 
dafs cod. Urbinas 411 und Vatican. 3415, welche die Reden und 
Briefe aus Sallnsts Historien enthalten, nicht directe Abschriften deB 
älteren Vaticanus 3864 saec. X sind, wie H. Jordan annahm. Ebenso 
hat das im Arch. III 306 mitgeteilte Fragment durch die zweite 
Lesung gewonnen, indem jetzt ediert ist: conscientia noxarum tnetuert, 
nc datis arrnis mox tarnen extretna victis (statt extremas vices) patc- 
retitur; dann ni tnetus urgwet (statt nc nictus surgerei), endlich et in 
co (wonte Micro Magnae Matri) credebafur cjmlari diebus certis dea. 
Die Schwierigkeit in dem Passus: montem, ex quo in fuqam oppidi 
teil cofiiectus erat, oecupavit, scheint noch nicht gehoben: Hartel inter- 
pretiert si ex oppido fugere conarentur; Mommsen vermutet in iuga, 
Bücheler in infuma oder in rttgam, Hirschfeld in tcrga t Domaszewski 
in fanum. 

Bei dieser Gelegenheit möge nachgetragen werden, dafs das 
Wort noxa (Plautus und Cicero sagen noxia, Caes. b. Gall. 6, 16 
schwanken die Codices) von Sallust vielleicht in die Prosa eingeführt 
und sehr selten im Plural (vgl. Sali. hist. I 48, 11 noxarum metu) 
gebraucht worden ist. 



Litteratur. 167 

Virgilii Maronis grammatioi opera edidit loh. Huemer. Lips. 1886. 
Bibliotiu Teubner. XV. 196 pg. 8°. 

Die Opuscula deß gallischen Grammatikers Virgilius Maro (saec. VII) 
wurden zuerst von A. Mai nach einer Neapolitaner Handschrift heraus- 
gegeben und zwar die epistolae vollständig, von den epitomae nur ein 
Auszug (vgl. class. auet. V p. 1 — 149). Auf Grund einer zweiten 
genaueren Abschrift beganu Mai eine zweite Ausgabe, die aber nicht 
zum Abschlufs gelangte. Nach Mais Tod wurde ein Teil des revi- 
dierten Textes in die Appendix ad opera edita ab A. Mai (Rom 1871) 
aufgenommen. Die Literarhistoriker pflegten bisher die Theorieen 
dieses Grammatikers nicht ernst zn nehmen. Dafs diesem Gramma- 
tiker so lange die gebührende Würdigung versagt blieb, ist zum Teile 
Mais Verschulden, der den Text in eigenmächtiger Weise nach „be- 
rühmten Mustern 14 emendierte und seiner spezifischen Eigentümlich- 
keiten zu entkleiden suchte. Im J. 1882 machte Prof. W. Meyer 
in seiner berühmten Schrift 'Der Ludus de Antichristo' auf die Be- 
deutung dieses Mannes als Metrikers aufmerksam. Zur selben Zeit 
unterzog Ref. die Sprache des Autors sowie einige seiner grammati- 
schen Theorieen einer genaueren Würdigung (Wiener Sitz.-Ber. 1882 
S. 510 ff.). — Das Archiv hat auch diesem Autor seine Aufmerk- 
samkeit gewidmet (vgl. I 58, II 26 ff.). 

Da Mais Text für wissenschaftliche Forschungen nicht hinreichte, 
so entschlofs sich Ref. auf Grundlage der ihm bekannt gewordenen 
Handschriften und der zahlreichen Zeugnisse aus Grammatikern zu 
einer Neubearbeitung mehr in der Absicht, durch dieselbe die Er- 
forschung dieses Grammatikers anzuregen als eine solche abzuschlie- 
ßen. Das handschriftliche Material ist zwar dürftig, doch war es, 
wie es schien, hinreichend, um einen relativ sichern und gegenüber 
Mai vielfach korrigierten Text herzustellen. Die Eigenart der Über- 
lieferung selbst in orthographischen Dingen wurde möglichst geschont, 
and so nahe oft der Versuch einer Emendation lag, so wurde den- 
noch, wenn irgendwie eine Interpretation einer zweifelhaften Steile 
sich finden liefs, die Überlieferung beibehalten. Das Latein der 
spätem Jahrhunderte, das sich in den Provinzen durch nationalen 
Einflufs in besonderer Weise entwickelte, ist noch zu wenig erforscht, 
als dafs mit Sicherheit die Schwierigkeiten eines Autors wie Virgils 
wegkonjiciert werden könnten und dürften. Die Sprache Virgils ist 
offenbar dialektisch; sie läfst die fremden Einflüsse deutlich erkennen, 
denen das Latein seines Heimatlandes ausgesetzt war. 

Virgil stammte nach dem Zeugnisse des Abbo Floriacensis aus 
Toulouse, und habe ich richtig interpretiert, so hat er selbst seine 
ßprache als Dialekt bezeichnet mit den Worten S. 8, 13: De pote- 
state autem, quia magna ex parte legestum est, bigerro (= biger- 
rico) sermone clefabo. In dieser Gegend Galliens machte sich der 
Einflufs Massilias, Spaniens und Germaniens geltend; kein Wunder, 
dafs Virgil nebst seiner einheimischen (im Gegensatz zum klass. 
Latein), der griechischen und hebräischen Sprache gedenkt, dafs er 



168 Litteratur. Sprechaaal. 

Wörter gebraucht, die wir nur durch Vergleichung mit dem Deut- 
schen zu erklären vermögen, z. B. clefare (sprechen), clefium (Wort^ 
vgl. ahd. klaphön, mhd. klaffen (kl abastern bei Kluge etym. Wörter — 
buch), gande (vgl. Wende), Galbungus (vgl. Nibelung). 

Virgil erregt auch die besondere Aufmerksamkeit durch die 
mannigfachen Citate aus Autoren, die teilweise unter klassischen«. 
Pseudonym verschiedene Schriften publi eiert hatten. Da man dies» 
Citate in alten Schriftstellern vergebens gesucht hatte, nannte rnanr 
den Grammatiker vorschnell einen Fälscher, die fragliche Litteratur 
bezeichnete man als fingiert. Nichts ist unrichtiger als dies. Wir 
haben es offenbar mit einer Art nationaler Litteratur zu thun, deren 
Enthüllung langsam, aber doch stetig fortschreitet. An einer solchen 
Stelle tritt Virgil mit Aldhelm in Berührung. Die bisher unerklärten 
Worte heifsen (Giles p. 95): Si vero quippiam inscitia suppeditante 
garrula frontose convincitur pagina prompsisse, ut versidicus ait 

Digna fante glingio gurgo fugax fambulo. 

Die Glossatoren schmückten die Stelle romanhaft aus (vgl. Du 
Cange-Henschel unter gurgo). Die Erklärung und Emendation der 
Stelle vermittelt Virgil S. 121, 10 verum tarnen ne in illud Glengi 
incedam, quod cuidam conflictum fugienti dicere fidenter ausus est 
gurgo inquit fugax fambulo (fabulo N) dignus est, pauca . . . profabulor. 

Es ist im Rahmen dieser kurzen Selbstanzeige nicht möglich, 
alle Punkte zu erörtern, die diesen Autor zum Studium empfehlen, 
Nur dies eine soll noch hervorgehoben werden, dafs die epitomae 
des Virgil in der ältesten Handschrift, dem Cod. Parisinus 13026 s. IX 
vulgärlateinisch überliefert sind. Der Index verborom et locutionum 
enthält nur das Wichtigste; Ref. beabsichtigt über die Sprache Virgils 
eine Specialabhandlung zu veröffentlichen. 

Ein störender Druckfehler ist S. 132, 17 sicat; lies sciat 

Wien. Dr. Joh. Huemer. 



Sprechsaal. Berichtigung. Druckfehler. 

Das Verzeichnis der ausstehenden Zettel, durch welches die 
Redaktion den Anspruch auf Vollständigkeit der lexikalischen Probe- 
artikel zu ihrem grtffsten Bedauern ablehnen mufs, folgt wegen Raum- 
mangel im nächsten Hefte. 

Arch. IV 12. Porrigere wird man besser als mit der Prä- 
position por komponiert betrachten; vgl. Arch. II 498. 

Arch. III 387 ist statt Göttinger Handschr. zu lesen: Gött- 
weiger Handschr. 



Genuswechsel der Deminutiva. 

Die lateinischen Deminutiva sind zum Gegenstand von Einzel- 
anter8uchungen gemacht von Gryczowski, de substantivis La- 
ä'norom deminutivis Konigsb. 1830, L. Schwabe, de deminutivis 
Graeciß et Latinis Giessen 1859, G. Müller, de linguae Latinae 
deminutivis Leipzig 1865, Kessler, die lateinischen Deminutive 
Hildburghausen 1869. „Über die lateinischen Deminutive mit 
doppeltem 1" handelt Paucker in der Zeitschr. f. vgl. Spr. XXIII, 
169, „über die Deminutive mit dem Suffix -c-ulus, a, um" Zeitschr. 
f. österr. Gymnasien 1876 S. 595, über „die lateinischen Deminu- 
tive auf einfaches -ulus, -ula, -ulum" derselbe Mitau 1876. Eine 
Znsammenfassung dieser Untersuchungen — leider mit manchen 
Versehen — findet sich bei R. Kühner, Ausf. Gramm, der lat. 
Sprache I 661—667. 

Ehe wir zu der Sache selbst übergehen, seien uns einige 
allgemeine Bemerkungen gestattet. Eine Untersuchung über die 
lateinischen Deminutiva hat zu berücksichtigen, dafs in der Litte- 
ratur das Material bei weitem nicht vollständig vorliegt Die 
Bildung und Verwendung der Deminutiva gehört vorzugsweise 
dem gewöhnlichen Leben an; daher einerseits der Reichtum an 
derartigen Bildungen sowohl, wie das häufige Auftreten der ein- 
zelnen Worter bei Plautus, in den Briefen des Cicero, bei Apu- 
leius, andrerseits die Unregelmäfsigkeit in den Bildungen. Eine 
weitere Beachtung verdient der Umstand, dafs wir die lateinischen 
Deminutive in einem verhältnismäfsig fertigen Zustande über- 
kommen haben. Damit soll nicht gesagt sein, dafs auf diesem 
Gebiete während der ganzen Zeit, die wir übersehen können, 
vollständiger Stillstand geherrscht habe, allein die Entwickelung 
von der einfachsten Art der Bildung bis zur zusammengesetzten 
Form der Suffixe liegt vor den ältesten Denkmälern der Sprache. 
Es läge der Gedanke nahe, dafs die früheste Zeit die denkbar 
einfachsten Formen verwandt hätte. Gerade aber Plautus zeigt 

Arohir fttr lat. Lexikogr. IV. Heft J5. Yfc 



170 A. Weinhold: 

— wie schon Diomedes I 326 K gut bemerkt: descendebant (anti- 
qui) ad tertiam usque forinam, tarn quam arca arcula arcella 
arcellula — in ganz besonders reicher Weise die Formen auf 
unculus etc., und eine jede in vielen Beispielen. 

Obwohl es nur unsere Aufgabe ist die Deminutive mit ver- 
ändertem Geschlecht zusammenzustellen, wird es doch notwendig 
sein die verschiedenen Stufen der Deminutivbildung vorzuführen, 
um später die Form blofs bei Unregelmässigkeiten besprechen 
zu müssen. Die lateinischen Grammatiker behandeln die Demi- 
nutive unter der Lehre von der Komparation. Charisins II 155 K 
erklärt: sunt deminutiva quae in absolutis nominibus adieeta in 
novissima parte aut littera aut syllaba capiunt deminutionem 
sine ulla comparatione, ut montanus niontaniculus, scholasticus 
scholasticulus, parvus parvulus, adulescens adulescentulus. illud 
vero meminerimus quod semper deminutiones generibus suis unde 
oriuntur consonant, pauca dissonant, ut rana ranunculus, unguis 
ungula, glandium glandula, beta betaceus etc. Diomedes I 325 K 
sagt: Diminutiva sunt quae in diminutione absolutorum nominum 
fiunt sine ulla conparatione, ut parvus parvulus . . . horum autem 
sunt tres gradus. quorum forma quamvis magis minuitur, crescit 
saepe numerus syllabarum . . . apud nos diminutionis hoc genüs 
servatur quod est primae positionis, id est prima diminutio. Ich 
füge noch als charakteristisch für seine weiteren Anschauungen 
hinzu: sunt etiam quasi deminutiva, quorum origo non cernitur, 
ut fabula macula tabula, sunt item quae non servant genera 
quae ex nominibus primae positionis aeeeperunt, ut scutum, scu- 
tula, scutella. Priscian endlich hat im III. Buche ein besonderes 
Kapitel den Deminutivis gewidmet, welches sich durch Reichtum 
an Beispielen, auf die wir zum Teil zurückkommen werden, aus- 
zeichnet. 

In Bezug auf das Geschlecht stellt sich das Latein also in 
entschiedenen Gegensatz zum Griechischen und Deutschen, steht 
im Einklang mit Sanskrit und Gotisch. Während im Griechi- 
schen gewissermafsen neue Wesen entstehen und auch die durch 
Deminutive bezeichneten Personen nicht als solche, sondern als 
Sachen aufgefafst werden, behalten im Lateinischen die Deminu- 
tiva das Geschlecht des Stammworts, ein Gegenstand ändert sein 
Geschlecht nicht, mag er grofs oder klein erscheinen; itatg xai- 
tfov, puer puerulus. 

Als Deminutivum werden wir ein Wort betrachten, welches 



GenuBwechsel der Deminutiva. 171 

den Gegenstand des Stammwortes in kleinerem Mafsstabe be- 
zeichnet und dies thut vermittelst der Suffixe la und ca und 
ihrer Zusammensetzungen. Drei Bedingungen sind also zu er- 
füllen, wollen wir ein Wort als Deminutivum ansehen: erstens 
mufs ein primitiver Nominalstamm als Grundform aufstellbar 
oder wenigstens zu erschliefsen sein, zweitens mufs die Bedeutung 
des Wortes eine wirklich erkennbare Verringerung, Schwächung etc. 
des Grundwortes ergeben, drittens müssen die genannten Suffixe 
bei der Bildung beteiligt sein. 

Das Suffix la — erscheinend in lus, la, Iura — tritt nun 
zunächst an die Stämme der 1. und 2. Deklination, wobei — 
Corssen, über Aussprache etc. II 2 69 u. a. — das a zu o ver- 
dumpft, welches letztere später zu w wird: nur wenn ein i oder 
e oder t? voraufgeht, erhält sich o. Stolz, Lat. Gramm. 23, 2. 
So haben wir: ara arula, hortus hortulus, filius filiolus, valva 
valvola. Bei den Stämmen, welche mit ursprünglichem o aus- 
lautend — agro — Nominative auf er gebildet hatten — ager — , 
tritt das lus an den Nominativ, ager-lus, agel-lus: bei denen auf 
ra, lo, no, na erfolgt Ausstofsung des Vokals und Assimilation 
des Stammkonsonanten an den des Suffixes: z. B. Corona, coro- 
nula, corolla. Dafs wir mit Corssen diesen Gang annehmen und 
nicht ein corolla unmittelbar aus coron-la entstehen lassen, hat 
seinen Grund darin, dafs unsers Erachtens keine Veranlassung 
vorlag, bei diesen Wortern eine andere Bildungsweise zu befolgen, 
als sonst: dem widerstreitet auch nicht, dafs später die ursprüng- 
liche Form cöronula — allerdings im übertragenen Sinne — ge- 
braucht worden ist. Wenn dagegen Substantiva auf Inus, Ina 
ihre Deminutiva auf ellus und ella bilden, so werden wir 
schwerlich mit Kühner darin eine Verstärkung „des dünnen i in 
das vollere e" erkennen, sondern richtiger annehmen, dafs das 
ursprüngliche e in Stämmen wie *aseno sich erhalten hat, so 
dafs das Deminutivum zu asinus asellus lautet. 

Bei den von Stämmen auf -pro, -bro, -bra, -cro, -gro, -tro, 
-tra gebildeten Wörtern entwickelte sich infolge des r bei der 
Deminutivbildung dfein vokalisierter Stimmlaut e, so dafs wir 
erhalten capra capel-la, labrum labellum etc., und in gleicher 
Weise werden wir transtillum von transtrum etc. auf Rechnung 
der Entfaltung des Stimmtons des 11 zu dem ihm jedesmal ge- 
nehmen Vokal zu setzen haben. Siehe hierüber Osthoffs treff- 
liche Auseinandersetzung in Forschungen im Gebiete der indo- 

12* 



172 A. Weinhold: 

gcrm. nominalen Stammbildung 1. Teil p. 16 u. £, der wir auch 
weiter unten reiche Belehrung danken werden. 

Hatte man auf dem oben bezeichneten Wege eine grofse 
Menge von Deminutivis auf ulus, a, um erhalten, so fafste man 
dies als Deminutivendung und setzte dieselbe auch an konsonan- 
tische Stamme der 3. Deklination, insbesondere an gutturale, rex 
regulus, allein auch an dentale civitas, civitatula. 

Erst eine späte Zeit aber zeigt derartige Bildungen von 
Substantiven nach der 4. Deklination. 

Einige Substantive auf o setzen das Suffix lus an den 
ursprünglichen Nominalstamm auf on, dessen o zu u verdumpft 
und dessen n sich dem 1 assimiliert z. B. homo homullus, leno 
lenullus. 

Die meisten Stämme nach der 3., ebenso die nach der 4 
u. 5. Deklination bildeten ihre Deminutiva mit dem verdoppelten 
Suffix eulus*), welches an die i- und e-Stamme unmittelbar, bei 
den konsonantischen Stämmen an die Nominativformen auf or 
und er, os, us und as trat: so erhielt man apicula, vulpecula, 
uxorcula, passerculus, flosculus, corpusculum, vasculum; bei den 
Wortern der 4. Deklination wurde das u zu i geschwächt, arti- 
culus, versiculus**); die e-Stämme der 5. erlitten keine Ver- 
änderung vor dem Suffix. Was dieses Suffix selbst anlangt, so 
dürfen wir kaum uns über die Erklärung mit Paucker durch die 
Bemerkung hinweghelfen, es sei hier ein prothetisches c zu finden; 
auch die Ansicht möchte schwerlich das Richtige treffen, dafs 
eulus einem Mifsverständnis seine Existenz verdanke: man hätte 
gebildet arca, arcula und alsdann falsch abgeteilt ar-cula und so 
geglaubt ein Suffix eulus, a, um zu haben. Einerseits ist die 
Zahl der Deminutive mit stammhaftem c doch zu gering, um 
einen so gewaltigen Einflufs auszuüben, zum anderen ist der 
Beweis nicht zu erbringen, dafs die Formen auf eulus später 
seien, als die auf ulus mit stammauslautendem c. Es ist nun 



*) Corbula bei Plautus und Cato (corbicula Patladins) ist entweder 
ältere Bildungsart oder von *corba abgeleitet. Vgjff'den Eigennamen Cor- 
bulo, Körber. Die Red. 

**) Nicht üblich ist diese BilduDg in der archaischen , klassischen und 
silbernen Latinitat in der 2. Deklination, weshalb lecticulus bei Catull 
57, 7 (nach cod. Oxon.) und panniculus auf lectus, us und pannus, us 
(pannibus Pompon. com. 70) zurückzuführen sind. Eine Einwirkung von 
lectlca ißt nicht wahrscheinlich. Die Red. 



GenuswochBcl der Deminutiva. 173 

aber nirgends die Neigung zur Verdoppelung und Verdreifachung 
der Suffixe so grofs wie bei den Deminutivis; nur zum Überflufs 
erinnere ich an unser Männelchen u. ä., weise auch im voraus 
auf agnellus u. 8. w. hin. Wir haben also auch in culus 
nichts anderes als die Verbindung des alten Deminutivsuffixes 
ca, dessen Vokal vor 1 zu u verdumpft ist, mit la zu sehen: 
jenes ca, welches im Lateinischen auch in wenig Wörtern 
noch als selbständiges, wenn auch nicht als solches empfundenes 
Deminutivsaffix erscheint, wie z. 6. in noverca. Durch die Ver- 
bindung dieses Suffixes mit i- und u-Stämmen war aber eine 
stattliche Reihe von Deminutivis auf iculus entstanden, und so 
kam es, dafs man hier allerdings falschlich an ein Deminutiv- 
saffix iculus glaubte, welches dann an konsonantische Stämme 
der 3. — denticulus — , ja auch im Spätlatein an solche der 
2. Deklination — agniculus — trat. Die Quantität dieses % ist 
schwankend; vgl. Prise. III 5, 31, Paucker, ZOG 604, L. Müller, 
de re nietr. p. 353, wie Corssen, Ausspr. 1P 513 lehrt, infolge der 
„Vermengung der ursprünglich auf -es auslautenden Nominal- 
stamme mit I- Stämmen/' „Jene bildeten eigentlich Deminutiva 
auf e-cula wie nube-cula, sede-cula, vulpe-cula . . ., die I-Stämme 
solche auf Y-culo, -l-cula wie fascl-culus, aedi-cula u. a. Daher 
entstanden mit jener Vermengung Mittelformen wie clavi-cula, 
crati-cula, cutl-cula, und diese wurden natürlich von den dakty- 
lischen Dichtern gewählt, weil sie die drei kurzen Silben -1- eil hl 
in ihrem Versmals nicht brauchen konnten/' 

Für die Substantiva von Stämmen auf ursprüngliches on, 
mochten dieselben im Genetiv das onis bewahren, oder mochten 
sie es zu inis schwächen, trat in der Regel behufs der Demijiutiv- 
bildung culus an den alten Stamm, dessen o sich wieder zu u 
verdumpfte; so erhalten wir die zahlreiche]} Formen auf unculus, 
a, um: carbo carbunculus, homo homunculus, ratiuneula u. s. w. 
Diese Bildung für die sich von frühester bis in die späteste Zeit 
eine ausserordentliche Vorliebe zeigt, — Paucker ZOG 599 führt 
140 Beispiele auf — war es nun, welche die Sprache zu einer 
Deminutivform auf unadus gelangen liefs, so dafs man bereits 
frühzeitig auch von solchen Worten, welche keine Form auf o 
haben, derartige Deminutiva bildete, an denen besonders das 
Spatlatein überreich ist. 

Über die Deminutiva von ala, aula etc., sixilla, auxiila etc., 
welche den Grammatikern älterer wie neuerer Zeit so viel 



174 A. Weinhold: 

Schwierigkeiten bereitet haben, verdanken wir wiederum Osthoff" 
1. 1. 190 u. f. Aufklärung, welcher m. E. unwiderlegbar zeigt» 
wie als Grundformen für diese Worte *axla, *maxla u. s. w. an- 
zusetzen sind, von welchen wir auf dem gezeigten Wege zu den 
Deminutivformen gelangen. Vgl. auch Stolz, p. 187. 

Hiermit ist, so viel ich sehe, die Reihe der Deminutivbil- 
dungen ersten Grades in ihren Grundzügen erschöpft, nicht so 
die Triebkraft der lateinischen Sprache. Wölfflin hat in seiner 
Abhandlung über Vulgärlatein Philol. XXXIV 153 ff. u. a. aus- 
geführt, wie die Deminutive nicht immer verkleinern, wie sie öfters 
den Affekt ausdrücken und wie es besondere Gruppen von Worten 
sind, welche vorzugsweise Deminutive bilden, wie ferner besonders 
das weibliche Geschlecht es ist, welches sich der Kosedeminutiva 
erfreut, so dafs sich entsprechen puer und puella. Den dort auf- 
geführten Beispielen könnte man als älteres für Gleichstellung 
beider Worte noch hinzufügen Varro de 1. 1. IX 29 non sie ex 
viro et muliere omnis similis partus, quod pueri et puellae? Aber 
auch hierbei können wir wieder die Bemerkung machen, dafs die 
erste Stufe nicht stets die am frühesten bezeugte ist; so haben 
wir haedilli bereits Plaut, asm. 667, während die erste Stufe 
erst luven. XI 65 in haedulus uns entgegentritt 

Die Form der Bildung von Deminutiven 2. Grades ist nun 
die, dafs — und dies ist die weit überwiegende Mehrzahl der 
Fälle — an die Deminutivformen auf ulus nochmals das Demi- 
nutivsuffix lus antritt, das erste u sich zu e oder i abschwächt, 
während das 2. ausfällt: agnus, *agnu-lu-lus, *agne-lu-lus, agnel- 
lus. Wir müssen uns hierbei vergegenwärtigen, dafs ein agnellus 
rücksjehtlich seiner Bildung ganz anders dasteht als ein fabelUiy 
welches, wie Osthoff im Anschlufs an Ascoli le figure italiche 
p. 25 zeigt, aus fa-bula (grdf. *fa-bla) entstanden ist *fa-blula, 
*fa-bel(u)la, fa-bel'la. Diesen Unterschied scheinen mir weder 
Corssen II 8 530 noch Schwabe p. 40 hinlänglich gewürdigt zu 
haben, und ebenso stehen bei Kühner I 666 haedillum, pocillum 
und axilla friedlich nebeneinander. 

Selbst jedoch mit dem 2. Grade der Deminutive hatte die 
Sprache nicht genug. Hatte man cista, cistula, cistella gebildet» 
so ging schon Plaut, rud. 391 einen Schritt weiter mit cistel- 
lula, und die spätere Zeit hat in diesen Bildungen kein Mals 
gekannt. Nur das eine Wort agnus möge mir gestattet sein 
anzuführen mit seinen Deminutiven agnulus, agnellus, agniculus, 



Genugwechsel der Damin utiva. 175 

agnicellus, agnicellulus. Wie wenig man sich aber der deminu- 
tiven Kraft dieser Worter bewufst war, das erhellt aus den 
romanischen Sprachen, wo die Deminutiva vielfach an Stelle der 
Stammworter getreten sind. 

Die lateinischen Grammatiker rechneten unter unsere Wörter 
noch eine ganze Anzahl, welche wir auszuscheiden haben, da sie 
den oben angegebenen Bedingungen nicht entsprechen. An erster 
Stelle seien erwähnt die Wörter auf uleus. Schon Schwabe hat 
darauf hingewiesen, und Paucker, Mitau 1876 p. 20 an ein paar 
Beispielen es wahrscheinlich gemacht, dafs die Wörter auf uleas 
ursprünglich adjektivisch seien und die Gleichartigkeit u. s. w. 
bezeichneten. Es läfst sich diese Bedeutung für alle nachweisen. 
Ich füge dem dort Gesagten noch hinzu: Eculeus wird — soweit 
ich sehe — von Livius nur von Portentis gebraucht: z. B. XXXI 7 
in Lucanis . . . eculeus cum quinque pedibus; bei Cicero da- 
gegen Verr. IV 20, 42 sind eculei (argentei nobiles) Trinkhörner, 
deren Spitze in einen Pferdekopf endet, während das Wort sonst 
bei ihm und bei anderen zur Bezeichnung des Folterwerkzeugs 
dient Ebenso zeigt manuleus (bei Paucker fälschlich manulea) 
schon durch seine Bedeutung „der bis an die Hand reichende 
Ärmel der Tunica", dafs an ein wirkliches Deminutivum nicht 
zu denken sei; ziehen wir ferner in Betracht, dafs nuculeus (wo 
die Ergänzung von lapis = Kern so nahe liegt) der „Kern der 
Nufs" ist, nicht „die kleine Nufs", dafs oculeus als Substantiv 
nur auf einer Grammatikerstelle ohne Beleg beruht, während es 
als Adjektiv bei Plautus erscheint, so wird die einzige Stelle, 
wo ein Substantiv auf uletis als wirkliches Deminutiv gebraucht 
zu sein scheint, uns schwerlich irre machen dürfen: Varro 1. 1. 
IX 28 quod ex quocunque asino et equa nascitur id est mulus 
aut mula, ut ex equo et asina hinnulei, wo Laetus hinnuli 
bietet, hinnulei aber lediglich orthographische Abweichung ist, 
ei = i. Terent. Scaur. p. 19 K: Neue I- 97, Corssen, Ausspr. 
I* 330. An allen übrigen Stellen finden wir hinnuleus gebraucht 
von dem männlichen Jungen des Hirsches und Rehes; Scrib. 13 
setzt sogar cervus hinzu. Sind diese Erwägungen richtig, so 
verschwindet aus dem Verzeichnis der Deminutive auch acideus, 
bei dem — nebenbeigesagt — von verändertem Geschlecht nicht 
wohl die Rede sein kann, da acus nach Prise. V 6, 33 und VI 
14, 17 tarn masculinum quam femininum invenitur. Vgl. Prob, 
cath. I 41 p. 1463; Plin. n. h. XXVI 5. 



176 A. Weinhold: 

In gleicher Weise finden wir an den oben aufgeführten 
Stellen als Deminutive Worter auf -aster und -aceus verzeichnet. 
Über erstere lehrt uns Arch. 1 407, dals sie instrumentale Be- 
deutung haben, während die Worte auf aceus sämtlich ursprüng- 
lich Adjektiva waren, die dann mit Ausfall des Substantivs sub- 
stantivisch gebraucht wurden. 

Endlich hat noch einer Klasse von Wortern Osthoff, For- 
schungen I § 5 die Berechtigung als Deminutive zu gelten genom- 
men: es sind die Wörter auf edula, acredula, ficedula u. s. w., deren 
dula derselbe Forscher vermittelst der Mittelstufe dl d auf ursprüng- 
liches cul zurückführt; aufserdem würde schon der Umstand, dals 
keine Primitiva zu ihnen vorhanden oder erschliefsbar sind, hindern 
sie mit Kühner u. a. als Deminutive aufzuführen. Mit diesem 
als cul erscheinenden Suffixe ist aber eine stattliche Zahl von 
anderen Wörtern gebildet, welche den Deminutivis auf culus, a, 
um täuschend ähnlich sehen und auch für solche gehalten worden 
sind. Es sind dies die Instrumentalia auf culum und — wenn auch 
weniger Verwechselung bei ihnen vorgekommen ist — auf bulum. 
Eine Zeitlang hat man diese Wörter mit Bopp, vgl. Gramm. IIP 
815 a von W. kara und bhara abgeleitet, eine Meinung, die Corssen 
lebelang, s. bes. Krit. Nachtr. p. 186 — 193, Ausspr. P 166, wohl 
mit mehr Schärfe als Glück verteidigt hat. Nach einer Bemer- 
kung Benfeys, die Ebel weitergeführt, Ascoli (die Citate s. bei Ost- 
hoff), des näheren erläutert, hat endlich Osthoff in seiner um- 
sichtigen und scharfsinnigen Untersuchung den Beweis geführt, 
dafs die älteste Form des in Rede stehenden Suffixes die auf do 
ist, dafs dieselbe aus einem ursprünglichen tlo ableitbar ist, dals 
ferner die Umwandlung von tl in kl mit den Lautgesetzen des 
Lateinischen nicht im Widerspruche steht, während eine Ablei- 
tung von kara sowohl wegen der spärlichen Verwendung des 
Wurzelverbs im Lateinischen, als wegen der Kegelmäfsigkeit 
seines Erscheinens in Formen mit r, als endlich wegen der Art der 
lateinischen 'Nominalbildung, welche direkt aus dem Verbalstamm 
hervorgeht, unmöglich ist. Dafs die Sprache natürlich nicht in 
jedem einzelnen Falle den Lautwandel von tl zu cl durchgemacht 
hat, sondern sich gewöhnte das Suffix als selbständig anzusehen, ist 
kaum nötig zu bemerken. Ursprünglich bildete man dergleichen 
Wörter von Verben insbesondere der a-Konjugation ; also cena, 
cenare, cenaculum, gubernare, gubernaculum, doch bald war das 
Suffix so gebräuchlich geworden, dafs man ohne Vermittlung 



Gennswcchsel der DeminutiTa. 177 

eines solchen Verbums z. B. tabernaculum zu taberna bildete, ja 
sogar ein retinaculum wagte, obwohl es kein Verbuin retinare 
gab. Die Bildungen von Verben der übrigen Konjugationen sind 
es nun insbesondere gewesen, welche Veranlassung gaben, diese 
Wörter mit den Deminutivis zu verwechseln, wie ja schon Ilagen, 
anecdota Helvei p. 191, 8 „pera (= JtetQa?) ex qua periculum" 
aufweist. Wie nun die Bedeutung des Mittels oder Werkzeugs 
sich erweiterte und man diese Worte auch gebrauchte zur Be- 
zeichnung des Ortes (cubiculum), oder des durch das Werkzeug 
oder Mittel Hervorgebrachten (saeculum), ferner der Handlung 
selbst (meaculum), wie das Instrumentale schliefslich der Bedeu- 
tung des Stammwortes sich zuwendete, teils in Übereinstimmung, 
teils mit einigen Abweichungen von Corssen und Osthoff zu ver- 
folgen, wäre wohl interessant, würde aber Ober den Rahmen 
unserer Darstellung hinausgehen. Ich lasse daher nur die Worte 
folgen, welche oft als Deminutive mit abweichendem Geschlecht 
betrachtet werden, aber Instrumentalia sind. 
Cenaculum Varro 1. 1. V 33, 162 ubi cenabant cenaculum vo- 

citabant etc. 
clunaculum Gell. X 25, 2. Paul. Fest. 50, 0: cultrum sanguina- 
rium dictum vel quia clunes hostiarum dividit vel quia ad 
clunes dependet. (Corssen, krit. Beitr. p. 347.) Isid. 18, 6, G. 
Placid. gloss. 2G, 3. 
conventiculum Cic. de domo 28, 74: quoniam plebi quoque 
urbanae inaiores nostri conventicula et quasi concilia quaedam 
esse voluerunt. p. Sest. 40, 91 conventicula hoininum, quae 
postea civitates nominatae sunt „die ersten Anlange von Ver- 
einen" etc. 
curriculum Plaut, mil. 522 etc. „Wagen zum Rennen, Ort zum 

Rennen, Lauf/' 
furfuraculum Gloss. Isid. no. 759. Arnob. t>, 14. 
öffendiculum Plin. ep. IX 11, 1 und an vielen Stellen der Eccl. 
offensaculum von Apul. niet IX 9 an bei den Eccl. 
pinnaculum Vulg. Matth. 4, 5 templi die Zinne des Tempels etc. 
Poetae aevi Car. II 148, 24; ein (kleiner?) Flügel Vulg. 4. 
Esdr. 1 1, 38, 22. 
sediculum Paul. Fest. p. 336 „Sitz": cf. Corssen, Krit. Beitr. 347, 

Ausspr. II 2 311. 
serraculum ülp. dig. IX 2, 29, 2 vgl. Not. Bern. 90(1) Steuer- 
ruder; dagegen Deminutiv zu serra ist serrula. 



178 A. Weinhold: 

tabernacaluin Plaut. Amph. 426. 428. Gic. div. I 17, 33. frgm. 
1055, 10 etc. eigentlich die Einrichtung zu einer taberna, dann 
gleichbedeutend mit taberna selbst, 
terricula Afran. com. 270, Lucil. sat. 15, 5M etc. und 
terriculum Acc. tr. 324. 623, von denen das erstere wohl Ad- 
jektiv mit hinzuzudenkendem Substantiv und als frühes Bei- 
spiel für eine derartige Ergänzung interessant ist. 
umbraculum Varro r. r. I 51. Cic. frgm. ap. Macrob. Sat. 6, 4 etc. 
Hierher ziehe ich auch foculum; denn es ist wohl ein Ver- 
sehen, wenn W. Meyer, die Schicksale des latein. Neutr. im Roman. 
p. 129 meint, die Quantität spreche für Stammesgleichheit mit 
focus. Vgl. aufser Plaut. Pers. 104 bes. Brix zu Capi 843. 

Die Sprache hat nun in gewissen Fällen doppelte Bildung 
beliebt, einmal die wirkliche Deminutivform, dann die eines In- 
strumentalsubstantivs: so in indiculus Symm. ep. 6, 49. 7,81 und 
indiculum z. B. Augustin serm. app. 66, 3, wie an vielen Stellen 
der Form, et Diplomata, die jedoch wegen der dort hervortreten- 
den Vermengung der Geschlechter, welche uns weiter unten ent- 
gegentreten wird, wenig bedeuten. Auf diese Weise findet aber 
auch appendiculum (Arch. II 1 14) Hieron. in Ezech. 14, 45 seine 
Erklärung. 

An die ursprünglichen Instrumentalia auf culum reihen sich 
die nur lautlich verschiedenen Bildungen auf bulum. Nur zwei 
kommen für uns in Betracht. 

cunabula — incunabula, welches, wie wir oben sehen, ohne 
Vermittelung eines Verbums gebildet ist und gleiche Bedeutung 
wie das Grundwort erhalten hat. [Vgl. Arch. II 321. Die Red.] 
naustibulum Fest. 169 (a), 23 naustibulum vocabant antiqui vas 
alvei simile videlicet a navis similitudine. Paul, ex Fest. 168, 3, 
wo wir eine andere von den bei den Wörtern auf culum ge- 
machten Wahrnehmungen sich wiederholen sehen. 

Aus der Zahl der Deminutive werden wir schliefslich noch 
einige einzeln stehende Wörter auszuschliefsen haben. An erster 
Stelle anguilla der Aal. Dafs das Wort mit anguis zusammen- 
hänge, ist ebenso aus seinem Klange, wie aus der Ähnlichkeit 
der bezeichneten Tiere ersichtlich. Dagegen verbietet Bildung 
wie Bedeutung es mit den alten Grammatikern als Deminutivum 
von anguis zu fassen, welches Gic. tin. V 15, 42 anguiculus heilst» 
während anguilla durch Vermittelung der Adjektivbildung an- 
guina entstanden ist. Eine andere Erklärung ergiebt sich, wie 



Genuswechsel der Deminutiva. 179 

mir scheint, fQr unguis, unguis. Weder dürfen wir mit den 
alten Grammatikern ungula als Deniinutivum mit verändertem 
Geschlecht auffassen, noch mit Georges ungulus zwar als Demi- 
nutiv zu unguis nehmen, ungula dagegen nur in entferntere Be- 
ziehung dazu setzen: wie Paucker, ZOG 595/6 ungula als „reguläre 
Bildung aus ungere" fafst, ist mir nicht verständlich. Ungulus 
und ungula gehören beide nicht sowohl zu unguis, als zu uncus, 
über dessen Bedeutung und Gebrauch Arch. III 242; denn ab- 
gesehen davon, dafs ungula eine ganz einzig dastehende Bildung 
von unguis sein würde, bezeichnet es ja nie den kleinen Nagel, 
sondern die Kralle, die Klaue, den Huf-, zu ungues dagegen tritt 
sehr häufig unci hinzu. Andrerseits ist die Bildung aus uncus 
sowohl für ungula als ungulus eine durchaus regelmäfsige. Dafs 
aber letzteres auch die Bedeutung von unguis haben könne, scheint 
mir bis jetzt nicht erwiesen und so mochte denn auch die Lesart 
von Götz Plaut Epid. 623 vielleicht nicht das Richtige treffen. 

Hierher gehört auch pastillum, welches man sich seit 
Charisius p. 37, 15 K — hie panis hie pastillus et hoc pastillum, 
ut Varro dixit — gewöhnt hat als Deminutivum mit verändertem 
Geschlecht aufzuführen. Sind aber die oben gegebenen Grund- 
züge der Deminutivbildung richtig, so ist es unmöglich pastillum 
als Deminutiv zu panis zu stellen; denn wie man von panis zu 
einem pasf gelangen sollte, möchte schwerlich jemand zu zeigen 
vermögen. Es ist, wie Schwabe p. 100 und Corssen, Ausspr. P 424 
richtig andeuten pastillus und pastillum von gleicher Wurzel 
wie panis gebildet, ihr Primitivum aber ist verloren: während 
man nun in der Bedeutung von Küge leben, insbes. von Arznei- 
pillen pastillus bildete, brauchte man — wohl nicht ohne Ein- 
flufs von libum — für eine Specialität des Opferkuchens pastil- 
lum Fest. 250 (b), 30. 

Als Deminutiv mit verändertem Geschlecht — freilich ganz 
singulärer Form — Schwabe p. G3 — wird matellio genannt; 
allein Varro 1. 1. V 25, 119 accessit Matellio (Aldus, matiolio 
libri, matiolus B) a matula dictus et fictus, qui posteaquam lon- 
gius a figura matulae discessit, et ab aqua Aqualis dictus, (Paul. 
ex Fest. 126, 3), auf den man sich beruft, beweist nicht, dafs 
matellio wirkliches Deminutiv sei; den Zusammenhang mit ma- 
tula aber leugnen auch wir nicht; die Stellen bei Cato r. r. X 2, 
XI 3 u. s. w. ergeben ebensowenig sicheren Anhalt für Deminutiv- 
bedeutung. 



180 A. Weinhold: 

Ganz vereinzelt steht das nach griechischer Weise gebildete 
scutriscus Cato r. r. X 11 — Schwabe p. 51 — dessen Deminutiv- 
bedeutung nicht minder fraglich ist, wie das blofs von Pompej. 
coniment. 164, 24 K als Deminutiv zu scutra angefahrte scutrillus. 

Wir wenden uns jetzt zu den Deminutiven, welche wirklich 
verschiedenes Genus von dem des Stammwortes haben. Am 
wenigsten auffällig werden wir dies finden, wenn das Deminu- 
tivum das ursprüngliche Geschlecht bewahrt hat. So calculus 
— calculuiu, calcula fem. Glossae Appel, de genere neutro in- 
tereunte in lingua latina p. 106 gehört unter die am Ende 
aufgezählten Abweichungen — dessen Stammwort call bei Plaut. 
Poen. IV 2, 86 nach den neuesten Herausgebern entgegen dem 
ausdrücklichen Citat des Nonius p. 198 ed. Lips. — als Femi- 
ninum erscheint, aber von Cato r. r. 18, 7 (Vitruv. VII 6, 1) 
als Maskulinum gebraucht worden ist, wie es auch als „Ende 
der Rennbahn" bei Varro an der angeführten Stelle des Nonius 
als Mask. erscheint. In Cato or. II 10 findet auch eine Begrün- 
dung culliola, orum (Archiv II 121), Paul. Fest. p. 50, wenn 
wir an genannter Stelle den Plural cullea von cu Ileus lesen. So 
möchte auch das von Probus p. 197, 24 K angeführte, sonst aber 
nirgends bezeugte cultellum auf ein altes eultrum s. Gesner, 
thes. s. v. zurückzuführen sein. Hierher stelle ich auch frenus- 
culi Isid. or. IV 8, 18 „ulcera circa rictum oris". Die Späteren 
haben nämlich auch bei Wörtern auf us nach der 2. Dekl. die 
Endung eulus dem Nominativ angefügt, ein ramus also gerade 
so behandelt wie corpus — Schwabe p. 60 — ; frenus aber tritt 
als Maskulinum — Neue P 546 — in allen Perioden der Latinität 
auf. Kaum dürfte es Zufall zu nennen sein, dafs für das Frontin 

IV 1, 29 u. a. vorkommende galericulum gerade der Alter- 
tümler Fronto (bei Serv. Verg. Aen. Vll 688) die alte Form ga- 
lerum, für die dann galerus das gebräuchliche war, erhalten hat, 
welche denn auch bei Späteren Apul. apol. 22. Hier. ep. 64, 13 
wiederkehrt. Ein besonderes Interesse gewährt gladius mit seinen 
Deminutivis gladiolus, gladiola und gladiolum, das Neutrum 
Messala bei Quintil. instit. or. 1 6, 42. Wenn letzterer dies tadelt 
und I 5, 16 sagt gladia qui dixerunt, genere exciderunt, so geht 
derselbe nicht vom historischen Standpunkte aus, insofern gladium 
das ältere war — Lucil. fr. ine. 85, vgl. auch Varro 1. 1. IX 49, 81, 

V 24, 116, VII 1 23, 45, r. r. I 48, 3 - und diese Form von Alter- 
tümlern bewahrt wurde, die demgemäfa auch gladiolum brauchten, 






Gennswechsel der Deminutiv*. 181 

wahrend neben dem gewöhnlichen gladiolus al> Bezeichnung der 
Pflanze, wozu man, wie spater noch näher treten wird, gern 
Feminina verwendete, gladiola Plin. Val. II IS auftritt. Kein 
andrer Grand, als dafs man wohl in der Sprache des gewöhn- 
lichen Lebens Unter noch als Maskulinum brauchte, bestimmte 
Cicero ad Att. X 10, 5 zur Bildung lintriculus, wie denn auch 
Prise. V 8, 42 unter in das Verzeichnis der doppeltgesehlechtigen 
Worter aufgenommen hat. (Als Fem. jedoch V 3, 16/* Nicht 
anders mag es sich mit reticulus verhalten, welches mit reti- 
culum gleichbedeutend, auf ein von Charis. 61, 15 K. Prise. V 5, 45 
angefahrtes, aber nicht belegtes — vgl. Victorius zu Varro r. r. 
III 5, 11 p. 280 K — maskulinisches retis zurückgeht. Ob das 
Romulus Append. 38 vorkommende reticularum wirklich auf ein 
bewußt vorschwebendes retis, das Charisius a. a. 0. verwirft, das 
aber Varro r. r. III 5, 11 rete cannabina bezeugt ist und das 
Charisius 33, 20 in retes meas ineidisti selbst braucht, mag dahin 
gestellt bleiben; nur sei des Zusammentreffens halber bemerkt, 
dafs derselbe Rom. 18 allein in der ganzen Litteratur die Form 
ranuneulas aufweist. Asserculum Cato r. r. 12 endlich werden 
wir ohne Bedenken mit Meyer p. 59, dessen Ausführungen über 
diesen Genuswechsel (p. 58 u. f.) sehr beachtenswert sind, auf 
ein altes neutrales asser zurückzuführen haben. 

Hieran reihen sich die Deminutiva derjenigen Wörter, welche 
«ich in klassischer und nachklassischer Zeit im Genus schwankten: 
canalicula Lucil. b. Non. 198,7, Varro r. r. III 5, 14, Gell.XVII 11,2; 
wenn auch Serv. zu Verg. Georg. III 330 viel zu weit geht, wenn er 
das Femininum als das richtigere Geschlecht bei canalis erklärt, 
wahrend die erhaltenen Schriftwerke das Gegenteil bezeugen; 
deliciolum Seneca ep. 12, 3 von delicium Phaedr. IV 1,8 mehr 
ßtellen bei Georges s. v.; diecula von Plaut. Pseud. 710 u. Ter. 
Andr. 710 an durch die ganze Latinität vom fem. dies; auch 
fonicula würde sich durch Lucr. II 1154 und Gell. X1I1 20, 21 
ebenso erklären, ist freilich bei Charis. 125, 22 ohne Beleg, und 
faniculum Greg. Tur. V 25 p. 220, 24 kann auch als Accusativ 
▼on ihm geschrieben sein. Gesichert ist lauriculus Marc. Euip.30; 
foL 131 (b), 45 und begründet durch Pall. 12, 22, 4 substrato lauro, 
*ie auch Priscian laurus V 8, 42 in jene, allerdings von ihm 
selbst, wie wir sahen, nicht stets festgehaltene Reihe der doppelt- 
geschlechtigen Wörter aufgenommen hat. Dagegen ist locella 
Plural blofs belegbar aus Warnefr. de episc. Mett. 1 H, 22 



182 A. Weinhold: 

und aus mehreren Stellen der Forin. (99 7 , 100 7 10 , 152 7 ) und 
Diplom. (92 33 ), was wohl mehr in der Nachlässigkeit der Ver- 
fasser seinen Grund hat. Hergehörig wiederum ist olivastel- 
lum (s. Archiv I 393) bei den Gromat. 395, 4; 308, 8. 20 etc, 
von dem bei Gramm, incert. de gener. 90 und Calp. Buc. II 44 
vorkommenden oleastrum; panicula Non. 149, 22. Paul. Fest 
220, 16 von der Nebenform pana Plin. Val. III 27, 1 (Philologus 
XXXII 387) nach Weise späterer Zeit unregelmäfsig auf icula 
gebildet; porticulus = porticuculus, mit im Lateinischen be- 
liebter Ausstofsung der wiederholten Silbe im Innern eines Wortes 
— Murat. inscr. 1716, 14 zu dem Inscr. Neap. 244; 4209, 12 
CIL II 3420 bereitwilligst ein maskulinisches porticus liefern; 
rapula Titin. 164, zu dem rapa allerdings erst von Columella 
XI 3, 1 6 u. Petron. 44 an nachweisbare Grundform zu sein scheint; 
cf. Appel 55; endlich ve-precula — ein nach Harre, ZGW 
1885 p. 94 nicht zu belegender Nominativ — dessen von Non. p. 231 
und Priscian V 8, 42 für Commune erklärtes Stammwort vepres 
in Lucr. IV 62 eine Stütze für fem. Geschlecht erhält. Kaum 
zu erwähnen ist trotz der bekannten Reimregel canicula, denn 
an Stellen für als Femininum gebrauchtes canis ist kein Mangel, 
das Sternbild aber forderte nahezu dies Geschlecht, wie denn 
auch planeta und cometa in vielen romanischen Sprachen Femi- 
nina werden. Meyer p. 9. 

Einen weiteren Grund für die Abweichung des Geschlechtes 
eines Deminutivums von dem seines Stammwortes werden wir 
zu finden haben in dem Wechsel der Bedeutung. Es ist dies 
ein insofern schwieriger Punkt, als sich hierbei die Frage auf- 
drängt, wie weit die Römer noch das Gefühl gehabt haben, dato 
die betreffenden Worte Deminutiva seien. So hat digitulus als 
Deminutiv ersten Grades „das Fingerchen*' mit der Bedeutung 
das Genus des Stammwortes bewahrt, dagegen ist digitellum 
Col. XII 7, 1 und digitillum Plin. n. h. XVIII 159; XXV 160 in 
der Bedeutung Hauswurz Neutrum geworden. In gleicher Weise ist 
f asciolum bei Veget. inulomed. III 57, 1 — falls die Lesart richtig 
ist — als t. t. Neutrum geworden, wird von fei feil icula ■-» 
cholera gebildet Isid. IV 5, 4; wiederum als t. t. der Baukunst 
ist geniculus Vitruv VIII 6, 6 ein Kniechen der Rohren; end- 
lich hordeolus das Gerstenkorn des Auges Marc. Emp. 8 etc., 
Isidor. IV 8, 16. Dasselbe Streben nach Deutlichkeit — Differen- 
zierungstrieb, wie er sich auch in anderen sprachlichen Erschei- 



Genuswechsel der Deminutiva. 183 

nungen zeigt, findet sich bei der Doppelbildung von arcus. 
Wahrend der „ringförmige Wulst" als Unterlage beim Tragen 
der Gegenstande auf dem Kopfe das Genus wahrte , Paul. Fest. 
X 6 zeigt arculum „der Kranz der Flaminina" ein anderes Ge- 
schlecht. Serv. Verg. Aen. IV 137. Wenn wir daher Cod. lustin. 
[und Tertull. Natt I 13 ; Pal. 29] cf. Isid. VI 17, 4 laterculum 
finden, so dürfen wir kaum an eine Nachlässigkeit der Schrei- 
benden denken, sondern wir sehen, dafs das Streben nach Unter- 
scheidung des „Amter Verzeichnisses" von dem kleinen Ziegel etc., 
wenn das Wort auch sich davon ableitete, die besondere Endung 
hervorgerufen hat Hierher möchte ich ziehen pirula Isid. XI 
1, 48 extremitas eius (columbae narium) pirula, a formula pomi 
pyri, radiola Isid. XVII 7, 64 radiolas, pro eo quod oblongae 
sunt in modnm radiorum, endlich bei demselben XIX 14, 1 tes- 
selli a tesseris nominati. Brauchte man in eigentlicher Bedeutung 
von Saccus das Deminutiv 2. Grades saccellus Säckchen, so hiefs 
Plin. Val. II 18 saccellum das Säckchen als Umschlag auf ein 
krankes Glied« Hiefs scamellum, scamillum und scamnellum das 
Bänkchen — so war es wohl nicht ein Fehler, sondern, wenn von 
ihm erfunden, wohlbedachte Abweichung, wenn Vitruv III 4, 5 und 
V 9, 4 die Erhöhungen auf dem Säulenstuhle scamilli nannte: 
nicht minder werden wir das Deminutivum 2. Grades campi- 
cellum Gromat. 312, 9 u. 17 als t. t. aufzufassen und zu erklären 
haben. Zu scrupus war in eigentlicher Bedeutung das Deminutiv 
8crnpulus, als Gewichts- und Mafsbezeichnung dagegen tritt von 
Varro r. r. I 10, 2 an scripulum und scrupulum auf, wofür nur 
einmal Fabretti inscr. 97, 219 die Form scripulus und scriptulus 
Metrol. Script, lai p. 128, 8 H erscheint. Urceus bildet in eigent- 
licher Bedeutung urceolus das Krüglein, dagegen ist Pelag. vet. 12 
p. 156 urciola das Krüglein als Benennung der Ohrhöhlung: auf 
diese Weise erhält endlich auch Schuchs Lesart ventricula für 
Schwartenmagen Apic. VII 289 eine Stütze. 

Ziemlich vereinzelt steht penicillum neben peniculus und 
penicillus. Nach dem mir zur Verfügung stehenden Materiale 
kann ich die Form penicillum nur bei Quintil. II 21, 24 und Marc. 
Erap. 28, 198, 19 nachweisen, an erster Stelle entschieden als 
Pinsel, an zweiter als Schwämmchen zu fassen. Sollte hier die 
Sprache auf halbem Wege stehen geblieben sein, oder haben 
später Ungenauigkeiten im Gebrauche der Formen stattgefunden? 

Sind aber unsere Erwägungen richtig gewesen, so werden wir 



184 A. Weinhold: 

uns nicht zu bedenken brauchen, auch armilla Plaut. Men. 536. 
Truc. 272 u. s. f., sowie armillum Varro b. Non. 547, 15 etc. als 
solche Deminutiva 2. Grades von armus anzusehen, welche zugleich 
mit Änderung der Bedeutung ein anderes Geschlecht erhielten, 
ohne dafs es nötig ist erst adjektivische Bildung und Fortlassung des 
Substantivs, bei armillum vas, bei armilla etwa fibula anzunehmen. 
Hiermit steht im engsten Zusammenhange, wenn ein Demi- 
nutivum, sei es eines Tiernamens, sei es eines anderen Begriffes 
gebildet worden ist, um eine Person damit zu bezeichnen. Dafs 
man einen Corculus von cor, aber auch einen — Cic. ad fam. 
11 15, 5 bezeugten — Ocella von oculus bildete, wird schwerlich 
befremden; es würden diese Eigennamen auch hier nicht Er- 
wähnung finden, wenn sie nicht die Brücke bildeten zu Erschei- 
nungen wie passercula M. Aurel. b. Front, ad M. Caes. IV 6 als 
Kosename für ein Madchen, trotz passer, m., turturilla Sen. ep. 
9(>, 5 zur Bezeichnung eines weibischen Menschen, ohne dafs 
man sich wohl darauf berufen wird, dafs turtur bei Plin. n. h. 
XXX 08 als Femininum gebraucht ist. So erklärt sich auch 
simiolus Cic. ad fam. VII 2, 3 trotz dem gewöhnlichen simia. 
Letzteres Wort ist überhaupt für den Genuswechsel charakte- 
ristisch. Cicero bildete — wiederum als Spottname für einen 
Menschen — simiolus, trotzdem dafs sich die Sprache aus einem 
für uns unerfindlichen Grunde für das Femininum entschieden 
hatte; denn wenn Charis. p. 108 K und Serg. expl. in Donat 4, 
4, 27 K behaupten, man hätte hie und Jiaec simia gesagt, so über- 
sehen sie, dafs die Schriftsteller — so weit ich sehen kann — simia 
blofs bei Personen als Maskulinum gebraucht haben: simius hin- 
gegen ist sehr selten. Es mochte aber bei einer ganzen Reihe 
von Tiernamen ursprünglich sowohl die männliche, wie die weib- 
liche Form vorkommen, beziehentlich das Wort im männlichen, 
wie im weiblichen Geschlecht gebraucht werden, so dafs bei dem 
relativ geringen Umfange der Überlieferung oft schwer zu ent- 
scheiden ist, ob ein wirklicher Genuswechsel bei Bildung des 
Deminutivs stattgefunden hat, oder ob die Bildung desselben in 
eine Zeit fällt, wo das Stammwort noch in beiden Geschlechtern, 
resp. in beiden Formen üblich war. Um nur ein Beispiel an- 
zuführen, erinnere ich an aranea, wozu sich araneus erhalten hat 
und dem entsprechend beide Deminutive araneolus und araneola 
sich finden. Die eben gemachte Bemerkung mochte ich nun aber 
auch in Anspruch nehmen für das sonst so auffallende ranun- 



GenuBwechsel der Deminutiva. 185 

culus von Cic. de div. I 9 ; 15 an [von Personen ad fam. VII 
18, 3], wofür erst Apul. met. IX 34 das Deminutiv ranula setzt. 
Die Bildung ist aber keine andere wie die von avunculus und 
der ganzen Sippe, welche Corssen II 2 188 aufführt und welche 
die spätere Sprache noch reich vermehrt hat: so wenig wir aber 
bei diesen eine Form auf ö, der sie ihre Existenz verdankten, 
nachweisen können, ebenso wenig werden wir für ranunculus eine 
solche — *rano — anzusetzen haben (cf. Schwabe p. 60). 

Aufs engste verwandt hiermit ist der Fall, dafs in einer 
spateren Zeit das Deminutivum in doppeltem Geschlechte er- 
scheint, während das Stammwort nur ein Geschlecht aufweist. So 
gut nämlich wie man in früherer Zeit bei Epicoenis zu genauerer 
Bezeichnung des Geschlechts mas und femina hinzusetzte, stand 
bei der Deminutivbildung zu diesem Zwecke die doppelte Endung 
zur Verfügung. Es war also möglich aucellus und aucella — 
und so hat man gebildet (vgl. Archiv I 245), Belege bei Georges, 
während die bessere Zeit blofs avicula — aviculus verpönt nach 
Varro 1. 1. VIII 79. — kennt. Und in dieser Leichtigkeit der Va- 
riierung haben denn Bildungen wie suculus lustin. instit. II 1,37 
und vielleicht auch suellus Adelh. de re gramm. in class. auct. 
V 558, anstatt des allgemein gebräuchlichen sucula, vervella 
Exe ex Charis. 553, 28 K von vervex ihren Grund. 

Hatte bei Tiernamen das natürliche Geschlecht, wohl auch 
die Eigenschaften, mit welchen die Tiere sich begabt zeigten, be- 
deutenden Einflufs, so war man bei den Pflanzen nicht in dieser 
glücklichen Lage und daher wohl mag es kommen, dafs bei ihnen 
bereits in den Primitivis vielfaches Schwanken sich findet. (Vgl. 
Pott, Geschlecht p. 454 in Ersch und Grubers Encyclop. Appel, 
de genere etc. p. 37.) So wird uns zunächst fabulus als Demi- 
nutiv zu faba angegeben. Dafs Pelag. vet. VII 57 fabus bietet, 
wird bei der überwältigenden Masse von Beispielen für faba nicht 
ins Gewicht fallen und ebensowenig hätten wohl, insbesondere 
bei der Verschiedenheit der Quantität die Körner einer Verwechse- 
lung mit fabula vorbeugen wollen. Fabulus war, sollte ich 
meinen, ursprünglich Adjektiv, und bezeichnete mit Auslassung 
des betreffenden Substantivs den Kern der Bohne. In Catos 
Rezept de agri culi 70, 1 fabulos albos III ist es entschieden so 
aufzufassen, wie das hinzugefügte albos zeigt; die Stelle bei Varro 
r. r. I 31, 4, wo übrigens Keil fabali schreibt, widerspricht nicht, 
Gellius VII 11,1 beweist nach keiner Seite etwas. Den gleichen 

ArohW für Ut. Lexikogr. IV. Heft 2. 18 



186 A. Weinhold: 

Fall haben wir bei betaculus. Von beta hatte man gebildet 
betaceus und Varro r. r. 1 2, 27 hat pedes betacei „rote Rüben"; 
die Späteren lassen pes weg und sagen (Apic. III 63. 64, Arnob. 
4, 10, Glos8. Lab.) betaceus vgl. insbes. Charis. 37, 16. 155, 16. 
Prise. III 44 oder betaculus Serv. comment. in ari Donat 432, 17: 
schließlich dürfte auch callicula (Archiv I 282. II 121) auf 
diese Weise Erklärung finden. 

Es war nun nur ein kleiner Schritt, welchen man zu thun 
brauchte, wenn man auch in dem Falle, wo das Deminutivum 
nicht ein substantiviertes Adjektiv war, den Einflufs eines be- 
deutungsverwandten Substantivs walten liefs. Diesen anzunehmen 
wäre ich geneigt bei aditicula Iul. Val. III 45, wo wohl der 
Begriff von foris oder porta wirkte, ebenso wie bei dem erst 
Oonc. Hisp. Mign. 84, 336 auftretenden agell um das Synonynium 
rus nicht ohne Einflufs sein mochte. Ein Gleiches nehmen wir 
in Anspruch für staticulum Plin. n. h. XXXIV 163 etc. und 
statunculum Petron. 56, 6 (cf. Donat 379, 6K.) etc., wofür Spa- 
tere (Appel p. 56) statu neu la bieten, bei welchen beiden Wörtern 
der allgemeinste Begriff signum das Geschlecht der Species nach 
sich zog; wie denn auch tergilla Apic. IV 174 wohl einer Be- 
einflussung durch cutis sein Geschlecht verdankt. Deutlicher noch 
als bei dem letzten scheint mir die Sache bei vitellum zu sein. Das 
Deminutivum zu vitulus — wofür nirgends ein vitulum — hiefs 
vitellus sowohl in der Bedeutung Eälbchen Plaut, asin. 667, als 
Dotter des Eies; Varro dagegen Prob, ad Verg. ecl. 6, 31 (p. 19, 
3 u. 5E.) bildete in letzterer Bedeutung, entschieden mit Rück- 
sicht auf ovum, vitellum. 

Hierher stelle ich auch zwei Bildungen nach Analogie, indem 
ich es dahingestellt lasse, ob man bei ihnen noch von verändertem 
Geschlecht sprechen kann: accentiuneula Gell. XIII 6, l nnd 
morsiuneula Plaut. Pseud. 67. War man gewohnt von Verbis 
ein Verbalsubstantiv auf io zu bilden, und von diesem wiederum 
ein Deminutiv orare, oratio, oratiuneula — so war von mordere 
nicht blofs ein morsus, sondern auch ein *morsio möglich nnd 
hiervon ein morsiuneula; und so war auch Gellius zu seinem 
accentiuneula als t. t. berechtigt, wenn auch das Verbum accino 
nur noch bei den Grammatikern (Diom. 431, 1, Prise. 11, 35, Mar. 
Victorin. 58, 3) in Gebrauch war. 

Einer späteren Zeit gehören an eine Anzahl vereinzelt vor- 
kommender Deminutiva, welche, ohne dafs ein erfiudbarer Grund 



Genaswechsel der Deminutiva. 187 

obgewaltet hat, im Geschlecht von ihren Stammwörtern ab- 
weichen. Bei manchen von ihnen läfst sich allerdings bereits 
bei den Stammwortern die betreffende Veränderung in der Ge- 
schlechtsbezeichnung nachweisen, und ist diese dann dank der 
Beihilfe von Appels schon oft citierter Schrift und Georges' Lex. 
notiert, da die Herren Mitarbeiter keine Veranlassung gehabt 
hatten, diesen Punkt zu berücksichtigen. Es ist daher auch die 
Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dafs von dem einen oder anderen 
Worte, was jetzt bei einem späten Autor als Deminutiv mit ver- 
ändertem Geschlecht erscheint, das Primitivum in demselben Ge- 
schlecht gebraucht worden ist, eventuell gebraucht worden sein 
würde. So haben wir: arbusculus Oribas. Eupor. II 1; arbus- 
culum Gloss. Lab. — Poetae aevi Carol. II p. 198, 20; centunclum 
(equestre coactile und ornatum ab aca) Edict. Diocl. 7,52.53; cere- 
b eil ns Oribas. 20, 17. Gloss. Sang. 931; doch zeigt Caper de orth. 
7, 103, 6 & cereber qui dicunt, sine cerebro vivunt, dafs gewisse 
Leute doch das Maskulinum brauchten; corpusculus Pardessus 
437 a. 696, doch hat derselbe auch pretiosws smis corpus 457 a. 702, 
was allerdings auch bereits beiOribasius vorkommt, cf. Meyer p. 39; 
circulum Iordanes 55, 3, cf. Appel p. 103; flagellus Lex Sal. 
Guelf. 12. Cap. in deuteron. 131 Appel p. 90; floscellum und 
flosculum Iren. I, praef. 2, Venant. Fortun. X 2, 9, Iord. I 9, 3, 6; 
furfuriculae Marc. Emp. 5, 45, 8. 9; herediolus Apul. flor. 11; 
iu8cellus Orib. Eupor. 1,9; libellus als Femin. Form. 16 s , 16 7 etc.; 
nummullum Alcuin. Poet. aev. Carol. I p. 283 (duo nummula); 
oratoriolus Pardess. 230 a. 615; pernunculus Not. Tir. 167; 
pulvisculum Vigilant. b. Hieronym. c. Vigil. 4,390 pulvisculum 
nescio quod 5, 39, [dagegen 8,394 vilem pulvisculum]; sigillus 
Mon. Hist. Patr. Chart. 1, 260 a. 981; surculum Venant. Fortun. 
V 16, 4; append. 22, 11; Aethicus VI 72 p. 55,20; taurulum Reg. 
Longob. diplom. Migne 87 p. 1410 A; vannulus Gloss. Lab. 

Wir haben nun noch einige Wörter anzuführen, welche als 
Deminutive mit verändertem Geschlecht aufgezählt werden, deren 
Überlieferung jedoch fraglich ist. Aediculum Aulular. ed. Peiper 
II 1; columellus Paul. Diac. Waitz, H. L. IV 51 p. 176; cuni- 
culum Caper p. 109, 6 (K curriculum), farticula Titin. 90 p. 146 
Ribbeck, nutriculum Petr. Chrysol. Migne 52 p. 351 B; sarci- 
nolus, Migne 87 p. 452 D; ebensowenig werden wir nach dem 
oben Gesagten den Grammatiker Virgilius (p. 28. 29 ed. Huemer 
1886) als Zeugen anerkennen, welcher uns pera — periculum, 



188 A. Weinhold: Genuswechfiel der Deminutiva. 

lapis — lapicula, bax — baculus auftischt. Sollte nicht auch en- 
sicula hierher gehören und, obwohl bei mehreren Grammatikern 
vorkommend, ein sich von einem zum anderen fortschleppender 
Irrtum sein? Wenigstens wenn wir es bei Charisius p. 155 K in 
Gesellschaft mit pistrinum, pistrilla — als gäbe es kein pistrina 

— und Priscian III 44 p. 166 nach hie qualus hoc quasillum — 
als gäbe es kein quäl um — finden, so scheint mir, trotzdem 
Probus citiert wird, ein Zweifel an dem durch kein Sckriftsteüer- 
zeugnis bestätigtem ensicula annoch erlaubt. Auch veretilla 
möge hier seine Erwähnung finden, da Apul. apol. 34 Erüger 
nicht veretillam, sondern veretillum bietet. (Übrigens würde ve- 
retilla nicht unmöglich sein, da es gleichbedeutend ist mit partes 
verendae, virilis, muliebris pars, also nach dem oben Gesagten 
seine Erklärung fände.) Assula endlich, was so häufig als Demi- 
nutiv von assis = axis angeführt wird, gehört zu hasta (Archiv 1242). 

Nirgends kann ich die Worte domunculum und lagunculus 

— domuscula bei Apuleius, laguneula bei Columella — , die an so 
vielen Stellen z. B. noch bei Kühner als Beispiele figurieren, belegt 
finden. Unsicher scheint auch das von Georges als Deminutivum 
von rota angeführte rotulus bei Calpurn. Bucol. VII 51, wo nicht 
nur alle Godd. mit Ausnahme von © (ed. H. Schenkl) rutilum bieten, 
Salmasius rutulum liest, endlich Lipsius rotulam teretem schreibt. 

Andrerseits möge es erlaubt sein, hier zwei Wörter an- 
zufügen, deren Stammwörter in dem Geschlecht, welches die 
Lexika angeben, nicht belegbar sind: gerricula Plin. n. h. XXXII 
148 und lucunculus [Afran. com. 162] Stak silv. I 6, 17, Apul. 
met. 10, 13. Nun ist aber weder aus Plinius a. a. 0. oder Mari 
III 77, 7, XII 32, 15 ein maskulinisches gerres, noch aus Varro 
sat. Men. 417 u. 508 u. Paul. Fest. 119, 18 ein als Femininum 
gebrauchtes lucuns zu erweisen. 

Wir sehen also, die Regel der alten vielgeschmähten Gram- 
matiker besteht zu Recht: das Deminutiv folgt dem Geschlecht 
des Stammwortes. Nur ganz bestimmte Gründe konnten die im 
Verhältnis zu der grofsen Anzahl von Deminutivis äufserst seltenen 
Abweichungen veranlassen. Die Regel ist gültig aber in noch 
weit gröfserer Ausdehnung, als die, welche sie aufstellten, es ahn- 
ten; denn von den meisten der auch ihnen als abweichend er- 
scheinenden Wörter hat sich Laufe unserer Untersuchung heraus- 
gestellt, (lafs es keine Deminutive sind. 

Grimma. A. Weinhold. 



Das Pflanzenreich im Sprichwort. 

Es ist Thatsache, dafs die Pflanzenwelt in ihren mannig- 
faltigen Arten und Einzelheiten die Aufmerksamkeit des gemeinen 
Mannes, dem sentimentale Naturschwärmerei ebenso fern liegt, 
als wissenschaftliches Interesse, in weit geringerem Mafse erregt, 
als die Erscheinungen des Menschen- und Tierlebens. Damit 
erklärt es sich denn auch, wenn das Pflanzenreich im Sprichwort 
eine verhältnismäfsig untergeordnete Rolle spielt uud wenn in 
demselben fast nur diejenigen pflanzlichen Gebilde vertreten sind, 
welche für den Menschen von irgend welchem praktischen Nutzen 
sind und mit denen er die Notdurft des Lebens befriedigt. 

Diese rein praktische Tendenz bewährt sich sogleich bei den 
auf einer niedrigen Stufe der Entwicklung stehenden Pflanzen, 
z. B. dem Seetang oder Seegras, welches als nutzlos und un- 
tauglich gilt: Verg. ecl. 7, 42 Horridior visco, proiecta vilior 
alga. Hör. sat. II 5, 8 Et genus et virtus, nisi cum re, vilior alga 
est. (Hör. carm. III 17, 10 et alga littus inutili). In gleichem 
Mifskredit stehen Pilze und Schwämme: Plaut. Bacch. 821 
tantist, quantist fungus putidus, er ist nicht mehr wert, als ein 
Pilz. Einen Dummkopf nannten die Romer ebenso wie wir einen 
Pils: Plaut. Bacch. 283 Adeone me fuisse fungum, ut qui illi 
crederem! Bacch. 1085. Auf die Porisität des Schwämme« geht 
Plaut. Stich. 773 Satis esse non magis hoc potis est, quam fungo 
imber, sind unersättlich wie ein Schwamm. Wir sagen von einem 
guten Trinker: Er hat einen Schwamm im Magen. 

Bei den Komikern begegnet öfter der der Volkssprache ent- 
nommene Ausruf gerrae! Lappalien, Possen, Thorheit!: Plaut 
Poen. 134 Scitum est per tempus si obviam fit verbum vetos. 
Nam tuae blanditiae mihi sunt, quod dici solet, gerrae germana^. 
Epid. II 2, 49. Ann. 600. Trin. 760 und schon Caecil. U>i Non. 
p. 118, 33 (Ribb. fr. com. p. hl). Auaon. XX Vi 1 .ScL muri ita- 
que ad te fri^pla, gerris Hiculh vaniora. Zur Erklärung dient, 



190 A. Otto: 

was Fest. p. 94 M. berichtet: gerrae crates vimineae. Athenieuses 
cum Syracusas obsidereiit et crebro gerras poscerent, irridentes 
Siculi gerras clainitabant. Unde factum est, ut gerrae pro nugis 
et contemptu dicantur. Varro ling. lat. 7, 55 gerra graecum est 
et in latina cratis. Suidas: yeQQa nccQa UixeXotg xä ywauula 
xal avÖQtla aldota. 

Verwandt damit ist der Bedeutung nach der Ausdruck scopae 
solutae, auseinander genommene Reiser, die zu nichts mehr zu 
gebrauchen sind (sicherlich im Gegensatz zum wohlgebundenen 
Besen): Cic. ad Att. VII 13 b , 6 L. Caesarem vidi Minturnis, .... 
cum absurdissimis mandatis, non hominem, sed scopas So- 
lu tas. Orat. 70,235 Isti autem, cum dissolvunt orationem, in qua 
nee res nee verbum ullum est nisi abiectum, non clipeum, sed, 
ut in proverbio est (etsi humilius dictum est, tarnen simile est) 
scopas, ut ita dicain, mihi videntur dissolvere. Der Zusammen- 
hang an beiden Stellen beweist klar, dafs die Lexika die Bedeu- 
tung des Wortes ganz falsch augeben, wenn sie übersetzen: etwas 
in Unordnung bringen*). 

Auf den Umstand, dafs die Binsen keine Knoten haben 
(Auson. XXVI 1, 36 Seh. numerorum naturam non esse scirpum, 
ut sine nodo sint. Tsid. Orig. XVII 9, 97 scirpus^quo tegetes texun- 
tur, sine nodo), gründet sich die Redensart nodum in scirpo 
quaerere d. h. Schwierigkeiten oder Fehler finden, wo keine sind: 
Fest. p. 330 M. inde proverbium est in eas natum res, quae nul- 
lius impedimenti sunt, in scirpo nodum quaerere. Ennius: quae- 
runt in scirpo, soliti quod dicere, nodum (Vahl. p. 162). LuciL 
bei Donat zu Ter. Andr. 941 Lucilius in primo: nodum in scirpo 
insanu' facessere vulgus (fr. 36 M.)**). Plaut. Men. 247. In scirpo 
nodum quaeris. Ter. Andr. 941 nodum in scirpo quaeris. Hieron 
adv. Joann. Hieros. 3 p. 409 Vall. etiain in scirpo nodum quaerit 
ady. Pelag. II 30 p. 780 Vall. non est necesse, nodum in scirpo 
quaerere. August, c. Jul. II c. 215 in scirpo nodus quaeritur. 
Isid. Orig. XVII 9, 97 Et in proverbio: Qui inimicus est, etiam 
in scirpo nodum quaerit. Paul. Nol. ep. 37, 1 Sed nodus in scirpo 
et naevus in lumine potuit inveniri. Ennod. p. 64, 20 Vog. num- 



*) Das deutsche Sprichwort: „Nene Besen kehren gut", hat zwar 
einen ganz anderen Sinn, beruht aber auf der gleichen Vorstellung. 

**) So nach L. Müller. Lachmann schreibt: insane, fac aere volnos, 
Dziatzko: insano facere nlcus. Überliefert ist: insane facere. 



Das Pflanzenreich im Sprichwort. 191 

quam bene nodus in scirpo quaeritur. Sprichwörtlichen Bei- 
geschmack hat auch das Fragment des Novius bei Fest. p. 330 M. 
Sume arma, iam te occidam clava scirpea, etwa: mit einem Stroh- 
halm (Ribb. fr. com. p. 225). 

Von Blumen haben im Sprichwort der Römer nur die Rose 
und etwa die Lilie eine Stelle. Das Sprichwort: Auch unter 
Dornen wachsen Rosen (Düringsfeld, Sprich w. der german. und 
roman. Spr. I No. 300) läTst sich, wie es scheint, erst aus dem 
späteren Altertume belegen: Amin. Marceil. XVI 7, 4 sed inter 
vepres rosae nascuntur et inter feras nonnullae mitescunt. Hieron. 
vit. Hilar. c. 1 Hilarion .... cum haberet parentes idolis deditos, 
rosa, ut dicitur, de spinis floruit. Hegesipp. prol. 12 tamquam 
in spinis rosam quaerentes. Doch sagt schon Publil. Syr. 610 
Spina etiam grata est, ex qua spectatur rosa. — Der Vergleich 
mit der schneeweifsen Lilie gehört der Dichtersprache an: Prop. 
II 3, 11 Lilia non domina sint magis alba mea. Mart. I 115, 3 
candidior puella cygno, Argento, nive, lilio, ligustro. V 37, 6 
nivesque primas liliumque non tactum. Vgl. Calpurn. ecl. 3, 51 
Te sine, vae misero, mihi lilia nigra videntur. — An den wohl- 
riechenden Thymian hat man zu denken bei dem Sprichwort, 
welches Ambros. Hexaem. V 2, 6 erwähnt: Neque te inhonoratum 
nostra persecutione, thymale, dimittam, cui a flore nomen ino- 
levit, seu Ticini unda te fluminis, seu amoeni Atesis unda nu- 
trierit, flos es. Denique sermo testatior, quod de eo, qui gratam 
redolet suavitatem, dictum facete sit: aut piscem ölet, aut flore in; 
iia idem pronunciatus est piscis odor esse, qui floris*j. — Eine 
Bezugnahme auf ein Sprichwort liegt vor in den Worten Catulls 
11, 22 qui illius culpa cecidit, velut prati Ultimi flos praetereunte 
postquam tactus aratro est**) nach Fest p. 3G3 M. Tarn perit 



*) Der richtige Name des Fisches ist thymalus, wie sowohl die beste 
Hs. (cod. Par. 12135) bietet, ah auch Aelian. b a. XIV 22 bestätigt, der 
zugleich das obige Sprichwort erklärt: övualov dt l%&vv ovxa xodovpLtvow 

rgitpti TixiwoQ xal ov* xai tvoöuog lort, xaC ttg ovx ld<op xb J«So* 

oljptxai xoav ivdov tlvcu ti t 9 fuxliöza ptlittav zqo^ot^ ivfttv %al xixXr\xai. 
Ebenso tagt Isid. or. XII 6, 29 Thvinaluä ex flore nomen accepit. thymus 
qoippe flos appellatur; nam dam feit specie gratas et saj>ore iucuuduf, tarnen 
sicnt flos flagrai et corpore aspirat odorem. Ich verdanke die vorliegen- 
den Nach Weisungen der gütigen Mitteilung d<;s Herrn Prof. K. Schenk 1 
in Wien. 

**) Ähnlich Catull 62, 3'J flos .... nullo convulsiu aratro, nach- 
geahmt Ton Verg. Aen. IX 435 Purpur eu* veluU cum flo» succi#u* aratro 



192 A. Otto: 

quam estrema faba in proverbio est, quod ea plerumque aut 
proteritur aut decerpitur a praetereuntibus*). 

Die Bohne kebrt noch iu zwei weiteren Redensarten wieder, 
deren Erklärung mit Schwierigkeiten verbunden ist. Bei Plaut. 
Aulul. V 11 wird auf die Frage Quid repperisti? geantwortet: 
Non quod pueri clamitant in faba se repperisse d. h. dem Zu- 
sammenhange nach: nichts Kleines, Geringfügiges. Ob die Er- 
klärer recht haben, wenn sie den Wurm in der Bohne (die Made 
im Apfel) darunter verstehen, mag dahingestellt bleiben; man 
konnte auch an ein Kinderspiel denken. Aber es ist nicht einmal 
gewifs, ob wir es hier wirklich mit einer sprichwörtlichen d. h. 
viel gebrauchten Wendung zu thun haben. Sicher ist dies jedoch 
der Fall bei Ter. Eun. 381 At enim istaec in me cudetur faba. 
Wie vielfach und vergeblich sich schon die Alten mit der Deu- 
tung des Wortes abmühten, zeigt die Anmerkung des Donat z. 
d. St. Trotz aller Anfechtungen in neuerer Zeit halte ich doch 
an der alten Auffassung fest, wonach das Bild vom Ausdreschen 
der Bohnen hergenommen ist**). Der Wortlaut an sich läfst 
schwerlich einen anderen Sinn zu. Der Sklave Parmeno ver- 
gleicht das Vorhaben seines jungen Herrn mit einer Bohnen&at, 
die für ihn, den Sklaven, bittere Früchte tragen werde; er meint» 
du wirst die Erbsen säen (istaec faba), auf mir (in me) wird 
man die geernteten ausdreschen d. h. ich werde die Folgen tragen 
müssen, oder mit einem anderen Bilde: du wirst die Suppe ein- 
brocken, ich werde sie ausessen müssen. Dafs Parmeno seinen 
Kücken geradezu mit einer Tenne vergleiche, ist damit noch nicht 
gesagt, wenn auch der Gedanke an die zu erwartende Prügel- 
strafe ihm das Bild offenbar eingegeben hat. Übrigens sagen 
auch wir von einem Pockennarbigen: der Teufel hat Erbsen auf 
ihm gedroschen (Körte, Die Sprichw. d. Deutschen No. 1450). 
Die Wolfs bohne wurde, wie es scheint, sprichwörtlich gebraucht 
von etwas Wertlosem, nach Juven. XIV 153 tunicam mihi malo 



Languescit moriens. Auf die Vergilstelle bezieht sich Ennod. p. 166, 9 Vog. 
ceu flos succisus aratro est. 

*) Bei Körte, Die Sprichwörter der Deutschen, 6nde ich unter No. 831 
das Sprichwort: Schöne Blumen stehen nicht lang 1 am Wege. 

**) Schneider, de proverb. Plaut, et Terent. p. 3 f. will das griechische 
qpaxov %6nteig (Zeuob. VI 48. Appeod. prov. IV 68) „de iis, qui operam 
ludunt u herbeiziehen, wobei aber weder dem Zusammenhange Rechnung ge- 
tragen, noch das überlieferte in me berücksichtigt ist 



Das Pflanzenreich im Sprichwort. 193 

lupini (die Schale einer Bohne) and Hör. ep. I 7, 23 Nee tarnen 
ignorat, quid distent aera lupinis, er weifs wohl das Wertvolle 
Tom Unnützen zu unterscheiden. Die Schauspieler brauchten 
nämlich im Theater diese Bohnen statt des Geldes (Plaut. Poen. 
III 2, 20). 

Auf den Getreidebau führen uus mehrere sprichwörtliche 
Wendungen, zunächst der Ausdruck in herba esse, noch in den 
Anfängen stehen*): Cato bei Gell. XIII 18 (17), 1 Nunc ita 
aiunt, in segetibus et in herbis bona frumenta esse; nolite ibi 
nimiam spem habere. Ov. ep. 17, 263 Sed nimium properas et 
adhuc tua messis in herba est. Fronto p. 102 Nab. Egone, qui 
indolem ingenii tui in germine etiamtum et in herba et in flore 
dilexerim, nunc frugem ipsam maturae virtutis nonne diligam? 
Sjmmach. ep. 4, 20 tuae enim res non in germine, sed in fruge 
sunt. Ferner gehört hierher die Phrase ad (bonam) frugem 
redire, sich bessern: Cic. p. Gael. 12, 28 emersisse aliquando et 
se ad bonam frugem, ut dicitur, reeepisse, gravesque homines et 
illustres fuisse. Plaut. Trin. 116 Quin tu adulescentem, quem 
esse corruptum vides, . . . restituis? quin ad frugem corrigis? 270 
Certa res est ad frugem applicare animum. (Vgl. Bacch. 1085). 
Lamprid. Heliogab. 15 milites . . . dixerunt, se parsuros esse He- 
liogabalo, si .... ad bonam frugem rediret. (Vgl. Gell. XIII 
27, 2 ad bonam frugem ducentia). — Die Ähren eines Saat- 
feldes zu zählen, ist ebenso schwer, als den Sand und die Wellen 
des Meeres, die Sterne am Himmel, das Laub am Baum: Catull 
48, 5 non si densius aridis aristis sit nostrae seges osculationis. 
Ov. trist IV 1, 57 aestu numerabis aristas. ex Ponto II 6, 25 
citius numerabis aristas. Vgl. Stat. silv. III 3, 97 hibernos citius 
numeraveris imbres, Silvarumque comas. Dem Anscheine nach 
ist auch sprichwörtlich Ov. ep. ft, 111 et minus est in te, quam 
summa pondus arista. Von jemand, der vorsichtig und unsicher 
vorwärts geht (wir sagen: wie auf Eiern), heifst es bei Hieron. 
adv. Ruf. II 10 p. 501 Vall. et quasi super aristas pendenti in- 
cedens gratu loqueris. ep. 82, 5 totuin relinquit ambiguum et 
quasi super aristas graditur. — Ein altes Wort im Munde der 
Landleute war: hordeum saeculo seri, Gerste werde für den 
Geldbeutel gesät, wie Plin. n. h. XVIII 7, 80 hinzusetzt, propterea 
quöd celerrime redit. — Wer seinen Acker nicht pflegt, erntet 



*) Vgl. Plin. n. h. XVIII 7, 62 frumenta hieme in herba sunt. 



194 A. Otto: 

nicht Korn, sondern Disteln: Hör. sat. I 3, 37 Neglectis urenda 
filix innascitur agris. Parallelen hierzu bei Düringsfeld a. 0. 
I No. 8*). 

Von Küchengewächsen ist zu nennen der Kürbis: ApuL 
Metam. I 15 nempe etsi tu alicuius facinoris conscius scilicet 
mori cupis, nos Cucurbitae Caput non habemus, ut pro te mo- 
riamur, wir sind keine solchen Strohköpfe (der Kürbis hat Ähn- 
lichkeit mit einem Kopfe, ist aber im Innern hohl). Ein Kahl- 
kopf wird mit einem Kürbis verglichen Apul. Metam. V 9 atque 
ego misera primum patre meo seniorem maritum sortita sum, 
deinde Cucurbita calviorem. — Weiterhin der Lauch: Fronto 
p. 31 Nab. quod ait Laberius de amore .... Tarn cito crescit, 
quam porrus, tarn quam palma firiuiter (Bibb. Laber. v. 133). 
Und schließlich die Raute: Petr. 37 queinvis ex istis babaecalis 
in rutae folium coniciet. 58 Nee sursum nee deorsum non cresco, 
nisi dominum tuum in rutae folium coniecero. Die Drohung soll 
die höchste Überlegenheit ausdrücken und bedeutet wohl: jemanden 
so klein machen, dafs er auf einem Rautenblatt Platz hat. (Andere 
Erklärungen bei Burmann zu c. 37). 

Von der Weintraube besafsen die Griechen das Sprich- 
wort ßotQvs TtQog ßoTQw iteitalvetai' iitl tgqv i&tiovö&ai yikovH- 
xovvrcov Append. prov. 1 60. Apost. V 5. Im schlimmen Sinne 
(ein Schlechter steckt andere an) braucht dasselbe luven. II 81 
Uvaque conspeeta livorem ducit ab uva, wozu der Scholiast be- 
merkt: hoc ex proverbio sumitur: uva uvani videndo varia fit. 
Auch aus germanischeu Dialekten wird das Sprichwort angeführt 
von Düringsf. a. 0. 1 No. 378. 

Um etwas Unmögliches, Widernatürliches zu bezeichnen, sagt 
Verg. ecl. 8, 54 Pinguia cortieibus sudent electra myricae, und 
dafs hierin in der That ein sprichwörtlicher Kern enthalten sei, 
scheint hervorzugehen aus Ov. a. a. I 747 Siquis idem sperat, 
iacturas poma inyricas Speret et e medio flumine mella petat. 
Einzelne Bäume finden sich sonst im Sprichwort der Römer 
nicht genannt**), nur ein paar Anspielungen auf griechische Ori- 
ginale begegnen. So steckt in dem Verse Et fortasse cupres- 
sum scis simulare bei Hör. a. p. 19 ein griechisches Sprichwort. 
Porphyr, z. d. St. behauptet: Proverbium est in malum pictorem, 

*) Vgl. Petr. 46 Hermogcnis filicem. 

**) Doch darf vielleicht für sprichwörtlich gelten Petr. 43 corneolua 
fuit, aetateiu bene forebat, er war ein hagebuchener Mensch. 



Das Pflanzenreich im Sprichwort. 195 

qui nesciebat aliud bene pingere quam cupressuin. Quod pro- 
verbium Graecis in usu est: pr\ xi ix xwcaQiööov fttktig\ — Das 
bekannte griechische Wort itokkaZtii nXv\yalg ÖQvg datid&tcu hatte 
ohne Zweifel im Sinne Lucr. IV 1283 Nam leviter quamvis quod 
crebro tunditur ictu, Vincitur in longo spatio tarnen atque la- 
bascit. — Die Erfahrung lehrt, dafs ein Baum, der oft verpflanzt 
wird, nicht gedeiht (Düringsf. a. 0. II No. 226): Senec. ep. 2, 2 
non convalescit planta, quae saepe transfertur. Man vergleicht 
das griechische XCftog xvXio^ievog tpvxog ov nocet Apost. X 72. 
Am schwersten aber verpflanzt sich ein alter Baum (Düringsf. 
a. 0. I No. 64), und auf diesen Gedanken bezieht sich wohl Senec. 
ep. 86, 14 didici ab Aegialo, diligentissimo patre familiae . . . 
quamvis vetus arbustum posse transferri. Wenn schon der Ertrag 
der Baumzucht für sich lange auf sich warten läfst, so ist es um 
so betrübender, wenn ein anderer durch Gewalt oder List sich 
su Unrecht denselben aneignet: Liv. X 24, 5 Fabius, quam arbo- 
rem consevisset, sub ea legere alium fructum indignum esse di- 
cere. Der Bedeutung nach identisch ist das griechische äkko- 
xqiov afiag frigog (Diogeu. II 75) und akkov 6ksCqov(5lv^ akkoi 
d 9 a\ir\(5ovxai Greg. Cypr. Mosqu. I 38. Vergl. auch Düringsf. 
a. 0. I No. 344. 

Mit den Blättern des Baumes werden unselbständige und 
unzuverlässige Menschen verglichen: Ov. ex Ponto IV 3, 33 Quo- 
libet est folio et quavis incertior aura. Am. II 16, 45 Vcrba 
puellarum foliis leviora caducis, ep. 5, 109 Tu levior foliis. Cic. 
ad Att VIII 15, 2 qui ipsi aut pluma aut folio facilius moventur. 
Vgl. Plaut Mil. glor. 17 difflavisti spiritu, Quasi ventus folia, 
sowie Apul. Met. I 8 folia sunt artis et nugae merae. Wenn die 
Blätter von den Bäumen fallen, ist noch keine Gefahr, wohl aber, 
wenn diese selbst stürzen: Plaut. Men. 375 folia nunc cadunt . . . 
si triduum hoc hie erimus, tum arbores in te cadent, das ist erst 
der Anfang, bald wird es schlimmer kommen. 

Wie die Blätter, so ist auch die Rinde, der Kork, Symbol 
der Leichtigkeit und Leichtfertigkeit: Hör. carm. III 9, 22 tu le- 
vior cortice. Infolge seiner speeifischen Leichtigkeit hatte sich 
der Gebrauch des Korkes beim Schwimmen längst eingebürgert, 
und Horaz konnte sagen sat. I 4, 120 simul ac duraverit aetas 
. . . nabis sine cortice, wozu Acron anmerkt: Proverbialiter po- 
suit^ nabis sine cortice i. e. sine alieno adminiculo. 

Dagegen ist ein abgehauener Baumstamm, ein schwerer 



196 A. Otto: Das Pflanzenreich im Sprichwort. 

Klotz das Bild eines unbeweglichen oder stumpfsinnigen Men- 
schen: Cic. in Pis. 9, 19 sed qui, tamquam truneus atque sti- 
pes, si stetisset modo, posset sustinere tarnen titulum consulatus. 
de nat. deor. I 30, 84 Quae potest esse in eiusmodi trunco sa- 
pientia? de harusp. resp. 3, 5 stipitem illum. post red. in sen. 6 
Cum hoc homine, an cum stipite (Aethiope). Petr. 74 codex, non 
mulier. Ter. Heaut. 877 Quae dieta sunt in stulto: caudex, sti- 
pes, asinus, plumbeus. Claud. XVIII (in Eutr. I) 126 Et nihil 
exhausto caperent in stipite lucri. Arnob. II 24 et non stipes ut 
aliquis aut Marpesia, ut dictum est, rupes stabit, elinguis aut 
mutus.*) Gegen einen groben, astreichen Klotz richtet auch nur 
ein grober Keil etwas aus: Hieron. ep. 69, 5 iuxta vulgare pro- 
verbium, malo arboris nodo malus euneus requirendus est, auf 
eine schlimme Krankheit gehört eine bittere Medizin. (Vgl. 
Düringsf. a. 0. I No. 926.) 

Wer Holz in den Wald trägt, handelt ebenso thöricht, wie 
derjenige, welcher Eulen nach Athen oder Wasser ins Meer bringt: 
Hör. sat. I 10, 34 in silvam non ligna feras, citiert von Hieron. 
adv. Ruf. I 17 p. 474 V. adv. Pelag. III 19 p. 805. — Ov. am. 
II 10, 13 quid folia arboribus . . . addis? ex Ponto IV 2, 13 Mit- 
lere carmen ad hunc, frondes erat addere silvis. Sidon. Apoll, 
ep. 7, 3 hoc enim fronte possemus fluminibus aquas, silvis ligna 
transmittere. Düringsf. a. 0. II No. 470. — Mancher ist auch 
so blind, dafs er den Wald vor Bäumen nicht sieht: Ov. trist 
V 4, 1 Nee frondem in silvis . . . uec pleno flumine cernit aquas. 

Oppeln. A. Otto. 



Zu Isidor orig. XVII 3, 10. 

'Hordeum dictum, quod prae ceteris generibus frumenti aridum 
ante Hat, vel quod spica eius ordines habeat. horum tria genera. 
primuin hexaticum vocatur, eo quod spica eius sex ordines habeat, 
quod quidam cantherinum appellant.' Statt hexaticum ist sicher he- 
xastichum zu lesen; vgl. Colum. II 9, 14: proximus est frumentis 
usus hordei, quod rustici hexastichum, quidam etiam cantherinum ap- 
pellant. 

Hirschberg i. Schi. Dr. Schwarz. 



*) Nach Verg. Aen. VI 470 Nee magis ineepto vultum sermone mo- 
vetur, Quam si dura silex aut stet Marpesia rupes. 



Die Verba frequentativa und intensiva*). 

Trotz der beiden Monographieen von Rieh. Jonas (De verbis 
frequentativis et intensivis. Poznaniae 1871 = Jenenser Doct. 
Diss. — Progr. von Meseritz 1872. — Progr. von Posen 1879, 
1884) und C. Paucker (Die Verba freq., Zeitschr. f. vergl. Sprach- 
forsch. N. F. VI. 1883. 241—261) sind wir weder über die Bil- 
dung noch über die Bedeutung der genannten Verba ausreichend 
aufgeklärt. Eine kraftige Förderung der Frage war schon da- 
durch ausgeschlossen, dafs keiner der beiden genannten Verfasser 
die Arbeit des anderen kannte; es ist aber auch ebenso un- 
genügend die Frequentativa und Intensiva der Komödie, bei Cato 
Varro und Sallust, bei Livius monographisch zu behandeln und 
sie in drei Kategorien (-ito, -to, -so) zu teilen, als die Scheidung 
der Bildungen in archaische, klassische und nachklassische ohne 
Würdigung der Hauptvertreter der Litteratur zu befriedigen ver- 
mag. Zudem sind einerseits wichtige Stellen der alten Gramma- 
tiker wie interessante Frequentativbildungen unbeachtet geblieben, 
andrerseits ist die Aufsuchung der Verba auf ito so iiufserlich 
und mit so peinlicher Gewissenhaftigkeit betrieben worden, dafs 
nicht nur territo und aecusito gleich gestellt, sondern adequito 
und praeeipito, ja selbst der Imperativ animadvertito bei Cato 
(als total, etgritiivov natürlich) zu den Frequentativa gezählt 
worden sind. Je mehr aber die Untersuchung auf der Oberfläche 
geblieben ist, um so mehr vermifst man die tieferen Ideen, welche 



*) Da die alten Grammatiker drei Arten von Verbalableitungen unter- 
scheiden, die Verba meditativa (= desiderativa) , die inchoativa, die fre- 
quentativa (zu denen sie auch capesso u. a. rechnen) und das Archiv I 
408 ff. 465 ff. II 355 ff. III 398 ff. IV 68 ff. die zwei ersten und verwandte 
Abschnitte der Wortbildungslehre auf Grund des Zettelmaterials behandelt 
hat, so schien es passend zur Ergänzung auch über das bisher nicht berührte 
Kapitel einiges beizufügen. 



198 Ed. Wölfflin: 

der fortgeschrittenen Wissenschaft mehr gelten als das leblose 
Material. Denn sowohl die Annahme einer doppelten Kategorie 
von Verba frequentativa und intensiva ist eine verfehlte, als auch 
mufs der Bedeutungswert jedes Wortes nicht nur an einzelnen 
Stellen vermutungsweise bestimmt, sondern nicht minder die Wir- 
kungskraft des Suffixes im ganzen nach Perioden zu messen ver- 
sucht werden, bevor wir das letzte Resultat der Entwicklung, wie 
es in den romanischen Sprachen klar vor Augen liegt, zum all- 
gemeinen Gesetze erheben, nach welchem die Frequentativa dem 
Sinne nach meist auf der Stufe der Stammverba stehen, jeter 
(iactare) = iacere, meriter (meritare) «= merere, chanter (cantare) 
= canere, aider (adiutare) = adiuvare. Diez, Gramm, der roman. 
Sprachen 11» 401. 

1. Die Bildung der Frequentativa geht von dem Partie 

per f. pass. aus: Gellius 9,6 frequentativa eodem modo in prima 
syllaba dieuntur, quo partieipia praeteriti temporis ex his verbis, 
unde ea profeeta sunt, in eadem syllaba pronuntiantur, sicuti c lego 
lectuV facit *lectito\ Prise, park 1, 2.8. p. 466, 15 H.: a parti- 
cipiis praeteriti temporis solent fieri frequentativa plerumque, ut 
habitus, habito habitas habitat. Consentius p. 376, 20 venit 
(forma frequentativa) interdum a perfecta forma, ut a canto can- 
tito. Allerdings schreibt der nämliche Priscian 10,57 (p. 546, 8 H.): 
solent frequentativa plerumque a supinis vel partieipiis prae- 
teritis nasci, und 8, 74 (p. 429, 22 H.) noch bestimmter frequen- 
tativa plerumque a supinis derivantur mutatione eztremae u in o, 
ut c scriptu, scripto 9 . Dies kommt daher, dafs es ihm unmittelbar 
vorher (p. 429, 10) besser pafste, die Meditativa (=» desiderativa) 
auf urio mit dem zweiten Spinum in Verbindung zu bringen, 
obschon er auch hier sein Gewissen wahrt mit den Worten: 
species (meditativorum) a partieipio praeteriti temporis solet fieri 
sive a supino in u. Die neueren Grammatiker aber hätten besser 
gethan das Supinum bei dieser Bildung aus dem Spiele zu lassen. 

In der ersten Konjugation bilden die einsilbigen Stamme 
regelmafsig dätare, flätare (Arnob.), nätare; in der Komposition 
gewifs * additare, was aus additamentum zu erschließen und durch 
subditare bestätigt wird, wie bei langem a adnatare; ebenso regel- 
recht ist die Bildung von crepitare und strepitare, cubitare und 
domitare, sowie von adiutare, restitare. 

Die zweite liefert uns habitare und pavitare, meritare und 



Die Verba frequentativa und intcnsiva. 100 

territare, monitare bei Venantius Fortunatus, in der Zusammen- 
setzung mit der Präposition de desponsare, detentare, detonsare, 
devotare, daneben das selbständige responsare, auctare, tortare 
und motare. Gellius hat von dem Halbdeponens soleo ein soli- 
tare wohl nicht gebildet, aber doch nach altem Vorgange gebraucht, 
wie andere zu ausare (franz. oser) geworden ist. Placitare ist 
wohl bei Plautus (= sehr gefallen) ein Frequentativuin, im Spät- 
latein dagegen, wo es litigare bedeutet (franz. plaider, plaidoier) 
von placitum, Gerichtstermin (lex Salica 42, 10) abgeleitet. Vgl. 
Lowe, Prodrom. 261. Verba auf etare, wie deletare, giebt es nicht; 
dafs aber statt ftare in archaisch-vulgärer Orthographie auch 
Stare geschrieben wurde, beweist uns die Lex Iulia municipalis 
vom J. 709 u. cond., in welcher sich habetaretur (von Bruns, 
fontes iuris Bomani korrigiert) neben habitabitur findet, wie 
ähnlich Festus p. 23, 10 M. bezeugt: Acetare dicebajit, quod nunc 
dicimus agitare. 

Die dritte wird die reichste sein mit fugito (intrans. Ter. 
Eun. 847), lambito, vendito, vomito; iacto tracto, capto rapto, 
verao merso, nexo vexo, penso defenso, specto (von * specio) und 
delecto (von * lacio), quasso presso, nuto voluto, curso pulso, 
canto und attento (tempto), gesto truso und vielen anderen. 

Und schliefslich stellt sich die vierte ein mit dormlto (die 
selbstverständliche Länge möge bezeichnet sein, da Jonas das i 
als kurz mifst) munito, hinnito (Gloss.), (tinnito falsche Lesart bei 
Commod. instr. 2, 23, 17), aperto und operto, vento und compos. 
Besondere Erwähnung aber verdient noch, um das spätlateinische 
sepulto zu übergehen, salto mit seinen zahlreichen Zusammen- 
setzungen. 

Die Deponentia nehmen teil an der Bildung mit licitari 
und pollicitari, tutari (weil tütus sum neben tititus aum) und 
eommentari, argutari (von Paucker übergangen, älter als argu- 
tare), amplexari und versari; gradior bildet nicht gressari, sondern 
grassari, degrassari. 

Bevor wir indessen zu den Besonderheiten und den in der 
Grammatik unvermeidlichen Ausnahmen übergehen, müssen wir 
doch noch als Regel aufstellen, dafs eine grofse Zahl von Verben 
der ersten Konjugation auf itare ausgeht, statt auf atare, auch 
wo das sogenannte Supinum nicht auf -itum lautet; beispiels- 
weise clamitare statt clamatare, imperito, vocito, appellito, volito, 
fugito (transitiv), negito, rogito, culpito, welches bei Paucker fehlt; 



200 Ed. Wölfflin: 

im Franz. vanter (= vanitare) vou *auo[r], zugleich anklingend 
an venditare anpreisen. Man könnte hier etwa sagen, clamatare 
sei wegen des dreifachen a eine mifsbeliebige Form gewesen, wie 
etwa in der Deminution nicht agnus, agnulus agnululus (mit 
dreifachem u), agnullus, sondern durch Verschiebung zu agnelulus 
vielmehr agnellus gebildet wird; allein da die übrigen genannten 
Verben kein a in der Stammsilbe haben, so liegt es doch viel 
näher, entweder eine Nebenform des Partie. Perf. auf itus (vgl. 
explicatus, explicitus) anzunehmen, oder, wenn man lieber will, 
eine Einwirkung von domito und strepito, vielleicht auch von 
habito und merito, mithin eine spätere Analogiebildung. Schon 
Priscian 8, 74 (p. 429, 25H.) hat die Sache so aufgefafst, und die 
Erklärung wird um so überzeugender, wenn wir beispielsweise 
neben dem ennianischen halito (Supinum angeblich halätum) das 
Verbalsubstantiv halitus finden. Darum brauchen wir aber lavi- 
tare nicht von lavare, lavatum entstehen zu lassen, sondern wir 
werden, da das Verbum auch in der dritten Konjugation zu finden 
ist (lavere), einfacher an dieses Supinum (lautum = lavitum) an- 
knüpfen. In der Ableitung von hiare (Verbalsubstantiv hiatus) 
schwächte die Volkssprache das a zwar nicht zu i, welches sich 
nach vorausgehendem i wenig empfohlen hätte, wohl aber zu £, 
weshalb die Komiker die Form hietare gebrauchen. 

Dies zwingt uns aber die ganze Participialbildung nochmals 
ins Auge zu fassen und besonders darauf zu achten, ob wir uns 
auf die Angaben der Normalgrammatik verlassen dürfen, oder ob 
sich seltenere Nebenformen und überhaupt Abweichungen von 
der Regel finden, welche auch den Übergang von ato in Ito durch 
Verschiebung des Accentes (claniäto, clamato, claineto, clamito) 
glaublicher erscheinen lassen. In der ersten Konjugation treffen 
wir bereits bei Plautus Men. 1019 die Form commetare, welche 
doch aus commeitare = commeatare kontrahiert sein mufs. Von 
luo (luiturus) würde man lülto erwarten, welches auch Festus 
ansetzt, um damit lito zu erklären, während Varro die Form lüto 
(kontrahiert aus luito, wie tuitus, tütus) gebrauchte. Darnach 
dürfte man wohl auch ein fluitum neben fluo, fluxum ansetzen 
und fluitare um so mehr als regelmäfsige Bildung erklären, als 
flutare, welches nicht schlechter ist als nutare, bei Lucretius 
(Lachmann zu 4, 77) durch das Metrum gesichert und fluxare 
nicht gebildet worden ist. Und so gewifs mantare aus manitare 
entstanden ist, so leicht läfst sich neben mansum ein manitum 



Die Verba frequentativa und intensiva. 201 

annehmen, weil die Bildung gerade dieser Form (Livius Andro- 
nicus hat bereits das Kompositum ominento) iu die älteste Zeit 
zurückreicht. Manso ist nicht bezeugt und mansito erst im sil- 
bernen Latein (Plin. Tac.) belegt. 

Dies führt uns weiter auf den Wechsel von t und s. 
Nach Quintilian 1, 4, 14 sind die älteren Formen mertare und 
pultare durch die jüngeren verdrängt worden, und darin befindet 
er sich in Übereinstimmung mit Festus 124, 9 mertat pro mersat 
dicebant Pulto freilich scheint Macrobius de differ. verbi (Exe. 
Bobiensia bei Keil, Gramm, lat. V 651, 32) sich aus pulsito, pulsto 
hervorgegangen gedacht zu haben, unter Verwerfung der Ansicht 
anderer Grammatiker, welche pulso pulto wie frdkaööa Jakarta 
beurteilten. Von veho kommt vecto, aber gewifs auch, wie schon 
Gellius 2, 6, 5 erkannte, vexo und vexillum, nicht vom Perfekt 
vexi, womit man das analog gebildete taxare nicht erklären könnte, 
sondern von dem nicht mehr nachweisbaren Particip vexus, wie 
taxo von taxus. Wir dürfen daher auch rapsare nicht in raptare 
korrigieren, sondern wir werden es im bell. Afric. 73, 4 als eine 
archaisch- vulgäre Nebenform betrachten, die u. a. auch noch Gellius 
2, 6, 5 erhalten hat Vgl. refutare, franz. refuser. 

Von salio (Perfekt salui) bildet Varro ling. lat. 5, 85 ein 
saKto, um daraus den Namen Salii abzuleiten, wie Vegetius mil. 
1, 18 salitio. Pisare und pinsare (welche bei Paucker fehlen) 
sind nebeneinander im Gebrauche, weil es auch zu pinsere ver- 
schiedene Supina giebt; visito kommt wohl von * visitum = visum. 
Auch coquito wird nur eine Nebenform von * cocto sein, wie 
das von Ennius und Lucrez gebrauchte tudito auf tuditum = 
tunsum, tusum zurückgeht. Der Konsul des Jahres 514 freilich 
M. Sempronius Tuditanus hat langes i bei Ennius Annal. 349 M. 
«■305 V., wornach man wohl an eiuen Städtenamen (vgl. Tuder; 
Gaditanus) und nicht mit Ateius Philologus (Festus 352, 31) an 
tudes, itis zu denken hat. 

Man könnte auf diesem Wege noch weiter gehen; aber da 
es schwer ist die richtige Grenze zu finden, so wollen wir lieber 
gleich zugestehen, dafs einige wenige Frequentativa teils sicher, 
teils möglicherweise vom Präsensstamm gebildet sind. In der 
Gesamtzahl, die Paucker einschliefslich der Komposita auf etwa 
500 berechnet hat, verschwinden sie nahezu. Gar nicht ins Gewicht 
fallen die Neubildungen der Autoren des Spätlateins, welchen ein 
lebendiges Sprachgefühl fehlte, z. B. mergito bei Tertullian, 

Archiv für lat Lexikogr. IV. Heft 2 \A 



202 Ed. Wölfflin: 

fhiscito bei den Gromai, discito bei Pseudo-Juvencus, legito statt 
des mehrfach bezeugten lecto bei Priscian 8, 74, doch ohne Beleg, 
so dafs er die Form selbst gebildet haben mag, wenn sie auch 
bei Virgil. gramm. p. 139, 6 Huemer wiederkehrt. Unguitabant soll 
Cato nach Charisius p. 101, 15 geschrieben haben; allein da 
Servius zu Verg. Aen. 4, 698 in dem nämlichen Fragmente 
unctitabant citiert, so hat Jordan mit Recht diese der archaischen 
Latinität entsprechende Form in den Text gesetzt. 

Andere Ausnahmen freilich reichen in die alte Zeit hinauf. 
Was sollen wir von dem plautinischen funditare sagen, dem 
Kameraden von tudito? Und doch läfst sich für die Ableitung 
vom sogen. Supinum anfahren, dafs fusare nicht gebildet worden 
ist, so wenig als tunsare. Fusus selbst war aus fuditus, fudtus 
hervorgegangen, welches nach Vaniöek noch in futare («= verba 
effundere) vorliegt, oder doch in confutare, refutare. Fest. PauL 
89, 3 Futare arguere e^fc et confutare; sed Cato hoc pro 'saepius 
fuisse' (Van. fudisse) posuit. Placid. gloss. 44, 14 futavit: fuit 
(Van. fudit); 45, 14 futavere: fuere (Van. fudere). Der näm- 
liche Plautus hat auch quaerito gebraucht, welches sich in der 
ganzen Latinität, auch in der Zusammensetzung perquirito, re- 
quirito findet, so dafs Priscian 8, 74 sein quaesito selbst kon- 
struiert hat. 

Von Inchoativbildungen hat schon Plautus noscito und sei- 
scito (klassisch sciscitor), und die ganze Litteratur weifs nichts 
anderes; denn nÖtare kommt nicht von nötus, wie Priscian meint 
8, 75, unter Annahme einer Vokalkürzung, sondern von dem Sub- 
stantiv nöta, und unterscheidet sich in der Bedeutung wesentlich 
von noscito. Einzig Vergil protestierte gegen sciscitari, weil er 
die Form nicht in den Hexameter brachte. Er bildete korrekt 
scitari Aen. 2, 105, glaubte aber die Neubildung noch durch 
quaerere erklären zu müssen: tum vero ardemus scitari et quae- 
rere causas, während er an der zweiten, unmittelbar folgenden 
Stelle (2, 1 14 scitantem oracula Phoebi) dies nicht mehr für not- 
wendig hielt. Auch Servius glaubte zum Verständnis des ersten 
Verses mit der Erklärung festinamus inquirere nachhelfen zu 
müssen. Dafs Horaz und Ovid dem Vergil gefolgt sind, begreift 
sich leicht; dagegen verstiefs die Vulgata bei Cicero orat 52 id 
scitari (jetzt sciscitari) gegen alle historische Entwicklung. Dieses 
Deponens erinnert auch an seetari, welches natürlich nicht auf 
secütus zurückgeht, weil der lange Vokal nicht ausfallen konnte, 



Die Verba frequentativa und intensiva. 203 

sondern ■= sequKtari zu fassen sein wird, (vgl. oben coquito neben 
•cocto, coctito) oder auf eine Nebenform sectus weist. 

Coctare mag uns weiter auf das regelmäßige coactare und 
von da auf das zu ago fehlende actare und das an dessen Stelle 
Qbliche agitare führen. Ist es vom Präsensstamme gebildet, oder 
eine Nebenform zu dem aus Festus und Glossen bekannten axare 
= nominare? Je häufiger das Wort ist, um so reichere Formen 
hat es entwickelt; denn wir finden auch noch ein agare in dem 
Kompositum indagare, und die axamenta sind identisch mit den 
indigitamenta. Wenn Solin 56, 18 schrieb palmeta caryotas feri- 
tantia, so mag er dies selbst verantworten; von Rechtes wegen 
mufste das Frequentativa * latare lauten, wie wir es in prolatare 
kennen, oder, wie Cato schrieb, latitare. Dies leitet aber gleich 
auf einen weiteren und letzten Punkt der Bildungsgeschichte. 

Fanden wir bisher nach Anleitung der sogen. Supinalstämme 
Frequentativa auf tare, sare, itare, so ist klar, dafs die Endung 
itare mehr in die Ohren fiel, weil sie um eine Silbe überlegen 
war, möglicher Weise auch an iterum erinnerte. Daher mufste 
die Grundbedeutung sich bei tare und sare früher verwischen, 
and wenn man diese auffrischen und kräftigen wollte, so lag 
nichts näher als durch Verdoppelung des Suffixes tare und sare 

auf titare und sitare zu erweitern. Schon Macrobius Exe. Bobiens. 

• 

Gr. lat V 651, 14 hat eine Parallele aus der Bildung der Demi- 
nutiva beigezogen, wenn auch das Beispiel nicht gerade glücklich 
gewählt ist. Forma frequentativa nonnumquam uno gradu, non- 
numquam duobus derivatur, ut cano, canto, cantito; nee tarnen 
ost in po8terioribus maior quam in prioribus frequentationis ex- 
pressio, sicut nee in diminutivis seeundus gradus minus priore 
significat, anus anula anicula. Besser wäre etwa ager, agellus, 
fegellulus. Auch die Wortzusammensetzung ist nicht anders ver- 
fahren als die Ableitung, wenn sie Verba wie adalligare, con- 
comitare gebildet hat, in einer sekundären Periode natürlich, als 
man nach vollzogener Assimilation (alligare) die Präposition ad 
nicht mehr erkannte. So erhalten wir Doppelfrequentativa 
wie: aeeeptito, auetito, cantito, captito, circumvectitari, cursito, 
defensito, deversito, dictito, duetito, factito, gestito, iactito, itito, 
iectito, mersito, motito, mussito (wenn musso selbst ein Frequcn- 
tativum ist von mutio, wie quasso von quatio), natito, oecursito, 
pensito, potito (obschon das Stammwort zu poto verloren ist), pren- 
sito, raptito, responsito, scriptito, vectito, ventito, versito, victito. 



204 Ed. Wölfflin: 

Romanische (d. h. im Lateinischen nicht bezeugte) Fortbildung 
ist taxitare = ital. tastare, franz. täter. Nicht selten ist die erste 
Frequentativbildung untergegangen und nur die zweite erhalten, 
resp. die erste übersprungen, wie in: accessito (doch cessare), 
actito, alsito, coctito, emptito, esito, haesito, mansito, missito, 
morsito (? Paul. Fest. 68, 15. morsico?), natito, plausito, pransito, 
rasito (franz. raser = rasare), risito, sessito, subrectito, sumptito, 
tonsito, victito, visito (ital. span. frz. advisare; lat visSre), unctito, 
usitor (usitatus; franz. user = usare). Puellitari ist entweder eine 
scherzhafte Analogiebildung des Laberius oder es lehnt sich an 
ein *puellare, *puellari. Verba wie nobilitare, debilitare ziehen 
wir nicht hieher. Das wäre etwa eine Zusammenstellung nach 
Zumpt, und doch haben wir das Gefühl, dafs sich manche dieser 
Bildungen durch Annahme von Nebenformen des Supinums als 
regelmäfsige rechtfertigen läfst. Gerade weil die Frequentativa 
so frühe gebildet worden sind (crepito, nexo, ommento bei Livius 
Andronicus, rumito von rumo = rumino, welches bei Paucker 
fehlt, adnicto, adnuto, conficto, welches gleichfalls übergangen ist, 
agito, canto schon bei Naevius) und wir von dem ältesten Latein 
so wenig wissen, müssen wir uns versagen, die Sprachentwick- 
lung nach unsern Kenntuissen von der ciceronianischen Latinitat 
beurteilen und regeln zu wollen. 

Über die apokryphischen Enthüllungen des Grammatikers 
Yirgilius Maro p. 136, 33, das Frequentativum von vinco 
(victito) sei eigentlich = vinco vinco, wofür einige auch vincinco, 
Perf. vicici zu sagen pflegten, wie auch clamamo, vocaco (Perf. 
clamamavi, vocaeavi) statt clamito vocito, wollen wir hier kein 
Wort verlieren, weil der Verfasser selbst so klug war beizufügen: 
quod quia nulla veritate subnixum atque suffultum est, non ad 
auetoritatem sed ad ambiguitatem scribendum est. Diese Theorie 
ging aus der Benennung Verba iterativa hervor, wornach man 
clamito = clamo clamo fafstc, welches man dann weiter zu cla- 
mamo gemildert dachte. 

2. Statistik den Gebrauches. Die blofse Durchsicht der 
Frequentativbildungen inufs den Leser überzeugt haben, dafs. der 
vorgeführte Wortschatz kaum zur Hälfte der klassischen Lati- 
nitat angehört; wie Paucker ausgerechnet hat, fallt nahezu ein 
Drittel ausschließlich der archaischen Sprache zu, wobei man mit 
in den Kauf nehmen mag, wenn einzelne archaisierende Autoren 
der späteren Zeit, wie Gellius, Apuleius oder Arnobius solche 



Die Verba frequentativa und intensiva. 



205 



Worte wieder aufgreifen; nur ein starkes Drittel ist Eigentum 
Giceros und Cäsars, während der Rest dem silbernen oder Spät- 
latein gehört. So starke Unterschiede im Gebrauche werden nicht 
viele Suffixe aufweisen. Der Natur der Sache nach sind die 
Stammverba älter als die Ableitungen; in dem Salierliede stand 
zwar bereits praeceptare, aber auch cante = canite nach Varro 
de ling. lat 7, 27, und eine Haupthandlung des Priesterkollegiums 
inufs damals als ein salire bezeichnet worden sein, was man später 
eher saltare genannt hätte. Allein schon mit Beginn der Litteratur 
finden wir die Frequentativa in der üppigsten Blüte, wie oben 
bemerkt worden ist. Für unseren Zweck wird es genügen, nach 
dem Handwörterbuche von Georges die Belege für die mit A bis 
£ beginnenden; später aufgegebenen Verba der archaischen 
Periode zusammenzustellen. Für Plautus vgl. G. Schmilinsky, de 
proprietate sermonis Plautini usu linguarum Romanicarum illu- 
atrato. Halis Sax. 1866, p. 44 sqq. 

abnuto Plaut. Enn. (Arnob.) conficto Naevius. 

acceptito Plaut frgm. (?) coquito Plaut, nach Fest, 

accessito Cato. ; culpito Plaut. Gist. 224. 
accusito PI. Most 712. dato PI. Cato. (Fronto, Apul.). 



adaucto Accius. 
adito Eniiius. 
aunicto Naevius. 
annuto Naev. Plautus. 
aperto Plaut. (Arnob.) 
aucto PL Lucr. Catull. 
[auctito Tac. Arnob., etwa nach 

Cato od. Sallust.] 
casso Plaut Mil. 852. 856. 
circumvectitor PI. Kud. 933. 
commeto PI. Ter. Comici. 
comprehenso Claud. Quadr. 
conclamito PI. Merc. 57. 



depulso PI. Stich 286. 
detonso Fabius Pictor. 
discrepito Lucr. 
disserto Cato (Sali.?) Tac. 
ductito PI. Eccles. 
edicto Plautus. 
edisserto Plaut (Livius). 
eiulito Lucilius. 
electo (lacto) Plaut, 
electo (eligo) Plaut 
erogito PI. Accius. (Silius). 
esito (essito) Plautus. Cato. ( Apu- 
leius. Gellius). 



Hier mufs zunächst auffallen, dafs Terenz so schwach ver- 
treten ist; offenbar, weil schon der Scipionenkreis dem über- 
mässigen und uumäfsigen Gebrauche der Frequentativa entgegen- 
trat, und weil die Volkssprache sie mehr verwendete als der 
feinere sermo urbanus. Die Verba, die uns bei Terenz zuerst 
begegnen, wie cursito, haesito, pavito, hat die spätere Sprache 



206 Ed. Wölfflin: 

bewahrt, die plautinischen grofsenteils verworfen. Aus der That- 
sache, dafs manche Frequentativa nur an je einer Stelle bei 
Plautus vorkommen, darf man auch wohl schliefsen, dafs dieser 
Dichter manches Verbum im Geiste der Volkssprache geschaffen 
und improvisiert habe. 

Unter den klassischen Prosaikern hat nur Sallust als Nach- 
ahmer Catos die Vorliebe für die Fr. beibehalten, während Cäsar 
und Cicero eine noch strengere Kritik vornahmen als der Sci- 
pionenkreis. Schon Quintilian 8, 3, 44 bezeichnet exercituui duc- 
tare (= ducem exercitus esse) bei Sallust als sanete et antique 
dictum, und die Verwendung dieses von Cäsar und Cicero ganz 
vermiedenen Wortes an sechs Stellen ist jedenfalls eine starke 
Leistung; auch imperitare hat er sechsmal, grassari und defen- 
sare je dreimal, dagegen Cäsar nirgends gebraucht; pollicitari 
zweimal, Cäsar und Cicero nur das gleichfalls sallustianische 
pollicitatio = promissio, weil pollicitio nicht gebildet wurde; 
endlich Sallust obieetare viermal (obicio einmal), Cäsar einmal in 
dem nicht überarbeiteten bellum civile, Cicero in den Reden zwei- 
mal (gegen mehr als 100 obicio). Doch scheint Sallust im wei- 
teren Verlaufe seiner Schriftstellerei, d. h. in den Historien von 
seiner Vorliebe zurückgekommen zu sein, die schliefslich zu einer 
unerträglichen Manier geworden wäre. Vgl. hist. 1, 48, 22 exer- 
cituui ducere; hist. 4, 61, 1 pacem agere (Jug. 109 p. agitare). 
Auch darf uns die Vergleichung mit den Verfassern des bellum 
Afric. und Hispan., bei denen die dem Sallust eigentümlichen 
Frequentativa fehlen, in der Überzeugung bestärken, dafs der 
Historiker dieselben weniger der Volkssprache, als dem Stile der 
älteren Historiographie (Cato, Sisenna) entnommen hatte. Vgl. 
noch missitare und negitare. Auch Varro ist als Schriftsteller 
noch vielfach Archaist: vgl. Stünkel, de Varroniana verborum 
formatione. Argent. 1875, p. 62 sq. 

Die beiden Reformer und Puritaner, Cicero und Cäsar, wollten 
mit den Mitteln des sprachlichen Ausdrucks besser haushalten 
und die Frequentativform nur da anwenden, wo der Sinn dies 
entschieden verlangte. Cicero ist am zurückhaltendsten gegen 
die Frequentativa in den Reden, mit Ausnahme der Rosciana, 
die ja noch vor die zweijährige Studienreise und Sprachläuterung 
fällt. n A%a\ sIq. sind daher bei Cicero p. Rose. Amer. 63 recla- 
mito (wo Richter ohne Grund reclamo schreibt), 78 fugito (zwei- 
deutig, weil es von fugo und fugio kommen, also transitiv und 



Die Verba frequentativa and intensiva. 207 

intransitiv sein kann), 140 munito, dieses sicher Citat aus einem 
verlorenen Komiker, wie der Vers verrat. Vgl. Landgraf z. St. 
Dem Verbum consulto, welches doch selbst Cäsar annahm, kann 
Cicero in den Reden wohl nur absichtlich aus dem Wege ge- 
gangen sein, während umgekehrt Cäsar das von Cicero anerkannte 
tutari auszuschliefsen beabsichtigte (b. civ. 1, 52 an. sIq.). Vocito 
findet sich nur p. Rab. Post. 23 (qui Phalereus vocitatus est), 
bei Vitruv an 22 Stellen. Für declamito entschuldigt er sich im 
Brut. 310: Commentabar declamitans (ita enim nunc loquuntur) 
aaepe cum M. Pisone, und er hat es auch orat. Phil. 5, 19 und 
Tusc. 1, 4, 7 passieren lassen, obschon er offenbar meinte, decla- 
uiare würde auch genügen. Recht lehrreich ist es zu beobachten, 
wie er sich in der Anführung einer Stelle des Cato über die 
Tischlieder der alten Römer verhalten hat. Cato hatte der „Car- 
olina in epulis cantitata" gedacht, und diese Worte führt auch 
Cicero Brut. 75 mit dem ausdrückliche Beisatze an: in originibus 
scriptum reliquit Cato, damit man ihn nicht für das nach seinem 
Geschmacke unpassende cantitare verantwortlich mache. An zwei 
andern Stellen dagegen, wo er nach eigenem Geschmacke referiert, 
Tusc. 1, 2, 3. 4, 2, 3 hat er das Frequentativum umschrieben durch 
morem hunc epularum fuisse und solitos esse in epulis und ca- 
nere folgen lassen. Altere Herausgeber haben bei Cic. Brut, can- 
tata geschrieben, wie auch Herrn. Peter Cat frgm. 118, der in 
der gröfseren Ausgabe dieses wörtlich genaueste Citat in die An- 
merkung verwies und Tusc. 4, 2, 3 hunc fuisse epularum morem 
in den Text setzte, während doch auch die Parallelen bei Varro 
und Valerius Maximus in conviviis (= in epulis) geben. 

Livius steht als Historiker dem Sallust näher als dem 
Cicero, namentlich in der ersten Dekade, wo er seinen Stil als 
Rhetor unter dem Einflüsse der gelesenen Annalisten in einen 
historischen umzuwandeln suchte. Die stufenweise Abnahme der 
Frequentativa hat Jonas in dem Programme von 1884, einer 
Andeutung des Vfs. (Livianische Kritik S. 29) folgend, im einzelnen 
nachgewiesen, den Blick aber dadurch getrübt, dafs er allgemein 
anerkannte und keiner Konkurrenz unterworfene Wörter wie specto 
mit in die Rechnung hereingezogen hat; denn wenn er dasselbe 
in der L, III., IV. und der verstümmelten halben V. Dekade an 
28, 29, 26 und 10 Stellen findet, so bedeutet dies genau so viel, 
als dafs Livius im Gebrauche dieses Wortes sich gleich geblieben 
sei. Viel deutlicher dagegen sprechen folgende Reihen: 



208 







Ed. Wölfflin 


• 
t 






I. Dek. 


IU. Dek. 


IV. Dek. 


V. D< 


agito 


47 


25 


17 


4 


clamito 


14 


1 


1 


2 


dictito 


15 


3 








imperito 


6 


4 








noscito 


5 


2 








rogito 


18 


2 








sciscitor 


12 


o 


1 


1 


territo 


6 


1 


1 





obiecto 


3 


1 








ostento 


26 


13 


4 


2 


grassor 


5 








1 


iucurso 


8 


6 


4 





prenso 


10 


1 


1 


1 



Schade, dafs mau nicht die Ziffern von agere, clamare, dicere 
u. s. w. daneben hat. 

Bei Tacitus lilfst sich umgekehrt eine Zunahme in den 
Annalen konstatieren, z. B. hist. 3, 1 ferocius agere, Annal. 4, 46 
ferocius agitare; hist. 1, 30 animo volvo, Annal. 2, 49 animo vo- 
luto, 4, 40 intra aniinum voluto; Agric. 32 male parentes et in- 
iuste iniperantes, Annal. 1, 64 parendi aut imperitandi; hist. 1, 52 
aviditate iinperandi, hist. 4, 25 cupidine imperitandi; hist 3 ; 42. 
4 ; 74 procul agere, Annal. 1, 50 procul agitare. (Annal. 1, 72 
consultante praetore = Suet. Tib. 58 consulente praetore.) 

Es kam übrigens hier, wie es überall in der Sprache kam. 
In der Litteratur konnte wohl zwei Jahrhunderte lang die freie 
Volkssprache durch die Bildung unterdrückt oder zurückgedrängt 
werden; später drang sie doch in dieselbe ein. Es war ein zwei- 
schneidiges Schwert, welches Fronto zu Gunsten der archaischen 
Latinität zog. Denn die Nachahmung führte die Menschen doch 
nicht zu der alten Einfachheit im Denken, in Sprache und Sitte 
zurück, sondern mit dem Archaismus drang auch die vulgäre 
Unsauberkeit, Planlosigkeit und Abundanz ein. Von Quintilian 
abzugehen konnte sich nur rächen, aber es lag die Rückkehr zu 
dem Alten in dem Geiste und Geschmack e des übersättigten und 
verwöhnten, aber nicht mehr leistungsfähigen Jahrhunderts. 

Das Spätlatein nahm also die von den Klassikern ver- 
pönten Frequentativa des alten Lateins nicht nur wieder in Ehren 
auf, sondern bildete zahlreiche neue dazu, freilich meist nur Prä- 
positionalcomposita längst bekannter. Der Hauptteil fällt auf 



Die Verba frequentativa and intensiva. 209 

i und Tertullian, ein kleinerer auf spätere Afrikaner wie 
3, Fulgentius und Coripp, Einzelnes auf Sedulius, Iuvencus, 
18 Fortunatus u. a.; endlich stehen manche Bildungen, 
:ker anführt, kritisch auf schwachen Füfsen. Hier zur 
n kleines Register. 

> Sedulius. 
ipuleius. 
lito Apuleius. 

> Corippus. 
30 Tert. Porph. 
3 Apul. Tert. 

> Arnobius. 
fco Prudentius. 
to Venantius. 



congesto Gonimodian. 

conterrito Corippus. 

convento Solinus. 

correpto Iuvencus. 

credito Fulgentius. 

demorsito Apuleius. 

desulto Tert. 

devecto Sedulius. 

deversito Gellius. 
ser doppelte Zuwachs durch Aufnahme alter und Bildung 
requentativa mufste übrigens notwendig dazu führen den 
»rselben herabzudrücken, wie wir es in den romanischen 
a deutlich genug sehen. 

Verba frequentativa und intensiva. Wenn nun die 
luf -sare, -tare, -itare formell auf gleicher Stufe stehen 
l die auf sito und tito als Doppelfrequentativa besonders 
»n sind, was Jonas zu thun versäumt hat), so fragt sich, 
He heutzutrage übliche (vgl. R. Kühner, Gossrau, Schweizer- 
Trennung in Intensiva (tare, -sare) und in Frequentativa 
beruhe. Eine Lehre der alten Grammatiker kann dies 
r Form schon darum nicht sein, weil der Ausdruck Verba 
i überhaupt kein alter, ja intensivus (intentiva nennt 
a, 36 valde, nimium, prorsus etc.) nicht einmal ein latei- 
Wort ist. Am nächsten steht vielleicht noch der neueren 
Virgil. grammat p. 140, 7 sq. Huemer, weil er in lecto 
;eigertes, in lectito ein fortgesetztes Lesen findet: sed nos 
nus, quod hie legat, quod est minimum saltim litteras 
leckt autem, qui quod legit intellegere ineipit, legitet vero, 
d legit intellegit et alios legere fecit . . . porro lectitet, 
nino legere non desinet. Doch haben wir gewifs allen 
den Autor um diese selbstgefundene Weisheit nicht zu 
i; aber auch er selbst spricht nur von drei Stufen der 
forma frequentativa, nicht von zwei verschiedenen Bil- 
mit verschiedenem Namen: freq. forma tria habet incre- 
lecto freilich sei von vielen verworfen, weil es zu wenig 



210 Ed. Wölfflin: 

von lego abweiche, man verlange den Zuwachs einer Silbe, damit 
dem Plus an Buchstaben auch ein Plus des Sinnes entspreche. 

Und doch geht der Ursprung dieses grofsen Irrtums, wenn 
ich richtig sehe, auf Gellius zurück. An der einen Stelle, wo 
er die Yerba frequentativa (und er zuerst unter diesem Namen, 
obschon er beifügt: verba, quae appellant grammatici frequenta- 
tiva) bespricht, 9, 6, nennt er als Beispiele nur Doppelbildungen, 
wie lectito, unctito, pensito, gestito; an der andern dagegen, 
2, 6, 5 ff., wo er seine Ansicht über vexare, taxare, quassare, 
iactare entwickelt, gebraucht er diesen Namen nicht. Darnach 
könnte es den Anschein gewinnen, er betrachte diese beiden 
Klassen von Verben als verschiedene. Sieht man indessen ge- 
nauer zu, so konnte und durfte er an der ersten, wo es sich um 
actitare handelte, nur ähnlich gebildete Yerba, also Doppel- 
frequentativa, als Parallelen anführen, an der zweiten, die ihren 
Ausgangspunkt von vexare nimmt, nur entsprechende einfache 
Bildungen. Dafs er den Namen Frequentativa dort gebraucht 
hat, hier nicht, ist zufallig und für die Sache vollkommen be- 
deutungslos, wenn auch bei den um eine Silbe längeren Formen 
die Frequentativbedeutung stärker hervortritt. Denn es ist leicht 
nachzuweisen, dafs die Grammatiker vor und nach ihm einen 
solchen Unterschied nicht gemacht und beide Bildungen in gleicher 
Weise erläutert haben. 

Schon Yarro schreibt de lingua lat. 6, 75: ab eo quod semel 
canit, si saepius, cantat; hinc cantitat. Er betrachtete somit 
canto als ein Frequentativum, nicht als ein Intensivum, cantito 
als eine Ableitung davon; genau gleich aber, d.h. durch saepius, 
erläutert er die Bedeutung der Doppelfrequentativa 10, 30, indem 
er die verschiedenen Species der Yerba u. a. herleitet: ab semel 
et saepius ut scribo lego, scriptitavi lectitavi. 

Doch auch Gellius selbst lehrt nichts anderes; denn wenn 
in der einen Stelle die Erklärung schon in dem Ausdruck verba 
frequentativa liegt, wird an der anderen die Kraft der Verba 
vexare taxare quassare iactare durch fusius largiusque, gravius 
violentiusque, aber auch durch pressius crebriusque erläutert, und 
von vexare im Vergleiche zu vehere gesagt: vi atque motu procul 
dubio vastiorest. In dem Vergilverse Eclog. 6, 76, um den sich 
dort der Streit dreht, ist allerdings an vexare die wiederholte 
Handlung nicht die Hauptsache, und darum konnten auch zur 
Rechtfertigung des Dichters nicht Yerba von streng bewahrter 



Die Verba frequentativa und intensiva. 211 

Frequentativbedeutung angeführt werden; aber dafs Gellius auch 
ein crebrius, d. h. saepius oder frequeutius in diesen Formen an- 
erkennt, beweist zur Genüge, dafs er, so verschieden auch die 
Anwendung einzelner Worte sich gestalten mochte, doch die 
ganze Gattung nicht von den Frequentativa getrennt wissen wollte. 

Da ferner Festus die Freq. aller Bildungen regelmässig mit 
saepe erklärt, so mufs dies bei den altern Grammatikern (Yerrius 
Flaccus) ganz gewöhnlich gewesen sein. Vgl. p. 27, 18 M. ab- 
nutare: saepe abnuere. 27, 8 arvocitat: saepe advocat. 28, 15 
auditavi: saepe audivi. 61, 18 coquitare pro coctitare, id est fre- 
quenter coquere, Plautus posuit. 89, 3 futare Oato pro saepius 
fuisse posuit 121, 12 latitaverunt Gato posuit pro saepe tulerunt. 
133, 15 mantare: saepe manere. 167, 9 natare est saepius uare, 
ut dictitare, factitare. 177, 7 nictare et (est?) oculorum et alio- 
rum membrorum nisu saepe aliquid conari. 191, 1 opertat: saepe 
operit. 201, 31 obsonitavere: saepe obsonavere. 205, 10 prae- 
ceptat in saliari carmine est: saepe praecipit. 226, 14 prolicitare: 
saepe prolicere. 261, 16 quassare est saepe quatere. 379, 9 ver- 
beritare Cato frequentative ab eo quod est verbero dixit. 

Aber auch die ganze jüngere Litteratur der Grammatik ver- 
harrt ohne Ausnahme auf diesem Standpunkte. Uaper, orthogr. 
105, 3 K. Frequentativa sunt caenito, pransito, lectito ... ex 
hac nota sunt ito habitoque. Porphyr. Hör. Sat. 1, 6, 122 lecto 
frequentativum est ab eo quod est lego. Charisius p. 255, 25 K. 
erklärt sowohl dictitare als datare durch saepius; Diomedes 
p. 344, 20 mersare durch saepius mergere; Placid. gloss. 65, 9 
Deuerl. Mulsito: frequenter mulceo. 79, 2 raptari: frequenter rapi. 
Macrob. Exe. Bob. 21 traetare est saepe trahere. Cledon. p. 18, 8 K. 
Frequentativa canto [cantas, cantito] cantitas. Pompeii Gomment. 
p. 220, 25 K. Frequentativa aliquando conscendunt in duos gradus 
. . . nt curro, curso, cursito, und ähnlich Consent. 376, 20 K. 
Priscian 8, 74 (p. 429, 20 H.) est alia species derivativorum in 
to vel so vel xo desinens (also ohne Unterscheidung einer Klasse 
auf -ito), quae frequentiam actus significant etc. 

Endlich werden in den Glossaren Verba auf itare und tare, 
sare gleichmäfsig durch frequenter, d. h. als Frequentativa erklärt, 
nämlich Gloss. abav. territant: terrent frequenter; uolitat: fre- 
quenter uolat; bei Papias iactitat: frequenter iaetat; imperitat: 
frequenter imperat; agitare: frequenter agere ; Vati o. 3321 dictitat: 
frequenter dicit; Gloss. abav. facti tat: frequenter facit, officit; 



212 Ed. WölffHn: 

Gl. asbest. rogitat: saepius rogat; Gloss. aa fugitat: frequenter 
fugit; bei Papias fluitare: frequenter solvi; crepitare: frequenter 
sonare. Aber auch bei Papias raptare: frequenter rapere, trahcre; 
iactare: frequenter iacere; Gloss. abav. reptaverat (raptaverat): 
saepius traxerat; Gloss. aa lapsari: saepius lauit (labitur); men- 
sare: saepius mingere; Sangall. 912 pressant (ich vermute prae- 
cessant): saepe praecedunt. Placidi gloss. 65, 9 Deuerl. Mulsito: 
frequenter mulceo; 79, 2 raptari: frequenter rapi. 

Die Ansichten der neueren Grammatiker, welche in der Mehr- 
zahl der Scheidung in intensiva und frequentativa beitreten, zu 
registrieren ersparen wir uns und dem Leser aus dem einfachen 
Grunde, weil wohl für Wahrheiten zahlreiche Belege erwünscht 
sind, nicht aber für Irrtümer. Es genüge daher auf R. Kühnen 
ausführt. Gramm, der lat. Sprache I (1877), 643 f. zu verweisen 

4. Die Bedeutung des Suffixes nach den Alten. In dem 
ältesten Namen, Yerba frequentativa, sowie in der ältesten Er- 
klärung mit saepe (saepius) liegt ausgesprochen, welchen Sinn 
die alten Grammatiker in den genannten Verbalbildungen ge- 
funden haben; auf das nämliche läuft der Name Iterativa bei 
Diomedes p. 344 K. hinaus, und in der Erklärung konnte man 
frequenter statt saepe gebrauchen, sei es um an den älteren 
Namen der Verba anzuknüpfen, sei es, weil das absterbende 
saepe überhaupt durch frequenter und ähnliche Adverbia ersetzt 
worden und schon bei Petronius saepe selten, frequenter häufig 
ist. Vgl. des Vf. Latinität des Cassius Felix 410 f Donat zu 
Ter. Heaut. 260 cantabat] hoc est frequenter dicebat. Pompeii 
Comment. p. 221, 17 E. frequentativum verbum est, quod saepe 
nos aliquid agere ostendit, ut est lectito, id est frequenter lego. 
Gloss. abavus Lapsantem : subinde (souvent) latentem (lies laben- 
tem). Man kann diese Interpretation der Grammatiker auch durch 
Stellen von Klassikern stützen wie: Plaut. Pseud. 726 saepe usi- 
tatus; Bacch. prol. 66 itat ad eum frequens; Novius 73 saepe 
grassari; Livius 9, 18, 6 dictitare solent. Plin. nat. h. 25, 51 
saepius sumptitare. Tac. 12, 3. 15, 52 crebro ventitare. Gellius 
11, 13,5 saepius lectitare, obwohl ein Beweis damit darum nicht 
zu führen ist, weil, wie sich bald zeigen wird, auch andere Ad- 
verbia zur Verstärkung der Frequentativa gebraucht worden sind« 
Damit ist freilich nicht gesagt, dafs mit dieser Formel der ganze 
Gedankeninhalt des Suffixes erschöpft sei. 

Sah man in den Frequentativa den Ausdruck der mehrmals 



Die Verba frequentativa und intensiva. 213 

«riederholten Handlung, so konnte man in den sogen. Doppel- 
frequentativa auf tito und sito den der sehr oft oder gar ständig 
wiederholten Handlung finden, da sie an Kraft unstreitig den 
enteren fiberlegen sind. In diesem Sinne schrieb der Vf. der 
Excerpta Charisii p. 563, 4 K.: quaedam verba semel quid factum 
significant, ut lego, quaedam saepius, ut lecto, quaedam semper, 
ut lectito, curro curso cursito-, und gerade das nämliche Verbum 
lectito interpretiert ja Virgilius grammat. p. 140, 12: qui omnino 
legere non desinet. Auch die Deutung von Diomedes p. 344, 30 
exercito = assidue exerceo (vgl. Glos 8. abav. Minitantur: assidue 
minantur) neigt sich eher nach dieser Seite, und in der verwor- 
renen oder verdorbenen Fassung der Differentiae sermonum p. 43 
ed. J. W. Beck: Canere est semper cantare (man erwartet: can- 
titare est semper canere) vel suavi modulatione, cantare autem 
Bolummodo voce (franz. chanter) vernimmt man noch einen Nach- 
klang dieser Definition. Auch hier würde es nicht schwer fallen 
eine Reihe ähnlicher Stellen aus Klassikern beizubringen wie: 
Plaut. Gapt. 298 sedulo occultare. Ter. Phorm. 743 semper dic- 
titasti. Cic. p. Quinct. 68 semper id clamitat; Verrin. 5, 60. Phil. 
2, 41 semper facti tare. Suet. Caes. 45. Calig. 52. Vit. 2 perpetuo 
und assidue gestare. — Eine wesentlich verschiedene Auffassung 
liegt hierin gewifs nicht, sondern nur ein Gradunterschied, und 
darüber kann die Grammatik nicht im ganzen, sondern die Inter- 
pretation nur im einzelnen entscheiden. Und schliefslich, ob 
saepe, saepius, saepissime, semper, alles dies findet Raum unter 
den Frequentativa. 

Unter den Grammatikern war aber, abgesehen von Gellius, 
wenigstens einer, welcher auch mit dem Namen Fr. nicht mehr 
auszureichen glaubte. Die Explanatio in Donat. Gr. lat. IV 548, 19 
sagt: frequentativa et plus nescio quid significantia, ut 
dicto (wenn nicht dictito zu schreiben ist, da der hier allein 
maßgebende cod. L dicito hat), cursito. Nach Virgil. gramm. 
136, 25 sprach man in der Schule des Galbungus nicht von der 
forma frequentativa, sondern von der adiectiva, dicentes eam 
non litteris modo, verum etiam sensibus adiciendam esse. Quidam 
accumulativam vocitarunt; cum enim dicis victito, hoc intellegi 
das, quasi id dixeris magis ac magis vinco. Was also die neueren 
Grammatiker mit dem Ausdruck Intensiva meinen, das haben 
die älteren nicht gefühlt, nicht ausgesprochen, oder doch der 
Benennung von der Wiederholung untergeordnet. 



214 Ed. Wölfflin: 

Indem wir die Anerkennung einer zweiten Bedeutung weiter 
verfolgen, müssen wir auf Verrius Flaccus (Festus) zurück- 
kommen, der so viele Frequentativa namentlich der archaischen 
Litteratur zu erklären Anlafs hatte, und in der Kegel (vgl. oben 
S. 211) mit saepe durchzukommen glaubte. Nur ein anderer Aus- 
druck ist es ja, wenn er p. 88 M. schreibt: fatantur, multa fan- 
tur, und auch wo er eine Nüancierung des Gedankens annimmt, 
hält er doch an der Grundbedeutung fest, wie 29, 2 adnietat: 
saepe et leviter oculo annuit, und 201, 1 ostentas: saepe ostendis 
(floriandi causa. Die neue Bedeutung schliefst somit die alte nicht 
aus; sie entwickelt sich vielmehr aus derselben und verbindet 
sich mit ihr. Wir müssen seinem Zeugnisse um so gröfseres 
Gewicht beilegen, als er manche Frequentativa aus Cato anführt, 
und nach Gellius 17, 6, 2 de obscuris Catonis geschrieben hatte. 
Caeculto (= caeculito) erklärt er 45, 4 caecos imitari und 62, 3 
caecis proximi sunt unter Anführung eines Plautusverses;, allein 
abgesehen davon, ob das Verbum hieher zu ziehen sei, scheint 
auch die Deutung unrichtig und die Fassung des Paulus nicht 
vollkommen zuverlässig. Paulus Festi erklärt grassari ab impdu 
gradiendi. 

Es liegt hier noch eine weite und lohnende Aufgabe vor, 
»Stellen zu sammeln, an denen Frequentativa anders als mit saepe 
erklärt werden. Zur Probe ein Beispiel. Bemerkenswert ist, 
wie sich Ulpian Digest. 42, 4, 7 über latitare ausgesprochen 
hat als Interpret des prätorischen Ediktes: Qui fraudationis causa 
latitabit (das Futurum I nach dem Stile des späteren Juristen- 
lateins; QUI FRAUDATIONIS CAUSA LATITARIT Cic. p. 
Quinct. GO), eins bona possideri vendique iubebo. Wie ein Philolog 
beginnt er mit den Worten: quid sit latitare videamus, und ant- 
wortet dann § 8: latitare est cum tractu aliquo latere (vgl. 
Placid. 73, 19 a mantando, id est diu manendo), quem admodum 
factitare frequenter facere. Adeo autem latitatio an im um et 
affectum oecultantis se desiderat, ut etc. Derjenige, welcher 
als Schuldner sich versteckt hält, um sich den Ansprüchen des 
Gläubigers zu entziehen, thut dies mit Vorbedacht und längere 
Zeit. Und in dem ganzen langen Kapitel hält Ulpian gewissen- 
haft an dem Frequentativum fest. Ebenso 42, 5, 5 fraudationis 
causa latitare; 42, 5, 36 cum, qui circa columnas se oecultet, ut 
creditorem evitet, latitare placet. Doch darf man darum nicht 
sagen, dais nicht auch das einfache latere von der nämlichen 



Die Verba frequontativa und intensiva. 215 

Sache gebraucht werden konnte; schreibt doch derselbe Ulpian 

Dig. 21, 1. 17, 4: qui domi latuisset, ut fugae nactus occasionem 

ae subtraheret. Auch Cicero, welcher in der Rede pro Quinctio 

§ 54. 60. 75. 84. 85. 86 der Sprache des prätorischen Ediktes 

treu bleibt, schreibt doch nach eigenem Geschmacke § 74: quis 

est, qui fraudationis causa latuisse (Quinctium) dicat? Vielleicht 

ist es nicht zufallig, dafs Cicero und Ulpian gerade das Perfekt 

von latitare vermieden haben, da auch in anderen Fällen das 

Frequentativum vorwiegend im Präsens Imperfekt und Futurum 

gebraucht, im Perfekt, Plusquamperfekt und Futurum II dagegen 

vermieden wird. Vgl. Plaut. Trin. 925 latuit, 927 latitabat, und 

Archiv III 559. 

Bei dieser Gelegenheit spricht sich Ulpian auch gegen eine 

Definition von Cicero aus, mit den Worten § 4: latitare est 

non, ut Cicero definit, turpis occultatio sui; potest eniin quis 

latitare non turpi de causa, veluti qui tyranni crudelitatem timet 

aut vim hostium aut domesticas seditiones. Ob man mit Recht 

annehme, diese Definition decke sich mit dem Wortlaute einer 

▼erlorenen Stelle Ciceros (p. Qu int. § 85. frgm. orat. A, 1 ed. 

Baiter-Halm), darf doch bezweifelt werden: denn wenn Cicero 

das turpe als wesentliches Moment in eine allgemeine Definition 

gesetzt hätte, so könnten wir ihm kaum beistimmen, so sehr 

auch die turpitudo im einzelnen Falle zutreffen mag. Begreiflich 

bleibt allerdings, dafe der 'Advokat' die Definition zu seinen 

Guasten formuliert hätte; aber es ist vielleicht auch denkbar, 

dais dem Ulpian Stelleu vorschwebten wie Cic. Rabir. 24 latere 

mortis erat instar turpissimae, oder Sest 89 et vinci turpe pu- 

tavit et latere, oder auch eine ähnliche mit latitare, so dafs er 

sich berechtigt glaubte die Definition als der Auffassung Ciceros 

entsprechend aufzustellen. 

5. Die Ansichten der Neueren. Haben die alten Gram- 
matiker nach dem Vorgange des Varro an dem Begriffe der 
wiederholten Handlung festgehalten und nur ausnahmsweise eine 
intensive Bedeutung anerkannt, so haben die neueren, wie schon 
Gerh. Joh. Voss im Aristarchus V, cap. 44, und nicht mit Un- 
recht, beide als gleichberechtigt genommen. Aber die Frage 
▼erwickelt sich weiter, indem manche die Verba frequ. auch als 
desiderativa erklären, captare = capere velle, dormitare = dor- 
mire velle, so schon der Franzose Hadrian Turnebus im XVI. Jahrh. 
Advers. 25, 15. € verba fr. saepe actionis desiderium et voluntatem 



216 Ed. Wölfflin: 

significant'. Vgl. Jonas, 1871, p. 17 sq. welcher seinem Vorganger 
beistimmt. H. Düntzer (lat Wortbildung 138) wollte einmal 
-itare als Frequentativum von ire fassen, unter Vergleichung von 
infitias ire u. ä., und nahm als Grundbedeutung an 'im Begriffe 
stehen', gab aber diese Etymologie wieder auf. Genauer sagt 
Consentius Gr. lat. V 376, 20: Fr. usu loquendi pro meditativ» 
aut inchoativis usurpantur, ut est dormio dormito. Nam hoc 
dormito magis pro meditativo auf inchoativo dici potest; A h. 
er betont, dafs diese Bedeutung nicht von Haus aus in dem 
Suffixe lag, sondern erst im Laufe der Zeit mifsbräuchlich hinein- 
gekommen sei. Der gute Homer wünscht ja nicht zu schlafen 
(Hör. art poet. 359 quandoque bonus dormitat Homerus), sondern 
er nickt von Zeit zu Zeit ein, kommt aber gleich wieder zu sich, 
gerade wie Demosthenes bei Quintil. 10, 1, 24 cum Ciceroni dor- 
mitare interim (= interdum) D. videatur. Oder bei Plaut Trin. 981 
(dormitas, senex) wünscht der Alte nicht zu schlafen, sondern 
er träumt und ist nicht bei Sinnen. Und wenn man auch Plaut 
Mil. 845. 849 Lor. cassabant cadi nicht als intransitives quassare 
fafst, sondern als Frequentativum von cadere (vgl. Placid. 24, 10 
cassabundum, titubantem), so ist doch die Bewegung des Wackelnß 
eine wiederholte. Wir glauben daher den Begriff des Verlangens 
von der Grundbedeutung fern halten zu dürfen. 

R. Kühner findet in den Intensiva auf tare und sare eine 
Verstärkung, eine Dauer oder ein Verharren in der Thätigkeits- 
äufserung der Stammverben ausgedrückt, in den Frequentativa 
auf itare eine Wiederholung des einfachen Verbalbegriffes. Wenn 
wir nun diese Trennung ablehnen und frequentativum und in* 
ten siv um unter einen Hut zu bringen versuchen, so haben wii 
uns die Sache ähnlich vorzustellen, wie wenn die Deminutiv! 
ursprünglich die Kleinheit, aber auch den Affekt der Liebe au» 
drücken, was ja bei Licht besehen fast auf dasselbe hinausläuft 
da 'meine Kleine, mein Kind' oft = c meine Liebe' ist Leide: 
können wir den Entwickelungsgang nur vermutungsweise be 
stimmen, da die Anfänge unsern Augen verborgen sind und be 
Plautus die Bildungen bereits in üppigster Blüte stehen. 

Nehmen wir an, captare habe ursprünglich bedeutet 'eiiiei 
Griff machen, einen Fang machen' = captum facere, wie aucl 
Pott, etymol. Forschungen IP 477 actitare = actum agere ei 
klärt, so kann man das frequentativum im Gegensatze zu caper 
greifen, fangen wohl ein intensiv um oder ein potenziertes Verbur 



Die Verba frequentativa und intensiva. 217 

nennen. Denn einen Fang machen ist auch in unserer Sprache 
■= einen guten Fang machen, einen Fang, der der Rede wert ist. 
Analog wäre cantare einen Sang machen (resp. inusicieren), d. h. 
nicht nur naturalistisch singen, sondern mit einer gewissen Vir- 
tuosität; dagegen nur signa, receptui canere von dem blofsen 
Signale. Dem Sinne nach wäre dies nicht viel viel verschieden 
Ton captorem esse, ein (geschickter) Fänger (vgl. Vogelfänger, 
Bauernfanger) sein, cantorem esse, ein Sänger sein,. doch mit 
dem Unterschiede, dafs das Verbum seine transitive Kraft be- 
wahrt Durch das Suffix wird die Thätigkeit eine tQchtige, be- 
rufsmäfsige, woraus sich leicht der Begriff der Wiederholung 
entwickelt, da ja nur Übung den Meister macht. Wer als Kan- 
didat manus civium prensat, thut dies sowohl oft als auch in 
bestimmter Absicht und mit einem gewissen Geschicke, wie sal- 
tare von dem gilt, der aus dem Springen eine Kunst oder ein 
Gewerbe macht. Wir interpretieren somit captare r geschickt und 
öfter greifen', nicht 'greifen wollen'. Jedenfalls liegt die Erfolg- 
losigkeit der Handlung nicht im Verbum, so wenig als in chasser 
(captiare), sondern viel eher die Übung des Jägers. Aber auch 
wer das desiderativum zugiebt, darf nicht vergessen, dafs dies 
nur Resultat längerer Sprachentwicklung sein kann, wie etwa 
amaturu8 von amator abgeleitet den Begriff des Zukünftigen erst 
später angenommen hat. 

Einen Beweis, dafs sich in der Frequentativbildung der 
Grundbegriff des Verbums viel fester, gleichsam xar #;oxtjv fest- 
gesetzt hat, finden wir darin, dafs sie den abgeleiteten und bild- 
lichen Gebrauchsweisen des Simplex in der Regel unzugänglich 
ist Terenz sagte Heaut. 434 tuom conspectum fugitat, weil der 
Schuldbewufste sich Mühe giebt dem Geschädigten überall aus- 
zuweichen; doch dürfte man von einem Unwissenden nicht sagen 
hoc me fugitat, weil hier von einer wirklichen Flucht nicht die 
Rede ist Quaerito wird von dem eifrig Suchenden gesagt, aber 
nicht von einer gelehrten Untersuchung: quaeritatur, quis sit 
libri auctor. Imperitare ein straffes Regiment führen, aber nicht 
imperitare frumentum; prospectare in die Ferne sehen, neben 
prospicere pabulum, filiae maritum; ductare exercitum Heerführer 
sein, doch nirgends Optimum ductare, aufser etwa bei einem 
Autor, der kein lebendiges Sprachgefühl mehr besitzt; saltare 
vom Tänzer, doch nicht cor, mica saltat. Weitere Beispiele im 
Philol. 26, 115. 

Archir für Ut Lezikogr. IV. Hoft ± 16 



218 E<L Wölfflin: 

Dir Frequentativform berührt sich in gewissem Sinne mit 
der figura etyniologica; pugnam pugnare und vitam vivere ge- 
braucht man fast ausschliefslich, wenn zum Objekte ein Attribut 
hinzutritt (vitam miseram vivere stärker als misere vivere); das 
potenzierte (konkretisierte) Verbum an sich ist das Frequenta- 
tivum gewesen. Der Name, den die alten Grammatiker wählten, 
war kein besonders glücklicher. 

Den stärksten Unterschied von den Stammverben zeigen 
natürlich die Doppelfrequentativa, z. B. Ter. Eun. prol. 43 igno- 
scere, quae veteres factitarunt (schon oft) si faciunt novi; Cic 
Attic. 7, 12, 6 ad me scribas velim vel potius scriptites, und so 
durchweg bei guten Autoren. Aber selbst bei dem Wechsel von 
Stammverb und einfachem Frequentativum mufs der Interpret wenig- 
stens vorsichtig sein, bevor er eine Identität wie von latere und 
latitare (vgl. S. 214) zugiebt. Plaut. Amph. 821 tu si me inpa- 
dicitiai captas (mit Bezug auf die verschiedenen Versuche und 
Mittel), capere non potes. Ter. Hec. 73 qua via te captent, eadem 
ipsos capi. Claud. Quadrig. fr. 46 dum collega id caperet, quod 
captabat (conatus). Plaut. Rud. 3, 4, 50 postea [tu] aspicito nieum 
tergum, quando ego tuum inspeetavero. PI. Poen. 136 apud aedem 
Veneria man tat. Maneat licet, Menaech. 926 ubi satur suin, nulla 
(intestina) crepitant; quando esurio, tum crepani (metri causa). 

6. Die Entwertung des Suffixes. Es erübrigt zu der Frage 
Stellung zu nehmen, wann und warum die Frequentativa auf die 
Linie der einfachen Stammverba zurückgesunken seien. Man ist 
darin einig, dafs sich diese nicht durch eine allgemeine Formel 
lösen lasse, vielmehr will jedes Wort für sich allein untersucht 
sein. Bei manchen Verben ist die Degradation früher, bei andern 
später, bei manchen gar nie eingetreten, wie denn in speetare 
immer der Begriff des wiederholten, längeren Betrachtens, des. 
Sehens um zu sehen (spectaculum) geblieben ist, im Gegensatze 
zu *specio, conspicio, welches das einmalige Erblicken ausdrückt 
Selbst im Französischen fallen saillir (ital. salire steigen, span. 
salir ausgehen) und sauter durchaus nicht zusammen, und chanter 
ist nicht schlechtweg = canere, sondern in verengerter Bedeutung 
= voce canere, Gellius 10, 9, 1, mit Beschränkung auf die Vokal- 
musik. Man hüte sich also, ein Suffix vor der Zeit tot zu sagen, 
weil an einzelnen Stellen vielleicht das primitivum für den Sinn 
auch auszureichen scheint; eine gewisse Lebenskraft müssen wir 
immer noch anerkennen, wenn das Suffix dem Verbum zwar 



Die Verba frequentativa und intensiva. 219 

keinen höheren Ton, aber doch einen stärkeren Accent giebt. 

Sicher bedeutungslos ist es erst dann, wenn das Stammwort 

untergegangen ist oder doch bei dem betreffenden Autor fehlt; 

also ist franz. jeter = iacere, weil dieses abstarb, gerade wie 

conduire = ducere, weil dieses im Französischen fehlt. Aber 

darum ist etwa Plaut. Trin. 26 nam ego amicum hodie nieum 

concastigabo pro conmerita noxia die Präposition noch lange 

nicht tot, weil wir sie im Deutschen vielleicht nicht übersetzen 

und nicht übersetzen können ohne plump zu werden, sondern sie 

beweist, dafs der Sprechende sich möglichst kräftig ausdrücken 

will, nachdem er Vers 23 gesagt hatte: Amicum castigare ob 

meritam noxiani etc. Über dieses schmähende con vgl. Archiv 

IH 16. 

Wenn daher Jonas sagt, bei dem gröfsten Teile der archa- 
ischen Frequentativa unterliege es keinem Zweifel, dafs sie nur im 
Sinne der Stammverba gebraucht seien, so ist zunächst dagegen 
zu halten, dafs Festus dieselben fast ohne Ausnahme mit saepe 
erklärt hat. Allerdings erklärt er p. 27, 1 appellitasse: appel- 
laase; 76, 6 electabo: eliciam, und 152, 10 Meritavere Cato ait 
pro merere; allein diese Stellen bilden doch eine verschwindende 
Minderzahl gegenüber den S. 211 angeführten, und da sie alle 
nur dem Excerpte des Paulus angehören, Festus aber schreibt 
p. 154, 17 Meritavere: saepe meruere, so ist es noch nicht einmal 
«eher, dafs dieser auch nur an einer einzigen Stelle die Frequen- 
' tativbedeutung nicht anerkannt hätte. Daraus ergiebt sich, dafs 
die Ohren des Verrius Flaccus für den Klang dieser Verba noch 
nicht abgestumpft waren, und dafs er etwas in ihnen fand oder 
suchte. Und doch liegt wahrscheinlich die Wahrheit in der Mitte 
zwischen Verrius Flaccus und Jonas. Die archaische Latinität 
•und nach ihr die Volkssprache aller Zeiten zog die Verba fre- 
quentativa namentlich gegenüber denen der dritten Konjugation 
vor, weil die Endungen der ersten voller klangen, und der den 
Mund gern voll nehmende Mann des Volkes benutzte dieses Mittel, 
am den Worten gröfseren Nachdruck zu verleihen. Verrius aber 
mag nach dem gereinigten Geschmacke des augusteischen Zeit- 
alters interpretiert und darum hie und da ein saepe herausgehört 
haben, wo der Autor selbst es nicht gefühlt hatte, weil die Gram- 
matiker gewohnt waren, die Frequentativa so zu interpretieren. 
Nachdem also bereits Terenz, wie wir oben gesehen haben, 
mehr Ökonomie in die Verwendung der Frequentativa gebracht 

15* 



220 Ed. Wölffliiv. 

hatte, stellten Cäsar und Cicero als Regel auf, alle Frequentativs 
zu vermeiden, die nicht ausgeprägten frequentativen oder inten« 
siven Sinn hatten. Aber die klassische Sprache lockerte selbst ihi 
strenges Gesetz durch zwei Ausnahmen. Einmal zog sie die Fre- 
quentativa als Lückenbüfser heran, so oft das Stammwort irgend 
eine Form nicht bildete, wie auch das Verbalsubstantiv zu polli« 
ceri pollicitatio heifst. Ebenso steht exercitatio (wenn exercitiuno 
nicht ausreichte) zu exercere, und'exercitatus im Sinne von geübt 
während exercitus (vgl. Krebs Schmalz, Antibarbarus) die Bedeu- 
tung von geplagt angenommen hatte. Dadurch wurde die Fusion 
der Stammverba und der Frequentativa vorbereitet, gerade wie 
die der Inchoativa (calesco, caleo) durch das gemeinschaftliche 
Perfekt calui. Vgl. ital. fiorisco, fiorisci, fiorisce, fioriamo, fioritq 
fioriscono = floreo etc. So fehlt also zu cano das Particip Perf 
pass. und es tritt dafür cantatus ein, wie schon Ellendt-Seyfferl 
lehrt: cano, cecini, cantatum, canere. Dafs Prise part. 1, 31 ein 
Particip cantus bildet, will nicht viel sagen, trotz Festus 46, £ 
canta pro cantata, sondern die Ausnahme bestätigt nur die Regel. 
In diesem Sinne bildete man auch zu oeculo das Partie, perf 
oecultatus, weil oecultus Adjektiv geworden war. Sallust mufstc 
Jug. 90 schreiben ineepto suo oecultato, wenn er den Ablatii 
absol. dem Leser zum Verständnis bringen wollte, und die Wort- 
bildung bietet uns nur oecultatio und oecultator, nicht oecultio 
und oecultor. Ja Cäsar, Cicero in seinen Reden und Sallust 
kennen nur das Präsens oeculto, kein oeculo. Wahrscheinlich 
wird man auch die Stammzeiten salio, salui, saltatum, salire zu- 
sammensetzen müssen. 

Invisus konnte wohl ^ungesehen' bedeuten, wenn es neben 
visus oder neben incognitus, inauditus stand; wollte man einei 
Verwechslung mit invisus Verhafst' vorbeugen, so sagte man, 
namentlich seit Livius, invisitatus. Vgl. Cic. har. resp. 57 invisa 
. . inaudita sacra; Liv. 5, 37, 2 invisitato atque inaudito hoste; 
5, 45, 4 und öfters. 

Dazu kam ein zweites, dessen Tragweite vielleicht noch höh« 
anzuschlagen ist. Die Epiker, sicher von Lucrez an, bedienten 
sich der Frequentativa, wo die Stammverba nicht in den Hexa- 
meter pafsten. Aus diesem Grunde wohl hat Lucretius, dem es 
noch so schwer fiel, seinen Vers mit lateinischen Worten xn 
bauen, discrepito und nominito geschaffen, um mit Hülfe diese! 
Formen die dritte Person Praes. plur. bilden zu können: 2, 1011 



Die Verba frequentativa und intenaiva. 221 

discrepitant (weil discrepant uubrauchbar) gegen 1, 634 discrepät; 

uomiuitaot, nominitamus, noniinitarent, nominitanda oft, gegen 

1, 696 nominat. Wir dürfen dies darum um so herzhafter glauben, 

weil andere Autoren, mit Ausnahme etwa des Lucretianers Arno- 

bias, diese Verba kaum gebraucht haben. Und nicht anders müssen 

wir bei Vergil increpito und imperito beurteilen. Verg. 12, 719 im- 

peritet wie Lucr. 3, 1041 imperitarunt gegen imperat; bei Vergil in- 

crepitas, increpitans, nach dem Vorgange eines altern Dichters bei 

Varro 6, 67 quid increpitas mortemque minaris? Die Bedeutung 

dieses Momentes hat schon Köne, Sprache der röin. Epiker 1840. 

8. 158. 168. 181 erkannt, wenn er auch irrtümlich behauptet, 

Livius habe zuerst imperito in die Prosa eingeführt. Sagt man 

inserere manum alicui rei (Ovid am. 2, 15, 11. met. 12, 320) und 

huweris exsertis (Caes. 7, 50) oder auch exsertus humeros, so 

schrieb Verg. Aen. 2, 672 clipeoque sinistram insertabam und 

Statius Theb. 1, 413 exsertare humeros, warum anders als metri 

causa? [Ahnlich schon Plaut Gapt. 79 cocleae suo sibi suco 

munt, und 81 von den mit denselben verglichenen Parasiten 

miseri victitant suco suo, vielleicht um das Gewerbsmässige her- 

Torzuheben.] Verg. konnte Aen. 1, 483 nur raptaverat sagen, 

weil rapuerat sich nicht in den Vers fügte, gebrauchte es übrigens 

mit Fug und Recht als wirksames Frequentativum, weil er es 

mit ter circum muros verbindet. — So gesellten sich zu der Un- 

fögsanikeit der Volkssprache zwei Gegner im eigenen Lager, und 

wie sehr die silberne Prosa im Banne der augusteischen Dichter 

stand, ist männiglich bekannt 

Das Ende des Kampfes ist unschwer vorauszusehen. Im 
Aufange des vierten Jahrhunderts nach Chr. erklärte Nonius, 
der in seiner .Zeit meist entwertete Frequentativa hörte, die alten 
Bildungen ohne das saepe des Verrius Flaccus, p. 75 M. adauctavit: 
awit; 89 conmetare: conmeare; 131 lutavi pro lui; 275 captare: 
capere. Auch bei Vergil fand er keinen Unterschied, p. 65 ex ul- 
nare dictum est exilire; 329 iucrepat et increpitat paria sunt; 330 
Hwultare dicitur insilire, und umgekehrt p. 353 nare est natare; 
183 veget: vegetat; 505 mau tat pro manet. Ahnliches findet sich 
w den Glossen des Placidus, p. 4, 18 D. adsultantes: adsilientes; 
'J, 3 attrectant: adtrahunt; 25, 12 captabat: capiebat; 39, 10 ex- 
tovit: excitavit; 52, 6 habeo: habito. quod nunc frequeutative 
^tum dicitur. c qui hie habet' pro *habitat\ 71, 3 nandi: na- 
^^di; 79 ; 6 resultant: resiliunt. Beide interpretierten nach dem 



222 Ed. Wölfflin: Die Verba frequentativa und intensiva. 

Sprachgebrauche ihrer Zeit und können keine Quellen aus au| 
steischer Zeit abgeschrieben haben. Wir gewinnen damit zugle 
einen Mafsstab rar die Beurteilung der Glossenlitterat 
Denn offenbar gehören die oben S. 211. 212 vorgefahrten BeL 
mit frequenter der altern Periode an, die folgenden dagegen 
jüngeren: Gloss. abav. minitarentur: minarentur; gestare: gerc 
ductabat: ducebat; yalitant (bisher nicht bekannt): valent. i 
cod. Vat. 3321 agitare: agere; sectatur: sequitur; lapsantes: 
bentes; imperitat: imperat. Die Quellen des Papias sind mit 
im grofsen Ganzen älter als die des cod. Vatic. 3321. Dafe a 
die Gloss. abavus verschiedene Interpretationen neboneinan 
bieten, darf nicht befremden, da dieselben, wie andere auch, \ 
verschiedenartigem Materiale geflossen sind. 

Welcher Grammatiker hat nun zuerst diesen Verfall i 
Form anerkannt? Die grofse Mehrzahl folgte natürlich bis 
späte Zeit der alten Tradition; aber Servius verrät uns in d 
Kommentare zu Donat Gr. lat. IV 413, 1: «Juas Irinas (inch 
tiva, raeditativa, frequentativa) plerique veluti inutiles refufc 
volunt, sed convincuntur secundum rationem naturalem; mu 
cniui sunt, quae proprie explicari nou possunt nisi istis. Di< 
Gegner meinten also nicht ohne Grund, au diesen Formen hl 
man nicht viel und es ginge ohne dieselben auch, da man s: 
mit velle, coepisse, saepe etc. helfen könnte. Sie konnten d 
nur in der Meinung sagen, dafs die Formen an sich doch c 
Anfang, die Wiederholung der Handlung u. s. w. nicht deutl 
genug ausdrückten, und die Inchoativform hat ja in der Tl 
ihren ursprünglichen Wert eingebüfst, wie die Desiderativa 
urio ganz untergegangen sind. Diese plerique (= permulti, ni 
= plurimi) fallen somit etwa in die Zeit des Noniys, der ebei 
die Frequentativforin als eine wirkungslose anerkannt hatte, i 
was man gewöhnlich 'romanisch' nennt, trifft etwa das Lat 
des vierten Jahrhunderts nach Christus. 

München. Eduard Wölfflin. 



Die Yerba auf -illare. 

II. 
C. Yerba, welche sicher von Verbalstämmen abzu- 
leiten sind. 

Das wenige, was hier zu erwähnen ist, führt in die älteste 
Zeit der lateinischen Litteratur zurück. Es sind Verba, deren 
Bedeutung auf die Sprache des täglichen Lebens hinweist, aus 
dwsen Bereich sie nur selten hervorgetreten sind. 

1) Conscribo — conscribillo. Von Varro bezeugt uns 
Nonius p. 82, dafs er für conscripsi conscribillavi gesagt habe; 
man schreibt es daher jetzt Sat. Men. 76 (Bü.): Columna Her- 
culis nsgl do^g: itaque eas inceravi et conscribillavi Herculis 
aäiis vgl. Roeper Philol. IX 232; ebenso 280 schon bei Nonius: 
astrologi non sunt? qui conscribillarunt pingentes caelum. Die 
Bezeichnung des Geschriebenen als „Geschreibsel" wäre um so 
harmloser, als ja im ersten Satze der Schreiber die Spitze des 
Ausdrucks gegen sich selbst wendet. Aber vielleicht liegt nicht 
einmal bestimmt etwas Despektierliches in dem Wort; es mag 
aneh nur 'teils die kleinen Schriftzüge, teils die öftere Wieder- 
holung der Handlung bezeichnen sollen; der mangelnde Zusammen- 
hang läfst keine sichere Entscheidung zu. Nur einmal finden 
wir das Wort noch wieder aus dem sermo vulgaris hervorgeholt, 
bei Catull 25, 1 1 : ne laneum lafusculum manusqae mollicellas inusta 
topiter tibi flagella conscribillent; das Gedicht an den cinaede 
ThaUe y mottior cuniculi capillo enthält auch sonst viele Deminu- 
tiva, die auf den Weichling sticheln; ihm grade mufste schon 
die Drohung mit Geifselhieben die zarte Haut nur so bekritzelt 
zu sehen besonders empfindlich sein. Die Stelle hat den galligen 
Humor, mit dem sonst die Komödie das oft berührte Thema des 
Prügeins anzufassen pflegt. Davon gleich ein zweites Beispiel. 

2) occo — occillo. Plautus Amph. 183: qui tni/ii aduenienti 
06 occillet probe. Die Richtigkeit der Deutung bei Goetz-Loewe 
^reggen" scheint mir durch die dort gegebenen Zusammen- 



224 A. Fuuck: 

Stellungen völlig gesichert, und zwar ist gewifs auch die 
Schreibung occillo der anderen occilio vorzuziehen, da jene als 
Deniinutivbildung wohl begreiflich, diese durch die Überlieferung 
bei „Cyrillus" auch handschriftlich nicht aufser allen Zweifel ge- 
setzt ist (vgl. für ähnliches Schwanken z. B. couspicillum — con- 
spicilium bei Locwe Prodr. 280 f.). Freilich weifs ich weder für 
occo noch für ßakoxoTtcS oder ßcoloörQOtpä diese bildliche Ver- 
wendung nachzuweisen; aber die Annahme eines solchen axa% 
eiQtiiisvov in der Komödie ist darum doch nicht zu kühn. Jeden- 
falls ist weder das oscillet von Osbern, noch Dousas ossillet, 
noch suggillet (Scriverius-Gertz) wahrscheinlicher; wollte man 
ändern, so liefse sich auch an ein occellet oder auch occellat 
von dem bei Loewe prodr. 100 erschlossenen occello denken« 

3) sorbeo — sorbillo. Das Wort ist schon von alten 
Grammatikern öfter besprochen und zwar durchweg in dem glei- 
chen Sinne, dafs es ein Beleg deminutiver Verbalbildung sei. 
Hier die Zeugnisse: Diom. 345, 23: sunt item deminutiva a per- 
fecta forma, id sorbillo; Cledonius 54, 31: sunt quasi diminutiva, 
qttae a perfecta forma veniunt, sorbillo sugillo (Donat IV 382, 3) 
isla sorbillo et sugillo velnt diminutiva sunt, sed diminutiva tum 
sunt, sed magis dcrivativa. nam a primis significationibus his <fe-" 
sccndunt, ab eo quod est sorbeo et stigo; Pompeius Comuientum 
221, 1: hoc etiam in verbis possumus invenire, ut sit verbttm prin- 
cipale et faciat diminutivum, ut est sorbeo et sugo [sugeo AB), ista 
principalia sunt; fiunt inde diminutiva sorbillo sugillo; Cassio- 
dorius de orat. II de verbo: sorbeo sugo: fit inde quasi diminutio 
sorbillo sugillo. Sunt sine originc perfectae fortnae, ut vacillo, pitisso, 
non enim facit pito vaco. Überall ist die Schreibung mit 11 durch hand- 
schriftliche Überlieferung wie durch die Beziehung auf deminutive 
Wörter gesichert. Nicht so ganz an den wenigen Stellen, wo das 
Wort in der Litteratur wirklich gebraucht wird. Terentius Ad. 
501 schreibt Umpfenbach mit dem ßembinus: cyathos sorbilans 
panlatim hunc producam dient, ebenso Fleckeisen und Dziatzko; 
die anderen Handschriften haben den doppelten Konsonanten, 
welcher metrisch wenigstens nicht unerträglich wäre, vgl. Dziatzko, 
Einleitung zum Phormio S. 25. Aus ähnlichen Stellen mag sich 
dann Apuleius auch diese Rarität wieder hervorgeholt haben; 
dafs er das Wort als Deminutivum auffafste, zeigt er Met. 2, 16: 
idque modico prius quam totum cxsorbercm clementer invadit ac 



Die Verba auf -illare. 225 

relictum ptillulatim labeUis minucns meque respicictis sorbillat dxil- 
cäer; hier ist dies die einzig beglaubigte Schreibung, während Met. 
3, 14: oculos Fotidis meae udos ac tremnlos et prona libidine mar- 
cidos iam iafnque sctniadoperttdos adnixis et sorbillantibus sa- 
viis sitienter hauriebam — der cod. Laur. einfaches 1 bietet. Die 
übertragene Bedeutung bedarf keiner Erklärung. Aus den Glossae 
„Tsidori" führt Vaniöek 1229 noch ein sorbillator: degulator an. 
Auch die bei Plautus Poenulus 397: uictitandum sorbilo sowie 
bei Caecilius com. fr. 73: sine suam scnectutcm ducat usqiw ad 
Senium sorbilo bezeugte adverbiale Wendung sorbilo soll nicht 
unerwähnt bleiben. Bei Caecilius (aus Festus p. 339) beruht 
sorbilo auf Bentleys Verbesserung des überlieferten sorbitio (Spengel 
sorbito, Grauert sonticum), welchem die Schreibung mit 11 noch 
näher bliebe; an der Plautusstelle hat wenigstens cod. F. sor- 
billo, was man an dieser Versstelle schon mit Hinweisung auf 
solche Verkürzungen wie Stichus 226: cauillationes rechtfertigen 
mutete. Es läfst sich nämlich nicht leugnen, dafs eine echt demi- 
nutive Form hier, wo von den kleineu Bissen des armen Schluckers 
die Rede ist, sehr wohl passen würde. Doch mag man hierüber 
denken, wie mau will, für das Verbum steht fest, dafs die Gram- 
matikerzeugnisse doppeltes 1 fordern, die Handschriften es wenig- 
stens nicht verbieten. Ist es danach nicht wohl berechtigt, das 
Wort mit anerkannt deminutiver Bedeutung auch zu schreiben, 
wie sonst ähnlich klingende Deminutiva meistens geschrieben 
werden? Dennoch thut man gut die Entscheidung, welche auch 
für andere Fälle mafsgebend sein wird, vorsichtiger zu formu- 
lieren. Zwar darüber liefse sich hinwegkommen, dafs eigentlich 
nur -lo das deminutive Suffix ist-, wo sonst eiii i vor demselben 
steht, ist die Weiterbildung zu illo in eben dieser Schreibung 
fast aus3chliefslich herrschend; vgl. Corssen II 527 ff.; nur equila, 
nubilus und vielleicht mutilus — mutilare (Corssen II 153) könnte 
man ausnehmen. Viel wichtiger ist dieses. Wir wissen, dafs 
überhaupt das Lateinische im Inlaut oft zwischen einfachem und 
doppeltem 1 schwankte, wozu Corssen I 226 f. zahlreiche Belege 
giebt, Ott, JJhb. 1874, 1,860 die in der Volkssprache übliche Zurück- 
nahme des Tones auf die Stammsilbe dieser Verba zur Erklärung 
heranzieht.*) Die Handschriften mögen also auch in diesem Falle 

*) Selbst für pugilor, pugilatus u. ähnl. liest man an mehreren Stellen 
gut beglaubigt 11; und doch zweifelt niemand, dafs diese Wörter von pugil 
and nicht etwa von pugillus „die Handvoll" herzuleiten sind. 



226 A. Funck: 

die Unsicherheit der Aussprache wiedergeben, «und man gewinnt 
einen neuen Beleg zu dem Corssenschen Satz: „Aus diesen Schwan- 
kungen der Schreibweise erhellt, dafs 11 im Inlaut lateinischer 
Wörter, da das zweite 1 nach Plinius sehr dünn lautete, dem 
einfachen 1 sehr ähnlich klang."*) 

D. Yerba, bei denen wenigstens Anlehnung an Verbal- 
stämme angenommen wird. 

1) focillo. Wieder ist die Überlieferung sehr schwankend, und 
die Herausgeber haben daher bald focilo, bald focillo vorgezogen. 
Will man der Etymologie folgen, so ist doppeltes 1 mehr be- 
rechtigt, sobald es gelingt, deminutiven Charakter an dem Worte 
nachzuweisen. Kessler sowohl wie Schwabe behaupten ihn be- 
stimmt, ohne der Bedeutung weiter nachzugehen. Die Schwierig- 
keit das Wort unmittelbar von fovere abzuleiten, verkennt aber 
Schwabe keineswegs, und sie ist auch durch Corssens Annahme 
(Krit. Beitr. S. 57) eines Stammes fogu — *foguere — fovere, 
welches eben doch nur eine Annahme ist, nicht gelöst; nach 
sorb-illare, conscrib-illare erwartet mau doch fov-illare. Mindere 
Schwierigkeit bietet Vaniöeks Deutung, welche sich ähnlich schon 
bei Gros ad Suet. Aug. 17 findet. Wenn man zu focnlus bei 
Nonius p. 10, 11 ein foculo = foveo findet, aus üloss. Labb .**) ein 
focillus „kleiner Herd" überliefert wird, so würde freilich zunächst 
ein von diesem Concretum abgeleitetes Verbum nur etwa be- 
deuten „mit einem kleinen Herd in Verbindung bringen" oder 
„einen kleinen Herd machen". Das ist aber gar nicht der Sinn 
des oft gebrauchten Wortes. Vielmehr heifst es „(durch Erwär- 
mung) wiederbeleben, hegen und pflegen"; die Bedeutung weist 



*) cantilo, welche» man doch wohl am leichtesten aus canto mit einer 
Anlehnung an cantilena herleitet, steht nur viermal bei Apuleius und jedes- 
mal in den besten Handschriften mit einem 1. Die deminutive Bedeutung, 
welche Georges durch die Übersetzung „trillern" anzudeuten scheint, ist an 
keiner Stelle geboten; es fällt also auch diese Stütze für 11 fori Das Wort 
verdankt seinen Ursprung wohl nur der affektierten Laune des Apuleius. 
Met. IV 8: strepitu cantilant sc. iuvencs; Flor. 3 (K. 4, 14): gratissime 
cantilat sc. Apollo; 15 (K. 17, 17): quos Anacrcon cantilat; 17 (27, 8): 
in solitudine cantilavit »Orpheus in silvis, inter delphinas Arion" (=- Verg. 
Ecl. VIII 56). Du Cange führt das Wort in gleicher Bedeutung aus einem 
späten Autor an; mit welchem Recht er 11 schreibt, weifs ich nicht zu sagen. 
**) Die Redaktion inufs diese (Jitatione weise stehen lassen, bis wir das 
Corpus glossarum besitzen. 



Die Verba auf -illare. 227 

also allerdings gradeswegs auf fovere hin, mit welchem es z. B. 
bei Fronto p. 88, 5, bei Cyprianus ep. 18, 2 p. 524, 11 eng ver- 
bunden wird. Vielleicht ist es erlaubt, die Form so zu erklären, 
dafe unter dem Einflufs der oft gehörten Nomina focus und fo- 
culos das c in das Verbum eindrang*); die Bedeutung legte eine 
Anlehnung an Koseformen nahe. Von einer eigentlichen Er- 
wärmung des Korpers ist an keiner Stelle die Rede; die sinn- 
liche Bedeutung ist sogar überhaupt seltener belegt als die über- 
tragene. Fronto erzählt p. 88, 5 von sich, die Cholera habe zwar 
den Ärzten nicht einmal die occasio ac tempus fovendi gelassen; 
schließlich doch: focilatus totus sum\ bei Plinius ist es zweimal 
in den Briefen von jemand gesagt, welcher sich von heftigen 
Schlägen erholen niufs: ep. 3, 14, 4: aegre focilatus; 3, 16, 12: 
focilata . . . inquit; ganz ähnlich bei Cyprianus ep. 40 p. 586, 5: 
der Leidende ist zwar semiustidatus et lapidibus obrutus et pro 
mortuo derelictus, allem der Sorge der Tochter gelingt es, ihn 
zu finden: seniianimis inventus et extracttis et focillatus a comir 
tibns . . . retnansit invitus; Pelagonius 30 p. 105: cibariis foci- 
Utur.**) Wieder einmal ist die bildliche Verwendung viel älter 
bezeugt; aus Varro hat es uns Nonius als Deponens erhalten 
481, 12: de vita P. R. 2 fr. 7: prqpter secundas sublato metu 7 non 
in commtmi spcctant, sed sutim quisque diversi commodum focila- 
tur (alii focillantur), dann im Aktiv bei Seueca epist. 13, 14: 
pudet me ibi sie tecum loqui et tarn lenibas te remediis fo ciliare; 
Sueton. Aug. 17: M. Antonii societatem setnper dubiam et incertam, 
reconciliationibusqiw variis male focillatam, abrupit tandetn; Cy- 
prianus ep. 18, 2 p. 524, 11: ceteram quoqtte partem plebis qttae 
lopsa est praesentia vestra fovete et ut a fkle et misericordia Do- 
*m non deficiant vestro solacio focillatc; Hieron. epist. I 32, 2: 
faplici pietatis officio focillavi. Man sieht, wie die lindernde 
Heilkraft der Wärme von körperlichen auf seelische Leiden über- 
tragen wurde, ein Bild, welches ja auch unseren Anschauungen 
wohl vertraut ist Dafs bei einem Worte von solcher Bedeutung 
Zusammensetzung mit re- nahe lag, ist offenbar, und so findet 



*) Auf foculo wage ich nicht mich bestimmt zu berufen, da die Worte 
"e* Nonius: focula dieta sunt nutrimenta; unde et focularc dicitur ut fo- 
t>€r ^ über den Gebrauch und Sinn des Wortes doch gar zu wenig Deutliches 
^saagen. 

**) Vgl. Festus 85, 6: focus, f Omenta, focillationcs, foculi a fovendo, 
G«t calefaciendo dieta sunt. 



228 A. Funck: 

sich denn in der That rcfocillo in späterer Zeit besonders häufig. 
Zwar Sencc. ben. III 9, 2: efficacibus remcdiis refocillasse lugen— 
tan gilt jetzt für unecht, und an den beiden oben genanntem. 
Stellen aus Plinius' Briefen steht jetzt das Simplex; desto öfter- 
begegnet man dem Kompositum bei Kirchenschriftstellern von. 
Hieronymus an bis auf Paulus Diaconus hinunter, ja noch später. 
Der sinnlichen Bedeutung von refoveo z. B. Apul. Met. IV 8: lavacro 
refoti blieben am nächsten Stellen wie Hieron. ep. II 108, 7= 
rcfocillato paululum corpusculo } vita Malchi § 10, ep. II 108, 14; 
I 1, 14; Vulg. Judic. 15, 19; Judith. 7, 7; Thren. 1, 11; 1. Regg. 
IG, 23 (überall ltt; Aethicus V, 65 p. 44, 28: refocillatas . . . 
vires; Cassian coen. inst. 3, 9; Hist. misc. XX 33 und noch Poetae 
aevi Carol. II 268 I: ad rcfocillandum corpus (aus Heitonis visio 
Wettini etwa v. J. 824). Danebenher geht zu allen Zeiten die 
übertragene Verwendung; schon iu dem herrlichen Gebet des 
Augustinus am Schlüsse der Meditationen heifst es: pota tue In- 
terim fletibus meis, refociUa me doloribus meis (41); ebenso roa- 
nuale 9: quibus tamlem refocillatus delictis . . . in te requicsco; 
und so öfter z. B. Hier. Orig. Hom. Luc. 227 B Migne: trepidantem 
refociUat; auch noch bei Paulus Diac. (M. 95) S. Arnolfi vita 
733 c: ut . . . innumerdbilis virorum ac imdicrum caterva ad eum 
refocillanda festinaret Man hat hier also offenbar ein Wort, 
welches iu der ganzen späteren Latinitiit gut eingebürgert war, 
uud für jene Zeiten bedurfte es mindestens nicht erst einer 
Erklärung, wie sie Georges aus Gloss. Labb. und Thomae 
Thes. beibringt: t) refocilat (so!) ävccxtärai xbv leixofrviiyoccvtif 
(= Philox. p. 185), vgl. Thoni. thes. 213: „refocilo, nutrirc et inde 
refocilatus, a, um"; refocilat io Thoin. thes. 213. Ich habe die 
Belegstellen überall in der Schreibung der besten Ausgaben ge- 
geben: 1 wechselt mit 11; das letztere dünkt mir auch hier durch 
die wahrscheinliche Etymologie und die der deminutiven nahe 
stehende Bedeutung als da* ursprünglichere begründet Es 
scheint, dafs hier wie öfter die deminutiven Formen die Stamm- 
wörter foveo — refoveo in späterer Zeit allmählich zurücktreten 
liefsen. 

2) obstri(n)gillo. Wieder ist zu einer Entscheidung über 
die Schreibung nur zu gelangen, wenn man auf Grund der fest- 
stehenden Bedeutung den Ursprung des Wortes zu erklären ver- 
sucht. Aus offenbar lebhaftere in Gebrauch im ältesten Latein 
ist e> nur spärlich in die spätere Zeit hinübergerettet Bei No- 



Die Verba auf -illare. 229 

nius 147 lesen wir: obstringillare, obstarc. Ennius Satyrarum 

]ih.U: restitant, occurrunt, obstring illant, ovagitant. Varro Manio: 

lex neque innocenti propter simultatcm obstringillat, neque nocenti 

fropter amicitiam ignoscit. Idem de re publica Hb. V: qui quod 

wvidis tanto scriptori obstringillandi causa, ut cum praeclara 

quaedam, quae laudes. Idem de vita P. R. üb. IV: quod Curio, cum 

AJ fecisset, dicebat amicis, ut Uli renuntiaretur, se obstringilla- 

turum, ne triumphus decerneretur aut ne iterum fieret consul. Dazu 

finden wir in unserm Varrotext de re rust. I 2, 24: tu } inqutt, 

mvides tanto scriptori, et obstrigillandi causa siglinas repreliendis; 

ferner Varro Sat. Men. 202, 5 R (= 436 Bü.) : aemulum illius artis 

atque obstrigilatorcm, quapropter aliquot annos quaesti nihil fe- 

cerit; hier ist jedoch bei Nonius 492 überliefert öbtrigilatarem } 

jenes Verbesserung der Aldina, Bücheier schreibt obstrigülatorcm. 

Auch Isidorus orig. X 200: obtrcctator . . . qui obstringillando 

offiriendoque non sinat quetnpiam progredi et augescere mag auf 

dem Sprachgebrauch . einer älteren Zeit beruhen, und es bleibt 

somit nur eine einzige Stelle eines nachchristlichen Schriftstellers 

übrig, welche auf einer freilich wohl sicheren Konjektur beruht, 

Seneca ep. 115, 6: nemo, inquam, non amore eins arderet, si nobis 

Harn videre contingeret (sc. faciem boni viri): nunc enim multa 

obstrigillant et aciem nostram aut splendore nimio percutiunt, 

aut obscuro retvnent; der Gegensatz folgt gleich: aciem animi libe- 

rare inpedimentis. Offenbar ist nach diesen Beispielen Nonius' 

- Wiedergabe durch obstare richtig. Auch seine Schreibung ob- 

stringillo? Darüber wird gestritten. Kettner, Krit. Bern, zu Varro 

und lat Gloss. Rossleben 1868 S. 21 macht darauf aufmerksam, 

dafs de re rust. I 2, 24 die älteren Ausgaben vor Victorius obstrigi- 

gilandi haben und diese Form auch der Leidensis des Nonius 

p. 147, 13 bietet; auch das erwähnte obtrigilatorem bestätige 

diese Schreibung, nur eine falsche Etymologie habe in Anlehnung 

an conscribillo u. a. verführt obstringillo zu schreiben; das Wort 

sei abzuleiten von strigilis. Vermutlich denkt er sich die Sache 

so, dafs eine ähnliche Anschauung wie bei unserem „gegen den 

Strich reiben" zu Grunde liege, obwohl er das nicht sagt. Ein 

strigilare, welches Kettners Annahme stützen könnte, fehlt; er 

selbst giebt zu, dafs die Lesarten des Lemma wie der übrigen 

Nöniusstellen für obstringillo sprechen. Man wird danach doch 

versuchen, ob nicht eine Erklärung dieser Schreibung möglich 

ist. Die obstrigilli, von denen Isidorus 19, 34, 8 erzählt: obstrigiUi 



230 A. Funck: 

sunt, qui per plantar cmsuti sunt, et ex superiore parte corrigii 
trahitur, ut constringantur : unde et nominantur bringen uns nicl 
weiter; die bei Du Cange genannte Stelle aus Hincmar Reni.I65( 
wo die obstrigilli Leute sind, welche obstrittgant Jmmanorum aän 
oculmum wage ich nicht zur Deutung eines so alten Worte 
heranzuziehen. So bleibt nur das Verbuni obstringo, an welche 
doch offenbar diejenigen, welche obstringillo schrieben, dachte] 
Von dessen verschiedenen Bedeutungen liegt hier am nächste 
die bildliche „(in Schwierigkeiten) verwickeln"; Beispiele sin 
häufig, ich nenne nur die Verbindung mit scelere, sceleribti 
Cic. II Verr. I 8; IV 71; parricidio pro Sulla 6; conscientia sa 
leris Liv. IV 17, 5; aere alieno Cic. XI Farn. 10 ad fin.; debit 
Seneca VT. Benef. 11; legibus Cic. 2. Inveni 45. Dafs das Bh 
dende als eine Widerwärtigkeit, ein Hemmnis empfunden win 
ist leicht begreiflich. Schwierig dagegen ist die deminutiv 
Form zu erklären. Das einzige scheint mir anzunehmen, d&J 
in jener Zeit Wörter wie das gleichfalls Varronische conscribill 
häufig genug waren, um Analogiebildungen zu ermöglichen, od 
dafs das Deminutive hier jene böse Nebenbedeutung hatte, toi 
welcher Wölffiin a. a. 0. schlagende Beweise giebt. Es wflnl 
also übersetzt werden mit „kleinlich im Wege stehen, ver 
wickelnde Schwierigkeiten bereiten". Wollte man für die For 
inen ohne n andere Gründe als blofse Schreib versehen suchen 
so wäre an das häufige Verklingen des lateinischen Nasals n 
erinnern. 

3) Kein einziges der hierher gehörigen Verba hat soviel fl 
reden gegeben wie Hii(g)gillo. Eingehend hat zuletzt Ott in de 
Anzeige von Rönsch, Das neue Testament Tertullians, JJhb. 1874 
1, 858 ff. über die höchst schwankenden Schreibungen und wech 
selnden Bedeutungen des Wortes gehandelt, sugilo und suggil 
werden durch die Tonversetzung auf die Stammsilbe erklär 
welche die Verdoppelung des g nach sich zog; ob sugillo od< 
suggillo richtiger sei, mufs die Etymologie entscheiden. Hild 
brands Ableitung (zu gloss. Paris. S. 279) von gula wird m 
Recht verworfen, ebenso die des Festus 302, 27 von gr. xvlo 
Auch Rönsch's Versuch a. a. 0. S. 604 suggilo mit sub cilio co 
hindere zu erklären hält nicht Stich; von allem Lautlichen a 
gesehen sind doch die paar Stellen, wo das Verbum gr. xwomdl 
wiedergiebt — cod. Vindob. Luc. 18, 5; gloss. Philox. p. 206 su 
gillat: jrAijtftfff, vitcima noui, suggillatio: vittoitiaGpog, su 



• Die Verba auf -illare. 231 

gilatns: vx&xiaöfatg; vgl. Georges, Philol. Anz. 1872 S. 139*), 
— zu vereinzelt, um dem weitverzweigten Gebrauch auch viel 
früherer Zeiten zu Grunde gelegt zu werden. Wahrscheinlich hat 
weh Ott sie aus diesem Grunde nicht weiter berücksichtigt. Ott 
selbst geht auf Donatus, Cledonius, Pompeius und Gassiodorius 
larflck, deren Worte oben unter sorbeo angeführt sind; sugillo 
ist ihm ein richtiges Deminutiv um, insofern dieses „nicht nur 
etwas Kleinliches, sondern auch etwas Fehlerhaftes, Karikiertes 
(fgl. conscribillo) bezeichnet." Nun aber das Bedenkliche. Schon 
6. J. Vossius sagte im Etym. u. d. W.: proprio dicitur de ma- 
cnlis quae nimio suetu fiunt; aus der Bedeutung „saugen" leitet 
Ott ebenso erstlich die ab „durch drücken, reiben, stofsen, schlagen 
male verursachen" dann zweitens die übertragene „höhnen, spot- 
ten" so, dafs „das tertium comparationis in der beim saugen 
entstehenden ausstofsung und einziehung des athems durch die 
nue zu suchen ist, worin bekanntlich die alten ein zeichen des 
hohnes und spottes erblickten." Gleich die erste Bedeutungs- 
entwickelung leuchtet mir nicht recht ein. Sollte man wirklich 
im Altertum so oft und so gewaltig haben saugen sehen, dafs 
ttn Verbum, welches ursprünglich doch nur ein wenig, wenn 
such ein malitiöses wenig saugen bedeutete, bald nur noch „blut- 
rünstige Male ziehen, blaue Flecke schlagen" bezeichnen konnte? 
Bier komme ich über ein „non liquet" nicht hinaus. Annehm- 
barer ist die freilich auch künstliche Ableitung der anderen Be- 
deutung des Höhnens und Spottens, weil sie in der That durch 
die umgekehrte Entwickelung bei ftv£o ^vx^ttp ^vxrtjQ^m 
einigen Anhalt bekommt. Mir scheint, über die Etymologie ist 
auch nach diesem Versuche Sicheres nicht ermittelt. Es wird 
daher wieder unsere Aufgabe sein, vor allen Dingen festzustellen, 
ms welcher Grundbedeutung die verschiedenen Gebrauchsweisen 
nch am ungezwungensten erklären lassen. — Aus dem Altertum 
«fod neben den bereits erwähnten Etymologieen mehrere Über- 
setzungen erhalten, welche die sinnliche Bedeutung festhalten. 
FUcidus 80, 22 sagt: sug illare est yidatn cotistringere, quomodo 
Äetmtis strangtdare. sugillo actiuum, sugillor passiuutn; dazu 
fohrt Deuerling aus dem lib. gloss. an: sugillavit, gulae manum 



*) Man könnte noch Varro Sat. Men. 238 Bö. hinzuziehen: nc filii pa- 
trikus . . . 8uggillent (suggilent L.) oculos hinzufügen; freilich erklärt es 
Nonius hier mit obeludo. 



232 A. Funck: m 

iniecit; das wäre also soviel wie „erdrosseln, zuschnüren"; Tgl. 
noch suggillat: suffocat glos. asbest., sugillare: strangüllare 
cod. Sangall. 912, sugillat: suffocat, stramjulat cod. Vat. 3321, 
sugillat: suffocat, strangulat, inridet gl. Abav., sugillare: gulam 
stringere, suadendo concitare, inridere Papias. Hiermit läfst sich 
auch Nonius* Erklärung mit obeludere wohl vereinigen; nur ist 
in seinem Beleg aus der lex Maenia (s. oben) nicht von der 
Kehle die Rede, sondern die Augen sind der Teil, welcher ge- 
waltsam zugedrückt wird. Eben diese Verbindung aber begegnet 
noch wieder bei Plinius 31, 100: ex ictu vero subfusis cruore ocuüs 
suggillntisve; die Quetschung, welche hier allerdings durch 
einen Schlag bewirkt ist, hiuterläfst sugillationes, vgl. ebenda 
31, 100: sal . . . contra subfusioncs oculorum . . . teritur, privatim 
suggillationibus in linteolo involutus crebroque ex aqua ferventi 
inposiius; 32, 74: reliquae carnes inpositae suggillationem rapiunl; 
andere Rezepte stehen 20, 55: alium . . . suggillata aut liventia 
ad colorem reducit; 28, 132: caseus recens cum ntelle suggillata 
etnendat. Die beiden letzten Stellen beziehen sich nicht mehr 
auf Verletzung der Augen; ebensowenig Seneca ep. 13, 2: non 
potest athleta magnos Spiritus ad certatnen adferre, qui numquam 
suggillatus est: ille, qui sanguinem suum videt e. q. s. (vielleicht 
auch Tertull. Marc. IV 34), und endlich eine ganze Reihe von 
Stellen aus des Gregorius Turonensis Schriften: h. F. 3, 5 p. 112, 
15: suggilatus est = 4, 20 p. 158, 7 sugillatus est; 4, 28 
p. 164, 10: suggillari iussit a jmero; 7, 7 p. 294, 15: sng- 
gillavit; 9, 34 p. 389, 23: domina mea suggillatur ; 10, 8 
p. 414, 15: suggillata reperitur; gl. mart. 87 p. 547, 4: $u- 
gillavi; überall pafst sowohl die Übersetzung „erdrosseln" 
wie „erschlagen"; Forcellini erklärt: suffocare. Dies die Stellen 
mit unzweifelhaft sinnlicher Bedeutung. Mir scheint, folgendes 
ist danach klar. Wie Placidus' Erklärung die Ableitung von 
gula nicht wahrscheinlicher macht, so wenig braucht man sich 
durch die Stellen, wo das sugillare in Verbindung mit dem 
Auge gebracht wird, nötigen zu lassen die schon lautlich kaum 
denkbare Herleitung von sub und cilium begründet zu finden. 
Aus der Bedeutung „quetschen, drücken, stofseu" ergiebt sich 
leicht, dafs auch die sichtbar zurückbleibende Spur dieser Korper- 
verletzung mit eben diesem Worte bezeichnet werden konnte; 
daher die loca sugillata, die sugillationes bei Plinius. Nur glaube 
ich nicht wie Ott, dafs diese letztere die Grundbedeutung ist, 



Dio Verba auf -illare. 233 

und ich mufs gestehen, dafs ich nicht sehe, wie von sugere aus 
zn jener oder dieser Bedeutung zu gelangen ist*) 

Ohne Schwierigkeit aber schliefst sich an diese sinnliche 

Bedeutung des körperlichen Quetschens und Stofsens die häufigere 

des geistigen Verletzens. Dafs die Wunde mehr die momentan 

heftig wirkenden Hohns als die tiefschneidenden Schmerzes ist, 

wird wie bei cavillor grade durch die deminutive Form angedeutet 

sein. Liegt nicht unserni „geifseln" ein mindestens verwandtes 

Bild zu Grunde? Eben diese Übersetzung aber würde an vielen 

Stellen treffend den Sinn des sugillo wiedergeben. So besonders 

bei Valerius Maximus, der wie kaum ein anderer das Wort und 

seine Ableitungen bevorzugt hat: III 2 ext. 1: testari volitit se 

Fulvi crudelitatem sugg illare quam senatus miserkordia uti ma- 

hisse, vgl. IX 2: quem modum sibi ipsa statuet sc. crudelitas, si ne 

suggillationis frenis fuerit revocata? V 3 § 4: invalidae ad hoc 

mmistrum suggillandum lüterae; Senec. de ben. V 22, 3: quodsi 

admonitionis quoque suggillationem ingratis remittimus, segniores 

ad reddenda beneficia faciemus. Diese strengere Bedeutung, welche 

vielleicht auch in dem sugillet: condemnet des gloss. cod. Vai 

3321 Ausdruck gefunden hat, ist ganz vorzüglich dem Tertullian 

eigen; es werden notam innrere, öbiurgare, incusare als Synonyma 

angeführt; Belege: Apol. 4: ad sugillandam odii . . iniquitatem } 

39: coenulas nostras practerquam sceleris infames ut prodigas quoque 

suggillatis, Marc. IV 17, 18, 27; V 14; sugillatio Resurr. 10, 15; 

Apol. 1 1 ; wohl auch Res. Carn. 49 : et hoc enim infttlciens apostolus 

carnem et sangitinem de fructibus ipsorum manducandi et bibendi 

snggillavit („tadelnd nennen"?). Ahnlich Hieronymus Comm. 

Matth. 9, 13: sugillat Scribas et Pharisaeos = „er trifft, rügt". 

Auch sonst aber wird das sugillare kaum je harmlosen Spott 

bezeichnen; der verletzende Hohn, oft sogar ein Schimpf ist die 

Bedeutung der sugillatio. Vgl. Placidus 82, 26 sugillavit: irrisit. 

So schon bei Livius IV 35, 10: primis annis sugillatos 7 repulsos y 

risui patribus fuisse: desisse postremo praebere ad contumcliam os 

sc. viros speetatos, vgl. sugillatio Livius XLIII 14, 5: id non . . . 



*) Die Hauptstütze für die Erklärung von Rönsch, Luc. 8, 15: vindi- 
cabo Warn, ne in novissimo venipns sugg Met me (vnoanuitrj) läfct sich auch 
aas unarer Bedeutung erklären; Luther übersetzt mit „übertäuben"; konnte 
nicht der lateinische Übersetzer ebenso gut das drastische griech. Bild 
durch ein anderes ersetzen und sagen: „dafs sie mich nicht mit Bitten be- 
dränge, gleichsam erdrücke"? 

Archiv fflr Ut. Lexikogr. IV. Heft 2. IG 



234 A. Fnnck: 

sine sugillatione constdum mandatum est; Valerius Max. VII 5, 5; 
Sylla repulsa praeturae suggillatus est, VII 8, 9: sanctissima iura 
scurrili lusu suggillanda sibi desumpsit, V 2 ext. 4: cuUum . . . 
neglectum suggillandi gratia referenius; sugillatio ähnlich II 3, 1; 
VI 9, 12; Petronius 128: noli suggillare miserias; Tertullian 
Val. 6: sicubi tarnen indignitas meruerit suggillari (syn. ridere)\ 
Hieronymus comm. in Matth. c. 10, 3 = 61 C Migne: ne . . su- 
gillare evangelistam viderentur, epist. 96, 8: Christum \ibiq\te su- 
gillat iniuriis et diabolum honore sustollit, ep. 108, 18; 121, I col. 
1009; ep. 82, 6; Cassiodorius II M. 70, 350 D: vilem rem laudando 
suggillat; Porphyrio Hör. Serin. II 5, 1: Iwc fuit apud veteres 
moris, ne praesentes suggillarent aut saeculi praesentis lacerarent 
mores; Ulpianus dig. 2, 4, 10: si famosa actio non sit vd pudorem 
non suggilat („Hohn spricht, verletzt"), 44, 4, 4: adversus pa- 
rcntes patronosque neque doli exceptio neque alia quidem, quae pa- 
troni parentisve opinionem apud bonos mores suggillat („verletzt"); 
Aldkelin 45: ferinis rictibus suggillaretur, 95: sciolos . . sugil- 
lare a quoquam autumer, ebenda sugillatio. Wie wir dann oben 
die Bedeutung „tadelnd nennen" zu erkennen glaubten, so stellt 
sich hier die verwandte „höhnisch, verächtlich nennen" für mehrere 
Hieronymusstellen als die zutreffendste heraus: in Jes. II 3, 51 C: 
Domintis . . . in evangclio (Math. 13, 55; Marc. 6, 3) filius fabri 
suggillatur, Mal. 1, 6 col. 1547 C: Iudaei filii diaboli sugil- 
lantur (ev. Johan. 8, 44). 

Es ist nun das Verdienst Otts, darauf aufmerksam gemacht 
zu haben, dafs mit diesen Bedeutungen eine andere «= suggerere 
„eingeben'* kaum in Einklang zu bringen ist Dafs die alten 
Orthographen einen etymologischen Zusammenhang von suggero 
und suggillo annahmen, scheint aus mehreren Stellen hervor- 
zugehen: Marius Victoriuus I p. 19, 21: per duo g (sc. scribtic), 
quotiens duorum g sotmm attres exigent, ut aggerem, suggillat, 
sugg(rmdum 7 suggestmn et similia, namentlich aber Orthogr. Ein- 
sidl. bei Hagen Anecd. Helv. p. 297, 11: aggcstus, suggerendum, 
suggillat, suggillat io per duas g, wo suggellatio überliefert ist 
Ott weist mit Heranziehung von satullo und obsatullo nach, dafs 
es möglich sei, zu suggero ein aus suggcrulo entstandenes sug- 
gello sich zu denken; infolge des im Spät- und Volkslatein häu- 
figen Wechsels zwischen i und e besonders auch im Deminutivuni 
sei suggello in dem älteren sugillo — suggillo untergegangen, 
da beide, wie auch ital. suggellare lehre, in der Volkssprache 



Die Verba auf -illare. 235 

nicht zu unterscheiden gewesen seien. Das scheint mir noch 
glaublicher, als seine andere Annahme, dafs die Belegstellen für 
jene Bedeutung auf Einflufs der orthographischen Doktrin sug- 
gero — suggello zurückzuführen seien. Was sind nun jene Beleg- 
stellen? Ott beruft sich aufser auf alte Glossographen, die mir 
nicht bekannt geworden sind, auf die Worte des Prudentius 
perist. X 999: sciat hie quis Uli verba suggillct deus: ego 9 unde 
mutus sit disertus, nescio; das suggerat des Ambr. zeigt, wie richtig 
seine Deutung ist; Georges* Übersetzung „einbläuen, einkäuen, 
eingeben, an die Hand geben" setzt doch zumal bei einem geist- 
lichen Dichter gar zu wenig Geschmack in der Wahl seiner 
Bilder voraus. Sollte aber dies die einzige Stelle sein, wo die 
Bedeutung „eingeben'' jeder anderen vorzuziehen ist? Ich glaube 
nicht. Man vergleiche Augustinus X 2 contra Iulianum IV 3 
(1339 — 38): Iulianus: profitetur scriptis öbviare nostris, quae ad 
se ait in brevi cJiartula destinata, et ponit aliquas sententiarum 
mearum particulas atque suggillat, quae in meo opere non tenen- 
tur; was heifst das anderes als „er deutet an, schiebt unter", 
zumal da eben vorhergeht: ut intelligcntia . . . suggeratur? An 
einer anderen Stelle derselben Schrift IV 123 (1419 — 28): quon- 
iam vix singulos sparsosque versiculos de Ubro meo proponens sibi 
cosque laudans frequenter, nonnumquam etiam titillat suggillatione 
brevissima; cum tarnen hoc quäl mordendum putat, a me non sit 
tto, ut suspicatur, prolatum — scheint mir wenigstens der Sinn 
„Andeutung" nicht unmöglich. Auch die schwierigen Worte des 
Venantius III 4, 3 finden, wie mir Dr. Mohr mitteilt, am ehsten 
ans dieser Bedeutung ihre Erklärung: credebam . . quasi sofo Pin- 
darico conpaetus tetrastroplws pedestri glutine suggillatus et ac 
si enthymematum parturiens catctiatum vinculum fectmda fluxisset 
oratio „ich glaubte, wie eine in pindarischem Schwünge verfafste 
Ode, die in prosaischer Fassung (mir, dem Lesenden) eingegeben 
würde, und gleichsam eine Kette von E. hervorbringend sei die 
Rede dahingeflossen." 

Alle wichtigeren Belege des sugillo werden in dieser Unter- 
suchung berührt sein. Wenn auch die Etymologie nach wie vor 
unsicher bleibt, so scheint mir doch die Bedeutung aus dieser 
Obersicht klarer hervorzutreten, als man bisher aus einem in ge- 
ringerem Umfange bekannten Gebrauchsgebiete zu erkennen ver- 
mochte. Dafs schon den Alten der Ursprung des Wortes dunkel 

war, zeigen ihre abweichenden Deutungsversuchc; eben diese Un- 

16* 



236 A. Funck: 

klarheit aber machte es möglich; das Wort als eine synonyme 
Ableitung von suggero aufzufassen und zu gebrauchen. 

4) v a c i 1 1 o bereitet der Erklärung insofern geringere Schwierig- 
keiten, als wenigstens die Bedeutung „wanken" vor jedem Zweifel 
geschützt ist. Dagegen hat der Ursprung sich sehr verschiedene 
Erklärungsversuche gefallen lassen müssen. Cledonius V 55, 2 
berichtet: ut pytisso vacillo (Donat. IV 382, 4): vacillo quasi 
vago, alii repre/ietidunt Donatum, m ut ab co quod est poto muktfa 
littera pytisso pro potisso dixerit, et ab co quod est vagor vacillo 
pro vagillo; dem gegenüber verzichten Diomedes, Donatus und 
Sergius auf eine Etymologie; jene sagen 345, 23: sunt sc. demi- 
nutiva sine originc perfectae fortnae, ut pitisso vacillo = Donat 
IV 382, 4; dieser expl. in Donat. TV 550, 19: pitisso vacillo prin- 
cipalc noti häbent vcl originem; vgl. auch Cassiodorius oben unter 
sorbillo. Freilich ist das c mit dem Ausspruch vacillo pro va- 
gillo nicht erklärt, und so ist eine unmittelbare Herleitung aus 
dem übrigens sinnverwandten vagor nicht erwiesen. Aber es 
kommt etwas anderes hinzu. Vagor hat stets kurzes ä, vacillo 
zwar in der Kegel auch; allein bei Lucretius III 504: tum quasi 
vacillans primum consurgit et ornnis et. q. s. ist die erste Silbe 
ohne jeden Zweifel lang gemessen, obgleich eben derselbe z. B. 
III 479, V 1236 das nämliche Wort in gewöhnlicher Quantität 
hat. Nun ist aber hier vaccillare überliefert und diese Schrei- 
bung hat auch Nonius 34, 23 f.: vaccillare est trcpidare, vd cum 

lassitudine niti M. Tullius Phil lib. III: in Galliam muti- 

latum ducit exercitum; cum una lcgione 7 et ea vaccillante. Dies 
behielt daher Lachmann und berief sich mit gutem Recht auf 
ähnliche Schwankungen bei offa — ofella, mamma — mamilla 
u. dgl. (p. 36 u. 37). Aufserdem schien ihm das doppelte c durch 
die Ableitung von vacca als ursprünglich berechtigt. Diese Ety- 
mologie hat Johannes Schmidt, Zur Gesch. des indog. Vocal. I 104, 
zurückgewiesen, und sie läfst sich in der That nicht halten; an 
dem Gang der Kühe ist Schwerfälligkeit doch eher auffallend als 
das unsichere Wanken und Wackeln des vacillare. Da nun in 
anderen indog. Sprachen Wörter von ähnlicher Bedeutung den na- 
salierten Stamm vank haben, so verlangt Schmidt und mit ihm 
Delbrück, Kuhns Ztschr. XXI 83, gebieterisch die gleiche Stamm- 
form för das Lateinische, der Nasal sei verklungen mit Hinter- 
lassung eines langen Vokals, auf den die Schreibung mit cc wie 
bei gelegentlichem suecus, bracca u. dgl. hinweise; die zur klas- 



Die Verba auf -illare. 237 

sifichen Zeit geltende Betonung habe dann wie in acerbus, rao- 
lestus neben äcer, möles der Wurzelsilbe mit dem Ton auch die 
Lange genommen. Aber sind das doch nicht sehr gewagte Kom- 
binationen? Für ein Wort mit sonst stets kurzem Vokal braucht 
man an einer einzigen Stelle die Länge; um diese zu gewinnen, 
wird die dort und ganz vereinzelt sonst noch einmal überlieferte 
Schreibung als irrtümlicher graphischer Ausdruck für etwas ganz 
anderes ausgegeben, zu welchem das Lateinische sonst keinerlei 
Anhalt bietet; aus diesem so Konstruierten mufs dann das Ge- 
wöhnliche auf einem neuen Umwege erklärt werden. Ist es denn 
so ganz unerhört, aus der von Lachmann schon erwiesenen That- 
sache einer Unsicherheit in der Schreibung doppelter Konsonanten 
zu folgern, dafs wohl auch einmal nach einer wirklich kurzen 
Silbe irrtümlich ein doppelter Konsonant sich einstellte? Ich 
denke, grade diese Untersuchung der Verba auf -illo hat neues 
Material zur Bestätigung jener Unsicherheit geliefert; selbst wo 
alles für einfaches 1 spricht, wie bei pugilor und cantilo, ist 
unsere Überlieferung bedeutenden Schwankungen unterworfen. 
Wenn Goethe und Schiller sich noch wegen metrischer Irrtümer 
Fuldas nicht unberechtigten Spott zuziehen konnten, so ist zur 
Zeit des Lucretius, wo man doch auch noch nicht so gar lange 
lateinische Hexameter gemacht hatte, ein Schwanken an einem 
Schwankungen bekanntermafsen ausgesetzten Punkte nicht so 
ganz unerklärlich. Geht man aber von väcillo aus, so fällt damit 
zugleich jene Zurückführung auf den nasalierten Stamm anderer 
Sprachen, ohne dafs man im Lateinischen selbst eine bestimmte 
Anknüpfung dafür gewänne. Indes wird es erlaubt sein, daran 
zu erinnern, dafs jenem Stamme doch wohl ein kürzerer ohne 
Nasal zu Grunde liegt, welchem wir unser „wackeln" verdanken. 
Auch macht Schwabe mit Recht darauf aufmerksam, dafs in ne- 
gotium für nee- oti um, neglego für nec-lego ein paar sichere Be- 
lege von Übergang des c in g vorliegen, so dafs jene alte Her- 
leitung vagor — vacillo doch nicht völlig von der Hand zu 
weisen ist. 

Der zu allen Zeiten weit ausgedehnte Gebrauch des vacillare 
zerlallt nach eigentlich-sinnlicher und übertragener Bedeutung in 
mehrere Gruppen, deren jede wenigstens durch einige Belege hier 
vertreten werden soll. Nach den vorliegenden Sammlungen ist 
Aldhelin der letzte Zeuge, über fr/, vaciller zeigt, dafs das Wort 
auch später noch im Gebrauche blieb. 



238 A. Funck: 

a) vacillo in sinnlicher Verwendung. Lucretius III 479: 
praepediuntur crura vacillanti vom Trunkenen, ebenso Cicero 

frgm. ap. Quintil. VIII 3, 66: vidcbar videre quosdam ex vino 

vacillantes; Lucr. III 504: quasi vaccillans primum consurgit, 
nämlich der Genesende; Cicero Brutus 60, 216: toto corpore va~ 
cillante; Apuleius Met. V 25: ab . . titubante et . . vacillante 
vestigio; VI 30: titubas et vacillas; Ausonius ep. XXVII (XXIV) 
30 p. 191: tota per immmeros artus cmxpago vacillat; Hieronymua 
VI M. II Mich. 6, 3 c. 1209 B.: non habet stabilem gradum, sed 
sefnper flucluans et vacillans pervenit; ep. I 38, 4: poplües va- 
cillantes, 39, 1: vacillabant gressus, 79, 10: melius est gressu 
v a ciliare quam pudkitia; Festus 359, 31* (= 358, 4): talipedare 
antiqui dicebant pro vacillare pedibas. lassitudine; Paneg. Lat. X 
24 (231, 9): semineces vacillare Inf. histor. von Verwundeten; 
Venantius Fori V. M. 4, 540: sensu spatiante vacillans. An allen 
diesen Stellen ist vom menschlichen Körper die Rede, besonders 
von unsicherem Gange; andere konkrete Subjekte sind seltener: 
Lucr. I 806: arbusta vacillent } V 1095: vacillans . . . arbor } 
VI 574: vacillant . . teeta, 553: terra vacillans, V 1236: sab 
pedibus tellus cum tota vacillat; Apuleius Met. V 22: lumen Iti- 
cernae vacillabat; Panegyr. Lat. V 8 (137, 26) vom sumpfigen 
Rheindelta: ita sc. regio .... subiacentibus innatat et suspensa lote 
vacillat; cod. Theodos. X 19, 14 interpr.: fmidamentorum firmitas 
ineipiat vacillare; Aldhelm p. 107: tigna tota ... vacillabant 

b) Bildlicher Gebrauch von vacillo. 

Ich beginne damit, einige häufiger wiederkehrende Verbin- 
dungen des Wortes mit verwandten oder auch grade entgegen- 
gesetzten Begriffen aufzuführen. 1) vacillo mit nuto verbunden: 
Cypriauus ep. 74, 10 p. 808, 15: si .. nutaverit et vacillavcrit 
veritas; Aldhelm p. 81: fidei fragilitatc tremebundus ac nutabtmdm 
vacillare videor; p. 89: firmamentum fidei nutabundum vacillabit 
2) vacillo neben fluetuo: Vulg. Isai. 29,9: fluctuate, et vacillate, 
inebriamini, et non a vino; Hieronymus (VI Mich. 6, 3 p. 1209 B 
s. oben) Comiu. Eph. 575. 468 D: hominum spes f luctuet et va- 
rillet, vgl. Gregorius Turon. patr. 3 p. 672, 11: saneti nullis hae- 
sitationum fluetibus vacillantur (so! deponential). 3) neben con- 
cutio cod. Theodos. IX 34, 5: dignitas coneussa .... vacillabit. 
4) neben claudico Cic. de nat. deor. 1 38, 107: tolaque res ra- 
cillat et Claudicat. 5) neben titubo siehe oben Apul. Met V 25, 
VI 30. 6) vacillo neben den entgegengesetzten Begriffen der 



Die Verba auf -illare. 239 

Festigkeit (cod. Theod. X 19, 14 s. oben); Cicero de fin. I 20, 66: 
videtur quibusdam stabilitas amicitiac vacillare; Paneg. Lat. VI 10 
(156, 10): ülic plurimum Jiabuerat stabilitatis asserta (sc. firmitas 
des Staates), tibi deserta maxime vacillavit; Hieronymus III 
1413 C: vacillantes cmfirmaverunt; Gregorius Magii. lib. Mor. 
V n. 31: vacillantes confirmare. So von sinnverwandten Nach- 
barn gestützt, wurde nun vacillare überaus häufig in bildlichem 
Sinne verwendet. Schon die Römer sprachen von einem wack- 
ligen Stande der Geldangelegenheiten, Cicero Catil. II 10: in vetere 
aere alieno vacillant sc. Itomines, Att. 14, 18, 3: ciiius non sine 
magna culpa vacillarunt sc. ista; später bei Petronius 38: se- 
stertium säum vidit decies, sed male vacillavit. non ptito illum 
capiüos liberos Jiabere; dann bei den Juristen wie Gaius lex Rom. 
Vis. Gai.: hoc ordine integrum debitum vacillare cognoscitur; Vis. 
G. ep. II 9, 10: integrum debitum vacillat; cod. Theodos. XII 6, 5: 
ne . . . fisci nostri publica emolumenta vacillcnt; ferner Paneg. 
VIII 6 (184, 24): quibus . . . in aere alieno vacillantibus, VIII 
12 (189, 30): quamquam . . sttb pristina sarcina vacillemus; S. 
Valerianus M. 52 p. 753 A: Patrimonium vacillet alienum, D: 
vacillat praedium. Das uns so geläufige Bild vom Schwanken 
in grammatischen und metrischen Dingen ist gleichfalls antik: 
Sacerdos K. VI 482, 22: luxus, vacillans, huius luxi facit: Sal- 
lustius ablativo: luxo pede; Diomedes 500, 18: fluxi sunt qui so- 
luto modo et uberi metro vacillanter quatiuntur; Sergius expl. 
in Don. IV 498, 15: istae ergo regulae duos vacillantes casus 
kahent; Terentianus Maur. K. VI 367, v. 1404: verstis hie nusquam 
vacillat; Fragm. Sangall. K. VI 640 — 8: metrum ... non vacillat. 
— Zu diesen kleineren Übereinstimmungen im bildlichen Gebrauche 
der Sprachen steht in vollem Einklänge die weitaus häufigste 
übertragene Verwendung des vacillo für „Schwanken in Urteil 
und Gesinnung". Persönliche Subjekte sind gar seltener als säch- 
liche. Von Wendungen wie Cic. Phil. III 31: cum una legione et 
ea vacillante, Att. 12, 1, 2: ysQovtixcitEQov est memöriola va- 
cillare; Julius Valerius I 9 (23): civitas de obsequio vacillavit; 
cod. Theod. XII 1, 158: vacillare plurimos ordines civitatis com- 
perimus; Modestinus dig. 22, 5, 2: tesks qui adversus fidetn suae 
testationis vacillant, vgl. 48, 10, 27: cuitts ita aneeps fides va- 
cillat; — von hier aus gelangte mau leicht zu sächlichen Sub- 
jekten, welche mehr oder minder persönlich gedacht wurden. So 
schon fama bei Lucretius IV 1124: aegrotat fama vacillans 



240 A. Funck: 

vergl. die fabulae vagantes bei Plinius nat hist» V 5; for- 
tuna bei Julius Valerius II 2G (6): siquid eorum fortuna . . va- 
cillaret; fuuctio Hegesippus I 19, 27: quo et singulorum poten- 
tiae nihil relinqueretur et functio regionum non va ciliar et; civi- 
litas (= condicio legibus consentanea, pax) Ennodius 466, 9 
(= 310, 11 V): inter vos civilitas non vacillat; disciplina Yigilius 
Diac. M. 50 reg. mon. init. 373: ut . . neque disciplina iuniorum 
vacillet; iustitia bei Cicero III off. 33: iustitia vacillat vd 
iacet potius; iura Aldhelin p. 336: iustitiae iura vacillant; uti- 
litas cod. Theod. XII 6, 31: ne publica vacillet utilitas. Ferner 
pietas Hieronymus ep. II 107, 12: pietas fidei non vacillet; iudi- 
cium Hilarius ep. pontif. 14, 2: defuncti iudicium in eius merüum 
non vacillat (= Dionysius Exig. Decr. Hilari 317 D); intellectus 
Augustinus enarr. ps. II p. 1843: intellectus vacillat aliquantum; 
opinio Dionysius Exig. Decr. Innoc. 31 p. 249 C: ut opinio eorum 
in nullo vacillet; studium S. Valerianus c. 726 D: vacillat hu- 
manuni Studium; res = Gegenstand der Untersuchung Cic. de nat 
deor. I 38, 107: totaque res vacillat et Claudicat; definitio Augu- 
stinus de cogn. ver. vit. 5: ne vacillet haec definitio, ratio eam 
probatiofiibus roboret; Julian ap. Augustin. X 2, III 161 (1314—29): 
tria definitionum capita . . . vacillant: vacillant, inquio, imo, ut 
funes e sabulo f dildbuntur antequam coeant 9 ähnlich vorher III 160 
(1313 — 12); oratio Cassiodorius II M. 70, 146 D: ne . . . vacillet 
oratio. 

Ohne alles zu erschöpfen, werden diese Belege, aus den 
Sammlungen und Lexicis zusammengetragen, hinreichen, um den 
ursprünglichen wie den übertragenen Gebrauch des vacillare nach 
seinen verschiedenen Richtungen hin zu veranschaulichen. Die 
Häufigkeit der Metapher zeigt, wie lebhaft der Gedanke an die 
Unsicherheit menschlicher Dinge immer wieder dem Auge ent- 
gegentrat. 

E. Yerba ganz unsicheren Ursprungs. 

1) titillo. 

Von den noch bei Schwabe erwähnten älteren Etymologieen 
des Wortes — aus tero oder auch aus tango — kann keine als 
auch nur einigermafsen gesichert gelten. Festeren Anhalt scheint 
die von Bücheier, Archiv II 118 f. erwiesene obscöne Bedeutung 
des titus als penis zu bieten. Zwar fehlen die vorauszusetzenden 
nominalen Zwischenformen titulus — titillus in dieser Bedeutung 



Die Verba auf -illare. 241 

so gut wie ganz; denn das übertragene titillus = titillatio cod. 
Theod. VIII 5, 2: innocuo titillo admonerc ist wohl erst aus dem 
Verbum gebildet, so dafs die Akten der Sprachgeschichte, soweit 
sie vorliegen, die oben berührte Frage nach der Priorität von 
Nomen oder Verbum hier doch zu Gunsten des letzteren ent- 
scheiden. Das Verbum titillo hat wie unser „kitzeln" etwas Ono- 
matopoetisches an sich, die Laute scheinen die lebhafte, wenn auch 
nickt mächtige Empfindung anzudeuten. Man könnte sich nun 
denken, dafs entweder jene Ableitungen titulus — titillus in der 
Volkssprache doch vorhanden gewesen wären, oder dafs unmittel- 
bar aus titus jene onomatopoetische Verbalform gebildet wäre; 
eben der Umstand, dafs die Form des Verbum sich von dem 
Etymon etwas weiter entfernte, konnte dem titillare das Ein- 
dringen in die Literatursprache erleichtern. Wo das Wort in 
seiner sinnlichen Bedeutung steht, ist grade die Beziehung auf 
roluptas, concupiscentia u. dgl. besonders häufig; von den res 
Veneriae ist ausdrücklich die Rede: Hieronymus ep. I 54, 10: 
nihil sie titillat membra genitdlia sicut indigestus eibus; Isidorus 
differ. I 431 = Hieron. in Matth. 26, 37: qui viderit midierem et 
anima eins fuerit titillat a; Ausonius epigr. 107, 16: titillata... 
vduptas fervet. Weniger ausschließlich tritt eben diese Beziehung 
in den übrigen Stellen der sinnlichen Verwendung des Wortes 
hervor; am deutlichsten noch in der bei den Kirchenschriftstellern 
öfter wiederkehrenden Verbindung mit caro und Verwandtem: 
Tertull. de pud. 22: titillatam prosternens carnem; üassianus 
Conl. XXII, 2: carnis aculeis titillemur; Hieronymus Comin. in 
Gal. 500, 410 D; Augustinus enarr. ps. II p. 1319; Kabanus Maur. 
IV M. 329 D 4; vgl auch Tertul. de ieiun. 12: ungulis tit Hiatus; 
de virg. vel. 14: digitis titillatur. Als Sitz der Empfindung be- 
gegnet am häufigsten sensus, schon bei Lucr. II 429: quae titil- 
lare magis sensus, quam laedere possunt; Cicero de fin. 1 11, 39; 
Tusc. III 20, 47 ; Hieron. ep. 122,6; dann animus bei Augustinus 
M. 38, 816; animi bei Hieron. ep. 79, 9; anima bei demselben an 
der angeführten Isidor-Stelle und bei Kaban. Maur. IV M. 329 l) 12; 
mens bei Hieron. M. 23, 1092 A. Vergeblich sucht man auch bei 
den Subjekten noch bestimmtere Anhaltspunkte für jene an- 
genommene sinnlichste Bedeutung; die Belege sind zu allgemein 
gehalten, als dafs sich Sicheres erkennen liefse, ob etwa ursprüng- 
lich das Wort nur vom geuus inasculinum gebraucht sei. Be- 
merkenswert ist immerhin die häufige Verbindung mit voluptas 



242 A. Fanck: 

und ähnlichen Begriffen. Voluptas selbst ist noch die causa mo — 
vens bei Hieronymus VI M. II Am. praef. 1023 A: aliud est ti — 
tillari, aliud obrui völuptatihus; Seneca dial. VII 5, 4, dann über- 
tragen bei Cic. Off. II 18, 03: quasi adsetitatornm populi multitudini&' 
levitatem voluptate quasi titillantium; Seneca ep. 99, 27; con — 
cupiscentia öfter bei Augustinus M. 38, 718: habemus illas (sc— 
concupiscentias); velimus nolimus titillant, blandiuntur, stimulant^ 
infestanty 834, 816, ähnlich 819; bei Cassianus Conl. II 13, 4, vgl» 
titillari molestia cupiditatum bei Augustinus enarr. ps. II 1746^ 
ferner incentiva vitiorum bei Hieronymus ep. 79, 9: incenHvavUiorum- 
omniurn titillent anirnos; ähnlich peccatum Augustinus M. 38,839; 
endlich diabolus Hieron. M. 23, 1092 A: si titillaverit menten* tuan- 
diaboltis et te ad libidinem concitaverit. In allgemeinerer Anwendung 
tritt dann das Wort zu Ausdrücken, welche ein prickelndes Be- 
gehren auch nach nicht sinnlichen Dingen bezeichnen: daher bei 
Hieronymus ep. II 125, 8: clericatus te titillat desiderium; Petrus 
Ghrysologus p. 654 C: titillante luxuria; vgl. Hier. ep. II 100,8: 
titillantem gtdae vicere luxuriam; Marius Mercator Nest. c. Pelag. 
208C: hotninem titillabo vom Kitzel der Eitelkeit und des Ehrgeizes, 
vor dem schon Horaz Sat. II 3, 179: ne vos ti tili et gloria gewarnt 
hatte. An >die assentatores bei Cicero erinnert die Stelle des 
Paneg. Pacati Theodosio dictus (XII 2 p. 272, 23): trucem domi- 
num mendax assentatio titi Ilabat Wie schon an mehreren 

der angeführten Stellen, ist überhaupt bei dem titillo nicht immer 
an ein bestimmtes Begehren, sondern vielmehr an jede Art von 
Reiz gedacht, daher im Paneg. Nazarii Constantino dictus (X 37 
p. 242, 15): puerilem animum spes laeta et blanda gaudia titil- 
larunt Ohne erschöpfend zu sein, wird das Gebotene schon hin- 
reichen, um zu zeigen, in welcher Richtung sich der bildliche 
Gebrauch des Wortes entwickelte; je öfter die Stilisten Gelegen- 
heit haben vor der Übertragung von Bildern aus einer in die 
andere Sprache zu warnen, desto wichtiger ist es, vorhandene 
Übereinstimmungen aufzuweisen. Es kommt aber noch einiges 
Weitere hinzu. Wenn Augustinus X 2 contra Julian. IV 123 
sagen konnte: nonnumquam ctiam titillat suggillatione brevissima 
d. h. „er reizt mich", so begreift man auch die vereinzelte Wen- 
dung bei Marius Mercator App. II 410 A: nee cuiusquam audeat 
titillarc praesumptio „anzutasten" nämlich die feststehenden pri- 
vilegia; auch Act. mart. pass. Sisinn. 627, 5: dum nulla fidei uti- 
litas titillaret „solange keine Förderung des Glaubens aufreizte 



Die Verba auf -illare. 243 

sc die Heiden" gehört wohl hierher. Wieder eine andre Beziehung 
leigen Stellen, zu denen Augustinus M. 38, 578 das Muster ab- 
geben konnte: habet bonam conscientiam; non illum titillant 
erimina in corde concepta; ähnlich enarr. ps. II 1637; M. 38, 733; 
Hieronymu8 contra Lucif. c. 21 extr. (= M. 23, 175 D): iste scru- 
pulus multos titillat; vielleicht auch epist. 133, 3: nee cogitatione 
vitiorum aliqua titillari, — Gassiod. expos. in ps. 134 v. 4 (M. 
70, 962 B): nonnullos tit illare cognoscitur, quare non sit hie 
Abraham posüus, bedeutet titillare „reizen = Ärgernis, Anstofs 
erregen". 

Das attillo nur in dem Brief Alexanders an Aristoteles bei 
Julias Valerius III 26 Mai: qttae dieta cum ex natura hominis 
mm quoque animutn attillarcnt, hat man auch wegen der ver- 
wandten Bedeutung „reizen" nämlich zur Neugier, mit Recht mit 
titillo zusammengebracht. Georges erklärt: „von ad u. * tillo, 
woraus titillo." Ein * tillo zu titillo wäre wohl ebenso gewagt, 
wie wenn man aus gigno ein *geno erschliefsen wollte; mir 
scheint es richtiger, den Ausfall des ti zu erklären wie in den 
bekannten Gompositis von curro: aecurri für aecueurri u. dgl., 
wenn nicht das Ganze auf einem Schreibfehler für attitillarent 
beruht 

2) facillo. 

Philox. 93, 32 facillare: otQayyaXiöai hat Könsch, Roman. 
Forschgen III 336 mit focillare = faucillare erklärt. 

3) fucillo. 

Das Wort findet sich nur bei Festus 371, 46: augures . . 
eandem (sc. aveni) fucillantem appellant sc. voisgram avem, qitae 
se veUit. Bedeutung und Ursprung sind dunkel. 

4) Ob das unsicher überlieferte strittilo bei Varro 1. 1. 348 
§ 65 etwa hierher zu ziehen ist, bleibt bei der auch noch un- 
bekannten Deutung ungewifs. Die Stelle heifst bei Spengel: strir 
tabülae a stritilando; stritare ab eo qui sistit aegre; Müller schrieb 
mit cod. B strittilando; strettillando bietet Flor.; andere haben 
anderes versucht, ohne dafs es gelungen wäre, etwas Sicheres 
herzustellen. • 

5) Mindestens ebenso unsicher ist irquitillo bei Ceiisorinus 
c. XIV 7: vocem crassiorem et inacquabilcni ficri, quod Aristoteles 
appeUat tragizin, antiqui nostri irquitillare et inde ipsos putant 
trquitattos appellari, quod tum corpus ircum olere ineipiat. Da ir- 
quitallus auch sonst bezeugt wird, vgl. Georges s. v. hirquitallio, 



244 A. Punck: 

so ist die Lesung anderer Handschriften irquiUMire bei CensorinuB 
wohl berechtigter. 

Zu dem iin ersten Teile dieser Untersuchung besprochenen 
singillo IV 87 kommen noch ein paar Nachträge. Besonders 
wichtig ist das^Zeugnis des Grammatikers Virgilius Maro p. 160,7 
(Huemer): quaedam (sc. nascuntur) ex partieipiis uerbi passiui ut 
strictim, singillatim: nam singillo trite legitur iuxta illud Damini 
cloquentissimi et modestissimi uiri dicentis: non est medioeris ud 
facilis negotii bonum singulare a malo (Mai: Donati). Diese be- 
kannte Bedeutung bestätigt auch Atto Polypticum bei Mai Gloss. 
nov. Lat. p. 64, indem er singillatus mit separates erklärt 

üb das arillator bei Festus 20, 12, Gellius 16, 7, 12, Glossen 
bei Loewe prodr. 142 u. 285 auf ein Verbum arillare zu schliefsen 
erlaubt, läfst sich nicht entscheiden. 

cillo (eilleo?) ist schon Seite 82 erwähnt. Das Wort steht 
bei Servius Verg. ge. II 389: oscilla dieta sunt ab eo, quod in his 
(oribus) cillerentur, i. c. moverentur ora. Nam eitlere est mo- 
vere: unde et furcillae dietae sunt quibus frumenta cillentur. Alii 
diaint oscilla esse membra virilia de floribus facta, quae suspen- 
deibantur, per intercolumnia: ita ut in ea homines aeeeptis clausis 
personis impingerent, et ea ore cillerent i. e. moverent ad risum 
populo commovendum; fast wörtlich dasselbe wiederholt Mythogr. 
Lat. II 61; etwas freier Isid. 20, 14, 11: furcillae dietae, eo quod 
iis frumenta cilluntur (sie!), id est mouentur. Unde et oscilla 
dieta ab eo, quod cillantur, hoc est moueantur ora. Nam cillere 
est mouere. Zwei weitere Belege gewinnt Georges, indem er My- 
thogr. I 19 ora cillerentur, Festus 194, 9 os cillant schreibt, 
offenbar um seine Etymologie von oscillare zu stützen. Allein 
abgesehen davon, dafs man so doch nur ein wiederum etymolo- 
gisch unklares cillo (eilleo?) gewinnt, gehen jene drei Belegstellen 
augenscheinlich auf eine einzige zurück, die wenn nicht in ältester, 
so doch in vollständigster Fassung bei Servius gelesen wird. Und 
hier kann man sich des Eindrucks doch nicht erwehren, dafs das 
Verbum schon damals nur einem etymologischen Wahn zu Liebe 
angesetzt sei, welchem die Deufung von furcillae sicherlich nicht 
zur Empfehlung dient. Ich glaube, das Wort ist in den Lexicis 
nur als Grammatikererfindung zu verzeichnen. 

Wie an diesem letzten Punkte, so hat überhaupt der Gang 
unserer Untersuchung, vornehmlich in ihrem zweiten Teil, oft 
schwankenden Boden berührt, auf welchem besonders die Er- 



Die Verba auf -illare. 245 

forschung des Ursprunges der behandelten Wörter nur ein un- 
sicheres und behutsames Auftreten gestattete. Hoffentlich wird 
sich dabei weder das Bewufstsein der Unsicherheit verleugnet 
haben, noch aus dem Streben das deutlich Erkennbare von ge- 
wagter Vermutung scharf zu scheiden eine übergrofse Bedenk- 
lichkeit des eignen Urteils hervorgegangen sein. An manchen 
Punkten liegt schon in der sicheren Aufnahme eines Wortes oder 
einer Schreibung eine Entscheidung ausgesprochen in dem Sinne, 
dafs auch, wo sinnlich verkleinernde Bedeutung uns nicht mehr 
wahrnehmbar ist, andere mit der deminutiven sonst öfter ver- 
knüpfte Nebenbedeutungen auf jene als die ursprüngliche zurück- 
zuschliefsen erlauben. Wir, die wir das Wort nur noch lesen, 
nicht das Gesprochene in uns wiederklingen lassen, vermögen 
nicht zu erkennen, ob die Römer auch nur in ältester Zeit bei 
vacillo, cavillor u. dgl. noch die Vorstellung von etwas Kleinem 
oder Kleinlichem empfanden. Breal hat in einem bewunderungs- 
würdig feinen Vortrag (Melanges de Mythologie et de Linguisti- 
que*. Paris 1882 S. 295 ff.) von den idees latentes du langage 
gehandelt, welche kaum bei einem einzigen gesprochenen Worte 
nicht mit in Betracht zu ziehen sind. Wenn wir jetzt bei Wörtern, 
welche äufserlich zu einer Gruppe vereint erscheinen, bald diese 
bald jene Beziehung von unter sich nicht grade abliegender Art 
hervortreten sehen, so mag doch dem, welcher die Wörter als 
lebendige gebrauchte, das Gemeinsame aller mehr oder minder 
„latent" im Bewufstsein gelegen haben. Auf diese Weise vermag 
sich die deminutive Schreibung -illare auch da zu rechtfertigen, 
wo uns die deminutive Bedeutung erloschen oder doch sehr ver- 
dunkelt erscheint. Denn darüber kann kein Zweifel sein: selbst 
wenn man die Grenzen so weit als möglich hinausrückt, eigent- 
lich deminutive lateinische Verba sind auch nach unserer Über- 
sicht nur ganz wenige erwiesen. Ob aufser dem conscribillo, 
occillo, sorbillo die Volkssprache noch andere verbalen Ursprungs 
enthielt, ist nicht zu wissen. 

Index. 

affurcillo 81. cantilo 226. conscribillo 223. 

ancillor 76. capillatus 85. cribello 86. 

arillator 244. catillo 83. deiitillo 73. 

attillo 243. cavillor 77. dissigillo 85. 

bacillo 84. cillo 244. exancillor 77. 

cacillo 83. circillatus 85. " excribello 86. 



246 



A. Funck: Die Verba auf -illare. 



exfabillo 85. 
expapillatns 85. 
facillo 248. 
focillo 226. 
facillo 243. 
furcillo 80. 
gracillo 83. 
grillo 83. 
imbecillor 86. 
incavillor 80. 
instillo 74. 
irquittallio 243. 
lapillisco 85. 
marmorillo 83. 

Kiel. 



obstrigillo 228. 
occillo 223. 
08cillo 82. 
papillatue 85. 
pastillico 85. 
per8tillo 75. 
pocillator 85. 
pugillator 85. 
refocillo 228. 
restillo 75. 
Bcintillo 70. 
aigillo 84. 
aingillo 87. 244. 
aorbillo 224. 



gpecillatns 85. 
stillo 71. 
strittilo 243. 
8ubin8tillo 75. 
subsigillo 85. 
sabterotillo 76. 
sugillo 230. 
superdeatillo 74. 
Buperstillo 75. 
titülo 240. 
tranqaillo 86. 
vacillo 236. 



A. Funck. 



Expedire. 

Ce verbe prend l'ablatif. Cic. Cornel. I fragm. 48 Orelli: duoö 
laqueos . . ., ut, si mo dltcro expedissem, tenerer altero. II peut prendre 
ab, s'il s'agit non d'un embarras dont on sort, mais d'un embarras 
oü on se prcserve d'entrer. Cic. Att. III 20, 2: quod te in tanta 
hereditate ab omni occapatione expedistL II peut aussi prendre er, 
s'ii s'agit non d'un embarras propre ment dit, mais d'une Situation 
facheuse. Plaut. Capt. 454: expediui ex seruitutc filiura. Ici ex 
marque un simple mouvement. Entre la premiere phrase de Ciccron 
et celle de Piaute, il y a cette difference que Cicöron parle d'un 
filet dont on se degage en se debattant contre lui, Plante d'une con- 
dition dont le heros se trouvera sortir sans s'etre debattu. 

Cela dit, on comprend que Terence dise expedire cura Ph. 823; 
aerumnis, Hec. 288; er inline, Hec. 755. Mais on s'etonnera de lire 
dans les mss. nie ex hae expediam titrba, Ad. 614. Et* en effet, il 
est tres probable qu'il faut oter ex. Car, apres les v. choriambiques 
611 — 613 (Vt neque quid nie faciam nec quid agam certum sit; 
Membra metu debilia sunt, animus timore Obstipuit, pectore con- 
sistere nil consili quit. Vah!), on a ainsi un v. eboriambique Quo- 
modo nie hac expediam turba? Et ensuite, apres de courts vers 
trocbaYques et iambiques (Tanta nunc suspicio De me ineidit), les 
choriambes reviennent: Neque oa immerito (616); Sostrata credit 
mibi me psaltriam banc emisse, id anus mi indicium fecit (617). 
Le dernier vers contient une seule dipodie trochaYque. 



Paris. 



Louis Havet. 



Uls, trans und ultra. 

A. Uls. 

Uls *an jener Stelle, auf jener Seite' (nur auf die Frage wo?) 
ist nach Corssen, krit. Beitr. S. 302, Steigerungsform zu ollus 
(= *ülus ille), wie eis € an dieser Stelle' zum Pronominalstamm 
cL Uls, dessen Blüte in die vorlitterarische Zeit fallt, hielt sich 
in versprengten Ausläufern vielleicht noch bis auf Cato (Fest 
p. 379 *uls 9 Cato pro 'ultra 9 posuit), während zwei Belege aus 
Yarro (1. 1. 5, 50. 83) bereits Archaismen der Sakralsprache sind. 
In die Erbschaft von uls haben sich trans und ultra geteilt. Die 
wenigen Beispiele (vgl. GLK I 236, 30. IV 562, 2) weisen zunächst 
auf eine stehende Formel uls Tiberim, die uns zu trans hinüber- 
führen wird: Varr. 1. 1. 5, 83 et uls et eis Tiberim, Gell. 12, 13, 8; 
auch Tac ann. 12, 56 liest W. A. Becker, Topogr. v. Rom, 657: 
uls [Med. cis 9 Urlichs trans] Tiberim. Dagegen beruhen bei Pom- 
pon. dig. 1, 2, 2, 31 eis Tiberim et ultis T. die drei letzten Worter 
auf einem Einscbub der Kompilatoren (vgl. ib. § 33 und Liv. 39, 
14, 10); jedenfalls ist ultis eine grammatische Fiktion. Zwei 
weitere Belege vermitteln den Anschlufs an ultra: Varr. 1. 1. 5, 50 
Oppius mons prineeps Esquilis ouls lucum Facutalem (so 0. Müller, 
A. Spengel; quüis ouis die Hdschr., esquilios eis Corssen), GLE IV 
562, 4 uls provinciam als Beispiel (einem Schriftsteller entlehnt?). 
Uls ging unter wegen der Unbeliebtheit der Konsonantenverbin- 
dung Is im Auslaut, und weil das Wort überhaupt zu wenig 
Volumen hatte. Letzteres ist auch die Ansicht des Gellius 12, 
13, 7 f.: tres istae voces Untra citra ultra 9 . . singularibus apud 
veteres sylläbis appellabantur *in eis uls 9 . Haee deinde partieulae 
quoniam parvo exiguoque sonitu obscurius promebantur, 
addita est tribus omnibus eadem syllaba, et quod dicebatur *cis Ti- 
berim 9 et c «& T. 9 > dici coeptum est 'citra T. 9 et 'ultra T 9 



248 Pb. Thielmann: 

B. Trans und nltra. 

I. Allgemeines über trans. 

Trans ist das Part. Präs. des Verbums *trare 'überschreiten 8 
(vgl. Vanicek, etym. Wörterb. unter W. tar tra), das noch er- 
halten ist in extrare (Afran. com. 5 p. 165 R), pcne-trare un< 
intrare. Darnach verband sich trans ' überschreitend' zunachsM 
nur mit den Begriffen 'Meer, Flufs, Berg' und wurde gebraucht 
in Beziehung auf ein singularisches Subjekt: frans wäre (das M_ 
überschreitend) proficiscor in Graeciam. Bald aber wurden nichfcz: 
nur Sätze gebildet wie trans m. proficiscimur in Gr., sondern auch^ 
scis nie (nos) tr. m. proficisci in Gr. Allmählich sich loslosendB 
von seiner ursprünglichen Bedeutung gewann tr. den Sinn von — 
'über — hinüber'; das Auge folgt, von einem Punkte auf dei~ 
einen Seite des zu überschreitenden Meeres, Flusses u. 8. w. aus- 
gehend, der Bewegung über den ganzen Raum hinüber bis zu. 
einem zweiten Punkte auf der andern Seite desselben. Denn 
Ausgangspunkt und Endpunkt der Bewegung sind wichtig bei 
trans: PI. merc. 354 tr. mare hinc, Varr. r. r. 3, 5, 7 ex Italia 
tr. mare u. o., Caes. b. gall. 1, 35, 3 tr. Ithenum in Galliam u. o., 
Cic. Quinct. 80 Roma tr. Alpis in Segusiavos. 

Darnach ist der Satz, dafs alle Präp. ursprünglich Adverbien 
gewesen seien, einzuschränken. Wenn auch tr. hie und da als 
Adverb auftritt, so hat sich dieser Gebrauch erst später und nur 
in der Volkssprache entwickelt nach Analogie derjenigen Präp., 
die zugleich Adverbien sind. Vitruv kennt die Zusammenstellung 
trans cotitra 'auf der andern Seite gegenüber' 9, 4 (1), 2 p. 219, 7 
und 9, 4 (2), 2 p. 225, 13, und so fasse ich auch das einfache 
trans als Adverb 9, 4 (1), 4 p. 220, 1: tantundem eius (signi) con- 
trarii versationis necessitate supergressum rotatione circumacta trans 
(auf der andern Seite) locis patentibus ex öbscuris egreditur ad 
lucctn. Da die Hdschr. locis patentibus et öbscuris bieten, so ver- 
mute ich locis latentibus et o., und verweise auf 5, 4, 2 p. 111,13, 
wo in den Hdschr. gleichfalls patentia für latentia steht Die 
übrigen Beispiele gehören dem Kirchenlatein an: num. 21, 13 bei 
Aug. castra collocaverunt in Achalgai tr. in eremo (hoc est in ul- 
teriore eremo fügt Aug. hinzu); Matth. 8, 28 Cant. venientc eo tr. 
[eis tö nigav] in terram Gerasmiorum; Matth. 14, 22 Cant. coegit 
discipulos . . praccederc trans; Matth. IG, 5 Corb. 1 in regionem 
quae tr. erat, ib. Cant. venientes trans; Ambr. II, 2 de 42 mans. 



UU, trän 8 und ultra. 249 

(39) erat citra ad Hebraeorum viam, tr. vero ad terrae sanctae 
situm. 

Nach dem zu Anfang Gesagten ist bei tr. nur der Acc. 
denkbar. Die Ausnahmen sind nur scheinbar und beruhen auf 
der bekannten vulgären Unterdrückung des auslautenden m: CIL 
I 200, 21 tr. Curime, ib. VI 10346 tr. via, grom. 17, 8 tr. ripa, 
ib. 411, 22 tr. ardine, lex Sal. tr. Ligere; auch Gommod. apol. 936 
tr. Persida ist wohl als Persidam vom vulgären Nom. Persida 
zu fassen. Über Vitr. p. 220, 1 tr. locis s. oben, über Transalpibus 
Plin. Gell. s. unten S. 252. 

So verbindet sich tr., weil auf die Frage wohin? stehend, 
ursprünglich nur mit Verben der Bewegung, was auch die beiden 
ältesten Stellen (PL merc. 354. mil. gl. 468) bezeugen. Ein grofser 
Teil aber ihres Gebietes wird unserer Präp. durch die zahlreichen 
Composita wie transeo -gredior u. a. entzogen; man sagt lieber 
flutnen transeo als eo tr. flumen. Allerdings findet sich letzteres: 
Caes. b. gall. 4, 12, 1 ierant tr. Mosam (aber 4, 16, 2 Mosam 
transisse), Liv. 39, 54, 11. 40, 25, 4, wie auch z. B. duco tr., veho 
tr., aber scando tr. treffe ich nirgends, gradior tr. nur Catull 11,9. 
So steht die Präp. tr. in der Regel nur bei solchen Verben der 
Bewegung, die nicht (oder nur selten) mit tr. komponiert werden, 
wie ccdo fugo sequor u. ä., besonders oft bei den Begriffen c ver- 
kaufen' (PL merc. 354. Hör. ep. 1,11, 16. Gell. 20, 1, 47 u. ö.) 
und 'melden', speziell also bei solchen, die schon anderweitig 
komponiert sind, wie concedo, evado, proficiscor, me recipio, sub- 
moveo u. ä. 

Weiter aber steht tr. bei solchen eine Bewegung bezeich- 
nenden verba simplicia, die nach ihrer Zusammensetzung mit tr. 
eine von der ursprünglichen abweichende Bedeutung annehmen. 
Da z. B. transmitto nur selten = 'hiuüberschicken' ist, so wird 
dieser Begriff fast regelmäfsig durch mitto tr. ausgedrückt: Brut, 
et Cass. ep. 11, 3, 2 u. o. Aus demselben Grund wird 'über etwas 
hinüberwerfen ' meist durch iacere tr. alqd gegeben: Verg. ecl. 8, 
102. Iuvenc. 3, 732. Vu 3 . 1 reg. 20, 36. Boeth. Bd. 64, 1154» M; 
vgl. abicio tr. Liv. 23, 9, 13 (12) und proicio tr. Val. Max. 3, 2, 20. 

Aber auch bei traicere 'hinüberwerfen' wird die Präposition 
wiederholt: Liv. 25, 14, 4 vexillum tr. vallum hostium traiecit, id. 
41, 4, 2. Bei traicere 'übersetzen* bleibt die Präp. allerdings meist 
weg, aber Livius schreibt doch der Deutlichkeit wegen 21, 26, 6 
omnibus ferme suis tr. lUwdanum traiectis und 38, 25, 7 donec res 

Archiv für tot. Lezikogr. IV. Heft 2. 17 



250 Ph. Thielmann: 



\ 



) 



suas . . tr. Halyn flnmcn traicerent. Doppeltes trans findet sich 
vereinzelt in allen Perioden der latein. Sprache, und zwar bei 
1) transtinco: PI. mil. 468 R tr. parietem; 2) transfero: Cic Quinct 
12 tr. Alpes usque*), Liv. 42 ; 60, 3 tr. Peneum, Vu*. act. ap. 7, 43. 
grom. 17, 8; 3) traduco: Caes. b. gall. 1, 35, 3 tr. Ehenum in 
Galliam; 4) trcmsmitto: Fest. brev. 14, 1 tr. Taurum (aber Verg. 
Aen. 3, 403 gehört tr. acquora zu steter int)] 5) trans freto: Luc 
8, 22 Colb. Vu a . tr. staynum, deui 30, 13 bei Aug. tr. tnare, 
Nenn. 37; 6) transcendo: Vu.* Marc. 5, 21 tr. fretum; 7) transeo: 
.loh. 18, 1 bei Ambr. tr. torrentcm Cedron, grom. 319, 22. Isid. 
myst. exp. sacr. Jos. 3, 1. Somit steht doppeltes tr. bei seltenen 
Verben, bei denen die Struktur mit dem Acc nicht durchgebildet 
ist (z. B. transtinco), aber bei den meisten der angeführten Bei- — 
spiele ist, abgesehen etwa von dem Streben nach Deutlichkeit, «^ 
ein bestimmter Grund nicht anzugeben. Verkehrt aber ist es, 
aus der vereinzelten Cäsarstelle (b. gall. 1, 35, 3; s. oben) die 
Regel ableiten zu wollen, tr. werde wiederholt, wenn noch dabei 
stehe, wohin etwas hinübergeführt etc. wird. 

Gelegenheit zur Erweiterung des ursprünglichen Gebrauches 
von tr. bot sich dar mit dem allmählichen Untergang von uls. 
Trans Tiberim c über die T. hinüber' konnte um so eher die Funk- 
tion von uls T. 'jenseit der 17 übernehmen, als ja, wie oben 
bemerkt, bei tr. immer zugleich der Endpunkt der Bewegung ins 
Auge gefafst wird. Durch diese Erweiterung (erstes Beispiele 
CIL I 198, 17 queive tr. mare erit, a. u. 631—632) gewann <r_ 
Tiberim die Bedeutung c auf der andern Seite der T., über der T-~ 
drüben, jenseit der T/ (wo?). Aber auch jetzt noch verband 
sich, seinem ursprünglichen Gebrauche entsprechend, nur mit d< 
Namen von Meeren, Flüssen, Bergen, die übrige Erbschaft vo 
uls fiel an ultra. Hier steht also tr. bei Verben der Ruhe, su 
incolo häbito u. a., und mufs namentlich in der Soldatensprach 
verbreitet gewesen sein; denn nichts ist häufiger als Verbin 
düngen wie castra ponere (constituerc, liaberc) tr. flumen etc. Caes— 
b. civ. 3, 13, 6. b. Hisp. 7, 1. Liv. 7, 9, 6. 22, 44, 3. 35, 3, 3. 38^ 
4, 7. 42, 60, 5. 43, 22, 8 u. o. 

Von jetzt bildet also eis den Gegensatz zu tr. wie seiner 
Zeit zu uls: Caes. b. gall. 4, 4, 3 tr. flumen (Bhenum) . . . eis 
Eltenum, Liv. 5, 33, 9 eis Appenninum . . tr. App. (ebenso 41, 19, 1), 





*) So bteht noch usque bei tr. Fest. brev. 3, 2 usque tr. Fadmn. 



Uls, trans und ultra. 251 

id. 8, 14, 5 f. tr. Tiberim . . eis T., Liv. per. 139 eis Bhenum et 
tr. Rh. u. o. Erst seitdem man anfangt, tr. und ultra zu ver- 
mengen, wird tr. einem eitra gegenübergestellt, dessen eigentlicher 
Gegensatz doch ultra ist: Vell. 2, 12, 4 f. tr. Älpis . . eitra A., 
grom. 178, 5 f. tr. fluvium Lirem . . eitra L., Ambr. II, 2 de 42 
mans. (39) u. 5. Noch später erscheint intra (= eitra) als Gegen- 
satz zu tr.: Hier. ep. 64, 2 tr. lordanem et itttra L, ebenso ep. 
78, XLII; vgl. auch Tert. pall. 1 tr« crura . . intra genua. 

Den Relativsatz mit der Kopula esse, CIL I 577, I, 6 in area 
quae est . . tr. viam, verkürzte man schon frühe: ib. I 577, I, 9 
in area tr. viam, wodurch die unmittelbare Verbindung des Prii- 
positionalzusatzes mit einem Subst. hergestellt wurde; vgl. noch 
Cic. frgm. or. VI, 24 p. 14 (Baiter) montem illum tr. Aniencm u. o. 
Der Relativsatz liefs sich aber auch beseitigen durch ein mit tr. 
zusammengesetztes Adjektiv: regiones transmarinae = r. quae tr. 
mare sunt. Es finden sich folgende Bildungen: 1) transmarinus 
(schon bei Plautus), -fretanus; 2) -fluminalis, -fluvialis; -tiberinus, 
-padanus, -rJienanus, -albianus, -danuvianus, -tigritanus; 3) -mon- 
tanuSy -iugitanus, -alpinus (-alpicus); 4) -limitanus, -lucanus, -ulma- 
nuSy -mundanus, -beneventanus^ -austrinus. In häutigerem Gebrauche 
sind davon aber nur transmarinus, -tiberinus, -padanus, -rhemnus 
und -alpinus. 

Aber tr. steht auch auf die Frage woher? In dem Satze alqs 
tr. flumen venu ad me ist der Sprechende auf dem jenseitigen 
Ufer gedacht, an dem erst noch zu erreichenden Ziele der Be- 
wegung, und tr. gewinnt so die Bedeutung *über — herüber'. 
Nun wird weiter gerade bei diesem tr. oft zugleich der Aus- 
gangspunkt der Bewegung (s. S. 248) berücksichtigt: Varr. r. r. 
3, 5, 7 (turdi) quotannis in Italiam tr. mare (übers M. herüber) 
advolant . . et eodem (d. i. tr. mare = in regiones transtnarinas) 
revolant. Hier giebt eodem nur dann einen befriedigenden Sinn, 
wenn man bei tr. mare advolant zugleich den Ausgangspunkt der 
Bewegung, das andere Meeresufer ins Auge fafst; vgl. ebenda 
cum ex Italia tr. mare (übers M. hinüber) retneant. Tr. c über — 
herüber' steht gerne bei Compositis mit ad: Sen. ben. 5, 16, 1 
tr. Alpes accitus hostis (von Catilina nach Italien), Plin. n. h. 35, 
199 venalium tr. maria advectorum (nach Italien), Quint. 7, 3, 33 
amicum arcessierit tr. mare, Gild. 15, aber auch sonst: Caes. b. 
gall. 1, 35, 3 tr. Ilhenum in (ialliam traduceret (der Standpunkt 
ist in Gallien), Ascon. p. 4, 4 venisse eum in Italiam dicit tr. Alpis, 

17* 



252 Pb- Thielmann: 

Plin. d. h. 10, 135 venerunt in ItäUam . . tr. Padum et novae aves, 
Stat. silv. 3, 2, 21 u. ö. Wird nun der Ausgangspunkt der Be- 
wegung stark betont, so geht *über — herüber* leicht in den 
Sinn Von jenseit* über, besonders bei solchen Verben, die nur 
den Terminus a quo, nicht auch in quem zu sich nehmen, wie 
z. B. peto: Plin. n. h. 19, 58 Indicum pipcr . . quaeque tr. marin 
petimus = Waren, die wir von jenseit der M. beziehen, Ps.-Quint 
decl. 12, 5 salutem publicam tr. wäre petmdam, Heges. 1, 45 § 9 
u. ö. Daher hat transtnarinus nicht selten die Bedeutung qui tr. 
mare advenit oder qui tr. m. petitur: PI. most. 2, 2, 66 -ms hospes, 
Cic. rep. 2, 29 non -is nee inportatis artibus u. o. 

Den Sinn Von jenseit' deutet Varro durch inde an (r. r. 1, 
41, 5 si quando quis tr. mare semina mütere aut inde peterc vuti), 
deutlicher aber drückt sich Hieronymus aus: Sophon. 3, 10 in 
lib. 3 in Arnos 9, 7. 8 p. 109 l d tr, flumina Aethiopiae, inde de- 
tülerint (== nigaftev) u. ö. Es ist dies ein Versuch der Schrift- 
sprache, den Begriff Von jenseit' deutlich auszudrücken, ohne die 
Regeln der gebildeten Latinität, die Doppelpräpos. nur ungern 
zuliefs, zu verletzen; vgl. auch Hier. Bd. 3, 912* vneeber (d. i. 
liya von jenseit) id est trans vel de contra. Die Volkssprache 
aber sagte kurz und deutlich de trans: Vu. 9 Mattb. 4, 25 und 
S. Germ. 2 Marc. 3, 8 de tr. Iordanen -etn, Jos. 24, 3 bei Aug. 
quaest. 25 in Jos. de tr. [ix xov ntgav] flumen, Orib. syn. 3, 65 
panis de tras mare, lex Sal.; vgl. Diez II 3 S. 459, altfr. detres, 
span. detras. Seltener steht a für de: a tr. Iordanen num. 32, 19 
Lugd. Mon. und Marc. 3, 8 Colb., einmal auch e trans: Marc 3, 8 
Veron. e tr. Iordanen. Von andern Präp. tritt nur noch ad in 
Verbindung mit tr.: Judic. 11, 29 bei Aug. quaest. 49 in iud. ad 
tr. [elg xo ntyav] filios Ammon. 

Infolge der Formeln aftigkeit von Ausdrücken wie tr. Tiberim, 
tr. Padum, tr. Alpes wuchsen dieselben im Laufe der Zeit zu 
einem einzigen Worte mit substantivischer Geltung zusammen: 
Transtiberim = to itigav zov Tißigeog 'das Land jenseit des T/, 
Transpadum, Transalpes. Einen so kühnen Schritt wagte zunächst 
nur die Volkssprache, die dann konsequenterweise vor das neue 
Subst. wiederum Präpositionen setzte: CIL VIII 822, 13 per Trans- 
padum. Die Schriftsprache deklinierte die neuen Worter, liefs 
aber Präpositionen davor weg: Plin. n. h. 3, 124 Boi TransalpSms 
profecti (d. i. ex regionibus transalpinis), Gell. 15, 30, 6 petorrihtm 
est (stammt) non ex Graecia dimidiatum, sed totutn Transalpibns 



Ul8, trans und ultra. 253 

(so ist zu schreiben und das von Hertz nach totum zugesetzte 
ortum zu streichen); vgl. scr. Lang. 201, 20 plura TransaJpium. 
So mufs namentlich auch Transtiberim schon frühe in der Volks- 
sprache als Subst. behandelt worden sein, wenn auch durch- 
schlagende Belege erst das Mittelalter liefert: Mirabilia Romae 
(älteste Fassttng um 1150) 2 sine Transtiberim, 3 excepto Trans- 
tiberim, 10 in Transtiberim; vgl. ital. Trastevcre. Ein sorgfältiger 
Autor durfte derartiges freilich nicht wagen, zumal sich solche 
Ausdrücke leicht vermeiden liefsen. Statt in Transtiberim sagte 
man beispielsweise in transtiberina regione Spart. Sever. 19, 5. 
Vop. Aurel. 45, 2 oder in tramtiberino tractu Amm. Marc. 27, 3, 4, 
statt in Transpado lieber in transpaclanis partibas scr. Lang. 206, 21, 
statt e Transpado lieber e regione transpadana Suei Vesp. 1. Das 
Ge wohnliche ist, dafs für in Transtiberim sowohl auf die Frage 
wo? als wohin? einfach tr. Tiberim eintritt, so dafs es dem Leser 
überlassen bleibt, die betreffende Nuance im Sinn selber zu finden. 
So wird z. B. in der kirchlichen Übersetzungslitteratur das griech. 
iv rc5 nigav xov 'Ioqöccvov einfach durch tr. Iordanen gegeben: 
num. 32, 19. 32. 35, 14. deut. 3, 20. 4, 46 im Lugd. Wir haben 
also die Freiheit, an Stellen wie Liv. 2, 13, 5 patres C. Mucio . . 
tr. Tiberim agrum dono dedere den Präpositionalausdruck im Sinne 
von iv tg) hsqccv xov T. c in Trastevere* zu fassen ; vgl. z. B. Vop. 
Aurel. 45, 2 thermas in transtiberina regione Aurelmnus facere paravit 
mit Bd. 13, 453 M. fecit . . basilicam tr. Tiberim (in Trastevere). 
Noch deutlicher ist Aur. Vict. Caes. 28, 1 exstructo tr. Tiberim 
lactt, quod eam partem (den Stadtteil Transtiberim) aquae penuria 
fatigabat. Die Frage wohin? liegt vor Suet. Dom. 1 cum se tr. 
Tiberim (nach Trastevere) ad condiscipidi sui matrem contulisseU 
Eine Anastrophe von tr. wagen nicht einmal die Dichter; 
dagegen erlauben sich diese hie und da, tr. you seinem Kasus 
zu trennen: Ov. trist. 4, 9, 23 tr. ego tellurem, Stat. Th. 4, 394 
tr. . . Caucason, Iuvenc. 1, 415 (Marold) tr. et Iordanem, Boeth. 
cons. ph. 3, 8 v. 17 tr. dbiit polum, Alcuin. poet. Car. I 180, 456 
tr. insuper aequora. Das Stärkste leistet Bonifatius poet. Car. I 
6, 83 trans, ubi semper eram, fugiens nunc sidera scandam. 

Die Dichter weisen auch unserer Präposition in der Regel 
eine feste Stelle im Verse an. Im Hexameter steht tr. regel- 
lnäfsig 1) in der Arsis des 1. Fufses: Lucr. 5, 914 tr. maria alta, 
Verg. ecl. 8, 102. Aen. 6, 312 u. o.; mehrmals steht so tr. fluvium 
Paul. Petr. 6, 88. Coripp. loh. 4, 141. Erm. Nigell. poet. Car. II 



254 Pb. Thielmann: 

27, 93; — 2) am häufigsten in der Thesis des 4. Fufses (se 
Vergil). Stehende Verbindungen sind: tr. flumina Verg. g» 
3, 213. Auson. 417, 72. Erm. Nig. poet. Car. II 48, 261; tr. aequor 
Verg. Aen. 3, 403. Sil. It. 1, 30. Stat. silv. 3, 2, 21. 3, 4, 67. Chi 
dian. 10, 47. 20, 149. 509. 26, 108. Paul. Petr. 6,456(459). Alcui 
poet. Car. I 171, 62. 188, 837. 191, 1010. 220, 1; trtaeihera Verj 
Aen. 7, 65. Avit. cann. 4, 597; tr. ardua Sil. 15, 493 (496). Neme 
cyn. 251; tr. sidera Iuvenc. 1, 495. 2, 222. Paul. Nol. natal. 8, 18! 
poet. Car. III carm. Centul. 2, 54; — 3) weniger häufig in de 
Thesis des 3. Fufses: Verg. geo. 3, 269 tr. Gargara, Ov. met ! 
114. Hör. ep. 1, 11, 16 u. o. Hier bürgert sich tr. aequora en 
nach Vergil ein: Sil. 8, 505. Claudian. 1, 34. Wal. Strab. poe 
Car. II 306, 71. Alles übrige, z. B. tr. in der Arsis des 2. Fulsc 
(Verg. Aen. 6, 415. Stat Th. 5, 11) oder in der Arsis des 5. Fulsc 
(Verg. geo. 3,269. Hör. ep. 1, 11,27) ist nur vereinzelt. Sor§ 
faltige Dichter stellen tr. da, wo sie es zweimal im Vers voi 
bringen, einmal in die Arsis, das andere Mal in die Thesis: Verj 
geo. 3, 269 Mas dtteit amor tr. Gargara transque sonantem Asa 
nium, Ov. trist. 4, 9, 23. Claudian. 1, 34. 

IL Allgemeines über ultra. 

Ultra (parte) gehört wie uls als Steigerungsform zu olfo 
(S. 247); vgl. die Zusammenstellungen u. Ultimos collcs b. Afi 
18, 4, u. ulterioretn ripam Flor. 4, 12, 19. Vermöge seiner kom 
parativen Bedeutung bezeichnet u. die Vorwärtsbewegung (in hör 
zontaler Richtung) über einen bestimmten Punkt (Linie, Raum 
hinaus, der regelmäfsig als Grengpunkt gedacht ist. War Im 
trans *über — hinüber 5 der Blick auf den zu durchmessende: 
Raum gerichtet, so fallt bei u. 'über — hinaus* das Schwergewich 
auf den hinter dem Grenzpunkt liegenden Raum. So steht t 
zunächst wieder bei Verben der Bewegung, und aus seiner Grund 
bedeutung erklärt sich seine häufige Verbindung mit Compositi 
von pro (Vorwärts über eine Grenze hinaus'). Gleich das ältest 
Beispiel rex atribas u. fossam protendere coepit Enn. ann. 555 ^ 
= 339 B (Müller ann. 536 hat intra) gehört hierher, wenn ander 
Lachmanns Lesung (zu Lucr. 4, 619) richtig ist. Ferner verbinde 
sich t(. mit proeresco, -curro, -dueo, -fero u. a., insbesondere abe 
mit progredior (Cic. Tusc. 4,38. Phil. 11, 1. div. 1,24. b. Alei 
15, 5. Liv. 26, 25, 17 u. ö.) und procedo: Prop. 5, 7, 29. Liv. 3, 46 
1. Sen. suas. 1, 3. contr. 10, 3 (32), 9 u. ö. An zweiter Stell 



Ula, trans und ultra. 255 

folgen die Komposita mit ex, die das Heraustreten aus einem ab- 
gegrenzten Raum und somit gleichfalls das Überschreiten einer 
Grenze bezeichnen: effero Com. 4, 60, egredior b. Alex. 20, 3. Quini 
1 1, 2, 13, excedo Liv. 3, 41, 4. Val. Max. 3, 2, 24 u. a. 

Aus der Grundbedeutung erklärt sich auch das häufige Vor- 
kommen von u. im negativen Satze: eine angegebene Grenze 
wird nicht überschritten. In verschiedenen Entwickelungsstadien 
tritt w. zuerst eine Zeit lang nur in negativen Sätzen auf, denen 
erst nach einer Weile die positiven folgen. So heifst es anfangs 
nur non progredi ti. (Cic. s. oben; positiv seit b. Alex. 15, 5), non 
pracedere u. (die angeführten Stellen sind sämtlich negativ; pos. 
seit Cels. 7, 15 p. 292, 19) u. s. w. 

Die komparativische Natur von u. erklärt den häufig hin- 
zutretenden abl. discriminis: Caes. b. gall. 1, 48, 2 miUibus pas- 
$**-um duobus u. cum, Plin. n. h. 4, 79 multis u. Alpes millibus, be- 
sonders oft paulo m.: Caes. b. civ. 3, 66, 4. b. Alex. 9, 3. 21, 4. 
Phaedr. app. 1, 14, 7. Colum. 4, 29, 9 u. ö. Der Acc. des Maises, 
der sich daneben findet, steht ebenso bei andern Komparativen 
CWölfflin, Komparation S. 35): Caes. b. civ. 3,26,4 u. Lissum 
millia passuum tria, Sen. dial. 2, 3, 3 multum u. se, Plin. n. b. 9, 
181 paulum u. digitos u. ö. 

Den Gegensatz zu u. bildet citra: Hör. sat. 1, 1, 107 flnes, 

tuos u. citraque, Liv. 25, 5, 6. 38, 39, 17. Plin. n. h. 3, 47. 5, 66 

u. o. Auch eis tritt hie und da als Gegensatz zu u. auf, da ja 

letzteres teilweise die Funktionen von uls übernommen hat: Cato 

p. 10, 20 J. eis Ariminum . . u. agrum Picentium. Im Spätlatein 

tritt intra an die Stelle von citra: Paul. dig. 17, 1, 5, 5 non u. 

präium aut intra pretium, Vu 8 . 1 reg. 20, 22 sagittae intra te sunt 

• . sagittae u. te sunt u. ö.; vgl. Isid. diif. verb. 579 u. illuc vel 

dmplius, citra huc ad nos, intra ms. Da u. nicht selten = supra 

ist, so steht auch sab als Gegensatz: Theod. Mops. Eph. 4, 9 sub 

terra . . «. terratn, Aug. in ps. 38, 10 u. solem . . sub sole. 

Dem Adverbium w. (zuerst bei Com. 4, 60 bis) können wir 
im folgenden nur ausnahmsweise Berücksichtigung schenken. Wenn 
bei Cicero Verr. 5, 119 estne aliquid , «. quo crudelitas progredi 
possit? Müllers Interpunktion richtig ist (die übrigen Herausgeber 
setzen das Komma nach u. oder gar nicht), so dient hier u. zur 
nähern Bestimmung des allgemeinen quo, in ähnlicher Weise, 
wie etwa in u. fossam der ursprüngliche lokale acc. fossam durch 
die zugesetzte Präposition präzisiert worden ist (vgl. Cic. Tusc. 1,17). 



256 Pb. Tbielmann: 

Wie u. f so hat vielleicht auch ulterias einmal den Accusatu 
bei sich: Prop. 1, 6, 4 tilteriusque domos vadere Memnonias (w 
Haupt-Vahlen; domo -a Müller). Der scheinbare Ablativ (S. 249^ 
findet sich bei u. im Texte: u. finitima linea grom. 22, 15, u 
prima flexura schol. Germ. Ar. 420, 16 u. Legere (Ligerc, Ligire 
Fred. 3, 75. gest. Franc. 5. 28. 33. 53, u. Geronna cont. Frei 13C 
134; vgl. noch die Varianten zu Ps.-Cypr. Bd. 3 de laucL mart. i 
u. ardore QT, grom. 187, 14 B, 188, 9 AB, Greg. T. h. Fr. 7,8! 
p. 315, 4. 8, 30 p. 343, 13. Ven. Fort. carm. 1, 8 tit. Dafe hie: 
überall nur der Accusativ vorliegt, zeigen Stellen wie grom. 22 
15 u. limites et u. finitima linea, coni Fred. 112 u. Igne fluvium 
117 u. fluvium Igni. So bleibt als wirklicher Ablativ nur « 
viribus bei Aethicus 82 p. 63, 30, einem Autor, der von der rieh 
tigen Verwendung der Kasus überhaupt keine Vorstellung meh 
hat. Der Gen. bei u. wäre denn doch gar zu abenteuerlich: ii 
de u. Scquane Capit. Car. 134, 25 ist Sequane als -a (= -am) zi 
fassen, und in u. portus act. Timoth. ed. Usener 12, 59 liegt ein 
sklavische Obersetzung des griechischen xsqccv xov kipivog voi 

Zu einem mit trans zusammengesetzten Verb kann eine naher 
Bestimmung mit tt. treten: Sen. ep. 102, 4 u. extretnum diem cura 
transmittere, jedoch lange Zeit nur bei temporalem oder modalen 
Sinn von u. Erst die spätere Entwicklung, in der das lokal 
u. sich allmählich in die Rechte von trans eindrängt, bringt Bei 
spiele wie transduxit u. Iordanem Hier. Bd. 3, 1347, ti. amnet 
transeunt Greg. T. S. Iulian. 7 p. 567, 33, u. mare transmitteba* 
Nenn. 43. 

Mit dem Untergänge von uls trat u. dessen Erbschaft ai 
soweit diese nicht an trans gefallen war (erstes Beispiel: Cat 
p. 10, 20 u. agrum Picentium, wenn Varro genau citiert), un 
stand somit auch auf die Frage wo? in der Bedeutung c über eine 
Grenze drüben, jenseit'. Bezeichnet trans vermöge seiner Zu 
sammenstellung mit den Begriffen c Meer, Flufs, Berg* die Lag 
jenseit einer Querlinie, so wird durch u. oft die Lage jensei 
einer als Punkt gedachten Grenze ausgedrückt (vgl. Liv. 22, 43, ' 
u. castra transque montis und dazu Wölfflin). Wie trans wir 
auch dieses u. unmittelbar mit einem Substantiv verbunden (z. E 
Curt. 4, 9, 14 regio te. amnem), im ganzen aber nicht oft, und s 
hat sich im Anschlufs an diesen Gebrauch nur ein einziges mi 
u. komponiertes Adjektiv entwickelt: ultramundanus Apul. dogff 
PI. 1, 11. Mart. Cap. 2, 185. 



UU, trans und ultra. 257 

Aach u. steht manchmal auf die Frage woher?: Sen. ep. 
110, 14 vestes u. non tantum noslrum, scd u. fincm Jwstium ad- 
ttdas, Plin. n. h. 19, 52 avis u. Phasim arnnem peti und besonders 
ib. 21, 11 petitis ab India aid u. Indos. Anch hier hilft Hiero- 
nymus durch inde nach: Vu 3 . Sophon. 3, 10 u. flumina Aethiopiae, 
inde . . deferent; auch hier entschlofs sich die Volkssprache kurz 
und gut eu de ultra: Sophon. 3, 10 de u. flumina bei Rufin. interpr. 
Orig. comm. in Cantic. lib. II (opp. Orig. ed. Lomm. XIV p. 364 sq.), 
das später besonders in Gallien üblich war: Pard. 247 a. 629 de 
u.mare, Fred. 4,38 de u. Renutn, Capit. Car. 134,25 de u. Se- 
<pme (it. cFoltra, (Tollre, fr. d'outrc). In ab u. vicum Triari CIL 
VI 9493 ist u. vicum Triari als erstarrte Bezeichnung einer be- 
stimmten Lokalität zu betrachten, vor die wiederum eine Präpo- 
sition treten konnte. In ultra steht nur adverbial: Lev. 13, 57 
Tolet quodsi in u. [ßxi\ apparuerit. 

Wenn bei trans die Anastrophe fehlt, ist sie bei u. um so 
häufiger. Der erste und leichteste Fall ist die Umstellung beim 
Relativ (quem u. Cic. Tusc. 4, 38, quos u. Hör. sat. 1, 1, 107. 
Phaedr. app. 1, 14, 7), aber noch vor der Anastrophe beim De- 
monstrativ Qiunc u. Germ. Arat. 241, haec u. luven. 8, 199, lianc 
u. Avien. descr. 582) findet sich die beim Substantiv: saepetn u. 
[Munro, Bernays; cod. saepe supra] Lucr. 4, 611, viris u. Verg. 
Aen. 6, 114, portas u. Prop. 5, 7, 29, scopxdos u. Stat. silv. 5,3,49, 
Tiberim w. luven. 14, 202, molem aggeris u. id. 16, 26, umetitia u. 
Tac. ann. 1, 65, Danuvium u. ib. 2, 63, Euphratem tu 15, 17; bei 
Sen. Ag. 996 mortem . . w., Stat. Th. 1, 706 fatum . . u. und in der 
nt Vedasti 6 (AS Febr. I 792 ff.) Crientium fluviölum . . u. kommt 
noch Trennung der beiden Bestandteile hinzu. Demnach erlauben 
Weh Anastrophe (aufser Cicero) nur Dichter und poetisierende 
Prosaiker. 

Auch aufserhalb der Anastrophe ist die Trennung der beiden 
Teile nur selten: Stat. silv. 1, 2, 114 u. emincat matres, Ambr. I 
937* = apol. Dav. alt. 4, 24 u. David regis proecssisse virtutem, 
wie auch die Stellung von u. zwischen Adjektiv und Substantiv: 
Tac. ann, 13, 26 centesimum n. lapidem, Claudian. 5, 149. Sedul. 
carm. pasch. 2, 12. Sehr auffallig bleibt daher b. Hisp. 16, 2 u. 
ibat [stabat Koch] flumen Salstim. Sollte hier ein mifsglückter 
Versuch vorliegen, u. zur Verbalkomposition zu verwenden, u. Hat 
= tr ansibat? 

Für die Verwendung von u. (als Präposition) im Hexameter 



1 

258 Pb- Thielmann: Ula, träne und ultra. j 

i 
i 

ist zu beachten ; dafs die Betonung auf der letzten Silbe die ! 
frühere ist: ultra 9 Enn. ann. 555 V. Lucr. 4, 269 u. o., ultra* Lucr. 
4, 611. Verg. ecl. 7, 27 u. o., ultra 41 Verg. Aen. 6, 114 u. o. Die 
Betonung ultra findet sich erst seit Horaz (beim Adverb schon 
seit Vergil), und zwar zunächst am Schlüsse des Hexameters j 
(sat. 1, 10,69. 2, 1, 1) ; seit Manilius auch am Anfang desselben: , 
1, 140. Lucan. 2, 138 u. o.; vgl. ultra Ovid. Her. 2, 2 am Anfang \ 
des Pentameters. Elision der Präposition ultra ist im Hexameter 
bzw. Pentameter (Sil. 13, 554. Stat. sil?. 5, 3, 49. Ven. Fort carm. ; 
8, 3, 331. Mart. 3, 511. spur. 1, 232) bei sorgfaltigen Dichtern 
ebenso selten als in andern Versen : Sen. Ag. 996. Oct 27. Arien, 
or. mar. 375. (Schlafs folgt) 

Spei er. Ph. Thielmani. 



Lausa. 

Von dem im Archiv durch Bücheier (II 605 f.) und Gröber (DI 
510) neu beleuchteten und erhärteten Worte lausa = Steinplatte, 
Grabplatte — das sich zu dem inschriftlich erhaltenen lausia ter- 
hält, wie noxa zu noxia — wird Anwendung zu machen sein ttf 
eine Stelle des Plautus, durch die zugleich der älteste Beleg md 
eine noch weitere Instanz gegen die keltische Herleitung des Wort* 
gewonnen wird. 

Im Truculentus v. 730 f. ist überliefert: 

Stultus es, qui facta infecta facere uerbis postules: 
Thetis quoque etiam lamentando laumm fecit filio. 

Über und für das unbekannte lausum sind mancherlei Ver- 
mutungen aufgestellt worden: zur Vulgate wurde das schon von Valla 
aufgebrachte pausam. Dies habe ich mit gutem Grunde aufgegeben, 
hauptsächlich weil es dem Sinne nicht entspricht, sondern, wider- 
spricht: dafs Thetis zu jammern aufgehört, kann doch nicht mit 
tjuoque etiam dem Gedanken angeschlossen werden, dafs Thoren Ge- 
schehnes mit Worten ungeschehen machen wollen. Aufserdem mochte 
ich ungern die in der Überlieferung erscheinende starke Allitteration 
beseitigen. Allein mein Vorschlag lamentando lassa hau fecit filiu* 
giebt dem Gedanken einen ungeschickten, ja unzulässigen Ausdruck: 
wir können mit kleiner, ja eigentlich keiner Änderung schreiben 
lamentando laus am fecit filio, selbst eine Thetis mufste mit Jammern 
den Sohn begraben, konnte ihn nicht damit zum Leben erwecken. 

Heidelberg. Friedrich SchölL 



1 



Über die Latin ität der Peregrinatio 

ad loca sancta. 

Es wird hoffentlich bei den Lesern Entschuldigung finden, 
wenn der letzte freie Bogen des Heftes und der letzte freie Tag 
?or der Vollendung des Antiquasatzes dem Berichte über einen 
Fund gewidmet wird, welcher für die Geschichte der lateinischen 
ßprache von hervorragender Bedeutung ist. Indem wir auf die 
Litteraturanzeigen verweisen, nehmen wir es als wahrscheinlich an, 
dafe die jetzt zuerst veröffentlichte und zugleich älteste Beschrei- 
bung einer Reise nach dem gelobten Lande etwa zwischen 380 und 
390*) anzusetzen ist, und dafs die ebenso bibelfeste als rüstige 
Verfasserin, die von Konstantinopel aus an ihre Klosterschwestern 
»treibt, Gallien zur Heimat hatte. Die Identifizierung derselben 
nit einer aus Palladius bekannten Pilgerin Silvia aus Aqui ta- 
uen kann hier weder bestritten, noch als sicher angenommen 
Verden; doch scheint die Abhärtung der Silvia, die ihrem Korper 
lie Wohlthat eines Bades nicht gönnte und nie sich in einer 
Sanfte tragen liefs, noch gröfser gewesen zu sein, als die unserer 
Verfasserin, die nicht nur reitet (p. 58 descendimus de aninia- 
ibus; 53 ut sedendo in asellis possit subiri), sondern auch die 
Sanfte nicht grundsätzlich verschmäht, nach p. 38: pedibus me 
ucendere necesse erat, quia prorsus nee in sella ascendi poterat. 
Jbrigens thut der Name nichts zur Sache. Unsere Verfasserin 
r *r des Griechischen kundig, aber sie schrieb ein Latein, welches 
fe nicht der Lektüre Ciceros verdankt, vielmehr schreibt sie so 
lern lieh, wie sie sprach. Aus ihrer Bescheidenheit (p. 44 par- 
itas mea) läfst sich nichts über ihre Stellung folgern; sonst 
ekennt sie von sich nur p. 60: ut sum satis curiosa, was man 
dt Vifsbegierig' wird übersetzen dürfen, wie denn auch ihr 

*) Die Sprache der Verf. stimmt durchaus zu dem Ausgange des 
f. Jahrb. nach Chr., was hier freilich nicht näher ausgeführt werden kann. 



260 Ed. Wölfflin: 

Interesse sie in der Darstellung öfters vom geraden Wege ab- 
führt; so dafs sie sich mit ut redeam ad rem wieder zurückruft. 
Nachdem sie den Sinai bestiegen, Ägypten, Palästina, Mesopo- 
tamien drei Jahre lang bereist hatte, wollte sie noch von Kon- 
stantinopel einen Abstecher nach Ephesus machen, propter mar- 
tyriuin S. Iohannis, p. 75. Dafs sie mehr Sinn für den Kultus 
als für die Naturschönheiten besitzt, ist ganz natürlich; die Haupt- 
ausbeute wird daher den Theologen zufallen. Wir versuchen hier 
nur darzustellen, wie etwa zu Ende des vierten Jahrhunderts im 
südlichen Gallien (die Verfasserin vergleicht den Euphrat mit dem 
Rhodanus) das Latein 'gesprochen' worden ist, was man aus den 
Schriften des Sulpicius Severus oder Cassian kaum erkennt, and 
wir hoffen mit dieser Skizze namentlich den Romanisten zu 
dienen. 

Mit der Lautlehre wollen wir den Leser nicht lange auf- 
halten. Da in Gallien wie anderwärts die Aspiration im Anlaute 
der Worte frühzeitig abgeschwächt wurde und die Grammatiker 
nicht müde wurden zu predigen, man solle abire und habere und 
ähnliche Worte auseinanderhalten, so findet sich in der Reise- 
beschreibung h sowohl falsch zugesetzt, als auch, wenn auch 
seltener, gegen die Regel weggelassen; regelmäßig Ierusolima \ 
und ymnus, hitur neben itur, abitatio 42, hac = ac (vgl. unten), . 
Hisauria, heremus, hostium = ostium, dagegen 58 Ostias für hostias, < 
88 ora für hora. Es kann daher die Vermutung nicht unterdrückt * 
werden, 83 sei statt: quam (Kirche) Constantinus, in quantum 
vires regni sui habuit, honoravit auro, musivo et auro pretioso 
zu schreiben hornavit = ornavit, obwohl anderwärts richtig or- 
natus (aber freilich auch 84 falsch hornatus) geschrieben ist 
Ilispatium bietet der Codex 53, aber 97 spiritum. Die Ortho- 
graphie baptizare überwiegt in der ersten Hälfte der Schrift 59. 
60 bis; in der zweiten baptidiare 98. 104. 105. 107. Vgl. die An- 
merk, zu Arch. III 590. 63 Gerapolin = Hierapolin. 

Die Deklination ist bereits halb zerfallen; die Accusative 
Sing, verlieren ihr m (35 per valle illa, per giro und per girumi 
69 nobis satis gmtum evenit und grate satis evenit, 68 illud mihi 
satis grata fuit) und fallen dadurch mit den Ablativen zusammen; 
statt der Antwort auf die Frage wohin? erhalten wir die auf die 
Frage wo? (33 in eo loco cum venitur), und damit man nicht 
in monte als Schreibfehler für in monteni ansehe, so heifst es 
konstant: ubi cum ventum fuerit, nicht quo. Infolge dieser Kon- 



Ober die Latinität der Percgrinatio ad loca sancta. 261 

farion heilst es also auch 95 sedete vobis, und griechische Worter 
ghilten ihren Nominativ (Accusativ), wie 76 simul cum mona- 
lontes, 84 a monazontes. Wir übergehen indessen dieses Kapitel, 
feil man ja sagen könnte, die zerrütteten Kasusformen (75 si in 
orpo faero?) gehörten nicht der Verfasserin, sondern dem Ab- 
direiber etwa des eilften Jahrhunderts, eine Einwendung, die 
reilich nur geringe Berechtigung hat, wenn man erwägt, wie 
orgfaltig die in Monte Casino geschriebenen Handschriften kopiert 
o sein pflegen. 

Aus dem gleichen Grunde können und wollen wir die Kon- 
lgation nur streifen. Die Yerba der zweiten und der dritten 
onjagation fliefsen ineinander über ohne bestimmtes Prinzip; ja oft 
ieint in der Koordination die vorangehende Form die folgende 
i beeinflussen; z. B. 76 dieuntur et responduntur. Dormito p. 80 
t erstes Supinum; 93 fietur so wenig zu beanstanden als zwei 
iilen weiter unten facitur. In den passiven (bezw. deponentialen) 
)rmen statt esse, sum, sim, eram, essem regelmäfsig fuisse, 
erim, fueram, fuissem u. s. w. Einmal lesen wir sogar 78 ubi 
m perventus fuerit (episcopus et populus), was an das roma- 
iche je suis venu, io sono venuto erinnert, wenn nicht viel- 
&hr perventum zu lesen ist, wie an zahlreichen Parallelstellen. 

Einige Aufmerksamkeit werden wir dem Verbum ire schenken 
irfen, welches bereits in gewissen Formen durch v ädere und 
übulare verdrängt ist. Vadere liefert an 14 Stellen (das 
belcitat vade in Charram kommt hier nicht in Betracht) die 
itte Person Sing, und Plur. des Präsens Ind. Act. mit vadet 
td vadent (Ausnahme 101 vadunt); ambulare stellt namentlich 
n Infin. Präs. Act (41. 45 bis. 91), auch das Partie. Präs. (35. 
1), die unterliegende Konkurrenzform ambulant, 45, bis, und 
ideres. Ire hat nicht nur seine einsilbigen Formen eingebüfst, 
ädern auch die zweisilbigen werden gern verstärkt durch kon- 
nantischen Zusatz, ivens 90, bitur 83. 93. 95; hiens 57, hivit 
l; lebenskräftig und wenig bedroht sind die dreisilbigen wie 
ntes, eundo, eamus, eatur, ibamus, ierunt, ieramus. Möge man 
»er den Ursprung des französischen aller denken, wie man 
)lle: die Entscheidung der Kontroverse wird aus dem Spätlatein 
d Vulgärlatein zu ziehen sein. 

Das Futurum kommt in dem Reiseberichte offenbar zu kurz, 
d läfst sich durch das lebhafte Präsens vertreten, z. B. 65: si 
•enter habes, loca ostendiuius tibi = so zeige icli dir die Ort- 



262 Ed. Wölfflin: 

lichkeiten = werde , will ich zeigen. Es nützte nichts, Ofltao- 
demus zu schreiben, da dieses selbst doch nur als Präsensfonn 
gefafst wordeu wäre. 

Da die Franzosen sagen le livre se vend, la guerre se &ü 
(= wird verkauft, wird geführt, wozu lateinisch venditur und 
facitur fehlt), so verlohnt es sich, den Anfange? dieses auch 
aus dem Italienischen bekannten Sprachgebrauchs nachzugehen 
Während die Verfasserin 93 schreibt collecto omni populo, halt 
sie sich doch im Aktiv regelmäßig an se colligere (77. 79 btt. 
82.84.92.93), zieht dieses mithin dem medialen colligi vor. So be- 
gegnen uns denn eine Reihe von Redensarten, welche einem grie- 
chischen Medium entsprechen, wie se tendere, sich bestrebo, 
sich nach etwas richten: 45, 2 ad signa se tendunt, 59 tendmri 
se, ut laventur in eo loco, 62 ad quos (locos) me [te]tenderam, * 
tendat illuc, 109 qui non se in Ierosolima tendat. Nach Analogi 
von se movere (Gl) und se lungere (45) heilst es auch 36 v 
plicaremus nos ad montem, 45 plicavimus nos ad mare (abeolo 
66 cum Persae iam prope plicarent civitati); und sogar inkorrek 
45 inde nos . . . reversi sumus, 82 vadent se unusquisque • 
ospitium suum. Einen noch handgreiflicheren romanischen V« 
lauf er haben wir in: se facere: 86 facit se hora quinta, 89 ut 
coeperit se niane facere, 91 cum cocperit se facere hora noni 
97 cum sexta hora se fecerit und ebenda cum ceperit se imi 
hora nona facere. Vgl. 91 cum ceperit esse hora undecinia. 

Die Hauptsache über die Komparation läfst sich etw 
dahin zusammenfassen, dafs der Komparativ noch nicht dura 
magis oder plus umschrieben, auch der Superlativ noch gebildk 
(35 planissimus neben Positiv, 49 vetustissimus, 50 frequentis« 
mus, 74 amicissimus, 80 quam vis durissimus), doch, wo er du 
einen sehr hohen Grad einer Eigenschaft bezeichnet, häufige 
mittelst valde und satis ausgedrückt wird, welche bald vor, bab 
hinter das Adjektiv treten. Optimae satis 57 und 59 beweist 
dafs optimus = bonus zu interpretieren ist; 46 melior satis m 
= melior multo, wohl auch 68 vere amplius dem Sinne nach * 
multo, wie ähnlich 53. 73 vere sanctus = valde, 49 pleonastiscl 
vere satis religiosus. Auch 72 lapidem infinitum nimis und 31 
vallem infinitam ingens sind hieher zu ziehen. Immer heifst « 
superius dicerc, doch 81. 82 infra annotare. 

Der Wortschatz der Schriftstellerin ist ein beschranktet 
viele Ausdrücke fehlen ihr, weil sie in der Volkssprache nich 



Über die Latinität der Peregrinatio ad loca sancta. 263 

mehr lebten, andere, weil sie sich nicht bemühte, die ganze ihr 
n Gebote stehende copia verborum auszunutzen. Bedürfte es für 
genauere Angaben einer wiederholten Lektüre, so sieht man doch 
schon auf den ersten Blick, dafs urbs wie oppidum bereits ganz 
abgestorben und durch civitas ersetzt sind, und wie libcri vor 
infantes hat weichen müssen, so vesper und vespera dem roma- 
nischen sera, was eigentlich auf Italien als Heimat der Verf. 
deuten könnte. Die gute Latinität kannte wohl und gebrauchte 
in gewissen Verbindungen das substantivierte serum, und Virgil 
Georg. 4, 122 erlaubte sich, da es ihm besser pafste, den Plural 
sera, orum; die weibliche, in die erste Deklination übergetretene 
Form ist Georges nicht bekannt und bei DuCange erst mit der 
fiegula Benedicti belegt, während sie in dem Reiseberichte die 
fast allein übliche Form ist, z. B. 41 zweimal quia iam sera erat, 
87 sera manducant, 88 de sera ad seram, 100 revertuntur sera, 
ebenso 101, wogegen 98 usque ad sero eine Ausnahme bildet. 
Vergl. das aus dieser Zeit aus Eutrop bekannte strata, 89. 
Dafs liberi (die Kinder) in der Volkssprache neben libri (die 
Bücher) sich nicht behaupten konnte, ist schon von vornherein 
klar; wenn nun auch die Peregrinatio, welche diesen Begriff selten 
streift, nicht gerade geeignet ist, um einen strikten Beweis zu 
fahren, so fehlt doch liberi und an dessen Stelle erscheint mehr- 
fach in erweiterter Bedeutung infantes, 91 infantes cum ramis vel 
palmis occnrrerunt Domino, 99 cum omni clero et omnibus in- 
fantibus, 94 von einer Prozession usque ad minimum infans. 

Unter den Adjektiven behauptet pulcher seinen Platz sieg- 
reich gegen das nirgends auftauchende bellus; magnus liegt in 
den letzten Zügen, da nur an vier Stellen (63) fluinen magnuin 
et ingens gesagt ist (man beachte die nähere Bestimmung durch 
ingens), 94 tarn magna turba und tarn m. montem, und (65) ein 
Bischof von einem magnus labor spricht. Dagegen tritt grandis 
bereits zwanzigmal auf, und zwar nicht nur lapis, ecclesia, vallis, 
ficus, campus grandis (36. 38. 42. 48. 43. 75), sondern auch gr. 
labor, reverentia, grande testimonium, 38. 58. 62. 70. Nicht ge- 
ringerer Beliebtheit erfreut sich ingens, welches offenbar noch 
mit grandis wetteiferte, weil es so ziemlich die nämlichen Ver- 
bindungen aufweist, wie i. vallis, lapis, ecclesia, civitas, 36. 36. 
(9. 60. 64; auch infinitas wird herangezogen 60 vallis ingens, 
«orrentem infinitum, 72 lapidem infinitum; 49 ruinae infinitae, 77 
amen infinitum, 84 i. turbae, 39 infiniti montes (= alti). Vgl. 



264 Ed. Wölfflin: 

noch 58 turbae aliquantae, 66 transacto aliquanto tempore, 56 
post aliquantum tenipus. Parvus ist fast ganz verschwunden 
(109 quando parvi fuerint = wenn es ihrer wenige sind, pauci); 
pauci und paulum (paulo) fehlt ganz. Hier ist lange und mit 
verschiedenem Erfolge nach einem passenden Ersätze gesucht 
worden; die sogenannte Silvia begnügte sich in der Regel mit 
modicus: 37 colliculi permodici, 39 modica nerrola, 48 clivus 
m., 49 arbor perni», 59 m. frustella, 88 sorbitione m. In Ver- 
bindung mit einem Komparativ ist modice = paulo stehend, 51 
altior, 53 m. altior und m. acrius, 56 m. planior; auch das Neu- 
trum paulum (paululum) vertritt das nämliche Adverb, 95 sedent 
modice, und ebendaselbst bedeutet modico parati estote: in kurzem, 
bald. Ein anderer Stellvertreter, pisinnus, wird den Klassikein 
kaum bekannt sein; Silvia schreibt 50 a pisinno, von Jugend an; 
53 ecclesia p.; 78 pisinni plurimi stant = pueri. 

Dies erinnert uns daran zu sagen, dafs auch multi, so gut 
wie magnus, auf dem Rückzuge begriffen ist, mit 53 multi ex 
monachis, 57 aquae multae, 64 multa erant, 69 virtutes multas, 71. 
109. Das klassische quid multa? hat bereits regelmäfsig dem Kom- 
parative quid plura? Platz gemacht, wie ihn in dieser Formel 
auch Sidonius Apollinaris in seinen Briefen regelmäfsig, und 
Gregor von Tours hist. Franc. 2, 2. 4, 12. 44. 5, 5. 19 ms. w. 
wenigstens häufiger als den Positiv anwendet. Aus den Stellen 
der Silvia 45. 50. 109 Et quid plura? ergiebt sich auch die Emen- 
dation von 38: senex integer et, quod plura, qualis dignus est 
esse in eo loco, da es nicht nur plus heifsen müfste, sondern 
auch die rhetorische Frage durch die der Silvia gewöhnliche Ko- 
pula et verbürgt ist. Vgl. 36 iter . . . plures sunt, der Wege 
giebt es mehrere (viele?) Auch cetera plura (71) ist wohl nichts 
anderes als cetera multa. Aufserdem stehen dem multi minde- 
stens zwölf Stellen von plurimi gegenüber, 41 bis. 48. 53. 58. 62. 
74. 75. 78. 79. 109, auch infinitus greift teilweise ein, 78 vocesl» 
80 luminaria i.; 64 martyria aliquanta, 51 fratribus aliquant», 
63 mansiones aliquot, 64 aliquanta legimus. Die Superlative 
sanken ja auf die Stufe der Positive herab (vgl. oben), vor allem 
die unregelmäfsig gebildeten, und darum konnten sie leicht dem 
untergehenden Positiv Hilfe leisten. Unter diesem Gesichtspunkte 
darf auch 93 maximus labor als Ausweichung von magnus labor er- 
wähnt werden und 84 valde cum summo honore = magno, 46 
melior satis = m. multo, gerade wie bonus selten (106 b. vitae), 



über die Latinität der Peregrinatio ad loca «ancta. 2(>5 

optimus häufiger (41.57) ist, und 59 neben einem Positiv steht: 
aquae optimae et purae. 

Unter den Adverbien verniifst man zuerst saepe, während 
semper noch nicht erschüttert ist; freilich kommt der Begriff nur 
selten vor, und zum Ersätze ist subinde nirgends, frequentcr 74, 
aliquotiens 59, assidue, wenn es überhaupt als Synonymum gelten 
darf, 87 benutzt. Stärkere Lücken zeigen die Präpositionen, und 
man entdeckt sie um so leichter, als dieselben in jeder Stil- 
gattung und bei jedem Stoffe gleich unentbehrlich sind. Das 
lokale ex ist (aufser 54 ex parte) durch de ersetzt; erhalten hat 
sich das temporale ex (ex ea die GG. G7, ex ea hora 7G, doch 50 
de eo tempore), wie es auch noch in dem französischen des (= de 
ex) fortlebt. Vgl. 102 legunt de actibus apostolorum = aus der 
Apostelgeschichte. Verschwunden ist auch ob, und bis auf eine 
Stelle sub, während auf das Fehlen von ad versus, erga, penes 
weniger Gewicht gelegt werden darf. Ungewöhnlich stark ist iuxta 
entwickelt, nicht nur im lokalen Sinne, sondern auch in dem über- 
tragenen, iuxta consuetudinem, scripturam, so dafs das Fehlen 
von secundum nicht zufällig ist. Zweimal nimmt es als Adverb 
den Dativ einer Person zu sich: 39 monachi instituunt i. sibi 
monasteria, 59 si quis i. sibi vult facere domum. (39 iusta, im 
Vergleich zu.) 

Einen Teil der sich so ergebenden Verluste deckte man mit 
Hilfe des Griechischen. Rupes ist zwar noch nicht unter- 
gegangen (67), aber petra (la pierre) gewinnt doch sichtbar an 
Terrain, 40. 42 bis. 53, wozu 39, 5 mons petrinus. Für Wüste 
hatten die Kömer kein passendes Wort, weil Italien keine Wüsten 
enthielt; Sallust umschreibt daher das griechische Fremdwort 
lug. 19 loca exusta solis ardoribus; Silvia hat sich natürlich an 
(h)eremus gewöhnt, da sie das Wort im Oriente so oft hörte, 
und man wird fast überrascht, 69 solitudo (monachi, qui in so- 
litudine sedebant, quos ascites vocant) zu finden, welches übrigens 
mit heremus nicht zusammenzufallen braucht. Die Geschenke, 
welche die Pilger in den Klöstern auf ihrer Reise erhielten 
(meistens Obst), heifsen im vierten Jahrhundert gewöhnlich eu- 
logiae, wie auch Silvia schreibt (nicht dona). 

Ein solches, zwar nicht neu auftauchendes, aber doch bald 
zu ungeahnter Ausdehnung gelangendes Wort ist ?vqo$, der Kreis. 
Es verdrängt sowohl das Substantiv circulus, als auch bildet es 
Präpositional Verbindungen, welche dem adverbiellcn circa (die 

Arohiv für lat. Lexikogr. IV. Heft >. 18 



266 Ed. Wölfflin: 

Präposition circa ist noch unberührt, z. B. 39. 44. 54. 72. 74) und 
circiter (environ = in gyrum) Konkurrenz machen, und das früher 
seltene Yerbum girare kommt in Aufnahme (42 fundamenta la- 
pide girata, 66 girant civitatem = cingunt), auch in der neuen 
Zusammensetzung pergirare (66 civitatem). Die beiden Formeln 
lauten in giro, per giro, per giruni, 36. 37 montes qui per ginxvxi 
sunt. 38 subis per girum. 39 montium, qui per giro sunt. 40 
petra per g. habens planitiem. 49 civitas ingens per girum. 58 
fundamenta in giro. 66 civitatem per giro clusam. 89 campi in 
g. 95. 96 stare in giro. 105 sedent io giro. Ein in letzter In- 
stanz griechisches Verbum (xdii7creiv) treffen wir 53: ut de vi« 
camsenius; es ist schon aus Ennius' Annalen bekannt (Leucatam 
campsant), aber in der guten Litteratur verworfen und daher in " 
Glossaren erklärt, z. B. Gloss. Hildebr. 43 campsat: flectit (vgL 
die Note des Hsgb.), von Apuleius und den Gromatici dagegen auf- 
genommen (cambiare, cambire) und das Stammwort von frz. changer. 

Für die Komanisten ist besonders wichtig die Aufnahme der 
griechischen Präposition cata in die lateinische Sprache. Viel- 
leicht hat sie die morgen Kindische Kirche nach dem Abendlande 
gebracht; denn Silvia spricht nicht von einem Evangelium des 
Matthäus oder Johannes, sondern sie schreibt 92 in evangelio in 
cata Matheo, 67 de evangelio cata Iohannem, wie schon Cyprian 
regelmäßig; vgl. 60 cata pascha. Dafs man die Präposition auch 
in distributivem Sinne gebraucht hätte, war uns nicht bekannt, 
aufser mit Wiederholung des Substantivs, wie in der Vulgata 
Ezech. 46, 14 cata mane mane, jeden Morgen. Der Gebrauch mit 
einfachem Substantiv, wie er durch altfrz. cheun = cata unum 
(seltener als cheseun, chaseun = quisque unus, Diez, et. WÖrterb. 
P 125) vorausgesetzt wird, ist nun durch das Ineditum für eine 
verhältnismäßig frühe Zeit belegt. Zwar verbindet sich mit der 
Präposition gerne noch das Pronomen singuli, 76 cata singulos 
ymnos orationes dieunt (bis), ebenso 79, und 80 cata singulos 
psalmos fit oratio; allein einmal tritt die Präposition auch selb- 
ständig auf, 46 sie . . . ut cata mansiones (Station zum Über- 
nachten, Tagereise) monasteria sint cum militibus et praepositis, 
= auf jeder Station. Auch para mufs in die römische Volks- 
sprache eingedrungen sein, doch lernen wir hieför aus der Reise- 
beschreibung nichts. 

Ein Blick auf die Wortbildung bestätigt mit neuen Bei- 
spielen, was wir längst wissen, weshalb wir uns mit einigen An- 



Über die Latinität der Peregrinatio ad loca Bancta. 267 

ieutungen begnügen können. Die Deminutiva machen sich in 
äer Umgangssprache viel breiter als in der Schriftsprache; und 
lerum gebraucht Silvia unbedenklich 57 das unklassische nion- 
rfculns, 37 colliculus, obschon das Wort in der Prosa, mit Aus- 
lahme von Apuleius, flor. 1, mindestens äufserst selten sein wird; 
Mit domuncella, pomariolum 30, frustellum 59 (frustilluni aus 
&rnobius bekannt) bietet sie uns bisher gar nicht bekannte 
Pormen. Wenn es aber 39 heifst, die Mönche auf dem Sinai 
benutzten jedes Fleckchen Pflanzland: statim pro diligentia sua 
arbusculas ponunt et pomariola instituunt vel orationes, quasi 
(«= ut) ex ipsius montis terra aliquos fructus capiant, so kann 
die Erklärung von oratio = kleine Kapellen (aediculae) schon 
darum nicht befriedigen, weil man nicht einsieht, welche Lebens- 
mittel dieselben hätten liefern können; vielmehr wird arationes 
zu emendieren sein, nach dem alten Witze des Cicero, Philipp. 
3, 22 ex oratore arator. Von latrunculus weiter gebildet ist das 
neue Verbum latrunculari 74. Einem Fremdworte ist das Demi- 
nutivsuffix angehängt in nerrola (39 modica n. est) = rivulus, 
wozu man DuCange s. v. Nero vergleiche. 

Von Adjektivableitungen sei nur medianus, ital. mezzano, 
frz. moyen, erwähnt (vgl. Arch. I 188) als der Haupt Vertreter 
einer Reihe romanischer Bildungen wie aitanus hautain, subitanus 
Boudain, nostranus (ital. vino nostrano). Die Form medianus flofs 
der Schriftstellerin zuerst in die Feder, wie sie ihr gewifs auch 
zuvorderst auf der Zunge lag, denn sie bediente sich derselben 
siebenmal (p. 37 — 39, z. B. mons medianus); doch von p. 41 an 
bekehrte sie sich zu dem klassischen medius, und schrieb nicht 
nur substantivisch in raedio (41. 53. 59. 74), sondern auch 42 per 
▼alle media, 57 in media planitie, 58 medio vico, 63 plus media 
die, 98 de media nocte, 104 cathedra media u. ä. Dafs der Casi- 
nenser Abschreiber umgesprungen sei, erscheint viel weniger 
glaublich. 

Die Zusammensetzung lebt im Spätlatein bekanntlich fast 
nur noch in den Partikeln (Präpositionen) fort. Die sogenannten 
Verba decomposita, in der Klassizität vermieden, vermehren 
sich von Jahrhundert zu Jahrhundert, und bei Silvia finde ich 
das bisher Unerhörte, dafs ein Verbum vierfachen Vorspann er- 
hält, 61 perdiscooperuissent. Es sind überhaupt fast ausschliefst 
lieh mit per beginnende Verba, mit denen sich Silvia auszeichnet: 
persubire 38, perexire 41 und oft, perdesceudere 41, peraccedere 

18* 



268 Ed. Wölfflirt: 

52, perintrare 65, pertransire 96 (dreimal). Andrerseits wollen 
wir aber doch noch die Aufmerksamkeit auf 43 reingressi lenken, 
da diese Komposition nicht nur nicht antik ist (es mfifste, vor 
Hieronymus wenigstens, redingredi heifsen; redintegro und redin— 
venio bei Tertulliau, reinvito in der Vulgata Luc. 14, 12), sondern. 
weil die Abwerfung des d durch remplir (reimplere) und zahl- 
reiche analoge Bilduugen für die Volkssprache vorausgesetzt wird. 
Die bekannte Verstärkung des Simplex durch con (conduire ™* 
ducere) zeigt sich auch hier schon darin, dafs commaneo (38- 
53 bis. 64. 72), commoneo (35. 52. 77 bis. 78), commoror (3S_ 
37. 38. 43. 44. 52. 58. 70) das einfache maneo moneo etc. bereit» 
verdrängt haben. 

Das andere Gebiet, auf dem die Komposition noch fortlebte, 
fallt den sogen. Doppelpräpositionen zu, nur dafs dieselbe 
auch im Sinne von Adverbien gebraucht werden. Zu dem 
kannten inante (47 ire, 68 accedere) stellt sich das neue, späte x- 
von abante überwundene deante, 97 missa facta deante cruc« 
(später deabante = devant); vgl. arriere derriere, adretro deretro. 
Ähnlich erhalten wir zu dem älteren econtra (61 apparuit mons*) 
sowohl acontra (55 ostensae duae civitates, ebenso 56) als auch 
decontra (mit videre, ostendere u. ä. 37. 42. 47. 54. 65. 72). Über 
deinter und deintro (vgl. ital. dentro) wollen wir nichts Sicheres 
behaupten, da wir uns auf die Ausgabe nicht zu sehr verlassen 
möchten. Wir geben daher blofs die Belege: einfaches inter 35 
montes, inter quos ibanius; 44 de inter montes exire, ebenso 45 
zweimal, dagegen 77 exeunte de intro cancellos und ebendaselbst 
de intro cancellos dicet orationem und de intro cancellos lueerna 
lucet (80. 81 stat intro cancellos, 98 intrat intro cancellos, 103). 
Ob die beiden Bestandteile damals schon in ein Wort zusammen- 
gewachsen gewesen seien, ist schwer zu bestimmen. Dem deforis 
(77 lumen deforis non aflertur, franz. dehors) entspricht 55 afo- 
ras accessimus. Einfaches foras = frz. hors erscheint bald ad- 
verbial (54. 69 egredi), bald als Präposition mit dem Accusativ: 
39 egredi f. hostium = ostium, 34 accedite (excedite?) f. ho- 
stium, 66 tenebrae f. civitatera; doch bestehen daneben sowohl 
ante als extra, letzteres freilich in temporalem Sinne, z. B. 69. 85 
extra diem (vgl. Hieron. in Matth. 27, 33 extra urbem et foras 
portam) oder statt (des fehlenden) praeter = ausgenommen, 70 
extra paueos clericos, 85 extra ipsum diem toto anno. 

Mit dem bekannten adsatis = assai, assez läfct sich ver- 



Über die Latinit&t der Peregrinatio ad loca sancta. 269 

> 

gleichen 62 adtunc (facta est ecclesia), 50 ad plenum (ital. ap- 
pieno) discere, und namentlich das neue ad subito (adsubito?): 
60 &. vidimus, 61 a. videbainus, 66 a. tenebrae faetae. Die Ana- 
logie des älteren derepente (demagis) lüfst es auch hier offen, 
ob man eine Zusammensetzung mit dem Adverb subito annehmen 
oder subito als romanischen Accusativ = subitum fassen solle. 
Vgl. das alte apprime. 

Diese Zusammensetzungen begünstigten es, dafs man pleo- 
nastisch synonyme Partikeln häufte, ohne dafs man damit ein 
Compositum herstellen wollte. Schon Preufs hat (De bimembris 
dissoluti apud scriptores Romanos usu sollenini, Edenkoben 1881) 
die Verbindungen tum deinde, deinde postea, denique tandem, ita 
sie, quoque etiam, sed autem, ergo igitur, quasi velut und zahl- 
reiche ähnliche, die grofsen teils in die archaische Latinitat zurück- 
reichen und seit Apuleius wieder häufiger auftreten, genauer 
untersucht. Wir haben hier den Anknüpfungspunkt, um etiam 
et (44. 49. 51. 69 vor is, hie, ille) und nee non etiam et (78 pres- 
biteri, 99 de plebe, 73 omnis actus, 47 vor Eigennamen) anzu- 
reihen. Noch beliebter ist itaque ergo (vgl. Hand, Tursell. 11 465) 
42. 51. 53. 54. 56 u. s. w.; vereinzelt ita ergo 77, sie ergo 87, 
&t autem 92. Hat man dies begriffen, so wird man auch aus 
der Zusammenstellung von 

78 Et ut ubi diaconus perdixerit omnia 

81 Et at ubi intraverit populus 

82 At ubi autem se resumpserit populus 

94 Ante crucem autem at ubi ventum fuerit 

96 At ubi autem osculati fuerint crucem 

97 At ubi autem missa facta fuerit 

den Schlufs ziehen, dafs an der ersten Steile at für ut zu 
schreiben sei. (105 ut si probaverit] lies at si p.) 

Die Erzählung, welche bei Historikern oft mit igitur fort- 
schreitet, wird (da diese Partikel wohl fehlt) meist mit ac sie 
(63. 67. 75. 77. 83. 98. 106), et sie (72. 78. 95. 105. 106), am 
häufigsten, d. h. etwa an vierzig Stellen mit ac sie ergo fort- 
geführt, welches, seltener im Nachsatze (= xal c5g, dialektisch 
und so) meist Hauptsätze anknüpft. Der Kopist schrieb anfäng- 
lich 38. 39 (zweimal) Hac sie ergo, erkannte aber von 41. 42. 
43. 44. 45 an seinen Irrtum und verbesserte Ac. Man vergleiche 
damit das neufranzösische ainsi und das provenzalische aissi, 
und man wird es weder auffallend finden, dafs in der proven- 



270 Ed. Wölfflin: 

zalischen Boethiusübersetzung acsi für aissi geschrieben ist, noch 
dieses mit Diez (etymol. Wörterb. F 141) auf aeque sie zurück- 
führen. Dieses ac sie vermischte sich wohl mit ac si, welches 
ursprünglich in Vergleichuugssätzen gebraucht wurde, 39 ac si 
essent colliculi, 65 ac si de margarita esset; elliptisch 38 montes 
non lente per girum, sed totum ad directum subis ac si parie- 
tem (nämlich ascenderes; gerade wie eine Wand hinauf); 66 aqua 
quae est ac si fluvius ingens, wie ein mächtiger Strom; 79. 84 
ac si per pascha. Wenigstens ist damit ein Mittel gegeben, den 
Abfall des Schlufskonsouanten (ital. si = ja = sie) noch leichter 
zu erklären. 

Der Gebrauch der Partikeln im Spätlatein verdient über- 
haupt eine viel aufmerksamere Beobachtung, als ihm bisher zu 
teil geworden ist. Vel, aut und sive sind gleichbedeutend mit et, 
z. B. 47 clerici vel monachi, 53 clericis et monachis; 74 apo- 
tactitum seu virginum, viri aut mulieres. Quasi dient nicht mehr 
der Vergleichung, sondern hat die Bedeutung von fere angenom- 
men, nach dem Vorgange älterer Autoren, und dieses verdrängt 
Vgl. 41 in medio quasi, 63 q. terribilis est, 39. 53. 67. 94. 97. Statt 
44 subito . . subito . . ducentos, aliquotiens etiam . . quingentos 
passus würde Cicero etwa modo, modo geschrieben habeu; eine 
Parallele wird weniger in dem catonianischen repente • . repente 
zu suchen sein, sondern wahrscheinlich ist subito mit subinde 
(Arch. II 250) zusammengeworfen. Als Adverb zu totus fungiert 
das Neutrum totum (vgl. Arch. IV 144 ff.) 36 t. per mediana val- 
lem, 38 t. ad directum (tout droit), 44 t. iuxta mare, t. heremi 
sunt arenosae, 50, 59, 91, 70 t. gentes sunt (lauter Heiden), 99 t. 
ad momentum (vgl. tout de suite), 91 mit verbesserter Inter- 
punktion: levat se (erhebt sich und macht sich auf den Weg) 
episcopus et omnis populus, porro iude de summo monte oliveti 
totum pedibus itur. Das Maskulinum ist gebraucht 90: rever- 
tuntur rectus ad Anastase. 

ßegelmäfsig ist an die Stelle des gallus in Redensarten wie 
sub galli cantuni das Wort pullus getreten, 92 de pullo prinio 
und so oft, ebenda a pullo primo, 94 cum coeperit esse pullorum 
cantus, 76 ante pullorum cantum, 79 ad pullorum cantum. 

Lucemare (officium) und lucernaris (hora) statt des von 
Augustin gebrauchten lucernarium sind Ausdrücke, deren Entwick- 
lung der Theologe zu untersuchen haben wird; die Verfasserin 
erläutert selbst 77: hora autem deeima (quod appellant hie lioi- 



Über die Latinität der Peregrinatio ad loca sancta. 271 

nicon, nam nos dicimus lucernare) sc omnis multitudo colliget ad 
Anastasim; gemeint ist natürlich xb Xv%vixov. Die Ortskundigen 
(iocorum periti) heüüsen gewöhnlich loci notores. 

Daus ipse nicht mehr überall das klassische Pronomen ist, 
(69 lectus ipse locus, die betreffende Stelle), leidet schon darum 
keinen Zweifel, weil es viel zu häufig gebraucht ist, und nicht 
leiten in wenigen Zeilen hintereinander, z. B. 3G Ende: singula 
loca per ipsam vallera . . . caput ipsius vallis . . . Mons autem 
ipse etc. 53 multi ex ipsis monachis, qui ibi commanebant iuxta 
aqua ipsa. 68 Ende. Am auffallendsten sechsmal ipse in sechs 
Zeilen pag. 67. Offenbar haben wir hier einen Ansatz zum be- 
stimmten Artikel, den schliefslich allerdings ille geliefert hat. 
Allein dafs ipse lange Zeit mit Glück (in Sardinien) konkurrierte, 
ist kein Geheimnis mehr (Archiv III 86). Die enge Berührung 
der beiden Pronomina findet auch darin ihren äufseren Ausdruck, 
dafs in der Reisebeschreibung mehrmals die Neutralform ipsud 
gebraucht ist, z. B. 48. 62. 88, nach Analogie eben von illud. 
Unnötige Häufung von ille beispielsweise 54: interrogavi illos 
sanctos . . sepulturam illius . . memoria illius; 70, 11. 12. 

Vexare se oder aliquem heilst 'sich, jemanden bemühen' 
49. 50; communicare wird von der Teilnahme an der „Kommu- 
nion" gebraucht, 36. 87; manducare ist über edere vollständig 
Herr geworden (87. 88), wird aber gelegentlich auch von pran- 
dere und cenare unterschieden; sublinteatus 95 ist eine neue 
Bildung. Unbezahlbar aber ist 36 v allem traversare habeba- 
mus, und ebenda ut per medium transversaremus caput ipsius 
vallis. Denn die einzige Parallelstelle aus Verg. Moretum 46 
farinas transversat (knetet) zeigt uns das Verbum als Frequen- 
tativ von yertere, während es hier von trans versus, tra versus 
abgeleitet ist, und daher einen ganz andern Sinn annimmt. Auch 
habere in dem oben angeführten Gitate (wir hatten zu passieren, 
gedachten zu passieren) mag bemerkt werden, wenn auch die 
Erklärung und Entwicklung durch Thielmann längst gegeben ist. 
Vgl. 41 non ipsa parte exire habebamus. Dieses Verbum zeigt 
uns noch andere weniger bekannte Bedeutungen und Gebrauchs- 
weisen, z. B. 65 si libenter habes (wenn du es gern hast, wenn 
du Lust hast), 76 quia libenter haberetis. Eine echt romanische 
glaube ich 35 entdeckt zu haben: habe bat de eo loco ad nion- 
tem Dei forsitan quattuor milia = il y a; ebenso 73 habebat 
de civitate forsitan mille quingentos passus. 



272 Ed. WOlfflin: 

Die Syntax der Casus ist noch in leidlichem Zustande er- 
halten; wenn auch die Präposition de und andere die einfachen 
Casus zu umschreiben beginnen; 39 dederunt nobis eulogias, id 
est de pomis = des pommes, Teilungsartikel.; 88 ad aliam 
dieiu prandent nicht mehr als r am andern Tage'; pleonastisch 
steht in 38: ibi ergo mansimus in ea nocte. Namentlich be- 
stehen die Regeln von den Städten amen nicht mehr, zum Teil 
aus dem äufseren Grunde, weil die orientalischen, oft auf Li- 
quida schliefsenden Namen eine deutliche Casusbezeichnung aus- 
schliefsen. Wo die klassische Norm des Ausdruckes gewahrt ist, 
z. 13. 04. 75 perveni Edessam, Constantinopolim, Chalcedona, re- 
versa Tharso, war die erwähnte Schwierigkeit nicht vorhanden, 
und auch in solchen Fällen lesen wir 62. 73. 73 apud Edessam, 
de Antiochia, de Tharso proficisceus, 50 regressi in Ierusolimam. 
Der Lokativ wird nämlich durch apud aufgelöst, welches schon 
im altern Latein, wie bei Taeitus die Bedeutung von in annimmt, 
z. B. 74 apud Ierusolimam; auf die Frage woher? antwortet seit 
dem Untergange von ex durchweg de: 46 exeuntes de Ramesse, 
56 profecta de Ierusalem, 63 de lerapoli; auf die Frage wohin? 
in: 45 in Clesma (Suez) cum venissem, sogar mit dem Ablativ 
50 revertens in Sodomis. 

Das Satzgefüge aber ist im ganzen sehr einfach, da die 
Verf. keine rhetorische Darstellung, sondern eine schlichte Er- 
zählung giebt, deren Wendungen und Gedanken sich oft bis zur 
Ermüdung wiederholen. So beginnen auf Seite 47 nicht weniger 
als sechs Sätze unmittelbar hintereinander, S. 48 wieder sechs und 
S. 49 nochmals sechs mit na in; S. 42 neun mit ostenderunt, 
welchem inonstraverunt voranging. Zum Erschrecken häufig sind 
auch die Erklärungen mit: id est. Die Abwesenheit rhetorischen 
Schmuckes zeigt sich schon in dem Fehlen alliterierender Ver- 
bindungen, wogegen an zwei Stellen der von der Kirche wohl mehr 
kultivierte Heim deutlich hervortritt, 93. 94 rugitus et mugitus 
totius populi. Die populäre Sprachtorm der Vf. hat uns eine sprich- 
wörtliche Redensart erhalten, die aus dem vierten Jahrhundert 
belegt zu sehen nicht unerwünscht sein wird: 38 subis lente per 
giriiin. ut dicimus in cocleas. also langsam wie die Sehnecken, vgl 
Plaut. Poen.3, 1.-9 podagrosi esti>. ae vicistis cochleam tarditudine. 
Wird der iiesprächston nach der Xatur wiedergegeben, so be- 
ginnt die Antwort, oder sonst eine Mitteilung gerne mit ecce, 
/. P>. .'*'.» lvquisivi quam longe esset ipse locus. Tunc ait ille 



Über die Latinität der Peregrinatio ad loca sancta. 273 

sanctus presbiter: ecce hie est in ducentis passibus; nam si vis, 
ecce modo pedibus dueo vos ibi. Die Stelle ist zugleich darum 
bemerkenswert, weil (wie aus Hausleiters und andern Unter- 
suchungen bekannt ist) ipse und ille bei mangelndem Gegensatze 
den romanischen bestimmten Artikel vertreten. Auch ecce et 
(etiam) ist nicht selten 38. 41. 76. 77. 80, und die Anwendung 
Tor einem Pronomen demonstrativum (vgl. celui, parceque) treffen 
wir 58 ecce ista fundamenta. 

Die Relativsätze wiederholen mit Vorliebe das voraus- 
gehende Substantiv: 38 montes ascendere, qui montes; 41 rubus, 
qui rubus; ibid. hortus, in quo horto; 42 petram, ad quam pe- 
tram; ibid. abitationes, de quibus abitationibus; 45 signa, ad 
quae signa; 45. 46. 53. 55. 61. 80. 97. 101; 71 sogar puteus, 
qui puteus . . in cuius putei . . ad^quem puteum. Aufserdem 
finden wir vielleicht an 30 Stellen tarnen im Relativsätze im 
Sinne von quidem, z. B. 38 monachi, qui tarnen iinbecillitate 
aon fuere impediti; 53 qui t. volueritis laborem vobis imponere; 
54 in quantum t. poterat oculis conspici. Eine Dittographie hat 
sich 99 eingeschlichen: ubi [ita] tarnen, ut seinper, missa facta 
de martyrio. Vgl. 35 ubi sex tarnen montes aperiebant valiem. 
Doch fehlt darum etwa quidem dem Wortschatze der S. nicht, 
j. da es beispielsweise 36. 89 und 101 begegnet, aber nur aus- 
> nahmsweise in Relativsätzen, 43 quae quidem omnia singulatim 
wribere satis fuit. 

Der Accusativ c. infin. ist noch vorhanden, z. B. 37. 38; 
doch folgt auf Verba dicendi und sentiendi öfters quia, wie 56 
dictum est nobis quia filii Israel castra ibi fixa habuissent, 65 
eredidit, quia esset filius Dei, 76 sciens quia libenter haberetis; 
seltener in gleichem Sinne quoniam 49 paret, quoniam ingens 
fuit, 55 dixit nobis, quoniam iam aliquot anni essent. Beide Par- 
tikeln werden sonst in kausalem Sinne gebraucht, 90 propterea 
quia, 41 propterea quoniam. 

Während die Konzessivsätze in der Regel mit licet (wahr- 
scheinlich Dittographie ist 40: licet et tectum non sit) eingeleitet 
werden, z. B. 40. 43. 46. 49. 50. 68 (etsi, quamquam, quam vis erinnere 
ich mich nicht so gefunden zu haben), steht den Temporal- 
sätzen noch die Hülfe des Ablativus absolutus zur Verfügung, 
wenigstens in den beiden bekanntesten Formen iubente deo, lecto 
loco, perdescenso monte. Postquam ist durch posteaquam (39 bis. 
66. 67. 92. 99) verdrängt, welches sowohl mit dem Plusquampf. als 



274 Kd. Wölfflin: 

mit dem Futurum exactum verbunden wird. An eiuer Stelle 
steht post scheinbar für posteaquam, 107 post autem venerint 
dies paschae; noch ungewöhnlicher aber schreibt Silvia 79: moz 
autem primus pullus cantaverit, statim descendet episcopus, wo 
'bald' für 'sobald' gesetzt ist, wie simul für simulac. Doch könnte 
man auch an Korruptel*) aus mox ut primus pullus cantaverit 
denken, nach 03 statim ut mandueaverint omnes vadent in Eleoni. 
Es siud dies offenbar Ausdrücke für das fehlende simulac; aufser- 
dem findet sich quemadmodum in ähnlichem Sinne gebraucht: 
63 quemadmodum revertebar; 87 q. prandideriut; 88 quemid- 
modum mandueaverint; 08 quemadmodum exient; 101. 102 quem- 
admodum subito (anal xa%idxa) fuerit in monte Oliveti. Die 
Sache ist an sich nicht so auffallend, da ja auch ut und unser 'wie* 
temporal gebraucht werden; nach diesem Vorgange kann man sich 
auch quomodo als Temporalpartikel denken, und kommt dadurch 
leicht zu der Erklärung des franz. temporalen comme. Daneben 
findet sich aber quemadmodum auch comparativ 42. 81. 09. 101 

Recht gut hat sich auch donec mit dem Konjunktiv in der 
Bedeutung von 'bis' erhalten, z. B. 43 coinmorati donec Moyses 
ascenderet in montem; tamdiu immorati, donec primuin fielet 
tabernaculum. (In dem folgenden in quo confixum mos esset 
tabernaculum wird wohl zu lesen sein: Mosis est tabern.) Hit 
dem Indikativ 07 dieuntur psalini, donec commouetur episcopus. 
Verhältnismäfsig häufig ist der Gebrauch von quando, und der 
Herausgeber hat es noch an zahlreichen Stellen hergestellt, wo 
nur qua überliefert ist, 36. 40. 42. 80 (bis). 100. 105; auch 88 Sab- 
bato quod mandueaverint mane, iam nee sera manducant scheint 
quando in 'quod' zu stecken; indessen bedürfte die ganze Frage 
der Nachprüfung auf Grund des Codex, bei welcher auch noch 
quo = quomodo = cum in Rechnung zu ziehen wäre. VgL 
Diez, etyniol. Wörterb. P 135. 

Vergleichuugssätze treten sowohl in der bekannten Form 
tarn . . . quam auf, als auch in der Einkleidung durch tarn . • . 
tarn, oder quam . . . quam. Vgl. 81 tarn qui uocte dieuntur 
(psalmi) tarn qui mature; 00 dieuntur ) mni tarn in ecclesia . . . 
tarn etiam in Imbomuin (102 = locus, unde asceudit Dominus 
in caclis; vgl. i^ßm^tog)^ 0(5 ponitur in inensa quam lignuni cracis 

*) Für die handschriftl. Überlieferung spricht 105: consuetudo est, ut 
. . . exoreizentar, mox miaea facta fuerit matutina. Setzt man iam für mos, 
80 erhält man auch eine romanische Konstruktion. 



Ober die Latinität der Peregrinatio ad loca sancta. 275 

quam titulus. In dein Proportionalsatze 103: omnes ieiunant 

iuxta consuetudinem, q\i\s<pte prout potest, war das überlieferte 

pronomen indefinitum qui (= mancher) nicht anzutasten , nach 

104: de plebe qui, quomodo possunt, vadent, clerici autem coti- 

die vicibus. 

Um nun mit einer echt romanischen Spracherscheinung zu 
schliefsen, welche in der lateinischen Grammatik noch kein Platz - 
j- eben gefunden hat, weisen wir auf die Gemination des Nomens 
[ und des Adverbs hin. Wie Augustin sagte confess. 7, 5 ipsa 
loci« et locis ordinavit, er wies dem einen diesen, dem andern 
jenen Platz an, so schrieb auch S. 45 von den Farauiten, weiche 
die Wüste durchziehen: signa sibi locis et locis ponent, bald hier, 
bald dort, links und rechts. Es ergiebt sich hieraus, dafs auch 
das Excerpt des Petrus Diaconus: inter rotam et rotani (der 
Wagen des Pharao) viginti et quatuor pedes fueruut, den Wort- 
laut der Verfasserin bewahrt hat. An diesen Gebrauch lehnt sich 
mos et unus an, einer nach dem andern, 77 uno et uno benedicet, 
96 o. et u. acclinant se ad mensam, und ebendaselbst nochmals, 
104 adducuntur u. et u., 107 u. et u. vadet cum patre suo. In 
gleichem Sinne sagte man auch cata unum distributiv (x«#' tvu), 
Tgl. oben S. 266. 

Über die intensive Wiederholung des Adverbs hat der Vf. 
in seiner Gemination (Münchener Sitz.-Ber. 1882. 477—485) ge- 
bändelt Eine diesen Ausdruck motivierende wiederholte Handlung 
liegt vor 46: in Clesma cum venissenius, necesse nos fuit denuo, 
et ibi denuo resumere (= reficere vires), quoniam iter hereuii 
arenosum valde feceramus. Interessanter aber scheinen mir noch 
folgende Stellen zu sein: 38 eos (montes) subis lente et lente 
per girum, ut dicimus in cocleas; SU sie dedueunt episcopum 
respondentes, et sie lente et lente, ne lassetur populus; 94 lente 
et lente cum yninis venitur in Gessemani. Von jeher hat das 
Lateinische den Begriff der allmählich sich vollziehenden Hand- 
lang durch zwei Worte ausgedrückt, wenn sie auch lieber zwei 
8ynonyina wählte wie sensim pedetentimque (Cicero) oder sensim 
paulatimque (Gellius 17, 11,6. 12,1,22), worauf die Neulateiner 
ihr sensim sensimque wagten. Dafs dieser Ausdruck durchaus 
der romischen Umgangssprache entspricht, leuchtet nunmehr ein; 
die Romanen, und namentlich die Italiener, haben auch noch die 
Copula aufgegeben und sich auf piano piano und andere Redens- 
arten beschränkt 



276 Ed. Wölfflin: Über die Latinitat der Peregrinatio etc. 

P. S. Zu Seite 260. Zu dem Verfalle der Deklination 
möge noch bemerkt sein, dafs in geographischen Eigennamen 
der Accusativ die Normalform geworden ist, wie der romanische 
Nominativ aus dem lateinischen Accusativ hervorgegangen ist 
Vgl. 48 Pithona civitas ostensa est nobis; Phitona castrum est; 
49 quae Ramessen civitas nunc campus est; 57 Carneas civitas; 
55 ostensae sunt civitates Esebon etc.; 63 provinciae Siriae Gelen 
(= Goelen); transito flumine Euphratem; 71 locus ille decima 
mansione est hinc, intus in Persida; 73 civitatein, quae appellatnr 
Pompeiopolim; 75 mansionem quae appellatnr Mansocrenas; 83 in 
Eleona, id est in ecclesia quae est in monte oliveti omnia or- 
nantur; 92 ecclesia quae est in monte Eleona; 99 in ecclesa 
maiore in Eleona; 109 de diversis provinciis, vel de Egypto ant 
Thebaida. Seite 58 ist der jüngere Städtename Sediina der Accu- 
sativ des alten Namens Salem. 

Wie im alten Latein das ursprüngliche Particip trans wir 
Präposition erstarrte (vgl. oben S. 248) und auch zu einem Ver- 
buni im Plural treten konnte, so verliert auch im Spatlatein (ei 
ist alles doch nur ein Kreislauf) das Particip seine Pluralform, 
wie 64: unde denuo proficiscens pervenimus Edessam; denn dili 
mit der Änderung perveni nicht geholfen wäre, zeigt die Fort- 
setzung der Periode: ubi cum pervenissemus (die Pilgerin mit 
ihrer Begleitung), statim perreximus ad ecclesiam etc.; ebenso 51: 
proficiscens Ierusolima fecimus iter etc.; doch kommt daneben die 
regelmäßige Bildung auch vor, z. B. 53 divertentes secuti summ 
Diese Ersetzung des Nom. durch den Acc. zeigt sich zunächst in 
andern griechischen Wörtern, wie 10G per tres horas fit catechisin; 
seltener bei lateinischen, und hier doch nur als Ausnahme neben 
dem regelrechten Casus, wie 102 locus de actus apostolorum, 
ebendaselbst legunt de actibus apostolorum. Einen Nominativus 
absolutus mit neuem Subjekte des Hauptsatzes finden wir 103: 
ingressi in ecclesia dicuntur ymni. 

Zu S. 270. Unter den Partikeln bemerke man enim «= de, 
z. B. 40 ibi enim est ecclesia und oft; sie = item, z. B. 108 
benedieuntur cathecumini, sie fideles. 

München. Ed. Wölfflin. 



Abhorreo. 

Abhorreo, ui, öre verbum dttctum ab horrendo (*Jwrsendo; 
F . torreo = torseo; r/ptfoftat, tsqücclvo); tostus = *torstus; hirsu- 
ff). Inglossariis explieatur: (Cyrill. p. 432, 21) dt,a<pc)vd>: discrepo 
bhorreo dissentio dissono; (Philox. p. 1, 33) ixoq>Qitrsi 9 arnpSov 
mr; (Cyrill. p. 383, 10. cf. 382, 10 et Lib. gloss.) dnadsi', dis- 
tepat; (cod. Amplon.) longe est; (Gloss. abav.) discrepat disso- 
it displicet; (Papias) discrepare, discors esse vel valde horrere; 
»d. Amplon.) abhorrens: discrepans; (gloss. abav.) abhorruit: 
ttorpuit. 

Invenitur inde a Plauto per omnem latinitatem, sed multo ra- 
u apud poetas; itai. aborrire, hispan. aburrir, provinc. abor- 
r, aorrir, francogcUL inde a saeculo XVI abhorrer forma ad 
y*oncm latinum accommodata. Cf. Littre, s. v. 

A. Proprie. = ita alienum esse ab aliqua re, ut eam re- 
rmides; abominari, aversari, detestari alqd. (oppos. amare, an- 
ere, gaudere). 

I. Sequente praepositione ab. Diomed. 315, 31 K. cum prae- 
sitione (a) ablativum casum trahunt . . . abhorreo ab illo; Ser- 
Qß expl. in Don. IV 553, 51 K. 556, 30. 

a. De hominibus dictum. 1) äbh. a rebus. Plaut. Merc. 839 
Atticis (seil, moribus institutisque) abhorreo. Ter. Andr. 829 
alescentulo In alio oecupato amore, abhorrenti ab re uxoria. 
tin. 41 ab hac (C. JF. Müller, Ribbeck; hanc libri Nonii) domo 
horres. Lucr. 1, 945. 4, 20 retroque volgus abhorret ab hac 
itione). Cic. de orat 2, 14 a studiis audiendi nimis abhorrentem ; 
59 inventi sunt qui . . . a re civili et a negotiis animi quodam 
licio abhorreant; fat 8 alii a (add. Lambinus praepos.) talibus 
iiis abhorreant; offic. 2, 64 convenit esse a litibus abhorrentem; 
- 1, 8 a. a Latinis (litteris); ib. 3, 37 quis contra studia na- 
rae tarn vehementer obduruit, ut a rebus cognitione dignis ab- 
rreat; 3, 62 perspieuum est natura nos a dolore a.; acad. 1, 14 



278 H. Ploen: 

a Graecorum artibus et disciplinis. Cic. Cluent. 27 ab eis nuptiia; 
Arch. 1 a qua (disciplina) ego nulluni confiteor aetatis meae 
tempus abhorruisse; ib. 27 non debent togati iudices a Musarum 
honore et a poetarum salute a.; Flacc. 9 si quis a genere isto 
studio ac voluntate non abhorrens fuit; Sest. 112 cum ipse lator 
nihil ab horum turpitudine, audacia, sordibus abhorreret; 132 
C. Caesarem mitem [homineiu et a caede abjhorrentem (verba 
uncis inclusa orn. P 1 ; h. et ab omni vi abh. Halm. cdit. sec Ebcr- 
liard; h. temperantem Paul Z. f. d. G. 1874. 316). Cael. 10 long* 
ob ista suspicione a. debet; 48 ab huius saeculi licentia . . . ■ 
maiorum consuetudine atque concessis; Pis. 62 a qua (cupidüate 
triumphandi) te lotige dixisti a.; Plane. 58 non abhorrens a studio 
antiquitatis; Phil. 7, 4 animo a. ab optimo civitatis statu. EpisL 
2, 16, 3 >vidisti quam abhorream ab urbe relinquenda; 7, 3, 2 tb 
ea sententia valde a.; 13, 12, 2 est a nostris studiis non abhorrens; 
13, 22, 1 a studiis nostris non abhorret; ad Attic. 7, 13, 2 a 
pugnando abhorrentium; 12, 38, 4 a Drusi kortis; 14, 13, 5 » 
ducenda uxore. Caes. b. G. 1, 85, 3 duces a pace abhorruine. 
Nep. Milt. 3, 5 adeo a ceterorum consilio, ut. 

Livius 22, 18, 1 Fabius ab nocturno utique abhorrens certo- 
mine; 25, 23, 4 quia ab novis consiliis abhorrebant; 44, 25, 4 
senatum non a. a finiendo tarn incommodo ac difficili hello. 
Curt. 6, 9, 36 aeque illum a nostro more quam a sermone a. Sen. 
epist. 97, 15 natura nos a scelere a. Tac. hist. 3, 65 mitem viram 
a. a sanguine et caedibus. Plin. cp. 1, 2, 5 ipsum me et coft- 
tubernales ab editione non a. Suet. Domit. 9 usque adeo ab omni 
caede abhorrebat. 

Gellius 1,3, 7 ne a perfidia et culpa non abhorreat; 9,14*8 
ab insolentia vocis istius abhorrentes; 12, 5, 7 ut omnibus co^ 
poris sui commodis gauderet, ab incommodis omnibus abhorreret; 
12, 5, 14 intolerabilia, a quibus fortes viri aut öbeundis abhorre- 
ant aut sttstinendut) 13, 20, 3 adulescens non abhorrens a litteris; 
15, 20, 6 quod natura abhorruit a mulierum coetu. ApuL apoi 
88 miror, quod tu a villa tantopere abhorreas. Cypr. dupl. mart 
29 Christiani abhorrent ab idolothytis et ab ingressu fanoram 
atque ab ipsis etiam simulacris. Lactant. Ambros. Heges. Hieron. 
Augustin. saepissime. Salv. gub. d. 7, 72 penitus a. Acro Scliol 
Hör. serm. 1, 10, 25 ita hi a Graecis (vocabulis) abhorraeront, 
ut Messala primus Funambuli noinen intnlerit. 

2) abh. ab hominibus. Livius 9,26.4 longinquitas a. (scü. 



Abhorreo. 279 

Romanos) a rdegandis . . civibus . . cogebat. Tac ami. 13, 12 
uxore ab Octavia . . fato quodam abhorrebat. Mar. Merc. Patr. 
48, 955 Mig. ab ita credentibus a. 

b) De animo, mcnte, similibtts. Ter. Hec. 714 omnino 

a. animum huic video a nuptiis. Cic. inv. 2, 32 animus eius . . 

uti a tali culpa non videatur abhorruisse; Lad. 50 si (virtus) a 

c&ritate vulgi abhorreret; Cluent. 78 huius persona ab nulla turpi 

1 anspicione abhorrebat; Verr. 2, 10 ut ego istum accus arein, a quo 

; mea longissime ratio voluntasque abhorrebat; Sest. 71 animum 

► Caesaris a causa non a.; prov. cons. 43 voluntatem Caesaris a 

t salute mea non a.; Lig. 28 animi a causa abhorrebaut. Cic. epist. 

2, 17, 6 quam valde Bibuli voluntas a me abhorreret; 16, 21, 2 

(Cic fil.) aures a commemoratione abhorrent; ad Att. 2, 6, 1 a 

scribendo prorsus abhorret animus; 14, 10, 1 nostram aetatem a 

caatris a. 

Livius 1, 57, 2 abhorrebant a certatione auimi; 4, 6, 7 sen- 
tentiae abhorrebant a caede; 30, 30, 9 animo tan tum nobis opus 
ttt non abhorrente a quietis consiliis; 38, 24, 3 (animum uxoris) 
abhorrentem a voluntario stupro; 42, 62, 7 numquam ab talibus 
consiliis abhorrebat regis animus. Sen. contr. 2 praef. 3 animum 
a civilibus officiis abhorrentem. Curt. 4, 6, 3 (Bactriani) horridis 
ageniis niultumque a Persarum luxu abhorrentibus; 5, 8, 10 con- 
nlium fugae, a qua multum abhorret animus. Tac. ann. 13, 47 
natura eius a crimine abhorrebat. Florus Verg. or. p. 107, 8 H. 
tota mens, totus animus resiliit atque abhorruit ab illa civitate. 
Sulp. Sev. 1, 10, 7 cui a tanto facinore abhorrebat animus. August, 
ftp. 138, 1 a quibus seusus abhorret. 

IL Seqttente ablativo. Curt. 6, 7, 11 animum tanto faci- 
nore procul abhorrentem; 7, 8, 11 abhorrent moribus |hominibus| 
qae nostris et tempora et ingenia cultiora sortitis. Plin. nat. h. 
37, 195 mellis Corsici acrimonia abhorrentis. Tac. hist. 4, 55 
publice civitas talibus inceptis abhorrebat; ann. 1, 54 neque ipse 
abhorrebat talibus stndiis; 14, 21 spectaculorum oblectamentis. 
Heges. 1, 30, 21 abhorrentes studio. 

III. Sequente aceusativo a) pcrsonae. (Cic. Cluent. 41 
ßcugmatis licentia: omnes illura aspernabantur, omnes abhorre- 
bant, omnes . . . fugiebant.) Suet. Aug. 83 pumilos atque distor- 
tos . . abhorrebat. Pass. Cypriani (acta mart.) 257, 19 nos et 
parentes ipsos abhorremus. Sedul. op. pasch. 2, 17 (p. 229, 8H.) 
deus abhorrens divinis monitis non parentes. Meginhard. de fide 



280 H. Ploen: 

cap. 4 (Caspari anecd. vol. I 269) abhorreo Priscillianum. Greg"- 
Tur. Mart. 2, 25 yos abhorrens Romae mirabilia facit. 

b) rei. Suet. Galb. 4 ceteris ut obscenum ostentum abhor— 
rentibus; Vit. 10 abhorrentis quosdam cadaverum tabem. Min. 
Fei. 12, 5 cibos et potus. Porphyr. Hör. carni. 1, 3, 17 mortem^ 
2, 16, 13 victum angustum; epod. 16, 35 tantum abhorrent eos 
(reditus); sat. 1, 6, 98 abhorrens senatoriam dignitatem. Ach» 
schol. Hör. carm. 2, 4, 19 lucro aversam] abhorrentem fraudem, 
et pecuniam. Dictys 2, 23 exemplum huius modi abhorrent«; 
2, 25 exemplum admissi abhorrentem. Lactant epii. 51, 2 ab- 
horrent nonien crucis. Donat. ad Ter. Ad. 349: exsecrative, nt 
alii facinora abhorreani Ambros. enarr. psalm. 37 ne mysticua 
quidem abhorreat pietatis affectus; id. epist. 19, 13 quod abhor- 
reret lididinis consuetudinem. Heges. 1, 16 abhorreat tantornna 
contagia flagitiorum; cf. Isid. reg. monach. 3, 3 (monachus) phil- 
argyriae contagium abhorreat. August, epist. append. 19, 8 qnae 
illud vitium abhor rebat; 19, 20 mulierum visus abhorrebat; de 
vera et falsa poen. 7, 18 temerarius est qui peccatum non ab- 
horret; 8, 21 fragilitatem. ad fratr. in er. 35 decet indicea a. 
falsitatem; 36 divitias; 46 omne dominicum. sim. passitn. Past 
Herrn. 91, 5 consuetudinem. Cassian conl. 20, 12, 4 criminum 
sordibus quae abhorret dominicus. Sedul. hymn. 2, 22 faeno iacere 
pertulit, praesepe non abhorruit. Lucan. comm. Bern. p. 188,22 
coniugis fortunam. Anthol. lat. II 730, 12 R. num deus hoc re- 
cipit, quod homuncio sanus abhorret? Zeno traci 2, 27, 1 in- 
felicitatem; ib. 2, 66 tauros, arietes. Maxim. T aurin. Patrol. 57, 
258 vos abhorrete vana. Paulin. Nol. Patr. 61, 456 strepitusque 
fori rerumque tumultus cunctaque divinis inimica negotia donis 
et Christi imperiis abhorrent. Eugenius Patr. 87, 400 felix qui 
terrae fragiles semper abhorret opes. Fructuos. reg. monasi Patr. 
87, 1116 habent consuetudinem mores pristinos nunquam abhor 
rere. Ambros. Autpert. Patrol. 89, 1311 quisquis totum abhorret, 
quod animam inducit; ib. 1330 qui haec abhorremus. Dion. Exig. 
nuptias, conventus martyrum, communionem fratrum, falsitatem. 

Lex Visig. XII 3, 3 munus. Cassiod. Var. 1, 41 qui se pro- 
mittat abhorrere moribus, quam refugit sanguine vilitatem; bist 
trip. 11, 10 cuius mores cum populus abhorruisset. Draconi 8, 
101 B. nee mater pignus abhorret Aethic. 6, 108 eorum auda- 
ciam et temeritatem abhorruit. Script, rer. Lang. p. 554, 23 W. 
(Autpertus) haec. Greg. Tur. bist. Fr. 5, 5 eibum potumque; 5, 11 



! 



Abhorreo. 281 

quod; vit. patr. 1,4 non abhorrens luridae maculam leprae. Paul. 
Diac Patrol. 95, 737 coquinac servitium non abhorrens. 

c) Epist. concilii Rom. a. circ. 380 p. Chr. = Patr. 13, 584 
fcormenta abhorreat religio sacerdotis. Ambros. in apocal. Patr. 
17,835 deprecor, ut hanc (humilitatem) cordi meo inseras, quae 
novitatum praesumptionem abhorret. 

Passive: abhorrendus. August, append. epist. 19, 5 ab- 
horrenda verba facis; 19, 19 vitia abhorrenda exerceret Nov. Val. 
13, 1 ne abhorrenda usurpatio ab omni honesta conversatione vires 
diutius obtineret. Lex Visig. 7, 5, 7 abhorrenda fraudis molimina. 

IV. Sequente infinitivo vel acctisativo cum infinit ivo. Por- 
phyr. Hör. carm. 1, 1, IG inercator abhorret navigare. August, 
cir. dei 2, 5 cum talia quaerat in suis sacris, qualia viri optimi 
abhorrent suis adhibere conviviis. Petr. Chrysol. Patr. 52, 351 
eam inter ipsa stercora perquirere non abhorret. Aeihic. 6, 82 
aspidiscus priscus effodiens a podixe cilia ab[h]orrit sequi pedes 
non ferre secum. Aldhelm. Patr. 89, 337 quod abhorreo fari. 
Gelasii traci (epist. pontif. ed. Thiel) 3, 4 quod abhorret ani- 
mus dicere. 

V. De gernndivo (ab urbe relinquenda, a ducenda uxore, 
a finiendo bello) cf. A I a. 

VI. Absolute. Gatull. 22, 11 tantum abhorret ac mutat (seil. 
a vero vel bono.) Cic. de orat. 2, 85 (de eo, qui ad oratoris 
laudem adspirat) sin plane abhorrebit et erit absurdus] ib. 185 
aut cupiant aut abhorreant Bell. Afric. 73, 4 postquam abhorrere 
eos videt (seil, a pugna). Livius 29, 12, 10 neque enim regis 
animus abhorrebat (seil, a pace). Ambros. apol. Dav. alt. 4, 25 
lex prohibet, repugnat religio, abhorret fides. August, d. mus. ß 
(col. 1164 Mig.) aut annuimus aut abhorremus; ib. col. 1105 vel 
annuendo vel abhorrendo; Patr. 4(5, 917 abhorret anima (a co- 
gitatione aliqua); ib. 961 laudari a male viventibus nolo, ab- 
horreo; Patr. 40, 499 omnium fere seusus abhorret. Salv. gub. 
d. 6, 3, 18 abhorres animo. Mythogr. Vatic. 3, 9 ; 7 neu abhor- 
reas, quod iuxta stellarum status prospera nobis vel adversa dican- 
tur destinari. Poet. aev. Carol. II 439, 390 D. insana puella maeret, 
tristatur, abhorret. 

B. Translative. = discrepare, differre, non convenire; 
alienum, diiunctum, distinctuin esse (oppos. convenire, consentire, 
concordem esse). 

ArcfiiT für Ut. Lexikogr. IV. Iloft ± 10 



282 II. Ploen: 

I. Personaliter vel cum certo subiecto. 

a. Sequente praepositione ab: 

1) De rebus, quae abhorrent a) a rebus. Cic. inv. 1,77 illa 
nobis abhorrere ab usu oratoris visa suut; part. or. 20 verba ab 
ipsa actione atque imitatione reruin abhorrentia; 33 verba ab usu 
abhorrentia; opt. gen. 20 causa abhorret a formula consuetudinis 
noBtrae; 23 (verba) non abhorrent a more nostro; de orat 3,66 
orationis genus abhorrens ab auribus vulgi; 3, 202 illusio a prae- 
ceptis Caesaris non abhorrens (= Quintil. 9, 1, 28); 224 illnd 
videtur ab linius nostri sermonis officio non a. — Cic. fin. 3,4 
agricultura abhorret ab omni politiore elegantia; 5, 31 ab inter- 
itu naturain a.; 5, 06 id a . . . societate humana non abhorrebit; 
Parad. Stoic. 1 locos graves ex philosophia abhorrentes ab hoc 
usu forensi et publioo; Divin. 2, 125 quod abhorret ab hominis 
constantia; Tusc. 4, 35 quorum mens abhorret a ratione; offic. 
1, 128 ab omni, quod abhorret ab oculorum auriumque appro- 
batione fugiamus; rep. 1,24 oratio abhorrens a persona hominis 
gravissimi; 2, 21 civitatem a vita hominum abhorr entern et mo- 
ribus; leg. 2, 1(5 mentes liaud satte abhorrebunt ab utili aut i 
vera sententia. 

Cic. Kose. Am. 68 tanta temeritas, ut non procttl abhorreat 
ab insania; Verr. 3, 52 cum huius iudicii discrimen ab opinione 
tua non abhorreret; Catil. 1, 18 consilinm quod a tuo scelere ab- 
horreat; 1, 20 id quod abhorret a meis moribus; Miir. 69 illud 
quod a consuetudine non abhorret; Arch. 3 nie hoc uti genere 
dicendi, quod non modo a consuetudine iudiciorum, verum etiam 
a forensi sernionc abhoreat; Flacc. 69 istorum (ludaeorum) religio 
sacrorum a splendore huius imperii, gravitate nouiinis nostri, ma- 
iorum institutis abhorrebat; Sest. 96 nee ab utili täte eorum, qui 
audient, nee ab officio vestro nee ab ipsa causa P. Sestii abhor- 
rebit oratio mea; 98 otium quod abhorreat a dignitate; Pis. 71 
ne hoc ipsiun genus orationis ab huius loci more abhorreret; 
Plane. 78 hoc abhorret a virtute verbuin; Deiot. 17 etsi a veri- 
tate lotiffc, tarnen a consuetudine criminandi non multum res ab- 
horrebat. — Cic. epist. 1,9,23 abhorrent (libri) a communibas 
praeeeptis; Att. 1,20,2 a meis consiliis ratio tua non abhorret; 
Quint. fr. 1, 1, 39 quae cum abhorrent a litteris [atque] ab hu- 
manitate, tum vero contraria sunt imperio ac dignitati. 

Nepos Att 14,2 eos vocabat, quorum mores a suis non ab- 
horrerent. Livius 1,48,5 (faciuus) non abhorret a cetero scelere; 



Abhorreo. 283 

7 consilio haud abhorrente ab ingeniis hoininum; 22, 13,6 
im abhorrens ab Latinoruin nominum [pronuntiatione os]; 

8 spem ab effectu haud abhorrentem. Curtius 3, 1, 14 vehi- 
cultu haud sane a vilioribus abhorrens; 3 ; 6, 19 cultus ha- 
ue patdum a privato abhorrens; 4, 6, 3 (Bactriani) horridis 
18 multumque a Persaruin luxu abhorrentibus; 8, 9, 4 aquas 
re niaris haud multura abhorrentes; 8, 9, 14 raare (rubrum) 
ore quidem abhorret a ceteris; sim.passim. Celsus p. 8, 16 (D.) 
ue addicta alterutri opinioni sunt neque ab utraque nimium 
entia; 314, 9 quaedam a concreto sanguine non abhorrentia. 
&n. 2, 35, 2 a consuetudine quaedam abhorrent; epist. 103,5 
sophia) non abhorreat a publicis moribus. Colum. 8, 8, 1 

possessio non abhorret a cura boni rustici. Quintil. 5, 12, 1 
idiecta fuerint, non tmdlum ab his abhorrebunt; 9, 2 7 78 
ententiarum non proctd a ratione iocandi abhorreat; 12, 10, 
iletarum Corpora ab illa specie quae sit concessa hominibus 
. dial. 45 materiae abhorrenti a veritate. Plinius epist. 2, 

qui titulus a vita hominis compti semper et pumicati non 

•ebat. 

ellius 4, 15, 6 significatio a sententia Sallustii non abhorret; 

l (ex Nigidio Figulo) cum adnuimus et abnuimus, motus 

$1 capitis vel oculorum a natura rei quam significat non 

et; 18, 1 1, 2 quae (voces) mihi neque a. a poetica facul- 

sae sunt etc.; 19, 8, 2 sermocinatio a Latinae linguae studio 

Dhorrens. Apul. apol. 90 vitam suam proctd ab huiusmodi 

bus abhorrere; dogm. Plat. 2, 13 ille alius abhorrens ab 

itatis dementia, qui vulgo amor dicitur, est appetitus 

: ib. 22 paria similibus non abhorrent. — Aquila Romanus 

orum ordo ab liumili, fortuna a sordida, natura a turpi 

le abhorret. Hoc enim 'abhorret' ad tria refertur. Cf. Mart. 

>, p. 180, 20 E. — Ulpian. Dig. 19, 5, 13, 1 a. liaec ab area 

,4, 7, 11 hominis eius siatus et habitus a pupilli condicione 

ultum abhorret. Julian. Dig. 50, 17, 66 nanctus exceptioneni 

i nee ab aequitate naturali abhorrentem. 

aetant. Amm. Marc. 28, 4, 33 quae (voces) longe abhorrent 

liis et voluntate veteris plebis. Chalcid. Ambros. Heges. 

i. adv. Lucif. 2, 18 quae ab auribus et a corde nostro a. 

i. Augustin. saepissimc, maxime a vero, a veritate, ab re. 

b. Marius Merc. Marius Victor. Salvian. Sidonius epist. 4, 22 

o historica videtur ordine a nostro mxdtum a. Cassian. Cas- 

19* 



284 H. TJoen: 

siod. Boeth. Schol. Bob. Cicer. et Victorin. Isid. Einhard. Lopus 
Perrar. 

ß) De rebus abhorrentibus ab hominibus. Cic de orat 3,65 
quod ab hoc oratore valdc abhorreat; Cluent. 167 quid unquam 
in se admisit, ut hoc tan tum ab eo faeinus non a. videatur? 
Livius 10, 3, 7 qui terror a Fabio abhorret. Curt. 5, 6, 17 gentem 
bellicosam et mtütum a ceteris Persis eultu vitae abhorrentem. 
Tac. bist. 2, 2 neque abhorrebat a Berenice juvenilis aniraus. 

2. De hominibus ab aliqua re alienis. Livius 4, 44, 11 virgo 
Vestalis ab suspicione parum abhorrens. Quintil. 9, 2, 30 qui 
(adversarii) ita dem um a fiele non abhorrent, si ea locutos finie- 
rimus, quae cogitasse eos non est absurdum. PHn. epist. 5,7,3 
scio te a iudicio meo non abhorrere. August, de gratia Christi 
6 non a. a doctrina apostolica. 

3. Infinitiv o subiecti loco posito. Celsus 6,6,1 (p. 227,21 
Dar.) neque ab ratione abhorret etiam penicillo uti. Suet. Cat 
12 nee abhorret. a veritate ipsuin de parrieidio professum (esse). 
August, quaut. an. 14, 24 non abhorret a vero aninium carere 
omni corporea maguitudine. Schol. Bob. Cic. 339, 22 Or. non ab- 
horret a fide hoc dixisse Clodiuni. 

b. Seqmntc ablativo. Curtius G, 2, 5 iubebantur suo ritn 
canere ineonditum et abhorrens peregrinis auribus Carmen; 8,6,2 
ad niunia hnud multum servilibus ministeriis abhorrentia. Flor. 
1, 7 nee abhorrebat moribus uxor Tullia. Apul. met 10, 16 quod 
potissimuin abhorret asino. Bonif. I epist. 1 (Patr. 20, 752 M.) 
quod divinis legibus abhorreat (cod. Vatic. horreat). Cyprian. 
epist. 07, 9, () (= epist. Pauli ad Rom. 1, 30) abhorrentes deo f 
iniuriosi (&tö6Tvyti£; Vulg. deo odibiles). Boeth. comui. in Ari- 
stot. II lf>9, 27 (Meiser) sententiam a. ratione. 

c. Scqnentc dativo. Livius 2, 14, 1 huic tarn pacatae pro- 
fectioni ab urbe regis Etrusei abhorrens mos manet bona Por- 
sinae regis vendeudi. Zacchaeus consultat. 1, 1 (Patr. 20, 1073 
Mig.) si quidquain ex divinis vestrae sapientiae congruum taliqae 
(codd. Yindoc. et Lemov.; talisque ceteri) iustitiae abhorrens possit 
expromi. Marculf. form. Patr. S7, 90<> Mig. multum ei vestra fati- 
gatio abhorret. 

d. S&juctüe praopositionc int er. Livius 38, 56, 6 orationes 
P. Seipionis et Ti. Gracchi abhorrent inter se. Celsus 6, 18, 7 
an us nuilta taediique plena mala reeipit neque inter se mn/Afff! 
abhorrentes ourationes habet. Mar. Vietorin. art. gram. 3, 102, 31 



Abhorreo. 285 

est coniunctionis genus nimis scabrum atque asperum, ut sunt 
ioiiica faco iu{£ovog cum iatnbicis vel dactylica cum trochaicis 
aemper dissentientia inter se atque abhorrentia. 

e. Sequente praepositione in. Boeth. Geometr. p. 393, 3 
FriedL si (lector) in aliquibus superius propositis vacillando ab- 
horreat Cf. aberrare in aliqua re 7 Arch. IV 108. 

f. Absolute. 1. Verba finita. Plaut. Cist. 1, 1, 56 Quid, cedo, 
te obsecro, tarn abhorret hilaritudo? Livius 40, 57, 7 nee enim 
aut lingua aut moribus (aequales) abhorrere, cf. Weissenb. ad h. 1. 
Plinius nat. h. 37, 113 alterum genus (prasii) sanguineis punetis 
abhorret, tertium virgulis tribus distinetum candidis. Salvian. gub. 
i 6, 3, 18 quia abhorres animo. Eugenius Patr. 87, 408 ad ce- 
teras interrogationes, si hoc non abhorret, transeamus. Paulus 
Diac. Patr. 95, 737 iuxta litteram, quantum abhorreat hoc, facile 
patei — Seq. infinitivo Claudian. Mamert. de statu animae 2, 12 
(i 149, 21 E.) non abhorret aliquid illic esse terrenum. 

2. Participium abhorrens in modum adiectivi (dissimilis, di- 
verw, ineptus) usurpatttm. Livius 21, 32, 10 Gallos haud sane 
multum lingua moribusque abhorrentis (seil ab incolis Alpium); 
27,37, 13 Carmen nunc abhorrens et inconditnm; 30, 44, 6 vestrae 
iatae dbsurdae et abhorrentes lacrimae. Gellius 6, 8, 4 delphini 
amantis et pueri non abhorrentis (ab amore delphini) consuetu- 
dines refert; 7, 12, 4 non abhorrens neque inconcinna significatio. 
Cypr. epist. 34, 2 dum salubres eibos et utiles potus quasi ama- 
ro8 et abhorrentes respuunt. August. (Innocentii) epist. 183, 2 
hoc ad catholicam pertinere doctrinam, quod abhorrens longins et 
penitus adversutn = Append. ad S. Leonem Magn. Patr. 5G, 482 M. 
Marius Victorin. 3, 103,4 intellegis atque ipso sensu abhorrentium 
aurium pereipis. 

IL Impersonaliter vd sine certo subiecto. 

a. Sequente praepositione ab: Cic. Brut. 31 ab hoc quod 

proposuimus abhorret; opt. gen. 16 abhorrebit . . a suspicione; 

de orat. 1, 12 in dicendo vitium vel maximum sit a vulgari ge- 

nere orationis atque a consuetudine communis sensus a. cf. 

Quintil. 8, praef. 25. Cic. Acad. pr. 29 haec habere dubia nee iis 

ita confidere ut moveri non possint, a. a sapientia plurimum. 

Livius 9, 36, 6 abhorrebat a fide. Quintil. 8, 3, 43 licet adsumere 

duplicata et idem significantia atque [ab ipsa actione atque] iini- 

tatione rerum non abhorrentia. Suet. Ner. 43 uiulta et immania 

rerum non abhorrentia a natura sua creditur destinasse; Tib. 62 



286 H. Ploen: 

nee abhorret a vero. — Ambros. August, passim (Patr. 38, 664 
nou a. a vero, quod dicitur a nobis; 43, 747 a factis eorum ab— 
horrendo). Cassiau. coul. 23, 12, 4 abhorret a iustitiae auetore, 
quiequid bonitati euntrariuni est. Greg. Magn. Concil. Hispan. 

b. Scquente ablativo: Tac. bist. 5, 24 neque abhorret vero. 
Dositheus Gr. lat. VII 420, 17 usu forensi abhorret. Cod. Theodos. 
11, 27, 2 abhorret uostris moribus, ut quemquam fame confici 
concedamus. Cod. lustin. 2, 17, 3 abhorret saeculo nostro. 

Abhorresco, ere propric est tncipio abhorrcre; cum autem 
vcrbiim a recentissimis demum acriptoribus sit novatum, plerumqve 
nun (li/fh't ab abhorrendo. Cf. Arch. I 478. Gloss. abav. abhorre- 
scens: discrepans; Cyrill. p. 432, 21 äiaqxovä: discrepo, abhorreo, 
abliorrcsco, dissentio, dissono. Not. Tirou. Bern. 43, 103. Hispan. 
Lusit. aborrecer aliaque indc dtwta. 

Vulg. 2 Maccab. 6, 12 obsecro eos, qui hunc librum lecturi 
sunt, ne abhorrescant propter adversos casus. Rufin. Orig. comm. 
in epist. ad Roman. 10, 6 ut non spernant eos, abiciant, abhor- 
rescant; id. 1, 19. Greg. Mor. 10, 30 hoc abhorrescit, quod etc. 
Marculf. formul. (Patr. 87, 882 Mig.) ne populus abhorrescat a 
nobis. Lex Visigoth. 12, 3, 7 ut quieuinque ex illis carnibus vesci 
penitus abhorreseunt. 

Afohorride. adverbunn duetum ab adiedivo *abhorridus, cum 
mdlum exstat vxcmplum. (Jharisius p. 57, 5 K. eanitia nee inratio- 
uabiliter nee abliorride dicitur. 

Argentorati. Henr. Ploen. 

Erläuterungen. 

In Abwesenheit des auf einer Reise begriffenen Verfasser* vor- 
stehender Artikel möge es der Red. verstattet sein einige Bemerkungen 
an dieselben anzuknüpfen. 

Vor allem füllt das Zurücktreten von abhorreo in der Poesie 
in die Augen. Sind schon bei Plautus und Terenz je zwei Stellen 
weniger als wir erwarten, so fehlt es bei Vergil, Iloraz, Tibull, Pro- 
pertius, Ovid, Manilius, Lucan, Valerius Flaccus, Silius, Statins, Martial 
ganz, und je eine Stelle bei Lucrez und Catull zeigt nur den nahenden 
Tod an. Aber auch Ciisar hat es nur an einer Stelle des nicht mehr 
überarbeiteten bell, civile, Corniticius, Varro und Sallust gar nicht, 
der Philosoph Seneca sehr selten und der llhetor nur einmal das Par- 
tieip; dagegen hat es Cicero mit aller Energie in Umlauf gesetat, 
und Livius wurde sein Bundesgenosse. 

Das Verbum ist von Haus aus durchaus ein intransitives, in 



Abhorresco. Abhorride. 287 

höherem Grade als horreo, welches Bchon Cäsar und Cicero mit cri- 
men und crudelitateni verbinden, und zwar ist die Norrnalkonstruktion 
nur: abhorrere ab aliqua re, wie die alten Grammatiker ausdrücklich 
bezeugen. Ein Beispiel nach dem Muster *res abhorret ab nomine' 
ist nnr ans Cic. epist. ad Octav. 2 quorum au res atque animus a 
nobis abhorrent bekannt, d. h. der Brief ist, wie längst erwiesen, 
unecht. In der Bedeutung 'einen Abscheu (Widerwillen) haben vor 
(gegen) etwas 9 ist es erst von Curtius (dem Plinius und Tacitus folg- 
ten) mit dem blofsen Ablativ verbunden worden, erst von Sueton mit 
dem Accusativ der Person und der Sache, indem sich mittlerweile die 
Grandbedeutung zu aspernari, detestari, abominari verschoben hatte, 
und das Spätlatein hat sich die neue Konstruktion unbedenklich an- 
geeignet. Die Lesart bei Titinius 41 haue dorn um a. ist aus diesem 
Grunde wenig wahrscheinlich. Die Konstruktion Cic. Cluent. 41 ist 
eben durch das Zeugma mit aspernari zu erklären, was Arus. Mess. 
p. 452, 14 übersah. 

In der übertragenen Bedeutung 'verschieden sein von, nicht 
stimmen zu' (die beiden Nuancen liefsen sich nicht wohl streng aus- 
einanderhalten) ist das Verbuni in der Klassizität gleichfalls mit ab 
verbunden; den blofsen Ablativ bringen die poetisierenden Prosaiker, 
Curtius, Florus, Apuleius, die hier freilich nicht die dichterische Kon- 
struktion gerade von abhorrere in die Prosa übertragen, sondern das 
in der Poesie gemiedene Verbum nach Analogie anderer den Dichtern 
geläufigerer behandeln. Livius wagte sogar einmal, aber auch nur 
in dem zweiten Buche, wo er noch wie im ersten am meisten der 
Dichtersprache sich anschliefst, den Dativ, indem er a. = non con- 
venire fafste. Im Übrigen ist bei doppeldeutiger Form, zumal bei Pro- 
saikern, eher an den Ablativ als an den Dativ zu glauben, obwohl 
Madvig den Dativ vorzieht. Vgl. Heraeus zu Tac. bist. 4, o5. 

Die Konstruktion mit inter lehnt sich an difterre und ähnliche 
Verba an; abhorrere in aliqua re hat sein Seitenstück an aberrare 
in aliqua re, Arch. IV 108. 

Multum abhorrere ist bei Cicero und Livius und Spätem nicht 
selten, also auch tantum, quantum, nimium, paulum u. s. w. korrekt; 
multo ist nicht belegt, doch tantopere bei Apuleius apol. 88. Aufsor- 
dem sagt Cicero: proeul, longe, longissime, valde, prnrsus, plaue ab- 
horrere. Negativ schreibt der nämliche Cicero r non abhorrere', *haud 
a/ bei hinzutretendem sano (leg. 2, IG), wie auch Curtius 3, 1, 14, 
während Livius auch einfaches f haud abhorrere' liebt. 

Synonyma von abhorrere und abhorrens sind durch Kursivschrift 
ausgezeichnet; das Particip haben sowohl Livius als Curtius mit in- 
conditus verbunden; absurdum ist stärker als abhorrens nach Cic. de 
orat. 2, 85. 



Abiectio — Ablingo. 

AbiectiO; Ollis*), fem. Proprie actus abwiendi. Greg. Magn. 
homil. in evang. 40, 3 si a. vilis indumenti virtus uon esset CaeL 
Aurel. acut. m. 2, 59 manuum neglecta atque distensa a. Prise 
de metr. Ter. 8 abiectionibus S litterae sunt usi. 

Translativc. De animo demisso Cic. Pia. 88 quid debüitatio 
atque a. aninii tui? — In arte rhetorica extenuatio, utiaöig; opp. 
amplifkatio. Cornif. 1, 6, 10 exordieniur ab abiectione (cf. Cic. orat 
127 augendis rebus et contra abiciendis). Dicitur ctiam de magi- 
stratu vcl imperio deposito sive deponendo: Cassian. collat. 1, 6, 3 
perfectiouem non privatione omnium facultatum seu dignitatum 
abiectione contingi. Lex Visigoth. 2, 5, 19 in necem Tel ab- 
iectionem regiam nituntur; ib. 2, 1, G in necem vel abiecüonem 
nostrani iutendere proditus videtur esse. Nithard. vit. Hludov. 44 
praetendentes abiectioneni sui. Isid. ulleg. 85 a. sacerdotii (86 suc-, 
cessit in ininisterio sacerdotali). 

Apud svriptores christianos dicitur de contemptu et coth 
dickmc hutnili. Itala et Vulg. Psalm. 21, 7 ego sum opprobrium 
liominum et a. plebis = Tert. adv. lud. 14; Cypr. test. 2, 13; 
Gaudent. Patr. 20,089. 1175. Ambros. August, passim. Salvian. 
gub. d. 7, 10, 40 = Psalm. 106, 40 effusa est a. super prineipem 
(Vulgata: contemtio). August, enarr. psalm. 1447 Mig. ex kac mor- 
talitate, corruptionc, abiectione. Salv. gub. 1, 2, 6 bonos in m*- 
scria et abiectione. Greg. Magn. Mor. 31, 95 non vult per ab- 
iectionem in infimis hubitarc. 31,9(3 damua, contumeliae, cgestas, 
a. Paul. Diac. bist. Lang. 4, 6 episcopos, qui in depressione et ab- 
iectione erant, a. De contemptu sensu activo. Tertull. de patient 

*) Das Substantiv ist in der Neuauflage von Du Gange- Favre auf- 
genommen, doch in der kurzen Fassung: f A. remotio. DIEF.' In vor- 
liegender Bearbeitung ist das Material der Profanlitteratur annähernd voll- 
stündig gegeben, der reiche Gebrauch in der Patristik dagegen nnr durch 
einzelne ausgewählte Beispiele angedeutet worden. 



Ed. Wölfflin: Abiectio — Abiegnuu. 289 

7 & divitiarum. August. Patr. 46, 863 voluptatis a. ; quam idem 

Aug. aliis locis dixit contetnptum völuptatis. Ennod. p. 54, 33 Vog. 

quos dei servitium post istarum rerum abiectionem fecit ingenuos. 

— Summa modestia et animi submissio. Ennod. 248, 12 Vog. sub 

pio principe nulla militem decolorat a.; ib. 188, 29 flagitium celat 

a. Agobard. adv. Fredeg. 2 abiectionis humilitas. Greg. Magn. 

Vor. 18, 54, 89 per abiectionem, qua se humiliando deiecerat, talis 

factus est. — Ennod. p. 62, 38 nolo Hat in abiectione possessio, 

u e. nolo alicui emolumentnm parari ex detritnento alterius. 

Abiegneus, a, um, i. q. abiegnus. Hac fonna vuhjari scrip- 
tmm unus usus esse videtur Vitmvius p. 166, f) R. (asseres) maxime 
copressei, quod abiegnei (sie codd. GH) ab carie et ab vetustate 
eeleriter vitiantur. Cf* Faventinus p. 303, 17 R. asseres abiegnei 
(abiegni Hose] abstinei codd.). Praeterea accedunt haec inscriptio- 
*m testimonia: Corp. inscr. lat. I 577, 2, 3 opercula abiegnea 
inponito; 577, 2, 4 antepagmenta abiegnea lata inponito. Ab- 
iegnius. Corp. inscr. I 577,2, 1 Inasserato asseribus abiegnieis 
sectilibus. Vol. II, edict. Diocl. 12, 1 materia abiegnia. Abiegineus 
Corp. inscr. lat. I 577, 1, 19 Insuper mutulos trabiculas abiegi- 
neas inponito. 

Abiegnus, a, um, proprie ah (ex) abiete genitus, ex äbiete 
factus. Priscian. I 70, 19 H.: ligneus, marmoreus . . . inveniuntur 
pauca sine e ut quernus abiegnus. 

Plaut. Cas. 2, 6, 32 num ista aut populna sors aut abiegna 

est tua? Ennius, Medea 252 M. 281 V. 205 R. utinam ne in ne- 

more Pelio securibus Caesa aeeidisset (accedisset) abiegna ad 

terram trabes, quos versus certatim laudavertmt scriptores. Accius 

trag. 261 R. stipitem abiegnum (cod. abiegum) aut alneum; cf. 

Fest p. 314, 18*. 21* M. Catull. 64, 7 verrentes abiegnis aequora 

palmis. Prop. 4, 1, 25 de equo Troiano quis equo pulsas abiegno 

nosceret arces, sicut 5, 1, 42 abiegni venter apertus equi. 4, 19, 12 

de Pasiphae abiegnae cornua falsa bovis. Ovid. art. 3, 469 a. 

tabellae. Livius 21, 8, 10 phalarica erat Saguntinis missile telum 

hastili abiegno; 42, 65, 10 a. breves pinnae. Vitra v. p. 59, 16 R. 

a. rates. Colum. 12, 44 et 47, 6 a. scobe. Boeth. comm. in top. 

Cic lib. 5. Patr. 64, 1148 D de versu Enniano supra laudato Nisi 

cecidissent abiegnae trabes ad terram, Argo illa facta non esset. 

Vulgata III Reg. 5, 8 ego faciam omneni voluntatem tuam 

in lignis cedrinis et a.; 5, 10. 6, 15 texit pavinientuui domus ta- 

bulis a. 6, 32 ostia de lignis a. 9, 11 ligna cedrina et a. II Paralip. 



290 Ed. Wölfflin: 

3, 5 ilomum texit tabulis ligneis a. Sidoii. Apoll, epist. 8, 12 
pandi carinarum ventres abiegnarum trabium textu pulpitabuntur. 
Aguellus 168 (Script, rer. Langob. p. 387 ed. Waitz) onmia ligna a. 

Abies (correpta a, Cassiod. Gr. lat. VII 200, 18; producta e 
8erv. Gr. lat. IV 452, 14. Verg. Buc. 7, 6G. luven. 3, 255) abiätfe 
(Charis. p. 40, 13 K.; correpta c Prise. Gr. lat. III 524, 22 H.), 
gen. feinin. (Varro ling. lat. 9, 41. Prise. 5, 26. Ajiecd. gramm. 
Helvet. p. 105, 20). Apud poetas abiete (quattuor syllabas habet 
breves Beda, Gr. lat. VII 241), 9) = abjete et tribrachi et daetyli 
loco ponitur (Ennius trag. Verg. Aen. 2, 16. 5, 663. Probus Gr. 
lat. IV 257, 24. Servius in Donat. ibid. IV 425, 14), falso in venu 
Vergilii proceleusmutieuni intellegit Isid. orig. 1, 17, 28; abieti- 
bus = abjetibus Clcdon. Gr. lat. V 30, 12. 

I. Plinius li. nat. 12, 134 arbur, quam alii elaten vocant.. 
uos abietem. Hieron. epist. 106, 65 pro abietibus ... et cupressis 
in Hebraeo ponitur barusiui. Cassiod. (?) Patr. 70, 1085 Mig. 
in comnientario ad Canticum: Nonnulli dieunt elatas paliuarum 
speciem arboris esse aromaticae, quam latine abietem sive spa- 
tas vocant; nam graece a. ikdrrj dicitur. Abietem vero bic non 
magnain illam arborem, quae est navigiis et domibus apta, sed 
speciem aromaticae arboris debemus aeeipere. Isid. orig. 17,7,32 
a. dieta, quod prae ceteris arboribus longe eat et in excelsum pro- 
mineat. Philox. gloss. abies: *A«ti/; Cyr. 451, 56 Harri, divÖQOv: 
abies. Gloss. nom. 14 abies: genus palmae fruetiferae. Vanicek, 
etymol. Wörterb. 1 80. Liuneo dicitur et pinus abies et pinus 
picea. 

De arbore. Ennius ann. 190 M. 195 V. a. consternitur aUa. 
Accius trag. 407 11. ego me extollo in abietem, alte ex tuto pro- 
spectum aueupo. Varro r. rust. 1, 6, 4 in montanis naseuntur 
abietes; sat. Menip. 189, 7 K. alius tmeram abietem solus percellit. 
Verg. Buc. 7, 66 a. in montibus altis; Georg. 2, 68 nascitur et 
casus a. visura marinos (utpote aedificandis navibus); Aen. 9, 674 
abietibus iuvenes patriis aequos. Ovid. met. 10, 94 enodisque a. 
curvataque glandibus ilex. Livius 24, 3, 4 lucus irroceris abietis 
arboribus saeptus. Vitr. p. 55, 23. 60, 25 a. supernas, infernas 
(maris superi et inferi); 105, 18 in arboribus tcretibus a. cupresso 
pinu. Colum. 11, 2, 13 sexagenum pedum a. 

Plinius nat. bist. 16, 30 seqq. 38 pinus atque a. omnesque 
quae picem gignuut; 48 a. amplissima est et femina etiam pro- 
lixior, materic mollior utiliorque, arbore rotundior, folio pinnato 



Abies. 291 

ilensa ut irabres non tramittat atque hilarior in totum; 74 montes 
et valles diligit; 80 tblia non decidunt; 90. 91; 100 robur et a. 
intermittunt germinationem; 106 floret croei colore; 122. 125 in 
longitudinem excrescit; 127 radices singulares abieti; 128 hirsttta; 
129; 138; 187 (lignuni proximum medullae) in abiete leuson 
Graeci vocant; 196 abiciis quac pars a terra fuit cnodis est; 201 ; 
225 firinissiina in rectum; 245. 17, 21 quid abiete procerim? 
91 umbra abietis . . . veuenuui; 235. 13, 137 in alto |mari] a. 
Valer. Flacc. 7, 405 abietibus tacitis siiniles. Silius 4, 084 amb- 
usta comas a.; Statius Theb. 6, 104 auclax a. scinditur; luven. 
3, 255 longa coruscat Serraco venientc a. 

Fronto 7, 18 N. a. et alnus . . . ventis atque iuibribus edu- 
cantur; 148, 5 qui te ut abietem aut alnuni proccratn incurvant; 
216, 4 intonsas a. [Tertull.] de iudicio domini 225 Hie abietes 
celso florent in vertice nigrae. Palladius 12, 15 a. quam Galli- 
cam vocant. Ambro«, hex. 3, 11 a. non contenta terrenis radici- 
bus; 3, 12 proccra. Vulgata les. 14, 8 abietes laetatae sunt; 41, 19 
ponam in deserto abietem; 60, 13 gloria Libani, a. et buxus. 
Ezecb. 27, 5 abietibus de »Sanir; 31, 8 abietes non adaequaverunt 
summitatem eius (= Isidor. seilt. 1, 10, 5). Zacliar. 11, 2 ulula, 
abies, quia cecidit cedrus, ad quac Iiieron. comment. Zach, per 
cedros et abietes principes significat. Osea 14, 9 dirigam euni 
ut abietem virentem, et Iiieron. comment. ad h. 1. lieg. 4, 19, 23 
succidi sublimes cedros eius (Libani) et electas abietes illius. 
Hieron. comment. ad Os. 3, 14,9 a. domus eius; adv. lovin. 2, 6; 
Patrol. 23, 968 B Mig. proiecit puerum subter ( sub unam Augustin. 
Patr. 34, 561 Mig.) abietem. Claudian. rapt. Pros. 4, 18 altior . . . 
cuuctis a.; Avianus 19, 1 a. pidchcrrima risit dumos horrentes. 
Cassiod. var. 5, 17 a. quac fluentis amnicis nutrita surrexit, nm- 
rinarum superare cumulos discat undarum. Lex Burgund. 28, 2 
quod etiam de abietibus praecipimus custodiri. Ycnant. Fort. carm. 
3, 9, 23 myrta salix a. corylus. Coripp. lustin. 4, 45 in tenues 
tabulas a. numtana secatur. Aethicus 1,21 codrorum et a. magni- 
tudincm; 6, 72 comantia innectunt aves pulcherrimae surcula ab- 
ietibus et platanis. Greg. Magn. mor. 18, 20, 32 pro saliunca 
ascendit a. = Vulg. Ies. 55, 13. 

Numero singulari collective. Verg. Aen. 8, 579 nigra 
nemus abiete cingunt. Yitr. 14, 16 nee abietis nee sappinorum. 
Plin. nat. hist. 15, 67 uvas in ramentis abietis, populi. Val. Flacc. 3, 
165 iamque abies piceaeque ruimt. Silius 3,442 densos abiete lucos. 



292 Ed. Wölfflin: 

II. De materia sive ligno. Gloss. Yatic. 3321 abietem: 
genus ligni. Eimius trag. 80 K. Tosti alti stant parietes defor 
mati atque abiete crispa, Caesar 5, 12 materia cuiusque generii 
praeter abietem. Yarro r. rust. 3, 5, 13 columnas ex abiete tenues 
Yerg. Aen. 2, 16 sectaque intexunt abiete costas; 5, 663 picta 
abiete puppis. Li vius 28, 45, 18 a. in fabricandas naves . . . abiet 
ex publicis silvis est usus. Yitr. 55 ; 25 non potest id robur quo 
a. 56, 23 (= Favent. p. 297, 3) a. non ponderosa . . enodis . . 
laricis vero materia etc. Pliu. nat. hist. 16, 41 a. expetita na 
vigiis; 46 lignum abieti similius; 195 larici et magis abieti bu< 
cisis umor diu defluit; 221 abietem aquis non corrumpi. Siliu 
6, 352 aut abiete secta transtra novant. Itala (Weing.) Ezecl 
27, 5 ut facerent tibi vela de abiete (ut facerent tibi malun 
Vulgata). Itala psalm. 97, 6 psallite in tubis abietum (Vulg. i 
cithara). Veget. r. mil. 4, 34 ex a. liburna contexitur. Ambra 
vol. III 746 Mig. bonae ex a. naves Tharsis. Aminian. 23, 4, 
de artete: eligitur a. vel ornus. Prudent. apoth. 520 quod null 
a. pinusve dolata texuit. Merobaud. paneg. 168 texitur in turres t 

III. Materia pro re inde confecta a) de tabellis. Plam 
Pers. 248 ad . . . erani hanc obsignatam abietem (seil, feto] 
Quintil. 8, 6, 20 prosa ut mucronem pro gladio reeipiet, ita noi 
abietem pro tabellis. b) de navibus. Accius 331 R. lucifer 
lampade abietem (arietem codd.) exurat lovis. Verg. Aen. 8, 9; 
labitur uneta vadis a. c) de hasta. Verg. Aen. 11, 667 trana 
verberat abiete pectus. Lucan. 6, 197 levis ast a. elusit utrum 
que; 6, 236 fert a. (ingentem umbram). Silius 4, 256 fata ex 
trema ferens a. Statius Theb. 9, 552 it tremebunda a. clipeun 
per et aerea terga loricae. d) de remis. Poeta ap. Petron. 89, & 
pulsumque abiete imposita geinit e) de manuali lectorif 
Martial. 14, 84, 2 haec a. ehartis tempora longa dabit. 

Abietarius, ii, masc. faber lignarius. Vulgata Exod. 35, 3! 
ambos erudivit sapientia, ut faciant opera abietarii. Corp. insci 
lat. VI 9104 vivit C. Itoius C. L. Eros abietarius. — Festus (Pau 
lus) p. 27,11 Abietaria negotia dicebantur, quam materiariai 
{codd. materiam) nunc dieimus, videlicet ab abietibus coemendü 

AbYga, ao. fem. Pliu. nat. k. 24, 29 Chaniaepitys latine abig 
vocatur propter abortus, ab aliis tus terrae, cubitalibus ramii 
flore pinus et odore. Apul. de medicam. herb. 27. 

Äbi'gator, örR masc. Cf. Arch. I 558. III 13. 



Abietarius — Abigo. 293 

Äbtg&tS: involata. Arch. I 563. 

Äblgftfttor, örig. masc. Arch. I 558. Coli. leg. Mos. et Rom. 
All. 

AbYg£ätu8, 118. masc. Ulpian Dig. 47, 14, 1, 4 si non color 
abigeatus quaesitus est. Macer Dig. 47, 14, 2 abigeatus crimen 
public! iudicii non est. Callistratus Dig. 47, 14, 3 § 2. Arrius 
Menander Dig. 49, 16, 5, 2. Paulus lib. sent. 5, 18, 1. 

Abigeatus, a, um. abactus. Cypr. epist. 71, 2 ut quia ovis 
iam fuerat, hanc ovem abigeatara (cf. adnot. crit. üartelii) et 
errabundam in ovile suum pastor recipiat. 

Äbl'ggus, i. masc. abactor. Arch. I 501. Ennius trag. 299 R. 
impetrera fac ille ab animo ut cernat vitalem *abigeum (Rib.; 
babium codd. Non.) Cf. Itibbeck, röm. Trag. 200. Ulp. Dig. 47, 
14, 1, 1 Abigei proprie hi habentur, qui pecora ex pascuis vel 
ex armentis subtrahunt et quodammodo depraedantur et abigendi 
stadiuin quasi artem exercent, equos de gregibus vel boves de 
armentis abducentes. Macer Dig. 47, 14, 2 abigei plerumque ferro 
utantur, si deprehendentur. Callist. Dig. 47, 14, 3 aut furem aut 
abigeum. Saturninus Dig. 48, 19, 16, 7 discernit iurem ab abigeo. 
Collat. leg. Mos. et Rom. 11, 6. 7. Isid. orig. 10, 14 für iumen- 
torum et pecorum, quem vulgo abigeum vocant, ab abigendo 
scilicei Corp. inscr. lat. VI 218 in fine inscr. ABIGEI Fee. ad quae 
ditor adnotat: quid sit a. mihi non liquet. 

Abigo, äre. obigere. Arch. III 12. 

Abigo (Prise. 14, 42, partit. 41), egi (Cic. oral. 158), actum 1 
(Prise. 10, 34), fgöre. Abigo: aitslavvfo Philox. p. I 35 (cod. 
*bigio; an abigeo?); uitsXavvco Cjrill. p. 385, 12; djtoöoßci Cyr. 
p. 391, 54; öoßä Cyr. p. 610, 55. abigit: anskavvei, ixtirgdöxai 
Philox. p. I 47; minat Gl. asbest (cf. Arch. I 560), Abav.; minat, 
expellit Lib. gloss. Vatic. 3321; abigunt: a se expellunt Gl. 
Abav. abige: expelle Lib. gloss.; amove vel a te expelle, ab- 
ioga Gloss. Abav.; abigito: anilawa, aito<s6ß*i<Sov Philox. p. I 44. 

abigebat: fugabat Lib. gloss. — Acro schol. Horat. carm. 1, 

21, 16 aget, avertet, abiget; 3, 24, 40 abigunt: cohibent, repel- 

lunt; epist. 1, 15, 19 abigat: auferat. 

I. A. aliquem vel abigi. a) addita re vel loco undc ab- 2 

igitur. 1) Plaut. Amph. 150. 978 advenientem ab aedibus; Men. 

127 iurgio uxorem ab ianua; Cure. 186 a eibo; Truc. 620 a te. 

Livius 2, 37, 9 ab ludis; 2, 38, 4 a sede piorum. Quint. decl. 



294 Ed. Wölfflin: 

mai. 8, 19 abucta a peritura prima mater. Itala (Land.) Act. 
apost. 8, 16 abegit (Vulg. minavit) eos a tribunali. Paßt. Herrn. 
89, 9 ab iustitia. Hieron. ep. et verb. Pach. 7, 96 a cboro sanc- 
torum; Hier. Hilar. 28, 28 uuum de fratribus ab oculis. August 
cnarr. psalin. 118. serni. 24, 3 nialignos conipellendo a se abigii 
Coelest. epist. 24, 1 (Patrol. 50, 547 RL) a navi vectores. Greg. 
Tur. bist. Fr. 5, 5 a praesentia sua. Ionas, vit. Columb. Patr. 
87, 1036 M eanis me Theodericus nieis a fratribus abegit — 
Poet. Carol. II p. 433, 138 D de sedibus . . . qui sanctos abigant 

3 2) ablativo uiuntur maxime poctae. Ovid. fast 3, 344 (de 
Numa) vir colloquio non abigende deum. Prop. 4, 15, 30 sta- 
biilis mater abacta suis. Lucan. 6, 735 urnis. Pliu. nat. h. 27, 52 
hac (herba) feminis abigunt quos . . . Fatuos vocant Val. Flacc 
5, 628 (de Iove) qui Pallada caelo Non abigis. Silius 2, 230 muro 
tectisque Sagunti Hac abigam Poenos tlrxtra; 17, 466 socioque 
abigat me fratcr Averno. Statius Theb. 2, 54 (Cerberus) agri- 
oolas cainpis auditus abegit; 11, 725 tectis. Paulin. Nol. poem. 
8, 27 via iusta. Cassiod. var. 1, 18 ut huiusmodi portenta (per- 
cussores) provinciae fiuibus abigautur. 

4 b) quouam? Plaut. Oapt. 815 quorum odos subbasiticanot 
oniues abegit in forum. Ter. Ad. 401 rus. Verg. Aen. 11,261 
diversum ad litus. Sen. dial. 7, 25, 1 int er egeutes me abige 
(abiee (Jrouov.X Hilar. psalni. 14n, 13 se dissipari, se secus io- 
fernuni abigi existimat. Eustath. Patrol. 53, 885 M damnati in 
tenebras ultimas abiguntur. Ilist. mise. 20, 64 usque Dainascum. 
[Poetae Carol. II 153, 13 1> legionem daemonum salvator in iuare 
abegerat.] — Paneg. XI 25 p. 265, 1 B. ab bis [vilissimis] opti- 
mus quisque abigebatur procul. Sidon. epist. 9, 3 procul hitfi 
et Hippoereneu abigamus. Orosius 4, 5, 5 extorres dominos pro- 
cul abigunt. Paneg. XII 21 tum longe (a principe) populus 
abigebatur. 

5 c) quanam rc? Plaut. True. 252 item, ut de frumento an- 
seres, elamore absterreat, abigit: Asin. 445 iam hie me abegerit 
suo odio. Cic. Tusc. I. 104 baeillum propter me, quo abigam 
ivolucres et feras\ ponitoto. Martial. I, 34, 5 meretrix abigit 
testein veloque seraque. Statius Theb. 4. 603 frondibus instantes 
abigit. Suet. l'alig. 26 spoi-tatores in cireo^ fustibus abegit 
Apul. inet. 8. 13 gladio. 1'lpian. Pig. 47, 14, 1, 3 qui cum gladio 
abigunt. Vulg. «Jenes. 31. 36 tilias quasi eaptivas gladio. Hieron. 
adv. Hbr. Hutin. 3 % 33 baculum. quo tu canes abigere consue- 



Abigo. 295 

Ywti. Rufin. apol. ad Anastas. 1 baculum, quo abigerentur. Sidon. 
| earm. 12, 9 barbaricis abacta plectris Thalia. Paulus Diac. vita 
Amolfi (Patr. 95, 733 M.) cum phalanges adversariorum suo ab- 
egisset mucrone. 

d) se obigere (cf. se agere, Spengel ad Ter. Andr. 708): 6 
i Aulul. Peip. 3, 1 celeriter hinc te (ex conieci Canneg.; hunc codd.) 

abige. Ven. Portun. vit. Mart. 3, 421 die, qua se conventus abegit 
\ (i. e. discessit, sich auflösen); ibid. 4, 362 hinc se proripiens pro- 
pere Martinus abegit (seil. se). — Isid. orig. 18, 24, 1 (de ursis) 
I modo manibus tentare invicera, modo complexu abigere sese more 
lactantium. 

e) nulla addita nee loci nee instrumenta siynificatione. 1) ab- 7 

dneere invitum. Livius 4, 21, 1 praedae abaetae hominum jr#- 

«rwmque, quare huc referri potest praedam a. Liv. 3, 68, 2. 6, 

31,8. 8, 19, 10. 9, 36, 12. Num. plur. Liv. 38, 47, 12 agri va- 

atati, praedae abaetae. Amm. Marc. 24, 4, 9 ut turmae abigendis 

insiaterent praedis. Paul. hist. Lang. 6, 24. Cf. abducere,- Arch. 

11460 seq. Ven. Fort. carm. 10, 12 b , 7. — 2) avocare. Verg. 

CqL 124 lotos Impia, quae socios Ithaci maerentis abegit. — 

3) vi armisque repellere. Iulius Val. 2 (11), 2 in oratione De- 

*adis: Persen abegimus. Hieron. epist. 78, inans. 25 insidiatores. 

Bnnodius p. 189, 36 Vog. variis pertbssum ictibus abigit infestan- 

tem. Passim a. hostem, lordan. p. 67, 9 M. Hist. misc. 14, 18 bis. 

20,66. 4) vi repellere. Plaut Pers. 297 abigis facile (sciL.me). 

Min. pan. 41 te delatores abegissc. Hyg. fab. 169 Neptunus Sa- 

tyrnm (Ainymonae vim inferre conantem) abegit. Vulg. Num. 

22, 11 si possim pugnans a. eum (populum). Vulg. lud. 16, 19 

coepit (Dalila) a. eum (Samsonem) et a se repellere. = expellere 

VitaHilarii 22 (Petr. 50, 1242) populos a. irruentes nocte. Gregor. II 

pap. Epist. 12 (Patr. 89, 521) deus inhabitet in tuo corde citoque 

abigat eos, qui te inhabitant. — 5) repudiarc. Hier, transl. 

homil. Orig. Luc. 24 (Patr. 26, 275) Ioannes iuxta lordanem ve- 

öientes ad baptisraum praestolabatur et alios abigebat; in Ies. 

7, 22 (Patr. 24, 269) erumpit in lacrimas et abigit consolantes. 

— 6) amovere a munere. Paul. Fest. 23, 3 abacti magistratus 

dicebantur, qui coacti deposuerant imperium. Stat. silv. 3, 3, 70 

Hec proximus heres abegit (sc. te). Coelest. epist. 23, 2 (Patr. 

50, 545) a. sacerdotes de Christo impia praedicantes. Greg. Tur. 

hist. Franc. 4, 13 Firminum a comitatura urbis abegit. Cassiod. 

Var. 94 filios de albo curiae t'aeiat abradi, ut posteritas nesciat 



296 Ed. Wölfflin: 

fuisse, quod yetatur abigere (codd. obigere). Sen. epist 19, 2 nun 
quam usque eo te abigam generis humani forore damnato (« 
a negotiis). — 7) Quintil. decl. mai. 15, 2 cum abigi cotnpesäq\ 
non posset. 

8 II. De hominibus pecora, bestias etc. abigentibus a) 
pascua. Varro r. rust. 2, 1, 16 (greges) longe abiguntur ex Apnl 
in Samnium aestivatum; 2,5,10 (armeuta) abigantur in monb 
2, 10, 11 in his regionibus stabulari solent equas abigere, ut 
Apulia. 

9 b) vi aut furto abducere: Cic Verr. 3, 57 fainiliam < 
duxit, pecus abigit; Pisou. 84 familias abripuerunt, p. abegeni 
Sen. ben. 6, 4, 5. Digest. (Pomponius) 9, 2, 39, 1. 47, 14, 3. 
(Callistratus) qui a stabulo abegit dorn i tum pecus, non a flu 
nee grege. Ennod. 58, 18 Vog. Einhard. annal. 820. pecora ] 
vius 2, 23, 5. 28, 8, 10. 39, 47, 2 De hominibus raptis pecoribi 
que abactis. Cf. § 7. 42, 41, 11. Hygin. poet. astr. 2, 4. Lact mc 
pers. 27, 6 abaetae praedae pecorum ac iutnentorum. Quint de 
13, 11 pecorum greges. Ulpian. 47, 14, 1, 4. Paul. sent. 5, 18, 
Collatio leg. Mosaic. tit 11, cap. 2. Leg. barb. Mon. Genn. V 
p. 158, § 56 sive ea (pecora) de stabulis abegerint sive de pasco 
boves Livius 1, 7, 4. Ovid. met. 2, 686 (sequitur furtum). Feri 
237 M. Apul. met. 9, 35. Hyg. poet. astr. 2, 7. Firm. Mat. de e 
12, 5 videat ut Hercules occiso Geryone abegerit b. Coli. 1« 
Mos. til 11, cap. 3. Schol. Acr. Hör. carm. 1, 10, 9 abegisti 
Apollini pascenti pecus Admeti. Mythogr. Vatic. 2, 43. Paul. N 
poem. 18, 235 amisit taciti furto praedonis abactos (iuvenco 
iumenta Livius 7, 14,4. Curtius 5, 13,25 confossa potius qni 
abaeta esse. Calpurn. Eclog. 1, 41 laxis abiget i. canistris. Vulg 
Reg. 23, 5. Lex Rom. Visig. Gai. 2, 10, 5 si iumentum dec* 

lOmilibus abegerit, furti reus erit (Gall. minaverit). — equoru 
greges Cic. Verrin. 1, 28 coli. 2, 20. Liv. 24, 20, 16. Phaedr. « 
pend. 19, 2 equum ec quadriga multis palmis nobilem Abej 
quidam et in pistrinum vendidit. Curt. 7, 9, 16 equos M et DO 
abegere. Paul. sent. 5, 19 (cf. Callistr. Dig. 47, 14, 3) abigeato: 
sunt, qui unum equum, duas equas totidemque boves [oves] 
capras decem, porcos quinque abegerint = Coli. leg. Mos. 11, 
ibid. § 2 atroces (abigeatores) sunt, qui equos et greges ovi 
de stabulo vel de paseuis abigunt, vel si id saepius, aut fe 
aut condueta manu faciunt. Cassiod. var. 9, 32 insidiis rusti 
rum abaetas sibi asserit caballos. Callistr. Dig. 47, 14,3 o\ 



Abigo. ■ 297 

pro numero abactarum; ibid. porcos quinque abactos. — asi- 
Bum: Apul. met. 8, 29 iuvenes abactum sibi noctu perquirent.es 
asellum. Hier. Patr. 23, 1439 asinum pupillorum abegerunt = 
Vulg. Hiob 24 ; 3. Fab. Romuli Nil. 15 quem (asinum) ad presepia 
lassum abegere. — gregem Ulp. Dig. 19, 2, 9, 4. Tertull. pat. 14. 
Hier, epist 118. Myth. Vat 1, 38. 2, 161. 3, 13, 5. animalia 
maiora Ulp. Dig. 47, 14, 1, 2. Stat. silv. 2, 1, 8 citius me tigris 
ibactes fetibus . . . velint audire. 

c) a sc depellere, fuyare. Cic. de orat. 2, 247 puer, abigell 

muscas. Phaedr. 4, 25, 13 (formica ad muscam) abigeris, cum 

Tenia, seil, ad aras. Tertull. de an. 15. August, civ. d. 2, 22 ma- 

ioresmultos deos tamquam muscas abegerunt; enarr. psalm. 1570 M 

▼elot ab oculis cordis sui m. irruentes abegit; id. Patr. 38, 69 

mascae sunt minutissimae non permittentes hominem quiescere, 

dam abiguntur et irruunt, dum abaetae rursus redeunt; id. 39, 

1784. 46, 950; id. (Patr. 32, 1039) de quant. animae = Isid. de 

nat rer. 36 (Suet. pratum, frgm. Reiff. p. 228, 3) muscas abigentes 

terem commovemus. Mart. epigr. 10, 5, 12 abigatque moto noxias 

aves panno. Quint decl. mai. 6, 24 plauctibus a. abigam. liier. 

adv. Lucif. 22 cotidie industria rusticana a. sonitu abigit; epist. 78, 

maos. 25 Samson qui abegerat a fructibus suis a.; id. in lerem. 

2,7 nullus si t, qui abigat (aves et bestias). Gregor. Moral. 16, 53 

1 abegit, ne oblatum sacrificium raperent. — Statius Theb. 8, 265 

(Phineus) nil stridere . . . volucres sensit abaetas. Hier. Patr. 

23, 962 descenderunt v. super cadavera et abigebat eas Abraham 

-Vulg. Genes. 15, 11 = August. Patr. 39, 1745. Vulg. Deuter. 

38, 26 sie cadaver tuum in escain volatilibus caeli et bestiis 

terrae, et non sit qui abigat. — Plin. nai li. 18, 160 passerum 

agmina herbä a. Hier, epist. 78, mans. 24 Abraham abactis cor- 

vis abactoris vel depulsoris sortitus est nomen. Hilarii vita 6 

(Patr. 50, 1128) quae (columba) nee . . . abigi potuit. 

Ovid. met. 14, 62 refugitque abigitque timetque Ora proterva 12 
cannm. Plin. nat. h. 8, 142 canem volucres ac feras; 8, 145 (ca- 
nem) nee in carcere abigi potuisse = Solin. 15, 10. Apul. met. 
9, 37 abigere canes adgrediuntur; 9, 2. Hieron. adv. lib. Ruf. 2, 2 
saevientes a. c; 3, 33 baculum, quo tu c. a. consuevisti. Petr. 
Chrysol. Patr. 52, 532 uti nee abigeret c. divitis; 533 quare vel 
c abigere noluisti? Valerius vit. Fructuosi Patr. 87, 464 c. procid 
abigi iussit. 

Val. Max. 9, 12, ext. 6 ut illum (asinum) abigeret (a ficu). 13 

Archiv fOr \tJL Lcxikogr. IV. Heft 2. 20 



298 Ed. Wölfflin: 

Apul. met 3, 26 abigor quam proctil ab ordeo. — Plin. 
18, 160 mures abiguntur cinere mustelae. Min. Pel. 24^ 1 
hirundines, müvi rodunt . . . nisi abigatis. — Hilarii vita ( 
50, 1227) abegit exinde lupum. Max. Taurin. Patr. 57,1 
pum procul abegit. Veuant Fort. vit Mart 4, 157 ac sin 
lupum salvo grege pastor abegit. Gelasii epist. 43, 3 (Thi 
clava boni pastoris abiguntur. — Hyg. poet. astron. 2, 33 
vix lepores ex insula abegisse dicuntur. Schol. Gern 
p. 416, 18 Eyss. totius consilium civitatis fuit, ut eos (1 
ex insula abigerent. — Plin. nat b. 8, 24 elephantum a 
a grege; 8, 118 abigendis serpentibus; 29,62 suffitu si 
sugas; 17, 266 formicas abigunt (ab arboribus) rubi 
Yulg. Deuteron. 8, 19 ut abigantur ranae a te (Pharaon 
per deum. — Hieron. in Isai. 1, 1 (Patr. 24, 31) homii 
bestiolas, quae insidiari solent frugibus, abigunt Ep: 
licis II (epist. pontif. ed. Thiel) 1, 10 bestiam a gregibus 
abigendam. 

d) abdticere. Macrob. Saturn. 3, 7, 6 veteres null um 
sacrum in finibus suis esse patiebantur, sed abigebant f 
deorum, quibus sacrum esset. 

14 HI. De bestiis abigentibus. a) Plin. nat. h. 8, 104 i 
pendris abactos esse Rhoetienses. Apul. met 4, 3 (de 
nisi . . fimo excusso quosdam extremi liquoris aspergine 
putore . . a meis iam quassis scapulis abegisseni. — b) 
6, 37, 9 equa abacto viliore (asello) pretioso mari iungitcu 
n. b. 8, 142 caneni volucres ac feras abigentem; 8, 91 € 
eos (crocodilos) abigentes praedae (praeda?); 10, 101 ut 
ces) rixando abigant eam (feniinam); 10, 9 aquila (aven 
ticam) ictu abigen te alae; 11, 28 abigunt eos (apes fucos); 
Suet. Vesp. 5 supervenisse tertiam (aquilam) ab solis ex 
victricem abegisse. Lactant inst. 3, 8, 7 (de venere canu 
alios mares abigant; 3, 22, 9 volucres fetus suos amanl 
alienos obieceris (subieceris?) abigunt 

15 IV. Absohite. a) = pecus abigere. Arnob. 2, 4 
citarent, abigerent, praevaricarentur. Ulp. Dig. 47, 14, 1 

■ abigendi studium quasi artem exerceant. Callistr. Dig. 47, 
qui saepius abigerunt (cf. § 9) lsid. orig. 10, 14 vulgo a 
vocant, ab abigendo (seil, homines et pecora). Stat 6, 6( 
tores) dueunt sternunt abiguntque feruntque. — b) de di 
(quod idem dicitur exigere Suet. Cal. 50. Claud. 26). Suet 



Abigo. 299 

Agrippinam abegisse post divortium doluit. — c) = partum a. 
Marcianus Dig. 47 ; 11,4 quae data opera abegii 

V. De hotninibus (diis, animalibus) aliquid (res) auf a selG 
aui ab aliis removentibus, depellentibus. PI au tu s Mcrc. 119 
ibigc abs te lassitudinem. Ennius trag. 27 R. pestem abige a me. 
Partum a. («= partum elidere Cels. 5, 28, 1). Cic. Clueut. 32 
partum sibi medicamentis a. = Tryphonius Digest 48, 19, 39. 
Tac. ann. 14, 63 abactos partus conscientia libidinum. Suet. Do- 
mit 22 ut causa mortis extiterit coactae conceptum a se abigcre. 
Ulpian. Dig. 48, 8, 8 si mulier visceribus suis vira intulisse ? quo 
partum abigeret, constiterit. Sulp. Sev. 2 ; 48, 3 stupro gravidam 
p. sibi graminibus abegisse. 

Ovid. met. 7, 202 de Medea: nubilaque induco, ventos abigo- 
que vocoque. Livius 8, 14, 8 naves inde (Antio) longae abactae. 

Exempla aetatis argenteae. Val. Max. 3, 8, 7 an abigi 17 
debet ... ab horum exemplorum contextu? Seil. dial. 1, 5, 2 ab 
optinris abigit (deus cupita); dial. 7, 21, 2 non abigit (sapiens) 
illa (bona) a se, sed abeuntia securus prosequitur; 12, 2, 2 illam 
(pecuniam) a se abigit (Madv.; abiecit B; abiicit E). Epist. 88, 29 
alias (voluptates) odit atque abigit. Sen. Phoen. 490 mater in- 
wdias et binc et rursus illinc abiget; Thyest. 79 immissas faces 
(furiarum) abigis. Petron. 4G si non didicisset, hodie famem a 
labris non abigeret. Plin. nat. h. 7, 113 eandem linguam (Grae- 
corum) in illo (Catone censorio) abegisse, in hoc (Uticensi) im- 
portasse memorabile est; 8,30 taedium muscarum; 12,81 fasti- 
dium; 25, 106 (de magis) verbenacä febres abigere; 32, 115 (magi) 
tertianas abigi promittunt; 31, 22 (pisces cibum) caudis abigunt; 
32, 17. Silius 8, 124 quae (somnia) dum abigo menti. Statius 
8, 245 Oedipoden ferunt tum abacta prius solatia passum (esse) ; 
6,919 abigant hoc numina. Martial. 10, 33, 7 a nobis abigas 
(versus), i e. versns nteos esse ncga. 

Gellius 7, 16, 9 (ad versum Catulli Quibus servitutem mea 18 
ttiiseria deprecor) significat abigo et amolior vel prece adhibita 
tel quo alio modo. Apul. flor. 19 prociä faces abigerent, procul 
ignes amolirentur. Tertull. cult. fem. 2, 2 quod deus a suis abigat 
(temptationes). Arnobius 7, 13 ut (dii) abigant averrtmcentque 
res contrarias. Aulul. Peip. 2, 3 turbas. Itala (Monac) Levit. 
14, 40 abigent eos (lapides) foras = Vulg. iubebit lapides proici; 
(Wirceburg.) lerem. 23, 17 verbum domini. IuYencus 3, 449 pre- 
cibusque locum truculentus abegit. Hilar. trin. 7, 10 cynomyiam. 

cm* 



300 Ed. Wölfflin: 

Quintil. dccl. mai. 14, 9 alioqui non est, quod abigas, quod ex 
pcllas. Martyr. Vatic. 7, 2. Latin. 9, 2 (Funk, patr. vol. II) tj 
rannicos nequitiae spiritus ab horainibus abegit. Ambro», d 
No. et arca 24 temperantia abigat a se vir sapiens huiusmod 
passiones. Hieron. II Hab. 3, 3 aquilonem sponsus abigit e 
austrum vocat (cf. Cani Cantic. 4, 16). Paulin. Not. poem. 2! 
142 verbo morbos. Prudent. bam. 899 abductum abigit de pectoi 
vitam. 

19 Augustinus epist. 92, 5 vanitatem a fide; 120, 13 abig 
quicquid tibi corporeae similitudinis occurrerit; 147, 42. 43. Ii 
op. imperf. contra Iulian. 5, 42 mali infamiam; 4, 121 Manichai 
orum nonien ab Ambrosio abigis; de gen. ad litt. 4,8, 15 snsp 
ciones a mentibus; Serm. Patr. 38, 356 abigatur (cogitatio) 
sensu devotorum; Confess. 7, 1. 10, 8; Patr. 42, 586 abigite i 
cxpellite a cordibus vestris . . . pugnam. Coelest. epist. 23, 3 n< 
sufficeret abegisse morbos et pestilentiam reppulisse. Cassiai 
inst. 8, 7 (iram) e suis abegerat sensibus. Leo Magn. Serm. 61, 
Ic8us febres abegit, dolores resolvit, daemonia eiecit; epist 7, 
per nostram curam abigitur morbus a nostris ovibus. Greg. Tn 
patr. 2, 1 a corpore nequam spiritum. Gregor. Magn. Moral. 5, 6 
imaginum phantasmata; 6,59 umbras rerum corporalium; 30,5 
(cogitationes) ab oculis mentis; in libr. I Reg. 6, 1 opus nefarim 
a cogitatione. Ven. Fort. vit. Mart. 4, 198 quam (daemonis un 
bram) procul iutendens sanctus flatu oris abegit. Mansi, Conci 
I 772 omni studio a. coutumelias. 

20 VI. Do rebus homines (animdlia) abigentibus. Hör. Carn 
3, 24, 40 nives raercatorem abigunt. Epod. 5, 29 abacta null 
Veia conscientia. Sen. epist. 124, 1 non refugis nee ulla te sat 
tilitas abigit. Lucan. 6, 150 quo vos pavor abegit? (adegit Webei 
Plin. nat. h. 9, 18*1 ne sonus ceteros abigat; 20, 50 alium sei 
pentes abigit; 27, 52 absinthium culices abigit. Quintil. decl. ma 
19, 11 quis te, mulier, adfectus abegit, tenuit, exclnsit? Lactan 
inst. 3, 18, 9 exsecrabilis doctrina, si abigit homines a vita. V« 
getius mul. 4, 12 suffimentum daemones abigit et larvas. Hieroi 
adv. Lucif. 22, 195 cotidie industria rusticana aves sonitn abigi 
Claud. rapt. Pros. 3, 190 volucres quae vis Sirenas abegit? Pauli 
Nol. poem. 15, 79 Hermiara mundus abegit. Isiod. orig. 13, 13, 
Gelonium stagnum Siciliae taetro odore abigit proximantes. 

21 VII. lies rebus abiguntur. Hör. epist. 1, 15, 19 (vinun 
quod cu ras abigat. Sen. nat. q. 5, 9, 8 calor omnis abigit nebula 



Abigo. 301 

Colnm. 6, 22, 2 fluvialis aqua partum abigit; 6, 27, 11 haec in- 
eommoda foetum abigunt. Petron. 89, vers. 18 lacrimas, quas 
metns abegit; 109 (vers.) vernantesque comas tristis abegit biems. 
Pomp. Mela 1, 1, 6 mare abigit vaste cedentia littora. Pliu. nat. h. 
2, 126 venti nubes abigunt; 20, 2 ferrum ad se trahente magnete 
lipide et alio rursus abigente a sese; 20,38 inula venenatorum 
morsus abigit; 23, 161 vinuui fastidium; 28, 77 fasciä niulierum 
abigi grandines; 28, 111 crocodili cor quartanas; 36, 130 mons 
ferrum; 37, 61 adamas ljmphationes. Statius Tbeb. 3, 257 ab- 
aeto flamine nubes mulcet iners aestas; 10, 92 otia abigunt ventos 
a culmine; 12, 44 lacrimas nee serus abegit yesper. 

Apuleiu8 d. Plat. 2, 22 deformitas corporis taleni abigere pot-22 
erit adpetitum. Paneg. XI 28 poetae ferunt deum cum despiciat 
in terras . . . illius hilaritate turbines abigi. Patrol. lat. XX 1183 
Mig. spiritus taedii abigit lacrimas. Solin. 52, 53 (adamantes) 
ljmphationes abigunt. Seren. Sammon. 946 letalesque abiget mi- 
randa potentia morbos. Prudent. psych. 632 pax fugatis hostibus 
abigit bellum. Anth. lat. 465, 1 K. iam nunc ardentes autumnus 
abegerat umbras. Marc. Emp. 8 hygra caligines abigit; 26 violae 
...dolores vesicae cito abigunt; 30 (de medicamento) abigit cou- 
ceptuui feminis praegnantibu» da tum. Cassian. conl. 21, 33, 3 ele- 
mo8ynae hilaritatem abiget maesta eunetatio. Leo Magn. serm. 
75,2 ad veteres tenebras abigendas novae lucis fulgura corusca- 
bant Ven. Fort. carm. 8, 11, 14 fervidus . . gelidas iguis abegit 
aquas Isid. orig. 16, 4, 2 in Aethiopia magues ferrum omne abigit 

VIII. Constr. passiva, non adäito auetore abiyendi, abactus.23 

Verg. Aen. 8, 407 prima quies medio iam noctis abaetae Curri- 

cnlo expulerat somnum, i. e. ahaetae ab ascensu et conversae ad 

descensam. Stat. Tbeb. 1, 231 spatio vix noctis abaetae enumerare 

queam. Cf. Corp. inscr. lat. VI 10082 aetate abaeta virgiui Speu- 

dosa Lethen incolis. Hör. Sat. 2, 2, 44 necduin omnis abaeta Pau- 

peries epulis regum. Plin. nat. h. 30, 104 reeidivas frequenter 

abigi. Stat Theb. 1, 104 (de Tisiphone) sedet intus abactis ferrea 

lux oculis, i. e. tiefliegend (Seu. trag, retracti iutrorsus oculi). 

Tac hist. 5, 19 velut abacto amne. 

Cyprian. carm. 3, 105 (Ionas) mortis testis abaetae. Itala24 
(Wirceburg.) Exod. 22, 10 aut tribulatum aut abactum erit (sub- 
iugium). Augustin. serm. Patr. 38, 356 M abigatur (baec cogitatio) 
a sensu devotorum; de praedestin. 14, 29 haec ab auribus et co- 



302 Ed. Wölfflin: 

gitationibus abigenda; id. Patr. 43, 498 M o scelus extra omne 
caelum abigenduin. Leo Magn. serm. 27, 1 abigatur procul terre- 
narum caligo rationuni; 65,4 ad abigendam cementiuui diffiden- 
tiain = epist. 124, 6; epist 1C2, 1 abigantur dissensiones a soll- 
ditate illius petrae, supra quam civitas dei aedificatur. Coelestinuß 
epist. 21, 12. 13 Spiritus ab eis imuiundus abigatur. Salv. gub. d. 
8, 4, 22 ut uovuui iuauditumque inonstrum abigi atque externti- 
nari arbitraretur. Cassiodor. Var. 9, 10 senatus consulta de abi- 
genda simonia. Ven. Fort. carm. 10, 6, 122 pinus abacta redit 
Gregor. Magu. homil. in Ezech. 2, 5, 9 abigenda sunt omnia manu 
discretionis ab oculis mentis; hom. in evang. 1 2, 4 vix eogitatio 
ab oculis cordis abigitur. Concil. Hisp. Patr. 84, 497 M abigenda 
sunt ab omni sacerdote, quae maculant. 

Älrfgus, a, um, quod abigit. Cf. abiga. 

Abitio, Ollis, fem. actus abeundi, discessio. Abitioue: disces« 
sione Loewe Prodr. gl. p. 149 ex cod. Leid. 67 E. Vatic 332L 
lib. gloss. 1) De hominibus. Plaut. Rud. 503 Quid mihi sce- 
lesto tibi erat auscultatio? quidve hinc abitio? Ter. Heaut. 190 
propter eam haec turba atque a. e ven it. Iulius Valer. 3, 30 das- 
sico signum abitione praeeipio. Symmach. epist. 1, 90, 1 a. fratris 
nostri Marii quodam viatieo carere non debuit. Ennodius p. 211, 
27 Vog. quid strages militum revolvam et ducis abitionem (= 
iugam) turpissimam. — Gloss. Festo adscripta ap. Üdofr. Müller 
p. 380, 9 Abitionem antiqui dicebant mortem. = Fest. ed. Thewrewk 
p. 17,23. 2) De rebus. Iulius Valer. 3,41 solis occasus et a. 
Ennodius p. 301, 1 Vog. timere deum de abitione sospitatis et in 
ipso gaudere de reditu. 

Abitö, are, (?) saepius abire. ('aper orthogr. (Gramm, lat 
VII 105, 3 K.) Frequentativii verba sunt caenito, pransito, lectito, 
dictito, cursito, vectito: ex hac nota sunt ito abitoque (codd. Bern.; 
habitoque cod. Montc2>essul. et Kell coli. Diorn. p. 344, 33. Adi 
Prise, jyart. 1, 28, ]>. 166, 15 IL). In Momim. Leg. vol. V, append. 
II § 1 pg. 171 qui per oeeidentales partes abitare noseuntur a. 
pro habitarc scriptum est. 

Abito, ere, compos. cj: praepositione a et baeto, abeo. Plaut 
Itud. 777 hunc quoque adserva ipsum, ne quo abitat; 815 sin ipse 
abitere hinc volet, quaiitum potis, Extemplo ampleetitote crura 
fustibus. ('f. Trucul. 96 ne qui adventor gravior abaetat (cod. B 
et Fr. Scholl; abeat DCLZ cum Prisciano). 



AbiguB — Abitu8. 303 

Abitus, US. masc. I. actus abeundi, discessio (abitus: discessus 
Papias). Agroecius de orthogr. p. 114, 17 Abitum sine aspira- 
tione de abcessu scribis, habitum de vestitu. Vsurpantur in nu- 
mero singtdari nominativus (getietivum unus probavit Silius), accti- 
sativus, äblativxis; in num. plur. unus accusativus (Statuts, Tac. Apul. 
Grat. Fcdisc.). 

1) De hominibus. Plaut. Amph. 529 lacruuianteui ex abitu 
nxorem; 641 plus aegri ex [hoc] abitu viri quam ex adventu vo- 
hptatis cepi; 645 perferain usque abitu in eius aniino forti; 662 
atque id se volt experiri, suom abitum ut desidereni. Cistell. 1 ; 
1,39 eas si adeas, abitum quam aditum malis. Mosteil. 711 si a. 
tuos tibi fecerit male. Ter. Heaut. 414 quom videam miserum 
hone tarn exeruciarier eius abitu; 746 sperabit sumptum sibi 
senex levatum esse haruue abitu. Verg. Aen. 8, 214 (usus voca- 
kdoPlautino) abitumque pararet (Amphitryouiades). Silius 7, 136 
retroque abitum fictosque timores dissimulat (Haunibal); 13, 14 
qnaö abitus , niiles, cauaas, illaese, dedisses; 13, 83 optato laetis 
tbitu (maniplis); 15, 633 deponuut abitus curam. Statius silv. 
2,1,63 quis . .. abitusque morabitur artis uexibusV Apul. met. 
7,8 liberos abitus concedebant. Pacat. paneg. Theodos. 37 hie 
Perpetuum vietis abitum, ille victoribus crebrum optabat adventum. 
hrenc 2, 452 abitum pax vestra sequetur. Auson. peri. Odyss. 4 
de abitu Telemachi. Ammian. 21), 5, 35 cuius abitu clandestino 
ttultitudo dispersa. Poet, aevi Carol. II 96, 4 D. commeniorans 
patris abitum hinc venustum; 433, 153 cum dies abitum pararet. 
*- In formulam abilt post abitum: Cic.Verr. 3, 125. Catull. 64, 27. 
Marius Victorinus Afer adv. Arium lib. 3 (Patr. Mig. col. 1108 C). 
Ammian. Marcell. 18, 2, 18. 20, 8, 22. 31, 8, 6. 31, 16, 2. 

2) De animalibus. Plin. nat. bist. 18, 311 signum orientis 
e iu» sideris (delphini) servetur hirundinum abitus. Gratius Cyneg. 
242 accessus abitusque notare ferarum. 

3) De rebus. Lucretius 1, 457 Servitium contra, Libertas 
Divitiaeque, Paupertas, Bellum, Concordia, cetera, quorum Adventu 
manet incolumis natura abituque; 1, 677 de atomis Certissima Cor- 
pora quaedam, quorum abitu aut aditu mutatoque ordine mutant 
Naturam res et convertunt corpora sese. 

II. Locus, quo liceat ubire. Verg. Aen. 9, 380 omnemque 
abitum custode coronant, ad quae Servius: melior est lectio abi- 
tum quam aditum; cingunt enim silvam, ne abeaut, non ne adire 



304 Ed. Wölfflin: 

possint Tacitus annal. 14 ; 37 circumiecta vehicula saepserant 
abitus. 

Abitldico, avi, atuiu, Are. Abiudicas: negas Gloss. Amplon.* 
cc7toöixd£(ö: abiudico Cyrill. p. 387, 41. I. Proprio. Senteniia iudi- 
ciali abdicere, oppos, add teere, a) aliquid ab aliquo. Plaut. Rud. 1283 
abiudicata a nie (leuone) modost Palaestra. Gic. Verein, act I 13 
nulla res tam patria cuiusquaui atquo avita fuit, quae non ab eo 
imperio istius abiudicaretur; leg. agr. 2, 43 iudicabit Alexandriain 
regis esse; a populo Romano abiudicabit. Lactant. Plac. arg. niet 
13, 1 ab Aiaec arma abiudicata sunt, b) aliquid alieui. Ulpian. 
Dig. 30, 50, 2 ut ei hereditas abiudicetur (Flor. 8 adiudicetur) et 
oneribus careret. — e) nulla personae siynificatione. Schol. Gronof. 
Cic. 402, 18 Or. iudieio abalienari, quod est abiudicari. Livius 4, 
1, 4 ob iniuriam abiudicati agri. Sen. benef. 3, 6, 3 quod tam- 
quam alienum abiudicatur. Tac 14, 18 abiudicatis agris. 

II. Translativc. Plaut Asiu. 607 me a vita abiudicabo; 
Kud. 1039 numquam hercle bodie abiudicabit ab suo triobulum. 
Cic. Verr. 1, 4 opinione populi 11. rationem veritatis ab hoc or- 
dine abiudicari; Gaec. 00 cum über esset, ipsum sibi libertatem 
abiudieuvisse. Arnob. 2, 24 non enim nos convenit fidem rebus 
a. August, de quaiitit. animae, Patr. 32, 1055 numquam ab aninut. 
eas (vires corporis) abiudieaverim; ib. 1076 ab ea (anima) nomera. 
veritatis abiudicent. 

Abiügo, are, verbum ut videtur non nisi priscis scriptoräms 
usurpatum. Gloss. Vatic. 1468 abiugat: a iugo solvit Philos. 
p. 1, 50 abiugat: cc7ioXvei. Vatic. 3321 ubiurat (leg. abiugat): dis- 
solvit. Gloss. Placidi, p. 0, 13 Deuerl. abiugassere: abiungere, ab- 
ducere. Gloss. Vat. 1468 abiugassere: disiungere, dissolvere. Gloss. 
Philox. abiugassere: aito&v&i» 

Pacuvius trag. 222 Rib. Quae res te ab stabulis abiugat? — 
Gertum est loqui. 

Ahiunctuni, i. neutr. Garm. de figuris, v. 55 ^uckelvfuvov. 
Abiunctum contra est, si nullis (singlis Biihrens) singula necto. 
Opponilur itoXvtivvdetov, midtiiuyum. 

Abiiuictus, a, uiik I. Proprio de loco, remotus, separates. 
Tert. carn. Chr. 7 in matre a. (a Christo). SSidon. Apoll, epist 
0, 9 iundis abiunetisque regionibus. Paulin. Petricord. de visit 
nepot. 65 (Patrol. vol. 61 M.) longe abiuneta sepulcro cellula. 

II. Translative, seq. praepos. ab, = alienus, diversus. Gel- 
lius 12,5,8 hoiuo a dolore ubiunetus abalienatusque est Arnob. 



\ 



Abiudico — Abiuratio. 305 

2, 40 ab hominum formis . . abiunctae animae; 3, 10 ab omni 
tarpitudinis labe disparata atque abiuncta divinitas. — Seq. dativo. 
Pradeoi. c. Sjmm. 2, 817 quantum quadrupes abiuncta est bipedi. 
-Absolute. Panegyr. XII (Pacatus) 22 quas (gentes) inaccessas 
aut . . . separatas aut interfusis aequoribus abiuncta s natura dis- 
terminat. Hieron. Patr. 23 ; 848 et 1 160 Nazarenum sanctuin vel 
abiunctuni. Paulin. Nolan. poem. 20, 380 nam genere abiunetarn 
pecus armentale iuveneam. 



Abiungo, xi, ctuni, gäre. Gloss. Yatic. 1408 abiungere: dis- 
sociare. I. Proprie. De iumentis: exuerc iugo, disiungere, quod 
est vocabtdum proprium scriptoribus de re rustica. Verg. Georg. 
3, 518 arator Maerentem abiungens fraterna morte iuveneum. 
Prop. 2 ; 18, 10 (de Aurora) illuin (Tithonuw) saepe suis decedens 
forit in ulnis, quam prius abiunetos (Scaliger; adiunetos plcr. edit. 
quod praestat; aduinetos cod. Neapol.) sedula lavit equos. 

IL Loco separate, seimigere. Caes. b. Gall. 7, 56, 2 abiuneto 
Labieno timebat. Catull. 66, 51 abiunctae paullo ante comae mea 
fata sorores Lugebant (de Berenice). Panegyr. V 17 (p. 144, 10 B.) 
Uli milite8, qui per errorem nebulosi niaris abiuneti . . pervenu- 
fant. Statius Theb. 5, 389 abiunetis regemunt tabulata cavernis, 
od quae Lactant. schol.: Abiunetis quidam hyphen leguut, divisis: 
wc in Olympio (i. e. Neinesiano) 'abiungere luna iunices'. cui 
contrarium est coniungere. Sidonius Ap. epist. 2, 2 (= 2, 1 Bar.) 
tüiae duae conexis frondibus, fomitibus (= stipitibus) abiunetis 
unam umbram non una radice conficiunt. Boeth. cons. phil. 123, 
3P. Tigris et Euphrates una se fönte resolvunt Et mox ab- 
iunetis dissociantur aquis. Leo Magu. epist. 93, 1 abiuncta a vobis 
praesentia mea. 

III. Translative. Cic. epist. Att. 2, 1 ; 3 quod se ab hoc 
refractoriolo iudiciali dicendi genere abiunxerat. August, civ. d. 
7,5 quid opus erat ab ea (theologia naturali) civilem tanta cura 
distinetionis abiungere? Boet. comm. in Arist. 1 132, 17 M. ali- 
quid ab eo, cui privatiouem copidat, abiungit; II 131, 22 ut id 
quod iunxitj idem negatio dividat et abiungat. — abalienare, 
(wertere. Stak silv. 1, 376 haec domus Egeria nemoralem abiun- 
gere Phoeben . . possit. Quint. decl. mai. 14, 6 iuvenum inentes 
abiungas a meretrieibus. August, op. imperf. contra Iuliau. 4, 109 
cur non ambos a Manichaeis dignaris abiungere (paulo supra 
Manichaeis adiungere). 

AbifirfttlO; Ollis, femin. Isid. orig. 5, 26,21 lnfitiatio est ne- 



306 Ed. Wölfflin: 

gatio debitae rei, cum a creditore deposcitur; idem et abiuratio* 
— Translat. Ennod. p. 155, 1 Vog. a. fastidii de eo, qui mperbiam 
arrogantiamque ponit. Locus Itiner. Alex. 41 a diis potuisse poniri 
abiurationis corruptus esse videtur. 

Abiiirator, Oris, masc. perUiis abiurandi. Cassiod. Var.3,25 
Non sit convieiuni negotium perdere, cum proprie a. alieni für 
tum, non animam reddat; 11,3 non sum callidus a. Translak 
contcmptor. Ennod. p. 192 4 17 Vog. a. dulcedinis (u e. comitaHSj 

Abitiro, avl, atum, are. Serv. ad Verg. Aen. 8, 263 Abiurar 
est rem creditam negare periurio. — Lib. gloss. Abiu.ro : negc 
Cyrill. p. 469, 40 smoQxä: abiuro, periuro. Lib. gloss. abiuras 
abnegas. Vatic. 3321 abiurat: reprobat vel negat. Lib. gloss 
abiurat: periurat. Id. abiurare: rem creditam negare periurH 
Amplon. 2 abiurant: abnuunt negant. Lib. gloss. abiurate: furat 
(= abiuratae: furatae). Casin. 90 abiuratae: fraude subreptae. 

I. Proprie. a) Peeuniam, similia. Plaut Cure. 496 qt 
abiurant, si quid creditumst; Pers. 478 Nee metuo quibus credid 
hodie ne quis mi in iure abiurassit; Rud. prol. 14 in iure ab 
iurant peeuniam. Sali. Oat. 25, 4 creditum. Verg. Aen. 8, 265 
(de Caco) abstraetaeque boves abiurataeque rapinae (Servius e con 
tra ius retentas' intellegit). Corp. inseript. 1 206, 113 queive ü 
iure bonam copiam abiuravit abiuraverit. Sedul. pasch, pros.2,1* 
(p. 227, 16 H.) quisquis, deo quae sunt, infUiatus abiurat. Sym 
mach, epist. 2, 87 partem pretii emptor abiurat. Schal. Bern, ai 
Lucan. 2, 254 permiscenda h'des] debitum abiuratum. Cod. Theodos 
10, 8, 2 ne fraudibus ininuantur vel petentibus aliquid abiuretur 
10, 21, 3 ut quisquam de abiurato pretio conqueratur. Cassiod 
Var. 2, 34 abiuratam (peeuniam). Claudian. de VI cons. Honoi 
110 abiurata palam Libyae possederat arva, /. e. contra fiden 
sacramento datam sibi vindieata. 

b) De rebus abstractis, iure iurando infitiari alqd. Stai 
Theb. 6, 151 Eu quam ferale putemus abiurasse sacrum, L e. cat 
dem sacramento adhibito factum. Quintil. declam. mai. 3*, 7 tuue 
sanguinem. Petrus Chrysol. Patr. 52, 654 iurat miser, dum quic 
quid honestatis esi, abiurat. Gelasii tract. 6, 2 (Epist. pontif. ec 
Thiel) abiurata unius dei Providentia et potestate, quam confessn 
est, ad superstitiones seducitur. Append. ad Leonis M. opp. Pati 
56, 4(51 dei potentiam. Hufin. bist, eccles. 1, 28. 30. 

c) A. aliqncm. Quintil. deel. mai. 3 a , 7 abiurandus est noJ 
esse sanguis tuus. Zacchaeus consult. 2, 6. Patr. 20, 1118 Iudae 



I 



Abiurator. Abi uro. 307 

11011 tarnen credunt Christum, quem a patribus abiuratum non 
nesciunt Hilar. psalm. 145, G quia patrem sibi diabolum ab- 
iuraverat. Ambros. de Iac. et vit. beat. 2, 10 non abiurabo vos. 
Hieron. Patr. 30, 207 matrem Mariam sibi Dominus abiurat. 
Ambros. de interpell. lob 1, 5, 13 centurio agnoscit alienum ... 
Bebraeus abiurat (= non agnoscit. Of. Ev. Matth. 27, 54). Maxim. 
Tauriii. Fatr. 57, 287 hunc regem Iudaea intidelis abiurat. Epist. 
Felicis II 13, 7 (ed. Thiel) qui Christuni quem semel confessus 
est, abiurarit. 

d) Absolute, Cic. epist. ad Attic. 1, 8, 3 mihi a. (te pro- 
muisse munusculum Tulliolae) certius est quam dependere. Lact, 
instit. 6, 1, 8 rapiunt, spoliant, insidiantur, abiurant. 

e) Seq. accus, c. infin. Einhard. annal. ad a. 763: (Tas- 

silo) ad regis conspectum ulterius se venturum abiuravit, i. e. 

mavit se non venturum. 

II. Translate. Obscurata iurandi significatione: negare, re- 

fatare, spernere. Isid. differ. 1, 5(5 abiuro: nego. Apul. de deo 
Socr. 15 (de Lemuribus) poetheo colore usus: animus humanus cor- 
pore suo abiurans, /. e. carpore excedens et quasi ei vale dicens. 
Panegyr. XII 41 sed nee tu debitam (seil. Fortunae) gratiam 
beneficii infitiator abiuras. Symmachus epist. 1, 35 abiuratus ami- 
citias adfeetat. Nov. Theodos. II 3, 1, 8 unde ver solitam gratiam 
abiuravit? unde aestas agricolam in spe destituit aristarum? Nov. 
Äfciorian. 5, 1 bona oecultata fraudibus aerarii coramodis abiu- 
fantur, i. e. subtrahuntur. 

Latissime patet hie usus apud scriptarcs ccclcsiasticos, 
$ *oximc apud Ennodium, euius locos ef. in ind. Vag. p. 363. Am- 
bros. enarr. in psalm. 40 (de Zacchaeo publicano) temporis su- 
perioris abiuravit lucra; de viduis 4, 2(5 virgo calumniam inle- 
gritate corporis abiurat = repcllit; de fide 3, 5, 38 qui causam 
•alutis abiurant, i. e. respuunt. Augustin. de vita ereniit. 1457 
Mig. omnes confabulationes abiuret, i. e. otnittaf, devikt; de ami- 
citia 13 abiuremus convicia, quorum ultor est Deus, i. e. respna- 
**M. Prud. apoth. 223 abiurare (derogare) deo titulum nomen- 
<Jue paternum. Dracont. 10, 51)6 te Venerem freta vestra negent, 
abiuret (cod. adiures) A mores Cyprus et Idaliam pigeat coluisse 
Dionen. Ennod. p. 47, 30 simplex conloquii eultus diademata ab- 
iurat, sermo familiär is pompam spernit; 41), 5 diligentiam decoris 
abiurat, non affeetat; 229, 2 abiurata est caritatis religio, /. e. 
sublata, extineta. 



308 Ed. Wölffiin: 

AblactötYo, önis. fem. vocabulum latinitatis christianae, acta 
ablactandi, ubi cf Vulg. Genes. 21, 8 fecit Abraham grande con 
vivium in die ablactationis eius (Isaac). Hieron. Patr. 23, 961 
ib. 968 quinto anno ablactationis tempus statutum. Gregor. Magr 
in Hb. I Heg. 1,41 ab ablactationis loco ductus asseritur. 

Ablacto, avi, atuni, Are* aitoyalccxrifa, a matris uberüm 
removcre, verbum latinitatis cliristianac, maxime usitatum in par 
pers. pass. ablactatus, a, um. Cassiod. Patr. 70, 944 Ablactal 
dicuntur, qui sunt a lacte prohibiti. Isid. orig. 10, 11 ablactatu 
quasi a lacte ablatus. 

Itala Psalm. 130, 2 sicut ablactatum (Vulgata ablactatui 
super matrem suam, sie retribues in animam meaui (Vulg. retr 
butio in aniuia rnea) = Hilar. in psalm. 130, § 5. Id. ibid. al 
lactatus iam pueril i aetati proximus. Vulg. Os. 1, 8. I Reg. I 2! 
24. Ies. 11, 8. 28, 9. Ainbros. hex. 5, 18, 58 feininae nostri gern 
ris cito ablactant etiani illos, quos diligunt, aut si ditiores sud 
lactare fastidiunt; de ben. patr. 4 saneti tanquam ablactati esc 
solidiore firinantur; Gain et Ab. 1, 5, 19. Hieron. I in Os. 1, 
qui ablactatus, recedit a uiatre, parentis lacte non vescitur, ali 
mentis sustentatur externis; Epist. 107, 13. 108, 18. 29. Quaesl 
hebr. in lib. I lieg. 2, 24; in Ies. 9, 28 ablactati ab lacte, aTew 
ab ubere; Quaest. in heptat. 1, 50. August, enarr. psalm. 98, 1< 
cum (Samuelem) ablactavit; psalm. 130, § 12 cum coeperis panet 
,iuanducarc, ablactaberis et ablaetatur non iufans, sed iam grar 
diusculus. Petr. Chrysol. Patr. 52, 407 quando virginis in geruiiii 
ablactatur universa feeunditas. Veuant. Fortun. carm. spur. 1, 10 
ablactatus agens (== c3i>). Greg. Magn. in lib. 1 Reg. 1, 41. 4 
ablactatus infans ante conspectum domini ducitur. Willibald, tl 
Bonif. 1, 1 maternae sollicitudinis cura ablactatus. 

Translatc. August, in enarr. psalm. 130, § 13 timendum, n 
quis ante tempus ablactetur. Petr. Chrysol. Patr. 52, 407 (solen 
nitas paschalis) novae regenerationis ablactat infantiam. 

Ablaiqueatio, onis. fem. 1) actus ablaqueandi, übt cf.Cohm 
4, 8, 2 hiemalis, quae ex pluviis consistit in lacusculis ablaquet 
tionis aqua; 4, 9, 1 ablaqueationem sequitur putatio; 4, 12,2 prai 
cessit autumnalis a. quae uudavit summas et ad inferiores rad 
culas hiberuos transmisit imbres. 4, 17, 2. 5, 9, 16 arbor abli 
quuatione iuvauda est. 13, 5, 4 peraeta ablaqueatione ante br« 
mam. De murra Plin. nat. h. 1 2, 6G = Solin.33, 9. 

2) lacusculus ablaqucando effeclus. Coluni. de arb. 24, 1 (< 



Ablactatio — Ablativus. 309 

piris) obruta ablaqueatione cinerem supra terram spargito; cf. 
5 7 10, 17. 13,5,5 ante aequinoctium vernuin ablaqueationem ad- 
aequato (solo)] 13, 5, 4 post bruraam ablaqueationem circumfodito; 
5, 10, 17 adobrtita ablaqueatione. 

AM&qutio, äyI, ätuni, äre (ablacuo Varro r. rust. 1, 29, 1) 
vocafodum rei rusticae, terram circa vitcs vel imas arbores e ff ödere 
et lacusctilos (Colum. 13, 10, 4) circa radices excavare, quo laetius 
immsso stercore proveniant, quod idetn dicitur oblaqucare secundum 
Isidor. orig. 17,5,31: Obl. est circa codicem terram aperire et 
▼eint lacum efficere; hoc aliqui excodicare appellant; oppos. agge- 
rare, adobraere, accumulare. Gloss. Philox. 1, 53 ablaqueata: dio- 
(tvftivTa. Colum. 11, 2, 40. 54. Plin. nat. h. I, summarium lib. 
17, 31. 

De vitibus sive vineis Cato r. rust. 33 capita Vitium per 
lementim ablaqueato; 114. 115. Varro r. rust. 1, 29, 7 circum vites 
sblacuari. Colum. 2, 14, 3. 4, 4, 2. 4, 8, 1 priusquam frigora in- 
radant, vitis ablaqueanda est; quod opus adapertas ostendit aesti- 
Tt8 radiculas easque prüden 8 agricola ferro decidit etc. 4, 22, 
priu8 a. deinde amputare (vineam); 4, 29, 10 ablaqueari vitem 
antiquissimum est; 5, 5, G vites tota hieme ablaqueatas habere; 
11,2,87 vineis ablaqueatis; 13, 5, 3 ab idibus Octobris a. incipito, 
wte brumam ablaqueatam habeto (vitem); 13, 10,4 vineam no- 
vellam ante brumam ablaqueatam habeto; 13, 10, 5 vinea vetus 
neque ablaqueanda est neque aranda. Pallad. 2, 1. 6, 4. 12, 3 
rinea vetus ablaqueata fimo satietur. 

De arboribus Cato r. rust. 27. Colum. 11,2,40 arbores 

a Waqueatas circumfodere; 11,2,82. 11,10,4 vites nrboresqne, 

quaecunque in clivis sunt positae, ita ablaqueandae sunt, ut a 

8 &periore parte secundum codicem lacusculi fiant, ab inferiore 

Pulvinuli altiores excitentur. Pallad. 11, 8. De oleis Cato r. rust. 

5 circum oleas autumnitate ablaqueato et stercus addito; 29. 93. 

Colum. 11, 2, 87. Plin. nat. h. 17, 127. De piro Colum. 5, 10, 17. 

*3, 24, 1. Pallad. 3,25. Deplantn ; Pallad. 12,7. De moro Pallad. 

'»25. Radices a. Colum. 13,6,4 r. ut ablaqueatae non conspi- 

c »antur. Plin. 17,259. 203. Pallad. 2, 15. 4, 10; quare *Plin. nat. 

"• 19, 131 seri etiam radices inlitas fimo interest et repleri abla- 

^Ueata humo cum Mayhoffio scribendmn est ablaqueatas. 

Ablativas, i. masc. seil, casus. Varro 10, 62 casus sextus, 
^i est proprius Latinus. Diomed. p. 302, 4 K. Varro sextum, 
^terdum Latinum appellat, quia latinae linguae proprius est. 



310 Ed. Wölfflin: 

Dooatus Gr. lat. IV 377, 17 ablativum nonnulli sextum < 
appellant. Pomp, comment. Gr. lat. V 183, 11 idem est 8 
mus, qui et ablativus. August. Loa in Heptat. 1, ad Genes, 
ablativum, vel quem appellant septimum. Versus Scoti de ; 
beto (littera D) ablati casus vox sum. Anecd. gramm. I 
88, 10 ablativus, non ablator vel ablatus. Prise. 5, 73 a. 
comparativus (vocatur). 

Primus vocabttlo usus esse dicitur Caesar = Charis. 122, 
Ar litteris nomina neutralia terminata item non minus ait C 
quia dativo et ablativo pari iure funguntur, ut idem Pliniu; 
bit. Cf. Lerscli, Sprachphilosoptiie II 231. Max Müller, Vorles. 
Festus p. 282 M. Refert cum dieimus, errare nos ait V< 
esse enim rectum rei fert, dativo scilicet, non ablativo casu 
p. 140 a. casus. Quintil. 1, 4, 20 quaerat, sitne apud Graec 
quaedam sexti casus et apud nos quoque septimi. nam cui 
'hasta percussi 9 , non utor ablativi natura; 1, 5, 59 casus a. 
illi (Graeci) non habent. 1, 7, 3. 7, 9, 10 ablativo inest na 
amphibolia. 7, 9, 13. Diomed. 316, 3G K. immensa est huius 
licentia et utimur eo saepissime pro duobus casibus, ge 
et dativo. Prise, 5, 75 seq. a. proprius Romanorum. Donat. a: 
lat. IV 377. 407 K. Servius in art. Don. ibid. 433, 15. Serg 
in Don. gramm. Gr. lat. IV 535, 1 a. quod per cum aufen 
ab aliquo aliquid significamus, ut ab hoc magistro = Isid. 
1, 7, 32 Pomp. comm. Gr. lat. V 171, 12 a. apud Graecoi 
invenitur, sed latini hunc adsumpserunt sibi. Cf indices i\ 
Keilii. Ablativus casus plerumque dicitur scriptoribus saec. 1 
post Chr. n.j etiam Charisio, 1, lti f Auson. teclmop. 11, 11, 
tivus omisso substantivo, Exc&ptori Charisii, Nonio cap. 9 (p 
— 503), aüis. 

Porphyr. Hör. Epod. 14, 9 per a. dictum. Diomed. p. 3 
multa sunt, quae Romani per ablativum casum solent e 
Macr. Sat. 3, 2, 16 sie legend um per a. — Prise, passim a 
gere, adiungi ablativo; Mart. Gap. 4 p. 122, 17 Eyss. abla 
adiungere. Prise. 18, 57 assumere ablativum. Gellius 1, ] 
casum capere a. Prise. 17,91. 18,153 ablativo coniungi. A 
Patr. 32, 1431 pleraque ablativo copulari. Donat. Gr. li 
276, 27 ablativum habere. Donat. Prise. Mart. Cap. 3 p. 95 
iungi ablativo. Passim ablativum pon er e. Max. Victor. G 
VI 203, 20 regunt ablativum Gr. lat. VII 352, 21 ablativo 
respondere. 2 xls ^ m - ^ r « ' a ^- VII 413, 21 ablativo casui se 



Ablativus — Abiego. 311 

Gr. lat. VII 401, 5 ablativum casum trahere. Prise. 18, 280 
ßomani ablativo utuntur. 

Ablativus, a, um. ad auferendum vcl ad casum ablativum 
pertinens. Praepositiones ablativae Mart. Cap. 3 p. 74, 20 Eyss. 
Pomp. Coniineni in Donat. Or. lat. V p. 273 sq. K. Isid. orig. 1, 
13, 1. — Boeth. co mm. in Aristot. I 63, 5 M. a. modo. Prise. 
16, 1 a. (species coniuneiionum). 

Ablator, oris. masc. qui aufert. August, eiv. d. 19, 13 sen- 
tientes eoruin (bonorum) ablatorem iustissimum deum. Sedul. 
pasch, carm. 5, 344 beati corporis a. Anecd. gramm. Ilelvet. 
p. 88, 10 genetivus . . . ablativus, non genitor vel genitus . . . non 
ablator vel ablatus dicendi sunt. 

Ablavo, 1. 3 coniuy. lavando tollere, ablwre. Gloss. Cyr. p. 390, 
34 anoviTiTco : ablavo, abluo. Exe. Cliaris. .004, 14 K. lavo lavi, 
ablavo ablavi. [*Iulius Valer. 1, 9 ed. Müller: souinio defen- 
sante (te) ab omni culpa, quo ablavi (coni. Müller; quam adlavi 
cod.; qua maculari Bern. Kubier) posses.] 

Ablägfttio, önis, fem. dimissio. ( 1 f\ ableyo. In re militari 
Livius 6, 39, 7 primo intercessione collegarum in leges suas 
pugnatuni esse, deinde ablegatioue iuventutis ad Veliternum bel- 
lum. De exilio. Plin. nat. h. 7, 149 pudenda Agrippae a. Con- 
stitut. Sirmond. 2 impp. Arcadio Honorio et Theodosio (de epi- 
scopis damnandis) sibi debent esse et aliis constituta ablegatioue 
terrori. — Patr. 20, 1087 (de Israelitis) postea in desertis tarn 
longi temporis ablegatione cruciati sunt. Symniach. epist. 8, 19, 2 
vide ne aliud genus suspicionis ineurras, si obsessam a morbo 
coniugem vacuo secessu et intuta ablegatioue maceraveris. 

Ablögo, avi, atnm, ärc. I. Vroprie. Lrgando, per causam 

kgationis dimitiere, removere, summovere aliquem y plerumquc nvgotio 

oliquo imposito. Cf. delegarc. a) In re militari ac de mayi- 

stratibus. Cic. Att. 2, 18, 3 legatio libera (a Caesare oblata) a 

fratris adventu me ablegat. Verrin. 2, 73 dimisso atque ablegato 

consilio; 74 illis adhibitis in consilium, quos ablegaverat; 79 ho- 

nestos homines, qui causam norint, ableget a consilioque dbnit- 

tat; 5, 82 remoto atque ablegato viro. Livius 4, f)8, 12 plebcm 

proeul urbe ablegavi; 5, 2, 4 ablegatam ab urbe et a re publica 

iuventutem; 7, 13, 8 ab urbe, a penatibus ablegatos; 7, 39, 3 

ablegati per speciem militarium usuum; 21, 10, 12 ablegandum 

(Hannibalem) eo, unde nee ad nos nomen iamaque eius aeeidere 

possit etc.; 22, 25, 5 (consulem) alterum specie classis Punicae 



312 Ed. Wölfflin: 

persequendae procul ab Italia ablegatum; 23, 31, 7 ablegatum 
velut de industria M. Marcellum; 24, 26, 9 ablegarent procul ab 
Syracusis (stirpem regiam); 24,29,1 duces ablegandos; 24,29,5 
nisi Hippocrates atquc Epicydes procul Sicilia ablegarentur; 25, 
41, 3 praefectum sub ipsani certaminis diem ablegatum; 35, 15,5 
ut procul ab se honore eura quoque able garet; 39, 14, 1 preces 
ut se ablegaret; 40, 21, 7 non fallebat Demetrium ablegari se, 
ne adesset consilio; 44, 44, 8 per haue causam (falsi nuntii) Thra- 
eibus ablegatis. 

Ascon. p. 83, 4 E. Piso in Hispaniam missus a senatu per 
honorem legationis, ut ab urbe (Robortellus; anus suus C; ad 
tempus Eiessl. Scholl.; anuuus Car. Rück coli. Cic. Attic. 5, 13,3) 
ablegaretur. Suet. Cal. 9 ablegari eum ob seditionis periculum 
et in proximam civitatem ilcmandari. lustin. 1, 5, 8 (de Cyro) 
ablegatus ab avo in Persas. Vir. illust. 64, 9 Nasica per speciem 
legationis in Asiam ablegatus est. Gomm. Bern. Lucan. p. 151, 15 
ablegatam [a] Pompeio Corneliam Lesbon. 

b) De exilio. Livius 27, 9, 3 extra ltaliam in exilium verius 
quam in militiam ablegari. Gran. Licin. p. 36, 14 Bon. mulierem 
(coneubinam) Cyzicum cum Socrate et quingentis talentis ablegat 
Ammian. Marc. 28, 1, 21 ablegatus est in exilium; 29, 2, 11 cum 
ablegatos conscientia ipsa viros ostenderet claros, illi . . exilio 
adflicti . . sunt revocati. Cod. Theodos. 16, 5, 57 in exsilium se 
vehementer coercitos non ambigant ablegandos. 

c) In re privata. Plaut. Cas. prol. 62 hinc adulescentem 
peregre ablegavit pater; Mil. 869 hunc sub custodem suom Foras 
ablegavit. Ter. Hec. 414 aliquo mihist hinc ablegandus. Livius 
1, 35, 2 Tarquinius pueros venatum ablegavit. Sen. exe. controv. 
4, 6 rus ablegatus; contr. 7, 1 (16) 13 a. privignum. Schol. luven. 
7, 265 (de Cloelia) ablegatis custodibus transnatavit. Liv. per. 52 
a patre quondam ablegatus Gnidon. Gellius 16, 19, 19 ablegato 
Arione. Apul. apol. 44 rus ablegatus est. Heges. 2, 12, 43 si 
ablegaret coniugem. Donat. ad Ter. Hec 359. 360. — Boeth. 
Patr. 64, 1055 quodammodo a propositionum terminis relegati. 

d) De animalibus. Varro r. rust. 1,47 pecus ab prato ab- 
legandum. Colum. 6, 5, 2 cum ablegabantur (boves); 6, 22, 1 
sunt taurae ablegandae; 6, 27, 8 in longinqua pascua marem ab- 
legari. Statius Theb. 5, 63 lila (Venus) procul ablegasse volucres 
(columba8, cygnos, passeres) fertur. Flor. 4, 2, 82 ablegato equo 



Ablevo — Abligurrio. 313 

. . in aciem procurrit. Comm. Bern. p. 253, 19 colonis ableganti- 
bus se (greges) procul. 

e) a. aliquid. luven. 14, 202 nee te fastidia mercis Ullius 
ßubeant ablegandae Tiber im ultra. 

IL Translate, maximc apud soriptores ccclesiasticos A. 
aliquid, abicoro, removerc. Fronto p. 78, 4 unuin verbuin de ora- 
tioue ablega. Tertull. adv. Marc. 5, 2 ratio ablegandae Jegis. 
Ambros. de los. patr. 13 ubi pax est, ablegatur discordia; de Cain 
et Ab. 2,6 fides, quae defeetuin senescentis devotionis ableget; de 
No. et ar. 25 eibos ablegat et rcicit corporales. Salv. gub. 1, 4, 20 
reniovit a se eunetam terrestrium rerum curani et ablegavit. Oros. 
2, 13, 3 ablegata religione eonsulum. 

Abl£vo, ävi, atmn, are. Vorabulum ab nno Ambrosio nsur- 
pakim, si fides liabenda est editionibus nondum ad fidem optimomm 
codictim correctis, idetn fere significat quod levarc sive allcvarc, quo- 
cum saepe confunditur. 1) a. aliquid. Ambros. de Iac. et vit. 
beal 2, 11 aerumnam (Ennius: adlevare aerumnas); de virgin. 3, 
7, 33 deus remedio non offenditur et faciuus fides ablevat; de 
vid. 6, 36 (fletus oculonun) dolorem ablevat; exliort. virg. 4, 20 
potestis excusare patrem, a. matrem; ibid. 6, 34 si ablevet virgi- 
nitas onera condicionis; de bon. mort. 5 ablevemus an im am ex 
istius carnis cubili. Hegesippus (AnibrosiusV) bell. lud. 5, 2, 
80 quae (misericordia) sola solet a. miserias. 

2) se a. vel ablevari. Ambros. Patr. 060 ut (anima) soluta 
nexu corporis se ablevet et Christo adhaereat. a) ab alqa re. 
Ambr. exh. virg. 4, 19 ut a mundanae cogitationis ableventur 
contagio; de fug. saec. 7 a. se a saeculo — a corpore, b) aliqua 
re. Ambr. de Is. et an. 3 ahlucebat se, ablevabat vitiis saeculi 
huius; de bon. mort. 3 qui se voluptatibus oxnit atque ablevat. 

Abligurrio, ii, ire. (Porfecti abligurrivi nullum cxcmplum 
extare videtur.) I. Proprio. Lignrriendo absumore, vcl siqxrficiom 
aliaäus rei lamberc. Apul. in. 10, 4 (de asino) raneidiora seligens 
abligurribam dulcia. Arnob. 7, 3 ab canibus abligurritur sanguis. 

IL Translate. Per luxnriam conswnore, dissiparc. Ennius 
sat. 28 mox cum alterius abligurrieris (L. Müller, abligurias Lugd.) 
bona. Ter. Eun. 235 patria qui abligurrierat bona. (Donat. 
suavibus escis consumpserat; nam airh rov kiyvQOv est lig.) 
Apul. apol. 59 Patrimonium abligurriit. Heges. 4, 7, 18 nullus 
rapiendi finis, quia nullus abligurriendi modus; 4, 32, 9 luxuriae 
sumptibus Komani imperii opes abligurrisset. Sidon. epist. 9, 6 

Axohir für Ut. Lezikogr. IV. Heft 2. 21 



314 Ed. Wölfflin: 

q u an tum de bonusculis sumptuositas abligurrisset. Schol. Pera. 
6, 09 ut tuus nepos haec omnia abligurriat. — Sensu cbscoeno » 
feUare, ki%veva>. Auct ine. ap. Suet. gramin. 23 vis tu quotiens 
festinantem aliquem vides, abligurrire. Cf. Suet. Tiber. 45. 

Abligurritio, onis. fem. Non legitur nisi sensu tropica de 
yula et luxuria. Iul. Capitol. v. Macrini 15, 2 Heliogabalus im- 
perium dedecoravit vitiis ingentibus, luxuria, turpitudine, abli- 
gurritione. 

Afolignrritor, öris. masc. gulo, liorno dclkatus. Ambros. epist 
4f>, 10 unusquisque se eviscerat luxuriosius, heluo internecat, abli- 
gurritor perimit. Cassiod. Patr. 70, 90 sunt blasphemi abligurri- 
tores et luxuriosi. 

Abiingo, #re. Propric. Lambendo detergere. Past. Herrn. 

361* 7 (canes) ablin gebaut vulnera eius. Marc. Empir. 8, 67 co- 
tidie ieiunus oculos ablingito. — Translat. Lingendo dbsumerc 
August, quaest. in heptai 4, 46 nunc ablinget synagoga haec 
omnes qui in cireuitu nostro sunt = Vulg. Num. 22, 4 delebit 
hie populus omnes qui in nostris finibus conimorantur, quomodo 
solet bos herbas usque ad radices carpere. 

Erläuterungen zu abigo. 

Das Interesse, welches die Geschichte des Wortes uns bietet, liegt 
weniger in den verschiedenen Schattierungen, welche die Bedeutung um. 
Laufe der Jahrhunderte angenommen hat, als darin, dafs in der klas- 
sischen Latin i tat Subjekt und Objekt lebende Wesen zu sein pflegen» 
Die einzige Phrase dos Cicero, a. partum, ist /.war unter die sächlichem. 
Objekte eingereiht, betrifft aber dem Sinne nach lebende Wesen. Vom. 
abducere (Archiv 11 460) unterscheidet es sich meist so, dafs diese* 
mehr auf Mensehen (Objekt), abigere mehr auf Tiere bezogen wird; 
Donat. zu Ter. Ad. 101 abigam hunc rus| ut peeudem dixit abigam, 
non ut hominem mittani. Hoc lentius (v i o lentius V) ; bei Zusammen- 
stellung beider Begriffe (z. B. praeda hominum pecorumque) mute 
daher der Schriftsteller sich für das eine oder andere Verbum ent- 
scheiden und die Freiheit des Zeugma sich aneignen. Ungewöhnlich 
sagte daher Ovid (nie tri causa?) Her. 15,357 abdueta armenta, Metam. 
1, G77 capellas abdueta s. In der Anwendung auf die Tiere kann abigere 
sowohl bedeuten: aus dem Stalle, oder von dem Orte, wo sie sich be- 
finden, forttreiben, als auch: lästige Thiere verscheuchen, von sich ab- 
treihen. Nur Varro de re rust. gebraucht es vom Treiben auf die Weide. 
Der absolute Gebrauch (mit fehlendem Objekte) ist mäfsig. 

Der Dichtersprache siud entsprossen Kedensarten wie a. lassita- 
tudinem, pestem; nives nie reu torein abigunt; vinum curas abigit Erst 



Erläuterungen zu abigo. 315 

die silberne Latinität hat sich derselben bemächtigt und ihnen eine un- 
geahnt weite Ausdehnung gegeben; neben Valerius Maximus und dem 
Philosophen Seneca hat namentlich der Naturforscher Plinius das Wort 
ausgenutzt. 

Der Syntaktiker findet bestätigt, was er schon ahnt, dafs die Prosa 
und bereits Plautus verbinden a. ab aedibus, erst die augusteischen 
Dichter a. stabulis. Bemerkenswert für den Verfall des instrumentalis 
und für die unklassische Diktion Ulpians ist, dafs dieser schreibt a. cum 
gladio, offenbar im Interesse der Deutlichkeit. Se abigere = sich packen, 
sich entfernen, kann nur vulgär gewesen sein; vgl. se ducere, sich 
schieben, drücken. Die passiven Wendungen sind, wo sich der Urheber 
der Handlung leicht aus dem Zusammenhange entnehmen liefs, den ent- 
sprechenden aktiven beigemischt worden; einige Beispiele aber, wo dies 
nicht der Fall ist, am Schlüsse besonders gestellt. 

Cod. lustin. 8, 51, 3, 2 darf nicht gelesen werden: eos qui infantes 
abegerant et mortis forte spem circa eos habuerunt, da nach dem Zu- 
sammenhange von Aussetzung, nicht von Abtreibung die Rede ist; die 
richtige Lesart abiecerunt bestätigt u. a. Arnob. 4, 3 abiectis infan- 
tibus pepercit lupa. Freilich ist abigere frühzeitig mit abicere ver- 
wechselt worden. 

München. Eduard WSlfflin. 



Interemo. Perento. 

Ein bayerischer Schulmann fragte bei mir an, ob es gerecht- 
fertigt sei, dafs in der in seiner Anstalt eingeführten lateinischen 
Grammatik interemo als mustergültige Orthographie empfohlen 
werde. Brambach verwirft dieselbe für die Schulpraxis wohl mit 
Recht. Sie findet sich aber nach sehr guten Handschriften bei Tragic. 
vet. fr. bei Fronto ad M. Caes. 3, 13 p. 51, 121 N. (interemut). 
Lucr. 1, 216 Bern, (interemat); 2, 1002 Bern, (interemit); 3, 287 Bern, 
(interemant). Verg Aen. 10, 428 Ribb. ed. mai. (interemit). Hör. sat. 
2, 3, 131 Holder (interemis). Schol. Bob. ad Cic. pro Milon. 3. no. 6 
in Claß8. auctores ed. Mai. 2. p. 95 (interemendi ; Baiter p. 278, 21 
interimendi mit der nota crit: interemendi, sie cod.). 
Ebenso finden sich von peremo folgende Formen: 
peremo, Apul. met. 3, 6 Eyss. — peremit, Ulp. dig. 2, 15, 4 
Momms. — peremunt, Plin. 33, 3 Detl. Fest. 245 (a), 31. — peremat, 
Cato de re mil. fr. 4 (bei Fest. 217, 2). — peremere, Cinc. bei Fest. 
214, 31. — peremitur, Ulp. dig. 2, 15, 4 Momms. — perematnr, Gai. 
dig. 19, 2,35, und Ulp. dig. 27, 8, 9. § 2 Momms. Apul. met. 3,8 Eyss. 

Gotha. K. E. Georges. 



21 



Miscellen. 



Magis. 

Magis dürfte wohl mit satis, potis, nimis zusammenzustellen Bein 
und eigentlich keine Komparativbildung darstellen. Es würde also 
einfach „9 ehr" bedeuten und erst allmählich die Bedeutung des Kom- 
parativs „mehr 4 ' erlangt haben In dem Sinne von „sehr" erkenne 
ich es in einigen Überresten der archaischen Latinität. Varro ling. 
Lat. IX § 73 ed. A. Sp.: „Magis mane signiticat primum mane, magis 
vespere novissimum vesper u . Wilh. Fräsdorif, de coinparativi gradus 
11 su Plautino S. 25 f. führt mehrere Beispiele aus Plautus an, wo 
wir magis finden, wahrend wir nicht den Komparativ erwarten. Sein 
erstes Beispiel lautet: Amphitr. 110 f.: „Nunc de Alcumena ut rem. 
teneatis magis („Damit ihrs genau wifst u ), Utrimque est gravida 1 
Da mir keine wirklich überzeugende lautgeschichtliche 
von magis als Komparativform bekannt ist, so möchte ich obigen 
Gedanken der Krwägung der Fachgenossen empfehlen. Dafs ai 
mag- ins nichts anderes als miijus, mäjis entstehen konnte, scheint roi 
festzustehen. Nur bei der Annahme einer völligen Irregularität kam 
die Behauptung bestehen, dafs magis der Form nach ein Komparati- 
sei. Audi minus ist schwerlich ein Komparativ, sondern mit seci 
und necessus zusammenzustellen. 



3 

_r 
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Prag. 



0. Keller. 



Zur Bildung der latein. Komposita auf -fer und -ger. 

In der Besprechung der Schrift von B. Delpser „Über die Bil- 
dung und Bedeutung der lateinischen Adjektiva auf -fer und -ger ** 
ist Arch. HI 567 angeführt, dafs Vf. in Bildungen wie u vifer, 
aurifer, ignifer, rorniger den Vokal i nicht für einen Binde vokaJ 
erklärt, sondern in den ersten Bestandteilen derartiger Komposita 
deklinierte Formen erkennt. Ausgehend von Kompositis wie ignifer 
iür igni(m)-fer sei das -i auch auf andere Nominalstämme über- 
tragen worden und so durch Analogie die übrigen Komposita ent- 
standen. Hierzu erlaube icli mir die Bemerkung, dafs die Sprach- 
wissenschaft, den Begriff Bindevokal in der Komposition längst auf- 
gegeben hat. Für das (Griechische verweise ich auf G. Meyer in 
(Jurtius Studien Vif., für das Lateinische auf meine Schrift, die 
lat. Nominalkmnposition in formaler Hinsicht, Innsbruck 1877, S. 32 f., 



Miscellen. 317 

die wenn auch in mancher Beziehung durch die spätere Forschung 
überholt, doch in dieser Beziehung den richtigen Thatbestand lehrt. 
Es widerspricht ferner dem Wesen der indogermanischen Nominal- 
komposition, ein Kompositum aus einer deklinierten Substantiv form 
und einem als Simplex ungebräuchlichen Verbalnomen entstanden sein 
zu lassen. Selbständige Worte, wie öovqI nlvxog, %aQi\ xo/liowv- 
vtg domum itio aquae ductus können durch Zusammenrückung zu 
scheinbaren Kompositis dovQixkvtog KccQrjKoixocovTeg, domuitio, 
aquae ductus vereinigt werden.*) Aber die in Frage stehenden 
Komposita auf -fer und -ger müssen ihre Vorbilder in einer früheren 
Spracbperiode haben; imbrifer, malifer sind ebenso wie griech. 
oußQoyoQog, ptikotpoQog nach Muster einer Sprachperiode gebildet, 
in welcher das alte indogermanische Gesetz, dafs zur Bildimg der 
Komposita der reifte Stamm im ersten Gliede zur Verwendung kommt, 
noch in voller Kraft war. Und eigentlich ist dasselbe auch nie aufser 
Kraft gekommen, nur haben analogische Einflüsse die ursprünglichen 
Verhältnisse zum Teil undeutlich gestaltet, zum Teil verändert, und 
sind in den späteren Sprachperioden die einfachen Zusammenrück ungen 
mehr in Gebrauch gekommen. Dies ist nach meinem Wissen der 
von allen Sprachforschern anerkannte Sachverhalt. Es darf demnach 
nicht daran gezweifelt werden, dafs uvi-, auri-, igni-, corni- den 
reinen Stamm repräsentieren. Dafs der Stammvokal in uva-, auro-, 
cornu- sich zu i gewandelt hat, ist nach dem bekannten lateinischen 
Lautgesetze geschehen, dafs der Vokal der nachtonigen Silbe in be- 
stimmten Fällen i ist, worüber ich der Kürze halber auf W. Meyer, 
Zeitschr. f. rom. Phil. 8, 205 f., meine Lautlehre § 22 und Brugmann, 
Grundrifs der vergl. Gramm. S. 91 f. verweise. 

Innsbruck. Fr. Stolz. 



Verba auf -issare, -izare. 

Zu dem im vorigen Jahrgange gegebenen Überblick über die 
Verba auf -isso, -izo bietet sich noch eine kleine Nachlese. Einige 
Nachzügler aus den Sammlungen haben sich eingestellt, anderes und 
zwar besonders Wichtiges wird den Mitteilungen des Herrn Prof. 
Georges, D. Rönsch, Dr. Sittl und anderer Gelehrten verdankt. 
Indem ich Unwesentliches, wie einige weitere Belege zu anathematizo 
und baptizo, übergehe, gebe ich die Nachträge in alphabetischer Folge; 
wo ich nicht selbst habe nachprüfen können, weist der Anfangsbuch- 
stabe des Namens auf den Urheber der Mitteilung hin. 

acarizo wird auf ein griechisches cc%ccqI£co = Ivtcw zurückgehen, 
welches ich freilich nicht nachweisen kann. 

alapizo steht nach R.(önsch) auch 3. Esdr. 4, 30. DuCunge hat 
einen späten Beleg für alaphisare. 



*) Es thnt für die gebrauchten Beispiele nichts zur Sache, dafs La 
Roche (mit Recht) SovqI %Xvz6g aufgenommen hat und seit Bekker xa?7/ 
xopomvxtg geschrieben wird. 



318 A. Fimck. 

angarizo bieten nach S.(itil) schon der Gull, und Anrel als 
Wiedergabe von ayyctQEva) sowohl Matth. Ö, 41 wie 27, 32, ferner 
Fs.-Hicron. indic. de haercs. 2. An jener ersten Bibelstelle führt es 
auch Sabatier an aus Sangerm. 2; Mss. S. Gat. et Maj. Mon. DuCange 
bringt wieder eine späte Belegstelle bei. 

appetisso ist die Überlieferung für Accius fr. 160: cur uetera 
tarn <x alio appeiissis dteeidia, Agamemno; die Herausgeber lesen 
zum Teil apprtis. 

arm i/o H. DuCange belegt das Participium an/nizatus = paratvs. 

baptizo ist von Hausloiler im afrikanischen Latein der Bibel- 
übersetzungen in der Schreibung baptkio nachgewiesen; weitere Be- 
iego dafür sind mir nicht zur Hand. 

catechizo. Die Stelle Gal. 6, 6 ist auch bei Augustinus in 
lob. 31, de ope monach. 16 angeführt. S. 

chorizo, corizo, coriso kommt nach Wilken, Geschichte der 
gcistl. Spiele in Deutschland S. 220, A. 5 in mittelalterlichen latei- 
nischen Weisungen im Sinne von Reigentänzen vor. Beispiele bei 
DuCange, G riech. %oq££<o für xoQivta scheint zu fehlen. 

chrysizon Lucilius XXII 3 erhält eine merkwürdige Bestätigung 
dadurch, dal's nach einer Mitteilung von Prof. Ellis dasselbe bereits voo 
Munro, Cambridge Journal of philology VIII 210, und, wie Bahreas 
^No. 111) angiebt, auch Marx bereits vermutet haben. Bährens setzt 
es in griechischer Schreibung xqvö%ov in seinen Text. 

citharizo. Die für die Neubildung tibko wichtige Verbindung 
beim Mythogr. Vat. 111 10, 7 steht auch schon bei Fulgentius p. 728: 
ftOo^/rror j] ^aklontvrov ij avlovfAiiioi: hw rst aut cantantium aut 
cithttrizantiiun auf tihi:<in(him. 

cnlaphizn. Die oft wiederholte Stelle 2. Cor. 12, 7 liest man 
auch bei Augustinus in psalm. OS, i:i, serm. col. 35-4, 7; 1. Cor. 4, 3 hat 
nur Boerner. tnltiphiztiMiir für das rol<tpßtiit vaedimur der Vulgata, 
colophizo hat Gall. Matth. 26,67. ^S.) 1. Cor. 4, 12 steht bei Saba- 
tier colaphisaiinir. 

daemonizo steht Matth. l.">, 22 auch im Gall. u. Taurinensiß, 
Matth. S, X\ im Taur. i S.^ Sabatier hat an der letzten Stelle da* 
im*nnt htrfnbaHl ihahuerant?'-. Fnroollini verweist für dag Substanti- 
vum diiMHtHiznti" auf Quicherat, Add. Lex. Lat. p. 64; DuCange hat 
wieder einen Beleg aus späterer Zeit. 

eremi/.o nur bei Cassius Felix 51 p. 135 Rose: per jwftfl» 
titttuztito f'vtlv oMnpftvnhr Vitium infhibL<. Das Griechische scheint 
nur lüfjuaco zu keimen. 

Für evaugeli.o ist die Berichtigung zu geben, dafs auch dem 
griechischen Bibeltext schon die aktive Form wohlbekannt ist, z. B. 
Apoc 10, 7 tvtiyyiitfstm II. 6: tvayyfjJaat und öfter auch im Alten 
Testament ilO 

eun uch i/o ist schon bei Uönsch lt. u. V. S. 248 weiter belegt 
K> stein Matth. \\K 12 im cod. Ga!l.. Rehdig., Gigas, Aurel., Vercell 
für das t'fiN.'r-if- der Vulgata. S/- Vgl. auch Sabatier z. d. St 

iireiTori/o IJ. 



Miscellen. 319 

harmonizo R. Ein Graecum scheint zu fehlen. Forcellini führt 
tarmonizatus als beste Lesart für Ambros. in Ps. 118. Serm. 7. 
i. 27 an. 

idiomatizo R. iduoiuttfärn fehlt. 

incipisso Plaut Capt. 532, 802, Mil. 237, Trin. 884 war von 
en Sammlern wohl als echt lateinisches Wort unter diesen Fremd- 
rörtern nicht mit berücksichtigt. 

iudaizo hat auch schon Augustinus de baptismo 2, 2 in dem 
ft wiederholten Bibelwort Gal. 2, 14. Daselbe Verb um hat cod. 
lall. Ioann. 4, 9, wo Sabatier nur Iudaeus sis bietet (S.). 

nablizo steht nicht Gloss. Philox. (wie Saalfeld aus Forcellini 
bgeschrieben hat), sondern Gloss. Cyrilli p. 663 Vulcan. und daraus 
lloss. Sabb. p. 205 a. Aufserdem steht es noch Kxcerpta ex vet. lex. 
Iiaeco-lai p. 333 Vulc. — Gloss. Labb. p. 118c hat nabliso (so!) auch 
ns Gloss. Cyrilli, was vielleicht Saalfeld mit nablito meint. Georges. 

opizo. Dr. Liebl macht darauf aufmerksam, dals auch die von 
[an, Progr. v. Burgdorf 1875 veröffentlichten Berner Persius-Scholien 
a I 35 auf dieses unerklärte Wort hinführen, p. V: Minuit vel intvr- 
vqmtur opezissat. opizizare est verba minucre, auch cod. m 8 (Monac. 
5965 fol. 4 retr.) enthalt offenbar dasselbe: stiplantat i. opi£i£at. 
)pi£are est ubaminuere. un et diminutores littcrarum opi£i£i dicuntur, 
'gl. auch de Vit. Gloss. unter dem Worte. 

Für organizo findet sich schon bei de Vit Glossarium (am 
forcell.) ein weiterer Beleg (G.) aus Sedul. Scot. de R. C. c. 18 ap. 
Ifai Gloss. nov. Lat. p. 45. 

patrisso hat auch Apuleius flor. 3: eo gen'Uus Marsyas cum in 
uiificio patrissaret tibicinii 

poetizo ist von Dr. Liebl jetzt aus mehreren Persiusscholien 
lachgewiesen. Zu Prol. v. 12 hatte schon Kvicala (Prag 1873 p. 8) 
las Prager Scholion veröffentlicht: si sprm häbuerint ut nummum ad- 
pUrant pro poemaie, onmes poctizabunt (cod. poetizabanf) ; die Berner 
kholien bei Kurz bestätigen das: Bl poetizabunt; b2 pocmatizarent 
lucht Kurz dadurch zu stützen, dafs er eine andere Überlieferung 
wenam dabant in poematizdbunt verwandelt. Auf poetizo führt nach 
jiebls Mitteilung nicht nur Monac. 15965 m 2 (Progr. v. Straubing 
1883 S. 18 Anm.): omnes poetizarentur (sie!), sondern auch die- 
elbe Handschrift fol. 2 vorne m 3 : omnes poetizabunt und endlich 
donac. 14748 (saec. XII? oder XIII?) fol. 39: omnes poetizarent. 
— Bei DuCange findet sich eine einzige späte Belegstelle. 

Zu den halbgriechischen Pliniana kommt noch poppyzon 35, 
.04: cum ptngeret et poppyzonta retmentem eum. 

prosializo B. 

sancenissat: laetatur, triumphat Gl. „Isidori" p. 693, 41 an- 
geführt bei Loewe prodr. p. 31 mit Barths Vermutung saracenissat. 

semisso führt Georges aus Vegetius I 26, 4 an: qui semis- 
antur non eliduntur. 

Für solemnizo beruft sich Georges bereits auf Augustinus, 
erm. 93, 5 Mai; nach Forc. steht dort: sollempnizandum. 



320 A. Funck — Fr. Vogel. 

spondiaznntas schreibt jetzt Bücheier auch Schol. Pers. 195; 
ebenso Keil Mar. Vict. VI 112, 7 statt der Varianten, welche auf 
spondaizo hinführten ((?.). 

tablizo gloss. Amplon. p. 269, 230 (R.), vgl. auch Forcellinl 

thymiamatizo hat Luc. 1, 9 cod. Gall. Du Gange fuhrt ein ihy- 
miatizo an. 

üb i/o siehe oben unter citharizo. 

Zu trisso kommen nach Georges aus Aldhelm ein neuer Beleg 
nicht nur, sondern auch die Weiterbildung trissito und bei Sueton fr. 
161 p. 251, 4 RfFsch. anatem tetrissitarc. 

Zum Schlufs seien noch die wunderlichen Worte des Gramma- 
tikers Virgilius hierher gesetzt p. 140, 12 ed. lluemer: inckogalimt 
. . formae verha utrinsquc coniugationis esse possunt, ita tarnen ut idra- 
tjiic coniagatio altermtm sibi uindivet uerbum. nam cum dicis florisso, 
primae coniugationis cssv noscitur ut florisso florissas; sie calisso, 
2>atisso, parisso. mirantur sane doctorcs horutn in quibus adsumus 
temporum, quarc et quotnodo uerbum primae coniugationis non per omnia 
tempora declinabitur. si ctiim decUnafur, inchogat'tuum esse non poiest: 
nam primae coniugationis uerba per omnia tetnpora exire posse, faciens 
lectio demonstrat. Niemand kennt sonst jene Verba; mirantur sane 
doctores. 

Kiel. A. Funck. 



IN privativuni (haud impigre). 

In den Neuen Jahrbüchern (1886 713 f.) hat W. Heraeus die 
beiden Stellen: 

Sallust. fragm. ine. 29 1). haut inpigre neque inultus oeeiditur 
Liv. 32, 16, 11 oppidani primo haud impigre tuebantur moenia; 
dein-fessi ... ad deditionem inclinarunt, 
wo haud impigre dem Zusammenhang nach notwendig mit * nicht 
unmännlich ', also gleich haud pigre oder einfach impigre, übersetzt 
werden inufs, einer näheren Untersuchung unterstellt und durch über- 
raschonde Parallelen aus der deutschen Litteratur glaubhaft gemacht, 
dals an beiden Stellen nicht etwa eine Textverderbnis vorliegt, son- 
dern eine Gedankenlosigkeit der betreffenden Schriftsteller selbst 
Auch Sulpicius Severus hat sich wahrscheinlich des gleichen Ver 
stofses gegen die Logik schuldig gemacht, wie in der gleichen Zeit- 
schrift (1886. 867^ von mir ausgeführt wurde. 

Da aber noch nicht jeder Widerspruch überwunden zu sein 
scheint, verlohnt es sich wohl der Mühe mit ein paar Worten noch 
einmal auf die angeregte Frage zurückzukommen. Die Wortbildung 
mittels des *in' privativ um ist, augenfällig nur ein Notbehelf, zu 
welchem die Sprache erst dann griff, als ihre Lebenskraft zu ver- 
siegen begann. So lange die Quelle der Wortschöpfung in ursprüng- 
licher Fülle sprudelte, bedurfte die Sprache dieses künstlichen Druck - 
und Flickwerkes nicht. Wie die Substantivbildung jedenfalls filier 



Miscellen. 321 

ist als die Bildung von Adjektiven, so spielt das *in' privativum in 
dieser eine viel bedeutendere Rolle als in jener. Ebenso entbehren 
die Adjektiva, welche die Sprache am frühesten bedurfte und schuf, 
dieses Notbehelfes; die Gegensätze werden durch besondere Wörter 
bezeichnet: magnus — parvus, longus — brevis, gravis — levis, 
bonus — malus, dum* — mollis, albus — niger etc. 

Erat spftter, als die Sprache zu verblühen begann, wurde das 
Hülfsmittel des c in' privativum notwendig, das darum auch oft ohne 
weitern Einflufs auf das bereits starre Wortbild blieb, mit dem es 
verbunden wurde (vgl. inhibitus, aber inhabilis, illisus aber illaesus, 
inquisitus aber inquaesitus; inimicus incestus insulsus irritus sind 
natürlich viel älter als inanimus impastus incalcatus irratio). Das 
r in' privativum konnte zunächst nur die Wirkung haben, das mit 
ihm verbundene Wort zu entwerten oder zu entleeren, es konnte 
also zunächst nur verbunden werden mit positiven Stamm w orten, die 
einen Inhalt oder Wert hatten. Also 

sanus — insanus, aber nicht aeger — inaeger 
validus — invalidus, aber nicht debilis — indebilis 
felix — infelix, aber nicht miser — immiser 
probus — improbus, aber nicht pravus — impravus. 
Verbot es die Logik, ein Wort, das den negativen Begriff eines 
Mangels in sich schliefst, durch das r in' privativum zu einem posi- 
tiven Begriff u mz usch aften, so widerstritt es dem Geschmack, eine 
lobende Eigenschaft so auszudrücken, dafs man vor ein tadelndes 
Adjektivum des r in' privativum setzte. Euphemistisch war es z. B. 
statt fatalis oder funestus zu sagen infortunatus oder infaustus, und 
nrban imperitus, imprudens, ineptus, inelegans, illepidus, inurbanus, 
infacetus zu sagen statt rudis, stultus, stolidus, stupidus, fatuus, 
agrestis, rusticus: aber wem hätte es einfallen können instultus statt 
sapiens, inrusticus statt urbanus zu sagen? 

Das lateinische Sprachgefühl mufste demnach von vorn herein 
geneigt sein, in den mit c in' priv. zusammengesetzten Adjektiven 
"den Begriff eines Mangels oder Tadels zu suchen. Jedoch galt das 
nur a parte potiori, dadurch und besonders durch die Gleichheit des 
'in* priv. und der Präposition *in' mufste das Sprachgefühl unsicher 
und geradezu verwirrt werden. imminutus heilst zugleich unver- 
mindert und vermindert, immutabilis unveränderlich und veränderlich, 
inclinis ungebeugt und geneigt, iuauratus unvergoldet und vergoldet 
etc.; somit konnte inhabitabilis, das sonst unbewohnbar bedeutet, 
von Arnobius recht wohl einmal in der Bedeutung bewohnbar ge- 
braucht werden. Die Verwirrung ging also soweit, dafs die Bedeu- 
tung einzelner Wörter nur aus dem Zusammenhang, nicht aus der 
Wortbildung gewonnen werden konnte. Man frage nur sein Sprach- 
gefühl: was heifst inhabilis, immersabilis, incurvabilis? Das läfst 
sich endgültig nur aus dem Sinn entscheiden, den der Zusammen- 
hang an der betreffenden Stelle fordert. impinguare heifst fett 
machen, impinguatio die Mästung: daher Reges. 3, 20, 58 iinpinguis 
= fett oder fett machend! 



322 Fr. Vogel — H. Blase - E. Hauler. 

Wenden wir das Gesagte auf band impigre an, so ergiebt sieb, 
dafs die Sprache wohl navus — ignavus duldete, aber nicht deses — 
indeses, obschon letzteres (lellius einmal gewagt hat; dafs es urban 
war statt piger zu sagen ignavus, aber nicht impiger statt navus. 
In der That hat Cäsar das Wort impiger verschmäht, Cicero samt 
der ganzen archaischen LatiniÜit äufserst selten gebraucht; bei Sallust 
dagegen findet es sich an 7 Stollen. Förderlich für die Aufnahme 
des Wortes war, dafs das Advorbiuin nave fast gänzlich gemieden 
wurde und naviter ebenfalls unbeliebt war; daher griff schon Piautas 
nach dem Adverbium impigre. 

Impiger ist also weder ein rationell gebildetes noch ein in der 
altern Latinität geläufiges Wort; das lateinische Sprachgefühl ist 
geneigt, den mit in zusammengesetzten Adjektiven einen negativen 
Sinn zu geben, wozu bei haud impigre noch die Form der Litotes 
verleiten mulstc; endlich ist der Stamm von impiger nicht so augen- 
fällig, weshalb die Bedeutung, wie bei so manchen mit in beginnen- 
den Adjektiven als negative oder positive je nach dem Zusammen- 
hang sich bestimmte: Gründe genug, um einen solchen Verstofs 
selbst einem Sallust und Livius zumuten zu dürfen und sich gefallen 
zu lassen, wie denn in der That fast alle Leser und Herausgeber 
unbefangen über die Stellen hinweglasen, bis erst in neuester Zeit 
Lärm geschlagen wurde. 

Nürnberg. Fr. VogeL 

Perviam. Pervium. 

Übor das Adverb perviam sagt Stolz Archiv II 503: „Endlich sei 
von den Zusammensetzungen mit per noch perviam erwähnt, das 
ursprünglich 'um den Weg herum', dann *am Wege', endlich Zu- 
gänglich' bedeutete und in der letzteren Bedeutung offenbar das Adi. 
porvius in Leben gerufen hat. u Wer dieser an und für sich mög- 
lichen Entwicklung zustimmt, muls wohl annehmen, dafs das Adv., 
wenigstens in älterer Zeit, in täglichem Gebrauch gewesen sei. Da 
befremdet es denn sehr, dafs das Wort in der Bedeutung Zugang- 
lieh' seine Anführung in den Lexicis einer einzigen, dazu kritisch 
unsicheren Stelle des Plautus verdankt, nämlich Aul. 437 Etiam 
rogitas, sceleste homo, qui<(ne)> angulos omnis mearum aedium et 
conclavinm mihi perviam facitis. Perviam ist hier Lesart des J., 
während BD pervium überliefern. Verteidigt wird es von Spengel, 
Reform vorschlage p. 297 A., der auch Pseud. 760 nach der Überlie- 
ferung von D 1 (perviamst) und BC (perviast) so hergestellt wissen will: 

Nunc liquet, nunc defaecatumst cor mihi, nunc perviamst. 

Allein abgesehen von der unsicheren Überlieferung wird der Sinn 
der letzteren Stelle nicht klar, und an ersterer ist die aus den Sceni- 
korn nicht nachgewiesene Verbindung von facere mit einem prädi- 
kativen Adverb doch auch nicht ohne Bedenken. Deshalb ist auch 
von keinem der neueren Herausgebor perviam in den Test aufge- 
nommen worden. Vielleicht findet mehr Beifall die Einführung des 



Miscellen. 323 

substantivierten Neutrums pervinm (sc. iter) = freier Weg, Durch- 
gang, das mehrfach in der Litteraiur begegnet. So schreibt Weissen - 
born Liv. s XXX 10, 5 nach der wahrscheinlichen Lesart des Spi- 
rensis: malis antennisque de nave in navem traieetis ac validis funibus 
velnt uno inter se viueulo inligatis conprendit tabulasque superinstra- 
vit, ut per vi um in totum ordinem esset. Als Belege zu dem subst. 
pervinm fahrt er an Sen. prov. P>, 8 non certum ad hos ictus aesti- 
mavi locum: quacumque per dum est. Fest, vici p. 371 tertio cum 
id genus aedificiorum definitur, quae in oppido prive, id est in suo 
qnisque loco proprio ita aedificat, ut in eo aedificio pervium sit, quo 
itinere habitatores ad suam quisque habitationem habeat accessum. 
Dazu kommt, von Georges angeführt, Tac. hist. III, 8 Juliasque Alpes, 
ne pervinm illa Germanicis exercitibus foret, obsepserat. Mehrmals 
gebraucht das Wort Gregor von Tours. Hist. Fr. III 9 p. 117, 1 
cumque portae civitatis obseratae essent, et unde ingrederetur per- 
rntm patulum non haberot, incisam Archadius serram unius portae 
eum civitati intromisit. III 37 p. 139, 24 Gravem eo anno et solito 
asperiorem hiemem fecit, ita ut torrentes concatiniti gelu pervinm 
populis tamquam reliqua humus praeberet. IX 32 p. 386, 15 rex . . . 
praeeepit, ne ullns de Childeberti regno per eius rogni territurium 
ptrvium possit habere. Die im Index der neuen Ausgabe für die 
beiden ersten Stellen gegebene Erklärung: pervinm = aditus pafst 
wohl genau nur für die erste. Uns Deutschen stehen für die Über- 
setzung die Ausdrücke f freier Weg', 'Durchgang', c I)urchpafs' zu Ge- 
bote, wenn nicht etwa III 37 pervinm schon zur Bedeutung von via 
abgeschwächt ist, wie an den übrigen von Du Cange aus Urkunden 
der Merovinger- und Karolingerzeit angeführten Stellen. Jedenfalls 
war also das Substantiv damals ganz gebräuchlich. 

Zu Plaut us zurückkehrend, schlage ich vor, Aul. 437 zu lesen 
qukjie^ angulos omnis . . . mihi porvia facitis = ihr macht mir alle 
Winkel zu Durchgängen, in jedem Winkel macht ihr euch zu schaffen, 
als wäre dort das per vi um (cf. die Festusstelle) eines Hauses, das 
von vielen Mietern bewohnt wird. Pseud. 760 aber lese ich mit 
Spengels Interpunktion Nunc liquet, nunc defaecatumst cor mihi, nunc 
perviumst = jetzt ist ein Durchgang da, jetzt ist der Weg frei: mit 
passendem Anschlufs an den folgenden Vers Omnis ordine sub signis 
ducam legiones meas. Damit ist Ussings Gedanke getroffen, der zu 
d. St. folgendes bemerkt: r perviast tum demum ferri posset, si in- 
veniretur substantivum pervia, quod expeditam viam significaret.' 

Darmstadt. H. Blase. 



Gladiatoricins, incoepisse, luxuriator, praedicatrix. 

Das in Augustins Sermo 20, 3 nach dem ältesten Codex (Papyrus- 
handschr. des VT. Jahrhunderts, dessen Teile in Genf und Paris liegen) 
überlieferte animo quodam gladiatoricio, quoniam uitam desperat, quic- 
quid potest facere ad satiandam cupidUatem et libidinem suam faciat 



324 E. Hiwilor - E. Dresael - Ed. Wölfflin. 

giebt zu der bisher als aitct$ eipfipivov geltenden gladiatoricia herba 
bei Marc. Emp. 16 einen weiteren Beleg. Terenz Phorm. 964 sagt, 
^rie mir scheint, nicht in ganz gleichem Sinne hi gladiatorio anmo 
ad ine adfcdant u'uim. Die beiden Adjektiva verhalten sich wie 
praetorium (Mart. VIII 33, l) zu praetorius. — Das m. W. allein 
aus Araob. de mund. 37 belegte hicoephis hätte nach der Vulgata 
an sie incoepU (Aug. Sermo 20, 2) eine erwähnenswerte Parallele. 
Augustin gebrauchte aber sicher nicht diese barbarische Form, son- 
dern das im genannten Codex stehende Simplex (sie cotpit). Auch 
htxta'iator sollte nach der jetzigen Fassung der Stelle in der Predigt 
21, 10 aurum habet scortalor, fornicalor, hixuriatar in das lateinische 
Lexikon aufgenommen werden ; aber die Papyrushandschrift giebt wohl 
richtig aurum habet (erg. aliquis): scortatur, fornkatur, hixuriatur. — 
Endlich erwähne ich, dafs praedicatrix (Verkündigerin, verkündend) 
auf sei* bei Tertull. de anim. 26 auch durch Augast. Sermo 288, 4 
belegt ist. 

Born. E. Hauler. 

Accipiter, Jagdfalke. 

Ältere Belege als die Arch. IV 141 angeführten bietet Firmicus 
Maternus V 7 « 3: Accipitres tarnen, falcones, astures, aquilas et aves 
huiuscemodi cquosque ad venandum alere studebunt. Erunt quoque 
ad huiusce oxercitationis negotia valdc ingeniosi, unde etiam sibi non 
uiodica quaerant vitae subsidia. Y 8 ll£ 2 equorum nutritores, acci- 
pitrum, falconum caeterarumquo avium, quae ad aueupia pertinent, 
similiter et canum, molossorum, vertagorum et qui sunt ad veua- 
tioncs aecommodati. Hier ist mit accipiter der Habicht, mit faloo 
der Jagdfalke bezeichnet. [Vgl. Z. f. deutsches Alterthum, XXVII 50 ff. 
und die Recension der Schrift c Dombrowski, Beizjagd' von G. Baist 
im laufenden Jahrgange derselben Zeitschrift. Hehn, Kulturpflanzen 
und Hausthiere* 300. Lindenschmit ; Handbuch der deutschen Alter- 
thumskunde 1 453 und dagegen Willi. Brandes in Westermanns Monatsb. 
LXI 281.| 

Zwickau. H. Dressel. 

Abhastare. 

Ein bisher nicht bekanntes spätlateinisches Wort findet sich in 
den Fabeln des Komulus, 3, 14 Gest.: Securi facta homo postulabat 
ab arboribus, ut Uli manubrium darent de ligno, quod esaet firmum. 
Omnes oleastrum iusscrunt. Suinpsit homo manubrium abbastatum 
securi, et . . robora . . coepit ineidere. Die Bildung liefse sich mit 
subhastare vergleichen; doch konnte der Mensch nicht wohl den Stiel 
mit dem noch schaftlosen Beile abhauen, sondern er bekam denselben; 
andererseits fehlt der nötige Begriff der Verbindung des Stieles mit 
dem Beile. Da nun codex C bietet: apta secure, so dürfte unser 
verehrter Mitarbeiter, Prof. Dr. Herzog in Stuttgart, das Richtige 



Miscellen. 325 

getroffen haben, wenn er vermutete: adaptatum securi. So lange 
nicht bessere Belege bekannt sind, hielten wir uns daher verpflichtet, 
das Wort von dem Thesaurus auszuschliel'sen. 

Mttnchen. Ed. Wölfflin. 

Dnmtaxat. 

Die Partikel dumtaxat macht den Philologen wie den Jurisien 
viel zu schaffen, da sie bald mit 'höchstens', bald mit 'mindestens', 
bald auch mit 'genau' (nicht mehr und nicht weniger) übersetzt wird. 
In ältester Zeit erscheinen die beiden Bestandteile noch getrennt 
(vgL G. M. Richardson, de 'dum' particnlae usu. Lips. 1886. 92. 93) 
in der etwa aus dem J. 600 n. cond. stammenden Lex Silia (Corp. 
inscr. lat. I 48): eum qui volet magist rat us multare, dum minore 
parti familias taxat, liceto. Vgl. auch Corp. I 197, 12 sei quis 
magistratus mnltam inrogare volet, qui volet, dum minoris partus 
familias taxat, liceto. Die Übersetzung von Richardson: während er 
(die Sache) abschätzt, oder indem er es genau nimmt, trifft darin 
das Richtige, dafs sie als Subjekt zu taxat den die Strafe verhängen- 
den Magpstrat nimmt, während man gewöhnlich taxat mit inquit = 
man sagt, vergleicht. Die im Kurialstile übliche Formel wurde auch 
in die Sprache des täglichen Lebens herübergenommen, auch wo der 
Magistrat nicht mehr Subjekt war. 

Dum dagegen müssen wir als Accus, der Erstreckung (= dinm) 
mit 'so lange' übersetzen, oder aus dem Zeitlichen ins Räumliche 
übertragen: so weit, so fern = insoweit, insofern = vorausgesetzt 
dafs (dummodo). Objekt von taxat ist nicht 'die Sache', sondern 
mnltam, welches entweder vorausgeht oder doch in multare liegt. 
Zur Bezeichnung der Taxation der Strafe ist an einer Stelle der Gft- 
netivus, an der andern der Ablativus pretii gebraucht. Dumtaxat 
bezeichnet also ursprünglich das Strafmaximum. 

München. Ed. Wölfflin. 

Opus est. 

Da die Deutung und Bedeutung von opus est = opis (opsj 
est alqa re: es ist Hülfe (geholfen) mit etwas, (vgl. Arch. IV 152) 
weder bei Dräger oder Kühner, noch bei Georges Handwörterbuch 7 
zu finden ist, so glauben wir auf eine uns gefälligst von H. Medi- 
zinalrat Dr. Rues in Amberg nachgewiesene Liviusstelle aufmerksam 
machen zu sollen, welche dieser Auffassung zur Stütze dient. Livius 
43, 19, 4 nihil Oaeno capto opus esse, nisi in potestate et Drauda- 
cum sit = c mit der Einnahme von 0. sei nichts geholfen'. Eine 
neuere deutsche Übersetzung giebt richtig: * nütze nichts'; auch 
f mit... sei nichts gewonnen, sei niemand gedient' kann unter Um- 
ständen übersetzt werden. Weissenborn hat keine Bemerkung zu der 
Stelle gemacht. 

München. Eduard Wölfflin. 



Litteratur 1886. 1887. 

C. Paucker: Supplementom lexioorum latinornm. 

Das bei Calvary 1885 erschienene und im Aren. I 124 be- 
sprochene Volumen prius, welches die Buchstaben A — L enthält, wild 
wahrscheinlich ein Torso bleiben. Wie wir von der Witwe des ver- 
storbenen Kollegen in München erfuhren, hatte P. wohl noch die Buch- 
staben M und N ausgearbeitet und das Manuscript an die Verlags- 
handlung gesandt; der Rest sollte leider ungeschrieben bleiben, woraus 
sich die Äufserung von H. Rönsch am Ende der Vorrede zu den 
„Vorarbeiten zur lateinischen Sprachgeschichte" 1884 erklört: der letxte 
Teil des Manuskriptes hat sich unter den Papieren des Verewigten 
noch nicht vorgefunden. 

Da das Supplementum in der Hauptsache nur eine Zusammen- 
stellung der Einzelschriften Pauckers ist, so könnte freilich auch ohne 
Manuskript eine Fortsetzung geliefert werden; ob sich dieselbe vom 
buchhändlerischen Standpunkte rentieron würde, wissen wir nicht, 
und m (teilten es eher bezweifeln; unrichtig aber ist es das Aasbleiben 
der Fortsetzung mit der Weigerung der Witwe die Papiere herauf- 
zugehen zu motivieren. 

K. E. Georges: Wörterbuch der lateinischen Wortformen. 

Um die Leser für eine getäuschte Hoffnung zu entschädigen, 
erlauben wir uns mitzuteilen, dafs der Nestor der Lexikographen 
nicht nur an neuen Auflagen seiner Bücher weiter arbeitet (eine 
achte Auflage des Handwörterbuches dürfte freilich noch einige Zeit 
auf sich warten lassen, da die siebente in 15 000 Exemplaren ab- 
gezogen worden ist), sondern auch ein neues Werk zu vollenden im 
Begriffe ist, welches Ende Mai bis 'subdueo' gefördert war. Nach 
dem unvollkommenen Versuche von Koifmane, und selbst nach Neues 
Formenlehre, die in dritter verbesserter Auflage sehr erwünscht wSre, 
blieb es ein Bedürfnis, vollständiger als es in einem Handwörterbuch« 
möglich ist, nicht nur die selteneren Wortformen und Doppelformen 
zusammenzustellen, sondern, was bisher vernachlässigt war, auf die 
nie gebildeten oder doch offenbar vermiedenen hinzuweisen. Dafs ans 
hierfür Georges eine solide (i rund läge bieten wird, dürfen wir nach 
einem vorliegenden Probebogen den Lesern in sichere Aussicht stellen. 
Beispielsweise galten bisher stannum und stanneus als gute Formen, 
während sie ausschließlich dein Spätlatein angehören und in älterer 



Litteratur. 327 

Litteratur nur stagnum und stagnens gefunden wird. Bei Plautus 
PoeiL 1312 *sarrapis sementium 9 nahm man sementium als Genetiv, 
obschon es Nominativ und Sarrapis (Schimpfwort wie Pseud. li>5 
sinapis scelera, abscheulicher Senf) Genetiv ist. [Nach gef. brieflicher 
Mitteilung.] 

Hermann Ron seh: Semasiologischo Beiträge zum lateiniflohen 
Wörterbuch. I. Heft. Substantiva. Leipzig. Faes's Verlag. 1887. 
78 S. 8°. 

Der nach nahezu 40jabrigem Dienste in den wohlverdienten 
Ruhestand getretene Verfasser, früher bekanntlich Diakon in Loben- 
stein, jetzt in Zwickau, ist* nach dieser Probe gesonnen, sein otium 
cum dignitate mit wissenschaftlichen Arbeiten auszufüllen, wie sein 
nächster Vorgänger, K. E. Georges. Er bietet uns keine semasio- 
logischen Untersuchungen, wie wir sie wohl von Heerdegen in der 
Neuauflage von Reisigs Vorlesungen erwarten dürfen, sondern nur 
das schwer zu erreichende Material zu solchen, lateinische Wörter in 
neuen oder bisher ungenügend belegten Bedeutungen. In der That 
liegt zwischen dem Hand Wörter buche von Georges und Du Cange 
noch manches in der Mitte, was an das Tagoslicht gefördert zu 
werden verdient. Jedermann weifs, wie parentes die Eitern schon 
im Vulgärlatein Verwandte, germanus im Spanischen der Bruder ge- 
worden ist; aber damit man dies nicht als vereinzelte Wandlungen 
betrachte, ist es gewifs von Interesse zu sohen, wie man mit compar 
die Gattin bezeichnete, mit fraternus den Netten, mit iugalis (ov^vyog) 
gleichfalls die Gattin. Da Vf. seinen Stoff teils aus der Patristik, 
teils aus vulgär gefärbten Sprachquellen (Scholien und Glossen) ge- 
zogen hat, so wird zwar für die Klassiker und das Gymnasium wenig 
abfallen; umsomehr werden die Romanisten profitieren, welche es als 
Ehrenpflicht erkennen, die neuen Bedeutungen der romanischen Wörter 
so weit als möglich zurückzu verfolgen ; denn es ist doch klar, 
dafs der unvergefsliche Diez nicht in einem Menschenleben alles 
leisten konnte. So war er nicht imstande, das ital. finanza an das 
Lateinische anzuknüpfen , und weder Georges noch Du Cange s. v. 
fi nis bieten die Hand, während nun R. aus den Gloss. Paris. Hildebr. 
finis = vectigal nachweist, welchem wiederum tu xiXog entspricht 
(Hild. schrieb noch: quid finis sibi velit, non capio). Man schlage 
nur aestivum (portug. estio), focus (feu), opus (Gang einer Mahlzeit, 
hors d'oouvre), papilio (pavillon), parabnla (parole), planus pes 
(piain pied) auf, und man wird reichen Stoff zu ähnlichen Betrach- 
tungen finden. 

H. Mensel: Lexicon Caesarianum. Fascic. V11I. Berol. 1887. 
Lex.-8°. 
Die vorliegende Lieferung schliefst auf Kol. 1544 den Buch- 
staben U, und damit den ersten Band des Werkes ab; eine kurze 
Vorrede und eine Erklärung der gebrauchten Abkürzung' * er- 



328 Litteratur. 

leichtern die Benutzung und das Verständnis allen denjenigen, welche 
nicht schon durch fieifsigen Gebrauch mit der Anlage des Wörter- 
buches vertraut geworden sind. Die praefatio erzählt, wie der Vf. 
1880 seine Arbeit begonnen habe und wie er durch zwei Konkurrent- 
werke gegen seinen Willen veranlafst worden sei die ersten Liefe- 
rungen in Presse gehen zu lassen, bevor das Ganze vollendet war. 
Es hat dies einige Ungleich™ äfcigkeiten nach sich gezogen; doch sind 
sachliche Verbesserungen überall mehr wert als das Lob strenger 
Konsequenz. Eine neue Auflage wird darum nicht nötig werden, 
wenn auch die Arbeit mit der Vollendung des letzten Buchstabens 
nicht abgeschlossen sein wird. 

Der Vorzug der Prosa Cüsars bestand in dem delectus verborum, 
den er im ersten Buche de analogia als* origo eloquentiae bezeich- 
nete (Cic. Brut 253), und darum rühmt Quintil. 10, 1, 114 die min 
sermonis, cuius proprio studiosus fuit, elegantia. Auswahl aber 
deckt sich mit der Vermeidung und Verurteilung vieler Wörter und 
Wortformen. So ist Arch. III f>63 bemerkt, dafs Cäsar nnr flumen 
schreibe, nicht fluvius; ITI 560 dafs er igitur verworfen habe, IV 
114 dafs abhinc fehle, so gut wie das auch von Sallust verworfene 
incoho fehlt. Eine solche Zusammenstellung wird später zu machen 
sein, und wenn wir dann weiter finden, dafs auch spätere Prosaiker 
auf der Seite Cäsars stehen, selbst im Gegensatze zu Cicero, so wird 
man vermuten dürfen, er habe diesen Einflufs durch sein Buch de 
analogia erlangt. Sind die bei Cäsar und a. fehlenden Wörter der 
Bildung nach Anomala oder in Cäsars Augen zwecklose Doppelformen, 
so hat er sie gewifs nicht nur in praxi vermieden, sondern ihnen 
auch in der Theorie, d. h. in seiner Formenlehre als Schriftsteller 
den Krieg erklärt. Beispielsweise schreibt er nur huiusmodi, Sallust 
nur huiuscemodi, Cicero beides. 

Rud. Menge et Siegln. Preufs: Lexicon Caeaariannm. Fase, ül 
Copiosus— Eruptio. Lips. Toubn. 1887. col. 257— -384. Lex.-tf. 

Obschon H. Studienlohrer David Wollner in Landau als neuer 
Mitarbeiter eingetreten ist, sind sich die je 4 Bogen starken Liefe- 
rungen doch nur in jährigen Zwischenräumen gefolgt: ein Beweis, 
dafs die Ausarbeitung eines Wörterbuches mehr Zeit in Ansprach 
nimmt, als man gewöhnlich glaubt. Über die Anlage des Wertes 
verweisen wir auf Arch. I .-532 f.; daraus ersieht man, dafs jedes 
Cäsarlexikon gewisse Vorteile bietet und alle in einem zu vereinigen 
unmöglich ist. Wer z. B. wissen will, wie oft in der Bedeutung 
r Vorrat' copia im Singular, wie oft im Plural, wie oft es im Pluril 
von c Truppen' gebraucht sei, findet dies am schnellsten bei Menge- 
Preufs, weil die Beispiele jeder Rubrik zusammengezählt sind; man 
erkennt auch negativ, dafs copia im Sing, nie im Sinne von Mann- 
schaft stehe. Erst Merguet aber oder Preufs, Lexikon zu den 
pseudoeäsarischen Schriftwerken (Erlangen 1884), könnte uns be- 
lehren, dafs im bell. Afric. und Hispan. öfters copia = Mannschaft 



Litteratur. 329 

(manus) gebraucht sei, wie wir dies auch bei Sallust und in den 
Briefen des Pompeins an fünf Stellen finden, obschon der Ausdruck 
offenbar weniger anerkannt war. 

iufl Festi Avieni oarmina. Rec. AI fr. Holder. Ad Aenipontum 
1887. LXV. 296. 8°. 

Die genannte kritische Ausgabe des Dichters ist der Universität 
leidelberg bei Anlafs ihres 500jährigen Jubiläums gewidmet; eine 
Inzeige gebührt ihr an dieser Stelle, weil sie p. 176 — 292 einen 
[ndex verborum enthält. Wir glauben mit Recht denselben als 
rinen Wollständigen' bezeichnen zu dürfen; dafür bürgt die bekannte 
Akribie des Herausgebers und eine stellenweise Nachprüfung bestätigt 
». Konjekturen, welche nicht in den Text gesetzt sind, werden 
labei nicht berücksichtigt; gute und aufgenommene Konjekturen sind 
lurch * bezeichnet; handschriftliche Lesarten, auch wenn sie nicht 
m Texte erscheinen, sind im Index mit f kenntlich gemacht. Doppel- 
leutige Formen, wie die Dative und Ablative Flur, sind nicht nur 
lach dem Kasus, sondern selbst nach dem Genus (masc. fem. neutr.) 
>ezeichnet; Ergänzungen mit < > angegeben. Um aber Raum zu 
sparen, ist durchweg nur die von dem Dichter gebrauchte Wort form 
verzeichnet, nie ein zweites Wort, auch nicht einmal das Epitheton 
ies Substantivs beigefügt. 

Du Cange-Favre: Glossarium mediae et infimae latinitatis. 
Tomus VIII. T— Z. Niort. 1887. 470 pg. 4°. 

In vier Jahren ist die Neuauflage des grofsen früher schwer 
käuflichen Werkes mit den Zusätzen Henschels vollendet worden. 
Schon der neue Abdruck an sich war ein verdienstliches Unter- 
nehmen, und nicht jeder Buchhändler hätte den Mut gehabt, ein so 
grofses Kapital in dasselbe zu stecken, da sich der buchhändlerische 
Absatz nicht im voraus bestimmen liefs. Dafs bei der Aufnahme 
neuer Artikel mehr Sorgfalt hätte können aufgewendet werden, ist 
schon mehrfach bemerkt worden, und es gilt dies auch von dem 
Bchlufsbande, zunächst von den Artikeln Diefenbachs. Artikel wie 
talmus : oculus, talapsum : mare haben doch keinen Wert, da dies 
keine neuen Wörter, sondern nur Korruptelen von ophthalmus und 
bhalassa sind. Aber auch Artikel wie tentigo oder torridus : ustus 
waren nicht aus Diefenbach aufzunehmen, weil dies ja gut lateinische 
Wörter sind. Citate wie Tengomena, Petron. § 341 Bücholer sind 
loch unmöglich; es mufs cap. 34 heifseu. 

Von S. 437 an erhalten wir ein Supplement, welches u. a. viele 
orthographische Varianten, wie abena = habena, auch viele deutsche 
in lateinischen Texten gebrauchte Worte enthält. Zwei Archivare, 
Bin Bollandist, ein Professor der Geschichte in Romans, ein Advokat 
von Mailand und ein eure von Köln haben aufser dem schon früher 
thfitigen Mitarbeiter, L. Fraty, Bibliothekar in Bologna, die neuen 

Archiv für lat. Lexikogr. IV. Heft 2. 22 



330 Litteratnr. 

Artikel geliefert. Was der Leser bei manchen bedauern wird, ist, 
dafs sie nicht erklärt sind, z. ß. Arvina, baves, bavosus, bivora, 
stroppo, vestilmosa. Die Bedeutungen sind: Speck, geiferig, Viper, 
Strupfe, und das letzte Wort ist ein Eigennamen (Westermoos), was 
freilich Referent nur nach Befragung seines Kollegen Konrad Hof- 
mann zu berichten imstande ist. 



Krebs- Schmalz: Antibarbarus der lateinisohen Sprache. Lief. 
5. Basel. 1887. S. 538—744. 8°. 

Mit der fünften bedeutend verstärkten Lieferung schliefst der 
Buchstabe I und damit der erste Band des Werkes, über welches in 
diesen Blattern schon wiederholt die Rede gewesen ist. Wir be- 
schränken uns deshalb auf einige Nachträge. Zur Erklärung von 
Terrae, Fortunae iilius konnte bemerkt werden, dafs nach Bachelors 
schöner Darlegung Iilius eigentlich den Säugling bedeutet und daher 
das 1 Wort ist, mit welchem die Mutter das Kind bezeichnet, während 
bei Plautus der Vater den Sohn mit gnate mi anredet. — Fiscus] 
seit Hadrian mit aerarium verschmolzen, da die doppelte Rechnungs- 
führung für Gemeinwesen und Kaiser aufhörte. V. Brinz in den 
Münchn. SitzuDgsber. 1886, 471. — Historiae fides] historische Treue, 
öfter und gutlateinisch: rerum fides, z. B. Tac. Agr. 10 r. fide tra- 
de ntur. — inccrtitudo] auch certitudo ist im guten Latein durch 
fides ersetzt. Heerdegen, de fide Tulliana p. 25. — Innominatus] 
ist bei Donat vit. Verg. 10 nur schlechte Konjektur, und jetzt nach 
den Spuren der Handschrift durch Numitorius ersetzt. Vgl. Teuffel- 
Schwabe 22G, 1. — Intutus] im klassischen Latein fehlend, wird 
durch parum (male?) tutus vertreten. — Ita] vor dem neulateinischen 
ita ut = wäre, so dafs, war doch zu warnen, da man besser ita vor 
das Verbum stellt und von ut trennt. 



Ed. Bourciez: Do praepositiono Ad oasuali in latinitate aevi 
Merovingioi. (Pariser Dissert.) 1887. 11 G pg. 8°. 

Vf. dieser für die Erkenntnis des gallischen Lateins wichtigen 
Abhandlung fafste sein Thema von zwei Seiten an; er geht von 
dem klassischen Latein aus und konstatiert durch reiche altfranzÖ- 
sische Beispiele, was sich in der lebenden Sprache erhalten hat; die 
Litteratur in der Mitte teilt er in die von klassischen Mustern be- 
einflufste (Gregor von Tours, Venantius, Patristik), und in die der 
Volkssprache näher stehenden christlichen Inschriften, Gesetze, Ur- 
kunden, Rechtsformelu. Da freilich eine Vergleichung der Litteratnr 
Italiens und Spaniens ausgeschlossen ist, so läfst sich auch nicht 
bestimmen, was specieli gallisch und was gemeinromanisch ist; 
auch die Zeugnisse der Grammatiker hätten manches besser erklärt, 
was bei B. hall) in der Luft steht, z. B. die wichtige Stelle des 
Nonius 522: error consuetudinis (der Umgangssprache) *apud* pro 
'in' utitur. 



Litteratur. 331 

I. Ad der Bewegung. Auf die Frage wohin? findet sich ad 
bei Ländernamen nur bei Gregor, Ven. und im Kirchenlatein; der 
Volkssprache war der Gebrauch fremd, wie sich auch im Französi- 
schen nur en in diesem Sinne erhalten hat, während umgekehrt der 
Spanier Idacius 21 mal ad vor Ländernamen, in nur 3 mal gebraucht. 
Mit Idacius geht nur der Südwesten Frankreichs (Prosper Aquit. mit 
15 ad, 5 in), wie schon Diez Gramm. 5 877 ff. richtig bemerkt hatte. 
— Den Dativ vertritt ad nach den Verbis des Gebens, Sagens, 
Bittens. Mifsverstanden ist hier Ch. M. 435 ann. 696 ad deo timen- 
Übus conlatum, da hier ad = ab steht, wie an zahlreichen Parallel- 
stellen 144 (ann. 546), 172, 336 a Deo (= deum) timentibus. Um 
diese Verwechslung von ad und ab klarer zu machen, hätte erwähnt 
werden sollen, dafs ad schon im VII., nicht erst im VIII. Jahrb. 
sein d in der Schrift verlor, also nicht erst in der von Diez ange- 
führten Urkunde vom J. 739 (N. 559), sondern schon 690 (N 413), 
quod a saepe dictas basilecas dilegavi, und darum war auch Form. 
Andecav. 32 quicumquae ad latruncolus damnum pertullerit nicht 
aufzunehmen, weil ad = ab steht. In die Konstruktion der Imper- 
sonalia wie decet, piget ad alqm war hineinzuziehen Pardessus 527 
(ann. 723) licet ad alqm, und delechit ad alqm (= iuvat me), z. B. 
Pard. 343 (ann. 662), 436 (696). — Nach dem finalen Gebrauche 
von ad (drittes Kap.) wird ad bei Zahl begriffen und zur Bezeichnung 
der Konformität zweier Handlungeu erläutert, wo sich wieder das 
Verkennen von ad = ab fühlbar macht, z. B. Ch. M. 559 (ann. 739) 
ad communionem omnium aecclesiarum excommunicatus appareat; 
denn dafs man ad nicht interpretieren dürfe = quod adtinet ad, 
beweisen Parallelen wie 376 (675): ab omnibus ecclesiis excommuni- 
catus appareat, 412 (690). Man vergleiche auch ab omnibus limini- 
bus excommunicatus appareat (350 ann. 664 und oft) mit 375 (675) 
ad limina sanctorum excommunicatus appareat. 

IL Ad der Buhe. Ad altare offerre wird schwerlich richtig 
= ante a. erklärt, vgl. Du Cange s. v. altare. Besonderes Interesse 
erregt ad, wo es die Übereinstimmung, und vielfach mit apud zu- 
sammentreffend die Art und Weise und das Werkzeug bezeichnet; 
trägt doch dieser Abschnitt dazu bei, in die von Diez Gramm.'' 879 ff. 
aufgeworfene Frage, ob das romanische modale und instrumentale a 
auf die Präposition ad oder auf apud zurückzuführen sei, mehr Licht 
zu bringen. B. sagt wohl mit Hecht, dafs in Gallien wenigstens 
beide Präpositionen zusammengewirkt haben, wenn nicht gar in 
einigen aus Gregor angeführten Beispielen Keminiscenzen an das 
klassische ab (Dräger I 2 548 — 550) hineingespielt haben. Unter den 
Beispielen von ab = apud ist Form. Marc. 1, 32 p. 63, 7 nee ab 
heredes eorum exinde qualibot calomnia aut repetitione ulla habere 
poenitus non debeant zu streichen, weil hier ab = von Seiten ge- 
braucht ist, wie z. B. 384 (a. 677), 414 (691), 506 (717). Das 
von Schriftstellern der merowingischen Zeit dem instrumentalen Ab- 
lativ vorgesetzte cum, welches B. richtig auf das vulgäre apud zu- 
rückführt, ist nur dürftig durch zwei Stellen aus Gregor belegt, 

22* 



332 Litteratur. 

während die hist. Franc, sowie die lex llipuar. zahlreiche weitere 
bietet. Vgl. Pott in Kuhns Zeitschr. X11I 332. 

Wunsiedel. Paulus Geyer. 

Paul Hinze: De An partioulae apud priscos scriptores latinoa 
vi et usu. (Dissert. inaug.) Halis Sax. 1887. XX. 4°. 

Mit Recht verwirft Vf. die Ansicht von Reinh. Klotz, dafs an 
aus aisnc? entstanden sei, schon wegen des kurzen Vokales der Par- 
tikel, und leitet dieselbe aus dem Sanskritpronomen anja = aliud 
(nicht aus ana = illud) ab. Die gewöhnliche Erklärung, an stehe 
im zweiten Gliede der disjunktiven Doppelfrage, eventuell, wo sich 
die erste Frage aus dem Zusammenhange ergänzen lasse, steht auf 
sehr schwachen Füfsen, und Vf. glaubt vielmehr, dafs die einfachen 
Fragen mit an älter seien; ferner, dafs das erste Glied selbst nicht 
fragend zu sein brauche, z. B. Hoc constat. An tu putas etc.? = 
Glaubst du umgekehrt u. s. w., = oder glaubst du, etwa wie ähnlich 
die Partikel ccXkd aus iiXka hervorgegangen ist. Die Bedeutung der 
Frage läge somit nicht von Haus aus in dem Worte. 

Darauf werden die selbständigen, dann die indirekten mit an 
beginnenden Fragen (darunter auch forsitan und fors fuat an), end- 
lich die disjunktiven Fragen einer genauem Untersuchung unter- 
zogen, und dabei zahlreiche Ergebnisse für die Kritik der Komiker 
gewonnen. 

G. M. Ricbardson: De 'dum' partioulae apud prisoos soriptores 
Latinoa usu. (Leipziger Doktordissertation) 1886. 96 pg. 8°. 

Ein amerikanischer Philologe bietet hier eine aufserordentlich 
fleifsige Arbeit über die Partikel, welche schon Eiste (Halle 1882) 
mit Beschränkung auf den plautinisebeii Sprachgebrauch behandelt 
hatte. In der Überzeugung, dafs nur die Ausbeutung eines um- 
fassenden Sprach materi als zu sicheren Resultaten führen kann, hat 
Vf. seine Untersuchung nicht nur auf die ganze filtere Latinitat 
ausgedehnt, sondern auch Lucrez, Catull, Varro und Sallust beige- 
zogen. Arn Schlufs jedes Abschnittes angehängte Tabellen erleichtern 
die Übersicht über das sehr umfangreiche Stellenmaterial. 

Im Eingange behandelt R. kurz die Etymologie von dum, in 
welchem er mit Uibbeck u. a. die demonstrative Pronominalwurzel 
erkennt, wie sie sich auch in quando, donec, quidam n. a. zeigt, 
während ihm weniger sicher scheint, dafs in dum ein Accusativ zu 
sehen ist. In fünf Kapiteln wird dann dum als temporales Adverb 
besprochen, die Entstehung des konjunktionalen Gebrauchs erklärt, 
die Konjunktion in Verbindung mit Verbalformen vom Prflsena- 
stamin, dann mit solchen vom Perfektstamm behandelt, endlich eine 
Übersicht über die mutmafsliche Entwickelung des gesamten Sprach- 
gebrauchs gegeben. Mit Recht wird ausgegangen von den wenigen 
UeispiolfMi der archaischen Latinitüt, wo dum — dum 'bald — bald' 



Litteratur. 333 

heilst (Arch. II 234): eigentlich *die Weile — die Weile'. Dann 
verbindet sich dum mit andern Wörtern zu etiamdum, interdum, 
non (neque-, haud-) dum, vixdum, primumdum, quidura und dem nur 
bei Terenz und Lucrez je einmal vertretenen nedum; Vf. vergleicht 
dazu das deutsche 'bisweilen' und das englische 'meanwhile'; es wäre 
gut, wenn die Briete Ciceros mitunter beigezogen wären: so ist es 
interessant, dafs vixdum bei Terenz nur einmal vorkommt, bei Cicero 
mehrfach, nihildum in der älteren Sprache gar nicht, in Cicero» 
Reden nur zweimal, in den Brieten öfter (wie steht es mit nullus 
dum?); während R. sehr sorgfältig unterschieden hat, wann in diesen 
Zusammensetzungen dum den Ton hat, wann es enklitisch ist, wann 
es in Synalöphe steht, sind die Fälle, wo etiani bei nonduin, vix- 
dum u. ä. steht, nicht besonders beobachtet, und doch hat Terenz 
nihil etiam für nihildum und noch in den früheren Schriften Ciceros 
ist der breitere Ausdruck mit dum etiam zu beobachten: s. Land- 
graf zur Kose S. 176. Erschöpfend scheint die Stellensammlung 
des Yf. zu sein: der Referent hat nur nachzutragen S. 13 primum- 
dum bei Plaut. Capt. 160 und zu S. 18 adsidedum Plaut. Stich. 7 b , 
wo es deutlich der Ambrosianus bezeugt. Streitig ist es noch, ob 
die vom Vetus zu Plaut. Trin. 369 überlieferte und von Ritschi in 
der zweiten Auflage aufgenommene Form agidum (s. Opusc. 11, 563. 
569) auch sonst wieder herzustellen ist. Von agedum hat neuer- 
dings W. Abraham nachgewiesen, dafs Plautus es fast immer mit 
einem unmittelbar folgenden imperativ verbindet. Am Schlufs des 
ersten Kapitels wird dudum besprochen; lautlich kaum haltbar 
scheint die Etymologie von Bopp, der sich R. au schliefst (dudum = 
dum -dum): die schon aus dem Altertum stammende Ableitung 
aus diu • dum (vgl. auch Schweizer - Sidler Lat. Gr. S. 106) hätte 
nicht so ohne weiteres von der Hand gewiesen werden sollen. Da- 
gegen wird gut entwickelt, wie aus der ursprünglichen Bedeutung 
r eben, vorhin' allmählich die spätere r lange' entsteht. Ciceros 
Sprache bestätigt das vollauf: neben dudum ( vorhin 1 in den Briefen 
und philosophischen Schriften steht Att. 4, 5, 1 dudum enim circum- 
rodo, quod devorandum est (/schon eine ganze Zeit'), während die 
Beden konsequent nur iam dudum haben. 

Yf. bespricht hierauf, wie sich aus dem parataktischen Gebrauch 
von dum — dum allmählich der korrelative (noch bei Catull: virgo 
dum intaeta manet, dum cara suis est) und endlich die Konjunktion 
dum entwickelt, ein Vorgang, der recht passend durch Analogieen 
der homerischen Sprache, des Angelsächsischen und des älteren Deutsch 
erläutert wird. Auch eine später (S. 57) angeführte Stelle gehört 
hierher: wenn Plautus Bacch. 279 noch sagen kann Dum circum- 
specto me, atque ego lembum conspicor, so ist das doch der Nach- 
klang einer Parataxe, wie ihn das Deutsche sehr oft hat; so bei 
Hartmann: daz ich si gerne ervollen sol, alle wlle unde ich mac. 
Den Gebrauch des temporalen und kondicionalen dum (erst * während, 
so lange', dann r bis') hat Vf. in den beiden folgenden Kapiteln mit 
einer erschöpfenden Sammlung der Stellen ~ ' "uiauer, manch- 



334 Litterator. 

mal etwas spitzfindiger Klassifikation dargelegt; die Statistik des Vf. 
ergiebt das interessante Resultat, dafs unter 510 Stellen nur 36 
vorkommen, wo dum mit Verbalformen des Perfekt Stamms verbunden 
wird, woraus er mit Hecht schliefst, dafs der letztere Gebranch sich 
verhältnismässig spät ausgebildet hat. Bemerkenswert ist auch, dafs 
die kausale Nebenbedeutung von dum, wie sie Cicero in seinen 
Briefen, später besonders Tacitus hat, sich vereinzelt auch schon bei 
den Komikern findet: doch ist Ter. Andr. 188 und 443 dam gewifs 
nicht kausal, wie Vf. S. 19 meint. Dafs dum mit Ind. Imperf. bei 
den Komikern selten ist, hatte schon Spengel zu Andr. 54 bemerkt: 
die Stellen aus Sallusts Historien S. G9 bestätigen die Beobachtung 
von Schmalz Lat. Synt. § 2G7, 1. Sorgfaltig behandelt R. auch die den 
Begriff von dum ergänzenden Adverbien, wieadeo, interea, int erim, nunc, 
tantisper, usque — adhuc, ndmodum, parumper, plerumque u. a. B. 

0. Brugmann: Über den Gebrauch des oondioionalen Ni in 
der älteren Latinität. Leipzig 1887. Progr. 34 S. 4°. 

Nach Wegener Grundfragen S. 183 besteht die eigentliche Auf« 
gäbe aller wissenschaftlichen Grammatik darin, die grundlegenden 
Verhältnisse aufzufinden, aus denen die sprachlichen Einzelerschei- 
nungen hervorwachson. Legen wir diesen Mafsstab an die Abhand- 
lung von Br., so werden wir dieselbe eine gediegene Leistung nennen 
müssen, welche für die Gesamtdarstellung der historischen Syntax 
der lat. Grammatik einen hohen Wert besitzt. Es ist wohl selbst- 
verständlich, dafs Drägers und Holtzes seiner Zeit sehr verdienst- 
liche Werke heute nicht mehr entsprechen können; ebenso selbst- 
verständlich ist, dafs mein Abrifs in Iwan Müllers Handbuch II 240 ff. 
das Bild der lat. Syntax nur in grolsen Zügen geben konnte, welche 
je nach dem Staude der Vorarbeiten mehr oder minder treffend aus- 
fielen. Derartige Detailuntersuchungen nun verbreiten Licht über 
manche dunkle Stelle, so dafs in Zukunft sowohl die erschöpfende 
Darstellung der Syntax, als auch ein Grundrifs der6olben scharf um- 
rissene und zuverlässige Beobachtungen bieten wird. 

Das Wörtchen ni hat eine merkwürdige Geschichte, welche uns 
an einem drastischen Beispiele zeigt, wie die Bedeutung eines Wortes 
sich immer mehr einengt, wie sein Gebrauch je nach der Individua- 
lität des Schriftstellers, der Eigenart der Litteraturgattuug oder der 
herrschenden Strömung sich regelt und wie schliefslich der Erfolg im 
„Kampf ums Dasein u sich ihm gestaltet. So sehen wir, dafs das 
ursprünglich nei lauteude ni mit no noch an der positiven Natur 
teilnimmt, so dafs wir z B. in der lex Acilia rep. neiquem eorum 
det sciens etc. finden, wie dagegen allmählich ne allein zur Herr- 
schaft gelangt und ni aufs konditionale Gebiet beschränkt wird, ferner 
wie nisi dem ni schon bei Plautus erfolgreiche Konkurrenz macht, 
wie die ganze vorklassische Prosa ihm ausweicht, eine Scheu, die erst 
bei Cicero und auch hier nur mit grofser Vorsicht zurücktritt etc. 

Die Abhandlung zerfüllt in zwei liauptteile, ni mit nachfolgen- 
dem Indikativ, und ni in potentialen und irrealen hypothetischen 



Litteratur. 335 

Perioden. Im ersten Kapitel wird ni in Gesetzen behandelt: hier 
tritt uns die auffällige Thatsache entgegen, dafs ni nur in XII tabb., 
dann aber nicht mehr bis auf Cicero erscheint. Daran schliefst sich 
ni in Gegensätzen, Beteuerungen und Verwünschungen, hieran ni in 
Drohungen, wo Bacch. 1172 für ni abeas vielmehr ni abaetis vorge- 
schlagen wird. Hier hätte ich, da Lilie im Progr. des Humb.-Gymn. 
in Berlin 1884 p. 15 gerade auf diese Stelle abhebt, eine prinzipielle 
Auseinandersetzung mit Lilie gewünscht. Ni in der Sponsio ist eine 
alte crux philologorum; sagt ja noch C. F. W. Müller zu Cic. off. 
3, 77, dafs hier „statt si oft ni gesetzt wird, über dessen Erklärung 
nichts feststeht/ 1 Br. findet die Erklärung darin, dafs wir bei ni 
an die Aufforderung zur Wette, nicht an den Abschlufs der Wette 
selbst zu denken haben. Schliefslich werden die Verwünschungen 
mit ni und nach ni nach Ausdrücken der Verwunderung besprochen. 
— Im zweiten Kapitel wird nach Poesie und Prosa getrennt ni mit 
Konjunktiv erörtert und schliefslich entgegen Ribbeck in den Wörtern 
quidni und quippini der zweite Teil als einfache ursprüngliche Ne- 
gation ohne jeglichen konditionalen Charakter hingestellt. Eine 
Bchlufsbetrachtung giebt die Resultate der Untersuchung und zu- 
gleich eine etymologische Herleitung von nei (aus ne + i, welches 
i als Lokativzeichen oder als deik tisch verstärkendes i anzusehen ist); 
bei letzterer stammen die Nachweise von des Vfs. Bruder: kein 
Wunder, dafs die Abhandlung einen so befriedigenden Eindruck 
macht, wenn zur Akribie des klassischen Philologen noch die bewährte 
Umsicht des Linguisten tritt! 

Warum Varro übergangen worden ist, wenn Cornificius eine 
Stelle gefunden hat in der Untersuchung? Es scheint, dafs ßr. auch 
selbst einmal fühlte, dafs Varro zu berücksichtigen sei, und so nahm 
er S. 16 aus Dräger H. Synt. II 748 die Stelle Varr. r. r. 3, 3, 9 
peream ni piscem putavi esse herüber. Da es für mich ein Bedürf- 
nis war auch des Varro Stellung zur vorwürfigen Frage kennen zu 
lernen, und Reiter in seinen Quaestiones Varronianae grammaticae 
nichts bietet, so las ich wenigstens de re rustica durch. Das Re- 
sultat war: 1, 37, 2 ego istaec non solum in ovibus tondendis, sed 
in meo capillo a patre acceptum servo, ni decrescente luna tondens 
calvos fiam; 2, 1, 1 cum poetain sesum viscre venissemus, ni medici 
adventus nos inpedisset; 3, 1, 10 cum . . parum putasses esse, ni 
tuis quoque litteris exornati parietes essent. Überall variiert die 
Überlieferung und alle drei Stellen sind auch sonst nicht intakt: 
immerhin aber scheint die Zahl der Beispiele und ihre Art für die 
Geschichte des Wörtchens ni interessant. Für quidni habe ich nur 
3, 1, 1 cum duae vitae traditae sint hominum, rustica et urbana, 
quidni) Pinni, dubium non est, quin hae non solum loco discretae 
sint, sed etiam . . . und 3, 2, 15 Certe nosti materterae meae fun- 
dum. Quidni? inquit, ubi aestate diem meridie dividere soleam etc. 
gefunden: aber auch diese beiden Beispiele sind wichtig genug um 
nicht übergangen zu werden. 

Tauberbischofsheim. F. H. Schmalz. 



336 Litteratur. 

G. Niemöller: De pronominibus ipse et idem apud Plautum 
et Terentium. Halis Sax. Diss. inaug. 1887. 54 pg. 8°. 

Je heikler die Kritik der Komiker ist wegen ihres freieren Vers- 
baues, desto erwünschter mufs es sein, durch genaue sprachliche 
Beobachtungen Anhaltspunkte für die Herstellung des Originales zu 
gewinnen. Vf. untersucht die verschiedenen Formen von ipse, sowie 
die Stellung von ipse und idem; zunächst also ipsus und ipse. Der 
Streit, ob die Komiker ipsus oder ipse mit sibi, se verbunden haben, 
wird dahin entschieden, dafs Plautus in diesem Falle ipsus sagt, mit 
Ausnahme vielleicht von Bacch. 415, Terenz häufiger ipse. Die Form 
oarumpse, welche Vf. dem Ter. liec. 163 aberkennt; hatte auch Engel- 
brecht (vgl. Arch. I 163} verworfen. Die Regel Ritschis, dafs bei 
den scenischen Dichtern idem einem Pron. demonstr. vorangehe, trifft 
für Plautus, weicher mehrmals hie idem gebraucht, nicht zu. Idem 
ipse (Ter. Ad. 424) wird überhaupt eine der älteren und klassischen 
Latinität fremde Verbindung sein, welche durch Lactantius nur eine 
schwache Stütze erhält. Idem unum, zweimal bei Plautus, möchten 
wir mit dem Vf. halten, wenn auch, abgesehen von dem in jener 
Zeit nicht auffälligen Asyndeton (Lucr. 2, 917 unus idemque), die 
Stellung auffällt; doch sagt auch Aristoteles o erwog xal slg statt des 
gewöhnlichen slg %al 6 avrog. Zuletzt wird über idem qui, ut, atque 
gehandelt. — Ein eingehenderes Referat wird die Abhandlung in 
den Zeitschriften verdienen, welche die Plautus- und Terenzkritik zu 
verfolgen haben. 

Adolf us Hoerle: De castuim usu Propertiano. Diss. inaug. 
Halis. 1887. 81 pg. 8°. 

Die Absicht des Vf. war es einen Beitrag zur historischen Syn- 
tax zu liefern und durch eine genauere Untersuchung des Sprach- 
gebrauches des Dichters auch einiges für die Kritik beizutragen; er 
hat dieselbe erreicht und ist zu Resultaten gelangt, weil er grofse 
Sorgfalt auf seine Arbeit verwendet hat und weil die Sprache gerade 
des Properz kühn und eigenartig ist. Dann hat er auch seiner Ab- 
handlung einen weiteren Hintergrund gegeben, indem er die Sprache 
des Tibull mit der des Pr. verglichen hat. Dafs man Gräciflmen 
wie den genet. exclainationis: foederis heu taciti nicht bei Tibull 
suchen darf, ergiebt sich schon aus seiner streng nationalen Richtung; 
aber auch ainor tuus setzt er noch nicht für die Liebe zu dir, und 
vermeidet es von einem Nomen zwei Genetive abhängen zu lassen 
(bez. einen Gen. von welchem ein zweiter abhängt), was bei Pr. ganz 
gewöhnlich ist. Über dio bei Tib. noch fehlenden Ablat. gerundii 
im Sinne des Partie. Präs. Act. (quaerendo = quaerens) war auf 
J. N. Ott, die Lehre vom Abi. Ger. (Festschr. zur 4. Tübinger Säcular- 
feier, 187H. S. 29 ff.) zu verweisen. 

Vermilst haben wir die Erwägung, wie weit das Versbedürfnis 
auf die Konstruktionen des Dichters eingewirkt habe; denn sera venis 
oder si qua venit sero konnten eben im Hexameter nicht anders lauten. 



Litteratur. 337 

So würden wir auch 3, 27, 41 custode recludor (Luc. Müller custodi 
excludor) darauf zurückführen, dafs die Dichter, um kurze Schlufssilbo 
zu bekommen bei passiven Verben den Urheber der Handlung in den 
bloteen Ablativ statt in den Dat. graecus gestellt haben. Vgl. Hör. 
Epist. 1, 1, 94 curatus inaequali tonsore capillos. 

Adam Marty: De Qtüntilianeo usu et eopia verbornm cum 
Oiceronianis potissimum comparatis. Glaronae 1886. 65 pg. 8°. 

Vf. behandelt zuerst den bei Q. abweichenden Gebrauch cicero- 
nianiecher Wörter, in einem zweiten Abschnitte die bei Q. zuerst 
auftretenden Wörter, und sucht zu beweisen, dafs die Übereinstim- 
mung der Diktion Qu in tili ans mit Cicero vorwiegend in der Syntax 
liege, der Wortschatz dagegen bedeutende Veränderungen zeige. Im 
grofsen Ganzen, aber auch nur in dieser Beschränkung, dürfte die 
These richtig sein, und richtiger jedenfalls, als wenn man sie um- 
kehren wollte. Da dem Vf. keine Vorarbeiten vorlagen, so mufste 
er sein Material auf Grund der Lektüre Quintilians zusammentragen, 
und er hat das mit redlichem Fleiise gethan, wenn ihm auch wich- 
tige Hülfsmittel, wie die siebente Auflage des Handwörterbuches von 
Georges gefehlt zu haben scheinen : sonst hätte er doch sicherlich nicht 
conexio (Cicero), enarratio (Sen. ep. 88, 3), gesticulatio (Val. Max. 
2, 4, 4), indifferenter (Scrib. Largus), lucrativus (Cic. ad Att.), ob- 
servabilis (Sen. ben. 4, 23, 1), participalis (nicht participialis, Varro), 
pullatus (Persius) als zuerst bei Q. nachweisbar angeführt. Vf. ist 
vorsichtig genug aus dem ersten Vorkommen bei Q. nicht zu schliefsen, 
dafs die betreffenden Wörter zuerst von Q. gebildet seien; die dem 
Q. selbst angehörigen, meist Übersetzungen griechischer Kunstaus- 
drücke, hat er durch * kenntlich gemacht, und er hätte darin wohl 
etwas weiter gehen dürfen, indem elocutrix wohl nur eigene Über- 
setzung von £qro(>ix»/, persuasibilis = m&ccvog ist etc. Befremden 
mufs, dafs der Tursellinus nach der Ausgabe von Schwartz 1724 
citiert wird, da doch Hands Ausgabe in vier Bänden bereits vor 
einem halben Jahrhundert erschienen ist; noch mehr aber befremdet 
in den syntaktischen Erörterungen, dafs Vf. Drägers Buch nicht kennt. 

Auch in der Literaturgeschichte ist Vf. nicht sehr bewandert, 
indem er den Justin konsequent vor Q. setzt, ohne zu wissen, dafs 
derselbe (im 3. Jahrh. nach Chr.) das Werk des Trogus Pompeius 
in die Sprache seiner Zeit übertragen hat. Es folgt aus dem Obigen 
von selbst, dafs Vf. dem Thema des dritten Kapitels (Verhältnis der 
Latinität Quintilians zu der Ciceros) nicht ganz gewachsen ist; gleich 
das erste Wort, welches bei Q. fehlen soll (weil Bonnell kein Beispiel 
giebt), etsi, findet sich bei Q. 1, praef. 19. 1, 5, 28. 11, 3, 18; dafs 
es darum relativ selten ist, weil es durch etiamsi (um es von et si 
zu unterscheiden) ersetzt wird, ahnt er nicht. Beachtenswert ist die 
Bemerkung S. 61, dafs 6, 3, 50 zu lesen sei nee clusum (occlusum 
Halm) neque signatum, obwohl Cicero de orat. 2, 248 der Deutlich- 
keit wegen die Composita vorzieht nee obsignatum nee occlusum. 

S. 



338 Litteratur. 

S. Hilarii traotatus de mysteriis et hymni et 8. Silviae Aqui* 
tanae peregrinatio ad looa sancta. Tnedita ex codice Arretino 
deprompsit Joh. Franc. Gamurrini. Romae 1887. XL et 152 
pgg. 4°. Ex typographia Pacis Philippi Cuggiani. Vico della 
Pace 35. (= Biblioteca dell* accademia storico-giuridica, vol. IV.) 

Schon vor drei Jahren gab der um die Epigraphik verdiente 
Bibliothekar von Arrezzo, Gamurrini, in der oben genannten Bibliothek 
für Geschichte und Jurisprudenz eine Notiz über seinen Doppelfund; 
in der Berliner Akademie (Sitzungsberichte 1887. XXIII. 28. April) 
machte Mommsen namentlich geographische Mitteilungen über den 
Reisebericht, und soeben ist nun auch die durch Buchhändler Spit- 
höver in Rom zu beziehende Ausgabe erschienen. Die Handschrift, 
welcher wir beide Schriften verdanken, ist aller Wahrscheinlichkeit 
nach in Monte Casino geschrieben, etwa im elften Jahrhundert 

In sprachlicher wie sachlicher Hinsicht steht der Hilariusfond 
hinter dem andern zurück. Die Latinität des Bischofs von Portiers 
ist aus andern Schriften uns bekannt, und damit man nicht glaube, 
es handle sich um Mysterien des heidnischen Kultus, so genügt es 
die Subscriptio herzusetzen: iinit tractatus mysteriorum ab Adam 
usque ad Noe, deinde Abraae, Isaac, Jacob, Moysis etc. Da der 
Traktat wie die Hymnen in dem Wiener Corpus der Kirchenväter 
erscheinen sollen, so wird an joner Stelle wohl auch Näheres über 
die Sprache des Hilarius, sei es in der Vorrede, sei es in Form eines 
Index mitgeteilt werden. 

Über den sprachlichen Gewinn, den wir aus der Peregrinatio zu 
ziehen haben, ist oben S. 259 ff. Bericht erstattet. Leider fehlt der 
Anfang der mutmafslich in den Jahren 385 — 388 ausgeführten 
Heise, indem wir mit dem erbten Bogen gleich an den Fufs des 
Sinai versetzt werden, ebenso das Ende, und in der Mitte an zwei 
Stellen je ein Blatt. Im J. 1037 hat der gelehrte Bibliothekar von 
Monte Casino, Petrus Diaconus, den Reisebericht wohl noch voll- 
ständig vor sich gehabt, indem sein eigenes Buch De locis sanctis, 
welches er selbst ex omnibus, ut ita dicam, libris collectus nennt, 
der Hauptsache nach aus Beda, De locis sanctis und unserer Reise- 
beschreibung geschöpft ist. Der Hsgb. hat daher die Schrift des 
P. Diac. als Anhang .seiner Ausgabe beigegeben. 

Wenn wir nun die Arbeit des Hsgb. würdigen sollen, so hat 
derselbe nicht beansprucht, die Resultate für die Geographie des 
heiligen Landes sowie für die altchristliche Liturgie vollständig zu 
ziehen und systematisch zusammenzustellen. Aber in der Vorrede 
giebt er das zur Einführung in die Lektüre Nötige, und in zahl- 
reichen, bald kürzeren bald grüfseren Anmerkungen unter dem Texte 
ist in verdienstlicher Weise ein Kommentar gegeben, welcher reich- 
haltige gelehrte Nach Weisungen enthält. Als Kritiker ist 6. sehr 
konservativ, was bei einem editnr princeps im ganzen nur zu loben 
ist. Bevor die Konjekturalkritik ihre Aufgabe aufnimmt, ist die Über- 
lieferung möglichst genau festzustellen. Kleinere Versehen können 



Litteratur. 339 

vielleicht auf Druckfehler zurückgeführt werden, z. B. 98 quia ut 
fortiores sunt, aut iuveniores statt qui aut f.; 88 satisfecerit schreibe 
satis fecerit wegen des folgenden minus (fecerit). Der photolitho- 
graphische Abdruck einer Seite des Codex gestattet uns übrigens, 
hier den Text von Gamurrini zu kontrollieren. Wir ünden auf S. 49 
der Ausgabe Folgendes zu verbessern: nullas fabricas] der Codex 
deutlich nraltas fahr. — ruinae autem] Codex r. enini. — licet tarnen 
fractus afferat] licet t. adhuc fr. äff. — nara etiam iam senior vir] 
nam est iam 6. v. — in de fuisset piosecutus] i. f. profectus. Dar- 
pach wären doch noch etwa zwei hundert Stellen nach dem Codex zu 
bessern. Die Schrift wäre in Kapitel und Paragraphen, oder blofs in 
Paragraphen zu teilen, da man jetzt nur nach Seiten der Ausgabe 
(ohne Zeilenzählung) oder der Handschrift citieren kann. Mag aber 
auch ein Neudruck noch so viele Verbesserungen aufweisen, das Haupt- 
verdienst wird immer dem Entdecker und ersten Hsgb. bleiben, dem 
daher auch unser voller Dank gebührt. 



Aneodotum latinum von Dr. J. Piechotta. Gymn.-Progr. 
Leobschütz 1887. 13 pg. 4°. # 

Aus einer durch ihr hohes Alter — sie stammt aus dem 6. Jahrb. 
— merkwürdigen Handschrift der Leydener Universitätsbibliothek, 
dem cod. Voss. L. Q. 9, über welchen zuletzt L. Müller (lihein. Mu- 
seum XXIII S. 187—190) und Bäbrens (Miscellanea S. 107) gehan- 
delt haben, veröffentlicht der zukünftige Herausgeber des Pseudo- 
Apuleius ein kleines Anecdoton medizinischen Inhalts. Leider ist uns 
der Anfang desselben durch den Verlust mehrerer Quaternionen nicht 
erhalten; es beginnt mit Kap. 1 ad nares ulcerosas; da auch eine 
subscriptio fehlt, ist uns der Name des Autors, wenn ein solcher 
überhaupt genannt war, nicht bekannt. In der Weise eines Mar- 
cellus Empiricus oder des angeblichen Musa Antonius de herba Vet- 
tonica werden hier einfache und zusammengesetzte Heilmittel gegen 
verschiedene Krankheiton von Menschen und Vieh aus dem Pflanzen- 
und Tierreiche, darunter auch mehrere abergläubische Heil- und Zauber- 
formeln in bekannter Manier, ohne bestimmte Ordnung angeführt. 
Einige Abschnitte weisen mehrfache Anklänge an Dioskorides auf, 
sind also wohl einer altlateinischen Übersetzung desselben entlehnt, 
sonstige Quellen sind nicht zu ermitteln. 

Mehr als der unbedeutende Inhalt des anonymen Opus inter- 
essiert uns seine Sprache, und der Hsg. hat deshalb in der Einleitung 
alles in bezug auf Orthographie, Vokalismus , Flexion, Syntax und 
Wortschatz Merkwürdige sorgfältig zusammengestellt. Vieles hiervon 
ist dem Ref. auch in andern medizinischen Handschriften, so in dem 
codex Laudunensis des Marcellus, begegnet; freilich haben die ersten 
Hsg. medizinischer Autoren, die für die unklassischen Formen der 
Volkssprache kein Verständnis hatten, diese in den Texten getilgt, 
und es ist also eine Aufgabe unserer Zeit hier die ursprünglinh«n 
Formen wiederherzustellen. So hat z. B. auch die genannte Ma 



340 Litteratur. 

handschrift durchweg sciaticus (= ischiadicus), cocliarium, oft visica, 
einigranium, noscia (= ischias), dactulus, aspargere od. conspargere, 
u. iL Besonders bemerkenswert erscheinen dem Hef. die Wörter 
capunclus (= capus), einissa (= cinis), Stella (= Glatze auf dem 
Kopfe), patziniini coaguluni, parescere, perminuere (intrans. usque 
quo luna perminuat, vgl. luna miuueute), während andere der 8. VI 
aufgeführten, wie barba Jovis (s. PI in. IG, 70), experiraeatatum (s. 
Theod. Prise. IV, p. 81)), fisis (= loca genitalia), zema, zernosus, 
virgo pix (s. PJin. Valer. 2, 37) auch sonst vorkommen; balbulia 
(de faba fresa) ist wohl identisch mit valvulae (cf. Scribon. c. 158 
l'aba roolita cum suis valvulis. Colum. VII, 4, 2 freaae cum suis 
valvulis fabae); die Pferdekrankheit orfus erinnert an die von Veget. 
V, 22 orabus genannte. Statt stentinurn quein longaone vocant hoc 
est cui stalis oxiet ist wohl intestinum q. 1. v. zu lesen und extalis 
hat auch Marcellus. Ebenso ist cydonia ulcera offenbar aus chironia 
u. uud samsana vielleicht aus lafi^avt} verderbt. Da die Schriftlüge 
des codex an vielen Stellen verblafst und unlösbar geworden sind, 
erscheint der Text vielfach lückenhaft; einige Ergänzungen und Ver- 
mutungen mögen diese Anzeige beschliefseu: LI lies herbam pteri- 
de(m) coces, LVJ1 ncscia — morbum — argimonia — locum quem 
dolebit, LXVII nomas st. mamas, LVI1I si habes, LXVIIII quam 
plurimam, LXXI in murtario, LXXII1 herbam legito, LXXV1I circum- 
scribito, LXXXVHH ad uiorsuin serpentis et simi hanc herbam tritam 
et contusam, CXX1III caput dimidium si cui dolet — et inpone in 
caput, CXLI1I mulierem Mittles sistet fluxu(m), CL1II in unum corpus 
inmisces, l'LXIIIl anagallidis genera sunt duo tioribus discrepantia, 
CLXXVIII1 columbi ne devolent, CLXXX1I1 de vestibus. 

Augsburg. G. He Im reich. 



Herrn. Win uef cid: Sortes Sangaliensee. Adiecta sunt alearnm 
oraoula ex codice Monacensi primum editae. Bonuae. Dissezt 
inaug. 1887. (50 pgg. 8°. 

Bof. erinnert sich in seiner Jugend bei seinem sei. Grofsvater 
ein geschriebenes Buch mit dem Titel 'Glücksrad* gesehen zu haben, 
welches auf etwa hundert Fragen je zwölf Antworten enthielt. Je 
nachdem der das Orakel Befragende mit einem oder zwei Würfeln 
1, 2, ... 12 Augen warf, erhielt er nach einem etwas komplizierten 
Mechanismus die betreffende Antwort. Ähnlich sind die griechischen 
nach Dekaden gegliederten Orakel des Astrainpsychos, herausgeg. fon 
K. Heivher, Berlin. 18(53, deren Einrichtung etwa auf die zehn Finger 
der Hand bezogen werden könnte. 

Auf die lateinischen, nach Podekaden gegliederten St. Galler 
Sprüche, die Übersetzung eines griechischen Originales zu sein scheinen, 
hatte zuerst Bücheier im Bonner Lektionskatalog 1877. 13 hingewiesen, 
indessen nur Proben gegeben; W. hat nun den ganzen Codex, so weit 
er lesbar ist (denselben, aus dem Niebuhr die Merobaudes-Fragmente 



Litteratur. 341 

herausgab), abgeschrieben, abgedruckt, und in verdienstlicher Weise 
mit kritischen Anmerkungen und Einleitung begleitet. Das Verzeichnis 
der Fragen, über die man Belehrung holen konnte, ist leider verloren; 
sie müssen beispielsweise gelautet haben: Was wird das neue Jahr 
bringen? Soll das consortium eingegangen werden? Wird der Prozefs 
gewonnen oder verloren? Wird die Bewerbung um ein Amt mit Er- 
folg gekrönt werden? Wird die Flucht gelingen? Wird man wieder 
gesund werden? 

Da die Sprüche vielfach christliche Färbung tragen, so mögen 
sie im 3., 4., 5. Jahrhundert entstanden sein; da» mehrmals vorkom- 
mende (ul in venire wird mau kaum noch in das 2. Jahrhundert rücken 
können. Die Sprache zeigt manches Interessante: modo steht für 
nunc (welches wohl fehlt); diu existiert noch neben -m longo tempore 
(tongtemps), magno tempore (in der Frage, ob man no-h lange leben 
werde); sonjum und soniari stehen = ntra. mrare (vgl. franz. soigner 
u. a. roman. Formen); bieerte = 'sicher' war nicht mit in plenins zu 
vergleichen, sondern mit in vantnn (envnin). oder mit Zusammen- 
setzungen wie adpletie (appieno), adsatis (assrz), impalnm ((.'aspari, Pri- 
minius 183), insrmel; neue Wörter sind luticarins, mediemnmtare. 
Statt seipvlum 17, \) ist vielleicht sernjntlum zu schreiben. Das in 
dieser Hinsicht Bemerkenswerte ist in den Anmerkungen angedeutet 
und in einem Index zusammengestellt. 

Jünger und wertloser und zerrütteter sind die Sortes Mona- 
censes; sie zeigen, wie jede Überlieferung im Laufe der Jahrhunderte 
schlechter wird. 



I. M. Stowasser: Hisperica Famina. Programm des Franz- Josef- 
Gymn. in Wien. 1887. ö°. 

Das eigentümliche Machwerk, dessen Abdruck durch Ang. Mai 
nicht nach allen Seiten befriedigte, wird hier von neuem und sorg- 
fältig herausgegeben mit einer lateinischen Vorrede und einer deut- 
schen Nachrede. Dem emendierten Texte folgt ein Kommentar, der 
manche dunkle Stelle aufhellt; einige Deutungen sind freilich wenig 
überzeugend und mehre res ist auch dem Hrsgbr. dunkel geblieben, 
was niemand wundern wird, der das Denkmal kennt. Der Verfasser 
ist ein ti-ottus, d. h. ein Ire, wie St. mit Hecht in Übereinstimmung 
mit Mai annimmt. In einem noch nicht erschienenen Aufsatz (vgl. 
P. 3) in den Wiener Studien führt St die Hisp. Farn, und das ver- 
wandte Luxemburger Fragment auf ein gemeinsames Muster zurück. 
Die Gründe dieser Ansicht sind mir, wie gesagt, unbekannt. Einst- 
weilen scheint mir näher zu liegen, dafs der Grundstock der Hisp. 
Fam., Kap. 1 — 5, sidb.it das Muster abgegeben hat. Hier hat ein 
^rammaticus die schwülstige Sprache namentlich der späteren Dakty- 
Hker nicht ohne Humor nachgeahmt und übertrieben, mit Beibehaltung 
der typischen Wortstellung, mit Anwendung aller der Kedetiguren, 
Welche die Grammatiker in dem Kapitel \b' tropis 9 abzuhandeln 
pflegten, mit Beiziehung der seltensten und fremdartigsten Ausdrücke, 



342 Littoratnr. 

die er in Glossaren auftreiben konnte. Er bat dann Nachfolger ge- 
funden, die seinem Beispiel obne Humor, aber mit naivem Ernste 
folgten. St. betrachtet das Werk als eine Fundgrube für Romanis- 
men und einzelne werden sich hier wie bei allen 8pätlateinera 
finden; aber Schreibungen wie saborcm gleva möchte ich eher einem 
Kopisten als dem irischen Verfasser zuschreiben, und z. B. plandum 
(für planitifs) würde ich nicht mit ital. piantiio zusammenstellen 
(p. 28). Eher dürften die Hisp. Farn, als Quelle für seltenere Glossen- 
Wörter zu benutzen sein; aber diese Quelle ist eine äufserst trübe 
wegen der Ungeniertheit und Kühnheit, mit welcher der oder die 
Vorn*, neue Wörter bilden. Auf Einzelheiten gehe ich nicht ein, nur 
bemerke ich zu p. 2G, dafc llhys' Übersetzung von igudtiockm 
airmaoii (Glosse zu: in fcnosa machide) mit 'auf grasigen Schlacht- 
feldern' völlig sicher ist. Die Worte in Kap. 2 von Novelle trmporei 
bis faueibus tollus spricht der ungebildete Bauer, der im folgenden 
Kapitel von der Schule weg aufs Land zurückgeschickt wird; der 
Satz, der ihn einführt, ist daher nicht zu streichen (p. 24), sondern 
unentbehrlich. — Mit dem gutmütigen Unsinn des Textes kontra- 
stiert oft etwas eigentümlich die scharfe Sprache des Herausgeben. 

Freiburg i. B. R. Thurnejsen. 



Anecdota Oxoniensia. Alphita, odited by J. L. G. Mowat Oxford, 
Clarendon press. 1887. VII. 243 S. 4°. 

Das hier zuerst veröffentlichte „medico-botanical glossary" stammt 
aus einer Handschrift der Bodleiana etwa vom J. 1465, kann aber 
auch nicht viele Jahrhunderte früher geschrieben sein, da die Quellen 
auf die italienische Wissenschaft (Salerno) des Mittelalters zurück- 
weisen. Während der Vf. oft die englischen und französischen Aus- 
drücke den lateinischen Pflanzen- und Krankheitsnamen beifügt, finde» 
sich doch auch eine Reihe ausschließlich italienischer Worte (Zirbui 
Netz im Leibe, celea Maulbeerbaum, pira, id est stupha = ital. stuft, 
Badestube), welche nur aus den benutzten Schriften italienischer Ärzte 
in das Werk geflossen sein können. 

Die bisher nicht belegten lateinischen Wörter und Wortformen 
werden daher der Hauptsache nach dem Mittelalter angehören, womit 
natürlich nicht ausgeschlossen ist, dafs manche schon der Zeit vor 
Karl dem Grofsen und dem Spiltlatein angehören. Reich entwickelt» 
sich das Suffix aster (vgl. Arch. 1 390 *f.) in Bildungen wie piper- 
astrum (vgl. rnentastrum) , purpurnster, subrubeaster (vgl. rougätre) i 
zu osus finden wir arborosus, carnositas, tuberositas; zu anus sol»- 
nus = evqXiog, susanae und iusanae (nämlich partes), Weiterbild unge** 
von susum und iusum; in der Komposition obrufus, obrotundus, xr^ 
man subrufus erwartet. GratFagia hat, wie mir Dr. Helmreich schreibt • 
mit yqctyri etyiet nichts zu thun, sondern ist Ableitung von yQagnj BS9SSts 
Rezept (frz. -ago), wie öfters bei Alex. Trall. Schon romanisch 
sind Wörter wie forago, eibus equornm (frz. fourage; Du Gange fo> " 



Litteratur. Sprechsaal. 343 

ragium: pabulatio), maneries (maniere) = species, vgl. Da Cange- 
Favre, wo Übrigens das in der neuen Ausgabe hinzugefügte Maneries: 
congeries lapidum in maceries zu emendieren ist. — Eine ausführ- 
lichere Anzeige des Buches im Litterar. Centralblatt. 1887. 14. Mai. 



Sprechsaal. 

Zum erstenmale seit dem Bestehen des Archives hat das vor- 
liegende Heft die verarbeiteten Artikel lange nicht zu fassen ver- 
mocht, so dafs die Fortsetzung der vulgärlateinischen Substrata, der 
Schluis von trans, ultra, Kssen und Trinken im Sprichworte, Abeo 
und andere lexikalische Artikel zurückgelegt werden mufsten. Es sind 
eben jetzt so viele Philologen in unserem Fache eingearbeitet, man hat 
einen solchen Überblick der Litteratur gewonnen und es liegen nach 
allen Richtungen so zahlreiche Probeartikel vor, dafs lexikalische, 
grammatische , kulturhistorische Aufsätze, so weit das Zettelmaterial 
dazu vorliegt, auf Bestellung geliefert werden können. Insofern ent- 
halten die Archivbände sowohl die versprochene Vorarbeit zu einem 
Thesaurus, als die Herstellung derselben eine Vorschule für die Mit- 
arbeiter geworden ist. Dafs unter den verschiedenen Artikeln die 
lexikalischen noch die leichtesten sind, bedarf keines Beweisen, und 
noch leichter wäre es die ausführliche Darstellung ins Kurze zu ziehen, 
in die Form, die etwa ein Thesaurusartikel haben muTste. Gleich- 
wohl sind gerade die lexikalischen Artikel (Ab) aus dem einfachen 
Gmnde nicht energisch gefördert worden, weil ja der Thesaurus keine 
Zukunft s basis hat. Die Hedaktion verfolgte daher eine Zeitlang den 
Gedanken namentlich noch Beiträge zur Geschichte der lateinischen 
Wortbildung zu liefern, um damit nicht nur eine grofse Lücke aus- 
lufüllen, sondern auf dem enger begrenzten Gebiete eher etwas Ganzes, 
oder doch gröfsere fertige Abschnitte bieten zu können. In jener 
Zeit wurde der Artikel Verba frequentativa und intensiva ohne Zettel - 
material in Angriff genommen, der jetzt, nachdem diese Idee auf- 
gegeben werden mufäte, der Entschuldigung bedarf; ähnlich sollte 
durch Behandlung der Präpositionen penes, tenus, trans, ultra, usque 
eine Ergänzung zum Tursellinus geboten werden. 

Die zahlreichen Briefe, deren Verf. nicht nur Notrufe ausstoßen, 
sondern auch Vorschläge machen das Archiv und das T besau rusprojekt 
'Q halten, kann die Ued. nicht alle einzeln beantworten, obschon es 
*° vielleicht 60 Fällen geschehen ist. Was mehrere wünschen, i*t 
*Dgst, und schon vor dem Drucke des Prospekte* geschehen; allein 
jfie (selbstverständlich vorwiegend sachlichen) Schwierigkeiten, welche 
^ Wege stehen, lassen sich weder beseitigen noch hier auseinander- 
bogen. Die Hedaktion hat nirht. versäumt in den Osterferien eine 
ff^fsere Reise zu machen, um die Aneichten befreundeter Kollegen 
* u vernehmen; allein auch diese sehen ein, dal« der Thesaurus un- 
m '*glich das Werk einer Privatperson sein k«"inne. 



344 Sprechaaal. 

Dafs sich immer noch zahlreiche Mitarbeiter aas allen deutschen 
Gauen anbieten, scheint anzudeuten, dafs die Personalbasis für die 
Arbeit vorhanden wäre; zu ihrem gröfsten Bedauern hat die Red. 
diese Anerbietungen ablehnen müssen, weil es nicht zu verantworten 
wäre, so lange eine definitive Organisation nicht möglich ist, Arbeiten 
zu veranlassen, die doch zu keinem Abschlüsse zu bringen wären. 

Ausstehend zu Fragebogen 3 und 4 (fallig 1. Oktober 1885) 
sind die Zettel: 

Alcimus Avitus (A. Knnz). 

Servius (A. Siefs). 

Ambrosius II (Jos. Böhm). 

Hieronymus V (Fr. Schwenck). 

Grammat. lat. VT K. (J. Haverfield). (Als Ersatzmann ist unser 
** Mitarbeiter [Arch. II 614J eingesprungen.) 

Horaz Sat. Epist. und Corp. inscr. lat XI (J. B. Keune). 

So empfindlich dies der Redaktion ist, so wenig kann darin eine 
Widerlegung des Organisationsplanes gefunden werden. Es mufsten 
vielmehr alle ausbleibenden Zettel jeweilen einen Monat nach Verfall 
gegen Bezahlung hergestellt werden, etwa zu 60 Mark per Frage- 
bogen, was, zehn Saumselige per Jahr gerechnet, einen Kredit von 
G00 Mark nötig machen würde. Die hiesige Akademie besitzt leider 
nicht die Mittel, um auf die Länge und mit Sicherheit solche und 
noch andere Ausgaben auf sich zu nehmen, was schon vor vier Jahren 
niemand verborgen war; da aber der Anfang bei allem das Schwie- 
rigste, und nach einem Spruche die Hälfte des Ganzen ist, so glaubte 
der Unterzeichnete wenigstens die ersten Schritte wagen zn dürfen 

Das den Band ab schlief sende Doppelheft soll im November ans- j 
gegeben werden. 

München, den 15. Juni 1887. Prof. Ed. Wölfflin. 



I 



Essen und Trinken im Sprichwort. 

Wenn der Mensch auch nicht leben soll, um zu essen, son- 
dern essen, um zu leben (nach einer alten Sentenz*) beim auct. 
ad Herenn. IV 28, 39. Quintil. IX 3, 85. Isid. Orig. II 21, 13), so 
liegt ihm doch naturgemäfs die Sorge um die tagliche Nahrung 
am allernächsten. Kein Wunder also, wenn sich auch das Sprich- 
wort mehrfach sowohl mit dem Essen und Trinken im allgemeinen, 
als mit den mancherlei Speisen und Getränken beschäftigt. 

Damit das Essen wohlschmecke, ist das erste Erfordernis 
ein guter Appetit, und diesen wiederum schafft nur ein tüchtiger 
Hunger, denn „Hunger ist der beste Koch": Cic. de fin. II 28, 90 
idque Socratem, qui voluptatem nullo loco numerat, audio di- 
centem, cibi condimentum esse famem, potionis sitim.**) Ja, 
der Hunger thut noch mehr, indem er die Menschen zu ange- 
strengter Thätigkeit notigt, schärft er zugleich die Erfindungs- 
gabe und lehrt Künste und Kunstgriffe (Düringsf. a. a. 0. I 
Nr. 777 f.). Schon die Griechen behaupteten nokk&v 6 Atfiog yC- 
yvstcu diddöxalog (Macar. VII 24) und nsvCa öl öocpiav ika%s 
(Zenob. V 72). Vgl. noch Theoer. Id. 21, 1 a nsvCa, 4i6<pavte, 
fwW tag xi%vag iyeiQst,. Auch die Römer bringen den Gedanken 
zum Ausdruck: Senec. ep. 15, 6 admitte istos, quos nova artificia 
doeuit fames. Pers. prol. 10 Magister artis ingenique largitor 
▼enter.***) Phaedr. append. 20, 7 Ergo etiam stultis aeuit in- 
genium fames. Von der Armut überhaupt: Plaut. Stich. 78 pau- 
P e *tas omnes artes perdocet, „Not lehrt Künste" (Düringsf. a. a. 0. 
" Nr. 194), Publil. Syr. 210 Hominem experiri multa paupertas 

*) Des Socrates nach Plut. de and. poet. 4. Diog. Laert. 2, 5, 34. 
At **en. 4, p. 168 F. Gellins 19, 2, 7. Die Eed. 

**) Vgl. Seneca ep. 119, 4 nihil contemnit esuriens, „Dem hungrigen 
^^**ch schmeckt alles wohl." 

***) Anch Horaz erzählt von sich ep. II 2, 51 paupertas impulit andax, 
Verena facerem. 

^UehiT für Ut I«xikogr. IV. Heft 3. 4. 23 



346 A. Otto: 

iubet. Apul. de mag. 18 paupertas, inquam, omnium 

artium repertrix. — Ov. a. a. II 42 Ingenium mala saepe mo- 
vent. Manil. I 80 labor ingenium miseris dat. 

Ein voller Bauch hingegen erzeugt keinen witzigen Ge- 
danken: Persius I 56 Qui pote? Vis dicam? nugaris, com tibi, 
calve, Pinguis aqualiculus propenso sesquipede extet Dazu der 
Scholiast: tractus sensus ex Graecorum versu, quo significatur ex 
ventre crasso tenuem sensum non nasci. Hieron. ep. 52, 11 
pulchre dicitur apud Graecos et nescio an apud nos aeque re- 
sonet: Pinguis venter non gignit sensum tenuem. Der griechische 
Wortlaut ist: yaöxrjQ ita%sla kenxbv ov tUxei voov (Apost V 
22 a). Zum Gedanken vgl. auch Hör. sat. II 2, 77. 

Wer satt zu essen hat, weifs nicht, wie weh der Hunger 
thut, „ein voller Bauch lobt das Fasten" (Düringsf.a.0. IINr.568): 
Hieron. epistol. 58, 2 plenus venter facile de ieiuniis disputat, 
und ähnlich Ter. Andr. 309 Facile omnes, quom valenius, recta 
consilia aegrotis damus. Indessen mit Worten läfst sich ein 
Hungriger nicht abspeisen, oder, wie das Sprichwort sagt, „ein 
hungriger Bauch hat keine Ohren" (Düringsf. a. a. 0. I Nr. 784). 
Unter den Aussprüchen des älteren Cato citiert diesen Satz 
Plutarch aitoy&dyii. Katar, xov XQeößvx. 1 (= vit. Cat. mai. 8) 
*&lg %aki%6v iöxt ktyeiv ngbg yaöxega cor« (tri ijovöav. Gleich- 
bedeutend ist der von Apost. X 73 a angeführte Vers Ai\mo yaQ ovdhv 
iöxiv avxsineiv enog und Senec. ep. 21, 11 venter praeeepta non 
audit; poscit, adpellat. — Welch grofsen Wert aus diesem Grunde 
die alten Römer im Kriege auf die gute Sättigung der Soldaten 
legten, zeigt die sehr alte Verbindung pransus paratus (Cato 
orig. p. 25, 9 Jord. exercitum suum pransum paratum cohor- 
tatum eduxit), welche auch auf das gewöhnliche Leben übertragen 
wurde: Varro bei Non. p. 458,- 23 Quare, o Marce, pransum ac 
paratum esse hominem oportet, wohl ausgerüstet, schlagfertig. 
Pransus paratus war auch der Titel einer Varronischen Satire 
(p. 139 R). 

Freilich ist es nicht immer leicht, das zum Leben Notwendige 
zu beschaffen, und noch „zwischen Lipp' und Kelches Rand schwebt 
der dunklen Mächte Hand". Aus einer Rede des alten Cato 
(fr. 65 Jord.) führt Gell. XIII 18 (17), 1 den Satz an: Saepe 
audivi inter os et off am multa intervenire posse und läfst 
darauf den Apollinaris sagen: vetus esse proverbium „inter os et 
offam", idem significans, quod graecus ille xaQOLiiKoörjg versus: 



Essen and Trinken im Sprichwort. 347 

Jtokka p€ta%v itiksi xvXixog xal %Eiksos axgov (Zenob. V71). Vgl. 
Düringsf. a. 0. I Nr. 676. Eine andere, ebenfalls allitterierende 
Übersetzung desselben Sprichwortes ist inter man um et men- 
tum: Fest. p. 149 M. inter manum et mentum proverbium est 
ex Graeco ductura , quod est izokkcc ff.*) Manchem wird sogar 
der Bissen aus dem Munde (wir sagen: vor dem Munde) weg- 
genommen, d. h. ein Vorteil entrissen, dessen er sicher zu sein 
glaubte: Ter. Heaut. 673 Crucior bolum tantum mihi tarn subito 
e faucibus ereptum. Lucil. bei Non. p. 36, 19 In me illis spem 
esse omnem, quoyis posse me emungi bolo (fr. 29, 63 M). Das 
Gegenteil davon bei Plaut. Pers. 658 dabit haec res tibi grandis 
bolos. Truc. IV 2, 12 bolos quos dat! Varro r. r. III 2, 16 ut 
ad hunc bolum pervenias. 

Wer zum Essen zu spät kommt, hat das Nachsehen: Varro 
r. r. I 2, 11 Et Stolo, num cena comesa, inquit, venimus? 
Schlimmer noch ist es, wenn jemand sich selbst etwas Unan- 
genehmes eingebrockt hat und es nun ausessen mufs: Ter. Phorm. 
318 tute hoc intristi, tibi omne exedendum est. Auson. id. 6, 5 
Tibi, quod intristi, exedendum est. Macar. IV 50 r\v xig £fta- 
$£ iuc£av, Tccvrriv xal iöfrifoca. Düringsf. a. 0. I Nr. 438. 

Wenn es auch nicht jedem vergönnt ist, zu speisen wie ein 
König (Petr. 38 solebat sie cenare, quomodo rex), so wird er 
doch auch nicht seine Nase in alles, selbst das Unappetitlichste 
stecken. Um diese Kategorie von Leuten, die dummen Schwätzer, 
welche über alles reden, zu kennzeichnen, hatten die Römer ein 
sehr derbes Sprichwort, welches uns Catull 98, 1 überliefert: In 
te, si in quemquam, dici pote, putide Victi, Id quod verbosis 
dicitur et fatuis: Ista cum lingua, si usus veniat tibi, possis 
Culas et crepidas lingere carpatinas, d. h. wohl nicht, wie Sca- 
liger meinte, deine Zunge würde die schmutzigsten Dienste ver- 
richten, sondern: du hast einen so ungewaschenen Mund (wie 
wir sagen), dafs du ungescheut die schmutzigsten Dinge belecken 
konntest, ohne befürchten zu dürfen, ihn zu verunreinigen. 

Wer seinem Feinde unter die Zähne kommt, ist übel daran: 
Petr. 58 venies sub d entern! Laber. bei Gell. VI 9, 4 simul 
sub dentes mulieris veni, bis ter memordit (Ribb. fr. com. p. 241). 
— Kindern, welche noch keine Zähne besitzen, kaut die Amme 
die Speisen vor; so giebt es auch Menschen, die in ihrer geistigen 



*) Eine hierauf bezügliche Anekdote bei Serv. zu Verg. ecl. 6, 72. 

23* 



348 A. Otto: 

Ausbildung so wenig entwickelt sind, dafs man ihnen alles haar- 
klein erklären mufs, um verstanden zu werden: Cic. de oral II 
39, 162 qui omnes tenuissimas particulas atque omnia minima, 
niansa, ut nutrices infantibus pueris, in os inserant. Gell. IV 
1, 11 Sed si me praeinandere, ut aiunt, postulas ff. 

Um nun zu den einzelnen Speisen selbst überzugehen, so 
waren jederzeit Brot und Salz die notwendigsten und zugleich 
einfachsten Nahrungsmittel. Wer sich blofs mit Salz und Brot 
beköstigt, führt das denkbar einfachste Leben: Plin. n. h. XXXI 
7, 89 Varro etiam pulmentari vice usos (seil sale) veteres auetor 
est et salem cum pane esitasse eos proverbio adparet Hör. 
sat. II 2, 17 cum sale panis Latrantem stomachum bene leniet.*) 

— Vom Rechtsstudium bemerkt einer der Teilnehmer am Gast- 
mahle des Trimalchio Petr. 46 habet haec res panem, das lafet 
nicht verderben. Mit den Worten tace liugua, dabo panem legt 
sich daselbst Trimalchio selbst Stillschweigen auf (Petr. 69). Die 
Redensart erklärt sich jedenfalls daraus, dafs man einem Bettler 
oder einem Hunde ein Stück Brot giebt, um ihm den Mund zu 
stopfen. Den gleichen Ursprung hat Petr. 37 noluisses de manu 
illius panem aeeipere, kein Hund mochte von ihm ein Stück 
Brot annehmen. Ahnlich ist Petr. 62 nee postea cum illo panem 
gustare potui, non si me oeeidisses.**) — Das gewöhnliche Brot 
war aus triticum, nur im Falle der Not mochte man sich wohl 
mit lolium behelfen, wovon man jedoch glaubte, dafs es den 
Augen schädlich sei (Ov. fast I 691). Aus dieser Ansicht er- 
klärt sich Plaut. Mil. glor. 321 Mirum est lolio victitare te, 
tarn vili tritico, wo Sceledrus zum Verständnis hinzusetzt: quia 
luscitiosu's. Immerhin bleibt es fraglich, ob hier nicht blofs ein 
Witz des Plautus vorliegt. — Die Beschaffenheit des Mehles, 
woraus Brot gebacken wird, ist natürlich verschieden; mit Bezug 
darauf heifst es bei Pers. V 115 cum fueris nostrae paullo ante 
farinae, während du doch soeben von gleichem Stoffe warst> wie 
wir.***) — Der gärende Sauerteig bedeutet aufbrausenden Zorn: 

*) Vgl. auch unser Sprichwort: „Salz und Brot macht Wangen rot". 

— Plaut. Poenul. III 4, 19 Ag. Si pultem non recludet. Ad. Panem 
frangito enthält nichts weiter, als ein Wortspiel zwischen dem accus, non 
pul 8 und dem coni. von pultare. (Anders Pflügl, die Sprichw. bei Plant 
u. Ter. p. 13.) 

**) „Kein Bissen Brot" ist Petr. 42 non mica panis, Petr. 44 non bncca 
panis. Ähnlich Plaut. Stich. 568 denegavit dare se granum tritici. 

***) Der Ähnlichkeit halber sei hier erwähnt Petr. 46 non es nostrae 



Essen and Trinken im Sprichwort. 349 

Plaut. Cas. II 5, 17 nunc in fermento tota est, ita turget mihi. 
Mercat. 959 mea uxor propter illam tota in fermento iacet.*) 

Von Fleischspeisen stand bei der altitalischen Bevölkerung 
das Schweinefleisch in höchsten Ehren. Im Schlaraffenlande 
laufen nach ihrer Meinung die Schweine schon gebraten herum: 
Petr. 45 Tu si aliubi fueris, dices, hie porcos coctos ambulare. 
Bezeichnend ist vor allem für die grofse Bedeutung der Schweine- 
sucht bei den alten Römern eine Stelle des Varro r. r. II 4, 3 
quis enim fundum colit nostrum .... qui non audiverit, patres 
nostros dicere, ignavum et sumptuosum esse, qui sueeidiam in 
carnario suspenderit potius ab lanario, quam ex domestico fundo? 
Aus dieser Anschauung heraus nannten auch die Landleute den 
Garten eine zweite Speckseite: Cic. Cato niai. 16, 56 Iam 
hortum ipsum agricolae sueeidiam alteram appellant. — Auf 
die Jagd und den Genufs des Wildschweins geht ein Aus- 
spruch Diokletians bei Flav. Vopisc. Numer. 15, 3 ego semper 
apros oeeido, sed alter utitur pulpamento, ich habe die Arbeit, 
der andere den Lohn. Vgl. die zahlreichen Parallelen bei Düringsf. 
a. O. I Nr. 344. über die beiden Sprichwörter lepus es et pul- 
pamentum quaeris und leporem edit verweise ich auf Genthe, 
prov. ad anim. nat. spect. 6. 8.**) Von der Fleischnahrung allgemein 
Charis. I p. 276, 22 K. paroemia est vulgaris (pro-)verbi usur- 
patio cum aliqua diversitate, ut „coeta numerabimus exta", 
cum significet: ex eventu sciemus. Diomed. p. 462, 31 K. et ut 
„coeta numerabimus exta", cum significet: ex eventu sciemus. — 
Auch die Fische sind nicht vergessen, ich finde piscis natare 
oportet, die Fische wollen schwimmen d. h. ihr Genufs macht 
Durst (Petr. 39), piscis nequam est, nisi recens, frische Fische, 
gute Fische (PI. Asin. 1 3, 26), addidistis garo gerrem (Arnob. V 44). 

Nicht jedermann ist so vermögend, dafs er täglich Fleisch 
essen kann, der gewöhnliche Mann mufs mit Gemüse vorlieb 
nehmen. Dafs letzteres aber für geringwertiger gilt, als das 
Fleisch, erhellt u. a. aus dem bei Petr. 39 erhaltenen Sprich- 
worte: strabones, qui holera speetant, lardum tollunt, die Schie- 



fasciae, du biBt nicht unseres Standes. Auch nota wird in diesem Sinne 
gern gebraucht (Sorte). Vgl. z. B. Petr. 83 et hac nota litteratorum. 
Senec. de benef. III 9 nou sunt ex hac vulgari nota. 

•) Vgl. auch Petr. 76 hoc fuifc peculiae meae fermentum, dies war 
die Quelle meines Reichtums. 

**) Anders Wortmann, compar. PL et Ter. 1888. p. 26. Die Red. 



350 A. Otto: 

lenden, d. h. die Neidischen*), Selbstsüchtigen sehen sich nach 
dem Gemüse, dem Geringeren, um und nehmen indessen den 
Speck, das Beste. — Dunkler ist ein anderes Sprichwort bei 
Catull 94, 1 Mentula moechatur; moechatur mentula; certe Hoc 
est, quod dicunt: ipsa ollera olla legit, der Topf wählt sich selbst 
das Gemüse d. h. also wohl: Sie passen zu einander wie der 
richtige Topf zum Gemüse, denn „gleich und gleich gesellt sich 
gern". Man vergleicht das griechische svqsv rj konag xo xifta 
(Titel einer Satire des Varro). 

Von Gemüsesorten finden wir im Sprichwort Kohl und 
Spargel genannt. Aufgewärmter Kohl ist uns noch heute ver- 
dächtig, die Alten hielten ihn für sehr gefahrlich. So spielt 
Juvenal 7, 154 mit den Worten Occidit miseros crambe repe- 
tita magistros nach dem Seh o Hasten auf das griechische Sprich- 
wort dlg xQccußrj ftavatog an. Bei Düringsf. a. a. 0. 1 S. 264 wird 
aus dem Italienischen angeführt: Cavolo riscaldato non fu mai 
buono, aufgewärmter Kohl war niemals gut. Eines der Lieblings- 
worte des Kaisers Augustus war nach dem Zeugnisse des Sueton 
(Octav. 87) celerius, quam asparagi coquuntur (ad exprimendam 
festinatae rei velocitatem). **) 

Der Form nach läfst sich damit vergleichen, was Pest p. 
274 M. überliefert: ravim antifqui dicebant pro raucitatej .... 
Caecilius in Hypobolimaeo: prius [ad rayim . . . .] ntam feceris, 
wo Ursinus suppliert: quam placentam feceris (vgl. Ribb. fr. 
com. p. 41). Doch ist die Ergänzung ungewifs, andere haben 
anderes vorgeschlagen. Sonst begegnet uns Gebäck nur noch 
in einer Redensart bei Cic. ad Att. V 20, 4 In eodem Amano 
coepit laureolum in mustaceo quaererc. Wenn jemand seinen 
Ruhm in einer solchen Kleinigkeit sucht, wie ein Honigkuchen 
ist, so mufs er hoffen, ihn auf eine sehr billige und bequeme 
Weise erlangen zu können. — Die Mahlzeiten pflegten bei den 
Römern mit Eiern zu beginnen und mit Obst zu enden. Horaz 
sagt deshalb sat. I 3, 6 si collibuisset, ab ovo Usque ad mala 
citaret ff. und ähnlich Cic. faniil. IX 20, 1 integram famem ad 
ovum affero, itaque usque ad assum vitulinum opera perducitur. 



*) Vgl- Lucil. bei Non. p. 27, 6 Nulli me invidere, non strabonem 
fieri saepius delictis me istorum. 

**) Plaut. Bacch. IV 5, 7 tarn frictum illum reddam quam friotum e#t 
cicer ist wohl nur ein Witz des Dichters. 



Essen und Trinken im Sprichwort. 351 

DaXs aber die Formel ab ovo allgemein sprichwörtlich gewesen wäre 
(= von Anfang an), läfst sich aus den beiden Stellen noch nicht 
erkennen, wohl aber beweist dies für spätere Zeit Atil. Fortunat. 
p. 278 qiiare necessario altius et ab ovo mihi, quod aiunt, re- 
petenda res est. Doch ist es noch wahrscheinlicher, dafs die 
Redensart entstand aus Hör. a. p. 147 Nee gemino bellum 
Troianum orditur ab ovo (seil. Ledae), nur dafs auch aus dieser 
Stelle kein Sprichwort (ab ovo Ledae) eruiert werden darf. 

An Früchten herrscht im Sprichwort kein Überflufs. Aufser 
dem Apfel*) sind vorhanden der Granatapfel (Plaut. Rud. 
580 cicenm non interduiui, ich gebe keinen Granatapfelgrops 
dafür!)**), die Feige (Petr. 44 habemus aedilem trium cau- 
nearum, der nicht mehr wert ist, als drei Feigen. Petr. 64 abistis 
dulces caricae, als Ausdruck des lebhaften Bedauerns über den 
Umschwung der Zeit), vorzugsweise aber Nüsse. Taube Nüsse 
sind wertlos: Plaut. Mil. glor. 316 Non ego tuain empseriin vitara 
vitiosa nuce. Vgl. Aristo ph. Pax 1223 ovx av itQiai\M\v oiä* ccv 
fo%adog (ii&s, um eine trockene Feige. Plaut Pseud. 371 Ted 
amatorem esse inventum inanem, quasi cassam nucem. Rud. 
1324 cassam glandem. Petr. 137 nuces inanes. Hör. sat. II 5, 35 
Eripiet oculos citius mihi, quam te Contemptum cassa nuce 
pauperet. Denn die Schale ohne den Kern taugt nichts: Plaut. 
Gapt. III 4, 122 Nucleum amisi, reliquit pignori putamina.***) 
Indes ist auch der Kern nicht immer ohne Mühe zu erlangen: 
„Wer kosten will die süfse Nufs, die harte Schal* erst knacken 
mufs" (Düringsf. a. 0. 1 Nr. 890): Plaut. Curcul. 55 e nuce nucleum 
Qui esse vult, frangit nucem (citiert von Macrob. sat. III 18, 13). 
Hieron. ep. 58, 9 Qui edere vult nucleum, frangat nucem. f) 
Die (sprichwörtliche) Härte einer Nufsschale schwebte dem Horaz 
vor, als er ep. II 1, 31 als Beispiel einer augenscheinlich ver- 



*) An einen faulen Apfel ist wohl zu denken Petr. 67 bellum poinum, 
qni irridcat alios, ein schönes Früchtel! Vgl. Athen. III 23 p. 82 B q>av- 
Xoteffoi cpctvloov pTjXcov. 

**) Vgl. Varro 1. 1. VII 91. 

***) Vgl. Plaut. Mercat. III 4, 5 Spem teueo, salntem amisi. 
f) Wenn Pflügl p. 27 erklärt: „Niemand thut etwas umsonst" (= qui 
frangit nucem, nucleum esse vult), so dreht er das Verhältnis der beiden 
Satzteile gradesu um. Vgl. auch den folgenden Vers (Jui vult cubare, 
pandit saltum saviis. 



352 A. Otto: 

kehrten Behauptung anführte Nil intra est oleam, nil extra est 
in nuce duri.*) 

Das unentbehrlichste Gewürz ist das Salz. Ein altes 
Sprichwort versichert, um einen Freund recht zu erkenmen, müsse 
man erst einen Scheffel Salz mit ihm gegessen haben (Düringsf. 
a. 0. II Nr. 276. 277J. Cic. de amicit. 19, 67 verumque illud est, 
quod dicitur, multos modios salis simul edendos esse, ut ami- 
citiae munus expletum sit. Aristot. Ethic. Nicom. VII 2, 46 ov 
yaQ iötiv avav netQccg ovde(uag yptyccg 6 qpßog, dio ctg xaQOt- 
\klav iArjkv&ev 6 (lidipvog räv akäv. Apost. II 28.*) Von Geiz- 
hälsen heifst es bei Plaut. Pers. 267 qui salinum servo obsignant 
cum sale, was anscheinend mehr ist als ein blofser Witz des 
Dichters. — Neben dem Salze ist das gebräuchlichste Gewürz 
der Pfeffer. Eine Variante ähnlicher Wendungen ist Petr. 44 
piper, non homo, von einem scharfen, bissigen Menschen. Nicht 
eigentlich hierher gehört Plaut. Trin. 410 confit Cito, quam si 
tu obicias formicis papaverem. — Unserer Redensart: Er hat in 
den Essigtopf gesehen d. h. er ist mürrisch und niederge- 
schlagen, entspricht Plaut. Trucul. 315 Si ecastor hie homo 
sinapi victitet, non censeam Tarn esse tristem posse. VgL 
Aristoph. Equ. 631 xaßkstye vänv xal tä pixari iveönaösv. 

Hier sei auch des Gebrauches der Nieswurz gegen Wahnsinn 
gedacht: Plaut. Pseud. 1185 elleborum hisce hominibus opus 
est, sie sind reif für das Tollhaus. Men. 950. Vgl. Iren. adv. 
haeres. II 30, 1 quibus universae terrae elleborum non sufficit 
ad expurgationem (s. Archiv. III S. 380). Mit Catull 99, 14 
tristius elleboro vergleicht man Anthol. Pal. V 29, 2 itixQorsQOv 
ekkeßoQov. Einem trägen und schläfrigen Menschen rief man zu: 
Ifs Kresse: Plin. n. h. XIX 8, 44 (155) Nasturtium nomen ac- 



*) Nüsse als Kinderspielzeug bei Pers. I 10 nueibus faeimus quaecum- 
que relictis, seitdem wir die Kinderschuhe ausgetreten. 

**) Für nicht sprichwörtlich halte ich (mit Pflügl) Plaut Pers. 480 
numquam delinget salem und Cnrcul. 662 hie hodie aput me numquam 
delinges salem (anders Hom. XVII 455 ovd r alcc doirjg). Ebensowenig 
auch Plaut. Rud. 937 rez cum aceto pransurus est et sale. Auch der Ge- 
brauch von sal (sale8) für „Witz" ist zu gewöhnlich, um noch als sprich- 
wörtlich empfunden zu werden. Höchstens hat sprichwörtlichen Ton Catull 
86, 4 nulla in tarn magno est corpore mica salis und Mart. VII 35, 8 nulla- 
que mica salis. Das griechische alfiri ofa ivsax' ovreo ■ hat eine abwei- 
chende Bedeutung. 



Essen und Trinken im Sprichwort. 353 

cepit a narium tormento, et inde vigoris significatio proverbio 
id vocabulum usurpavit veluti torporem excitantis. 

Was den Essig anlangt, so wird als sprichwörtlich bezeichnet 
Plant. Pseud. 739 Ecquid autem habet aceti in pectore? und 
Bacch. 405 Nunc experiar, sitne aceto tibi cor acre in pectore. 
Doch übersetzt man gewöhnlich falsch: „ob du Witz im Leibe 
hast"; vielmehr hat acetum an beiden Stellen die übertragene 
Bedeutung von Schärfe, Bitterkeit, Galle. Auch bei Hör. sat. I 
7, 33 At Graecus postquam est Italo perfusus aceto ist es scharfer, 
beifsender Spott. 

Der Schärfe des Essigs kann man gegenüberstellen die 
Süfsigkeit des Honigs, der bei den Alten die Stelle unseres 
Zuckers vertritt: Plaut. Asin. III 3, 24 melle dulcior dulci (Curcul. 
I 1, 11 melculo dulci roeo). Auct. ad Herenn. IV 33, 44 Cuius ore 
.... sermo melle dulcior profluebat. Cic. Cato mai. 10, 31 melle 
dulcior nach Hom. II. I 249 ft&trog ylvxtmv. Ov. trist. V 4, 29 
dulcior ille Melle. Senec. ep. IV 11, 3 levis et melle dulcior. 
Auson. ep. 21 praef. o melle dulcior. Sidon. Apoll, ep. 9, 11 
conviciis tuis . . . mella vincentibus. Hieron. adv. Lucif. 7 p. 179 
Vall. quae melle et favo dulciora sunt. ep. 30, 13. 128, 1. Ennod. 
p. 69, 14 Vog. Vgl. Plaut. Cas. II 8, 21 mel mi videor lingere, 
das ist mir Zuckerlecke. 

Das grade Gegenteil vom süfsen Honig ist die bittere Galle: 
Plaut. Trucul. I 2, 76 In melle sunt linguae sitae nostrae atque 
orationes Lacteque: corda feile sunt lita atque acerbo aceto. 
Hieron. ep. 128, 2 mel destillare labia, quod postea feile amarius 
iuvenitur, Honig im Munde und Galle im Herzen (Düringsf. a. 0. 
I No. 745). Im menschlichen Leben ist nur allzu häufig Honig 
und Galle, Angenehmes und Betrübendes, Glück und Unglück 
vereinigt: Apul. flor. IV 18 Sed verum verbum est profecto, qui 
aiunt: Nihil quicquam homini tarn prosperum divinitus datum, 
quin ei tarnen admixtum sit aliquid difficultatis, ut etiam in am- 
plissima quaque laetitia subsit quaepiam vel parva querimonia, 
cognatione quadam mellis et fellis. „Keine Freude ohne Leid" 
Düringsf. a. a. 0. I No. 886. „Es giebt keinen Honig ohne Galle", 
Düringsf. a. a. 0. I No. 888. Ebenso Pctr. 56 Ubicumque dulce 
est, ibi et acidum invenies, jede Biene hat ihren Stachel. — Wer 
allzuviel Süfsigkeiten zu sich genommen hat, dem schmeckt selbst 
der Honig bitter: Apul. Metam. II 10 Cave ne niniia mellis dul- 
cedine bilis amaritudinem contrahas. Vgl. Anthol. Pal. XVI 16 



354 A. Otto: 

II äv ro TteQLtrov aTteiQov, iitel koyoq iözl xakaibg, wg ocal to 
[idfatog to itkiov iotl %oky. Von der Liebe sagte man, sie berge 
ebensoviel Galle in sich, als Honig: Plaut. Cistell. II 1, 71 namque 
amor et melle et feile est fecundissimus.*) Pseud. 63 Dulce 
amarumque una nunc misces mihi. Mart. XII 34, 3 Quarum 
dulcia mixta sunt amaris. Apul. Metam. II 10 dulce et,amarum 
gustulum carpis. — Plato Phileb. 46 c ro dh foyopsvov xizq$ 
ykvnv iieniytdvov. Plaut. Trucul. II 3, 25 postquam scio, dulce 
et amarum quid sit ex pecunia. Ähnlich Juven. VI 181 plus 
aloes, quam mellis habet. Plaut. Pseud. 694 dulcia atque amara 
apud te sum elocutus omnia. Dirae 98 Dulcia amara prius fiant 
et mollia dura. — Mit süfsem Honig verdeckte man den Ge- 
schmack bitterer Dosen oder gefahrlicher Gifte, ebenso wie man 
bittere Wahrheiten oder versteckte Angriffe durch Artigkeiten 
und Schmeicheleien vcrsüfst. Daraus erklärt sich die Redensart 
litum melle gladium bei Hieron. ep. 105, 2 nee, ut vnlgi de 
quibusdam proverbium est, litum melle gladium. ep. 116, 2 ne 
litum melle gladium stringere videamur. Deshalb thut Vorsicht 
not, denn Impia sub dulei melle venena latent Ov. am. I 8, 104 
Vgl. Hieron. ep. 15, 4 sed mihi credite, venenum sub melle latet 
u. Düringsf. a. 0. II No. 315.**) 

Lange nicht so zahlreich dem Umfange nach wie im Deutschen 
sind im Lateinischen die Redensarten und Sprichworter, in denen 
vom Trinken die Rede ist. Eine griechische Trinkregel über- 
liefert Cic. Tuscul. V 41, 118 Mihi quidem in vita servanda vi- 
detur illa lex, quae in Graecorum ***) conviviis obtinet: aut bibat, 
inquit, aut abeat, sauf oder lauf. Ein lateinisches Wortspiel lau- 
tete: septem convivium, novem vero convicium: Iul. Capitol. 
Verus 5 cum sit notissimum dictum de numero convivarum: 
Septem convivium, novem vero convitium. Auson. IV 5, 6 Sex 
enim convivium, si super convitium est. ,,Sieben Gäste ein Mahl, 
neun eine Qual" (Körte, die Sprichw. der Deutschen No. 2195). 
[Varro sat. Men. bei Gell. 13, 11, 2 convivarum numerum in- 



*) Ober die Verbindung vgl. noch Archiv I 8. 885, wo noch ange- 
führt wird Plaut. Poen. 182(387) u. fr. Murat. V 67. 

**) AI« aus dem Tierleben entnommen wäre hier noch nachzutragen 
Petr. 43 crescit, quidquid crevit, tarn quam favus, wie eine Honigwabe, 
Petr. 76 quidquid tangebam, crescebat tamquam favus. — Petr. 39 Omnia 
bona in se habet, tamquam favus. 



Essen und Trinken im Sprichwort. 355 

cipere oportere a Gratiarum numero et progredi ad Musarum, 
id est proficisci a tribus et consistere in noveni. Die Red.] — 
Wenn zwei dasselbe Ungemach erdulden, so trinken sie gewisser- 
mausen aus demselben Becher: Plaut. Cas. V 2, 44 Ut senex hoc 
eodem poculo, quo ego bibi, biberet — Ein warmer Trunk 
(wir würden sagen: ein Schnaps) ist manchmal ebensoviel wert, 
als ein dicker Rock: Petr. 41 calda potio vestiarius est. — 
Schwer ist es zugleich zu blasen und zu schlucken d. h. zwei un- 
gleiche Dinge auf einmal zu thun: Plaut. Most 791 Simul flare 
eorbereque haud facile. Vgl. Düringsf. II No. 742. — Bisher un- 
erklärt ist m. £. Petr. 67 nunc hoc est caldum meiere et frigidum 
potare. Habinnas beklagt sich a. d. St. über die Frauen, die 
durch ihre Putzsucht dem Manne überniäfsige Kosten machen. 
Der Sinn, welchen man gewöhnlich aus den Worten herausliest: 
Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen, ist nur künstlich 
hineingetragen. Man dachte an die Walker, welche viel trinken, 
nm mit dem Urin die Kleider zu reinigen! Der Mitarbeiter über- 
setzt: Es geht nicht anders, läfst sich nicht anders machen, d. h. 
also wohl: Das ist nun einmal so der Gang der Welt. Ich inufs 
die Entscheidung anderen überlassen. 

Das Lieblingsgetrank aller Zecher ist und war im Altertum 
in noch höherem Mafse als heutzutage der Wein. (Über das 
Wasser s. Archiv IV 29 f.) Der Wein ist der eigentliche Sorgen- 
brecher (Ov. a. a. II 238 Cura fugit retro diluiturque mero. 
Prop. III 17, 4 Curarumque tuo fit medicina mero u. s.w.), er giebt 
Mut und Kraft (Hör. carm. III 21, 17 Tu spem reducis mentibus 
anxiis Viresque. ep. I 5, 17 Spes iubet esse ratas, ad proelia 
trudit inertes. Ov. a. a. I 237 Vina parant animos. Metam. XII 
242 Vina dabant animos. Vgl. Hom. II. VI 2G1 avdqX dl xsxfiriciri 
fidvog \kiyu olvog ai£,si) } er macht beredt (Hör. ep. I 5, 19 
Fecundi calices, quem non fecere disertum?) und lockt die 
geheimsten Gedanken aus der Menschenbrust, denn „im Wein 
ist Wahrheit" (Düringsf. a. 0. II No. 486), wie schon die 
Griechen sagten: iv o/V« akffteia (Zenob. IV 5) und olvog 
xal akföeut (Diogen. V II 28). Plin. n. h. XIV 22, 141 
vulgoque veritas iam attributa vino est. Hör. carm. III 21, 15 
et arcanum iocoso Consilium retegis Lyaeo. epod. 11, 13 deus 
Fervidiore mero arcana proinovet loco. sat. I 4, 89 verax aperit 
praecordia Liber. ep. I 15, 16 operta recludit (Vgl. a. p. 435 ff.). 
Beim Übermafse des Weines geht aber nicht blofs die Vorsicht, 



356 A. Otto: 

sondern häufig auch Verstand und Witz verloren, „ist der Trank 
im Manne, so ist der Verstand in der Kanne" (Dflringsf. II No. 
484): Plin. n. h. XXII I 1, 41 sie quoque in proverbium cessit, 
sapientiam vino obumbrari. Petr. 5 Nee perditis addictus obruat 
vino Mentis calorem. Schon im Altertume scheinen deshalb drei 
Dinge für besonders gefahrlich gegolten zu haben, der Wein, das 
Weib und die Nacht: Plaut. Bacch. 88 Quia istoc illecebrosius 
Fieri nil potest, nox mulier vinum homini adulescentulo. Ter. 
Ad. 487 Persuasit nox amor vinum adulescentia. Vgl. Düringst 
I No. 862. Erasmus führt ein griechisches Sprichwort an: xvq 
xal bakaCCa xal yvvr\ xaxä tQta. — Vorzugsweise sind die alten 
Frauen wegen ihrer Neigung zum Trünke übel beleumundet. Von 
einer solchen Trinkerin, die immer wieder zum Weinkruge greift, 
stammt die Redensart ad armillum redire, zu seiner alten Ge- 
wohnheit zurückkehren: Lucil. bei Non. p. 74, 13 licet anus rur- 
sum ad armillum (Lucil. lib. XXVIII 30 M.). Apul. Metam. IV 22 
Interea Cupido armore nimio peresus ... ad armillum redii 
IX 29 at illa ... ad armillum revertitur et ad familiäres femi- 
narum artes accenditur. 

Die Hefe, der trübe Niederschlag des Weins, kehrt vielfach 
in metaphorischen Wendungen wieder; sprichwortlich gefärbt er- 
scheint nur etwa Cic. Brut. 69, 244 Tu quidem de faece, inquit, 
hauris und die Verbindung faece tenus und cum faece bei Hör. 
carm. III 15, 16 nee poti .... faece tenus cadi, bis auf die 
Neige, carm. I 35, 26 diffugiunt cadis Cum faece siccatis amici.*) 
Die letztere Stelle erinnert zugleich an das griechische Sprich- 
wort Ist xvtqcL) £«f cpikCa Zenob. IV 12. Aposi VIH 31. „Freund- 
schaft, die der Wein gemacht, währt, wie der Wein, nur eine 
Nacht" (Düring8f. I No. 511). — Auf die Behandlung des Wein» 
geht ein Ausspruch bei Plin. n. h. XVIII 31, 319 ab eo die 
oraculum oecurrit frigidum picari pro nihilo ducentium, kalten 
Wein verpichen sei so gut, wie nichts thun. — Die Worte dea 
jüngeren Plinius ep. VIII 21, 6 Non dubito cupere te . . . . qua; 
maturissime legere hunc adhuc musteum librum wiederholt al 
sprichwörtlich Apoll. Sidon. ep. 8, 3 et, ut aiunt, tamquam musteuc 
librum. Zur Erklärung dient bes. Cic Brut. 83, 288 novai 
quasi de musto ac lacu fervidam orationem. 



*) Vgl. cvvsxnoriov aoi xal zy[v tQvya Apost. XV66. Append.prov.il- 
Aristoph. Plut. 1086. 



Essen und Trinken im Sprichwort 357 

Es bleibt noch die Milch übrig, welche jedoch im Sprich- 
wort nicht sowohl in ihrer Eigenschaft als Getränk, sondern mit 
Rücksicht auf ihre weifse Farbe herangezogen wird. Des Ver- 
gleiches „weifs wie Milch" bedienen sich die Dichter zur Be- 
zeichnung der weiblichen Schönheit. Ov. epist. 15(16), 248 Pectora 
vel puris nivibus vel lacte .... candidiora. a. a. I 292 una fuit 
labes, cetera lactis erant. ex Ponto II 5, 38 tua pectora lacte Et 
non calcata candidiora nive. — Eine Modifikation für non aqua 
aquae similior ist Plaut Men. 1089 neque lacte lactis . . . . us- 
quam similiust. Bacch. 19 Sicut lacte lacti similist. Mil. glor. 
240 Tarn similem, quam lacte lacti est Amphitr. II 1, 54 Neque 
lac lacti magis est simile. — Ein Irrtum, den wir schon mit 
der Muttermilch eingesogen haben, läfst sich nur sehr schwer 
beseitigen: Gic. Tusc. III 1, 2 ut paene cum lacte nutricis er- 
rorem suxisse videaniur. Vgl. Quintil. I 1, 21 a lacte cunisque. 
— Der festen Speise wird die Muttermilch entgegengestellt bei 
Hieron. ep. 96, 1 lacte infantiae derelicto solidioris cibi ali- 
menta suscipiant. ep. 96, 14 lac infantiae deserentes solidiora 
capiamus alimenta. 

Oppeln. A. Otto. 



Instar. 

Die im Arch. II 597 gegebene Deutung, dafs instar ein substan- 
tivierter Infinitiv = instare und ursprünglich von dem Gleichstehen 
der Wagschalen gebraucht sei, hat mittlerweile mehrfache Bestätigungen 
erhalten. Zunächst schreibt Dr. phil. Becher in Ilfeld, man sage in 
Hannover, wenn beim Kegelspiele beide Partieen gleich viele Kegel 
geschoben haben, es sei „Einstand* 1 . Dann aber macht mich Prof. 
Max Bonnet in Montpellier auf die übersehene Stelle bei Cic. offic. 
3, 3, 11 aufmerksam: ut omnia ex altera parte collocata vix mi- 
nimi momenti instar habeant. Da der Ausdruck momentum = 
fflovimentum selbst von der Wage hergenommen ist, so pafst derselbe 
sehr gut zu instar, und zugleich bestätigt die 8 teile, dafe die ältesten 
Verbindungen instar esse, habere, obtinere waren, wodurch der Abfall 
des End vokales der Infinitivform erklärt wird. Man vgl. biber bei 
Charisius Gr. lat 124, 1; haber im Corp. inscr. VIII 8369 u. s. w. 

München. Ed. Wölfflin. 



Uls, trans und ultra. 

(Schlufs.) 

III. Eigentlicher Gebrauch von trans nebst Übergreifen 

von ultra. 

Trans 'überschreitend', ein Meer, einen Flufs (Bach n. s. w.), 
Berg (auch tr. triam stimmt noch zur ursprünglichen Bedeutung), 
läfst Variationen dieser Grundbegriffe (tr. paludem, stagnum, vollem 
u. a.) nur ungern zu. Tr. ripatn 'auf das andere (dem andern) 
IL' ist Zusammenziehung aus tr. flumen m altera(m) ripa(m) und 
erklärt sich aus dem Nachdruck, der bei tr. auf das zu erreichende 
Ziel gelegt wird. Indem sich so tr. regelmäfsig mit Gegenstanden 
verband, die dem Beschauer recht augenfällig zwei Seiten dar- 
bieten, konnten sich Redensarten entwickeln wie tr. parietem (schon 
bei Plaut.) 'auf die andere (der andern Seite) der W., hinter der 
W.', tr. maceriam, siparium u. a. 

Der eben skizzierte normale Gebrauch von tr. ist demnach 
ein sehr beschränkter und kommt über die lokale Bedeutung nicht 
hinaus. Frühzeitig setzte sich tr. in bestimmten Formeln (tr. mare, 
flumen, Tiberim, Alpes u. s. w.) fest, die nur ungern modifiziert 
oder erweitert wurden. So häufig tr. flumen ist, so selten ist tr. 
id flumen Caes. b. gall. 2, 16, 2 und flumen tr. quod finde ich 
nirgends. Nur die Dichter wagen eine Erweiterung durch zu- 
gesetzte Adjektive : tr. maria alta Lucr., tr. flumina lata Verg. u. *. 

Ausdrücke wie tr. Alpes, fflwdanum, Rlienum u. a. sind in. 
der römischen Zeit regelmäfsig vom Standpunkt in Rom zu ver- 
stehen. Ausnahmen sind selten, wie z. B. Liv. 21, 26, 6 citeriow 
und ulterior und daher auch tr. BJwdanum vom Standpunkt d^* 
Hannibal aus gesagt ist. Da wo die Bedeutung von tr. an sid 
nicht klar ist, treten nähere Bestimmungen hinzu: Vitr. 2, 6, *> 
p. 43, 25 tr. Appenninum quae pars est ad Hadriaticum mare (i& *• 
Liv. 5, 33, 9 eis App. ad inferum mare), Mel. 3, 6 Lusitania 
Anam, qua tnare Atlanticum spectat. 



Ph. Thielmann: Uls, trans und ultra. 369 

Interessant ist die Beobachtung, wie sich ultra allmählich 
in das Gebiet von tr. eingedrängt hat. Beide Präp. hatten von 
vornherein manche Berührungspunkte (uls!), aber die Kraft zum 
offensiven Vorgehen war doch bei beiden nicht gleich , sondern 
tc. befand sieh entschieden im Vorteil. Es besafs gegenüber dem 
scharf umgrenzten Gebrauche von tr. viel mehr Entwicklungs- 
fähigkeit, konnte also eintreten, wenn eine der mit tr. gebildeten 
Phrasen modificiert wurde: Cic. prov. cons. 34 nihil est u. illam 
altitudinem montiutn (ältestes Beispiel des Übergreifens!), hier zu- 
gleich im negativen Satz, den u. ebenso liebte wie ihn tr. mied. 
Weiter konnte u. gar oft mit den Begriffen *Meer, Flufs, Berg* 
verbunden werden, ohne die Grenzen seines Gebietes zu über- 
schreiten: Sen. dial. 10, 4, 5 u. Rhenum et Euphraten et Danuvium 
terminos movet, Tac. Germ. 29 protulit . . u. Rhenum ultraque ve- 
teres terminos imperii reverentiam u. o. Wie leicht liefsen sich 
Flüsse und Berge, insbesondere aber Meere als Grenze auffassen! 
So steht also u. fretum schon bei Cic. Att. 16, 4, 4, noch vor 
trans fr., u. Oceanum bei Sen. suas. 1, 1. 1, 3, gleichzeitig mit 
trans O. Der Ocean ist auch gemeint mit u. magnum mare Sen. 
n. q. 5, 18, 10, aber das einfache u. mare wagt doch erst Ter- 
tullian. U. Tiberim hat zuerst Properz 5, 10, 25 im negativen 
Satz, m. Hiberum Livius (gleichzeitig mit trans //.), u. Rlicnum, 
wenn man von Sen. dial. 10, 4, 5 absieht, Lucan 7, 433. Curtius, 
der trans absichtlich meidet, wagt zuerst u. flumen (denn b. Hisp. 
16, 2 gehört kaum hierher; vgl. S. 257), u. amnem, Euphraten, 
lanam u. a. Mit u. Taurum Liv. 38, 39, 17 treten (nach Cic. 
prov. cons. 34) die Gebirge in den Reigen ein, u. montem Mel., 
n. Alpes Plin. Im ganzen läfst sich von Jahrh. zu Jahrh. ein 
fortschreitendes Übergreifen von n. konstatieren. Allerdings sind 
zu einzelnen besonders festen Verbindungen mit trans nie oder 
nur selten entsprechende Wendungen mit u. gewagt worden, wie 
sich denn u. Anienetn, u. Appenninum nirgends, u. Padum nur ein- 
mal im 7. Jahrh. findet. Bei erst spät auftauchenden Verbin- 
dungen, wie z. B. u. Ligerem, dominiert u. begreiflicher Weise. 
Das Nähere zeigt die folgende Übersicht, von der übrigens das 
Vereinzelte meist ausgeschlossen ist. 

1. Meer. 1) Tr. mare ist wie die älteste so die am häufig- 
st*n auftretende Verbindung: PL merc. 354. CIL I 198, 17. 23 
(a. 631—32). Cic inv. 1, 45. Brut, et Cass. ep. 11, 3, 2. Varr. r. r. 
1 i 41, 5. 3, 5, 7 (bis; . . . Einh. ann. 817 (EndeJ. Erm. Nigell. poet. 



360 Ph. Thielmann: 

Car. n 41, 12. Vit. Liudg. 2, 3. Lex Rom. Utin. 291, 30 u. o. (im 
ganzen über 80 Stellen). Der Italiker meinte damit von Anfang 
an das Meer gegen Osten: Vitr. 2, 6, 5 p. 43, 27 Achaiä Asiä, 
omnino tr. m. } Flor. 1, 18, 25 in Graeciam suam tr. *».; das be- 
weisen auch die Specialisierungen des allgemeinen Begriffes: mit 
Hör. ep. 1, 11, 27 tr. mare vgl. V. 16 tr. Aegaeum mare, mit Sen. 
dial. 7, 17, 2 cur tr. m. possides? vgl. id. ep. 89, 20 nisi tr. Ha- 
driam et Ionium Aegaeumque vester vilicus regnat; vgl. noch Hör. 
carm. 4, 5, 10 (htrpathii (des ägäischen) tr. maris aequora. So 
bildet tr. m. den Gegensatz zu in Italia: Ulp. dig. 26, 10, 3, 9; 
vgl. Varr. r. r. 3, 5, 7 in Italiam tr. mare und weiter unten ex 
Italia tr. mare. 

Stehende Verbindungen sind c tibers M. verkaufen 9 (PI. merc 
354. Hör. ep. 1, 11, 16. Lex Rom. Visig. nov. Val. t 11 ep. Mo- 
nachi [bis]. Lex Rom. Utin. 291, 30), 'übers M. schicken' (Brut. 
et Ca8s. ep. 11, 3, 2. Varr. r. r. 1, 41, 5. Aug. ep. 242, 1) und be- 
sonders tr. mare proficisci: Pompon. dig. 7, 4, 22. Fronto p. 135, 1 N. 
CIL VHI 2557, 31 (a. 209—212 n. Chr.). Aug. ep. 21, 5. in Ioann. . 
ev. 13, 3, 11. Dion. Exig. can. Garth. 23 Bd. 67 M. Bei den Juristen 
spielt tr. m. esse (CIL I 198,17.23. ib. VI 10234; vgl. cod. Justin. 
6, 25, 4, 1 tr. m. et longe te agentem = ovxa), tr. w. abesse (Ulp. 
dig. 4, 4, 11, 2. 26, 10, 3, 9. 37, 10, 3, 12. 50, 16, 199 pr.), tr. m. 
domicüium Iiabere (Iavol. dig. 5, 1, 34) u. ä. eine nicht unbedeu- 
tende Rolle.*) 

Transmarinus (a. S. 251): PI. most. 2, 2, 66 hospes, Cic. Verr. 
5, 45 res u. o., auch bei Personennamen: CIL VHI 8638 Grisa- 
cius trasmarinuSy ib. 8639. 8642. 8648. 

Ultra mare: Sen. n. q. 5, 18, 10 (w. magnum mare <L i 
Oceanum), deut. 30, 13 bei Tert. Marc. 4/35. Leo M. 500 8 M. 
Nenn. 43. Bonif. ep. 70. Lex Rom. Utin. 43, 15. 293, 7. Scr. Lang. 
596, 35. Myth. Vat. 3, 15, 12, de u. mare Pard. 247 a. 629; vgL 
u. quod (mare) schol. luv. 14, 280, u. maris undas Max. Taur. 
Bd. 57, 630 m ; — u. Ionium mare (expulit) Heges. 1, 22, 15. 

*) In den Keichenauer Glossen 15S (Förster-Ko schwitz altfr. Übungs- 
buch col. 38) steht: mirice («= (ivqUti) arborem latine tramaritius dtfto* 
(Förster tamaricius). Kann tramaricius nicht eine auf Volksetymologie be- 
ruhende Vulgärform sein, gebildet von tramare (bo steht CIL VIII 2567, 81; 
ygl. unten S. 886) — trans mare? Die Tamariske (hebr. *ho£ Palme) M 
sicher 'übers Meer' nach Italien gekommen. Darf dann weiter Tramarido 
Itin. Anton. 65, 2 Wess. (in Afrika) als f Tamariskenstadt ' gedeutet werden? 
Auch "inft tritt als Ortsname auf: Ezech. 47, 19. 48, 28. 



Si 

J 



Uls, trän 8 und ultra. 361 

2) Tr. maria erscheint erst nach der singularischon Wen- 
dung, da die Unterscheidung der verschiedenen Meere eine ge- 
wisse Reflexion voraussetzt: Lucr. 5, 914. Sali. hist. 2, 23, 4. Ken. 
dial. 11, 7, 7. ep. 82, 4 . . . Gild. 17 his (— Baed. h. eccl. 1, 12 
p. 20, 1. 2. Free. 2, 5, 13). Paul. poet. Car. I 50, XII 10, 1. Eitih. 
vit, Car. 27 u. ö. (etwa 25 St.j. Die Bedeutung beider Phrasen 
ist die gleiche (vgl. Vitr. 2, 6, 5 p. 43, 25 ff. fossicia liarenaria 
. . tr. mare ne nominantur quidem mit Plin. n. h. 36, 175 invenitur 
fossicia [harena] nee tr. maria), wie sich auch hier der Gegen- 
satz zu in Itcdia findet: Plin. n. h. 21, 64. 68. Abgesehen vom 
jüngeren Seneca und Einhard, die beide Redensarten neben ein- 
ander gebrauchen, verwenden die Schriftsteller nur eine von 
beiden, so z. B. der ältere Plinius nur tr. maria (13, 123. 10, T>8. 
163. 21, 64. 68. 35, 199. 36, 175). Fronto schreibt tr. tnare 135, 1, 
aber M. Aurelius tr. maria 16, 8. 

U. maria: Querol. 22, 20 (u. m. et terras), Isid. or. 12, 7, 12 
« Rab. Maur. univ. 8, 6. 

3) Tr. Oceanum bezieht sich seltener auf den mythischen 
Strom, gewöhnlich auf den Indischen oder Atlantischen Ocean: 
Sen. suas. 1, 10. Hygin. 151 p. 25, 13. Sen. ep. 91, 17. CIL VI 
920(?) Hilar. ps. 138, 20 p. 803 M. Anth. lat. 483, 7. Gild. 12. 15. 
Baed. h. eccl. 1, 8 p. 16, 9. 3, 13 p. 123, 22. Isid. or. 14, 5, 17 
= Rab. Maur. univ. 12, 4; vgl. Commod. apol. 134 tr. Oceani 
finem. Häufig ist die Beziehung auf Britannien, daher geradezu 
Verbindungen wie Plin. n. h. 15, 102 tr. 0. in Jfritanniam, Ven. 
Port app. 2, 32 tr. 0. terra Britanna. 

Etwas häufiger ist u. Oceanum (H. 359): Sen. sua«. 1, 1.3. 
Imp. Claud. or. de iur hon. Call, dand. I 40. Sen. ep. 94, 63. Sen. 
poet. lat. min. IV 29, 3 fu. .>> d. i. (Mxannmj. Inc. trag. Octav. 27. 
Sil. 13, 554. Quint. 3. 8 ? 16. 7. 2, 5. luven. 2, 1 f. Iren. 2, 2*. 2. 
Pan. ine. 20 p. 147. 12. Xazar. pan. 17 p. 226, 21. Hilariu*, Ser- 
vius, Hegesipp, Isidor, Aethicus; vgl. AIcuin. poet. Car. I 171, Hb 
Oceani . . u. fluetus. 

4) Tr. fritum Plin. n. h. 4, *7 tritt hu Bibellatein gera/i^zu 
für tr. mare ein: W. Mann. *, \h 2*. \ 4, 22. 16. 5. Marc. 5. 21 
6.45. S. 13 ul o.: vti;. tr. fretarn itfira \'u £ . Marc. 5. 1: CaiJt. 
loh. 6, 17: Mal Mon. Matth. h. '2* { tr. jr. rührt vt/iri* lli+r<ju.) 
and tr. fretum fi\tm<t**>. hi-t. rx-i^;. 19. 34. Eb*rj*o \*\ fr. ]r"Ut = 
tr. maria: Ov. fcUr. Iv. 14v "J*r.. apoj. '.*. \.\hu* Z. 2'.j\. XniL. 

Arcfair ffcj i*t Lw *-'4'' - :i ' i: * * Zi 



362 Ph. Thielmann: 

lat. 940, 4. Isid. or. 14, 4, 29 — Rab. Maur. univ. 12, 4. Erm. 
Nig. poet Car. II 41, 4. — Transfretanus Tert. apol. 25. 

U. fr et um: Cic. Att 16, 4, 4. Solin. 24, 1 (u. interiacens fre- 
tutn), Chalcid. LXII p. 129. 

Zu tr. mare haben nun die Dichter eine Reihe von Varia- 
tionen geschaffen. Mehr Anklang als Ovids tr. undas trist 4, 
9, 23 fand Vergils tr. aequora Aen. 3, 403 (der gleiche Vers- 
schlufs tr. aequora classes bei Sil. 1, 30); die Beispiele 8. oben 
S. 254. Von dichterischen Erweiterungen nenne ich tr. aequora 
ponti Alcuin. poet. Gar. I 171, 62. 180, 456; pelagi tr. aequora 
id. ib. I 220, IV 1, besonders Carpathii tr. tnaris aequora Hör. 
carm. 4, 5, 10 und maris tr. aequora vasta profutuü Wal. Strab. 
poet. Car. II 306, 71. Seltener ist der Sing. tr. aequor: Sil. 10, 
419 (418). Alcuin. poet. Car. I 192, 1033 (tr. aequor eoum). 

Auch tr. pontutn geht auf Vergil zurück: Aen. 6, 312. 
Sen. Med. 231. Thyest. 43. Stai Th. 5, 11. Aldh. XII 2185 p. 195 
(Giles), während tr. pelagus erst bei christlichen Dichtern sich 
findet: Iuvenc. 1, 414. Claudian. 24, 286. Apoll. Sidon. carm. 1, 
120 p. 482 B. 

U. Pontum schol. luv. 2, 1; vgl. Sen. apoc. 12 u. noti lüora 
ponti. 

Auf einzelne Dichter beschränkt sind: tr. Nerea Stat. silv. 
2, 2, 74 f; tr. alta id. Th. 5, 486. 6, 19; tr. renwtas Tethyos am- 
bages Claudian. 1, 34 f.; tr. caerula Aldh. IX, VI 13 p. 123 (bei 
Aldhelm auch in Prosa: IV p. 92 caerula ponti tr. glauci). 

Von den im ganzen nicht häufigen speciellen Verbindungen 
(tr. Aegacum mare) sind die wichtigsten bereits erwähnt; mit 
Tac. Agr. 25 tr. Bodotriam (Bucht an der Ostküste Britanniens) 
vgl. u. Caspium sinum Mel. 3, 44, u. hunc sinum id. 3, 94. 

2. Flufs. a) Allgemeine Verbindungen: 1) Tr. flumen 
war gegenüber tr. fluvium und tr. amnem die eigentlich volks- 
tümliche Redensart: Cic. inv. 2, 97. Caes. b. gall. 2, 16, 2. 4,4,3. 
Alfen. dig. 41, 1, 38. Liv. 22, 45, 2. 38, 4, 7. Procul. dig. 41, 1,56 
pr. § 1 u. o. (etwa 40 St.). — Transluminales = %SQaxad 
gloss. Labb. 

ü. flumen: Curt. 9, 2, 2. Plin. n. h. 11, 95. Amm. Marc 
28, 2, 1. Act. Patrocl. 8 (= lan. II 343 ff.). GLK suppl. CCXLIV; 
vgl. u. quod (flumen Salsum) Plin. n. h. 5, 10. 

Tr. flumina, zunächst dichterisch (Verg. geo. 3, 213. Auson. 
ep. 25 [417], 72 u. ö.), bürgert sich in der Prosa erst seit Hier- 



Uls, trans und ultra. 363 

onymus ein: Vu 3 . Ies. 18, 1 tr. fl. Aethiopiae (dafür u. flumina 
Aethiopiae Vu 3 . Sophon. 3, 10) ep. 98, 17. adv. Pelag. 2, 12, 754 u. ö. 

Auch 2) tr. fluvium steht fast nur hei Dichtern (Verg. 
Aen. 6, 415. Paul. Petr. 6, 88. Coripp. loh. 4, 141) und in der 
hohem Prosa: Li v. 24, 41, 5. 35, 3, 2. 3. 39, 30, 9 (10). Vu 3 . los. 
24, 2 u. o.; nur grom. 334, 14. 335, 4 machen eine Ausnahme 
(18 St). Der Plur. tr. fluvios steht nur Mart. Cap. 1, 16 p. 8, 15. 
— Transfluvialis Aug. quaest. in gen. 29 u. ö. 

U. fluvium: Vu 3 . 2 reg. 19, 31. Elig. Bd. 87, 588 d M. Vit. 
Melan. 34 bis (Ian. I 328 ff.). Erchemp. 42 p. 250, 37: vgl. u. quem 
(fluvium BiUim) Plin. n. h. 6, 5. 

Ein zu tr. flumen hinzutretender Flufsname steht regelmäfsig 
nach flumen, da der stereotype Präpositionalausdruck eine Ände- 
rung nicht zuläfst: Caes. b. civ. 3, 13, 6 tr. flumen Apsum, b. Hisp. 
7, 1. 14, 1. CIL ni 586. Amm. Marc. 29, 6, 2. Vu 3 . Iudith 1, 9. 
geogr. min. 121, 16 R. Wülib. vit. Bonif. app. 2; nur Liv. 38, 25, 7 
tr. Hcdyn flumen ist ausgenommen. Umgekehrt stellt sich bei 
tr. fluvium der Flufsname fast immer vor fluvium: Eutr. 2, 5 tr. 
Ammern fluvium, Ennod. p. 103, 9 V. Einh. ann. 796. 809. 813. 
815. 822. hist. misc. 7, 15; ausgenommen ist grom. 178, 5 tr. 
fluvium Lirem, Cass. h. tr. 1, 9 tr. fl. Istrum und anon. Rav. 
p. 188, 1 tr. fl. Danuvium. Wir beobachten auch, dafs sich tr. 
fluvium erst viel später als tr. flumen mit einem Flufsnamen ver- 
bindet. 

3) Tr. amnem ist noch weniger volkstümlich als tr. fluvium: 
Liv. 42, 60, 5. Mel. 1, 98. Sil. 4, 500. Ein hinzutretender Flufs- 
name steht vor amnem: Liv. 37, 56, 6 tr. Macandrum amnem, 
43, 22, 8. 45, 30, 3. 

U. amnem: Curt. 4, 9, 14. 9, 4, 20. Iul. Val. 3, 71. Greg. T. 
S. Iulian. 7 p. 667, 33. Aethic. 59 p. 38, 26. 

4) Tr. fluenta hat immer den Gen. eines Flufsnamens bei 
sich: tr. fl. Iordanis Vu 3 . los. 13, 8. iudic. 7, 25. Hier. ep. 78 
maus. 34 u. ö. bei Eccl. (einmal u. fluenta Iordanis Heges. 3,6, 7); 
tr. Hreni fluenta Astron. vit. Hlud. 35. 

Seltener sind: tr. flumicellum grom. 318, 14; tr. rivum 
Caes. b. gall. 5, 49, 5. grom. 331, 16 u. ö. (tr. rivos Nili Hier.); 
tr. torrentem Vu 1 . 1 Macc. 5, 39. Vu 2 . loh. 18, 1, denen sich noch 
die folgenden Ausdrücke anschliefsen mögen: tr. alveum grom. 
313, 7. 9 u. ö. (tr. fluvii alveum Gild. 11); tr. gurgites Ennod. 
p. 19, 33 V; tr. stagnum Sali. hist. ine. 17. Vu 2 . Luc. 8, 22. 



364 Ph. Thielmann: 

Nenn. 42; tr. palndem Hirt. b. gall. 8, 14, 4. Cass. bist. trip. 
8, 1. col. 110o°M. (tr. palndem Mareiae). Dazu vgl. u. fianc (pa- 
lndem) Serv. Aen. 6, 154, u. quam (pal.) schol. Lucan. 328, 21, 
u. paludes Afaeoticas Amm. Marc. 31, 2, 1 (Mart. C$p. 8, 876 
p. 326, 9. Iordan. Get. 30 p. 61, 15). 

Zur Erklärung von tr. ripam (als Paradigma 6LE I 237, 10. 
IV 365, 20. 390, 11. Suppl. 58, 18) vgl. S. 358: Cic. Mil. 74 Ov. 
met. 9, 114. Lucan. 2, 502. Suet. Tib. 19. groin. 17, 8. 399, 22. 

b) Specielle Verbindungen. Italien: 1) Tr. Tiberim, 
einer der ältesten Ausdrücke, aber erst bei Cicero vorkommend. 
An diesem einen Beispiel soll gezeigt werden, dafs die Durch- 
arbeitung des im folgenden angeführten Materials von mehr als 
einem Gesichtspunkt aus, namentlich auch für Historiker, von 
Interesse ist. Das Land jenseit der Tiber, ursprünglich außer- 
halb des römischen Gebietes gelegen, ist anfänglich Verbannungs- 
ort: Liv. 3, 13, 10. 8, 14, 5. 8, 20, 9. 26, 34, 7. 10; vgl. Gell. 20, 
1, 47 tr. T peregre venum ibant. In Trastevere waren seit Ende 
der Republik grofsartige Gärten (Cic. Att. 12, 19, 1), namentlich 
die horti Caesaris (Hör. sat. 1, 9, 18), weshalb tr. T. in horte 
stehende Verbindung ist: Cic. Att. 15, 15, 2. Plin. n. h. 37, 19. 
Plin. ep. 4, 2, 5. Dort sind ferner die Mucia prata (Liv. 2, 13, 5. 
Paul, ex Fest. 144, 16. Aur. Vict. vir. ill. 12, 6), die Quinctia prata 
(Liv. 3, 26, 8. Fest. 257, 3 = Paul. 256, 9-, vgl. Aur. Vict v. ilL 
17, 1), das sepulcrum Lutatiorum oder der tumulus Catuli (Oros. 
5, 21, 7. Schol. Lucan. 62, 3 nach Sali, hist.?), die naumachia 
Augusti (Tac. ann. 12, 56), das Bassin (lacus) des Philippus Arabe 
(Aur. Vict. Caes. 28, 1), in christlicher Zeit die Kirche S. Maria 
in Trastevere (Bd. 13, 453 M.). In Trastevere wurden die ludi 
piscatorii gefeiert (Fest. 213 a 1. 238 b 24); endlich brach hier — 
eine oft erwähnte Merkwürdigkeit — gegen Ende der Republik 
eine Ölquelle aus dem Boden hervor: Oros. 6, 18, 34 («= hist 
misc. 7, 6). Prosp. Aquit. Bd. 51, 548 d M. Rab. Maur. Bd.4,46^M. 
Mirab. Rom. 30 u. ö. Über Transtiberim als Subst, vgl. S. 252. — 
Transtiberinus: Cic. Att. 12, 23, 3 (de • transtiberinis sc. hortis) t 
Martial. 1, 41, 3 u. o. 

U. Tiberim: Prop. 5, 10, 25. luven. 14, 202 (hier auch in 
den Schol.), Gell. 12, 13, 8 (als Beispiel, was auf weitere Ver- 
breitung in der Volkssprache schliefsen läfst). 

2) Tr. Anienem steht oft in Bezug auf den mons sacer und 
die Secession: Cic. frgm. or. VI 24 p. 14 B. Liv. 2, 32, 2. Fest 



Uls, trans und ultra. 365 

318 b 21. Eutr. 2, 5, 1, aber auch sonst: Liv. 2, 16, 5. 4, 17, 11. 
Suet Tib. 1 ; vgl. auch tr. pontern Anienis Liv. 7, 9, 6. — U. Anie- 
nem fehlt. 

3) Tr. Padum steht erst bei Caes. b. gall. 5, 24, 4, ist aber, 
wie alle diese Redensarten, schon viel früher, vielleicht seit der 
ersten Überschreitung des Po durch die Romer (223 v. Chr.), in 
häufigeren Gebrauch gekommen. Die Stellen liefern zum Teil 
Material zu den Kämpfen mit den Galliern: Liv. 5, 33, 10. 42, 
22, 5. perioch. 20. Plin. n. h. 3, 130. 10, 135 (in Italiam tr. P.). 
Tac hist. 2, 39. 44. 3, 34. Fest. brev. 3, 2. Oros. 4, 13, 11 (= hist. 
misc. 3, 3). Marcellin. Bd. 51, 944 d M. Paul. Diac. h. L. 5, 7. 6, 1. 
Über Transpadum als Subst. vgl. S. 252. — Transpadanus: Cic. 
ep. 2, 17, 7 alarii, ib. 12, 5, 2 dientes u. ö. Nebenformen sind: 
transpadaneus Inschr. im Rhein. Mus. 30, 280 Z. 5 und traspadinus 
anon. Rav. 247, 12. 

U. Padum nur Troya cod. dipl. No. 333 (IV 2 p. 512; 7. Jahrh.). 

4) Tr. Rubiconem fehlt, u. Rubiconent (Grenzflufe!) steht 
schol. Lucan. 30, 13. 

Spanien. Nur 5) tr. Hiberum (Liv. 21, 5, 17. 19, 7. 61, 3. 
35, 1, 3) erscheint hier als durchgebildete Wendung, zu gleicher 
Zeit aber auch schon u. Hiberum: Liv. 21, 5, 3. 7, 2. Flor. 2, 17, 
7. 2, 17, 15. 

Gallien. 6) Tr. Rhodanum: Caes. b. gall. 1, 10, 5. 1, 11, 5. 
Liv. 21, 26, 6. Ennod. p. 103, 9 V. Greg. T. h. Fr. 2, 9 p. 77, 12. 

U. Ararem Rhodanumque et Sequanam Greg. T. h. Fr. 8, 30 
p. 343, 13. 

7) Tr. Rhenum kam nicht nur in der Litteratur, sondern 
auch in der lebendigen Sprache wohl erst seit Cäsar in aus- 
gedehnteren Gebrauch: Caes. b. gall. 1, 5, 4. 1, 35, 3. 1, 54, 1. 2, 
35, 1 u. ö. Liv. per. 139. 140. 142. Plin. n. h. 25, 20. Tac. Germ. 29. 
hist. 4, 12. 5, 23. Suet. Tib. 18. Cal. 45. 51. Claud. 1. . . Dipl. ed. 
Pertz 41, 34. Einh. ann. 779. 782. 785. 795. 822. 826 u. ü. (im 
ganzen nahezu 60 St.). Eine stehende Verbindung ist Germani 
qui tr. Rh. incohmt: Caes. b. gall. 1, 1, 4. 1, 28, 4. Suet. Caes. 25 
ii. ö. Da auch sonst tr. Rh. häufig mit Bezugnahme auf Grofs- 
germanien und seine Bewohner gebraucht wird (vgl. Caes. b. gall. 
6, 35, 4 tr. Rh. ad Germanos, ib. 7, 65, 4 tr. M. in Germaniam, 
Plin. n. h. 25, 20 in Germania tr. Rh. u. o.), so steht der einfache 
Prapoaitionalausdruck oft geradezu im Sinne von in Germania, 
-am: Caes. b. gall. 6, 24, 1 fuit tempus, cum Galli . . tr. RJh. (nach 



366 Pb. Thielmann: 

Germanien) colonias mitterent, Flor. 3, 10, 8. Aur. Vict epit. 1, 13 
huius (des Augustus) tempore tr. Eh. vastatus est Bomanus ezer- 
citus u. o. — Transrhenanus: Caes. b. gall. 4, 16, 5. 5, 2, 4. 6, 
5, 5 u. ö. 

Z7. Rhenum: (Sen. dial. 10, 4, 5). Lucan. 7,433 (Tac. Germ. 29). 
Mamert. pan. 7 p. 95, 20. Eutr. 7, 9, 1. 10, 14, 2. Fest brev. 6, 3. 
Cass. hist. trip. 12, 4. Greg. T. h. Fr. 4, 49 p. 184, 5. Fred. 4, 38. 
40. 87. cont. Fred. 109. 111. gest. Franc. 4. 5. Paul. Diac. h. L 

1, 1. id. Bd. 95, 710 M. Einh. ep. 35 (ter), Vit. Clari 2 (= Act 
Sanct. Ian. I 55 ff.). Vit. S. Bonif. app. 3, 11. 12. hist misc. 7, 14. 
Gregor von Tours und Fredegar vertreten hier mit u. die Volks- 
sprache, Einhard mit überwiegendem tr. die Kunstsprache. 

8) Tr. flumen Ligeris Jordan. Get 226 p. 115, 21, tr. Ligen 
lex Sal., tr. fluvium Ligeris Erm. Nig. poet Car. II 27, 93. 28, 130. 
Häufiger ist u. Ligerem: Plin. n. h. 4, 107 (u. eutn). Greg. Tur. B. 
Fr. 2, 9 p. 77, 11. 5, 4 p. 195, 7. 15. Fred. 3, 75. gest Fr. 5. 28. 
33. 53. Dipl. ed. Pertz p. 30, 33. 49, 48. 151, 7. 193, 21. 205, 42, 
bei Migne Bd. 87 (gallische Autoren) col. 1297 b . 1332T 1336», 
bei Pardessus u. ö. 

9) Tr. Garonnam nur Einh. ann. 816; u. Garonnam Greg. 
T. h. Fr. 7, 35 p. 315, 4. 8, 18 p. 337, 17. Ven. Fort carm. 1, 8 
tit. Cont. Fred. 130. 134. 

Germanien. 10) Tr. Alb im in den Kämpfen des Drusus 
und Germanicus: Tac. ann. 2, 19. Eutr. 7, 9, 1 = bist misc 7, 14; 
zu den Zeiten der Karolinger lautet die Formel meist tr. AJbiam: 
Form. ed. Zeumer 289, 1. Einh. ann. 804. 809 bis. 811. 819. 822 
— Transalbianus Einh. ann. 798. 804. 817 n. ö. 

U. Albim Suet. Aug. 21, ein cod. bei Einh. ann. 804. 

Das übrige Europa. 11) Tr. Danuvium kam (zugleich 
mit u. Danuvium) etwa seit Trajan, der Dacien zur Provim 
machte, in häufigeren Gebrauch: Tac. Germ. 29. Vop. Aurel. 22, 2. 
Aur. Vict. Caes. 29, 4. Eutr. 8, 2, 2. Fest brev. 8, 2. Oros. 7,12,2. 

7, 22, 7 (= Free. 2, 3, 9). Iordan. Get. 74 p. 75, 8. Geogr. min. 
121, 16. Isid. or. 17, 9, 40. An. Rav. 188, 1. — Transdamvim 
Vop. Aur. 39, 7; -danuviani Orell. inscr. 750. 

U. Danuvium: (Sen. dial. 10, 4, 5). Tac. ann. 2, 63. Eatr. 9, 

8, 2. 9, 15, 1. Prosp. Aquit Bd. 51, 603° M. Iord. Rom. 217 p. 27, 
26. 247 p. 32, 15. Get 223 p. 115, 7. 301 p. 135, 13. Isid. or.9, 

2, 94. An. Rav. 189, 9. 205, 3. hist. misc. 21, 20. 

12) Tr. Istrum: Aur. Vict. Caes. 13, 3. 33, 3. Amm. Marc. 



Uls, trans und ultra. 367 

29, 6, 2. Cass. hist trip. 1, 9. 8, 13. 9, 45. 47. — U. Istrum: (Sen. 
n. q. praef. 8). Curt 7, 7, 4. 

13) Tr. Tan aim -in: ltin. Alex. 38 p. 20, 7 V. Claudian. 3, 
324; u. Tanaim: Curt 7, 4, 6. 32. 7, 7, 1. 7, 8, 30. Amm. Marc. 
22, 8, 29. 

Asien: 14) Tr. Euphratem -en ist stehend bei Erwähnung 
der Partherkriege: Cic. div. 2, 22. Tac. hist. 5, 9. ann. 15, 17. Eutr. 
6, 18, 2. Fest. brev. 17, 4. Oros. 7, 12, 2; aufserdem vgl. lustin. 
12, 13, 4. Plin. n. h. 19, 48 u. ö. 

ü. Euphratem: (Sen. dial. 10, 4, 5). Curt. 4, 11, 19. 10, 5, 12. 
Tac. ann. 15, 17. Heges. 1, 40, 56. 2, 9, 189. 

15) Tr. Tigridem -in: Fest. brev. 14, 6. Oros. 7, 12, 2. — 
Transtigritanus Fest. brev. 25, 3. Amm. Marc. 18, 9, 2 u. ö. 

U. Tigrim: Lucan. 7, 433. Plin. n. h. 12, 78 (u. Pasitigrim), 
ine. pan. 3 p. 134, 11. 

16) Tr. Iordanem -en ist häufig ixi der Bibel (Vu 8 . gen. 
50, 10. num. 22, 1 u. o.), bei christlichen Dichtern (Iuvenc. 1, 415) 
und Prosaikern (Heges. 1, 45, 70. 5, 40, 2 u. o.), fehlt aber sonst 

U. Iordanem: Lugd. deut 1, 1; SGerm. 14 Iudith 1, 9; Vu 2 . 
Marc. 10, 1. Vu 3 . los. 21, 36. Heges. 4, 16, 20. Hier., Rufin, 
Augustin u. a. 

3« Berg, a) Allgemeines. Tr. montes erscheint ver- 
hältnismäfsig spät: Liv. 22, 41, 7. 42, 11. 43, 7. 40, 25, 4. Auson. 
ep. 25 (417), 72, noch später tr. montem: grom. 180, 18. 323, 20. 
330, 20. Einh. ann. 782; vergl. den Ortsnamen Tram monte It 
Anton. 574, 6 Wess. und die Variation tr. ardua montis Sil. 15, 
493 (496). - Transmontani Subst Liv. 39, 2, 9. Plin. n. h. 3, 28 u. ö. 

U. montem (vgl. Cic. prov. cons. 34) Mel. 3, 95, u. m&ntana 
Aeth. 106 p. 79, 25; vgl. u. eum (montem) Mel. 1, 117. Plin. n. h. 
5, 36, ii. quod (montium iugtim) Tac. Germ. 43 u. a. 

Dazu stellt sich als Gegensatz tr. vallem: Caes. b. gall. 5, 
49, 5. Vu 8 . 1 reg. 31, 7; vgl. Gild. 19 — Nenn. 37. — U. eam 
convallem b. Afr. 50, 1 (2). 

b) Specielles. 1) Tr. Appenninum: Dec. Brut. ep. 11, 
10, 3. Liv. 5, 33, 9. 39, 2, 3. 4. 41, 19, 1. Vitr. 2, 6, 5 p. 43, 25. 
Plin. n. h. 2, 229. Frontin. 1, 8, 3. — U. Appenninum fehlt 

2) Tr. Alpes dürfte etwa seit Hannibal und mehr noch seit 
der ersten Überschreitung der Alpen durch die Römer 154 v. Chr. 
(Krieg mit den Sallyern, Flor. 3, 2, 3) grofsere Verbreitung ge- 
wonnen haben (nachweisbar seit Cic, im ganzen über 40 St). 



368 Fh. Thielmann: 

Die häufig vorkommende Form tr. Alpis hat sich aus der Zeit 
ihres Entstehens konserviert : Cic. Quinct. 12. 80 (Kayser). D. Brut 
ep. 1 1, 13 a, 3 (Baiter). Liv. 43, 5, 7. 10. Ascon. p. 4, 4. VelL 2, 12, 4. 
Plin. n. h. 6, 218. 16, 66. 69. 18, 85. 36, 159 u. o. Wie tr. Bh* 
num oft = in Germania -am ist, so nimmt tr. Alpes oft geradezu 
die Bedeutung von in Gallia -am an: Plin. n. h. 16, 66 dfbum 
(genas aceris) . . vocatur Galliaim, in transpadana Italia transque 
Alpis nascens y ib. 7, 9. Sulp. Sev. ehr. 2, 32, 1 u. o.; so tritt tr. 
Alpes in Gegensatz zu in Italia (Plin. n. h. 2, 224. 14, 39. 36, 165), 
zu in Asia ib. 7, 56 u. s. w. Im weiteren Sinne liegt allerdings 
Spanien ebenso gut jenseit der A. (Plin. n. h. 6, 218). — Die 
spanischen Alpen d. i. die Pyrenäen sind gemeint bei Ausonius 
ep. 25 (417), 87. Einzelne Teile der Alpen werden genannt It. 
Anton. 387, 5 Wess. tr. A. Cottias und Prud. per. 2, 539 tr. Cotr 
tianorum iuga. Über Transalpes Subst. vgl. S. 252. — Tram- 
alpinus: Com. 4, 43. 45. Cic. Verr. II 2, 118 u. o.; transalpicus 
nur not. Tiron. 144. 

U. Alpes: Plin. n. h. 3, 47. 4, 79. Flor. 4, 1, 9. Paul. Diaa 
h. L. 2, 23; vgl. u. Alpiae(?) scr. Lang. 501, 22. 

3) Tr. iuga Pyrcnes Sil. 1, 643 (640); vgl. Auson. ep. 25 
(417), 87. Prud. per. 2, 540. Einh. ann. 809. — U. Pyrenen Sil. 1, 
669 (666). 

4) Tr. Taurum dürfte etwa seit Lucullus (Fest brev. 14, 1) 
aufgekommen sein: Cic. ep. 2, 15, 5. 3, 8, 4. 15, 1, 2. Frontin. 1, 
1, 6. Tac. ann. 15, 8. Amm. Marc. 31, 16, 8. 

II. Taurum: (m. Tauri iuga, u. iuga T. Liv, 37, 53, 25. 38, 

8, 4. 38, 12, 4. 38, 47, 11. 38, 53, 3. 42, 42, 6. 42, 50, 6, überall 
in Verbindung mit emoveo und exigo) Liv. 38, 39, 17. Val. Max. 
4, 1 ext. 9. 8, 1 daran. 1. Iul. Val. 1, 48. Aur. Vict. v. ill. 54, 5. 
Fest. brev. 12, 1 (u. iuga Tauri), Iordan. Rom. 227 p. 29, 27. 

4. Varia. 1) Tr. viam ist eine speeifisch juristische Ver-